Ausgabe 
14.7.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Mittwoch 14, Juli 1909

159. Jahrgang

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

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BezugvpretZ: monatlich 75Pß, viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostArr.2.viertel- jährl. auöjchl. Bestellg, 3 eilenpreiS: lokal 15Ps^ auSwärir 20 Pfennig,

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f. Feuille­ton und Vermischtes" ll. Neurath; für,Stadt u. Land" undGericht--

feinste Bouiflon V

Stets srisch vorrätig bei

Carl Schwaab,

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den vollen Beifall deS nahezu ausverkauften Hauses. Als gefräßige" Bronislava führte sich Aline Sanden von der Wiener Volksoper sehr gut bei uns ein. Das Organ ist nicht besonders groß, aber in den mittleren Lagen voll an­genehmen Wohllautes und auch das Spiel ist frisch und munter. Recht nett mar auch Willy Schwind als Jan und Lore Scholz als Palmatica. Richard Helsing sicherte sich als Oberst wieder außerordentlichen Beifall und Kurt Gühne war ein famoser Enterricht. Die sächsischen Ossi- ziere wurden von Mitgliedern unseres Schauspiels gegeben, wodurch die Szenerie ungemein an Lebendigkeit gewann. Lotte Gottstein als naseweiser Körnet schnitt dabei natur­gemäß am besten ab. Auch der Chor tat seine Schuldigkeit.

Alfons Mourot leitete die Musik, die von der wackeren Kapelle unseres Regiments gestellt wurde, mit klug ge­mäßigtem Feuer und hielt die Verbindung mit Bühne in sicherer Hand, so daß auch diesmal wieder eine sehr gut ge­lungene Aufführung festzustellen ist. N.

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Nr. 162

i <r Sietzeser Anzeiger « scheint täglich, außer . onntags. - Beilagen: 'i iermal wöchentlich s tetzenerZamslienblätter; i.ceimal roöd)ent(.Ktet$» i «tt für den Xreir Siehen [ - ienstag und Freitag); h icimal monatl. Land- > irtschastliche Zeitsragen - >rnsprech - Anschlüsse: i r die Redaktion 112, rlag u. Expedition 51 Dresse für Teveschenr Lnzetger Gießen.

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legiatstifter, Klöster und OrdenZni^derlassungen, auch Beginne und Termineien, mit Angaben über Gründung, Ordenszugehörigkeit, Patronen, Diözesen ui'w. Der Vorstand der historischen Kommission fair Hessen und Waldeck beschloß mit Rücksicht hierauf, Archiv- asiist'ent Tr. Dersch mit der Bearbeitung eines hessisch-waldeckischen Klosterlcrikons zu betrauen und in die geographischen Grenzen des Unternehmens die jetzige größt;. hessische Provinz Oberhessen ein- zubeziehen. Weiter wurde beschlossen, die Bestände der Kloster- archivc aufzunehmen und die Regesten der landschaftlich zusammen­gehörigen Klöster ähnlich wie die Regesten der Wcrraklöster band- weise zusammenzustellen. Archivassistent Tr. Schultze übernahm die Bearbeitung der Regesten der Stifter und Klöster in der Stadt Kassel und deren näheren Umgebung. In den Ausschuß für beide Publikationen wählte die historische Kommission ihren Vor­sitzenden Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. G. Frhr. von der Ropv - Marburg, Prof. Dr. Brack mann - Marburg und Pfarrer D. Dr. Die hl-Darmstadt.

