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16/10/1909 Zweites Blatt
 
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Samstag 16. Oktober 1909

Zweites Blatt

159. Jahrgang

Nr. 243

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Gemral-MzeMr für Gverheffen

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V. J. G.

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> I ganz flüchtige Ueberblick gibt einen Begriff von der großen r Bedeutung dieser neuen Städtischen Galerie. Morgen, am ! Eröffnungstage, werden sich nun auch noch die schon be'

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Mikroben-Bonbons. Wenn man allen Heilmittel- Fabrikanten glauben sollte, die in England noch viel siegesgewisser und blumenreicher ihre Fabrikate arwreisen als im polizeibehü- ieten Deutschland, so müßte das alte Furchtgerippe Tod sich schon -ängst den Leihen der Arbeitslosen angeschlossen haben. Das Neueste aus diesem Gebiete sind Schokoladenbonbons, die garantiert je Millionen das Leben verlängernde Kleinwesen enthalten, Prosessor Mctschnikow, der bekannte Pariser Bakteriologe, hat in saurer Milch einen Baüllus entdeckt, der mit großer Kampsbegier den Fäuu'is-Bazillen entgeqcntritt, die in den menschlich n Ein- geweideu langsam, aber sicher die Lebenskraft untergraben. Da der Genuß 'aurer Milch nun nicht nach jedermanns Geschmack ist, hat ein findiger Engländer die Bazillen in Pralines Ver­arbeiter, die sie aus wohlschmeckendste Weise dem Felde ihrer kriegerischen Tätigkeit zuführen. Nach einer Mitteilung des Daily Erpreß kann die Brighton gelegene Fabrik nicht genug dieser Bonbons liefern: aus jede neue Lieferung warten am Viktoria- Bahnhose Automobile, um sie schleunigst den Läden zuzufübren: es lei anzunehmen, baß jede aus der Höhe der Zeit stehende Gastgeberin zum Schluß des Mahls ungezählte Millionen Ba­zillen auftischen werde. Die Reklamen schildern sehr anschaulich das Ringen der guten gegen die bösen Bazillen; für Leute, die auf eine Erbschaft warten, mag es ein Trost sein, daß nicht alle Kriegsberichte auf reiner Wahrheit beruhen.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersilätS - Buch- und Steindruckerei.

R, Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion: ^-^112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

Diimeuuür^i.K äiid!j.Phil.--'Vt.-S». hLl.-Lr'aersweg ft? . Ävetbejlr.Ll M

romanische, gotische, , ...

Barok- und Rokoko-Plastik sind bebeutjam vertreten. Die Sanirnlung ist qualitativ sehr hochwertig. Sie enthält u. a. drei Werke, um derentwillen sie »on vornherein einen hohen innstgeschichtlichen Rang erhalten wird: eine mit Sicherheit ans den jüngeren Syrlin zuruckgehende über­lebensgroße Holzsignr des Hl. Georg, die bei der Selten­heit von Originalwerken des schwäbischen Meisters einen sehr hohen Wert be,i?t. Ferner einen, auch in den Farben wundervoll erhaltenen großen Altar in glas etter Majolika von Andrea della Robbia. der zwar heute er,r Leih­gabe einer Mäzcnatengruppe ist, morgen aber vermutlich der Galerie gescheut werden wird. Unb endlich, als Haupt­werk der ganzen Galerie, eine antike Athena-Statue in verblüffend guter Erhaltung, die von dec Forschung als das bis heute verschollene Geg en st ü i zu dem vernhmien m y r o n i s ch e n M a r s Y a s im Vatikan angesproaien wird. Auf jeden Fall ist diese antike Alhenastattce ein Werk von höchster künstlerischer Vollendung, das den Ehrenplan eines besonderen Raumes in der Galerie sehr wohl verdient. Bum ersten Male öffentlich ausgestellt ist die berühmte Fnrtwänglersche Sammlung antiker Klein­plastik, die vor zwei Jahren angekauft wurde und dce fa't lauter auserlesene Exemplare erhielt, und eine Aus­wahl aus den Ausgrabungen der sog. Men asst ad l in ber lybischen Wüste, die Monsignore Kaufmann mit Frank- * ' Hier ist eine ganz neue

DieEtehener Zamiliendlätter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt/das Krelsblati für den Kreis Siehrn" zwei. wöchentlich. Die ,,Landwirtschaftlichen 5eib fragen" erschemen monatlich zweimal.

deutend angewachsenen Bilderschätze öffentlich präsentieren, die im Erdgeschoß des Stadel aufgehängt sind, wahrend die Skulpturen in einem Neubau, nahe dem Stadel, unter­gebracht sind. Dr. Z.

