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Dienstag S. März 1909
Eeneral-Anzeiger für Gderhefien
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersttätS - Buch« und StembnitfereL R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. ExpediNon und Verlag: e^5L Redaktion:^Kii2. Tel.-Adr.:Anz^gerDießen«
Die „•ießenet ZamiHea^Uttter" werden dem .Anzeiger' viermal Wochen lich beigelegt, daS „Hrdsblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die „randwirtschastttchrn Seth fragen" erscheinen monatlich zweimal
Zweites Blatt 1S9. Jahrgang I
-----------Gießener Anzeiger
(Eine Kaiferreöe.
5it Berlin wurde gestern das hundertjährige Bestehen des preußischen Kriegsministeriums festlich begangen. Bei der offiziellen Feier im Kriegsministerium hielt der Kaiser folgende Ansprache:
„Auf den Schlachtfeldern von Auerstädt und Jena hatte sich das Geschick Preußens erfüllt. In Tilsit hatte ein Friedensvertrag von grausamer Härte die Niederlage besiegelt Zertrümmert war das Heer des großen Königs; aus unzähligen Wunden blutend lag Preußen am Boden, seiner Macht und seines Ansehens im Rate der Völker beraubt, ohne Hoffnung auf die Zukunft Drückender denn je lastete um die Wende des Jahres 1808 das Joch des Eroberers auf dem verstümmelten Staate. Im Besitze der wichtigsten Festungen, stand der Feind in dem gemarterten, unter der Bürde unerschwinglicher Kriegs auflagen zu- sammenbrechendcn Lande. Noch war der Wiederaufbau des Heeres nicht zu Ende geführt Drohender erhoben sich neue Kriegswetter, die auch für Preußens Schicksal entscheidend werden konnten. In dieser Zeit tiefster Demütigung rief mein in Gott ruhender Herr Urgroßvater, weiland König Friedrich Wilhelm III. Majestät das Kriegsdepartement mit der Bestimmung ins Leben, daß zu dem Geschäftskreis dieser Behörde alles gehören sollte, was auf das Militär, dessen Verfassung, Errichtung, Erhaltung und den von solchem zu machenden Gebrauch Bezug hätte. Ein Entschluß von unerrneßlicher Tragweite, denn bisher hatte das Heer der einheitlichen Leitung und Verwaltung entbehrt. Würde die neue Schöpfung sich bewahren und dauernd ihren Aufgaben gerecht werden können? Es gereicht mir zur wahren Genugtuung, heute, an dem Tage, mit welchem vor 100 Jahren das Kriegs Ministerium seine reichgesegnete Tätigkeit begonnen hat, mit freudigem Stolz bezeugen zu können, daß es mein und meiner erhabenen Vorfahren am Throne Vertrauen allerorten vollauf gerechtfertigt hat. Denn in unverbrüchlicher Treue und Hingebung, rastlos und ohne Ermattung schaffend an dem Heere, die Rüstung bereitend und gestaltend, durch dieses befähigt wurde, allezeit seine hohe Bestinimung zu verfolgen, des Vaterlandes Stärke und so Gott will, unüberwindlicher Hort zu sein und zu bleiben, dafür sage ich ihm tiefbewegt meinen löniglichen Dank, und wenn diese Anerkennung allen gilt, die im Kriegsministerium für des Vaterlandes Macht und Ehre ihre ganze Kraft, ihr ganzes Wissen und Können eingesetzt haben, dann richtet sich mein Blick besonders auf jene Größten unter ihnen, auf Scharnhorst und Roon, die Waffenschmiede; jener, der Befreiung Preußens, dieser der Einigung Deutschlands. Den Gefühlen nie verlöschenden Dankes für ihr unvergängliches Wirken in dieser freudigen Stunde von neuem Ausdruck zu geben, ist mir ein Herzensbedürfnis. Möchten allen uns diese leuchtenden Vorbilder Kraft und Erhebung schaffen für das eigene Schaffen. Möge es uns nie an Männern fehlen wie diese beiden, voll aufopfernder Treue und glühender Vaterlandsliebe. Möchte die verhängnisvolle Zeit, in der Deutschlands Kriegsministerium gegründet wurde, immerdar eine Mahnung bleiben, nie still zu stehen, nie zu rasten in der Arbeit für das Vaterland, kein Opfer für dessen Ruhm und Wohlfahrt zu groß oder zu schwer zu erachten. Dann wird der Segen des Allmächtigen alle Zukunft auf den Werken des Kriegs- ministeriunrs ruhen, dann wird Deutschland alle Stürme,
Gietzener Stadttheater.
