Ausgabe 
15.5.1909 Erstes Blatt
 
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markt. Hier machte sich der Futtermangel geltend.

Reichsgerichtsbrief.

I. S. Leipzig, Mai.

Nachdruck verboten.

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Durch Nachahmungen nicht er»<4*bar. In Fl. ä M. 1,76 erMkä*.

BAUER & Cie., Serhn SW 48.

Hiortte.

O Grünberg, 13. Mai. Unser heutigerW n l p c n - inark t" wurde von besserem Weller begünstigt, als die trüben Morgenstunden verhießen. Der Schwcinemartt war sehr stark bc-* fahren. Trotz den sehr hohen Preisen war lebhafte Nachfrage vor­handen, und der Handel hatte Fluß. Bezahlt wurde für das Paar Ferkel erster Güte 7080 Mk., zweiter 6070 Mk, dritter 50 bis 40 Mk. Wenn das SchweinefutterGrünes" bedürfte, fo wären

Siebener Wetterdienst.

Boranssichtlichc Witterung für Hegen am Sonntag dem 16. Mai: Wolkig, trocken. Nachts noch kühl, am Tage wärmer. Schwache veränderliche Winde.

I st d i e Verletzung b e i in O e s s n e n einer E i s e n b a h n - tupeetür als schadensersatzpslichtigcr Betri ebs- unsall aus zu fassen?

Diese Frage entscheidet das Reichsgericht in bviahenbcm Sinne, veranlaßt durch den nachstehend wiedergegebenen Rechtsstreit. Ter Kaufmann F. ans Berlin wollte am 5. August 1906 mit dem fahrplanmäßig 1 Uhr 11 Minuten nachmittags von der Station Strehlen abgehenden Zuge nach Breslau fahren. Als er den Versuch machte, die Tür eines Abteils, zu öffnen, erlitt er einen Bruch des linken Schlüsselbeins. Infolge dieses Unfalles klagte er gegen den Preußisck)en Eiscnbahnfiskus aus Grund des Reichshastpflichtgesetzes.

Seine Ansprüche wurden vom Landgericht und vom Ober- landesgericht Breslau dem Grunde nach als berechtigt an­erkannt. .,

Auch das Reichsgericht erklärt die Amprüche des .Wäger5 als gerechtfertigt und 'führt dazu begründend an, daß der Unsall, der den Kläger betroffen hat, in innerem Zusammenhänge mit der Gefährlichkeit stehe, die dem Bahnbetriebe eigentümlich ist. Die Verschlüsse der Wagentüren seien so eingerichtet, daß die zur Fest­haltung der Türen bestimmten Riegel und die nut ihnen in Ver­bindung stehenden, zu ihrer Bewegung dienenden Hebelvorrich­tungen, die Klinken, sich nicht leicht bewegen ließen; es müsse dies auch der Fall sein, um der Gefahr vorzu^ugen, die sich ergeben würde, wenn die Riegel sich infolge der Erschütterungen, welche die Wagen bei der Fahrt erleiden, von selbst bewegen würden. Es sei deshalb erfahrungsgemäß wenigstens für Per­sonen, die bartn keine besondere Hebung haben, eine nicht unerheb­liche Kraftmlstrengung nötig, um die Klinken einer Wagentür in die zu deren Leffnung erforderliche' Stellung zu bringen.

Daß der ursächliche Zusammenhang, der hiernaco zwischen dem Bahnbetrieb und dem Unfall des Klägers bestehe, nicht schon dadurch ausgeschlossen werde, daß das Schlüsselbein des Klägers infolge einer Krankheit ungewöhnlich brüchig war, sei von der Vormstanz zutreffend angenommen worden, sie habe auch in einwandfreier Weise auf die Folgen hingewiesen, die allein sich daraus zu Gunsten des Beklagten bei der Feststellung des dem Kläger zuzubilligenden Schadensersatzes ergeben könnten.

