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Nr. 13 Zweites Blatt
159. Jahrgang
Samstag 16. Januar 1909
Erscheint täglich mtt Ausnahme de« Sonntag«.
Tie „Giehener FamUiendlätter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegh, das „Kreisblatt für den Kreis Liehen" zweimal wöchemlich. Dte „Landwirtschastlichrn Seit- fragen" erscheinen monatlich zwermal.
General-Anzeiger für Gberheßen
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RjlaftonSbrud und Verlag der vrühllchea UnwersilälS • Buch- und Stemdruüeret.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedinon und Vertag: e^ge) 5L Redaktion:^^1I2. TeU-AdruAnzergerGleßen.
Ernst v. Wildendruch f.
Gestern abend erhielten wir die Drahtnachricht von dem Tode Ernst v. Wildenbruchs und machten sie sofort durch Aushang an unserer Geschäftsstelle bekannt.
Wildenbruch war der Dichter der lauten, wirkungsvollen Gebärde, des heroischen, Farbenprunkes, der letdenschafllichen Tat. Seit Heinrich v. ftteiit war er der erste deutsche Dichter, der aus der deutschen Geschichte die Vorbilder zu seiner großen Reihe von Dramen schöpfte, der erste, der, von echt vaterländischem Geilte erfüllt, ein Herz und ein Auge für die großen Ereignisse der Zeit hatte. Wie ein Barde tritt er heran in wallenden Gewändern und greift voll heiliger Begeisterung in die Sailen, wie in »Kaiser Wilhelms Tod*. Er war fern Meister der Seelcnknnde; er verstand es nicht, seelische Notwendigkeiten klar und sicher in ihrer Tiefe zu begreifen und scharf durchzuführen, er gab mehr eine äußerliche Handlung, die durch seine schwungvolle, kernige Sprache nut fortriß — ohne aber in die Tiefe zu koinmen. Ter Ton für das Stille, Besondere fehlte ihm, er liebt die stolzen, brüllenden Helden, die mit rasselndem Schwert sporenklirrend cinherschreiten und mannhafte Taten mit lauter Lust verrichten.
Er selbst war ein stolzer, frohmutiger Mann, der fest lind ehrlich auf dem Plage aushielt, wo er sich notwendig glaubte. Unbeirrt durch Kritik und Meinung, lebte er seiner Ueberzeugung, und allein schon fein „Hexenlied*, sein bedeutendstes Gedicht, wäre em Beweis für seine starke, dichterische Persönlichkeit, die alle große Fragen nut irnster, leidenschaftlicher Seele nuterlebte. So schuf er Werke, wie Die Karolinger (1882), Der Mennonit (1882), Väter und Söhne (1882), D re Quitzowtz (1888), Die Haubenlerche (189U), Heinrich und
Heinrichs Geschlecht (1895), W i l le hal m (1897), Die Tochter des ErasmuS (1900), Die Raben st einerin (1907). Von seinen Erzählungen sind besonders zu ermähnen : DerMeister von Tanagra (1880), Kinder- tränen (1884), Der Astronom (1887), Schwesler Seele (1894), die alle in vielen Auflagen erschienen sind. Em Nachkomme des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen ist er am 3. Februar 1845 als Sohn des preußischen Konsuls zu Beirut in Syrien geboren, und dieser Einschlag des Hohenzollernblutes bestimmte un wesentlichen seinen Eharakter. Seit 1857 dauernd in Deutschland, be- sitchte es die Gymnasien in Halle und Berlin und trat nach Besuch der Kadettenanstalt zu Potsdam im Jahre 1863 als Offizier in die Armee em. Wb er schon nach zwei Jahren nahm er seinen Abschied und studierte nach dem Kriege von 1867—1870 in Berlin die Rechte. Nach dem großen Kriege wurde er Referendar zu Frankfurt a. O., 1876 Assessor, 1877 Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt. Im Jahre 1880 wurde er LegalionSrat und elf Jahre später zum Geheimen Legationsrat ernannt. Schon 1889 war er von der Universität Jena zum Ehrendoktor ernannt worden. In breiter Oeffenllichkeit bekannt wurde er durch die Heldenlieder „Vionville* und „Sedan*, die 1874 und 1875 er- sch lenem
Tie für morgen angesetzte Aufführung der Raben- steinerln im hiesigen Sladtthealer wird als Gedenkfeier für den verstorbenen Dichter veranstaltet und durch einen Nachruf von Direktor Steingoetter eingeleitet werden, h
— Korn und Röntgen. Prof. Arthur Korn, der Erfinder der Blld-Telegraphie, der sein Lehramt an der
rummungsbUd aus dem Reichstage.
