Ausgabe 
20.9.1909 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

WnS-St«,,

450 OjO J* '?°u'ik°?A te&®'tn(w J «SM flnUttb feit £j Wer gibt fe £ ^edoskeruna i Pl-d- Ld^ «»men hxtbt* Lbg6 btt 8imfc Innung der ütnfoX' »** vorgT Jr Ergebenheit & ?9 der untren^ ^den, könne

hüben. getroffenen NachM. ^gebrochen. 3 ' Qui- >velche die W\ chen türkischen TnM neu das Kabel t* der Insel ist die«»

en Anschein, als oVA 'Cfrieg entbrennen i& ch das des Z-o/d? len Kaffeezoll zm As- Kaffee von 25 J. in deutscher Kaffee«^ seinen Sitz hat, ilt^ ning ausgetreten, tobj it Milch und 3«d« n und das Publ'km' tzen solle. Die ^en§ sind nun bieiet.-1 ier besonderen 2W e behandelten.j ungSrat ,h»- WH «chm, ein« roonn W blt] amtn toattn, WfWI JaitenS «id)t *

RaffeeptetS 1»116"

TTtintoerbeit. Nl

interneren ^yl uchen |ew-'

*?»$$. rKZ ((die . r ollr? 1

W,

rsuMdas

mchtbicaM WR ' Theaterb* ^Phr J WIM ÄKK

Ä*S

Aus Stadt und Land.

Gießen, 20. September 1909.

** Ein neues Schulgebäude für die Volksschule ist anerkanntermaßen das dringendste Bedürfnis in unserer Ztadt. Außer allen vorhandenen Räumen in den drei Schul- ;ebäuden hat man sogar sieben Klaffen in den verfügbaren Schulbaracken unterbringen müssen. Mit Beginn des neuen Schuljahres rücken die zwei untersten Echnlklasien, die oier­ieilig sind, auf, so daß für die nächsthöhere Klasse ein weiterer ttassenraum gebraucht wird. Jedenfalls wird man wieder >azu greifen müßen, die beiden weiteren Klassen in dem alten Schulhause in der Neustadt unterzubringen, in dem die Räume :en Ansprüchen in hygienischer Beziehung nicht entsprechen. Gebaut muß eine neue Schule ja doch werden, darum sollte nan endlich nicht mehr zögern, an die Ausführung heran- .jugehen.

