Fall Schücking und über die politischen Beamten zu sagen wußte, konnte der Linken rote der Rechten am Ende gleicherweise genehm sein. Aus diesen sehr interpretalions'ähigc-n Sätzen mochte jeder herauslesen, was ihm behagte. Neu war, bei Licht besehen, an der ganzen Rede nur die Mitteilung, daß Herr Holle i m Frühjahr gehen werde, wenn er bis dahin nicht gesund sei. Eine Mitteilung, die wenig Interesse erregte. Tenn rechts und links weiß man gleich gut: Cb Holle oder ein anderer, es ist immer derselbe Faden, höchstens eine andere Nummer. Neu war auch die Versicherung nkcht, daß die Regierung sich nicht mit schwarzen Plänen für neue Sozialistengesetze trage. Eie roar eine te<;on de pailer, um dem Ministerpräsidenten den Uel'ergang zu dem Bekenntnis zu ermöglichen, nut dem er nachgerade jede seiner Varlamentsreden schließt, au dem Bekenntnis seiner unversöhnlichen (Gegnerschaft gegen die Sozialdemokratie. Sicherlich sollte diei Bekenntnis ebenso wie die stark akzentuierte, eigentlich unnötige etwas seltsame Betonung des bis in die Vcndöe getreueu Roya- liSmuS des Kanzlers nicht sowohl ouf bie Parteien als auf eine andere Stelle wirken, auf Kreise, in denen anscheinend ein Mißtrauen gegen die treue deutsche Tiencreigenschast des Fürsten Bülow genährt wird. 'Alles in allem : Diese Bülowrede war, wie alle anderen, gewiß ein ästhetischer, aber, wie die meisten anderen, fern sonderlicher politischer Genuß. Vor dem Kanzler hatte Herr Süicmtc gesprochen, frisch und lebendig. Und wirksam, wie die lebhaften Kundgebungen bewiesen, mit denen die Rechte die gelegentlichen Seilenhiebe des volksparteilichen Redners quittierte Was Herr Tr. Friedberg Tags zuvor namens der Nationalliberaleu an sachlicher Etatskotik vorgcbracht, fand fast durchweg die »Zu stimmung der Freisinnigen, rote denn überhaupt der bisherige Verlauf der Etatsdebatte eine erfreuliche Uebereinsttmmuug der drei bürgerlich-liberalen Gruppen tu der Tonart wie m der Sache et- flab. Es war natürlich, daß die beiden freisinnigen Redner, die am zweiten Tage zu Wort kamen — neben Wiemer sprach noch Pachnicke — großenteils verderben mußten, was der National, liberale tags zuvor dargelegt; dem Eindruck der Ausführungen la. das u chl den mindesten Abbruch. Tr. Pachnicke, der das ergötzliche Wort prägte, der empfindlich st e Körperteil des Menschen sei der Geldbeutel, pflückte mit dem Ministerpräsidenten wegen seiner Seiltänzerei in der Wahlrechtsfrage ein Hühnchen, und wenn der Führer der freisinnigen Vereinigung für diesmal noch einigermaßen sanft mit dem Fürnen Bülow ver'uhr, so dürfte der sich doch schon jetzt wegen der Rolle, die er am Montag bei der Debatte über den freisinnigen Wahl- rechtsantrag spielen soll, unbehagliche Gedanken machen Herr v. M o 11 k e schloß den Reigen der Redner mit emem Speeci über die bevorstehende B e r w a 11 u n g s r e s o r >n , bei der ci sich wohl die Inhaltslosigkeit, aber leider nicht auch die rhetorische Eleganz der Reden des preußischen Premiers zum Vorbild ge- nommen hatte. Am Mittwoch gchls ivciler int Text — Herrn Mizerskis Beredsamkeit winkt dem hohen Hause und Herr Weimanu wird ihm fetunbieren.
politijctye Lagesjcharr.
Die vereitelte Sympathiekundgebung.
