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Die „Girhener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „KreUblatt für Öen Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- slraße 7. Expedition unb Verlag: 51.
Redaktion:e-^112. Tel.-Adr^ AnzeigerGießen.
Nr. 1^9 Zweites Blatt 159.Jahrgang Dienstag 3.Angrast 1909
«rMrint f=9M) mit AuSn-hm- bei Sonntags. A yv . AA Siotationsbruä unb D-rlag b,r B-üht'Ich--,
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Geueral-Anzeiger für Oberhejsen
HuSlanös Friedenspolitik.
Die Drinksprüche, die am Samstag auf der Reede von Cherbourg zwischen deni Präsidenten Fälliges nnd dem Zaren ausgetauscht wurden, waren sehr herzlicher Natur. Man braucht darüber nicht überrascht zu sein, weil auch bei den früheren Begegnungen des russischen Monarchen mit dem Oberhaupt der französischen Republik stets die unwandelbare Freundschaft und das Bündnis zwischen den beiden Ländern in allen Tonarten gepriesen worden ist. Leit wichtiger ist ganz entschieden, dag diesmal von beiden Seiten die Begegnung als eine Bürgschaft des Friedens bezeichnet worden ist. Man wird cs Kaiser Nikolaus ohne weiteres glauben, daß er nach Kräften bemüht ist, an der Erhaltung des Weltfriedens beizutragen. Er hat dies auch bei seiner letzten Zusammentnnft mit Kaiser Wilhelm besonders betont und er wird gewiß gerade bei unserm Kaiser in seinem Bestreben stets volle Unterstützung finden. Ter russische Minister des Aeußern, der in Cherbourg mit seinem französischen Kollegen längere Unterredungen hatte, äußerte sich in einem Interview mit einem Pariser Journalisten sehr eingehend über die Zusammcntunft der beiden Staatsoberhäupter und bestätigte bei dieser Gelegenheit, daß die Politik Rußlands vor allem die Erhaltung des Friedens verfolge. Herr Iswolski bob hervor, daß Rußland mit Deutschland herzliche Beziehungen unterhalten müsse, und daß das Bündnis mit Frankreich sowie die Entente mit England ebenfalls das Ziel hätten, den Frieden ausrecht zu erhalten. Zwar bildeten die herzlichen und freundschaftlichen Beziehungen zu Frankreich und England die Grundlage der 'auswärtigen Politik Rußlands, aber gerade deshalb würden sie sich mit dem guten Einvernehmen zwischen Rußland und Deutschland vertragen. Tie englisch-russische Entente habe in England lange Zeit Gegner gehabt, die nicht an chre Beständigkeit glaubten. Ter Beweis für die Festigkeit der Entente yabe sich setzt aber am besten in Persien gezeigt, wo sich beide Mächte ohne Schwierigkeiten verständigen ionnteii. Eine neue Bekräftigung werde diese Entente in der bevorstehenden Begegnung zwischen Kaiser Nikolaus und Aönig Eduard in den englischen Gewässern erhalten. Minister Pichon hat ebenso wie Iswolski den friedlichen Charakter betont, den die Begegnungen zwischen Souveränen und Staatsoberhäuptern tragen. Tie Tatsache, daß der Kaiser von Rußland nach seinem Besuch beim Präsidenten Faltiöres mit dem König von England zusammentrefsen werde, könne auf keiner Leite irgendwelche Beunruhigung Hervorrufen. Welche Frage auch immer im Lause dieser Begegnung behandelt werden möge, es könne nur im Sinne des Friedens geschehen. In Europa wisse jedermann, daß der einmütige Wille der Völker aus den Frieden gerichtet fei. Man könne sogar sagen, daß jeder von dem unter den Mächten Europas hergestellten Gleichgewicht befriedigt ist, ivcil dieses Gleichgewicht ernste Grundlagen habe und eine Bürgschaft der Stabilität bilde.