** Dom Manöver. Die Manöver geben ihrem Ende ent­legen. Die 21. Division hat nur noch zwei Tage, während die t5. Division noch bis zum Donnerstag im Beisein des Grvßherz-ogs lumöDiuTt. Die lressijchen Truppen haben am Samstag den asten Teil ihres Divisionsmanövers zu Ende geführt. Am Sams- ag früh lag die blaue Partei, bestehend aus 115 er, 168 er und 'eile der 116 er, stark vcrsclxuHt bei Homberg, Weigandsheim, xifter und Salzburg, nördlich der Bahn Herborw-Westerburg. ue Truppen hatten am Freitag naä)mirtag bis Samstag nacht Schüdcngräbon und Säumzen ausgelwben. Die rote Armee rückte ion Rennerod, Emmerichcni-ain, tlioßbach cur. Das Gefecht dauerte *.idU sehr lang, war auch durch dichten Nebel sehr schwierig zu «Mvickcln. Wohl mit Rücksicht auf die sclpveren Strapazen wurde 3 schon vormittags abgebrochen. Die Regimenter eilten in die £uartierc :^115 er Marienberg, und Mirburg, 116 er Hohe, Dellen- labn und Schellcnberg, 168 er Rehn und Rennerod, Telegraphen- cbtcilung Westerburg, Maschincngewehrabteilang nach Langenbach; ter Divisionsstab tarn nach Westerburg, der Brigadestab nach Marienberg. Bon Aiontag ab beginnt der zweite Teil der Divi- sousmanöver, welches sich südlich ziehen wird zum Elbtal bis gegen Limburg. Es wird nur noch Biwak bezogen, nur bei Regen .utquarticr. Am 28. September geht die ganze Division gegen einen markierten Feind. Am Nachmittag dieses Tages werden die »mßtruppcn auf den Stationen Limburg, Staffel, Elz und Ha- cauiar verla0en. Artillerie und Stauallcric ljaben noch einige ülarschtage bis in die Garnison. Rascher beendet diesmal die A. Division iljrc Derbstübuiig. Sie schließt schon am Dlcns- t a g mittag uni) zwar zwisä)en Weblar. Gießen, Langgöns und Rechtenbach. Es werden verladen in Wetzlar: die 21 er Pio­niere, die Regimenter 166 und 80 und die Fußarttllerie 9ir. 3, t,n Langgöns das Regiment Nr. 88, in Gießen die Stäbe der 21. Division, der 21. Zravallerie-Brigade, der 42. Lnfantcrie- Triga de der 21. Artillerie Brigade des Artillerie - Regiments Ich. 63, der 41. Infanterie-Brigade, der Jnfantcrie-Regimenler Ich. 81 und 87, sowie diese beiden Regimenter. Am Samstag ninnöDriertc die 21. Division unter Führung des Generalleut- :nnty Scholz gegen einen markierten Feind, der die 166 er, 1., ? und ä. Eskadron Ulanen, je eine Batterie der 27 er und 63 er itnb die 2. jlvmpagnie der 21 er Pioniere stellte. Die angenommene Stärke betrug eine Division. Ter markierte Feind wurde von Generalmajor von Besser befehligt. Er batte eine vorzüglich gmahlte Aufstellung genommen auf der Linie Oberndorf, Läuf­ers, Reiskirchen, besonders hielt er die Döhen 290, 229 und 374 besetzt, nachdem er seine Borposdenstellimg bei Schmalbach aufgegeben hatte. Die rote Division hatte südlich Weilmünster an der Di ssensttaße, bei Ernsthausen und Essershausen im Biwak 3liegen. Sie sannneltc sich bei Möttau und Altenkirchen und i iidte über Ober- und Nstder-Queinbach gegen die Blauen vor. Es herrschte bis über Mittag hinaus starker Nebel, so daß das Gefecht lange nicht zur Entwickelung kommen konnte, Patrouillen irnb Borpostendienst waren anßervrdenllich erschwert. Dadurch ,vg sich der Kampf bis zum Nachmittag hin. Die Roten stellten I,re Artillerie bei ilciederwetz, Schmalbach und Bonbaden aus mtb eröffnete das Feuer aut die blaue Division. Die Infanterie viach 'von Braunfels und Bonbaden aus gegen den Feind vor, Melcher aus seiner Stellung geworfen tvnrde. Eine gewaltige Schützenlinie bildeten die 5 Znfanterie-9kegimenter Nr. 80, 81, i 166, 87 und 88. Erst am Spätnachmittag trafen die Truppen it den Quartieren ein.

*' Turnerisches. Der Turngau Hessen ocr» sendet soeben seinen Uebungspla n und Stoff 1909/10. ! Danach werden abgehalten: Die 1. halbtägige Gauvorturner- cunde für den Gau- und Turnausschuß und die 2. Bezirks- lurnwarte am 3. Oktober in der Turnhalle deS Turnvereins lLießen; die 1. Beztrksoorturnerstunde am 17. Oktober, eine Zusammenkunft der Jechtriegen des Gaues (Vorfechterstunde) Lun 31. Oktober in der Turnhalle des Turnvereins Gießen; Line Uebungsslunde für Leiter von Frauenabteilungen am 17. November zu Alsfeld; die 2. Bezirksoorturnerstunde am [ 2 8. November; ein Turnen der geübteren Turner zur Vor- bercitnng zum Krcisturnfest in Kreuznach am 16. Januar 11410, die 3. Bezirksoorturnerstunde am 30. Jan., die 2. ganz- tägige Gauvorturnerstunde für den Gau- und Turnausschuß, I bie 2. Bezirksturnwarte und alle 1. Vereinsturnwarte, Ende I April in der Turnhalle des Turnvereins Gießen; die 4. Bc- icksvorturnerstundc 4 Wochen vor dem Gauturnfest. Nach Lekanntgabe der Pflichtübungen für das Kreisturnfest in Kreuznach findet noch eine 2. Uebungsstunde für die geübteren Turner statt. Man sieht an diesem reichhaltigen Uebungs- i>!an, daß cs der Turngau Hessen mit der turnerischen Weitec- b.ldung der ihm angcschlossenen Vereine ernst nimmt, was nur zur Ausbreitung dec deutschen Turnsache in unserer V Gegend dienen kann.