Mehrere Blätter melden, daß der Rektor der Straßburger Universität eine Sympathickilndgebung des Vereins deutscher Studenten zu gunsten der deutschen Studenten in Prag vereitelt habe. Richtig ist, daß der Rektor dem Verein erklärte, er roürirt die Versammlung nicht verbieten, rate aber von ihrer Einberufung als unzweckmäßig ab, da sie nach der Zusammensetzung der Straßburger Studentenschaft zu G c g e n d e m o n str a t i o n cn führen könne. Diese Auffassung, die von höheren Be^ amten unb zahlreichen Professoren, denen sie der Relloc kundgab, geteilt wurde, entstand selbstverständlich nicht aus Rücksichten au, d.. Tschechen oder aus französisch gesinnte Elsässer, sondern lediglich solchen aus Wahrung von Ruhe und Frieden in der Studentenschajt.
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Demonstrierende Tabakarbeiler in Berlin.
Vorgestern abend versuchte eine große Schar von Arbeitern vom Rofenthalertor aus nach dem Schloß zu gelangen. Der aus etwa 801) Teilnehmern bestehende Zug kam von der Brunnenstraße nach dem Brandcnburgcrtor und von dort aus durch die Friedrichstraße nach der Wcidendammcr Brücke. Tort stellte sia, den Demonstranten ein Aufgebot von 80 Schutzleuten entgegen, Denen es ohne Anwendung der Waffe gelang, die Menge zu teilen. Wahrend mehrere 100 Personen nach dem Oranienburger Tor zurückgingen, bewegten sich die übrigen über den Schisfbauerdamm und versuchten über den Schlütersteg nach den Lindell zu gelangen. Aber auch da stand eine Schutzmannsfelle bereit, durch welche die Demonstrierenden nach der Marschallbrücke abgeleitet wurden, >oo dann endlich die Menge zerteilt und nach verscksiedencn Richtungen auseinandergelrieben wurde. Zu Sistierungen ist cs bei dieser harmlosen Teinonstralion, die, wie behauptet wird, durch .Tabakarbeiter veranstaltet sein soll, uicht gekommen^
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Kriegsgerüchte.
Das Blatt ,Librc Parole" antivortet auf das Dementi des französischen Kabinettchefs bezüglich seiner Acußerung über den Krieg: Glcmenceau habe wörtlich gesagt: Ich habe bei meinem Eintritt in das öffentliche Leben emeu Krieg gesehen, ich werde einen andern am Vorabend nieincS Todes sehen. DaS Blatt versichert, Elcmenccau habe in Gegenwart der Direktoren einer Anzahl Blätter, darunter die Direktoren der „Temps", der „TsbatS" der „Libcrts" usw. Worte gebraucht, welche deni Direktor des ,,Tcmps" Veranlassung gaben, zu erklären, es sei traurig, sestzustelleu, daß ein Kabinettches seine Zunge so wenig zügeln könne. Im Zusammenhang mit dieser Erklärung der „Libre Parole" ist es interessant hervorzuheben, daß eine hohe politische Antwerpener Persönlichkeit aus Paris zurückgekehrt ist. Ein Vertreter des Blattes „Metropole" erklärt, in sranzösiichen diplomatischen Kreisen herrsche die Ueberzcugung, daß ein Krieg wahrscheinlich im Monat Mai auSbrechcn werde. Französiscker- seitS soll man sogar sehr ungehalten über die Gleichgültigkeit sein, mit welcher Belgien die augenblickliche internationale politische Lage betrachtet.
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Roosevelt kommt «ach Berlin.
Vräfident Roosevelt hat, einer Meldung der Associated Preß zufolge, eine Einladung der Berliner Universität, vor den Studenten un Mai 1910 eine Vorlesung zu halten, angenommen. Es verlautet, daß Präsident Roosevelt keine weiteren derartigen Einladungen in (Sittoba üimcbmen werde. Er hält demnach außer in Berlin nur noch in Oxford und an der Sorbonne in Paris Vorlesungen.
parlamentarisches aus Hessen.