Gastspiel Ferry DaubalS.
Die gestrige Vorstellung des Hüttenbesitzers, in der Ferry Daubal vom Stadtthcater in Heilbronn als Philipp Derblay zum zweitemnale aus Anstellung spielte, ließ den Künstler in einem wesentlich günstigeren Licht erscheinen denn als Meister Heinrich in Hauptmanns Märchendrama von der versunkenen Glocke. Ich hatte damals die schöne Bühnenerscheinung, die vornehme Darstellungsart und nicht zuletzt das überlegte und sichere Spiel gerühmt, ein Urteil über die stimmliche Beanlagung des Künstlers aber unentschieden gelassen, da es nur nicht ganz erwiesen schien, ob Die unge- nügende Bekanntschaft mit der Schallwirkung in unserem Theater oder die Stimme selbst den Mißerfolg herbeigeführt habe.
Die gestrige Vorstellung erbrachte nun den Beweis, daß meine Vermutungen richtig gewesen waren. Ein augenblickliches Halsüben hatjtc, wie ich später erfuhr, den Künstler 'sehr behindert, und auch die Akustik war nicht ohne Nachteil gewesen. Heute kann ich nun mit Freude feststellen, daß Ferry Daubal ein sehr gut verwendbares Mitglied unseres Theaters zu werden verspricht, denn zu den schon gerühmten Vorzügen gesellte sich gestern auch eine gute und gefällige rednerische Leistung, deren kleine Unebenheiten durch strenge Hebung jedenfalls zu beseitigen sein werden. Ich rechne hierher vor allem das gaumige ch und die übrigen Zischlaute, sowie das unschöne offene ö, das man allerdings sehr häufig zu hören betgmnit. Nach alledem glaube ich eine Anstellung entschieden befürworten zu können, denn die Anlagen des Künstlers scheinen eine rasche Entwickelung zu verheißen.
Auch die übrigen Mitwirkenden zeichneten sich lobenswert aus. Vor allem die künstlerisch ausgereifte Darstellung der Claire durch Claire Albrecht und der Herzog Rolf Zieglers. Auch Jo Hoven und Clemens Roden hatten ihre schon bei dec Erstaufführung rühmlichst hervorgehobenen Leistungen nicht unwesentlich verbessert, sodaß die von Direktor Steiugoetter geleitete Aufführung in jeder Beziehung vollkommen war. ' Karl Neurath.
X
— E i n unbekanntes Skizzen buch Otto Ludwigs. In den Sitzungsberichten der Berliner Aka-
die der Ratschluß der Vorsehung herbeiführen wird, mit Ruhm bestehen. Das walte Gott!" »
Nach der offiziellen Feier sprachen die drei bundesstaatlichen Kriegsminister dem preuß. Kriegsministerium die Glückwünsche ihrer Souveräne und Heeresverwaltungen aus. Hieran schlossen sich die Glückwünsche des Staats- Ministeriums und der Reichsämter, wobei der Staatsminister und Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg das Wort führte, sowie die Berliner Militärbehörden. Im Namen letzterer sprach Generalfeld marsch all v. Hahnke. Vom Reichs-Marineamt erschien der Staatsminister, Admiral v. Tirpitz zur Beglückwünschung und überreichte ein Modell des großen Kreuzers „Roon". Ihm folgte der Admiralsbab. Msdann kam der Chef des Großen General- stabeS, General der Infanterie v. Moltke, um im Namen des Generalsbabes zu gratulieren. Im Namen der Familie von Roon erschien der älteste Sohn des verewigten Kriegsministers v. Roon, Generalleutnant z. D. Graf v. Roon. Ferner brachten u. a. auch die Militärattaches ftemder Machte Glückwünsche dar. Der Kriegsminister dankte in jedem einzelnen Falle mit herzlichen Worten auf die Ansprachen.