Der Radklub©ccmania* 1899 feiert am |L7. Oktober, abends 8 Uhr, in der Turnhalle deS Turn- I vireins aus Anlaß seines 10jährigen Stiftungsfestes ein großes »Eala-Saal-Sportfest, Verbundes mit Saalkonkurrenzen I (Tunst- und Rcigenfahrcn, sowie Radball- und Radpolo- g stielen). Nach den Ausschreibungen in derDeutschen Rad- I sthrer-Zeitung" ist eine Beteiligung nur erstklassiger Mann- | s«haften zu erwarten, z. B. die Kunftfahrmannschasten von l Tarmstadt, Frankfurt, Wetzlar, Lüdenscheid und Kassel.

[] Marburg, 19. Sept. Am 4., 5. und 6. Oktober II ttird hier die 34. Dauplversammlung des kurh ess t f m e n i Aolksschullehrer-Bereitts abgehallen. Den r^est- k Vortrag har der Direktor der hiesigen Latideshetlanstalt, ^eh. Med.-Rat Prof. Dr. Turzer übernommen. Er spricht überPädagogik und Psychopathologie". Wetter spricht B Lehrer Br andau-Kassel iiberJugendfürsorge und I Lehrer Hass en p f lug-Kassel überBekämpfung der H Schundliteratur".

s. Di11enburg, 19. Sept. Eine grobe Enttäu- s ch u n g brachte die für heute morgen angekundtgte Z e P s . Pelin fahrt der Bewohnerschaft des Dilltales. Aus der | l utgegend icaren die Leute herbeigeströmt, um Jeppcltn iti I ouf seiner Durchfahrt durch das Dilltal zu begrutzen. Btele 'Neugierige hatten trotz strömender Regengüsse die anltegcn- 1 den Höhen bestiegen, um von da aus ungehtndert Au^sasuu i't halten. Durchnäßt und mit beschmutzten Mewern teyrten 4 sie zurück.

LHM.

lu§fül)tungen dec M 1 deutschen fioniJ )rtSpoljzei erflärtel iu6 authentischer Lst l unden hat.

die Sachlage klar üi:| i)8 nicht entnehmen, J ein deutschen Konsul I iben. Der PeterSbiu^I große Aussehen, da? 1 eschwichtigen. ®ü5:J as sich allerdings roitn zu den in der deustst sagen?

tt Köln.

für den Kaffee im IN es Widerspruchs gG

Sport*

Wien, 19. Sept. Deute fand auf der 10 Kilometer fangen Rennstrecke Schottwien-Semmering das diesfäbrigcA u t o- mo b ilrennen statt. Salcer drückte auf einem Mercedeswagen den bisherigen Rekord 7 Minuten 25?/s Sekunden auf 7 Minulcn 5 Sekunden herab.

Lllftschiffcchtt.

Berlin, 18. Sept. OrDille Wright unternahm heute mit dem Korvettenkcst)itän Engelhardt einen Flug von einer Stunde und 37 Minuten Dauer. Er stellte hamü einen neuep Weltrekord für einen Flug mit einem Passagier auf. 2ün Nachmittag versuchte er bei dem letzten Berliner Fluge einen neuen Angriff auf den von Farman ge­haltenen Dauerrekord. Beim ersten Aufstieg sah er sich ck)on nach einigen Minuten zum Landen genötigt, da sich Die Verbindungsstange am Führersitz gelockert harte. Beim zweiten Aufstieg verblieb er eine Stunde 45 Dtinuten und 53 Sekunden in den Lüften, mußte dann jedoch aus Mangel an Zkühllvasser niedergehen, so daß der Dauerrekord von ihm nicht gebrochen worden ist. Nach der Beendigung eines Fluges verabschiedete sich das außerordentlich zahl­reich erschienene Publikum unter stürmischen Kundgebungen von Wright.

