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15/05/1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 113

Zweites Blatt

159. Jahrgang

Erscheint tiglich mtt vuSnahme des Sonntags.

"Lothringen als Grenzgebiet

OS

gnstaf nagel wanderprediger.

Samstag 15. Mai 1909

Rotationsdruck and Verlag der vrühNche» Unwersltäts - Buch» und Sremdruckerel

R. Lange, Gießen.

geböte, koldiz i. s.

bantw'str. 152.

Rn n ft n o 11 j. Frgulein Anna Theiß'Psyche", die in der vorigen Woche in Darmstadt ihre Uraufführung erlebte, wird im kommenden Winter am Stadttheater zu Gießen über die Bühne gehen.

Die Freisinnigen und die Weinsteuer.

Ueber die Haltung der Freisinnigen gegenüber der Weinsteuer sind, wie es scheint, in der weiteren Ceffcnilkbfeü nicht immer ganz

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Vertag: e^5L Redaktion: LE 112. Tel>-AdruAnzergerGießen.

DieOfetzener LamMendlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Krcisblatl für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Zett- frage»- erscheinen msrrattich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheßen

Volksschulen Ku pflegen ist, und hat dort bereits immer auf solche praktische Bedürfnisse Rücksicht genommen. In 470 Ele­mentarschulen mit 994 Massen werde dort schon der französische Unterrickst erteilt, obgleich in den Volksschulen jenseits der Grenze, wo ein gleicl>es VerfthrSbedürfniS beuchen dürfte, bexxtfdjer Unter­richt nicht erteilt werde. Ganz Elsaß-Lothringen als Grenzgebiet zu betrachten, l)ält die Regierung sür unrichtig, und ein allge­meines Bedürfnis nach französischem Unterricht im ganzen Lande erkennt die Regierung nicht an. Ein. solcher würde eine gründ- (icke Ausbildung beeinträchtigen zugunsten einer Minderheit dieses Gebietes, die die ftanzösische Spr* im späteren Leben praktisch verwerten könne und unnötig belasten. Die Negierung lehnt des fran-

Sie Einführung des französischen Unterrichts in. Neichslande.

Neuerdings ist viel davon die Rede gewesen, den ftanzösischen Unterricht in den Volksschulen von Elsaß-Lothrinaen obligatorisch zu machen. Erfteulicheriveise verhält sich die Regierung gegen diese Bestrebungen ablehnend.

Bei Beratung der Anträge über Einführung des obligatorischen französischen Sprachunterrichts in allen elsaß-lothringischen Volks­schulen, die gestern im Landesausschusse in Straßburg stattfand, erklärte vor Eintritt in die Beratungen Staatssekretär Frhr. Zorn o. Bulach namens der Regierung folgendes: Es liegt der Regie­rung durchaus fern, prinzipiell dem Unterricht der französischen Sprache Schwierigkeiten zu bereiten und erkennt an, daß in den gemischten Sprachgebieten und in den an der Landesgrenze ge­logenen Orten, deren Einwohner mit französischen Naclcharorten unmittelbar in Verkehr treten, die französische Sprache in den

Frage der Gestirnentwicklung, beren Studium das besondere Ar­beitsfeld der Carnegie-Sternwarte ist. Der amerikanische Astronom legte eine Reihe von Sonnenaufnahmen vor, die die Atmosphäre um die Sonne in heftiger Erregung zeigen: gewaltige Wirbel­winde kreisen und der Mittelpunkt dieser Tornados sind die Sonnen­flecken. Dr. Äales Photographien bringen damit die unztveideutige Bestätigung der Hyjwthcse, wonach gewaltige Zyklonen um die Sonne toben. Der amerikanische Astronom folgerte weiter, daß die in diesen Wirbelwinden enthalteueu Partiiel elektrischer Stator seien; in diesem Falle würde das RvtationSzentruw. der Wirbel­winde magnetisiert fein. Man schritt nun zu der Untersuchung des Magnetismus ocr Wirbelzentren. Es ergab sich, daß sie nicht nur? magnetisch sind, sondern es gelang Haie auch, die Stärke ihres Magnetismus zu messen. Mit diesen Beobachtungen der Carnegie-Sternwarte scheint der Beweis erbracht, daß die soge­nannten Sonnenflecken elektrische Wirbelwinde von gewaltiger Aus­dehnung und gigantischer Wucht sind. Für die Forschung der Gestirnnitwicklung ist damit ein neuer wichtiger Anhaltspunkt gewonnen, von dem aus sich die Aussicht auf weitere Entdeckungen auf dem Gebiete der Sternkunde eröffnet.

