Die heutlge^rummer umfaßt 14 Seiten.
politische Tagesschau
Lrx. do n der Landes-Universität. Der - Direktor des Aoologuchen Instituts, Geh. Hofrat Prof Dr
Spengel, hat ,rch gestern nach England begeben, um in
SrK
Aus Stadt und Tand.
Gießen, IS. Juni 1909.
®«rt’nfeft7ÄIe"ber f<ir Sonntag: $ol,ffenm: ft i ne m a t o g rö u b; Programmwechsel.
Cafs Amend: Konzerte, 4 Uhr und 8 Uhr.
Um 11 Uhr 30 Mrn. begab sich der Kaiser an Bord der „Standart", von wo er um 12 Uhr 5 Min. auf die „Hohen- zollern" zurückkehrte. Um 3 Uhr 40 Mm. lichtete die „Hohen- zollern" mit den Begleitschiffen die Anker und fuhr in der Rich ümg nach Narwa. Heute abend.trifft Kaiser Wilhelm wieder in Neufahrwasser ein.
Dem Vertreter von Wolffs Telegraphischem Bureau auf dem Kaisergeschwader wurde von berufener Stelle mitgetcilt: Die Entrevue zwischen dem Kaiser von Rußland und dem deutschen Kaiser i)t ein neuer Beweis der Beziehungen traditioneller und l-erzlicher Fveundschast, welche sowohl zwischen den beiden hohen regierenden Häusern, als auch persönlich zwischen den Monarchen bcitchen. Das erhellt deutlich 'aus den ausgetauschten Trink sprächen, in denen beide Souveräne in diesen Beziehungen ein Unterpfand des zwisckien chren beiden Ländern bestehenden guten Verl)ältnisses und .des allgemeinen Friedens erblickt haben. Bei den Unterredungen der Staatsmänner, welche die Majestäten bereiteten, sind selbstverständlich die verschiedenen schwebenden politischen Fragen erörtert worden. Dabei wurde festgestellt, daß zwischen Rußland und Deutschland keinerlei gegen,ätzliche Auf sassungen dieser Fragen bestehen, und daß beiderseits aufrichtig, die Fortsetzung und Befestigung der guten Beziehungen zwischen beiden Ländern gewünscht wird. Zugleich wurde anerkannt, daß die internationalen Abmachungen, an welchen IduUand und Deutschland beteiligt sind, diesen guten Beziehungen' keinesrvegs entgegenstehen, und daß beide Seiten sich in dem Bestreben be- gegiren, zur friedlichen Lösung jeder etwa auftauchniden poli- tischen Frage beizutragen.
einige Minnen nach 10 Uhr, verließ der Kaiser von Rußland m deutscher Marineumfvrm mit dem Bande des Schwarzen Adler- orc^, m Begleitung des Hofministers, des .Flaggkapitän des Kaisers Nicloff, des dem deutschen Kaiser attackierten Barons ?"yendorff und des Graferl Heyden, sowie des deutschen Militär- bevollmächtigten von Hintze den Standort und begab sich in einer Ruderbarkasse zur „Hohenzollcrn", um den deutschen Kaiser zu begrüßen. Bon der „Hohenzollern" ertönte die russische National- hymne und erschallten Hurrarufe. Am Fallreep begrüßte Kaiser Wilhelm den russischen Kaiser. Die Begegnung der Monarchen war überaus freundschaftlich. Die Monarck>en küßten einander dreimal. Auf dem Hauptmast der „Hohenzollern" wurde neben der deut,chen die russische Kaiserstandarte gehißt. Von den deutschen Kreuzern ertönte Salut. Die Geschütze des „Polarstern" antworteten. Die Monarchen begrüßten die Offiziere und Mann- schasten. Nach einem halbstündigen Besuch verabschiedete sich Rußland und verließ unter den klängen der russNchen Nationalhymne, Hurrarufen und Salutschüssen die „Hohenzollern". Um 11 Uhr 7 Minuten begab sich der deutsche Kaiser in der Uniform seines Wilborger Regiments in Begleitung des Generaladmtanten von Plessen und der anderen bereits genannten Herren, sowie des Baron von Meyendorff und des an Bord der „Standart" unter abermaligen, .. . . ....