Cholerasälle in Gftpreuhen.

Königsberg i. Pr., 18. Sept. In Pokal Ina bei Ruß (Kreis Dcydekrug) wurden zwei Eholerafälle bakterio­logisch feftgeftellt. Eine Person ist bereits gestorben, eine andere isoliert. Seitens der Behörden wurden alle Sicherheitsmaß­nahmen getroffen.

Königsberg t Pr., 18. Sept. Bei den Choleraer­krankungen in Pokallen int Kreise Dcydekrug handelt es sich um den Flößer Kibel ka, der auf dem Floß von Rüß nach Memel gefahren ist. Von Atemei zurückgekehrt, erkrankte er in den ersten Tagen dieser Woche und starb am Mittwoch. Der Verlauf der Krankhett ließ den Verdacht auf Cholera zu, so daß unver­züglich alle erforderlichen Maßregeln getroffen wurden. Stibelfa ist bereits beerdigt. Die zweite Erkrank­ung betrifft die Frau Kibelkas, die sich vermutlich bei der Pflege ihres Mannes infizierte. Zn beiden Erkrankungsfällen wurde die Cholera bakteriologisch fest gestellt. Das Befinden der Frau ist bisher verhältnismäßig befriedigend. Man hofft, dank der sofort getrosfeneir Jsolierungsmastregeln, die Krank­heit auf ihren Derd zu beschränken. Anzeichen von irgend einer Weiterverbreitung zeigten sich bislang nirgends.

Vermischtes.

*S a u r e s B r c für r e i a) e L e u t e. Das immer stärkere Eindringen kapitalistischer Elemente in die englische Aristokratie, die ftch stets steigernde üvftspieligkeit des Lebens haben viele vornehme Leute, die früher als reich gelten konnten, deren Vermögen aber nicht nennenswert anwuchs, in ungünstige Verhällnisfe gebracht, so daß sie nun eine ganze Klasse derarmen Reichen' bilden könnten. Sie verfügen zwar ngch über einen ansehnlichen Besitz, aber es steht zu der Form ihrer Lebensführung und 'Repräsen­tation in keinem richtigen Verhältnis, und so sind sie ge­zwungen, sich im Geheimen Nebenverdienste zu erschließen, während sie der Oeffentlichkeit.weiter als vornehme und nichts tuende Herren erscheinen. Von demsauren -örot", das solch armen Reichen häufig beschert ist, erzählt Elizabeth Sloan Chesser in einem interessanten Eharatterbild, das einen Blick hinter die Kulissen der britischen seinen Gesell­schaft gestattet. Manch stolzer Aristokrat Albions ist der Mentor, Führer und Freund eines reichen Ämeritaners, den er in hohen und höchsten Kreisen lanciert. Die hohe Bezahlung für solche Dienste wird ihm durchaus nicht ge­schenkt. Es ist recht schwierig, solch einen 4)ankee oder eine reich gewordene Aankeedame vor jeder Verfehlung gegen den guten Geschmack zu bewahren, ihnen beizubringen, wie man sich lleiden, wie man gehen, wie man sich benehmen und unterhalten .sott. Groß ist auch die Angst und Besorgnis, wenn der Amerikaner endlich in einem jeinen Salonlos- gelassen" wird, nicht nur jhn, sondern ayd) sich selbst zu blamieren. Weniger aufregend ist die Vermittlung von Aufträgen an Geschäftsleuten, die Gewinnung von Kunden, die besonders viele Damen mit guten 5lonne$ioncn betrei­ben. Solche geschickte Frauen schließen direkte Verträge mit Schneidern und anderen Lieferanten eleganter Luxus- gegenstände ab, nachdem sie für so und so viele Bestellungen, die auf Grund ihrer Empfehlungen gemacht iverden, eine Spitzenbluse oder einen feinen Iupon oder sonst ettvas erhalten. Auf solche Weise kann sich eine Dame der Gesell­schaft fast umsonst in standesgemäßer Weise Ztteidung und Luxus verschaffen. Eine andere Form, durch die sich vor­nehme Guts- oder Villenbefitzer über die Kosten ihrer teuren Haushaltsführuirg hinwegzuhelsen suchen, iftJDie Einladung von Gästen, die bezahlen müssen. Wer zum Sommcraufent- halt bei einem Baronet ober gar einem noch höheren Ade­ligen eingeladen wird, wird für diesen Gunstbeweis, der ihm sogleich ein ganz anderes Relief in der Gesellschaft gibt, gern in den Beutel greifen und für die Ehre durch ein pekuniäres Aequivalent sich revanchieren. Ob freilich solche zahlenden Gäste einen erträglichen Gewinn abwerfen, ist zu bezweifeln, da sie eine größere Dienerschaft und auch sonst große Ausgaben beanspruchen.