Zwölf Dichter und ein Buch. In einem Ber­liner Verlag erscheint dieser Tage ein Roman in zwölf Ka­piteln. Jedes Kapitel hat ein anderer Dichter geschrieben. Die zwölf, die sich zu diesem Streich zusammenfanden, sind: Bahr, Bierbaum, Otto Ernst, H. H. Evers, Gabriele Reuter, Meyrinck, Felix Holländer, Wolzogen, Falke, Hirschfeld, Olga Wohlbrück und Eulenbera. Tas Vorwort schrieb noch Detlev v. Lilieneron. Eine lustige Idee, die schon häufiger gefaßt wurde. Nun hat der Verleger aber auch noch 60 Preiset für das richtige Erraten der Autoren ausgesetzt. Zu­erst Haven sich, so meint das B. T, die Autoren bei ihrer Arbeit gut amüsiert, denn gewiß hat jeder dem Folgenden durch sein Kapitel die Fortsetzung möglichst schwer gemacht, und man weiß ja, welch reines Vergnügen allein schon solche Schadensreude bereitet. Tann werden die Leser sich amüsieren, und bei ihrem Rätselraten viel zu lachen haben. Zuletzt und am besten aber lacht der Verleger, denn so zwölf beinunte Autoren auf einen Streich eingefangen zu haben und den Reiz des Buches noch durch ein Rätselraten er­höben, die leidenschaftliche Liebhaberei deutscher Familien, sehen Sie, das ist ein Geschäft, wenn es einschlägt. . .

Äscher esangvereii

,g ben 17. CtoJ gs 4 Uhr n LLZUUA if nach berKarlsrch

Der Poriitnl

Aus Frankfurt wird uns unterm 13. geschrieben: Die Frankfurter Städtische Galerie, die am 14. d. M. eröffnet wird, hat schon heute, als ihre neue Abteilung, die S k u l p t u r e n abteilung, ihre Pforten einer kleinen Schar geladener Gäste öffnete, bei allen, die diese von Grund aus neu entstandenen Sammlungen zum ersten Male sahen, lebhafte Bewunderung hervorgerufen. Was hier in der Stille in etwa zwei Jahren an wertvollen Originalen zusammengebracht ist, muß allerdings Kenner wie Laien in Erstaunen setzen. Frankfurt entbehrte bis jetzt so gut wie ganz einer Sammlung von Originalplastiken, an denen man die Entwicklung der plastischen Kunst hätte studieren können. Jetzt hat der Direttor bet neuen Galer.e, Dr. G. Swarzenski, dank der ihm aus einigen Stif­tungen und aus städtischen Fonds gebotenen Mittel eine Sammlung zusammengebracht, in der typische und hervor­ragende Werke aus allen wichtigen Epochen der Plastik vorhanden sind: griechische und römische Originale aus allen kunstgeschichtlichen Zeitabschnitten, altchristliche Plasttt, Frührenaissance-, Hochrenaissance-,

unsicher waren und erst allmählich zu jener außerordent lichen Sicherheit und Geschlossenheit heranreiften, die wir gerade zuerst anNora" bewundern.

bett IS. cktober a obends

-nkanit bet W» Allendöricr.

iÄtei ZE

übernahm der Angeklagte, der daraufhin sofort aus der Hast entlassen wurde.

2lU5i<nnö.