"" *“ c " Ymne. Auf der welche folgenden Wortlaut hat
Kommandeur des ■
Deutsches Reich.
Generaloberst v. d. Goltz tritt seinen vierwöchigen Urlaub nach Konstantinopel am 10. Juli an. Un- abhängig von dem eventuellen Wiedereintritt v. d. Goltz ö in türkischen Dienst erhält sich das Gerücht von dem dem- nächstigen Einttitte einiger deutscher Offiziere als Jnstrut- teure in die türkische Armee.
Reichskanzler Fürst Bülow hat, wie verlautet, den Zentrums sichrer Abgeordneten Spahn privattm wissen lassen, daß er dem Zentrum antinattonale Arroganz niemals vorgeworfen habe.
Streik. Dem „Oberschlesischen Anzeiger" zufolge sind auf der Bradegrub'e 400 Bergleute in den Ausstand getreten.
Die ersten däachrichten über den Verlauf der Enttevue waren in Petersburg erst gestern früh eingetroffen, daher liegen noch keine Kommentare, sondern nur einzelne Preßstimmen über die allgemeine Bedeutuna der Entrevue vor. In der „Pctersburgskia Wjedomoiti" schreibt dürft Uchtomski: Die gesamte russische Opposition verfolgt zähneknirschend die Entrevue. Indessen blmder Deutschenhaß kann nur den Feindent
des 'Vaterlandes dienen. Das künstliche Anfachen des Hasses gegen die Deutschen, die und Unter allen arischen Völkern am nächsten verwandt sind, geht von denen aus, die Rußlands Untergang alS Weltmacht wünschen. Das führende Oktobristenblatt „Golos Prawdy", das stets für ein gutes Einvernehmen mit Deutschland eintritt, sagt in .einem Leitartikel, so lange sich Rußland von dem letzten Krieg und der Revolution nicht erholt, fei Schar ein Bündnis mit Deutschland nicht vorteilhaft, wohl aber eine Entente cordiale, die auf lange Zeit den Frieden fiebern! tonne. In dieser Hoffnung, schließt das Blatt, rufen wir mit aufrichtigem Herzen dem mächtigen Gast unseres Monarchen ein russisches Willkommen zu.
In London wird die Begegnung zwischen dem Zaren und dem Kaiser wenig besprochen. Trotz Zurückhaltung der Presso ist es unverkennbar, daß man_ die Zusammenkunft mit Miß- trauen und keineswegs alS bloße Form betrachtet.
Ausland.
Das Reise Programm des Kaisersvon Rußland erfährt eine kleine Aenderung dadurch, daß am 29. Juli der deutsche Kronprinz und die Kronprinzessin I in London eintreffen. Das russische Kaiserpaar besucht von Dänemark aus zunächst Frantretch und trifft am 31. Juli in Cherbourg ein. Am 7. August wird das russische Kaiser - paar dann Cowes besuchen.
Tie serbischen Verschwörer trachten dem Prinzen Georg nach dem Leben. Infolge der scharfen Li- Griffe, die der frühere Kronprinz Georg gegen die Verschwörer gerichtet hat, haben diese, wie ein in der Hauptstadt kursierendes Gerücht behauptet, Leute gedungen um den Prinzen ermorden zu lassen. Tatsache ist, daß Prinz Georg seit Sonntag täglich anonyme Zuschriften erhält in denen er davor gewarnt wird, das Palais des Königs zu betreten und ohne Begleitung Wagenausfahrten zu machen.