Tiefe Worte des sympathischen französischen Außenministers werden sicherlich allenthalben freudig begrüßt werden, denn sie bieten eine Gewähr dafür, daß Frankreich in seinem eigensten Interesse am Frieden festhält. In Teutschland wird man sich über den. Zweibund nicht ausregen, wenn man die Gewißheit hat, daß er den Zwecken dienen soll, Die von den beiden Ministern Jswolsti und Pichon mit aesonderem Applomb in den Vordergrund geschoben werden. Ter russische Außenminister hat auch erklärt, daß er auf Dem Bal tau die bisherige Politik beibehalten und daß Europa in Marokko keinesfalls intervenieren werde, da Frankreich in diefer Frage als Nachbar Spaniens allein interessiert sei. Solange dadurch unsere Interessen nicht berührt werden, können wir uns mit einer solchen Politik einverstanden erklären. Alles in allem wird die Entrevue m Cherbourg an unserem augenblicklichen Verhältnis zu Frantreich nichts ändern.
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Vie Welt braucht ihren Schlaf."
„Tic Welt braucht ihren Schlaf, wie du und ich Ten unfern —
O rühret nicht am Sclstase dieser Welt!"
cust Ludwig Gurlitt int Juliheft der Monatsschrift „Nord und 3üb“ aus, um wieder einmal einen kräftigen Vorstoß im Kampfe sw die Erziehungsreform zu machen. „Immer seltener", sagt Ci, „werden in unserer nivellierenden Gesellschaft die Menschen Don eigenem Gepräge. Staat und Geselllchaft arbeiten mit Hochdruck daran, den emzelnen Menschen eiilzuordnen als Glied ni »tr Kette, als Rad in der Maschine und sind einig in der Abwehr Wgen die wenigen Menschen, die die Bedeutung und den Wert tot Persönlichkeit nicht in ihrer Anpassungssähigleit an die Masse linden, sondern in der Kraft, mit der sie ihre Eigenart zur Geltung bringen. Es scheint heute wirtlich schlverer zu sein als « früheren Zeiten, den Menschen in sich zu freier Entwicklung ui bringen, denn die Massen waren nie besser organisiert, als >rute in Staat, Schule, Heer und Kirche, in Ständen und Par- icien. Tie Massenmeiimngen war nie stärker und weiter verleitet, klarer und zivingender sestgelegt als in der Gegenloart, vo durch den Druck und die sichere Verbreitung von Gesetzen und Verordnungen, Statuten und Paragraphen und durch den wohl- a-.rganisierteu Zusammenschluß von Jmeressengruppen der ört- liihen und persönlichen Eigenart oder Willkür leicht entgegen- 3 «treten werden kann. Eintracht macht stark. Tas ist gewiß oahr, aber sie macht nur die Massen stark, nicht den Einzelnen. 4nb mit fliUem Rechte stellt man das andere Wort daneben: der Starke ist am mächtigsten allein. Durch Eintracht, d. h. durch i)<n Zusammenschluß mit anderen, muß der Mensch von starkem 'tflenen Gepräge immer viel und ost gerade das Beste von seinem Eigenen preisgeben. Solche Zusammenschlüsse zum Zweck einer 'liassenwirkung gehen immer auf Kosten der Eiuzelper oulichk uen: di- Masse bildet sich ihre eigene Moral. Gut und vernünftig nennt sie das, was ihr selbst dienlich ist Schlecht und töriüit, Iim» ihr entgegen steht. Sic wird gleichgültig gegen alles, was dem Massenbedürfnis und Masseninstinkte fremd ist Tas ilt das Schicksal aller Stände-, Klassen-, Parteien und Fachpolitik, daß fit in Einseitigkeit versinkt und in Verbohrtheit endigt.
Wer in künftigen Jahrhunderten die Parteiorgane etwa des humanistischen Gymnasiums und des Rcalghmiiasiums ftudieren iollte, der wird es gar nicht fassen können, bis zu welchem lächerlichen Fanatismus, bis zu welcher unglaublichen Kurzsichtigkeit der jahrelange Betrieb einer eng begrenzten Gedau'enfabrik herab« Mken kann. Einen ähnlich versimpelten Eindruck wird tüujtig
Die Lage Spaniens.