Berlin, 15. Januar.
Volenti non fit injuria. Auf das A r b e i tska m m e r g e s etz, das hcme zur erfien Lesung stand, kann dieser Satz aus dem römischen Recht heiltet) kaum Anwendung findon, beim eigentümlicher- tveiie bat diese. Krönung der Sozialpolitik" mit den Sieuervorlagen das gemein, daß sie den Interessenten nichts weniger als erwünscht ift. Tie Berireiungskörver der Arbeitgeber, zuletzt noch in diesen Tagen mit überwältigender Mehrheit der deiilsche Handelstag, haben tue paritätischen ArbeUskammern ebenso entichieden abgelebt, wie die Organisationen der Arbeiterschnit in ihrer großen Mehrheil. Auch soweit man von der Haupislreit'rage: paritätische Vertretung oder reine Arbeltertammern? absieht, besteht bei den Rächlibelei- (iglen eine groge Meinuugsverschledenheit über die Frage, ob berufliche oder territoriale Gliederung, ob Anichluß an die Geiverbe- gerichte oder selbständige Organisationen, — ein Durcheinander von 'Meinungen, bei dem das starke positive Wollen der großen Mehr- heil des Reichstags dazu gehört,^iun die Freunde des Grundgedankens der Vortage aus einem Boden zur glücklichen Verabichledung des Gesetzes zu vereinigen. Staatssekretär v. Bethmann-Hoüweg, der auch heute, wie so maiicheSmal, durch die Meisterhaiigkeit seiner Rede Bei- faltsstünne emsesselte, gab em anschauliches Bild von der politischen Enimickelung dieser Frage. Für die Regierung ist die paritätische Kammer von vombeiem der gegebene Slandvunkt; aber die Behandlung bei den Parteien de» Hauses un Xlnuie der letzten zwei Jahrzehnte erinnert fast an das bekannte Kinder- und GeseUschaits- ip-el: Verwechselt, verwechselt das Bäumele-n! Das Zentrum ,ne uisprungllch einseitige Vertretungen der Arbeiter, also ...oeitetlommein gefordert, die Sozialdemokraten dagegen pari- ialische Arbeilskammern. Tann Hanen Zemium und Vlaüomil- liberale den Anschluß an die Gewerbegerichte, «rlso eine paiiläusche Lineichlung, enrp'otjlen, und in den letzten Jahren, schließlich zu- lainmen mit den Freisinnigen, bie paritätische Kam,ner^ls Londer- emr,chtung. In demselben Augenblicke schweickie die Soziatoeino- Iralie an den bürgerlichen Parteien vorbei hinüber in das andere Hager und forderten unter Preisgebung ihrer früheren sorgsam ausgeatbeiieten Gesetzentwürfe die Arbeiterkammern.