Ter Ausstand der Straßenbahner in Sankt Petersburg wurde gestern beendet. Spät in der Nacht hat die H^fte der streikenden Wagenführer und zwei Drittel der Schaffner um Wiedereinstellung gebeten.
väscke iumW ird angenommen.^ rotier, Sni|ei'-> itboben und M ijön gereinigt w Näheres zu ew
VubniigitrajH^ isÄäbcr emv-D .
r Arbeit vi° ^ sarlWagucrUc
Landgane 2^,
>e nuch >n a^ vo^
;tetnmÜlltT- i SiloBfloilUM
’jleltoy!
fl* bW
«rfiOSL'
Ein Protest der Hessischen Handelskammern.
Der gegenwärtige Stand der Reichsfinanzreform hat den Hess.
Handelskammern Veranlassung gegeben, eine gemeinsame Erklärung
wuci uuciiiiuuycH । an ben Reichskanzler und an die Großh. Regierung zu richten, ^alutfaiüifcn und den Klängen der deutschen Hymne. Auf der welche folgenden Wortlaut hat:
unteren Trevpe erwarteten den hohen Gast der Kommandeur des . Die Hessischen Handelskammern haben sich mit den ursprüng- 'At nDarte-' Konteradmiral Tschagin und andere Würdenttäger. lichen Grundlagen der Vorschläge der Verbündeten Regierungen antru $atfer Rußland seinen Er- zur .Reichsfinanzreform, von einigen wenigen Ausnahmen ab-
lauchten Gast. Alscwim brorüßtm die Kaiserin und die Kaiser- gesehen, einverstanden erklärt, insbesondere damit, daß die 9ie» ,^uder den Rcvnarchen. Der deutsche Kaiser küßte bie form eine stärkere Belastung einiger Artikel des allgemeinen
2/caie|tatcn. ^n diesem Augenblick flatterte auf dem Haupt- Verbrauchs und daneben eine erhebliche Heranziehung des Be- W ncben der rumschen die deutsche ftaiferfhrnbarte empor, sitzes durch eine Nachlaß- oder Erbansallsteuer vorsah. Mit stei- cTlVtdie der Kreuzer „Gneisenau" gendem Unwillen haben die Kammern aber die neuerliche Tätig- hvS?;KltCS; k befandeil sich u. a. Minister- keit der Reichsfinanzkommission verfolgt, die gegenüber den klaren
der Minister des '.Aeußern Iswolsky, der und richtigen Zielen der Regierungsvorlage in überhasteter Be- W vlunland, dw Kommmideure der deut- ratung eine Reihe von Stenerentwürsen angenommen hat, die
Kaisers, sowie der deutsche darauf ausgehen, Handel und Gewerbe im allgemeinen und ein- ^^okmor Hans Bohrdt. .Die Monarchen begrüßten die seine ihrer Zweige im besonderen in der einseitigsten und uncie- ^lrnnschaften, worauf die beiderseitigen Gefolge I rechtesten Weise zu belasten, ohne daß and) nur den beteiligten oorgeftdlt wurden. Der Aufenthalt des deutschen Kaisers auf Kreisen Gelegenheit gegeben war, sich zu den einzelnen Vorschlägen avtr dauerte 40 Minuten. Salutschüsse und die gutachtlich zu äußern. Sie erheben gegen ein derartiges u» r- seine .Rückfahrt. Um 1 Uhr nachmittags hört es Vorgehen schärfsten Widerspruch und richten an den Herrn
Ua ererr 1 ?rFrühstück auf dem „Standart". Reichskanzler daschringende Ersuchen, init aller Entichiedenheit diese
^<m»tafel an Bord der „Standart" wurden Trink- Vorschläge zurückzuweisen. Mit den jetzt veröffentlichten neuen syrJ.ci «Lgewechselt, die wir bereits in emem Teile der gestrigen Vorschlägen der Verbündeten Regierungen, die ein bedauerliches l^9Cf ^^äugswelie Mitteilen konnten. Der Trinkspruch pes I Nachgeben gegenüber einer einseitigen Jnteressenpolitik darstellen, <;aren^lautete: können sich die Kammern ebenfalls nicht einverstanden erklären,
freue mich, Gire Maiestat in unserer Mitte begrüßen insbesondere nicht damit, daß inan wiederum den Verkehr mit rSvre willkommen, zu heißen in Er- neuen Steuern belasten will, die die freie Entwickelung von Handel
