Issue 
17/11/1909 Drittes Blatt
 
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

Nr. 270

Drittes Blatt

159. Jahrgang

Mittwoch 17. November 1909

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

£te H6tfßfncr ZamiltenblStter" werden dem Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt. daS '«reisblan für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. D»eLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erfchemen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheften

Rotationsdruck und Beriag der Vrü blichen Unwersuäls Blich- und Slemdruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion. Exveditton und Druckerei: Schul« straße 7. Exoedinon und Verlag: Redaktton: 112. Tel.-2U>ru2lnzergerGießen.

Dom Diamantenfeld in Deutsch Zudweftafrila. I

Geologe Paul R

ange, bcsonders intet-

Kürzlich wurde gemeldet, daß die Deutsche Diamant- Hesellsch-aft in Südwestafrika einen Diamanten im Gewicht jpn siebzehn Karat gefunden und daß allein diese G.'sell- ^aft im verflossenen Monat eine Ausbeute von 18000 Ißt-at erzielt habe. Bei diesen außerordentlichen Erfolgen lurften die Ausführungen eines genauen Kenners der dor- igen Verhältnisse, des Geologen beim Gouvernement reutsch-Südwestasrika Tr. Paul tflr - 3 - gieren, die dieser in der neuesten Nummer des amtlichen Deutschen Kvlonialblattes veröffentlicht- Wir entnehmen

ilm folgendes:

Ein Vorkommen von Diamanten, das innerhalb eines Jahres trotz schwieriger klimatischer Umstände auf 260 Ziiloine'er Längserstreckung nachgewiesen wurde, hat jeden­falls Aussicht, längere Jahre aus^uhalten. Bisher ist erst der kleinere Teil dec Lagerstätten in Ausbeutung begriffen; in dem für die Kolonialgesellschaft gesperrten Gebiet harren noch Millionenwerte der Hebung. Natür­lich ist eine Berechnung solcher Vorkommen immer eine mißliche Sache, und die von fachmännischer Sei.e abge­gebenen Sclzätzungen sind nur Näherungswerte. Die Ent­deckung einer primären Lagerstätte liegt aber durchaus nicht außer dem Bereich der Möglichkeit. Dazu werden systematische Untersuchungen auch nach Erschöpfung der obersten Kiesschicht unter dieser an manchen Stellen noch andere, wenn auch ärmere Horizonte erschließen. Uuter- Fchätzt worden sind allerdings vielfach die Produktions­kosten; so niedrig wie sie anfangs waren, sind sie schon heute meist nicht mehr, da das Auslesen der reichsten Si eilen ziemlich rasch vor sich geht. Sie werden auch noch weiter steigen, je entfernter dre'bearbci e.en Lag.rs.ätten ^von Lüderitzbucht liegen, da der Nachschub auf dem Lund- iiuege bald sehr teuer, wenn nicht unmöglich wird, und auch »aus dem Seewege viele Schwierigkeiten, die in der Un­wirtlichkeit des S^eans ihre Ursache haben, zu überwinden sind. Tie Gesamtförderung betrug in Kvrat (= 204 mg) im vierten ÄLlendervierteljoht 1003 23 853, vorn I muar bis 31. Juli 1909 200 227, insgesamt also 224 079. In den Förderziffern sind nicht enthalten das Gewicht der Diamanten, die beim Schürfen gewonnen wurden. Dies sind, soweit nack)gewiesen, 33 709 Karat, wovon allein 24 553 Karat auf das Pomonagebiet entfallen. Tie Forde­rung zeigt also noch eine ständige Aufwärtsbewegung und wird erst, nachdem alle Gesellschaften in eine regel­mäßige Förderung eingetreten sind, stabilere Werte auf­weisen. Tie Qualität der Steine ist ausgezeichnet; ihre Größe sehr gangbar, auch verwöhntere Ansprüche können durch die neueroings gefundenen größeren S eine befrie­digt werden. So hat Die Entwicklung der Lüderitzbuchter Diamantlaaerstatten durchweg die Erwartungen über­troffen. unb man kann mit Sicherheit annehmen, daß noch lange Jahre zum Nutzen der südwestafri.'anischen Kolonie und damit des Reichs ein gewinnbringender Bergbau aus ihnen umgehen wird."

Gießener Strafkammer.

X Gießen, 16. Nov.