Das Podagra in der Antike. Das Podagra, dieser unangenehme Gast, der nach gutem Leben und trink- fröhlichen Tagen als quälender Rachegeist sich in den Zehen zu regen pflegt, ist einmal von dem genialen englischen Karikaturisten Gillray, der die Laster und Schwächen des bierbur|tigcn John Bull so schark zu geißeln wußte, als ein scheußlicher zwickender Krebs dargestellt worden, der seine beiden Scheren erbarmungslos ein kneift. Unsere Vor­fahren, die sich ebenfalls viel mit demZipperlein" zu be­schäftigen f) ati.cn, stellten es sich in der Gestalt einer rie­sigen häßlichen Spinne dar, und die Fabel- oder Komödien­dichter wurden nicht müde, von den langwierigen Besuchen dieses Unholds zu erzählen. £xm5 Sachs hat den Zipper­lein und die Spinne sich unterhalten lassen, spobei der Zipperlein von feinem behaglichen Leben in den Füßen der Menschen prahlt, auS denen ihn fein Arzt und Bader vertreiben könne. Es sind antike Vorstellungen, die hier nachwirken, denn schon den alten Griechen war das Po­dagra, von dem Juvenal als der Kranlheit des Lebemannes spricht, ein wohlbekanntes Hebel und den Lustspieldichtern ein reicher Stoff witziger Satire. Archon Aristophanes, so bemerkt Paul Maas' bei Gelegenheit einer britischen Be­sprechung der neuesten Ausgabe der dem Lnkian zugeschrie- benen Podagra-Lustspiele in der Deutschen Literaturzeitung, läßt die Gichtleidenden in dem Gefolge seines Gottes Plutns, des Reichtums, auftreten, und ein anderer antiker 2ck)rift- steller, 5?edylos, feiert das Podagra als eine Tochter, die dem Ehebund des Bacchus, des Weingottes, und der Aphro­dite, der Liebesgöttin, entsprungen fei. Ein Zeitgenosse des 2: ttlonios von Tyana hat bann ein nicht mehr er­