die mir vor zwei Jahren in Swme- und Jndusttie empfindlich beeintrachtigeil. Handel und Gewerbe bargeboten wurde, und die zu meinen wertvollsten Er-! müssen verlangen, zumal die letzte Verusszählung die übcrwicocpde innerungen^ihlt. Ich nehme diese glückliche Gelegenheit war, und wachsende Bedeutung dieser Erwerbszweige für bie imvt* versichern, daß ich den aufrichtigen und schaftliche Zukunst des Reiches auf das deutlichste gezeigt hat, gSSL überlieferten Be^lehnngen Herz- daß ihnen endlich, diejenige Berücksichtigung in der Gesetzgebung
Freuudichaft und gegenseitigen Vertrauens bauernd zu er-1 zu Teil wird, auf die sie berechtigten Anipruck? erheben können
§.aU-er verbunden haben, imb und die für das Wohl der Gesamtheit der Bevölkerung unerläß- bre zu Pflegen, Nicht bloß als cm Unterpfand der guten Bezieh- lich ist.
ungen zwilchen unteren beiden Ländern, sondern des allgemeinen Friedens ich lebhaft wünsche. Ich erhebe mein Glas und trinke von ganzem Herzen auf die Gesundheit und das Glück Eurer Maiestat, auf die Gesundheit Ihrer Majestät der Kaiserin, auf das Wohlergehen der kaiserlichen Familie und auf die Wohlfahrt des Deutschen Reiches."
Ka i s e r W i l h e l m erwiderte auf den Trinkfpruch des Zaren:
„Die so liebenswürdigen Worte, die Eure Majestät an mich weben richteten, haben mich lebhaft gerührt, und ich danke Eurer Maienät dafür und ftnecfc zugleich meine tiefe Dankbarkeit Eurer Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin für den so herzlicheii Empfang aus, der mir aufs neue wieder an Bord deS Swndart bereitet worden ist. Wie Eure Majestät sehe ich hüt Freuden in dre>em Empfang eine neue und wertvolle Bestätigung der engen und aufrichtigen Freundschaft, die unsere Personen uiid unsere Däuser verbindet. Ich whe darin zu gleicher Zeit eine neue Bestätigung der überlieferten Beziehungen herzlicher Freundschaft rmd des Verttauens, die den vielseittgen Jntereffen und den durchaus friedlichen .Gesinnungen unserer Länder gleichermaßen > entsprechend zwischen unseren Regierungen bestehen. Ich trinfe । auf das Wohl Eurer Majestät, Ihrer Majestät der Kaiserin und I der ganzen kaiserlichen Familie und ebenso auf das Gedeihen des russischen Reiches in den Bahnen, welche die hohe Weisheit Eurer Majestät ihm vorgezeichnet hat."
Gestern vormittag kam Kaiser Nikolaus an Bord der „Hohen- zollern", holte den Kaiser Wilhelm ab und begab sich mit ihm auf den Kreuzer „Gneisenau", der besichttgt wurde. Ibn 1 Uhr WßTJfrWtücf auf der „Hohenzollern", an welcher der Kaiser und die Kaiserin von Rußland mit Gefolge und die anwesenden russischen Offiziere teilnahmen.
Vie Monarchenbegegnung.
Heute liegen endlich ausführlichere Nack>richteii über die Be- jtgrtuug des deutschen Kaisers mit dem russischen Kaiser in den römischen Schären vor.
Nach der Ankmift des deutschen Geschwaders am Mittwoch,
Ern e Gasth aus a f f är e. Die „Nordd. Mg. Ztg." schreibt: Durch die Blätter gingen Mitteilungen aus Straßburg über eine Gasthausaffäre, in die der Sohn des elsaß- lothringischen Staatssekretärs, Frhrn. Zorn von Bulach, verwickelt sein sollte. Amtliche Ermittelungen ergaben, daß die ganze Geschichte frei erfunden ist. Diese böswillige A u s st r e u u n g ist um so schärfer zu verurteilen, da Anlaß zu der Vermutung vorliegt, daß dies in der Absicht verbreitet wurde, um die Stellung des Staatssekretärs zu schädigen.
ipotttische Wochenschau.