Das offizielle russische Jnformationsbureau dementiert entschieden die Zeitungsmeldung über die angeb­lichen Ergebnisse zwischen Iswolski und R i f a a t Pascha in Palta geführten Verhandlungen, wonach den türkischen Kriegsschiffen im Schwarzen Meere volle Sc1)iffahrtsfreiheit zugestanden worden sein soll und Rußland aus alle seine Rechte und Prärogative betreffend den Bau von Eisen­bahnen in Anatolien verzichtet.

Zum Chef des russischen General st abes wurde Generalleutnant a la suite Gerngroß ernannt.

Der Prinz von Wales eröffnete am Freitag den neuen Kriegshafen in Dover. Der Hafen ift bei jedem Wasserstande in der Lage, Dreadnoughts aufzu- nehmen. Der Bau nahm mehr als zehn Jahre in Anspruch. Die Kosten betragen 3ps Millionen Pfund.

Von den in Konstantinopel mit der Banque Ottomane abgeschlossenen Anleihen von sieben Millionen Pfund werden demTemps" zufolge in Paris fünf Mil­lionen und in London zwei Millionen zur Ausgabe ge­langen. Von der ersten Rate werden entsprechend dem mit Bulgarien abgeschlossenen Abkommen, 21 Millionen Francs den Orientbahnen zugewendet werden.

Aus Washington meldet man: Eine Gruppe eng­lischer und amerikanischer Kapitalisten soll mit der chine­sischen Regierung über den Bau einer Eisenbahn von Tschimtschow-fu nach Tsitschar verhandeln. Es verlautet, Japan habe China mitgeteilt, daß es nicht beab­sichtige, ihm Schwierigkeiten zu machen, daß es aber auf seinen durch den letzten Vertrag begründeten Rechten bestehe.

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Der völteyrieden in Gefahr?

Eine sehr merkwürdige Nachricht verbreitete am Dienstag das Wolsfsche Telegraphenbureau aus Philadelphia. Es ließ sich uon dort wörtlich melden:

Ein Zirkularsäfteiben des b-.engen englischen Kon­suls das die Sck)iffskapitäne aussordert, sich in gewissen Fällen den Häfen der englischen Küste, sowie des ganzen britischen Reiches lalso auch ber Kolonien) mit großer Vorlicht zu nähern, hat hier großes Aussehen erregt. Während es tn ähnlichen öffentlichen Bekanntmachungen gewöhnlich heißt: wegen sich regelmäßig wiederholender Manövcrübungen, ober ähnlich, spricht dieses Zirkular von der Möglichkeit, daß die Beziehungen zwischen Englandundirgend einer anderen Seemacht gespannte würden, zu welcher Zeit es möglich iverden könnte, besondere Vorkehrungen zu treffen und diejenigen Fahrzeuge zu burchsuchen, die Hasen und Küslenorte der vereinigten drei Königreiche oder gennger Be­sitzungen anzulansen wünschten."

So das Wolsssche Telegraphenbureau, von dem doch bekannt ist, daß es gemäü seines offiziösen Charakters Nachrichten aus dem Ausland mir dann verbreitet, wenn es ihre tatsächliche Nichtigreit geprüft und sich über die politische Angängigkeit der Verbreitung mit dem Auswärtigen Amt in Verbindung gesetzt hat. Man w-.rd daher diese einigermaßen befreundende Mitteilung ohne weiteres für richtig halten müssen.

Ist aber diese Nachrickst tatfächlich wahr, rechnet also Eng­land wirklich mit einem auswärtigen Konflikt, der es ihm an- gezcigt erscheinen läßt, die Scbifsskapitänc schon jetzt aus die mögliche Sperrung seiner Seehäfen durch Minen und auf die Durchsuchung der anlaufenden Schiffe nach Kricgskoiitrebande auf- merksam zu machen, so fragt man sich unwillkürlich, wie eine solche Nachricht, deren allgemeine Verbreitung keineswegs un englischen Interesse lag, wollte England nicht Handel und Wandel beunruhigen, zur Kenntnis des Wölfischen Telegraphenbureaus kommen konnte. Wohl stellt die Meldung fest, daß die englischen 3ckstfsskapitänc durch ein Zirkular des Konsulats in Philadelph.a auf die Gefahr des Ausbruchs eines Krieges aufmerksam gemacht würden, aber man wird 'denHomburger Nachrichten" ohne Zwei:. I Recht geben müssen, daß der in Frage kommende Konsul hierbei unzweifelhaft feine Instruktion mißverstanden und über­schritten hat. Möglich, daß der übliche Passuswegen sich regel­mäßig nnederholender Manöverübungen" deshalb hier fort­geblieben ist, weil sich der Konsul einer Nachlässigkeit schuldig gemacht hat, möglich aber auch, daß ihm eine ihm persönlich ge­machte Mitteilung, die sekret zu behandeln war, aus der Feder entschlüpft ist, und er hierdurch wider Willen der englischen Negierung einen sehr schlechten Dienst, allen anderen Mächten «her und der Oefsentlichkeit einen sehr guten geleistet hat.