Im Laufe des Nachmittags wurden von Abordnungen jetziger und ehemaliger Angehöriger des Kriegsministeriums Kränze an den Denkmälern von Scharnhorst und Roon, sowie auf den Gräbern von Scharnhorst und Doyen auf dem Jnvalidenkirchhofe niedergelegt
Um 5 Uhr nachmittags fanden Festtafeln der Bureau- und Unterbeamten im Hotel Prinz Albrecht und Restaurant Hosjäger statt.
Äu dem im Hotel Adlon um 6 Uhr nachmittags stattgehabten Festessen jetziger und ehemaliger Angehöriger des Kriegsministeriums mit Gästen und Abordnungen der Bureau- und Unterbeamten erschien der Kaiser und, brachte, nachdem der Kriegsminister v. Einem eine Rede auf den allerhöchsten Kriegsherrn gehalten, einen Trinkspruch ausdasKriegsministerium aus. Um 8 Uhr abends fand im Opernhause die Festvorstellung Kolberg statt, an der die jetzigen und ehemaligen Angehörigen des Kriegsministeriums und ihre Damen beiwohnten.
Aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens Les Kriegsministeriums hat der Kaiser eine große Anzahl von Auszeichnungen verliehen. Unter anderen erhielten: den Schwarzen Adlerorden der Kriegsminister v. Einem; den Verdienstorden der Preußischen Krone der General der Infanterie z. D. Ver d y du Vern o is; die Kette zum Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub der General der Infanterie z. D. v. Goßler; für die Diensträume des Kriegsministers und der Departementsdirektoren, sowie für die Konferenzsäle verlieh der Kaiser sein Bildnis.
Es ist das erste Mal nach langer Zeit, daß der Kaiser wieder öffentlich gesprochen hat. Eine bessere und schönere Würdigung dieses für Preußen und das Deutsche Reich bedeutsamen Gedenktages als diese Rede läßt sich kaum denken. Der Kaiser sprach mit Ernst und mit Wärme.
Die valkanirifis.
Die Lage auf dem Balkan ist nach wie vvr ernst, denn es bestätigt sich jetzt, daß Serbien seine geheime Mobilisierung fort» setzt. Diese erstreckt sich atfr 3 Divisionen, die Donau-, die Sumadia- unb die T-rinadivision. Die Truppcnkörper sollen ins Innere des Landes dirigiert werden. Tas Hauptzcntrum bildet die Stadt Mladenovac. Im Kriegsfälle werden außer Belgrad alle
demie der Wissenschaften macht Professor Erich Schmidt Mitteilung von einem bisher völlig unbekannten Skizzenbuch Otto Ludwigs, das ihm mit einer Reihe anderer Studienhefte und Entwurfaufzeichnungen des Dichters erschlossen wurde. Ausführliche, auf genaueste volkskundliche Beobachtungen zurückgehende Aufzeichnungen über eine obersächsische Bauernhochzeit sollten in einem weitumfassenden Zeitroman verwendet werden und fanden schließlich Ausnahme in der kleinen Erzählung „Aus einem Schulmeisterleben", die allein unter den vielfachen Plänen und Ansätzen ausgearbeitet wurde. Der realisttsche Blick, mit dem Ludwig hier das Dorfleben betrachtet, mußte ihn in Gegensatz zu den schönfärberischen Dorfgeschichten Auerbachs bringen, die er in zwei flüchtig skizzierten Novellen parodieren wollte. Als konservativsr Musiker denkt er auch an einen satirischen Protest gegen Richard Wagner „Das Kunstwerk der Zukunft. Ein Kunstwerk der Zukunft", in dem „Wagner und Liszt schonend behandelt, aber ihre Trompeter gehörig hergenommen" werden sollten. Besonders zahlreich sind die Tragödienpläne. Ein dramatisch fruchtbarer Griff sucht den Feldhauptmann Schertlin von Burtenbach zum tragischen Helden zu idealisieren, ein Entwurf, dessen Motive an Hauptmanns Florian Geyer anllingen. Wie er eine Jtzanne d'Are-Tragödie auf spanischen Boden verpflanzen will, so schweben ihm ein modernisierter Saul und eine „Mutter der Makkabäer im Zeitalter Ludwigs XIV." vor. Eine längere Niederschrift „Zur Maria Stuart" betont gegenüber der Idealisierung Schillers die heißblütig- sinnliche Königin und stellt ihre Liebhaber in einen Zusammenhang, wie dies Björnson und Swinburne später ausflihrten: „Sie Ueberweib, Bothwell Nebermann, Darnley eine rohe Mittelmäßigkeit." Hermann der Cherusker, Andreas Hofer, Brutus, Karl 1 und Cromwell werden als Stoffe von zu klug gedachten Dramenentwürfen erörtert. Tie bedeutendste Aufzeichnung des Sttzzenbuches ist ein bisher ganz unbekannter, ins Jahr 1850 fallender Urentwurf „Tie Makkabäer in", in dem sich erst im Keim die Motive und Konflikte angedeutet finden, aus denen später Ludwigs Meisterwerk entstehen sollte.