haltenes langes Lobgedicht ans diese neue Götrin verfaßt/ deren Reize man wvhl in so lebhaften Farben schildern mochte, weil man dadurch selbst von ihnen verschont zu bleiben hoffte. Bald trat Podagra höchst persönlich in den Lustspielen der späteren griechischen Komödie auf; aber die Griechen waren natürlich nicht so unehrerbietig, einer so mächtigen Götttn die Gestalt eines häßlichen Tieres zu geben, sondern sie schilderlen sie als die Herrscherin eines vornehmen Ordens, in den ausgenommen zu werden man sich noch zur Ehre anrechnen mußte. Drei solcher Stücke werden, wahrscheinlich ohne große Berechtigung, dem über­mütigen Spötter Lnkian zugeschrieben Das erste, die Zrago- vodagra, besteht aus zwei nur ganz lose zusammenhängen­den Teilen. Ein Gichtkranker wird zunächst mit vieler Feier­lichkeit unter die Diener und Anhänger der Göttin ausge­nommen, während zwei syrische Aerzte, die sich vermessen haben, die Krankheit heilen zu können, für ihre Auflehnung gegen den göttlichen Witten schwere Strafe erleiden. Sie lvcrden von einem besonderen Eilboten der Göttin ergriffen, vor die hohe Podagra geführt uni) von ihr mit Hilfe der Ponoi", der personifizierten Schmerzen, gepeinigt, so daß sie hoch und teuer schwören, niemals wieder den frevel- Ifaften Versuch einer Heilung machen zu wollen. Das Akotiv, daß sich;atflc, auch die Großen und Mäck)tigen der Erde, vor der Göttin Podagra beugen müssen, lehrt auch in dem Lustspiel ,Kkyhus" wieder. Zunächst tritt Podagra auf und erklärt, daß sie den frechen Oki)pus, der ihre Macht geleugnet habe, die Geißel ihrer Schmerzen fühlen lassen werde. Dann erscheint der Leugner der Göttin, hinkend, auf seinen Diener gestützt, mit jenem verräterischen Zielten unb Zerren in den Zehen, das er durchaus nicht als Po­dagra anerkennen will. Aber fein Arzt Soterichos, der ihn genau untersucht, weist ihm nack), daß auch er dem scharf packenden Griff der Göttin nicht entgangen ist, unb reumütig muß er ihre Uebermacht über die armen Sterb­lichen erkennen. Solcher Gicht-Lustspiele, in denen die hinkenden, humpelnden und klagenden 2)titglieber des weit­verbreiteten Pobagraordens verspottet wurden, gab es in. der Antike eine große Anzahl.

Kleine Tageschronik.

Aus Havanua wird gemeldet, daß in der Provinz Pinas bei Rio, dem Hanpttabaksdistrikt, ein schwerer Ort an gewütet hat. Der Umfang des Schadens ist unbekannt. Tie Verbindungen sind unterbrocT)cn.

Handel nrrd Verkehr, Volkswirtschaft.

R. B. Darin stadt, 19. Sept. Die Süddeutsche Eisen­bahngesellschaft hielt gestern eine Generalversamm­lung ab, in der Beschlüsse von außerordentlicher Wichtigkeit ge­faßt wurden, die in ihrem Endergebnis eine Verlegung des Schwer­gewichts der Gesellschaft, resp. der Alajoritat der Aktionäre nach dem rheinisch - westfalischen Gebiet zur Folge haben werben. Tie sog. Essener Gruppe, eine aus der Stadt Essen, dein Landkreis Essen, dem rheinisch - westfälischen Elcttrizitälswerk und dem Unternehmer StinneS bestehende G. m. b. H., die für 14 Riillionen Aktien besitzt, halte in der Versamm­lung verschiedene Anträge gestellt, die trotz des schärfsten Wider­spruchs der Atinorität unter großer Erregung zur Annahme ge­langten. 9lnd) diesen Anträgen wurde Artikel 29 des Gesellschafts- slatuts, ivonach em Aktionär weder aus Grl,nd eigenen Besitzes noch durch ihm erteilte Vollmacht mehr als tausend Stimmen auf sich vereinigen kann, gestrichen. Die Stiniinenzahl für einen Aktionär ist also in Zukunft unbeschränkt. Ein weiterer^ zur An­nahme gelangter Antrag ging dahin, die Zahl der Aujsichtsrats- mitglieder, die bisher höchstens sieben betragen durfte, um drei Mitglieder zu erhöhen, und es wurden darnach folgende Diitgliedcr in den Aufstchtsral neugewählt: Oberbürgermeister Holle- Essen, Landrat S n e t h l a g e , Geheimrat Funke, Direktor v.Tippels- k i r ch, Rechtsanwalr Dr. Gehrke; für ein ausjcheidendes Atit- glied wurde S t i n n e s neu gewählt. Die Minorität, die durch lliechlsanwalt Dr. D a r m st ä d l e r - Mannheim vertreten wurde, legte sofort gegen sämtliche Beschlüsse und auch gegen die Neu­wahlen Protest ein und behielt sich die Anfechtungsklage vor. Den Vorsitz in ;der Generalverfammlung führte der Direktor der Bank für Handel und Industrie, H e d d c r i ch, als Verlreter der Regierung wohnte Lberfinanzassessor Michel den Verhand­lungen bei, die oft einen sehr stürmischen Charakter annahmen und säst 5 Stunden dauerten: es waren im ganzen 19 499 Slinuncu ucvtictcn.________ _____