Eingesandt.

Für Form und Inhalt aller imtcr dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

S t r a B e n u n f u g.

Die bevorstehende Pflasterung eines Teiles der S t e i n st r a ß e macht sich auf höchst unangenehme Weise bemerkbar. Die zur Befestigung der Bürgersteige bestimmten Bordsteine sind nämlich schon seit längerer Zeit m der Weierflraße, dicht an der Ecke der Steinstraße, gelagert worden und bilden dort em Smelobjelt für die verehrliche Slraßenjugend. Neuerdings sind auf die Stein­haufen auch noch Bretter oder vielmehr Bretterwände gelegt ivorden zu welchem Zwecke, weiß wohl nur der Eigentümer und nun gehls stundenlang mit Halloh hinauf und hinunter, so daß den Änwohnern von dem Larin Hören und Sehen vergeht. Das städtische Tiefbauamt wird sicher nicht darum wissen, daß die Weserslraße als Materialienlasser benutzt wird. Wer mag aber dem Unternehmer die Erlaubnis dazu gegeben haben? Und wie lange soll der jetzige schaudervolle Zustand bestehen bleiben ?

sicherlich die Preise niedriger gewesen. Das z<

Vcrmeicbfcs.

* Wildbeobachtung vom Ballon aus. Lieber dieses Thema finden wir in derZeitschrift des Allgemeinen Deutschen Jagdschutzvereins" folgende interessante Ausführringen aus der Feder des Direktors des Deutschen Aeroklubs u. Frankenberg und Ludwigsdvrf:Als vassionierter Wridwonn ist es für mich höchst interessant, das Beirehmen der verichiedeneu Wildarten und Haus ticre vom Freiballvu aus tzü beobachten, nwhrend das Knattern der Molvrc und das Geräusch der Propeller im Luftschiff kaum Gelegenheit dazu bietet. Feldhühner habe ich mir in seltenen Fällen streichen sehen, da sie fich von einem großen Raubvogel bedroht glauben und 'besser hallen, nne in der ersten Zeit der Hühnerjagd. Haushühner laufen wie toll auf den Höfen herum und fliehen jed möglich en Unterschlupf auf. Wildenten bleiben meist ruhig auf den Gewässern liegen, zahnie Enten und Gänse besprechen in bekannter lauter Manier den unheimlichen Störensried. Tie Tauben flattern meist aufgeregt um den Schlag herum. Ein Füchslein war auf einer Waldblöße in tiefe Betrachtungen über das Wann und Wie des nächsten Hasenbratens wohl tret fünfen und so erschrocken, als ich ihn anrief, daß er nach allen Seiten hin und her schnürte, ohne den Weg in den rettenden Hochwald zu finden. Mau sieht, selbst solckw Schlaumeier können mal bei unvorhergesehenen Fällen den >wpf verlieren. Gelegentlich einer niedrigen Fahrt über die stimmungsvolle Schorfheide sahen wir an 150 Stück Rotwild in starken Rudeln stehen, die uns aber weiter keine Beachtung schenkten und erst auf mehrfaches Rufen hin zu Holze zogen. Bei 180 Meter Höhe konnten wir mehrere Kapitale ansprechen. In der Lüneburger Heide begleiteten Herrn v. Krvgh und mich längere Zeit zwei Störche, elegante Kreise neben und über dem Ballon ziehend, wolft um uns vor Augen zu führen, was wir doch nur für Stümperei treiben gegenüber ihrer vol­lendeten Flugkunst. Bei einer Ncachtfahrt im August mit Mond­schein über die hasenreichen Felder der Provinz Sachsen klang es uns zu, in geringer Höhe fahrend, wie ein permanentes Rauschen herauf, so stoben die Herren Lampe in Angst und Schrecken durch Rüben und Kohl auseinander, und in den Waldungen nördlich Celle pflanzte sich das Schrecken des Rehwildes 'wie ein weiter- gegebenes Losungswort in einer Postenlinie fort. Einen ge­heimnisvollen Zauber bewirkt auch der bald nahe, bald in der Ferne ertönte Ruf unsichtbarer Nachtvögel. Eigen ist die Tat­sache, daß es unmöglich ist, die Erdentfernung eines unter dem Ballon fliegenden Vogels annähernd richtig zu bestimmen aus größerer Höhe. Es hat meist den Anschein, als streiche der Vogel ganz dicht über dem Boden hinweg, wahrend er in Wirklichkeit seinen Flug in beträchtlicher Höbe vollführen mag. Ebenso ent­schwinden bei zunehmender Höhe die Unebenheiten int Gelände dem Auge. Natürlich erkennt man nur solche Erhebungen nicht, die gering sind im Vergleich zu der Flughöhe. Anderseits ist es schon vorgekommen, daß bei Hochfahrten von Berlin aus Alpen, Riesengebirge, Harz, Nord- und Ostsee alle auf einmal erschienen sind, was jedenfalls einen großartigen Anblick gewähren muß. Die günstigste Zeit für ornithologische Beobachtungen zur Unter­suchung des Dogelsluges liegt Ende März bis Anfang April, sowie Ende September bis Anfang Oktober, da zu dieser Zeit die meisten Vögel morgens und abeitds in Höhen bis zu 1000 Meter bei klarem Wetter ziehen."