Hans Ho ff mann, der beliebte Mvellendichter, ist wis wir schon gemeldet haben, am Sonntag mittag an den Folgen einer Lungenentzündung in Weimar plötzlich gestorben^ Hoffmann war ein seiner, stiller. Poet, der in seinem Schaffen unbeirrt blieb und sich durch seine vielen, schönen Dichtungen einen großen Freundeskreis erwarb. Gelegentlich seines 60. Ge­burtstages am 27. Juli vorigen Jahres brachten wir in unseren Familienblättern eine eingehende Würdigung des Dichters, so daß. wir uns heute mit einem kurzen Ueberblick begnügen dürfen. In seinen Romanen, von denenIwan der Sckneckliche" und Der eiserne Rittmeister"' die besten waren, noch mehr aber üt seinen AdovellenbändenDas Gymnasium &n Stolpenburg",Ge­schichten aus Hinterpommern",Unter blauem Himmel", wurde eine geistreiche Erzählerkunst vom glücklichsten Humor belebt. Der aus Pommern gebürtige Dichter hatte germanisttsche Studien ge­trieben, war als Lehrer nach dem Süden gegangen und hatte sich später in Berlin, dann in Wernigerode als freier Schriftsteller niedergelassen. Professor Dr. Hoffmann war Generalsekretär der Deutschen Schillersttftung", um die er sich mannigfache Ver­dienste erwarb. Auch der Naturschilderer ht ihm soll nicht ver­gessen sein verdanken wir ihm doch ein wundervolles Werk über den von ihm am meisten geliebten Harz.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft.: Die 50 jährige Doktorfeier begeht am 16. Juli der Geheime Medi­zinalrat Dr. meb. Bernhard Fränkel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals- und Nasenkrankheiten an der Berliner Universität.

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Adler-«60,

Die historische Kommission für Hessen und Waldeck teilt in ihrem Jahresberichte über dasUrkunüenbuch der Wetterauer Reichsstädte" mit, daß Prof. Tr. Wrese-Mar- burg die Archive in Büdingen und Lich erledigt und sodann den Druck des ersten Bandes des Wetzlarer Urkundenbuches, begonnen hat. Oberlehrer Dreher in Friedberg hat die Aufarbeitung des von Dr. Foltz für den zweiten Band des Friedberger Urkundenbuckses gesammelten Materials fortgesetzt unc> daneben die Sichtung der während des letzten Jahres in den Stadtttrchturm übergeführten städtischen Archivalien vorgenommen. Sie ergab eine über Erwarten ergiebige Ausbeute. Archivassistent Dr. Dersch in Münster, der im Auftrage der historischen Kommission für Hetzen und Waldeck das WerkBeittäge zur Vorgeschichte der Reformatwn in Hessen und Waldeck" bearbettet, hat sein Thema im Verlause ber Arbeit wesentlich weiter gefaßt, als es ursprünglich beabnco- tigt gewesen war, und will die landesherrliche Kirchenpolittk, die kirchlichen Abgaben und das kirchliche Leben des ausgehenden Mittelalters eingehender behandeln. Gelegentlich seiner Vorar­beiten für dieses Werk bat Tr. Dersch umfassende Sammlungen angelegt für die Herstellung eines Verzeichnisses sämtlicher Kol-

Hotttrsche Lagesschau.

Der Kanzlerwechsel

ist fite heute zu erwarten. Ter Kaiser ist heute nacht ht Berlin emgetroffen und wird heute vormittag noch den scheidenden Reichskanzler empfangen. Unmittelbar darauf wird die Ernennung des Nachfolgers des Fürsten Bülow bettmntgegeben werden.

In einem Artikel über den Fürsten v. Bülow sagt derPopolo Romano", der Trinkspruch des Fürsten bei seinem Abschiedsdiner lasse seine große Gestalt glänzend hervortreten. Das Blatt weist dann besonders auf die Tätigkeit des Fürsten in der inneren Politik Deutschlands hin und gibt seiner Bewunderung Ausdruck für Bülows moderne Ideen, für seine unerschütterliche Lauterkeit, für seine Verwaltungsgrundsätze und für seine parlamentarische Geschicklichkeit. Der Artikel schließt: Wir müssen jetzt dem Manne unsere Dankbarkeit und ein warmes Wort der Er­gebenheit aussprechen, der während zehn Iahten inter­nationaler Politik es verstanden hat, Europa den Frieden zu geben und Dienste zu leisten, die seine Person mit Sympathie umstrahlen, die nicht verschwinden wird. Kein Land, mit Ausnahme Deutschlands, ist vielleicht dem Fürsten Bülow soviel Tank schuldig wie Italien, dessen wärm­ster, überzeugtester und aufrichtigster Freund er war. In Italien brachte er seine Ferien zu, in Rom wird« er wahr­scheinlich längeren Aufenthalt nehmen; er soll uns will­kommen sein. Die Sympathie der Italiener, die ihn wäh-

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vorzüglich im Ge'chmaä.