Ter Pariser spanische Botschafter hat sich einem Mitarbeiter des „Temps" gegenüber ziemlich optimistisch über die Lage iit Spanien und im Gebiete von Melilla geäußert. Ter Aufstand in Barcelona tverde gewiß in keinen Bürgerkrieg ausarten. Es handelt sich nickst um eine von einer organisierten Partei ausgehenden Bewegung, sondern um einen Ausbruch von anarchistif'ck)eni Fieber. In Melilla sei die Ehre Spaniens engagiert. Trotz der numerischen Uebermacht der Riffleute mid trotz der ungünstigen Stellung sei die spanische Armee int Vorteil geblieben. Tie spa- nischeit Verluste seien von der Presse außerordentlich übertrieben: worden. Ein ihm zugegangeneS Telegramm bestätige, daß sie niemals 300 überstiegen hätten. Man wolle die Riffleute zück»- tigen und dafür genügen die gegenwärtig an Land gebrachten -bimppen. In finanzieller Beziehung würde es selbst, ivcnn eine größere Kraftanstrengung nötig wäre, weder neuer Steuern, noch eines Anlchenä bedürfen. Der Staatsschatz Der füge über einen Ueberschuß von 90 Millionen, davon 60 Millionen m Gold. Diese Reserve würde für alle Fälle genügen. Es sei auch nicht die Rede davon, um einen auswärtigen Beistand anzusuchcn. Spanien rechne nur auf die moraliscln Unterstützung Europas und ich hege die Zuversicht, daß sie uns nicht fehlen werde. Besonders Frankreich tverde, so baffe er fest immer auf spanischer Seite stehen, der Gemcinbürgschaft treu, die in Marokko seine und die spanischen Interessen vereinigten.
Die Lage scheint sich tatsächlich gebessert zu haben. Der Eisenbahnverkehr zwischen Barcelona, Eerböre, Saragossa und Valencia soll .am heutigen Dienstag wieder hergestellt sein. Der Nahverkehr um Barcelona ist bereits wieder im Betrieb. Die dkachricht, daß Massenhinrichtungen vollzogen worden seien, ist unzutrefsend. Die Urteile des Kriegsgerichts harren noch der Bestätigung des Ministers.
9?eue Schwierigkeiten könnten für die Regierung entstehen, wenn sich die Meldung von einem Generalstreik bestätigen sollte. Er war für gestern ungesagt, aber die heute vorliegenden Meldungen wissen nichts von dem wirklichen Ausbruche des Generalstreikes zu berichten. Ter gestrige Tag ist also anschinend für Spanien ohne meiterc Störungen verlausen.
Ter spanische Thronprätendent Ton Jaime erklärte einem Mitarbeiter der „Neuen Freien Presse" über die Stellung der Karlistenpartei in den gegenwärtigen spanischen Wirren. Tie Karlistenpartei ist eine Partei der Ordnung: sie will eine Hoffnung für Spanien fein und lein Schreckgespenst Meine ganze Seele weilt jetzt bei der heldenhaften spanischen Armee. Unter anderen Umständen wäre es mein heißester Wunsch gewesen, an der Spitze dcc spanisch» Armee zu stel-en und für das Banner Spaniens zu kämpfen. 'Nun geht es nicht an. Niemals würde ich es auf mich nehmen, ein ganzes Volk für mich in Gefahren zu stürzen. Niemals werde ich freiwillig den Krieg selbst entfachen, noch dazu einen Bürgerkrieg. Niemals werde ich leichtsinnig und ohne Dtot Spanier gegen Spanier führen. Wenn ich an der Spitze einer Armee nach Spanien zurückkehren sollte, würde es nur geschehen, um die Ruhe wiederherzustellen, und um der Anarchie ein Ende zu bereiten. Das würde geschehen, wenn z. V. König Alsons von Revolutionären vertrieben würde, oder wenn sonst daS Wohl des Lande» es erheischte. Ich habe mich zum Zeichen meiner friedlich» Gesinnung nach Frohsdors zurückgezogen und weile nicht an der spanisck>en Grenze. Ich habe nur einen Wunsch und eine Sehnsucht: das Glück Spaniens.
politisiere Sagessch««.