R.B. Darmstadt, 19. Jan. Der Finanzausschuß cct Zweiten Kammer hielt heute mit den Vertretern der Regierung, Staatsminister Tr. Ewald, Finanzmiiuster Tr. Gnaulh, Geh. Staatsrat^ Krug von Nidda, Gelfcimrat Wilbrandt und - kliert über die allgemeine siuanzpoli -
111 <0. c Lage in Hessen eine gemeinsame Besprechung ab, die für die bevorstehende Etatsberatung von rocitgcbenbcr Bedeutung werden dürste. Zu Beginn der Sitzung sand eine Generaldebatte über den StaatShaushaicsetüt sür 1909 statt, die der Vorsitzende, Abg. Retnhart, mit einer Darlegung über das neue Budget cutlcitetc. Er berührte dabei auch kurz die Rcichsfinainreioem und totes darauf hin, daß die finanzielle Lage eine ernste Beachtung erfordere. Die Steigerung der Lasten kenne >o nicht wcttergehen, denn festen trage bereits 12 Mark an direkter Besteuerung auf den Kops der Bevölkerung: cs müsse Aufgabe des Ausschusses fein, die vom Finanzmincher in Aussicht gestellte neue Steuererl»öhunq zu verhüten. Finanzmiiuster Dr. G n n n t b belobte darauf, bau er den vom Vorredn r gekennzeichneten Standpunkt nur billigen könne und er hoffe, daß auch das Stammcrplcnum in der Erkenntnis, daß die Ausgaben schneller wachsen, als die Einnahmen, seine Beschlüsse cinr:äiten mcibe. Wenn er (Redner) jüngst eiroa 25 Prozent 5tnicrcvliöbung üi Aussicht stellte, so möge dae wohl im ersten Moment a!. abnorm erschienen sein, das sei jedoch durchaus nw't t;r Fall Auch ocr Bundesstaat Württemberg habe trotz feiner erst vor 3 Jahren
durchgeführten Steuerreform wieder eine Steuererhöhung um 12 Prozent angekündigt. In Denen habe sich ja das Budget durch den Umstand, daß im Gegen atz zu früher die Beamtengehälter nicht nach dem Stand vom 1. April 1908, sondern dem Turch'chnitlsstand am 1. Oktober 1909 veranschlagt wurden, das Budget noch um 380000 Mark verschlechtert, aber das könne hier außer Betracht bleiben. Mit Bezug auf die in der Reichs- finanzresorm vorgesehene Gas- und Elektrizitätssteuer wies der Finanzminister daraus hin, daß die Stätte und die großen Gesell- schasten aus dieser wirtschaftlichen Production längst erhebliche Ueberschüsfe erzielten, durch die GaZ und Elektrizität in weit hölferem Maße verteuert würden, als durch die jetzigen Vorschläge des Reichsschatzsekretärs. Jur Frage der Regelung der Besoldungsordnung erklärte der Minister, daß erlerne Aenderung zurzeit sür Döllig ausgeschlossen halte. Zum Schluß bemerfte er noch, er würde für alle Vorschläge im Ausschuß dankbar sein, durch welche eine Erhöhung der Einnahmen zu erhoffen wäre; er fürchte aber doch, daß dabei nur wenig herauskommen würde.
Abg. Molt Han erklärte fick? gegen die Rcickfsbesteuerung von Gas und Elektrizität und trat dann für die Wünsche der Dochbauanfseher ein, deren Erfüllung möglich und die aud) berechtigt feien. Abg. B rau er betont, cs liege besonders im Interesse der Bundesstaaten, daß die Reichsfinanzreiorm baldigst zustande komme. Tenn auch ohne den Niedergang in umerm wirtschaftlichen Leben sei die Verschlechterung unserer wirtschast- lichen Lage eine Folge der rasch wachsenden dauernden Ausgaben gegenüber den regelmäßigen Einnahmen des Staates. Ten größten Anteil an diesen außerordentlichen Ausgaben int, Verhältnis zur Bevölkerung nähmen die höheren Biidungsanstalten in Anspruch und es müßten deshalb zur Verminderung dieser Ausgaben die zunächst Beteiligten durch Erhöhung der Schulgelder mehr, als seither, mit herangezogen werden, etuch die Gleichstellung her humanen Lehranstalten, also Gymnasien, mit den Realschulen und die Schaffung einer gemeiniamen Grundlage für die Jugenderziehung sei erforderlich. Ferner sei auch cet Ausfall an Stempel in einer Höhe von rund 700 000 Mark neben dem Rückgang im Wachsen der direkten und der Vermögenssteuer mit die Veranlassung des großen Defizits, das sich im Jahre 1910, wenn alle Reserven verbraucht sein werden, noch erhöhen muß, wenn nicht rechtzeitig für neue Einnahmequellen gesorgt wird. Bei dieser wenig erfreulichen Gesamtlage halte er eine neue Belastung durch Ausbesserung der Beamten- und Lehrergehälter vorerst für ausgeschlossen. Abg. Tr. G u t s l e i s ch brachte oarauf einen besonderen Fall von Steuerveranlagung zur Sprache. Abg. Tr. Weber hält dte Schassung von konstanten Verhältnissen zwischen Einnahmen und Ausgaben im Staatsbudget für absolut nötig. Tie Grenze der Steuererhöhung ergebe sich aus dem Durchschnitt der Steuersätze der benachbarten Bundesstaaten.