Den ummiteibaien Anstoß dazu hatte dnr Beschluß des Kölner Gerverh chaftStvngrejses ün Jahre 1905 gegeben, und der Go Dantengan-j ist ver stündlich. Als die Orgamiaiion der Arbeit- jeber noch schwach und uncnüuidelt roac, tonnten tue Gewerk- iä-ailsführcr dank der Geschtos>eirhert th-rcr Organisationen aus ein Ueuergeroidjt in paritätischen Kammern hoffen. Als bann Die Arbeitgeberverbände sich ümner kräftiger und lückenloser tz>u- lammenschlvsien unb sich in den großen Kämpfen der letzten Jahre stärker erwiesen als die Arbeitnehmer, hatten diese das Jnteres,e in einer Zusammenarbeit in gerne infamen Vertretungen größtenteils verloren. Daher war es kein Zufall, daß sich auf beni Kölner Gewerkschaftstongceß die Minderheit, die sich für Arixits- lammerii aussprach, in der Hauptsache aus der Bertretung derjenigen Gewerffcl-aflen zuiammensetzren, die sich durch den Ausbau »er Tarifverträge in ihrem Gewerbe an ein Zusammenarbeiten mit den Unternehmern bereits gewöhnt hatten, während dieses am scl)ärssten und nachdrücklichsten von dem )oint sich als „Neutral- Mverksä-astler" geoenden Hue, dem Vertreter der Bergarbeiter, bekämpft wurde und daneben von Den iin üoeigen revisionisliichen Zertreiern Hamburgs, dcs Sitzes der Zentrale der deutschen Ar- teitgebemrbättoe. Diese Erimterungen wurden, freilich nur sehr andeutungsloeise, von den Rednern bc5. heutigen Tages mehrfach gezogen. Aber schon die heutige Aussprache, — morgen soll sie Ku Ende geführt werden, — erwies, daß außer der Sozialdemokratie nahezu das gesamte Haus in der Hauptfrage auf dem Standpunkt der Regierungsvorlage steht. Den Reigen der Redner auS dem Hause eröffnete Herr T r i m b o r u , der Leiter der Zentrums- sozialpotitik, seit Dr. Hitze sich aus den parlamentarischen Känipfen mrückgczogeu hat. Durch die Halo gesuchten, halb unfreiwilligen Scherze, durch die er in unverfälschtem Kölnischen Dialekt seinen Vortrag zu würzen liebt und für die man in seiner Vaterstadt den Ausdruck „Krätzches" bat, versetzte er das auch heute sehr schwer gesetzte Haus in vergnüglickfe Stimmung. Die Vorlage der Regierung und die Rede dcs Staatssekretärs fanden so sehr seinen Beifall, daß sie ihm geradezu einen Hubelruf entlockten; nur wenige Wünsche batte er für die Ausgeitaltung des Gesetzentwurfs noch hinzuzufügen. Sehr viel luenigec enthusiastisch war der konservative Herr von Winterfeld, dec erst seit wenigen Wochen den Sitz seines verstorbenen Vaters, des lang- jährigen greisen Seniors des Reichstages einnimmt und der ebenso wie vorgestern Herr von Westarp bei einer wichtigen Frage >chon unmittelbar nach seinem Eintritt in das Haus seine Partei zu vertreten hatte. Die sanguinische Eröffnung des Staatssekretärs intb des Zentrumsführers, daß die neue Institution zur Ueber- brückung der Kluft zwischen Arbeitgeoern und Arbeitnehmern führen werde, vermochte es schon angesichts der Tatsache, daß der Gesetzentwurf draußen im Lande nirgends freudige Ausnahme gefunden hat nicht zu teilen, und er behielt seinen Freunden ausdrücklich die endgültige Stellungnahme vor. Für die Sozial
demokraten sprach der Abg. Legion, der als Vorsitzender der Generalvommisswn die Oberleitung der sozialdemokratischen Gewerkschaftsbewegung in der .Hand hat. Er beeilte sich, für eine bemerkenswerte Anerkennung zu quittieren, die Herr von Beth- mann-Hollweg dec Sachkenntnis, Umsicht und dem Organisations- ralent der Gewerkschaften und daneben freilich ilyrem rücksichtslosen Draufgängertum, ausgesprochen hatte, und der Staatssekretär schüttelte dazu bedenklich das Haupt. Die Nationalliberalen kamen ourch Freiherrn von Hehl, den alten Vorkämpfer für paritätische Arbeitsöammern, zu Worte. Er erklärte die Rede dcs Staatssekretärs für das Veste, was man seit langem vom Mini- ftertijd}e a-hort fyibe und begrüßte die Vorlage, so wie sie^ist, mit ihren Verbesserungen gegenüber dem ersten, vorläufigen Entwurf vom Februar. Die Bedenken des konservativen Redners hielt er nicht für begründet, lehnte aber freilich auch das Weiterdrängen des Zentrumssprechers ab, dabei verwies er sehr wirkungsvoll auf die auslüudsiche Gesetzgebung und betonte insbesondere, daß das von einem sozialistischen Arbeitsminister geschaffene französische Gesetz in ntandjen Punkten hinter der Vorlage der deutschen Regierung erheblich zurückbleiot. Ten Schluß für heute machte der freisinnige Goller, der, gleichfalls als süddeutscher Jir- dustrieller, sich dem Gesetzentwurf eoensv freundlich gegenüberstellt, wie der Wortführer der Nationalliberalen. __________
politijdye
Deschießung eines deutsch»« Dampfers.