Tie „wahren Freunde des Mittelstandes".
Tischlermeister Wilhelm Kniest in Kassel veröffentlicht folgende, üon ihm unterzeichnele Erklärung des Kaßeler JniiuiigSausschujjeS: „Ich habe md)t behauptet, daß die Halile der Wirtschaulichen Ber- emigunq gegen die Erbschaftssteuer geftimmt Hal. Ich habe oiel- »nehr nur gejagt, es scheine fall, als ob gerade so viele Mitglieder der Wirtschaftlichen Vereinigung veranlaßt ivorden seien, gegen diese Steuer zu stimmen, als iiotioeubig waren, um die Erbschaüs- steuer zu Falle zu bringen. In der Tat habeii auch die füni gegen d«efe Steuer ftimmeiibeii Mnglieber der Wirtschaftlichen Vereinigung die Ablehnung der Erbschaitssleiler verschuldet. Ich habe ausdrücklich erklärt, daß Herr Laltmaun für die Erbschaftssteuer gestimmt hat, aber erst ilachdem diese ganz verstümmelt und völlig »riifniiTf n uti iiti if—rrn i !■ .........■uni
die ganze, auf Hebung der Standesehre abzielcndc Lehrerliteratur macheil. Tie Menschen der Gegenwart büßen immer mehr an Weitblick ein, versinken immer leistet in Fach- und Standes- simpclei. Kosmische Naturen wie Goethe und Alexander von Humboldt haben ihre vorbildliche Kraft verloren. Jeder führt sie zwar int Munde und beruft sich auf sie: aber jeder nur zur Befriedigung seiner engen Sonderwünsche. Es bewährt sich immer wieder das griechische Wort: „Ist die Eiche gefällt, so versorgt sich jeder mit Holz." Und an dem Holze kocht sich dann jeder sein dünnes Wassersüppchen.
Es gilt heute als moralische Schuld, abseits zu stehen von der Herde, eigene Gedanken und eigene Wünsche zu hegen. Tas erfährt jeder ichmerzllch am eigenen Leibe, der sich bic Freiheit nimmt, die Welt mit eigenen Augen zu sehen. „Ach, man will schon wieder anders, als die hohe Geistlichkeit:" man will anders, als das Ministerium und das königliche Provinzial-Schulkollegium!
Es haben sich in Teutschland Stimmen hervorgewagl, die das herrschende Schul- und Erziehungswesen verurteilen. Sie trugen ihre Gründe mit so viel Kratt und Ueberzeugung vor, daß selbst die konservativsten Geister aufmerksam und nachdenklich wurden. Und nicht genug damit: sie sahen sich innerlich unb äußerlich gezwungen, lich der gesunden Straft der neuen Gedanken zu fügen. Sie taten es zögernd, aber doch in dem Gefühle, eiitent notwendigen Fortschritt zu dienen. Wie aber benehmen sie sich gegen die, die sie erst ausgerüttelt und an ihre Pflicht gemahnt haben? Nun, so wie alle aus dem Schlaf Gestörten sich gegen die Erwecker benehmen : grob unb undankbar. Taher allen denen, die sich des Friedens, der Achtung und des billigen Tankes ihrer Umgebung treuen wollen, die Mahnung:
„O, rühret, rühret nicht am Schlafe dieser Welt!" ♦
— Liliencron a l s Soldat. „Warum laßt man mich auf dem Schlachtfeld alleine liegen?" Tas waren Detlev v. Lilien- crons lettc Worte im Fiebcrtraum auf dem Totenbette. Wenige Wochen vorher hatte er noch mit Frau und Kindern das Schlachtfeld von Mars la Tour besucht und ihnen die Stelle gezeigt, da er verwundet niedergesunken. Soldat ist er mit Leib und Seele gewesen und dem Kricgerhandwcrk hat sein Leben unb Lieben gehört. Lange bevor er zum Dichter wurde. Daß ihm heißes lampflustiges Blut von den Ahnen her in beit Adern rollte, mar sein Stolz: unter abenteuersuchenden Wickingern und ritterlichen Normanen suchte er seine Vorjahren. Auch hat er ui kurzem Lebensabriß nicht vergessen zu erwähnen, daß sem