WahreGeschichtchen aus Schlesien erzählt die Tägl. Rundsch. Sie lauten: Zwei alte Leute wohnten einsam in einer entlegenen Baude auf dem Gebirge und sind nie von den Bergen heruntergekommen und in folgebenen abgestumpft in ihrem ganzen Fühlen und Denken. Beide sind alt und schwach. Eines Nachts ruft die Frau ihren Mann:Voata, stieb ock uff un mach Licht. Ich starb." Da Fratfcfrt der alte Mann eine Weile in der finsteren Stube herum und spricht endlich:Mutta, ich fing die oalen StreichWlzel nie, starb ock im Finstern!" - - In einem Ort der Oberlausitz loar eine neue, kostbare Orgel beschafft worden. Ein alter, als Original bekannter Bauer geht bei der Einweihung der Orgel zur Kirche. Der sehr musikalische Käntvr hat die Ge­wohnheit, nach dem Hauptlieb, wenn schon der Geistlick>e auf der Kanzel sich befindet, in einem längeren, inmter leiser wer­denden Nachspiel die Orgel langsam austönen zu lassen. So auch diesmal. Der Bauer beobachtet das und äußerl sich darüber folgendermaßen:Ich hab mirs gedacht. Er kam mit der alen sckwn nicht zu rächte, und die neue britt er erst gar nicht ßunti Stehen!"

Neues von g u ft a i nagel. Im Anzeigenteil einer Zeitung lieft man nachstehendes Inserat:

rod eine brotchüre über mein natürliches leben

in brüt geben erotl. auch in ferlag; bitte um an»

Kleine» Feuilleton.

Die Wiesbadener Maifestspiele. Die Aufführungen antäfclicO der Wiesbadener Maisestspiele haben noch einige Abänderungen erfahren. Wie uud von der Intendanz der Königlichen Schauspiele mitgeteilt wird, find sie folgendermaßen geändert: 17. Mai Goldmarls Königin von Saba", 18. ist dasEnglische Theater", 20.Don Juan", 21.Der Wildschütz", 22.O diese Leutnants".

Das letzte Damwild im Grünewald. Nun wird bald dem letzten Schaufler im Grünewald das Halali geblasen werden. Den bei weitem größten Teil des früher so reichen Bestandes hat man schon, als die Umwälzungen m dem schönen Forst begannen, eingefangen und nach dem neuen taiserlick)en Jagdrevier Lei Oranienburg übergeführt. Alles Wild aber hatte man nicht einfangen können, und da in der Saubucht ungefähr 50'Stück zum Andenken an vergangene Zeiteninterniert" waren, von denen einzelne Tiere ausgebrochen find, so hat sich jetzt wieder ein Be­stand von etwa 100 Stück in freier Wildbahn angesammclt. - Das einst so vertraute Wild ist aber durch die unaufhör­liche Beunruhigung sehr vergrämt, man trifft es nur noch an ganz l-eimeligen Stellen. Aber lange wird e* auch hier nicht mehr die nötige Ruße finden der Grünewald wird bald ein Wald ohne Wild fein.

