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15.11.1909 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

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Schätze gezeigt, ob ich auch nur einen ( abschließe. Hübsche Holzwaren, Spiel-

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lstens ausgeführt.

Telephon 243-

Ist ein vergarbeiterstrett in Sicht?

ÄllS Essen schreibt man und von sehr gut unterrichteter Seite:

In lmksliberalen Blättern vvm Schlage des Berliner Tage­blatt-, die in Arbeiterfragen päpstlicher als der Papst zu sein pflegen, gefällt man sich anläßlich deS Vorgehens des Zechen- Dtrrbanbd, einen Zentralarbeitsnachweis einzusühren, miedcr in maßlosen Uebertreibungen gegen die Zechenherren und ihre vermeintliche Vergewaltigung der Bergarbeiter. Man spricht 7vn einer großen Erregung unter den Bergleuten, ohne zu wissen, - e- lediglich die Gewerkschaftsführer sind, die diese Erregung künstlich durch Hetzreden Hervorrufen und schüren. Ter maß- aolle und besonnene Teil der Ruhrbergleute weiß von einer großen Erregung noch nichts, sondern wartet zunächst einmal ab, welche zolgerungen sich aus der Einführung des beschlossenen Arbeits­nachweises ergeben. Eine Bewegung, wenn man von einer solchen sprechen will, hat lediglich unter den organisierten Berg­arbeitern eingesetzt, die aber unter den rund 350 000 Ruhrbcrg- Initra m der Minderheit sind: etwa 150 000 sind organisiert, trnau läßt sich die Zahl nicht feststellen. Die Schritte, die- nsher von diesen Organisationen unternommen wurden, bestanden mnächst in zwei Eingaben an das Handelsmini st e- ki u m und den Z e ch c n v e r b a n d, in denen umRüctgängig- n a ch u n g des beabsichtigten Arbeitsnachweises ersucht wird und LlS Hauptargument gegen seine Einführung diebedrohteFrei- jügi gleit, ein übrigens recht häufig angewandtes Schlag- Dort ins Feld geführt wird. Auf die Eingabe an den Zechen- verband hat dieser einen ablehneiit^n Bescheid erteilt, während auf die Eingabe an die Regierung ein Bescheid noch nicht erfolgt ist. Offenbar will man aber diesen Bescheid erst abwarten, ehe man seitens der Arbeiterorganisationen sich über weitere Schritte klar wird. Inzwischen hält man Versammlungen ab, in denen hie oft gehörten Reden gegen die Bergherreii gehalten und die üblichen Resolutionen gefaßt werden. Das muß schon um deswillen geschehen, um die Bewegung in Fluß zu halten und nicht zum Abflauen kommen zu lassen.

Es fragt sich nun: liegt in ber beabsichtigten Einführung eines allgemeinen Arbeitsnachweises ein Grund zur Unzufrieden- beit und zu Repreßmaßregeln bei den Arbeitern und zweitens: ,st eine wirkliche Streitluft unter den Bergleuten vorhanden und hat eilt Streik Aussichten auf Erfolg ?

Ten Anlaß zu ber Gründung eines Zeche narbeits^ nachweises, die übrigens einstimmig von allen Zecl>en, auch Len außerhalb des Kohlenfyndikates stehenden, beschlossen wurde gaben die mißlichen Arbeiterverhaltnisse während der letzten Hoch« bnjunttur und namentlich auch die skrupellose Art, mit ber einige Großindustrielle den mittleren und Heineren Zechen die Arbeiter abiagten. Der an und für sich schoii während einer solchen Zeit große Wechsel unter den Briegschaften wurde auf diese Weise durch die Zechen­besitzer selbst noch vergrößert und Fälle, wo ost 1015 Prozent ber Belegschaft einer Zeche in einem Monat wechselten, waren keine Seltenheit. In dem Arbeiterwechsel liegt aber bekanntlich hie schwerste Gefahr für die Sicherheit des Gruben­betriebs, und wenn der Arbeitsnachweis mit Bezug auf den tzelegfclwftswechsel einen günstigen Einfluß ausüben sollte, so läge das ebenso sehr im Interesse der Bergleute wie der Zechen- besitzer. Es ist aber noch fraglich, ob ber Arbeitsnachweis einen prohilntiven Einfluß nach dieser Richtung ausüben wird, denn er entl-ält keine diesbezüglichen Bestimmungen. Die Zechen sind vohl verpflichtet, alle ihre inländischen Arbeitskräfte von dem

Nr. 268 ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich 5ie-cnerK-miIiknb:atter; »ivkimalivöchentl.nreir- blatt f üröen Kreis feieren (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- »tttlchastlicherettftagen steristprech Anschlüsse: für lut Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger «ictzeu. riwahm« von Hnjctgee für die TageSnumiuer bis vormittags 9 Uhr.