Ein ErpressnngSversuch

ist dem hier wohnhaften Arbeiter W. K. aus Watzenborn zur Last gelegt. Ein hiesiger Arzt, bei dem seine Frau in Behandlung stand, soll sich bei biefer ungünstig über ihn geäußert haben. K. schrieb deshalb an den Arzt, er habe ihm eine Ehrenkränkung zu­gefügt, indem er ihn einen arbeitsschauen Drückenberger genannt und seine Jrau drangsaliert habe. Er forderte den Arzt aus, die Beleidigung zurückzunehmen und erwartete Auskunft, indem et ihn mit einer Gebühr von 10 Mark belastete. Er stellte eine bestimmte Frist zur Zahlung des Betrages und Zusendung des Besclieides, andernfalls er gerichtlich gegen ihn vor gehen werde. Ter Arzt, der sich keiner Schuld bewußt war, übergab aus An­raten von Kollegen im Jnterepü der Aerzte den Brief der Staats­anwaltschaft, die iregen Erpresiuirgsversuchs Anklage erhob. Nach den polizeilichen Feststellungen drückt sich der Angeklagte gern von der Arbeit und sucht aus Kosten der Krankenkasse zu leben.. Während er frühe angab, der gesorderte Geldbetrag sollte eine Entschädigung für Verdienst, der dec Frau infolge der Behandlung durch den Arzt entgangen ist, sein, stellte er die Sache bei der Verhandlung so hin, als habe er an eine Sühne gedacht, die den Armen zugute kommen sollte. Auf alle Falle hat er durch Dvohung den Arzt bestimmen wollen, ihm einen Geldbetrag zu zahlen, der ihm nicht zusteht, womit der Taticitanb des Versuchs der Erpressuna gegeben ist. Ter An­geklagte wurde zu der Mindeststrafe von acht TagenGesäng- nis verurteilt, wobei seine Aufregung strafmildernd berücksichtigt wurde.

Zwei Friedensstörer

hatten sich vor dem Schöffengericht wegen Körperverletzung, Be- droliung, Sachbescltädigung und Hausfriedensbruchs zu verant­worten. Als im letzten Sommer in einer Wirtschaft zu Erben­hausen Tanzmusik abgeljaften wurde, waren auch die Knechte 8b. und K. L. von Tannen rod amvesend. Ter Zuletztgenannte hob einen Tisch hoch, daß die» Gläser umfielen und teilweise zerbrachen. Ter Wirt stellte ihn zur Rede und verlangte Ersatz des Schadens, worauf er c nen Stuhl erhob und den Wirt mit Totschlägen bedrohte. Als ein Verwandter dos Wirts dazwiscl)LN trat, sprang ö. L. hinzu und schlug diesem ein Bierglas auf den Köpf, dessen Scherben größere Verletzungen hervorriefen, sodaß eine mehrtägige Arbeits­unfähigkeit eintral. Die Brüder L. wurden von Gästen aus dem Lokal gebracht: sie gebärdeten sich aber wie wütend und schlugen gegen Fenster und Türen. K. L. drang in die Ahnung des Wirts unb schlug blindlings auf die Betten in den Schlafzimmern, daß sich eine Fran mit ihrem Kinde flüchten mußte; dabei wurde auch eine Türfüllung eingeschlagen. Tas Schöffengericht verurteilte H. L. wegen Körperverletzung und X)ausfriedensoruch zu 6 Wochen GtefännniS und K. L. bekam löegen Bedrohung und Sachbeschädigung 4 Wochen, während in einem Falle Freisprechung eintrat Tie Angeklagten fochten das Urteil an und versuchten die Zeugen als unglaubwürdig hinzustellen. Es bestand aber kein Anlaß, ihren Aussagen zu mißtrauen, weshalb das Urteil bestätigt wurde.

Einen folgenschweren Steinwurf

hatte der Landwirt S>. Sch. von Schellnhausen zu beklagen. Er hatte bei einem Wirt gemäht, wobei viel Schnaps und Bier ge­trunken wurde. Es wurde ihm auch erzählt, em Zuckerwarenhändler hätte seinem Sohn nachgesagt, er hätte ihm mittels Einbruchs Zuckerwaren gestohlen. Angetrunken und aufgeregt bombardierte et das Lxrus des Zuckerwarenhändlers mit Steinen, bis dessen Mutter hinaustrat und sich dieses verbat. Kaum draußen, erhielt die Frau einen zwei Pfund schweren Stein in die Seite: sie konnte

N2 230.