wertlos gemacht worden war. Daß Herr Lattmann gewillt ist für den Mittelstand eiuzutreteii, beflreitc id) nicht. Tic Frage ist nur die, ob er eS in der richtigen Weise lut. Hier gehen aber bie 'Meinungen der Praktiker — öcr Handwerker — und des Theoretikers Lattmann wert auSciiianbcv. Tie Gesetze und Verord- mnigeii, welche durch bie Wirijcha'lliche Vereinigung und die anderen sogenannien hanbircrferhcunblidjcn Parteien dem Handwerk beschert worden sind, nehmen sich ans dem Papier ganz gut aus, in Wirklichkeit haben sie aber bis letzt fast gar keinen Rußen gcbrad)t, weit Die Behörden sie nicht im mindesten beachten und anmcuden. . . . Dagegen merken bie Handwerker die Wirkungen der neuen Eteuergesetze, für die Herr Baumann unb seine Partei gestimmt haben, sehr wohl an ihrem Geldbeutel. Sie wollen sich daher durd) den Ansd)luß an den Hansabund den erforderlichen Einfluß fidicrn/ Kniest schließt feine Erklärung: .In einen weiteren ZeilungSkrieg werde ich mid) nicht ehilafieii, weil id) in meinem Geschält alle meine Kräne emsetzen muß, um die hohen Mehrkosten wieder einzukriegeii, welche die Abstimmung der Wirt- (d)QÜlid)en Vereinigung und der ihr verwandten Parteien dem Handwerk befchieden hat."
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Die Mililarluftschissahrt in England.
In der gestrigen Sitzung des englisck)cn Unter bau fc8 famert Etatsforderungen für die Luftfchiffahrt zur Verhandlung. KriegS- minister Haldane äußerte sich über die in dieser Angelegenheit von der Regierung unternommenen Schritte unb sagte, die wirkliche Kriegsbrauchbarkeit der Luftschiffe sei noch nicht erreicht. Für die Zwecke der Marine sei bei dem gegenwärtigen Stand dieser Wissenschaft wohl nur das starre Luftschiff von wirNiehem Wert für das Landhccr, dagegen das unftarre das beste. Der Aervplmt könne für die Armee wertvoll werden, doch müsse er zu RekognoL- zierungszwecken viel höher anfsteigen und auch mehr in der Hand des Luftschiffers sein. Ein starres Lnstschiff von sehr großen Abmessungen, mindestens von der Größe der Zcppelinschcn Luftschiffe werd« in den Werken von VickerS unb Barrow gebaut und zur Aufnahme von 20 Mann eingerichtet. Der Bau eines Luftschiffes des unftarren Systems sei militärischerseits in Angriff genommen. Auch hvfse die Regierung, bald im Besitze zweie« Aeroplanc zu sein, mit denen Versuche angestellt fverden sollen. Schließlich erklärte Haldane, die Regierung habe 78 000 Pfund Sterling zum Studium der Lustschifsahrt in diesem Jahre ans- geworfen und es bestehe gar keine Gefahr, daß England in dieser Frage hinter den anderen Nationen zurückstchcn iverbc. Kriegs- ministcr Haldane führte über den Stand der Militärlustschissahrt weiter aus, daß das unstarre Luftschiff in Aldershot gebaut werde. Ferner werde das Kriegsamt das Luftschiff übernehmen, wozu bic Mittel von einer Londoner Zeitung auf dem Wege einer össentlickxn Subskription aufgebracht wurden. Sckstießlich solle ein drittes Lnstschiff angeschafft werden, wenn die Versuche mit den anderen befriedigend auSfallen. Hieraus wurden die iVrcbitforberungen angenommen.
Ausland.