Bei der hieraus begonnenen Spezialbcratung referiert Abg. Tr. Weber über Kap. 2, Domänen des Großh. Dauses, wobei iür Kanwral- und Forstdomäncn die Einnahmen auf G 002 857 M. und die Ausgaben mit 5 011485 M. angesetzt sind. Tie Mehr einnahrne gegen das Vorjahr um 57 000 9)1. ist besonders aus aas Fällen von 10 000 Läom. mehr Holz zurückzuführen; allerdings kommen hierbei auch die rasch gcfticgeucn zlUlturausgabcn in Betracht. Bei der Position Waldnutzung bat der Redner die Regierung, das Beerensuchen der ärmeren Bevölkerung im größeren Umfang zu ermöglichen. Namens der Regierung versprach Gc- ffeimrat Milbrand, in loyaler Weise auch die Frage der Behandlung der .Hegen dem Publikum gegenüber zit lösen; den übrigen Wald zu betreten ist jedermann erlaubt. Weiter beantragt Tr. Weber, zur Verminderung der hohen Ausgaben neben der Reduzierung einiger Oberförsterstellen auch die Kulturkosten zu verringern, die bei uns etwa drei Mal so hoch als in Württemberg sind.
Aus Statt und Land.
Gießen, 20. Januar 1909.
Gedenket der hungernden Vögel!
* * Tagcskalendcr für Mittwoch, 20. Januar. Stadt (Heater. $ in Fallisscmen t. Anfang 8 Uhr.
Ä e s s. Vereinigung f ü r B o l k L k u n d e. Tas Volkslied ji Oberhessen. Vortrag mm Pfarrer Schulte-Großen-Linden. Ge- langsvorträge von Volksliedern. Anfang 8hst Uhr. Alte Uni- ocrfitätsaula. _
Lustiger Abend von 9Rarcell Salzer. Sütfang 8 Uhr. SieinS Saal bau.
T
" Für die Sitzung der Stabltzerorbnetcn- 93 c r f a m m lang am Don nerStag, den 21. Januar, nachm. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung aufgeflellt worden: 1. Auslosung von Schuldverschreibungen 2. Mitteilungen. 3. Baugefuch deZ Christian ??ebe für Rod- heimer Straße. 4. Desgl. der Firma Jean Tcrn & Co. iüc Frankfurter Straße. 5. Ankauf von Gelände zur Gutcnbergslraße. 6. Verbreiterung bc6 StraßeukreuzeS Bahn- 'lofslraße-Liedigslraße. 7. Einrichtung zweier Zellen im PollzeiqefängniS. 8. Aufstellung von Warnungstafeln an ocn Auffahrten zum Stadltheater. 9. Gesuch des Vereins der Hausbesitzer um Aenderung des Lolalreglenienls, betreffend Neinhaltung und Wegsamkeit der Straßen und Plätze. 10. Neubefestigung der Bahnhofstraße von bei Liebigsiraßc bis zum Bahnhof. 11. Umarbeitung von Bordsteinen. 12. Herstellung eines Brunnens im Schlachthofe; hier: Eriveiterung des KrebitS. 13. Gewährung eines Zu» fchitffes ber Stabt zur Abhaltung des Jugenbfestcs. 14. Ge- nehinigung von Rechnungen. 15. Aufbringung ber Kosten für den Gclanbcerwerb zur Nebenbahn LoLac-Londvrf 16. Errichtung neuer Volksschulklasfen zu Ostern 1909. 17. Beschaffung von Lehnnilteln für die Volksschule. 18. lieber- lassung eines Zimmers in der Realschule an den Kauf, inännifchen Verein weiblicher Angestellten. 19. Genehmigung der Rechnung der Ploctschen Stiftung für 1907. 20. DeSgl. der Armenkasse sür 1907. 21. Desgl. der Rechnung des RealgyinnafumlL unb ber Oberrcalschille sür 1907. 22. Aus- sührimg bes Rcichsgesetzes über bie Adänberung ber Ge- werbcorbnung vom 30. Ium 1900; hier: Festsetzung bet AuSnahmetage. 23. Vergebung beS Trucks der Markt- plalale. 24. Gesuch beS Friedrich Wilh. Anbras um Erlaubnis zum Schankwirtfchaflsbetcicb für Kanzleiberg 5.