.Violinen.

Bandonions. Zithern etc. etc.

VerlangenX Sie gratif

«Inhalt: Gram aphonc' iMiisikund Sprech-. LApparate.Büchez:4

Künstlerische Wandbilder.

Barometer, i r. ^LsrhotogtÄpparate.J ihnen. Zieh-Harmonikas. Ä

«A-R-

- r

rund mit drehbarem Fletschgestell, beste unb prakttschste Räucherei (über 150 Stück bereits verkauft) empfiehlt

J. B. Häuser, Eiskllhlilldliilig

Xeustadt 56 6128 Rodheimer Straße 42

Restauration

zum neuen Theater

Johannesstrasse 3

Dem verehrten Publikum zur Nachricht, daß ich ver- hütnisiehalber genötigt bin mein Geschäft wieder selbst zu vernehmen und halte mich bei nur reeller Bedienung bestens rnpfohlen. Achtungsvoll

6<36 LouiS

Vacuttm-rlieiniger

empfiehlt

v ohnungsentstanbungen sowie Teppichreimgnng am Lycnem Vager, gy- Abonnementsabschlüsse.

VISITKA RTEN in Jeder beliebigen Schriftart und Kartonsorte, sowie mit Zirkeln aller studentischen Ver­fügungen liefert zu mäßigen Preisen die Brühl1 sehe Univ.-Druckerei.

Hamburg. Korrespondent, 14. November 1909.

Sammlung der neuesten Entscheidungen deS Reichsgerichts, des Kaiserlichen Patentamtes, der OberlandeSgerichte, der BcrwaltuugSgerichte sowie zahlreicher Berwaltuugsbehürdeu

in Kartothek Ausgabe. al7/u

Unter der redaktionellen Oberleitung des Herrn Justizrats Dr. Fuld-Mainz.

Verlag von Emil Roth in Gießen.

Diese in monatlichen Lieferungen von 80 bis 100 (Seiten er­scheinende und im Jahresabonnement zu Mk. 30 für 12 Lieferungen erhältliche Ausgabe hat die bisher in der Fuchsbergerschen Samm­lung aufgenommenen 13 Gesetzesmaterien auf 20 erweitert und um­faßt das ganze für den prakttschen Juristen in Bettacht kommende Rechtsgeknet, Bürgerliches Recht mit allen Nebengesetzen, Ur­heberrecht, soziale Versicherung, Sttaftecht, Prozeß usw. Ter Nutzen dieser neuen Ausgabe ergibt sich zunächst aus der in Aus­sicht gestellten schnellen rnonatltchen Folge der Erscheinung, im Gegensatz zu den bisherigen Fuchsbergerschen Bandausgaben, die nur ungefähr alle fünf Jahre einen neuen Ergänzungsband boten. Tie unverkennbare Wichtigkeit dieser Neuausgabe liegt aber in der überaus praktischen und handlichen Form des Kartotheksystems, das den eigentlichen Unterschied dieser Sammlung von den vielfachen fonftigen Sammlungen und Registern ausmacht. Nach diesem schon längere Seit, z. B. bei den Gerichten für Sttaftegister, für Bibliothekskataloge geübten Systeme umfaßt die jedesmalige Lie­ferung eine größere Anzahl von Kartvnblättern, die den Vordruck der betreffenden Materie tragen und in starkem Druck den bei der Entscheidung hauptsächlich in Frage kommenden Paragraphen oder Arttkel wiedergeben. Für jede der 20 Gesetzesmaterien liefert die Verlagsbuchhandlung praktisch eingerichtete verschließbare Buch- formtäften zum Preise von je?60Pfg., auf deren Rücken und Deckel­sette die einzelnen Materien ausgedruckt sind. Der Abonnent hat dann bei jeder Lieferung die einzelnen Kartons an ihre Stelle nach Band und Gefetzesparagraph zu legen, um ein stets ä jour ge­haltenes Register der Rechtsprechung zu haben.