Todesfall. Der ehemalige österreichische LandeS- vcrteiüigungsminister Baron Lai sch er ist in Salzburg gestorben.
Präsident Fallißres begab sich gestern mittag von Cherbourg nach Paris zurück.
Ter israelitische Deputierte von Salonikis Carasso, ist zum Wali von Adana ernannt worden.
Kreta. Infolge der von der Pforte unternommenen Schritte ist die beanstandete Flagge von der Festung in Stauen heruntergeholt worden. Nach amtlichen Meldungen aus Sticiiiafien ist die Stimmung der Mohame- idancr gegen Griechenland wegen der Kreta- Angelegenheit äußerst erregt. 350 000 Mohamedauer sollen bereit sein, ins Feld zu ziehen, um die Griechen zu vernichten. Tie Negierung trifft Maßnahmen zur Beruhigung der Massen und gab die Versicherung ab, daß die Schutzmächte eine Verletzung der Rechte der Türkei nicfyt zugeben werden.
Der Zar hat 10 000 Francs für die Armen der Stadt Cherbourg gestiftet. Auf der Pforte ist nun*
Großvater mütterlicherseits, der General v. Harten, auf Amerikasl jungfräulichem Kulturboden als wackerer Streiter gefochten undj einer der letzten innigeren Freunde des großen Washüigton war. Früh ward er zum Jäger: mit Hund und G«vehr allein durchs die Heide, Walb und Busch zu streifen, war ihm schon in den Schülertagen, wo ihm bic Mathematik „die schwersten Zeiten des Daseins verursachte", liebste Erholung. Und da regte sich auch mit zwingender Stärke die Sehnsucht nach einem frisch fröhlichen Neiterleben, wenngleich er später um des leidigen Geldes willen Infanterist merben mußte. „Ich wollte von Kindheit an Soldat werben. In Dänemark war dies zu jener Zeit als Schleswig* Holsteiner nicht möglich. Ich ging deshalb nach Preußen. Während^ meiner aktiven Soldaten zeit hatte ich das Glück, viel hin und her geworfen zu werden. Ich besuchte sieben Provinzen und siebzehn Ganiisoncn. Dadurch lernte ich Land und Leute kennen. 18^4/65 war ich am Schlüsse der letzten Girbcbung üt Polen. Ein heller Schein der Erinnerung fiel von diesen jungen Tagen irischen Wagemutes und ersten starken Erlebens aus fein tzanzcS Leben, auf fein gan^cd Dichten. „O du LeutnaMszcit! Mit deiner fröhlict-en Frisck-c, mit deiner Schneidigkeit, mit den vielen herrlichen Freunden und Kameraden, mit allen deinen Rosen* tagen: mit deinem bis aufs 3d)ärffte herangenommenen Pslicht* gcfühl, mit deiner strengen Selbstzucht." 1862 war er als Avantageur in das westfälische Füsilier-Regiment Nr. 37 eingetreten; im Mai 1866 rückte der bei der ersten Kompagnie des ersten Bataillons stehende Sekondeleutnant von Liliencron mit dem Regiment aus und überscknitt, in das donnernde Hurra der Kameraden irol) einstimmend, die österreichisck-c Grenze. In dem; blutig heißen Tressen bei Nachod empfing er seine Feuertaufe, und zwar sollte es :i.hm gleich beim ersten Stampfe beschieden sein, als wahrer Held zum Liege beizutragen. Das Halbbatalllon von Winterfeld, zu dcm er gehörte, stand bei Nachod und am folgenden Tage bei Slalitz im heftigsten Kugelregen an erster Stelle. Die Geschichte des 37. Regiments berichtet von dem tollkühnen Schützcnangrisf des Lcutuants von Liliencron auf einen von feindlicher Artillerie besetzten Hügel. Nack)dem der Haupt- nrann und der Premiccleutirant schwer verwundet aus dem Kampfe getragen sind, führt Liliencron die Slompagnie weiter unb wird auf der Spitze des eroberten HugclS von eurem österreichisck)en Jägerosfizier, den er aufprbert, sich zu ergeben, aus unmittelbares