Denn nun wissen wirs, daß England mit auswärtigen Kompli lation'u rechnet, und zwar nicht für eine fernere Zukunft, sondern für etwa in Monatsfrist. Wer aber könnte fein Gegner fein? Das Zirkular spricht nur von irgend einer anderen Seemacht. So wird man annehmen müssen, daß eutiucber sich auf dem Balkan neue Komplikationen vorbereiten, das Verhältnis zwischen Oester reich-Ungarn einer- und Rußland und Italien anderseits also wieder gespannt geworden ist, und Deutschland in diesen Kampf hinein;te',ogen werden könnte, oder daß England anläßlich der Marokkvafsäre einen Krieg mit' Frankreich befürchtet, ober schließlich, baß bas iüngste ch i n e f i f ch - j a p a n i f ch e A b k o m- men über bic Mandschurei es zu einem Konflikt ber Vereinigten Staaten mit diesen Ländern kommen lassen wird.

Daß in allen drei Fällen England beteiligt ist, unterliegt keinem Zweifel. Seine Freundschaft mit Italien, feine Annähe­rung an Rußland gebieten ihm, ganz abgesehen von seinen Jn- l?re)feiT int Orient, ohne weiteres gegen Oesterreich-Ungarn und somit auch gegen die Seemacht Detttfchland Partei zu ergreifen, unb die V r ei düng alles österreichisch-ungarischen Gebiets durch Len Zaren auf feiner Reise nach Italien, ist ziemlich! ausfällig. In Ler M n r o > t o a f f ä r e aber wird England für Spanien und .gegen Frankreich umsomehr eintreten müssen, als es Spanien schon direkt als englischen Tributärstaat cmsiehr und kürzlich ein

Ans stcidt nird Lnnd.

Gießen, 16. Oktober 1909.

Welke Blätter.

Zu immer früherer Stunde sinkt die Sonne, immer später steigt sie empor. Die Blätter ber Bäume unb Sträucher merben melt" und fahl unb Blatt um Blatt sinkt nieder. Die Blumen in Wald und Feld neigen müde und welkend ihr >böpfchen, dürres Laub und Reisig raschelt unter den Füßen des Spaziergängers, schmuckloser werden von Tag zu Tag die Halden und Fluren, und selbst die Quellen und Bäche scheinen nicht so fröhlich bahinzufließen, wie in der blühenden Zrühlings- und Sommerszeit. Wäre es da ein Wunder, wenn auch das Menschenherz sich zur Schwermut und Trauer neigte? Stimmt nicht dieses Ab­sterben der in vollster Schönheit gestandenen Welt das Ge­müt des Menschen trübe? Ach nein! Zu viel des Schönen ift noch geblieben. Die Blüten des Lenzes sind zu Früchten gereist, jubelnd und jauchzend ist ber golbeite Wein einge­heimst, die Kühle der Herbsttage bringt angenehme Frische und Rührigkeit in die von der Sonnenhitze ermatteten und erschlafften Glieder und jedes Blümchen, das einsam am Wege blüht, jedes Fleckchen Grün freut uns doppelt. Die Natur ist ja immer schön, immer bewunderungswert, ob im Blütenduft des Lenzes, dem Sonnenglanz des Som­mers, dem Früchtereichtum des Herbstes oder der weißen gewaltigen Majestät des Winters. Glückliche Menschen, welche Auge, Herz und Sinn für die hundertfachen Reize der Naturschönheit haben, welche zu würdigen unb zu fassen

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Giessen.