* * Die Eisbahn i|t von 11—1 und von 4—i/z7 Uhr gcöffmt.
• • Stabttheater. Zn Kaisers Geburtstag am Mitt- ivoch, ben 27. Jantiar findet als Fcstvorflellung eine Aufführung von .Wallensteins Tob' start. Tie Vorstellung, bie im Abonnement slatlfinbet, d^'gmut um 7 Uhr und dürfte Oie erste Aufführung des gewaltigen WerlcS in Gießen bebrüten. Um den Wünschen derer, die bie ganze Trilogie in einem gewissen Zusammenhänge sehen möchten, Rechnung zu tragen, ist für imchuen Sonntag abenb eine Aufführung von .Piccolomini* und .WalleusirmS Lager' angeietzt worden, io daß also un Verlauf weniger Tage öie ganze Trilogie zu Gehör gebracht ivirs.
" G cm e > n b efcanenv e rcin. Ter Vortrag von Prof. D. Schlau ,AuS der Geschichic ber chrisilichen Liebestalig. leit' welcher auf Freitag 22. Jauuar augefetzt mar, wird auf Alillivoch 10. Februar verschoben.
* * Dec Sängerkranz hält ferne biesjährigc Fasinachts- vccanstaltung am SaiuSiag, 13. Fedr. üi der Turnhalle am
Oswalds ©orten in der Form eines GesinbeballeS ab. Die Vorbereitungen ;ür ben Ball finb schon im Gange unb versprechen einige höchst amüsante Etunben, ba verschiebene originelle Aufführungen in Aussicht stellen.
** Stenographisches. Tas ZählergebniS ber Schule Stolze Schren liegt nunmehr vor. 9tath dieser neuesten Aumabmr umsaßt die Sck rie Storzc-Schrey in Trwtscbland Vereine 1600 (4- 143 gegen das Vorjahr', Mitglieder 56 886 (— 7216 gegen das Vorjahr, ttnlerrid'iete 102 864 (—' 18 333 gegen das Vorjahr''. Gewa.tige Zahlen, wenn mau beomkt, daß diese Erjocge des Einigungssystems ^wlze--Sck rcy lediglich bet wcrvenSen -kraft des Systeme, fjerlrorgeruren durch eine äußerst leichte 'enem- varkeit uno große vrattische LeistungSMigkeit. erzielt ivordett sind. Bereits in den letzten Zäl/.jahren madite sich etne gewaltige Suitdlzme der Mitglieder uiu^ llnterrid teu’u bcinerfbar. Din- fidtlia) der Zahl der Unterrichteten steht das EiN'gungssvslrm Stolre-Scl/rcy in Deutschland nunmehr an erster Steile und Hot die Gabelsbergerfch-e Schule um 86G3 Unterrid^tc Überholt.