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Petitionen batte man auf keiner Seite noch Fähigkeit oder Neigung. Man entledigte sich dieser Ausgabe einfach dadurch, daß man alle Berichte von der Tagesordnung absetztc, die zu einer Wort­meldung Veranlassung gegeben Hütten. Bei den Wahlprüsungen hielt man sich etwas länger aus, aber schließlich waren auch diese erledigt, und als nun die großen Lärmglocken ertönten, da strömten die Abgeordneten in den Sitzungssaal und die Schlußentsck-eidung! begann. Am Bundesratstische saß der Stellvertreter des Reichs­kanzlers, v. Vethmann-Dollwcg, um durch seine Anwesenheit das Gewicht der Erklärung zu verstärken, die Herr Svdow im Namen der verbündeten Regierungen verlas. Ein nochmaliges und letztes Unannehmbar. Und kurz und scharf mären die Erklärungen der Parteien. Abg. Spa hu spricht auch für die Hamecher-Gruppe seiner Fraktion; ec verkündet ihren Umfall. Die Vertreter der Beamten selber haben den Parteien erklärt, sie wollten lieber mit den geringeren Bezügen varlicbnehmen, als es auf das Schci- tcm des Besoldungsgesetzes ankommen lassen. Darum »volle auch seine Partei nicht die Verantwortung tragen. Abg. Singer erwidert, das Unannehmbar imponiere nicht mehr; die Veraitt- workung werde auf die Regierung fallen. Da Abg. Lattmann noch nicht weih, ob auch die bürgerliche Linke bem erneut von den Mehrheitsparteien emgebrachten Regierungs-Kompromiß zu- ftimmt, sucht er den Umfall der wirtschaftlichen Vereinigung durch Schimpferei und Verdächtigung zu beschönigen und erzielt den Rekord zweier Ordnungsrufe. Abg. Dr. Wiemer stellt in kurzen Worten die für seine Freunde unverändert gebllcbeno Sachlage fest. Abg. v. Oldenburg macht den Schluß, btc Nationalliberalen nehmen nicht das Wort. Man wüßte, daß so­wohl die wirtschaftliche Vereinigung wie die Hamecher-Gruppe hatten festbleiben wollen, wenn ihnen in bindender Weise zu er­kennen gegeben wurde, daß auch die Natioiralliberalen von der gestrigen ^tellirngnabme nicht abgehen würden; aber diese batte lebe Erklärung verweigert. In größter Spannung verfolgten! die Beamtenscharen auf Den Tribünen die namentliche Abstimmung: mit beit Freisinnigen und Sozialdemokraten halten nur einige wenige Nationalliberalen gegen das Kompromiß gestimmt; die Polen enthielten sich der Abstimmung. Und als bann das Be­soldungsgesetz im ganzen zur Abstimmung kam, da fand sich teilt einziger Stimmzettel mit nein in den Urnen. Nur bic Polen hielten sich auch jetzt beiseite; das Besoldungsgesetz fand ein­stimmige Annahme. Und bann schloß nach ben üblichen Dankcs- worten an den Präsidenten, bie der Abg. Wassermann ntt Namen des Reichstages sprach, der Stellvertreter des Reichstags v. Bethmann-Hollweg bie Tagung, und damit eine der unerfreu- lichsten Abschnitte unserer inneren Politik.

Gietzener Stadtthecrter.

Der Bettelstudent.