— Eine l i t e r a r i s ch e F ä l s ch u n g. Eines der be- berühmtesten und größten Briefbücher aller Zeiten, das
größeren Städte und Ortschaften längs dein Save- und Donau- Ufer aufgegeben. Tie Regierung Dementiert jedoch, trotzdem gestern zwei Jnfanteriebataillvnc des 18. und 7. Infanterie-Regiments von Belgrad abmarschiert sind, die Absicht einer Mobilisierung. Die serbische Regierung tut noch ein weiteres und fordert die Bevölkerung durch einen gestern veröfftntlichten Auftus aus, allen Alarmgerückften über einen angeblich bevorstehenden Einfall der österreichischen Armee in Serbien keinen Glauben zu schenken. Die Nachbar-Aionarchie zeige ein korrektes Verhalten und werde nichts unternehmen, bevor Europa entschieden habe, was Serbien mit Vertrauen erwarten könne. Tie Bevölkerung solle durch eine ruhige und besonnene Haltung die Regierung unterstützen.
Verständlich wird dieser Aufruf der serbischen Regierung einigermaßen, wenn man gleichzeitig erfährt, daß Üiußland an Serbien eine Note gerichtet hat, die den Belgrader Heisspornen nicht gerade angenehm klingt. In dieser 9?ate bekräftigte die russische Regierung zunächst ihren Wunsch, Serbien einen Dienst zu erweisen. Sie drückte ihre Beftiediguug über dessen Friedens- absichten aus und nimmt dies zum Anlaß, um zu erklären, daß nach ihrer Kenntnis der Sachlage ein Verlangen nach Ge- bietsvergrößerung völlig aussichtslos sei, daß im Gegenteil Serbien durch diese Forderung einen Krieg mit Oesterreich-Ungarn heraufbeschwören könnte. Sollten also die Serbien freundlichen Mächte dessen Interessen mit Erfolg verteidigen können, dann müsse dieses zunächst seine territorialen Forderungen aufgeden. Falls Milowanowitsch sich denk von Rußlaird geltend gemachten Grunde anschließt, behalten sich die Mächte vvr, dieses Ergebnis der Wiener Regierung milzu- teilen. Die gegenwärtig in Berlin vorbereitete 9lote würde bann gegenstandslos werden.
In Wien und Budapest scheint man von dieser Note Rußlands auch schon Kenntnis zu haben, denn der „Pester Lloyd" schreibt in seinem Bericht aus Wien über die auswärtige Lage: Oesterreich-Ungarn ist nicht untröstlich, falls der gemeinsame Schritt der Wchte in Belgrad unterbleibt. Es hat die Vermittelung der Mächte niemals angeregt. Auch weiß man in Wien, daß man in Belgrad mir die Stimme Rußlands beachtet. Falls es Rußland gelingen sollte, in Serbien einen Umschlag der Stimmung herbeizuführeu, dann wird es Sache der serbischen Regierung sein, in diesem Sinne dem AuÄvärtigen Amt in Wien- formelle Erklärungen abzugeben und es ersuchen, ihr mitzuteileu, welche wirtschaftlichen Erleichterungen man ihm für diesen o-all einzuräumen geneigt wäre. Die weiteren Verhandlungen würdet? dann direkt ohne Einmischung einer fremden Macht zwischen! Oesterreich-Ungarn und Serbien geführt lverdcn.