• • Ernte urlaub für Schulkinder. Von ber hessischen Schulbehörde würbe ein Erlaß herauSgegeben, demzufolge in Zukunft bie Beurlaubungen ber Schulkinder zur Befchäfligung in landw. Betrieben 311 unterbleiben haben, nur die zuständige Kteis-Schulkommliflon kann in Zukunft unctlaiibteS Fernbleiben von der Schule als strafftet edlärcn. Bisher hatten die Lrtsschuloorslände diese Befugnis. Mit dieser Neueinsühtung ist einem vielfach geäußerten Wunsche Dec Lehrerschaft entsprochen worben.
"Eine Robelbahn in Gießen. Wie auS dem heutigen Inseratenteil ersichtlich ist, hat auch Giegen nunmehr seine Robelbahn. Sie liegt zwischen Wilhelmslraße unb Leih- qefiernec Weg unb hat gegenwärtig Schnee genug, baß sie morgen eröffnet werben kann.
** Diebstähle. Gestern boomt tag würbe von einem Un- bekannten aus dem Flur der Unioeriität einem Studenten wahrend der Vorlesung ein Ileberzieher gestohlen. — In einem Dause in der West-Anlage entwendete gcfteot vormittag ein unoefannter Bettler ein paar Domen-Knopsstiesel.
*"* Betrüger. Ein uiivctaiuiter, gut gekleideter junger Mann erschien gestern vormittag in der Wohnung eines Gym- nafial-Pwfeswrs und präfeiiiiettc eine quittierte Rechnung über 12,50 Mark, die angeblich von einem Buchbinder gcftb.dt und mit dessen Unterschrift versehen war. Er gab an, bereits bei dem Devot Pwsessor im Gymnasium gewesen zu fein und dieser habe ihn gefajütf, ivcil er nicht so viel Geld bei sich gehabt haoe. Der Betrüger erhielt den Betrag und hat glcick» daraus den Trick auch noch bei einem anderen Professor mit Erfolg ausgeführt. Tic üeiben Rechnmigen waren von dem Beto'iger selbst hergestellt uno gefälscht, denn der Buchbinder, dessen 'Jiantcn angegeben nxir, wußle von der Sache nichts. Jedenfalls dürste der Bcirüger noch weitere Personen heirngesucht haben.
** R 0 l) ei t. Vor einigen Tagen verendete plötzlich ein großer fl c 11 c it b u n D des Ockonomen 9lcbc und aeslecn fand man einen nveltcn Hnnd des Rebe, einen sehr wertvollen Pinscher, tot in Der Nähe Der Hosreuhe ouf. Auch Der Jagdhund des Müller- Vöser ging in der Nacht vom 18. auf 19. l. MlS. plötzlich ein. Wie die Untersuchung ergab, roar der letztere Hnnd nut Sirichnin 0 er giftet uno allem Anschein nach sind auch die beiden Hunde ocs 9lebc vergiftet ivorden. Oekonoin Diebe hat auf Ermittlung DeS Täters eine Belohmmg von 5U Mk. ausgesetzt.
— Alten-Bus eck, 19. Jan. Der am Sonntag abenb veranstaltete Vortragsabend des hiesigen B i l d u n g s a u S s ch n s s e S bei W. Rabenau, in dem Herr Tr. ineb. Laubenheimer vom Hygienischen Institut Gießen über die Tuberkulose und ihre <>eLämpiung svcach, hatte sich ciny: außerordentlich großen Zuhorer- ^Ijl zu erfreuen. Redner gab in großen Zügen ein Bild von der so verhccruugsvollen Krankheit und zcigu: dann an Hand fta- Ustischen Macecials nebst Karten, wie sie erfolgreich befinuntj 1 verben kann. ES folgten bau 11 verschied-ne recht gelungene unt> interessante Lichtbilder, wo bie verschiedensten Ba .ijlen und stiant- heitserreger crjichttich waren. 9ieichlick>er Dank würdigte den. <aebner am Schlüsse seiner verdienstvollen Arbeit.
? Lollar, 19. Jan. Am zweiten Weihnachtsfeiertage würben hier brei Wilberer verhaftet, bie fetzt bem Untersuchungsrichter in Gießen nach anfänglich harlnäcligcm Leugnen ein Gestänbms ablegten. Daraufhin würben weiter noch verhaftet ber Former Dauiel Riebet von hier wegen Beihilfe zur Wilbbieberei, unb ber Abnehmer beS ziemlich zahlreichen Wildes, Bntterhänblcr Adam Hcttgeü au3 Mainzlar. Schon jahrelang treiben bie Verhafteten baS Wildern unb verkaufen bas Wild aniiandSlos an den Butler- yanbler auS Rlamzlar, ber c5 zum größten Teil in Gießen abfetzte.