Graphologie und Liebe. Ein guter Charakter wird gesucht - zur Ehe. Denn für btt Ehe imb eigentlich di^ besten Charaktere gerade gut genug. Von dieser roetjen Maxime geht eine Berliner Heiratsvermittlerm aus die m einem von Zitaten umrahmten, sauber gedruckten Pwspett itze graphologuchen Kenntnisse in den Dienst derguten Sache^ .stellen will. Die Graphologie als Heiratsvermittlerin ba» ist äum mindesten not Und auch sonst fehlt es der Ehestrsterm nicht an originellen Einfällen. Sie apostrophiert ihre EheFanbibnten folgenocrinageu: Was ich will? Vorerst Ihr ganzes Vertrauen: dann, ;sl>nen znm wahren Glück kraft meiner ancrfciuitcn Befähigung verhelfen. Fort laufende Anfragen nach guten (Tbarafti'rcn imb das wrangen meiner Klienten ließen mich zu dem Entschlust konmven, meme gMphologisck>c Praxis dem Wohle der Menschen rn dem Sinne dienstbar zu machest, daß ich Glücksehen durch Zu,ammenmhrm guter und zueinander passender Charaktere «mbahnen will. LTS ist ja eine bekannte Tatsache, daß viele, ja die meisten Ch.'n da­durch unglücklich werben, daß sich die MenspsLn nicht verstehen gagenseitig (!) sie passen nicht zusammen. . . - fehlte ein unparteiischer' Richter, und der - will ich sein! Mmdertvertige Charaktere werden streng ausgeschlossen, und so biete ich ^hnen die denkbar größte Gewähr zur Erlangung des irbifckieu Mucker, TTHul\cn Sie sich das bitte recht klar !" Unsere Graphologen u. Glucks- cbenstisterin ist aber keine Heiratsvermittlerin oeilcdÄ nickt. Man W:Die Arbeit, die pafienden Charaktere tusamrnenruftn-

Stimmimgsbilö aus dem preutz. Abgeor-mtenhaur.

Berlin, 13. Mai.

A corfaire corsaire et demi! Hat das Herrenhaus bei der Beratung der Besoldungsvorlagen die Zlvcite Kammer grob augelassen und der Wettkriecherei vor den Beamten bezichtigt, so ist das also herausgeforderte Unterhaus den Herren" die Antwort aus diese Unhöflichkeit nicht schuldig geblieben. Während es sonst Usus war, daß die Zweite Kammer den Etat in dritter Lesung spätestens bis zu dem Tage sertigsdellte, an dem die Budgetkommisfion des Herren­hauses zur Etatsberatung sich versammelte, hielt man in der Prinz Albrechtstraße diesmal solche Rücksichtnahme nicht für angezeigt. Und so wird denn am F-reitag die Budget- kommission der Ersten Kammer sich nach anderen Beratnngs- gegenständen als dem Etat umsehen müssen, wenn sie's nicht vorzieht, sich proeul negotiis der schönen Frühlings­luft zu erfreuen. Im Schneckentempo schob sich die Etats­debatte im Abgeordnetenhanse am Donnerstag dahin: Aller­hand Qnisquilien kamen aufs Tapet, und nur die Reden des Sozialdemokraten Hirsch und des Dänen Nissen brachten etwas Mwechslung in das eintönige Einerlei des Rebegeplätschers. Herrn Hirschs Rebe war eine einzige, iveit ausgesponnene Polemik gegen die Linke, die nach ihm am Spitzelwesen und womöglich gar an der künftigen Re­volution schuld fft. Die Linke quittierte diese Angriffe mit gutem Humor. Der Däne sprach ein Langes und Breites über diesüdjütische" Frage, aber die Angriffe, die er auf den Nationalliberalen Schifferer richtete, zahlte dieser ihm mit Zins unb Zinseszins heim. Und auch von frei­sinniger Seite, durch den Abg. Hoff, fanden die Klagen Nissens nur sehr bedingte Berücksichtigung. Man glaubte schon, der Etat des Ministeriums des Innern, bei dem all dies verhandelt wurde, sei im Hafen, da gab» noch ein etwas stürmisches Intermezzo. Der Konservative von Arnim hielt es für nötig, sich gegen einen Vorwurf des Abg. Hirsch zu verwahren, als habe er in der zweiten Lesung mit ungenauen Zitaten aus der sozialdemokratischen Presse operiert. Darob schwoll Herrn Hoffmann die Zornes- ader, er bezichtigte in einem Zwischenruf Herrn v. Arnim der Fälschung, und prompt ließ Herr Krause, der Bizeprä- fibent. den Ordnungsruf über däs Haupt des Schuldigen herabsausen. Keine zwei Minuten dauerte es, da rief in eine persönliche Bemerkung des Herrn v. Arnim Herr Hoff­mann grob hinein: Sie lügen! Ergebnis: Der zweite Ord­nungsruf und eine ziemlich kräftige Zurechtweisung Hofs­manns durch den Vizepräsidenten. Der Etat des Innern war damit erledigt, und das Haus ging an die Beratung eines Antrags v. Wenden, der die Ausrottung der Animierkneipe'n bezweckt. Ueber diese Frage ist im Landtag bereits wiederholt verhandelt worden; der dies­malige Antrag, dem auch der Nationalliberale Dr. Maurer und der Freisinnige Dr. Muller-Berlin im Prinzip zu- stimmten, fand nacl> einer entgegenkommenden Erklärung des Ministers einstimmige Annahme, ebenso ein Antrag bei Freikonservativen, der eine umfassendere Verwertung der Anbaustatistik verlangte. Das Haus nahm noch den Etat der Cis en bahn Verwaltung in Angriff, aber es kam nicht mehr weit. Eine ziemlich nichtssagende Erklärung des Ministers zur Frage der Konzessionierung privater der Irischer Bahnen, eine nochmalige Erörterung des Opladener Falles in Opladen hat ein Ingenieur wegen Wahl- beeinslussung einen Verweis gekriegt, weil er sich am Wahl­tage dauernd im Wahllokale aufgehalten hat und eine Menge lokaler Wünsche dann brach das Haus mitten im