Vcrantwottlich-sür Feuilleton und Vermischtes:

I. V.: August Goetz.

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, * mitgeteilt von der Bank für' Handel und JndustrieyGiessen.

Frankfurter Börse, 20. September, 1.15 Uhr.

3'/,°,'a Reichsanleihe . - - > . - do.

3'/,°/0 Konsols V". -2 .

3°;,. do. ... .

3' Hess!! . .

31/,0ln Oberhesseniä- 4°/, Gesten. Goldrente.-". 4'/;"/» Oesterr. Silberrente : 4" 0 Ungar. Goldrente .e,. 4° n Italien. Rente . ... 3% Portugiesen Serie I . 3°/, Portugiesen TU . 41 /,% rass. Staatsaul. 1905 4* 2°/0 Japan. Staatsanleihe 4°/0 Conv.Türken von 1903 Türkenlose . -. . . r. 4°/0 Griech. Monopol-Anl. . 4° 0 äussere Argentinier ,. 3°/0 Mexikaner . ..

4',.% Chinesen .

Aktien:

Bochum Guss . ...

Buderns E. W. . . . .

Tendenz: fest.

94-60 84.95

94.60

84.95 93450

93 99.75 99250

95.10

62*z5O

64.70

99.25

96.50

93.80

162.60 48.40

88.90

66.30

99.60

248.00 121.50

Elcktriz. Labmeycr . . . 113.50 Elektriz- Sohuckert .. x. 126.00 Eschweiier Bergwerk .' . 209.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 207.70 Hamburg - Amerik. Paketf. 133.00 Harpener Bergwerk . . . 207.40 Laurahütte . . 197.75

Nordd. Lloyd-.-. . . .103.70 Obcrscblcs Eisen-Industrie 111.80 Berliner Handelsgcs. . . 179.50 Darmstädter Bank <.' . . 139.10 Deutsche Bank .' . . . 248.50 Deutsch-Asiat. Bank . . 149.30 Diskonto - Kommandit . . 195.20 Dresdner Bank» ... - 16080 Kreditaktien..... 209.80

Baltimore- und. Ohio- .«

Eisenbahn .7. . 1 118.80 Gottbardbabn . .. .!«.>.'.. Lombard. Eisenbahn .> . . 24.70 Oesterr. Staatsbahn . ?'. 162.70 Prince Henri - Eisenbahn 132.50

Berliner Börse, 20. September. Anfangskurse.

Canada E. B......18740

Darmstädter Bank . . . 139.10 Deutsche Bank

Dortmunder-Union C. 1. 84.40

Dresdner Bank . . 161.40

Tendenz: ungleichmässig.

Harpener Bergwerk . . . 207,60

Laurahütte...... 198.00

Lombarden E.E......7. 24.70

Nordd. Lloyd.-.

Tiirkealvtie ... 163.40

Braut«Seide .

Schon verzollt! Verlangen Sie Muster!

IP/U C. Hennchcrg. Zürich.

P,f.e i I-

Ver­kaufsstellen durch dieses Plakat mAJ kenntlich.

Fabrikant:

August Jacobi, Darmstadt

Kuoerts mit Zirma bMiqft brüht'sche Universitäts-Druckerei. R. tanze, Eietzen