Eine recht seltsame Mmda.^g am? Konu^ry ^Französisch- Guinea) verbreitet die Agence Havas: Das Liberia- nijche Zollkanonenboot MSK r t' beschoß vor Glocester einen deutschen, zur Woermann- liuie gehörigen Davrpser. Das deutsche Stationsschisf in itümerun sei nach Liberia abgegangen- Von deutscher Seit« Lteat darüber teure Nachricht vor. Das Reutersche Bureau, das auch von dieser Beschießung eines deutsck-cn Dampfers erfahren hat, weiß noch mitzuteilen, daß bie Besatz ungdesliberischenkanonenbootesaus Englän dern bestehe. Das Boot steht unter dem itanunanba des Kapitäns Bugge von der brUischen F-lotteu- reserve; die übrigen Ojsizicre und das Maschinenpersonal sind ebenfalls bmische Untertanen. Die „Art" ist von der Regieritng Liberias angelauft und im Sepieinber 1908 aus- gesandt worden, um den ständig vorlommenden lieber» trelungen der Zollvorschrift Einhalt zu tun und zu ver- hinderir, daß die liberianischen 5)äsen, die dem Welthandel nicht geöffnet sind, von Schiffen angelaufen werden.
Die Aufhebung der Fahrkartensteuer abgelehut.
Man traut seinen Augen nicht : Die von der Regierung beantragte Aufhebung der unrentablen und unpopulären Fahrkartensteuer ist von der Finanz- und Steuerlommission des Reichstages abgelehnt worden. Abgelehnt wurde zunächst ein freisinniger Antrag, wonach die Fahrlarten- steuer solange außer Hebung gesetzt werden solle, als von den beteiligten Vertehrsvenoarmngen der Re.chLtasse jährlich vier Fünftel dessen vergütet werde, was sie im Etatsjahr 1908 erbracht hat. Ebenso wurde die Regierungs- v o r l a g e a b g e l e h n t, die die Aufhebung der Fahrkartensteuer ausspria)t. Angenommen wurde gegen Sozialdemokraten und Freisinnige ein Antrag des Zentrums, der eine Reform der Fahrkartensteuer fordert, mit Entlastung der oberen und entsprechender Mehrbelastung der dritten Klasse, sowie mit Heranziehung der vierten Klasse.
England, Deutschland und Oesterreich-Ungarn.
In dem neuesten Heike uer „Lep.erremZscheu Rundschau" teilt der einstige Legai.ionsrat Max Freiherr von Äubed, der längere Zeit in England gelebt hat, und sich wiederholt pubttzistlsch über englische Verhältnisse äußerte, einen Brief mit, der ihm vermutlich von dem einstigen Parnel- listen und jetzigen Präsidenten der Jndia Jrlanoa league, dem Grafen Mcdonald O'Donell zugeiommen ist. Baron Kübeck hat am 28. Dezember vorigen Jahres in den „Times" einen Brief verö,,entricht, in dem er bie Haltung Englands in der Balkansrage als unverständlick) erklärte. Graf O Donell teilt nun mit, daß er in seiner Steilung zufällig in den ausschließlichen Besitz von Jniormativnen langt sei, ans welchen hervorgehe, daß England ein ausgesprochenes Interesse daran habe.