Operette in drei Akten von F. Zell und R. Genee. Musik von Karl Millöcker.

Der Bettel st udent, der Millöckers Ruf in erster Linie bgründete, verfehlte auch gestern nicht seine alte Anziehungs- kalt, die ihn in den achtziger Jahren zu einem Lieblings­sick gemacht hatte. Man merkt ihm sein Alter auch kaum (ii, nnb er ist doch nun schon nahezu dreißig Jahre alt. > Jahre 1881 erschien er zuerst auf der Bühne und seine .Willigen Melodien gingen über den Leierkasten hinweg ins Stalt über, in dem sie großenteils noch heute leben. »Ach, I) hab sie ja nur auf die Schulter geküßt", »Ich knüpfte aache zarte Bande",Gesetzt den Fall" und noch andere inn man heute noch nicht eben selten hören, wie sich ja uh noch zahlreiche Melodien aus seinen immer wieder auß cm Spielplan gebrachten Gasparone und dem Armen ?Mathan erhalten haben. Von den übrigen Werken des io:i noch nicht ganz zehn Jahren gestorbenen Wiener Kapell- nesterS hat sich kaum eins gehalten.

Die Aufführung, die von Richard Helsing geleitet Dincbe, war sehr gut durchgearbeitet und tadellos eingerichtet. 5er Jahrmarkt war geschmackvoll aufgebaut und auch die enijelnen Gruppen waren malerisch und farbenprächtig zu- iWmengestellt, so daß in Verbindung mit einem flotten, jijtren Spiel wieder eine wirklich gute und in jeder Beziehung MckennenSwerte Vorstellung herauskam.

Von den einzelnen Darstellern ist Bruno Hildebrandt

Symon an erster Stelle zu nennen. Sein bewegliches Jtpiel verband sich glücklich mit einer guten gesanglichen ASeiftung und einer angenehmen, würdigen Darstellung. Eine ihnperanientuoüe, schneidige Gegenspielerin war Franzi Groß- k^f als Laura, der die Rolle sehr gut zu liegen schien. 3iii dem netten LiedchenIch setz den Fall" errangen beide

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tage tretenden egoistischen Motive der Mehrheitsparteien, gesunken. Und eine Demütigung der Regierung wünscht auch der Liberale nicht. Wie sich der konservative Sinn damit ab finden soll, ist unerfindlich.

Wie eine ganz kleine Rache der Regierung mutet es an, daß der Reichstag nicht, wie die meisten Atttalieder nicht nur aus persönlichen, sondern auch aus sachlichen Gründen erwarteten, vertagt, sondern geschlossen hat. Da­mit fallen die umfangreichen Arbeiten an der Gewerbe­ordnungsnovelle unter den Tisch; freilich verlautete schon früher, daß das ReickMmt des Innern an den Arbeiten feine Freude hätte und die Gewerbeordnung in Einzelgesetze aufläsen wollte. Sonst ist vor allem die Kommissions­beratung über das Arbeitskammergesetz nutzlos gewesen. Aber wir müssen zugeben: der Schluß der Session hat seine starke innere Berechtigung. Die politischen Verhältnisse sind völlig verändert; der Reichskanzler geht, der Block ist entzwer das mußte doch äußerlich bekannt gemacht iverden. Die neue Session wird mit einer Neuwahl des Präsidiums beginnen, die den Siegern noch einiges Kopf­zerbrechen bereiten dürfte. Die Liberalen gehen mit gutem Gewissen und reinen Händen aus dem Handel heraus. Und sehen ihrerAusschaltung" getrosten Muts entgegen. Sie warten ab, wer zuerst kommt: das Zentrum, um' gegen die Konservativen, ober die Regierung, um gegen das Zentrum Hilfe erbitten. Ohne den Liberalismus ist nun einmal das wird die nächste Session erweisen auf die Dauer keine Politik im deutschen Reich zul machen- Der alte Block ist gescheitert, aber der neue ist noch viel unmögliche^_______________________________

Der Schluß des Reichstages.