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Zbsen; Ur-Nora".

Aus Kopenhagen wirb berichtet: Mit Erlaubnis von Ibsens einzigem Sohne Dr. Sigurd Ibsen veröffentlicht Politiken aus Ibsens hinterlassenen Werken, bereit gleich­zeitige Ausgabe in der Originalsprache und im Deutschen Levv'rsteht, schon jetzt einen ganz besonders interessanten Abschnitt. Es ist der erste Entwurf zuNora", also dem Stücke, durch bas Ibsen zum ersten Male in der ganzen' Welt bekannt wurde. Die Skizze trägt ben TitelAufzeich­nungen zu ber modernen Tragödie" (eigentlichNeuzeits- Tragödie") und ist am 19. Oktober 1878 in Rom uieder- gesckn'ieben. Sie zeigt, daß die Hauptgedanken des Stückes Lei Ibsen von Anfang an feststanden, und lautet folgender­maßen :

Es gibt zwei Arten geistiger Gesetze, zwei Arten von -Gewissen, eins im Manne und ein ganz anderes in der Frau. Sie verstehen einander nicht; sondern die Frau wird im praktischen Leben nach dem Gesetze des Mannes beurteilt, gleich als ob sie nicht eine Frau sei, sondern ein Mann. Die Frau im Stücke weiß zum Schlüsse weder ein noch aus in bezug darauf, was recht oder unrecht ist; das natürliche Gefühl auf ber einen Seite, ber Autoritätsglaube auf ber anberen bringen sie ganz in Verwirrung. Eine Frau kann nicht sie selbst sein in der modernen Gesellschaft, die ausschließlich eine männliche Gesellschaft ist, mit Gesetzen, die Männer geschrieben haben und mit Anklägern und Rich­tern, die bas weibliche Betragen vom männlichen Stand- ounkt beurteilen. Sie hat eine Fälschung begangen und bas ist ihr Stolz; denn sie Hai es aus Liebe ^u ihrem Manne getan, um sein Leben zu retten. Aber dieser Mann steht mit aller Alltags-Ehrenhaftigkeit auf dem Boden des Ge- jetzes und sieht die Sache mit männlichen Augen an. Seelen- kcrmps. Gedrückt und verwirrt unter dem Autoritätsglauben verliert sie den Glauben an ihr moralisches Recht und an ihre Fähigkeit, ihre Kinder zu erziehen. Bitterkeit. Eine Mutter in ber mobemeit Gesellschaft, so wie gewisse In­sekten hingehen und sterben, nachdem sie ihre Pflicht zur Fortpflanzung des Geschlechces getan haben. Liebe zum Leben, zum Heim, zu Manu und Kindern und »Familie. Ab und zu weibliches Abschütteln der Gedanken, plötzlich zurückkehrende Angst und Schrecken. Alles muß allein ge- ivagen werden. Die Katastrophe nähert sich unbarmherzig, unabirenbbar. Verzweiflung, Kampf und Untergang."

WtlMNtW

Gegen Belohn, ch Hotel Schütz, amVieleckerWegh ü>;uh.beizt.LchlM iilüMenitr.

Geheimabkommen mit ihm abschloß, in dem es ihm die Besetzung maioffani)u)er Küstenstriche im Gegensatz zu den Beschlüssen von Algeciras zubilligte, um dadurch dce Macht Fran.reichs in Nord­afrika zu parallelisieren unb seine Position in Gibraltar zu be­festigen, bic vollstänbig illusorisch wäre, wenn statt Les ohn­mächtigen Spaniens bas wafsenlüchtige Frankreich bei Tetuan festen Fuß faßte. In ber Mandschurei endlich ist England durch ein Abkommen mit Japan gezwungen, auf japanischer Seite zu stellen. Die Union hat aber, wenn auch dieser Protest vor­zeitig durch die Indiskretion ihres Botschafters Krane in Peking zur Kenntnis der Oeffentlichkelt gelangte, die Absicht, gegen das chinejisckr-javanische Mandschureiabkomnnn zu protestieren, da sie darin mit Recht oder Unrecht eine Verletzung der allen Mächten garantierten osfenen Tür in China sieht. China hat nämlich hier den Jpanern einige Bergwerks- und Bahnkonzessionen ein- geräumt.