Oesterreich-Ungarn und Deutschland kriegerisch und kommerziell zugrunde zu richten. Die englische Herrschaft habe in Indien einen schwer zu beschreibenden Grad von Unbeliebtheit erreid)t. Die Hindubevölkerung sei gegen die Englische Mißregierung und Tyrannei überall erregt und aufgestachelt. England setz« daher seine einzige Hofinung ans die indischen Muselmänner. Deshalb spiele sich England als der Hauptproteitor den Türkei aus, um in den Augen der indiscyen Mvhamedanev als Protektor des Islams zu erscheinen. Wie EnLland seinerzeit Napoleon durch Subventionierung nicht englischer; Armeen besiegte, würde es jetzt nur gewinnen, wenn Türken, Serben und vielleicht auch Russen und Italiener Oester-» reicks-llngarn und Deutschland bekriegen würden. England unterstütze die Boykottbewegung viterreichisch-nngarischer Waren, um englischen Kaufleuten und Schissen Verdienst zu schaffen. England hoffe mit Hilfe des neutür- 11 scheu Par lame n ts alle deutschen Kon-* ze s s i o ne n, wie z. B. die Ba g d ad eis e n b a h n, zu beseitigen und erwarte, daß alle neuen Koitzessionen in der konstitutionellen Türkei zugunsten Englands und Italiens verliehen werden würden. England beabsichtige, den Boykott österreichischer Waren bauerno zu gestalten und dahin zu wirken, daß alles Neutürkische von der türkischen ürregsslottL an zum großen Vorteil des englischen HanB dels durch englischen Einfluß verwaltet werde.
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Tschechifiernng der Prager Post.
Der Rücktrut oes Vizepräsidenten der Post, Direktors Swoboda, hat ei neu starten Eindruck ans tschechischer Seite hervorgerusen. Der Vizepräsident hat auf friedlick-ern Wege Die Einleitung einer Disz^iplinaruntersuchung gegen sich verlangt. Inzwischen schreitet die Tschechisterung der Frager Post fort. Heute wurde infolge eines mündlichen geheimen Austrages des Direktors der letzte deutsche Beamte aus dem Departement für Postanweisungen, Postsparlasse und Zeitungsaiigetegenljeiten entfernt, so daß auch dieses Depav- tement nunmehr gänzlich tschechisiert ist._______________
pariam<ntanfd?c$ ans Hessen.
R.V. Darmstadt, 15. Jan. Ter Finanzausschuß der Zweiten Kammer hat feine allgemeine Etatsoeratung heute in der Hauptsack>e beendet und wird am nächsten Dienstag die gemeinsamen Beratungen mit dec Regierung aufnehmen, worauf uann die Drucklegung des Ausfchußberichts für die Plenar-Beratung erfolgt. Heute wurde zunächst der I u st i ze t a t nach dem Bericht des Abg. Dr. G u t f l e i s ch erledigt; die einzelnen Kapitel (88—97) wurden besonders hinsichtlich der Mehrausgaben eingehend besprock-en, jedoch ohne Beanstandung genehmigt. Das Lrnprtel: Geriaste besteht aus den Aoreckungen „Oberlandes- g e c i d) t" und „Landgerichte und A mt s g e r i ch t e". Ersteres erfordert einen Gesanuaufwand von 171214 Mark, der hauptsächlich durck) die Gehatte für den Oberlanoesgerichtspräsi- Denten und den Senatspräiidenten, sowie 12 ObertandesgerickM- räte, dem Generarstaatsaiiwatt und dessen Gehilfen, 3 Revisoren! des Kastenwesens, Gerich^ssck>reiber, Ltanzlisten usw. bedingt wird. Zn den Einnahmen ist für Gerichtsgebühren in Zivilsachen die stattliche Mehreinnahme von 200 UOU Mark, nämtich 1350 000 Mark gegen 1 150 OuO i. V., eingesetzt, während für gerichtlich erkannte Strafen derselbe Betrag, wie im Vormhr, olO000 Ntark sür Forststrafen 17 000 Mark, für Feldftrasen 34 000 Mark, für gericbtiiuje llulersuchungskosten 235 000 Ätark (10 000 wenrger als 1908j und als Ersatz von Verpflegungskasten _ der Sträflings 27 000 Acark (5000 weniger als 1908) angesetzt ist