es. daher bestimmt ab, zur Einfährun

zösischen Sprachunterrichts in den Elementar­schulen des deutschen Sprachgebietes die Hand zu bieten, sowohl daun, wenn der Unterricht für alle diese Sckmlcn einen gemeinsamen Charakter tragen als auch, tocrui er nur für einzelne Schulen nach dem Wunsche der Gemeinderäta pingend#et werden solle. Das Bedürfnis der Ausbildung von befähigten Sckstilern in der französischen Spraclfe femit die Ne­gierung an unb ebenso daß dafür durch Mittel- und Forlbildungs- sckxulen gesorgt werden müsse. Daß dieses geschieht, wird nach wie oor die Sorge der Regierung sein. Nach dieser Erklärung be- airtragten die Antragsteller Ueberweisung der Anträge an eine Spezial komm ission von 18 Mitgliedern. Diesem Anträge schlossen sich die Vertreter aller Parteien an mit der Bemerkung, daß man hoffe, mit der Regierung noch zu einer Verständigung zu kommen. Die Forderung entspringe lediglich wirtschaftlichen unb

den und die sonstigen Wünsche dabei zu berücksichtigen, ist eine schwere, ernste und verantwortungsvolle, da icy keine Heirats­vermittlerin, sondern Ihnen eine Vertraute fein will, die nicht nur für Geld (man achte auf dasnur". D. Red.), sondern warmen Herzens für daS Wohl ihrer Mitmenschen in die Schranke tritt, um die unglücklichen Ehen nach bestem Können verhindern zu helfen! Ich habe Pen Betrag vorläufig (!) auf 10 Mark fest- gesetzt, im voraus schon für die sorgfame Anfertigung eines' eingehenden Charakterbildes -- zahlbar, wer es nicht gern tut, der ist nicht bedacht genug, um die großen Vorteile einzusehen, die ich ihm gegenüber des geringen Betrages einriiume. Sie sollen in mir Ihre Vertraute sehen, da- will ich. Sie sollen zu mir wie zu einem Mensckfen reden, dessen Freundschaft Sie Erprobt haben, ich will Ihnen nicht fremd und kalt geaenöberstehen, nur an meine Vorteile denkend, nein, ich will Ihre Beraterin im ioahrsten Simie Wortes )efn, nur daS'will ich! Die täg­lich eingehenden Anerkennungen über die Treffsicherheit meiner Charakterschilderungen entheben mich weüerer Auslassungen hier­über, wie ich Sie mich meiner vollkommenen Verschwiegenheit nicht besonders versichern brauche, bemerke nur, daß ich durch graphologische Tätigkeit an einigen zwanzig der ersten Zeitschriften und Zeitungen Deutschlands meine Arbeit von tausenden Menschen gewürdigt und begehrt weiß. Auf Wunsch nenne ich Ihnen die Zeitungen, auch bin ich gern bereit. Ihnen ein kleines Bildchen von mir kostenlos zu übermitteln. Ich hoffe gern, dah Sie sich den Segen, der Ihnen, logisch gedacht, ans meiner Hilft ent­sprießt, nicht versck-erzen werden und werde mich freuen, von Ihnen zu hören. Inzwischen begrüße ich Sie herzlichst . . .