* D i c Temperatur der Sonne. Die neuesten Er gebnisse der Untersuchungen über die Temperatur der Sonne werden von dem Professor Dr. Scheiner vom Königlichen Astro­physikalischen Observatorium in- Potsdam in einem zusammen - fassenden Bericht dargelegt. Die Temveratnrbestimmung der Sonne gehört, wie in dem in derNaturwissenschaftlichen Wochenschrift" enthaltene-tt Bericht ausgeführt wird, zu den schwierigsten Prob­lemen der Astrophysik. Noch vor zwanzig Jahren schwankten die erhaltenen Ergebnisse .zwischen 2000 und 10 Millionen Grad. Heutzutage ist eine befriedigende Lösung durch die von den Physikern auf dem Gebiete der Strahlungslehre theoretisch wie praktisch erzielten Fortschritte angebahnt worden. Zur Messung der Inten­sität her Sonnenstrahlung bedient man sich fren(Siebener Arten von. Instrumenten, Phrheliometer genannt. Da in unseren Gegenden für die Aufftellungskurve und die Ermittlung des. Wertes für die Zeiütstrahlung überaus störende Faktoren vorhanden sind, so ver­legte Professor Scheiner seine Untersuchungen von Potsdam nach einem Ort, her eine reinere Luft und konstantere meteorologische Verhältnisse besitzt. Er wählte die Spitze des Gorner Grats, wo er in 3136 Meter .Höhe zahlreiche Messungen vornahm. Es ergab sich als vorläufiges Endziel die efsektive Temperatur der Sonne zu 6200 Grad. Abgeschlossen wäre aber die Untersuchung erst durch die Ermittlung der wahren Temperatur der lichtaussendenden Schicht der Sonne, der Photosphäre, deren Temperatur höher sein muß, da ein Strahlungsoerlust bereits in der Somienatinosphäre ftattfinfcct, wie schon aus der geringeren Helligkeit des Sonnen randes sich ergibt. Gerade aus dem Helligkeitsunterscksied zwischen Mitte und Rand der Sonnenscheibe läßt sich der Strahlungsverlust ermitteln und damit auch die Temperatur der Photosphäre, für die 'man den Betrag von 7060 Grad erhält. Ten Fortschritten der modernen Physik haben wir es zu verdanken, daß wir von der Unsicherheit, die sich zwischen 2000 Grad und 10 Millionen Grad bewegte, zu diesem erstaunlich sicheren Wert gelangt sind. Es ist aber dem Professor Scheiner im Verein mit Wilsing gelungen, auch die Temperatur der um diele Lichtjahre von uns entfernten helleren Fixsterne zu ermitteln, und da ergab sich für die gelblichen Sterne, bereit Spektrum mit dem der Sonne identisch ist, auch sehr nahe derselbe Temperaturwert. Bei den rotenjslernen liegt die Temperatur beträchtlich tiefer, bei den weißen Sternen erhebt sie sich bis zu 11000 Grad.