R. Obenhauscn '.Rabenaus 19. Jan. Deute bewegte sich von unserem Bahnhof nach dem Friedhöfe ein Lcichenzug so groß, Ivie ihn L den Hausen lvohl noch nie gesehen bat. Galt es doch, die sterbliche Hülle des am Samstag in Londorf, feinem Amtssitze, verschiedenen KirchenratS Weber zur letzten Ruhestätte zu begleiten. Die Leickic, foivic etwa 200 Seibtragcnbc crasen mit dem Zug um 3,21 Uhr hier ein, wo sich noch eine groß: Anzahl Tranernoec von Geilshausen, sowie fast ganz Ldenhansen versaminell hatte. Nackdetn der Zug abgefahren, wurde der Sarg auS beut Wagen gehoben unb abwechselnd von 12 Londorfcr Herren getragen. Vor dem Sarge ging die Sckmle Odenhausen, oct Gesangverein „Frohsinn London" mit umflorter Fahne, sowie Dekan Wagner uno die beiden Geisttichen von Londorf. Leiche folgten die Geist.'ichfeit von nal- unb fern Tas KreiSoott Gießen war durch Regierungsrat Dr. Weicker und Schulrat idcin-* schmidt nerticten Aus sämllickren acht zur Rabenau zählenden C'icmeiiibcn, waren die Kirchen-, Schut- und Gemeinvevertreter erschienen, sowie noch eine große Anzahl Leidtragender, ungefähr 3—400 Personen. Tie Freihrrrlicb von Nordeck- und Raoenau- schen Famillen waren durch Xjuerft Areihrrr von Rover vertreten. Aus dein F-ocdkose sangen die Sck oler von Odenhausen ein pa-scubeH Lied reo-: f'djöiL Die feieritchc Handlung wurde von Tekan Wagner cm- Grünberg t-ollwgen. woraus Der Gesangverein „Fwhsinn Lvndvrf", beifcn Ehrenmitglied Der Verewigte roar, ein Vegräbnisiied sehr gut oortrug. Es sprach sodann noch Psarr- ccrroaltcr Rabenau von Londorf, er schilderte den Dalsingeschiedenen als treuer Freund unb Berater, llränze wurden nieder- gelegt von Oberst Fceih. v. Roder, von Reg.-Rat Weicker, vvtt ^ürgctmetiler Auniann-Lonvorf uno Lang-Odenhausen, sowie von den Vorsitzenden oe» Londvrfer Gesangrercins Frohsmn uno Mir- djentror. Hiermit endete die schlichte unb doch so würdige Feier. Äirdxnrat Weber wurde bei seiner in jugenMidfcm Alter verstorbenen einzigen Tochter, sowie bei seinen Sckpviegereltern begraben.
? Hungen, 18. Ian. Gestern Atzend veranstaltete ber Turnverein im Saale ber .Traube* eine Llbenbunter- haltung unter zahlreicher Beteiligung ber Mitglieder. Em flott auSgcführler Tamenreigen fand großen Beifall. Auch die Stad- unb Barcemibungen sowie Kculenschivingen würben sehr gut vorgeführt und beifällig ausgenommen. Ter neugebil- beten Männcrricge würbe befonberS Anerkennung gezollt und wäre zu wünschen, baß sich immer mehr Turnfreunde biefer anschlicßen möchten. 2)ht Tanzvergnügen würbe bie schöne Veranstaltung, bic sicher jeden Teilnehmer wohlbcfoebigt hat, geschloffen.
X Ruppertsburg, 19. Jan. In Untersuchung wegen Sachbcschäbiaung gegen ben Bewohner S. weilte gestern ber Amtücmwalt aus AlSjelb hier. CS hanbelt sich uni umfangreiche Beschädigung im Garten, die S. aus Rache gegen einen Einwohner, der als 2)litghcb des