Eine letzte Sitzung noch voll äußerster Spannung und der Blockreichstag hat ausgelitten. Um 3 Uhr nachmittags wurde er auf Grund einer am 10. Juli an Bord der Jacht Hohenzollern bei Glücksburg gegebenen Kaiserlichen Botschaft geschlossen. Fürst Bülow hat sie gegengezeichnet, der letzte Akt des verantwortlichen Kanzlers. Ter neue Kanzler beginnt mit der neuen Mehrheit eine neue Session. Darum konnte der Reichstag nicht zum dritten Biale vertagt werden, müssen wichtige Gesetzesvorlagen unter den Tisch fallen, das Arbeitstämmergcsetz, bic Gewerbenovelle, die Strafgesetznovelle u. a., und viel Fleiß und mühsame Arbeit und M'oßer Aufwand kostbarer Zeit ist unnütz vertan. Ter Eintritt in eine neue Tagung gibt der schwarzen Blockmehrheit die Mög­lichkeit, bei der Wahl des Präsidiums der neuen Lage Rechnung zu tragen, und auch den Parteien der Linken dürfte eine deutliche F-irmicrung und eine klare Feststellung der Verantwortlichkeiten erwünscht sein.

Sechs dritte Lesungen sogenannterHeinen Vorlagen", dazu einige Rechnungssachen, mehr als fünf Dutzend Berichte der Pe­titionskommission und siebzehn zum Teil sehr umstrittene Prü­fungen von Mandaten mußten zuvörderst erledigt werden, ehe man an das große Schluß- und Hauptstück kam, die Entscheidung über das Besoldungsgesetz. Um 2 Uhr war man endlich so weit, nach vierstündiger hastiger, nervöser Verhandlung. Ter Freundschasts-, L>andels- und Schiffahrtsvertrag mit Venezuela wurde ohne Aegleitwort verabschiedet und in derselben Minute auch das deutsch-dänische Abkommen über den Schutz der Muster und Modelle; ebenso wenig Schwierigkeit machte die Schank­gesäßnovelle und die Berichte der Reichsschuldenkommission. Beim Gesetzentwurf über die zollwidrige Verwendung der Gerste räumte an vom Zentrumsabgeordneten Speck gestellter Antrag Regierungs­bedenken aus dem Wege, die in der zweiten Lesung im Hinblick auf die internattonalen Verträge geäußert waren, und die bei den Freisinnigen und Nationalliberal?n bestehenden Bedenken auf wirttchaftlichem Gebiete wurden, wenigstens in der Hauptsache, durch eine Regierungserklärung beseitigt. Eine südwestafrikanische Abrechnung fand nach kurzem Hin und Her durch einen Hammel­sprung ihr Begräbnis; dur chmehrere Tagungen hindurch hatte dieses Ueberbleibsel einer vergangenen kolonialen Periode den Reichstag und seine Rechnungskommission schon beschäf- ttgt. Zu einer Vertiefung in das reichhaltige Material der

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Bietzener Anzei

General-Anzeiger für Oberhesse

snabme von Anzeigen v i ® ' -- . ,

ht vornttuags^g'uh^ Rotationsdruck und Verlag der VrShl'fchen vniv.-VAch- und Steindruckerei R. Lange. RedaMon. Expedition und Druckerei: Schulftratze 7. A^eigenteu: H. Bes.

Die Ergebnisse der Reichrtagstagung.