Kleine Tageschronik.

Bei den Schießübungen der Artillerie in Wilhelms­haven wurde Matrofenartillerist Stuhr durch zu frühzeitiges Los­gehen eines Geschosses getötet und ein zweiter, ein Einjähriger namens Achelis, schwer verwundet. Vier andere Matrosen wurden leicht verletzt.

Die Ermordung der beiden deutschen Forsch- u n g s r e i s e n d e n B r u n h u b e r und Schmitz in China wird nunmehr vom Auswärtigen Amte bestätigt. Diesem ist jetzt darüber eine Meldung zugegangen. Die chinesische Staatsregierung hat eine Straiexpedilion abgesaudt.

In Schwarzbrunn spielte der 15jährige Schuhmacher­lehrling Markosch mit einem geladenen Revolver und zielte im Scherz auf einen 14 jährigen Kameraden. Die Waffe ging los und der Knabe fiel tot zu Boden. In der Verzweiflung über seinen Streich richtete Markosch die Waffe gegen sich selbst und verletzte sich so schwer, daß er nach wenigen stunden starb.

Bei Es neux , südlich von Lüttich, zerschellte ein Auto­mobil an einer Bahnmauer. Vier Personen wurden rötlich, zwei leicht verletzt.

Nach einer Meldung aus.Madrid jft dort vor einiger Zeit der aus Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Frankreich ausge- wiesene internationale Hochstapler und Schwindler Chevalier- Hoffmann gestorben, der in Madrid unter dem falschen Namen eines Goutier March lebte und ein großes Vermögen hinter­lassen hat.

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s. Marburg, 14. Mai. Die Straffammer verhandelte heute gegen einen Vogelnistkästen-Fabrikauten, der unter der An­lage des unlauteren Wettbewerbs und der Uebcrtrctung des WaTenzei ch eng escdes i'taiib. Ihm wurde zur Last gelegt, seine Nistkästen unter der BezeichnungBerlepsche Nisthöhlen" in seinen Katalogen angezeichuet zu haben. Der Beschuldigte machte geltend, daß er schon seit längerer Zeit, nachdem er deshalb angezeigt worden sei, seine Prospekte abgeändert habe und die vom Nebenkläger, einem rheinischen Nisthöhlen-Fabrikant, vor- gelegten Exemplare längst veraltert seien. Er erzielte kostenlose Freisprechung.

Flensburg, 14. Mai. Die Strafkammer verurteilte den Generalagenten Petersen in Graveustem, der in einer Nor- burger Wirtschaft die Nichte des dortigen Amtsvorstehers mit den Wortenverfluchtes deutsches Weib" beschimpft hatte, zu 500 Mark Geldstrafe. Der Staalsanwatt .hatte sechs Monate Gefängnis und sofortige Verhaftung beantragt.

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FOREÜMIHT

Wirksame Desinfektion der Mund- und Rachenhöhle; bestes Abwehr­mittel gegen Ansteckungsgefahr