Die Positron Landgerichte und Amtsgerichte erfordert eine Gesamtausgabe von 2 630 2<0 Alark gegen 2 472 000 Mark im Vorjahr, der außer den vorerwähnten Eingängen an Strafen und Geoühren eine lveitere Einnahme nicht gegenüb ersteht. Die Erhöhung der Ausgaben mit 158 000 Mark wird hauptsächlich durch dre Steigerung der Gel)alte verursacht. Die Gehalte der 10 Latwgecichtsdirekwren steigen nur um 1800 Mark, dagegen erhöhen sich die Gehalte für 43 Landrichter, 137 Amtsrichter und 3 Gerichtsschreiber bei den Landgerichten von 789 600 Alark auf 829 7oO Piark, für 10 Staatsamvalte von 31300 auf 33 700 Mark, für 36 Gecichtsasseßoren von 84100 auf 90 000 Mark, für 57 Gerichtsschreioer bei den Amisgeriehten von 197 100 auf 207 000 Mack, für 80 Hilfsgerichtsschrewer bei den Amtsgerichten von 178 500 auf 193 500 Mark, für 16 Registratoren (früher nur 15) von 23 400 auf 26 600 Mark, für 14 Kanzleidiener von 23 100 auf 24 280 Mark, für 62 Amcsgerichlsdiener von 63 900 auf 65 100 Mark, ferner für Schreibhilse bei den Amtsgerichtes
Münchener Universität nicbcrgelcgt hat, veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt: „Tie Ursache, warum die Münchener Fakultät mich int Stiche gelassen hat, ist zweifellos Prof. Röntgen. Er hat in der ganzen Angelegenheit einfach die Fakultät tyrannisiert. Was Röntgen eigentlich bewogen hat, gegen mich, der volle zwölf Jahre ohne jede materielle Entschädigung an der Münchener Universität gewirkt hat, animos aufzuireten, dafür habe ich nur Verniutiingen, denen -ich keine bestimmte Form geben kann und will. Die unfreundliche Haltung Röntgens gegen mich begann übrigens im Jahre 1904, etwa um die Zeit, als ich meine ersten erfolgreiche Versuche in der „Bildtelegraphie über die Tele- phonschleise Ntünchen-Nürnberg-Rlünchen" publizierte. Damals veröffentlichte Röntgen m der Physikalischen Zeitschrift eine sehr unkollegiale Notiz, die sich auf meine Veröffentlichung einer gemeinsam von nur und einem anderen Physiker entdeckten Erscheinung in evakuierten Röhren bezog. Bejonders betonen möchte ich noch, daß meine Affäre nut der Politik absolut nichts zu tun hat. Ich habe mich politisch stets neutral gehalten.*
— Ein Held. Das Kreuz der Ehrenlegion ist dem jungen Pariser Assistenzarzt Lönitz Bazy für eine tapfere Handlung verliehen worden. Bazy hatte bet einer Operation Hilfe zu leisten, bei der ihm Eiter ms Auge spritzte. Er wußte, das, sein Auge verloren war, wenn er es nicht sofort reinigte; er hielt aber bis zum Ende der Operation bei dem Kranken aus, weil kein anderer Hilfsarzt zur Stelle war Der Kranke wurde durch die Operation gerettet. Dr. Bazy hat nach sieben Monaten schweren Leidens sein Auge verloren. Der Präsidsnt der Republik, der von der tapferen Handlung erfuhr, hat aus eigenem Antriebe das Kreuz für Bazy bestimmt.