LOTT ad Weinstube Ä2j rei-»h Mligmiuij oder von 10 Flasche,

sowie Aus- 6100 Projekten ei. : : :

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haft ideales Zusammenspiel boten, entzückten die ungemein zahlreich erschienenen Zuhörer bis zur hell auflodernden Begeisterung. Eine Begeisterung, tvelck>e noch an wuchs, als uns Marteau in seiner vollendeten Meisterschaft tue Ddur- Sonate von Reger für Violine allein und gemein,am mit Dem Komponisten dessen Suite im alten Stil zu Gehör brachte. stricht endenwollender Beifall mag den beiden Meistern gezeigt Haden, wie ihre herrliche Kunst uns allen zu Herzen ging, welche genußreiche Stunden sie uns bereitet haben. Wir aber hoffen auf *ein Wieder,ehen.

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die TaschUreisst, so kannst du doch als Freund und Be- tannter dir Zutrauen gewinnen und mit Rat und Tat deine

geringfügigen Handel abschließe. Hübsche Holzwaren, Spiel­sachen, Luftballons nach den neuesten Fortschritten gibt es in mannigfacher Art; neben hölzernen Sächelchen liegen aber auch süße Naschwerke, Chokolade in allerlei Gestalt und Verpackung. An der Wand aber hängt der größte Stotz der Händlerinnen: feinste Decken mit künstlerischen Hanü- arbeiten und stilvollen Landschaften. Plötzlich bringen fremde Laute an mein Ohr: die Jungfer, die hier mit emsiger Beredsamkeit an einer Seitemvand hübsch gerahmte Bilder und Origincllzeichnungen anpreist, stammt sicherlich nicht aus der Nähe. Auf meine Erkundigung höre ich denn auch, daß diese Verkaufsstelle fremde Arbeitskräfte heran­gezogen hat und daß die fremden Laute einer Moskauerin angehören, wobei zum besseren Verständnis bemerkt werden mag, daß das mit Moos und Kauen nur insofern etwas zu tun hat, als wirklich auchMoos" in Hülle und Fülle getaut, das heißt umgesetzt wird. Hier fand ich als Jahrmarkts- gast ein freundliches Absteigequartier, das noch den Vor­zug hatte, daß nebenan eine betriebsame Kaffee wirtschaft mit allen Arten von Kuchen und Backwaren ein angenehmes Gewimmel in Schwung brachte, wobei die Laffeeschwestern

frieden heil auf. ..

Die fünf Sinne eines jeben Besuchers gaukeln zuerst in die verschiedensten Richtungen:Es drommetet, es po- ,aunet, Auge blrnzt und Ohr erstaunet." Aber irgendwo tragen dich die Wogen an ein Plätzchen, das du dir aller» Dinas durch klingende Münze erkaufen mußt, denn die ärnuiden Qborhesi innen Hal:en überall die Hand aus. Und nun heißt es reden und handeln. Besonders handeln, denn an st wird dein Mitgenommenes allzu rrüf) dem guten Zweck geopfert, und wer auf dem oberhessischen Jahrmarkt Nichts besitzt, genießt auch kein Ansehen. Sei aber stets freund, ich und liebenswürdig, fang mit dem Nickel an und hör nut jem Goldstück auf! Es wird gut sein, den zahlreichen Hausiererinnen gleich bei der ersten Begegnung nicht zu viel Widerstand entgegenzusetzen; du kausst dir Blumen, Zl- 3arten, Honigkuchen und anderen Tand, hast damit deine ersten 'Verpflichtungen erfüllt. Denn sie kommen sogleich alle wieder, und wenn du auch nicht gleich von neuem in

Zweites Uonzert des Lonzertvereins.

Gießen, 15. Nov.

Marteau und Reger, zwei der bedeutendsten Musiker der Gegenwart, waren die Ausführenden.