Es gibt doch noch gute Menschen! sagt dazu daäBerl. Tgbl.". Eine Vertraute, eine Freundin, eintreffsicheres" Charakterbild und eine GlückAehe das alles zusammen für nur zehn Mark!

Björn st ferne Björnson, der diesen Winter in Varis gelebt hat, siedelt in den nächsten Tagen nach Berlin über. Der Dichter wird sich einige Wochen in der deutschen Reichshauptstadt aufhalten. Dann geht er mit seiner Frau nach dem norivegifchen Bade Larvit. In diesen Tagen hat der greife Verfasser ein neues Werk, ein Lust­spiel, dem Natiönaltheater übergeben. Es wird die erste Neuheit der nächsten SpielzeU sein und voraussichtlich gleichzeitig auch in Kopenhagen, Berlin und Stockholm gegeben.

Ueber die Natur der Sonnenflecken hat der amerikanifchc Astronom Dr. George E. Hale, der Direktor der Carnegie-Sternwarte aus dem Mount Wilson, der sich anläßlich des Kongresses der Himmelskarte in Paris befindet, in der Sor­bonne interessante Mitteilungen gemacht. Es lrandelt sich um bedeutsame Beobachtungen, die die Carnegie-Sternwarte im letzten Jahre vorgenommen hat unb die zu wichtigen Aufscl>lüssen über bie vielumstrittene Natur der Sonnenflecken geführt haben. Dr. Hale ist bei Erfinder des Spektroheliographeu, mit dessen Hilfe er photographische Ausnahmen der Atmosphäre um die Sonne vorgenommen hat. Sie bringen einen wichtigen Beitrag zu der

nicht politischen Bedürfnissen.

Man kann diesen Ansicksten nur freudig zu stimmen. Die Einführung des obligatorischen srmizöftsdwn Unterricksts würde sicherlich nicht den Jnteresien einer ruhigen imb stetigen Ent- wicNimg der Verl)altnisse in unserem westlichen Grenzlaiide dienen. Mit einer unftäten Zickzackpolitik haben wir aber in aNen unseren Grenzländern bisher nur Enttäuschungen erlebt. Wir dürfen daher auch in (Asaß-Lothringen nickst in diesen alten Fehler zurück- verfallen.________________________________________

politifcbc £aaesfcbati«

Fuiansiommisfion.

In der Fincmzkommission des Reichstages eröffnete der stell- verttetende Borfitzende, Abg. Dr. Spahn, am Freitag die Sitzung mit der Verlesung des Schreibens, indem Dr. Paasd)e die s)hcbcr=> Legung deS Vorsitzes in der Kommission mitteilt. Spahn schlug vor, die Neuwahl eines Vorsitzenden auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen. Hierauf erklärte Paasche, seine poli# tischen Freunde seien bei der gegenwärtigen Situation nicht mehr in der Lage, auS ihren Reihen einen Vorsitzenden zu stellen. Abg. Freiherr von Richthofen (kons.) erkannte die "Tatsache an, daß Paasche in der GeschästSordnimgsfrage von der Majorität im Stiche gelassen sei, für ihn und seine Freunde mürbe aber eine Freude sein, wenn der bisherige Borsitzeiche den Vorsitz wieder übernehmen würde. Abg. von Gamp sprach 'sich namens der Reichspartei, Aba. Raab namens der wirtschastlichen Vereinigung in ähnlichem Smne aus. Ersterer betonte, daß Paasche nach wie vor das Vertrauen der Mehrheit der Kommission genieße unb bedauerte, daß der Konflikt entstanden sei. Die Wahl deS neuen Vorsitzenden wurde alsdann auf die Tagesordmmg der nächsten Sitzung gefetzt. Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten, jedoch konnte die Beratung der Neuregelung der Fahrkarteniteuer noch nicht in Angriff genommen werden, da das einschlägig» Trnckmaterial noch nicht vollständig vorliegt. Am Schlüsse der Sitzung entspann sich eine längere GesÄästsordnungsdebatte, in Der sich die Rechte und das Zentrum bereit erklärten, im Interesse Des Fortgangs der Verhandlungen, ihren Beschluß auf Weiter­beratung der Banderole rückgängig zu machen. Ms die Tages- erbnung der nächsten Sitzung am Dienstag wurde daher außer der Wahl des Vorsitzenben der Artikel 4 des Tabaksteuerentwurfesl der Subkommission gesetzt, außerdem bk Fahrkartensteny:.