„, Gießen, den 19. Juni.
In bitterernster Stunde ist der d e u t s ch e Reichstag am Dienstag wieder zufamnrengekommen, um sich das Werk zu besehen, bas die Finanzkommission leichtherz-ig zusammengefugt hat. Auch die Reichs re gierung ist nicht müßig gewesen. lieber das, was sie in ehrlichem Bemühen, einen Ausgleich zwischen widerstreitenden Interessen z>u finden, an Ergänzungssteuern geschaffen hat, wird der Reichstag ebenfalls fein Urteil abzugeben haben. Je leichter es sich die Mehrheit der Kommission gemacht hat, die ihr vom Plenum übertragene Arbeit ferttgzustellen, um so schwie- \ riger ist nun die Aufgabe des Plenums, aus dieser mißratenen Arbeit doch noch etwas Brauchbares zu machen. Wenn es freilich nach den Wünschen der Konservativen und des Zentrums ginge, dann wäre die ganze Reichsfinanzreform in 14 Tagen erledigt. Aber daran ist nun nicht zu denken. Der Reichskanzler hat in seiner neuen großen Reichstagsrede mit aller Deutlichkeit baranf hingewiesen, daß bie Reichsregierung sich auf eine derartige Steuerfabiü- kation nicht einlassen werde. Der Reichskanzler Hal das 9Infinnen zurückgewiefen, die Reichsfinanzresorm als Geschäftsführer der Konservativen zustande zu bringen. Er mill über den Parteien bleiben und Unterstützung nahmen, ivo er sie findet; selbst von der äußersten Linken, sofern sie von ihrem Doktrinarismus läßt. Das Bedeutsamste an oieser Rede des Reichskanzlers war feine Stellungnahme gegen die Konservattven, an die er die ernfteften Mahnungen richtete. Die äußerste Rechte läßt sich aber weder durch Lob noch durch Tadel aus dem Munde des Reichskanzlers ansechten. Wie üertöntet, will sie nach wie vor an der ftotierungssteuer festhalten, in der Erbansallsteuer aber mit sich reden lassen. In dasselbe Horn bläst auch das Zentrum. Nur die Freikonservattven zeigen größere Bereitwilligkeit, ben Wünschen des Kanzlers und der Linken entgegenzukom- rnen. Die Sozialdemokraten lehnen natürlich olles ab. Angesichts dieser wenig hoffnungsvollen Lage richtete der preußische Finanzminister v. Rheinbaben noch einmal einen ttarmen Appell an den Reichstag, durch einheitliches Bestreben, unse^ Vaterland endlich dem von uns allen, erstrebten Ziele seiner finanziellen Wiedergeburt entgegenzuführen. Meinbaben hatte Recht, als er in feiner Rede auf das unglückselige Verhängnis unseres Volkes hirrwies, daß alle nationalen großen Anläufe immer wieder durch Parteirücksichten, durch JnLeressengeaensätze, durch vorgefaßte Meinungen zerpflückt und vielfach zerstört werden. Mr alle kennen diesen alten Erbfehler unserer Nation und wissen cS sehr gut, wie schwer er auszurotten ist.