Sem berg in E ii.ien, bie zu legt in Frankfurt a. M. wohnhaft ivar, sah, wie ein Cicihäni;cr feinen gefüllten Geldfack in die Rocktasche steckte. Sie stellte sich, als luollc sie Eier kaufen und wahrend der Händler in gebückter Stellung die Eier aus einem Korb nehmen wollte, nahm sie ihm den Beutel aus der Tasche. Der Händler merfte, daß es in seiner Tasche leicht wurde, saßte die slüchteirde Angeklagte, die ihm den Beutel wieder zuwars, und veranlaßte ihre Festnahme. Bei ihrer Einlieferung in das Arrest- haus und bei ihrer ersten Vernehmung nannte sie sich Feige Rosenbauni aus Lod;, wodurch falsche Einträge in die Register bewirkt wurden, weshalb die Anklage auch aut intellektuelle Ur­kundenfälschung ausgedehnt wurde. Für den Diebstahl wurde 1 Jahr Zuchthaus in Ansatz gebracht, während daS andere Ver­gehen mit 3 Monaten Gefängnis geahndet werden sollte, die in zwei Monate Znchthaus umgewandelt, mit 1 Monat in An­rechnung kamen und durch die Untersuchungshaft für verbüßt er­achtet wurde. In Anbetracht der Gememgefährlichkeit hielt es das (bricht fi'ir angezeigt, die Zulässigkeit der Polizeiaufsicht aus zu sprechen.

Nötigung und Urkundenfälschung.

Der Bürgermeister H. H. IV. von Helpershain war wegen "lohgung unter Mißbrauch bei Amtsgewalt und wegen Urkunden Mischung unter Anklage gestellt. Eine Witwe hatte beim Amts geridjt den Antrag auf freiwillige Güterversteigerung gestellt und her Angeklagte war mit der Beurkundung der Versteigerung be­auftragt worden. Die Eigentümerin hatte beftimmt, daß die Zah luitg des Crlöfes an die Spar- und Darlehnskasse zu erfolgen habe. Nach den Angaben der Frau hat der Angeklagte, der Äk- ^iouür der Spar - und Leihkaffe ist, sie zu bestimmen versucht, die -Lteigschlllrnge der zuletztgenannten Kasse abzutreten, indem er an^ab, er werde in diesem Falle nur die Ortsgerichtsgebühren berechnen, während bei der Zedierung an die Spar- und Dar­lehnskasse, die viel höhere -)ü>tariatsgebühren berechnen würden. Die Frau unter schrieb eine Zessionsurkunde an die Spar- und Leihkasse in der Annahme, der Beistand ihrer Kinder fei damit ein­verstanden, während letzterer die Urkunde unterschrieb, weil er «unahm, die Frau habe sich freiwillig zur Zedierung an die Spar­und Leih lasse entschlossen. Dic Unterschriften beglaubigte der Angeklagte und zwar die des Beistandes als vor ihm vottzogen, während die Unterschrift in Abwesenheit des Angeklagten erfolgt ist. Das letzte'-e gab her Angeklagte zu; er will aber fest davon überzeugt gewesen sein, daß der Mann die Unterschrift geleistet hat, da er ihn sowohl habe kommen, als auch habe fortgehen sehen, als die Unterschrift vollzogen worden ist. Im übrigen bestritt er, die Frau genötigt zu haben. Es konnte in dieser Beziehung auch Finne Verurteilung erfolgen, da es nicht ausgeschlossen war, daß hie Frau die Angaben des Angeklagten mißverstanden hat. Wenn auch die Aeußerung gefallen wäre, so könnte von einer Nötigung durch Mißbrauch der Amtsgewalt nicht die Rede sein, da von ihm ferne Zwangsmaßnahmen angedroht worden sind. Wegen der Urkundenfälschung mußte Verurteilung eintreten, da er nach seinen eigenen Angaben bei der Vollziehung der Unterschrift durch den Beistand nicht zugegen war, aber dennoch beglaubigte, daß sie vor ihm vollzogen worden ist. Für diesen Fall war hie Minimal­strafe von 1 Monat Gefängnis angezeigt; der Angeklagte soll derbedingten Begnadigung" empfohlen werden.

Jagdvergehen.