a^WWEirBMUJaWA-MlilllUHIIW iriin'MIWil »I H I UHU hin IIIIFWf

Eisenbahnetat bie Debatte ab. Und ob man am Freitag mit dem Gesmutetat zu Rande kommt, tmssen die Gotter.

Berlin, 14. Mai.

So muß denn glücklich auch der letzte Wochentag noch für die Etatsberatnng im Abgeorhnetenhaufe in An­spruch genommen werden! Die Erwartung, daß man am Freitag endlich zum Ziele kommen werde, hat getrogen. Und das, obwohl eine ganze Reihe von Einzeletats, darunter ein so viele Erörterungsmöglichkeiten bergender wie der der Finanzverwaltung, in Bausch und Bogen, ohne ein Wort der Kritik, erledigt wurden! Die vielen Sonderwünsck)e, die beim Bau- nno beim Eifenbahnetat laut wurden, hielten den Fortgang der Etatsbewilligung recht erheblich auf, und auch beim Justizetat gaben die Fälle Igel und Mlenburg dem Sozialdemot'raten Seinert Veranlassung, eine Abschieds- rebc zu halten. Neues war in all diesen Debatten nicht ans Tageslicht aekommen, neues kam auch nicht zutage, als der Dütusetal das Haus beschäftigte. Deshalb aber waren die Erörterungen, zu denen da» verwaiste Ressort des 5)errn Holle Veranlassung gab, doch alles andere als uninteressant. Die unglaubliche Essener G Y m n a f i a (a f f ä r e, die der Zentrumsmann 5) tvieber vor das Forum des hohen Hgnses zog, brachte die mit Spannung erwartete Erklärung vom RegierungstischL. Und diese Erklärung fiel durchaus zufriedenstellend aus: Noch ehe der seltsame Fall in die Presse gelangt war, hat das Provinzialschulkolleaium schon cm gegriffen und der aller Pädagogik hohnsprechenoen Praxis des Gymnasialdirektors jäh ein Ziel gesetzt. Die Unbe­dingtheit, mit der ber Unterstaalsselretür das Essener Schul- inonarcbenoriginal preisgab, fand bei allen Parteien leb­hafte Zustimmung, und der Freisinnige Eickhoff konnte, mit Reckt, ber Regierung das Zeugnis ausstellen, daß sie das Richtige, daß sie es prompt getan hat. Destoweniger war man auf der Linken von der Haltung des Ministeriums in heu Fällen der Lehrer Brandau und Kimpel erbaut, und die Erklärung, mit der Herr Schwartzkopff sein Vor­gehen zu rechtfertigen suchte, war ganz und aar nicht dazu angetan, die Mißstimmung der Linkeu zu mild rn Mit be merkenswerter Schürfe rügte der Nationalliberale Dr. Schröder-Kassel in Vertretung des unpäßlichen Abg. Ernst die Maßregelung der bciden Lehrer, und er betonte, daß er namens seiner gesamten Fraktion spreche. Herr Eickhoff hieb in dieselbe Kerbe, und da nach seiner Rede die Debatte über diese Affären nur abgebrochen, nicht ge­schlossen wurde, so steht für heu Samstag noch ein scharfer Wafsengang zwischen der Linken und Herrn Schwartzkopff zu eruxirten. Wie denn überhaupt der letzte Tag ber Etats­beratung bei ber Unerschöpflichkeit des Kultusetats noch mancherlei parlamentarische Böen zu bringen verspricht.

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