Das Oronen der einzelnen Entscheidungen, bereit schnelles Auf­finden und leichte Handhabung ist von nicht zu unterschätzendem Vorteil für den prakttschen Juristen, den Verwaltungsbeamten und in Sonderheit auch für Baufachleute und Industrielle. Der Benutzer ist nach diesem System der Arbett enthoben, in zahlreichen Registern nach den zerstreuten Entscheidungen suchen und feststellen zu müssen, welche davon ihre Bedeutung behalten haben, welche durch neuere Erkenntnisse überholt sind. Ta bei der Bearbeitung der Entscheidimgen großer Wett auf ausführliche Mitteilung der Gründe gelegt ist und die Klarhett unb Verständlichkeit der Aus- bruckswetse besonders betticksichttgt worden ist, dürfte diese Samm­lung in der neuen Erscheinung allen Interessenten angelegentlich empfohlen werden können. ' 8.

Stadtbekannt!

ist es, daß Sie

aller Art, Petrol.-

SölB Hcizöicu am voriell- haftesten kaufen bet

J« B. Häuser

Neustadt 56.

Telephon 660. Rodheimer Str. 42.

Preislisten auf Wunsch. [5654

den Stein noch aufheben und mit in die Wohnung nehmen, mußte aber bann den Arzt zuziehen. Nach zwei Tagen starb die Frau und die Settionsärzte glaubten aus dem blutleeren Gehirn der Frau folgern zu inüs'en, daß der Tod die Folge des Wurfes sei Sch. wurde wegen Körperverletzung angeklagt: es wurde aber auch ein anderer Sachverständiger zuaezogen, der mit größerer Wahrsclnnnliclftmt die Todesursache als Hcrzlähmuno^ femtelltc, zumal festsiand, daß die Verlebte bis kurz vor ihrem Tode sie war noch in den $x>f gegangen und ist dort zusammengebrochen gehen konnte. Die Blutleere des Gehirns glaubte dieser Sach.- verständige daraus zurücksühren zu müssen, daß die Verletzte kurz vor ihrem Tod und nach diesem in fast sitzender 'Stellung sich be fand. Es konnte somit nicht angenommen werden, daß die Ver­letzung infolge des Steinwurss zum Tod der Frau geführt hat. Dagegen stand fest, daß die Frau infolge des Wurfs erhebliche Schmerzen zu lechen hatte. Tas Gericht erkannte auf die von der Slaalsanwaltschaft beantragte Strafe von vier Monaten Ge.- f ä n g n i s , inbean es Körperverletzung mittels gefährlichen Werk­zeugs annahm.

Seine Zuständigkeit überschritten

hat der Starchesbeamte G. K. von Mittel-Gründau. Er hat ein Brautpaar getraut, von denen der eine Teil in Büdingen und der andere in Lindheim wohnhaft war, ohne eine schrislluche Ermächtigung des zuständigen Standesbeamten zu haben. Zn seiner Enttclmldigung führte er an, er habe sich für zuständig ci> achttt, west der Bräutigam bis ein halbes Jahr vor der Trauung in Mittckl-Gründau gewohnt habe unb sich auch fast ständig horten aush.elt. Ta nur ein Versehen auf feiten des Angeklagten Dor- liegt und er noch Neuling ist, hielt das Gericht f ü n f Mark Geldstrafe für ausreichend, auf die es wegen Vergehens gegen

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

das Persvncnstandsgesetz crtanntc.

2 o

c

Temperatur am

tri

S*

16. November -p 4,30 C.

16.

Schneefall

+ 0,3 °C.

Wetter

92

96

94

NE NE

10

10

10

Nov.

1909

Ö

Q

15. bis

15.

Niedrigste Niederschlag

740,0 -4- 1,2 4,6 7ö9 9 -f-08 4.7

9,5 mm. Schneedecke 130 mui.

16. 2

16. 9

17.i 736

741,2 [ + 0,7

AHFI Rüsselsheim m. I I M k I Nähmaschinen, UlFahrräder, Motorwagen

*Man verlange Preisliste.

Hlldeufscher Verband.

Freitag, 19. November, 81/4 Uhr, in Steins Garten

1. OeffenMcher Vortrag

Prof. Dr. M. Biermer, Gießen:

Bis preussische bbuitahgi

2. Vorführung farbiger Lichtbilder:

,Deutsche Kulturarbeit in den Ostmarken

Eintritt frei. d15/,

in

F

in jeder Preislage.

Jacken

<

allen modernen

Webarten und färben

GeNtr Jmleer,

Marktplatz 910.

fertigen wir nach Maass unter Garantie für tadellosen Sitz für Mk. 15.00 an.

Stoffe für Jackenkleider