Tas Schöffengericht hatte den Maurer G. Sch. von Leisenwald wegen Jagdvergehens zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er in der Gemarkung Rinderbüge n in verdächtiger Weise bettoffen worden ist. Forstleute hatten den Angeklagten im Walde aus einer Richtung kommen sehen, wo kurz zuvor ein Schuß gefallen war, der nur von ein eilt Wilderer herrühren konnte. Ta der Angeklagte fchon mehrfach wegen Wilderei und auch schon wegen Widersetzung gegen Forstbeamte bestraft worden ist tmd am ge­nannten Tag eine Gesichtsmaske trug, war seine Anwesenheit im Walde auf Wildern zurückzuführeil. Ter Angeklagte verfolgte Berufung und bestritt jegliche Absicht, zu wildern; er will mit fernem Jlmgen einen Spaziergang gemacht und dabei etwas ver­loren haben, das er suchte. Die Gesichtsmaske will er einmal wegen einem Ausschlag und ein anderes Mal wegen der Fliegen getragen haben. Für das Gericht bestand kein Zweifel, daß der Angeklagte entweder den Schuß selbst abgegeben hat, oder daß er einen Begleiter bei sich gehabt hat, der ihn abgegeben hat. Zum mindesten mußte angenommen werden, daß er sich zum Aneignen von Wild in den Wald begeben hat und da jede diesbezügliche Tätigkeit zur Ver- urtcilung wegen Jagdvergehens genügt, mußte das Urteil seine Bestätigung siuden.

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Darmstadt, 15. Mai. .Heute mittag sand in Gegen­wart des Großherzogs und der Großherzogin die feier­liche Uebergabe der Zimmer des HochHeitsturmes der Aus­stellung statt.

Köln, 15. Mai. In einem Berliner Telegramm der Köln. Ztg." wird von einer Seite, die die Ansichten Bülows zu kennen vorgibt, erklärt, daß allem, was in der Finanzkommission vorgefallen sei, ein maßgebender Ein­fluß nicht zukomme. Das Plenum des Reichstages allein habe zu erwägen, was geschahen solle. Biilow bemühe sich keineswegs, eine neue Mehrheit zu bilden, und habe auch uicht die Absicht, die Reichssinanzreform mit einer klerikal- konservativen Mehrheit zustande zu bringen.

W i e n , 15. Mai. Das deut s ch e K a i s e r p a a r tritt seine Weiterreise heute vormittag 10 Uhr an. Kaiser Franz Josef wird das Kaiserpaar jedoch nicht nach dem Bahnhhf begleiten.

Budapest, 15. Mai. Die im Böhmerwalde belegcne Sommerfrische R a d s ch i n ist völlig niedergebrannt. Nur das Schulhaus blieb von den Flammen verschont.

Brüssel, 15. Mai. Der in allen Kunstkreisen un­liebsames Aufsehen erregende Verkauf der wertvollen alten Meisterwerke aus dem Besitz K ö u i g Leopold s wird von offiziösen Blättern mit der Motivierung bestätigt, der König beabsichtige, schon bei Lebzeiten seinen gesamten Besitz zu. liquidieren, um zu verhindern, daß nach feinem Tode die Gläubiger der Prinzessin Luise ihr Erbteil beschlagnahmen.

Paris, 15. Mai. Die Postbeamten und die ver­schiedenen Arbeiter-Organisationen haben gestern süns Ber- iammlungen abgehatten. In der von 700 Postunterbeamten besuchten Versammlnng wurde eine Tagesordnung ange­nommen, welche die Briefträger wegen ihrer Nichtbelet» ligung an dem Ausstand der Verachtung des Publikums preisgibt, weil die Briefträger durch ihre Haltung das Pub­likum glauben machen könnten, der Postdienst sei gesichert. Tie Versammlung sprach ihren Entschluß aus, den Aus­stand bis zur Erreichung des gestellten Zieles fortzusetzen. Auch die Beamten der 5^>auptstadt hatten sich zu einer ge­heimen Sitzung zusammeugesunden. Man gibt bei beit Streikenden noch incht die Hoffnung auf, die Beamten der Telegraphen-Zentrale zum Anschluß an den Ausstand zu bewegen. Tie Eisenbahnbeamten haben gleichfalls in ge­heimer Sitzung beschlossen, alte Beteiligten von Paris und Umgebung' für Montag zu einer geheimen Sitzung einzu- berufen. Gasarbeiter und Verkehrsbeamte werden über die Frage des Streiks nächster Tage ein Referendum ver­anstalten. Die Angestellten im Baugewerbe sollen zum so­fortigen Anschluß an den Ausstand entschlossen sein. Da aber diese Kategorie in den letzten Monaten bei ähnlichen Bewegungen bereits Mißerfolge ,;u verzeichnen hat, ist es fraglich, ob man noch einen dritten Verfuch machen wird.