Wie das Reutersck>e Bureau erfährt, hat übrigens der serbische Geschäftsträger dem Auswärtigen Amt in London eine Note überreicht des Inhalts, daß Serbien beschlossen habe, die Entscheidung der Großmächte abzuwarten und alles mögliche zu tun, um den 3 rieben zu bewahren.
polHiicbe Lagssjchan.
Die Besteuerung des Besitzes.
Jin Unterausschuß der Finanzkominission des Reichstages sollen die Blockparteien zu einer Verständigung über die Besteuerung des Besitzes gekommen sein. Näheres ist hierüber z. Zt. noch nicht bekannt, es verlautet nur noch so viel, daß auch eine mäßige Besteuerung des Erbes der Kinder vorgesehen sei.
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Ein parlamentarischer Abend beim Fürsten Bülow.
Gestern abend fand beim Reichskanzler ein Mahl zu 50 Gedecken statt, zu dem Minister v. Bethmann-Hollweg, Freiherr von Nheinbaben, Telbrück, Beieler, von Breitenbach, von Arnim, von Ätollle, Sydow, die drei Präsidenten des Abgeordnetenhauses, der Vorsitzende und die Mitglieder der verstärkten Bndgetkomrnchwn, die Vorsitzenden aller Fraktionen und Mitglieder aller Parteien dieses Hauses Einladungen erhalten hatten. Während des Mahles erhob sich der Reichskanzler und richtete an die Anwesenden
vor allem der Frauenwelt ans Herz gewachsen ist, Wilhelm v. Humboldts „Briefe an eine Freundin", haben sich in ihrer heute weit verbreiteten Fassung als eine weitgehende Fälschung der Empfängerin, der „Freundin", erwiesen. Neben einer großen Zahl falscher Losungen, die durch Flüchtigkeit in den Text hineingekommen sind, hat sie an unendlich vielen Stellen kleinere und größere eigenmächtige Aenderungcn vorgenommen, längere Abschnitte, ja ganze Briefe fortgelassen und dadurch Humboldts wahre Meinungen in wesentlichen Punkten, so z. B. soweit sie sein Verhältnis zu Goethe betreffen, verhüllt und geradezu gefälscht, indem sie sie ihrem beschräiikt-fröm- melndeu Standpuntte anpaßte. Zum ersteu Male wird. in diesen Tagen nun, mehr als 60 Jahre nach dem Erscheinen der ersten Auflage, eine authentische Ausgabe der Briefe, von Professor Wert Leitz manu in Jena nach den zumeist noch vorhandenen Humboldtschen Originalen hcraus- gegeben, im Insel-Verlag zu Leipzig erscheinen.
— „Dame Kobold" — eineOpervon Mozart. „Cosi san Tutte", die Mozart^Oper,- deren entzückende Musik durch das schlechte Textbuch von Da Ponte oft stark in ihrer Wirkung beeinttächtigt wurde, soll jetzt in neuer Form auferstehen. Karl Scheidemantel, das bekannte Mitglied der Dresdener Hofoper, hat der Mozartschcn Musik ein neues Textbuch unterlegt, und zwar hat er hierzu Cal- derons Lustspiel „Dame Kobold" verwandt. Die Dresdener Hofoper hat das Werk in der neuen Fassung bereits zur Aufführung angenommen.
— Das Aus st erben der Gorillas und Schimpansen. Aus London wird berichtet: Im königlichen Institut für Chirurgie gab Arthur Keith eine interessante Statistik über die Zahl der Schimpansen, die sich in den Wäldern am Kongo noch in Freiheit befinden. Er schätzt die Zahl der Schimpansen auf höchstens 100000, die durch die skrupellose Verfolgung in verhältnismäßig kurzer Zeit sehr dezimiert sein wird.. Noch kleiner ist die Zahl der lebenden Gorillas; sie beträgt nur noch 10 000. Es ist vorauszusehen, daß nach Ablauf eines Jahrhunderis die beiden interessanten Affenrassen völlig ausgestorben jein werben.