Manchem mag es scheinen, als wenn auch der neugegründete H a n s a b u n d des Handels, der Industrie und des Gewerbes nur eine neue Zersplitterung unseres an den nrannigsachsten Vereinigungen schon so überreichen Volkes febeutc. Eine Jntereffentenvereinigung mehr, was liegt brau ? So sollte man den Hcmsabund indessen nicht auf- Kissen. Man mag über seine Bedeutung für die Zukunft ” bienten wie man will, aber man kann es nicht leugnen, daß Zer für die Gegenwart ein wertvolles und nicht hoch genug I z u schätzendes Gegengewicht gegen den Bund der Landwirte illiid seine schädliche Agitation bedeutet. Neben dieser Augen- 3 b'licksbedeutung kann der Hansabund aber auch noch eine I g^oße Zukunftsbedeutung gewinnen, er kann erzieherisch ratrfen, wie es ja unzweifelhaft auch der Bund der Landwirte tut. Muß nicht die Angehörigkeit zu einer großen Gemeinschaft allmählich allen kleineren Parteibildungen und Varteizersplitterungen entgegenwirken? sie zeigt dem Einzelnen, wie er nur innerhalb einer großen Gemeinschaft '■ idark ist und etwas bedeutet, während er allein oder in einem Heineren Verbände machtlos und schwach bleibt. , Sine solche Erziehung zur Gemeinschaft wird uns denn vielleicht auch später einmal zu einem wirklick)en, lebens- taäftigen und dauernden Deutschen Nattonalverein führen. ;
So sehr unsere deutsche innerpolitische Lage zurzeit , (ad) das politische Interesse absorbiert, so findet oie Mon- i
archenb egegnun g in den finnischen Schären bed) diejenige Beachtung weiter polittscher Kreise, die ihr mtturgemäß zukommt. Ihre Bedeutung liegt in dem Zeit- Mn kt, zu dem sich Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus Den Rußland getroffen haben. Man wird unwillkürlich a» die jüngsten Ereignisse auf dem Balkan erinnert und die Dille, die Deutschland und Rußland hierbei gespielt haben. Tem alten Dreibunde steht die Tripleentente gegenüber. Der Rußland angehört. Unter Erinnerung an diese Tatsache !hcü man nun alle möglichen Kombinationen über eine neue lZmippierung der Mächte angestellt, die angeblich durch diese Nonarchenbegegnung angebahnt werden sollie. Alle diese Kombinationen waren unrichtig, und doch hat diefe Kaiser- Segegnung unzweifelhast ihre politische Bedeutung. Es mag Rv.chl sein, datz in den finnischen Schären auch die leidige Henfragc besprochen worden ist, die den Russen mehr noch als uns zu schaffen macht, aber sicherlich ist diese jiage nicht, wie es behauptet wird, der Hauptzweck. Viel- emht wollten die beiden Monarchen mit ihrer Begegnung bmfumentieren, daß die Baltanereignisse keinen wetteren nachteiligen Einfluß auf die traditionellen guten Beziehungen zwischen Deutschland imd Rußland gehabt l)aben. Gerade in inoffiziellen russischen und allslavifchcn Kreisen ist neuerdings viel gegen Deutschland gehetzt worden, und jns ist daher wohl möglich, daß das offizielle Rußland nun )<ü Bedürfnis gehabt hat, offen ^u bekennen, daß es diesen rettschseindlichen Kreisen fernsteht. E. A.
Blatt 15«.Jahrgang Samstag 19. Juni ISO«
erscheint täglich, außer W A Ä Bezugspreis
psSS AvAlt MHO. 4Af A sS*
(Dienötag und Freitag); MW M W K W Hf W IS E ■ WKW W die Post Mk. 3.-viertel-
Arueinml inonatl. Land- Wz 13 M? JBI M W M Ra W fäT M jährl. aiisschl. Bestellg.
wirtschaftliche SeitfrageM ■ W W L W W Äy Zeckenpreis: lokal E,
Verlag u.Expedition bl /MF w • am M » t.
General-Aiyelger für Gberhessen MZW
für die Tagesnummer x.. , - , . . tll u.Land" und „Gerichts-
bis vormittags 9 Uhr. «otatton$0ru(! und Verlag der Vruh! schen Univ.-Vuch- rmd Zletndruckerei R. Lange. Redattlon. Expedition und Druckerei: Schuiftrafte 7. für den
rinwmTTiiiMiiii« l—j____ ’n u Anzeigenteü: H. Beck.