So ist es jedenfalls nicht zu leugnen, daß hinsichtlich der Balkan-, Marokko- unb Manbschureisragc auf bcm Gebiet ber internationalen Politik zurzeit eine gewisse Spannung herrscht. Wie groß sic augenblicklich ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Aber die Anwesenheit bes beutschen Reichskanzlers in Berlin entgegen anberen früheren Dispositionen und sein Fernbleiben von den doch recht wichtigen Beratungen deS Bundesrats, scheint zur Genüge daraus hinzudeuten, daß diese Spannung groß^genug ist, um nicht nur in London, sondern auch in Berlin mit Sorge ver­folgt zu werden.

DerrLscl^es Reich.

Die Nack)richt, Fürst Bülow werde zur Geburts­tagsfeier der Kaiserin am 22. Oktober auf Einladung des Kaisers hin nach. Berlin kommen, wirb jetzt offiziell bestätigt unb dahin erweitert, baß die Fürstin Bülow ihren Gatten begleitet und beide auch an ber Konfirmations­feier ber Prinzessin Victoria Luise teilnehmen werben.

Die Morgenblätter melden aus Berlin: General­oberst v. d. Goltz begibt sich heute Samstag mit Gattin von neuem nach der Türkei. Sein dortiger Aufenthalt soll diesmal bis Kaisers Geburtstag dauern.

Nach dem amtlichen Wahlergebnis sind bei der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise I Sachsen- Coburg-Gotha insgesamt 12 672 Stimmen abge­geben worden. Davon haben erhalten: Redakteur Z i e tz s ch - Ccharlottenburg (Soz.) 6183, Regierungsrat Dr. Quarck - Coburg (natl.) 3445, Fabrikbesitzer Arnold Neustadt (sreis. Vpt.) 3043 Stimmen. Zersplittert war eine Stimme.

Der LtuS Altona stammende Kaufmann Müller, der vor etwa sechs Jahren Bebel verschiedenes Material zu dessen Angriffen im Reichstag gegen Kame­runer Offiziere geliefert und sich dann der Verfol­gung durch die Flucht nach den französischen Kolonien ent­zogen hat, wurde, als er, in dem Glauben, seine Sache sei verjährt, nach Altona zu seinen Ellern zurückgekehrt, auf Ersuchen des Auswärtigen Amtes verhaftet und nach Bfr- liu übergcsührt. Die dritte Strafkammer des dortigen Landgerichts I verhandelte gegen ihn. Ter Angeklagte lleß vor Entritt in die Verhandlung erklären, daß er aus dem Ermittellingsverfahren gegen Hauptmann Scheunemann, das mit der Einstellung des Verfahrens geendet hat und Scheunemann glänzend rechtfertigte, die Ueberzeugung ge­wonnen habe, daß die In dem Briefe erhobenen Beschul­digungen völlig grundlos seien. Nachdem der Ange­klagte die von Scheunemann und dem Kommando der Schutztruppen geforderten (Märungen abgegeben und um Entschuldigung gebeten hatte, wurde der S t r a f a n tr a g zurückgezogen. Sämtliche Kosten des Verfahrens

So die interessante röm. Skizze von 1878. Das Blatt veröffentlicht auch noch ein größeres Bruchstück aus dem 2. Akte, eine Szene zwischen Helmer (der in diesem Entwurf noch Stenborg heißt), Nora und dem Doktor Pank. Die Mitteilung dieser Szene würde hier zu weit führen, doch . . ...... < r

"ist sie daru.a sehr merkwürdig, weil sie zeigt, daß Ibsens für ter Mitteln ^i^fuhrt haE . Stil und Szenensührung zu Anfang noch tappend und | kunftgeschichtlpche Epoche aufgedeckt worden.