Wenn auch beide als ausübende Künstler erschienen, so liegt doch Regers Schwerpunkt auf produktivem Gebiete. Reger, der heute, da er zum erstenmal bei uns erscheint, unser ganz besonderes Interesse erregt, ein kühner Neuerer im wahrsten Sinne des Wortes, zeigt uns, daß die Kunst nicht stille steht, wenn wir auch erst später zum Verständnis des Errungenen kommen. Seine eigenartige höchst Person» liche Kunst machte es ihm anfangs schwer, tn der mufitali» schen Welt Anerkennung zu finden. Erst feit der Tonkünstler» Versammlung im Mai 1904 in Frankfurt a. M. brachten ihm die fortschrittlich gesinnten Nkusiker mehr Interesse entgegen, welches seit dieser Zeit in stetem Wachsen ge­blieben ist.

Beim erstmaligen Hören sind uns seine Werke meist schwer verständlich'; feine Harmonik befremdet uns, rasch wechselnde Akkorde, scheinbar ohne Rast und Ruhe wollen uns nicht zu ruhigem Genüsse des musikalischen Werke, kommen lassen. Und doch klärt sich vieles, wenn man Gelegenheit hat, seine Werke iiäher kennen zu lernen, vieles, was unentwirrbar schien, zeigt uns plötzlich in voller Klar­heit Regers bedeutende Kunst. Wie sehr auch unser kunst­sinniger Großherzog dieselbe erkannt hat und schätzt, be­weist die an Reger verliehene goldene Medaille für Shinii und Wissenschaft gelegentlich des vor zwei Zähren statt- gehabten ersten Kammermusikfestes in DarmMdt. Aber auch als Klavierspieler ist Reger von ganz hervorrag aber Bedeutung. Die wunderbare Klarheit und durchgeistigte Auffassung, mit welcher er uns die elegisch gefärbten Lüückc von Bach, Präludium und Fuge Fismoll, gcw, war em musikalischer Hochgenuß. Unb nun er ft sein Zusammenspiel mit Marteau. Wahrlich, hier Worte über beider öpiel und Auffassung zu finden, die den ungetrübten Genuß nur einigermaßen schilderten, ist einfach nicht möglich, ^ede- Wort klingt banal gegenüber der weihevollen Stimmung, in welche uns die beiden gottbegnadeten Künstler versetzten Der sonnige Mozart, dessen Bdur-Sonate von beiden tn wunderbarer Schönheit vor unseren Ohren entrollt wurde, der ernste gebanteutiefe Brahms, in dem beide ein wahr-

Dienste anbieten. Tas Alltägliche wird abgestreift, und das Geplauder fließt leicht und natürlich dahin wie der Waldbach des heimatlichen Gebirges. Doch die Schönheit der Berge sehen wir einstwellen noch nicht, das bunte Ge­wimmel verdeckt alles, und nur hm und wieder taucht plötzlich die Wand eines Bauernhauses vor uns auf, oder ein Scheunenfenster, aus dem die goldenen Aehren heraus­schauen. Noch einige Schritte, durch ein Torgewölbe, unb die Menschcmwoge hat uns vor den Ladentisch einer Ver­kaufsbude geb rackst, wo uns die schmucken Bäuerinnen zu­nächst noch mehr interessieren als die Waren, die sie feil- halten. Zweifellos haben wir hier ein Stück ländlicher Aristokratie vor uns, die uns zeigst, daß die Errungenschaften der Kultur auch bei den oberhessischen Bauern zuhause sind. Die verwandten Begriffe Kunst und Spiel teilen sich hier in die Gunst des Publikums, und es bedarf feiner markll» chreierischer Anpreisungen, um die Menge bewundernd um )ie ausgelegten Siebensachen zu lagern. Ich habe Glück, >enn ich werde erkannt, und mit bereitwilliger Vertraulich­en werden mir die :*4 -t* *** ** "

Die Geheimnisse des Zahrmatttes.

Heraus nun aus dem Strudel, der zu Ehren und Gedeihen künftiger Gießener Säuglinge drei Tage baxjuv braust! Während wir im nächtlichen Regen bedächtig durch die dunklen Straßen gehen, klingt mir das Jahrmarkts- getümmel noch in den Ohren, rechen sich bie bunten Futter» bilder lose tanzend aneinander. Die beiden Begleiterinnen hüllen sich heiter plaudernd in die warmen Lodenmantel, sie freuen sich über die klingende Kasse und mäkeln lustig über den Sparer, der,wie noch die Frau den Herd Ver­sal)" Avaritia hieß und das Gold zu ungestaltem 4,eig knetete. Dock) der schöne Zweck des wird erreicht

werden, und das frohe Geptäng unter ben oberhessischen Bäuerinnen löst sich in harmonische Akkorde voller Zu-

©eneralDerjammlung des Buntes ter £antu> Ute

2$. Gnesen,14. däov.