Belgrad, 15. Mai. Im südslawischen Klub fand vor wenigen Tagen eine Versammlung terro­ristischer Nationalisten statt, unter denen sich auch drei Offiziere befanden. Tas Konventikel konstituierte sich als Fehmgericht über die Verräter an der serbischen Sache. Es fällte das Todesurteil über eine Reihe politischer Per­sönlichkeiten, die an dem nationalen Verrat von Agram und Cettinje beteiligt sein sollen. Unter Anderen wurde Fürst Nikolaus von Montenegro zum Tode verurteilt. Er­wirb beschulbigt, durch Mitteilungen die Aufmerksamkeit der österreichisch-ungarischen Regierung auf die Absichten der groß-serbischen Organisation gelenkt zu haben. Auch über zwei Beantte in Agram wurde das Todesurteil in Agram gesprochen.

Konstantinopel, 15. Mai. Entgegen offiziösen Meldungen, daß in den asiatischen W i l a j e t s überall die Ruhe wiederhergestellt sei, veröffentlichen hiesioe Blätter Tepefchen, baß in Erzerum bie Lage wreber sehr ernst sei. Tie borkige Garnison verweigert beit Ge­horsam. Die Haltung der Bevölkerung ist eine brohende.

Saloniki, 15. Mai. Die Lage in Ipek verschlech­tert sich. Jnfolgebessen mußten von Milrowitza starke Truppenabteilungen borthin entsandt werden.

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sind zurückgegcmgen, das oerursachl flockenden Handel. Wenn bie Calle, alles Wachslnm hemmende Wetterlage, die in den Nächten immer noch das Thermometer unter Nnll treibt, weiter anhält, so flehen die Anssichlen 'ür die Heuernte sehr schlecht. Ein weiteres Sinken der Rindviehvreiie fleht bann mit Sicherheit ,;u ermarten.

Qaitöel unOf Verkehr, Volkswirtschaft.

N en eReichsan leihen und K onfol s. Bis gestern mittag sind etwa 75 Prozent auf die neuen Anleihen vollgezahlt. Weitere Vollzahlungen sind angemeldet. Die Vollzahlungen ber­teilen sich fast gleichmäßig aus bie 4 prozentigen und die 31/2 pro -einigen Anleihen.

Breslau, 14. Mai. In der Generalversammlung der O b e r > ch l e s i s ch e n Eisen-Aktiengesellschaft in Frie­denshütte wurde die Dividende auf IV2 Prozent festgesetzt, lieber die Geschäftslage wurde berichtet, daß für die Oberschlesischeit Werke schon seit längerer Zeit nicht genügende Aufträge eingehcn und daß die Verkaufspreise der Fabrikate schon seit längerer Zeit Die Selbstkosten nicht erreichen. Um die schwierige Lage der ober- schlesischen Eisenindustrie zu erleichtern, müßten die Kohlenpreise wesentlich herabgesetzt und auch die Eisenbahiitarife van Stettin nach Lberschlesien ermäßigt werden. Die polnischen Werke er» zielten infolge der Stabeisenvereinigung etwas höhere Preise.