Die sitzungsreichftc ^Session des deutschen Reichsta.gS sit geschlossen. MS zur'Erschöpfung der korperliäien und istiqen Kräfte haben die Erwählten des Volkes gearbeitet tr.b Ruhe und Erholung sich redlich verdient. Wer freilich k Flucht in die Berge oder in die Wellen unterläßt und i.Ieich in seinen Heimats- und Wahlkreis Mrückkehrt, der

Tb daS sanfte Ruhekissen so bald nicht fänden. Ob mancher . Tfitiücn Arbeit, die in dem letzten Tagungsabschnitt ge­lastet wurde, mögen die Herren ja ein ruhiges Gewissen mb en. Sie bringen heim; die Zivilvrozeßnovelle und die iioveNe zum Strafgesetzbuch, die Gesetze über den un- Tijteren Wettbewerb und über die Sicherung der Bait- o rberungen, das neue Weingesetz, das Automobilhaftpflicht- zchetz, bic Münz- und die Bankgesetznovelle und eine solche in in Stempelsteuergesetz, das Beamtenhastpflichtgesetz, die «ÜMelle zum lViehsertchengesetz; dazu außer mehreren kleinen laatsverträgen Gesetze über den Handel mit Schlacht- i«h, über ine Einwirkung von Armenunterstützung auf fjcntliche Rechte, über die Beseitigung der Doppelbesteue- imitg, über die Behandlung zollwidrig eingeführter Gerste, lil»er bie Eichung der Schankgefäße. Mit einem heiteren läitb einem feuchten Auge werden die Beamten die ihnen l'iddjcrten Besoldungsgesetze entgegennehmen. Zwar ist icmches für sie erreicht worden uno die Summe von 117 Millionen jährlich ist keine Kleinigkeit, aber sie hatten sich : i'.iju Teil berechtigte Hoffnung auf mehr gemacht.

Die größten Anstrengungen jedoch haben die Mitglieder Vw Reichstags der Aufgabe gewidmet, die alle anderen, weit K'erregte. Der Neuordnung der Reichsfinanzen. Vor ; ei Tugend haben die Götter den Schweiß gesetzt. Leider I! auch dieser Satz nicht umgekehrt. Der Aufwand von Inel Schweiß garantiert nicht ein gutes Ergebnis. Hier ist ;<(ar das Gegenteil eingetreten: btc arbeitsreichste Zession : c) Reichstags ist die trübseligste geworden. Statt einer l rmdlegenden' Reform der Finanzwirtschaft des Reichs klcn wir einen bunten Haufen neuer Steuern erhalten, he aller Voraussicht nach wiederum ben vollen Bedarf Ducht decken, sondern in kurzer Zeit neue Steuervorlagen Ä^Lären werden. Statt einer Festigung des Blocks oder tiUto Annäherung aller bürgerlichen Parteien anetnander Mhen mir ben erbitterten Kampf zwischen rechts und links dib ben Triumph des Zentrums. Statt eines Ausgleichs bi:E wirtschaftlichen Gegensätze btc wachsende Feindschaft Maschen Stadt und Land, ja zwischen Groß- und K'lein- Djcimobesitz. Kurz, eine tief beklagenswerte Aufwühlung c.i er wirtschaftlichen und politischen Leidenschaften. Und Msicher Ausgang war nicht nötig'. Er lag nicht in der iatur der Dinge begründet, ja, er entwickelte sich fast Mis erraschenb erst in den letzten Monaten. Die Einigung ivischen Konservativen und'Liberalen stand dicht vor der liir, als das Zentrum das, trenn es gewollt hätte, itfjc wohl im stände gewesen wäre, sich anzuschließen ie Konservativen durch Lock- und Schreckmittel zum Ab- :af( bewog und zum bindenden Bündnis. Das im Staats- htereffe Bedenklichste war dabei, daß dieser Pakt nur r.öiglich wurde durch einen Zusammenbruch der Regierungs- mnorilät Was der neue, derschwarzblaue" Block dem ÄLltdesrat an Verleugnung der feierlichsten Erklärungen, hi Umfällen jeder Art zumutete und was er von thm virklich erzwang, das ist ohne Beispiel in der deutschen »urlamentsgeschtchte. An sich hätte ja ein Liberaler feinen tzcimd, eine Stärkung her Macht des Parlaments zu be- Üoen; aber hier ist mit der Macht das Ansehen des Reichstags nicht geftiegen, sondern, infolge der grell zu-