Unter starker Beteiligung seiner Mitglieder, namentlich aus den östlichen Provinzen, hielt der Bund der Landwirte hier in Gabels Saal eine außerordentliche Generalver­sammlung ab. Der Vorsitzende des Posener Provinzial­verbandes, Mafor a. D. v. Endell, eröffnete die Beratungen mit einem Kaiserhoch. Die Versammlung sei zusammenberui-n morden, um aller Welt kund zu tun, daß die deutsche Land­wirtschaft, die solange einig war, auch weiterhin treu arbeiten werde im Bunde der Landwirte, für Kaiser unb Reich, für König und Vaterland, in der Vergangenheit, so auch tn der Zukunft. Es sei aus Bundeskreisen der Wunsch geäußert worden, von dieser Stelle aus zu sprechen, wo vor einiger Zeit der deutsche Bauernbund gegründet worden sei. Der Redner teilte bann mit, daß in einer vertraulichen Versammlung heute vormittag beschlossen worden sei, die Herren Reinicke, Harte unb Klünzig heute nicht zu Worte kommen zu lassen, nicht weil sie zum Bauernbünde gehörten, sondern lediglich wegen ihreS bisherigen Auftretens. Als erster Redner sprach Gutsbesitzer Loge mann über: . .

Der Bund ber Landwirte xnb bet Kleingrunbbesi tz."

Gr führte aus: An biefer Stelle ist vvr einiger Zeit bet deutsche Bauernbund begründet worden. Wir Bauern in Han­nover haben und geschämt, baß bei ber Gründung seinerzeit solche Watte gesprochen worben sind, wie die von den Abgeordneten Wachhorft de Wente und Wamhoff. AlS der Bund der Land- roirte gegründet wurde, waren es große Fcagen, die die deutsch« Landwirtschaft bewegten. Der Bund hat bei uns in Hannover nur schwer Eingang gefunden. Die liberale Presse stellte es so hin, als ob es sich nur um eine Gründung für den Osten handele. Erft Ende der 90er Jahre konnte der Lund in Hannover festen, Fuß fassen, weil man erkannte, daß die deutsche Landwittschaft einig sein müsse. Der nachmalige Direktor des Bundes, Dr. Tieberich Hahn, mußte aber noch

mit bem Rucksack burch bas Lanb wandern, um Mitglieder zu gewinnen. Heute zählt der Bund bei unS ut Hannover 22 000 Anhänger. Ter Bund der Landwirte hat ge­zeigt, daß er für den Kleinbesitz immer ein warmes Herz gehabt hat. Das ist zu Tage getreten bei der Abstimmung über den Minimal Zolltarif. Wo war da der Abgeordnete Wamhoff. Er sagte, er hätte nach Hause fahren müssen, um eine Dreschmaschine zu be/ichtlgen. Unb bas ist ein Führer des Bauernbundes. Da sind 'wir Landwirte zusammengetreten und haben gesagt, daß wir Wamhoff unter keinen Umständen mehr unsere Stimme geben dürften. Ms man ihm sein Verhalten vorhielt, da erklärte er nur: Ach, das sind die paar kleinen Wirte, denen werde ich schott was einreden." Aber die Lügen der Nationalliberalen sind den Mitgliedern des Bundes der Landwirte doch zu bekannt genrotbeit. Tie nationalliberalen Älbgeorbneten von »amumeT haben aller­dings schon früher gegen die Landwirtschaft gestimmt, jetzt aber finb sie erkannt. Man habe beschlossen, Wachhorft de Wente nicht mehr als Kandidaten zu unterstützen. Im letzten Wahlkampfe sei er. noch vom Bunde der Landwirte aufgestellt gewesen, Dr. Hahn unb Podbielski hätten aufgeforbert, für ihn zu stimmen; er habe selbst um die Stimmen des Bundes der Landwirte gen beten und gesagt: Wenn der Bund noch nicht gegründet wate, dann müßte er beute gegründet werden. Wie hat et sein Wort gehalten? Kurze Zeit daraus sprach er auf bem nationalliberalen Parteitage davon, baß ber Bund ber Landwirte den Bauern die Ideale genommen habe. Der Redner bespricht bann bie Stellung der Nationalliberalen zum Viehseuchengesetz und bie Etbansall- fteuer. Die Ablehnung ber Erbansallsteuet sei eines der eilten

Zeitpunkt ab, wo ber Nachweis in Kraft tritt, durch diesen an» zulegen, und ebenso ift ber Arbeitet, ber den Nachweis in An» ,'pruch nimmt, gehalten, die ihm zugewiesene Arbeitsgelegenheit binnen 2 Tagen anzutretrn, wenn er derselben nicht verlustig gehen will. Aber er tonn vorher seine Wünsche äußern, wo er Arbeit nehmen will, und die AtbeitsnachweiSstelle hat diese nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Die F t e i z ü g i g k e i t ift also in keiner Weise bedroht, und die Freiheit der Bewegung noch ge­nügend gewährleistet. Auf alle Fälle läßt sich noch nicht ab- sehen, wie sich bie Sache in ber Praxis barftellt, unb datum sollte seitens bet Arbeitet erst die für den 1. Januar in Aus» sicht genommene Einführung bes allgemeinen Arbeitsnachweises abgewartct roerben, ehe inan zu fvlgenschiveren Reptcssivmaß- rtgcln übergehl.

Dieser Ansicht scheint auch ber besonnenere Teil zu fern. Selo st die Fühwer bet Organisationen, von benen es bekanntlich 4 im Ruhrrevier gibt, scheinen keinesfalls sich zurzeit von einem Streik etwas zu oerivrechen unb sie raten von biefern äußersten Mittel deshalb ab. Es bürfte ganz ausgeschlossen sein, baß bie Bewegung eine bedenklichere Wenbung annimmt. Der Zeitpunkt wäre sehr unglücklich gewählt und die erfolgreiche Durchführung eines Streiks nach mehr als einet Mästung in Frage gestellt. Zu­nächst würden die Zechen dadurch nicht nur nicht geschädigt, frühem eine Arbeitseinstellung würde ihnen bei den schlechten Zeiten und ungünstigen Absatzverhältnissen sehr willkommen sein. Denn sie kämen barai in bie glückliche Lage, ihre großen Kohlen- unb Kolsvorräte abzustoßen, würben also mir Vorteile davon haben. Auf der anderen Seite aber würden die den Organisationen zur Verfügung stehenden Mittel kaum länger als 14 Tage aus- reichen, um die notwendigen Unterstützungen zu leisten. De Organisationen sind eben noch viel zu sckflvach im Verhältnis zu der Gesamtbelegschaft ber Ruhrzechen. Unb biese Tatsachen bilden wohl ben Hauptgrunb, wesl>alb man von einer ernsteren Bewegung zum Streik zunächst ab)eben wirb. Dir sagen ab­sichtlichzunächst". Für spätere Zeiten, roenn bie Konjunktur wieder besser geworden unb bie Vorräte beigegangen sinb, ist bie Möglich­keit nicht mehr ausgeschlossen. Im Gegenteil rechnet man bann selbst in Zechenkreisen wieder mit einer solchen Eventualität.

Hamburg, 11. Nov. Die Beamten bes Zentral- arbeitSnachweises für den rhein isch-westfäli schen Bergbau, der spätestens 1. Januar in Kraft tritt, werden hier auf beul Bureau bes Arbeitsnachweises deS Vetbanbes ber Eisemndustrieilen vom Geschäftsführer Dr. Thielkow ausgebildet. Die Ausbildung, die etwa 46 Wochen dauert, ist für eine -größere Anzahl der als Leiter von Filialen im Ruhrbezirk in Aussicht genommenen etwa 25 Beamten schon beendet. Wie aus guter Quelle verlautet, ift von der Regierung fein Widerstand gegen die Einführung des Arbeitsnachweises zu erwarten.

Der besuch deüErzherzogs 8ranz ZerdinanS.

Potsdam, 14. y'iüD. Der Kaiser traf mit dem Erzherzog Franz Ferdinand v o n ,O e st er r e ich, dem Kronprinzen und den übrigen Jagdgasten abends um 11 uhr- 25 Min. auf ber Station Wildpark ein unb begab sich in das Neue Palais.

Berlin 14 Nov. Vom Neuen Pcllars kommend, too bie österreichischen Herrschaften sich von der Kasserin ver- abschiebet hatten, trafen ber Kaiser, sonne ber Erzherzog- Th ronfolqer und Gemahlin um Si/3 Uhr im Automobil in Ctstrrlottenburg ein unb besuchten bas Mausoleum Kaiser Wilhelms I. unb bas Charlottenburger Schloß. Daraus ge­leitete ber Kaiser bie Gäste zum Bahnhof Charlottenburg, von wo nach herzlicher Verabschiebung bie österreichischen Herrschaften um 4i, Uhr die Abreise antraten.

Erstes Blatt 15S. Jahrgang Montag 15. November 1909

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