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Die heutige Nummer umfatzt 18 Seiten.
Kaiserin und des gesamten kaiserlichen und königlichen Hauses.
Das Kaijerpaar in Wien.
eit, doch
Wortes zur Bekräftigung dieser Kennzeichnung des heutigen Dreibundes bedarf, so möge man nur die Stimmen des Auslandes hören. Der „Teinps" sagt in einer Besprechung der Monarchenzusammenkünfte von Brindisi und Wien: Der
Eine Monarchcnbegegnung von besonderer Bedeutung, wie sie unserer an Monarchenbcgegnunyen sonst nicht armen ' . '
selten ist, hat am gestrigen Freitag in Wien stattgefunden. Die letzten Balkanereignisse haben dieser Monarchenbegegnung ihre ganz besondere Note gegeben. Ueber die Monarchenbegegnung selbst meldet man uns Nachstehendes: Zum Empfang des deutschen Kaiserpaares war Kaiser Franz Josef persönlich zum Bahnhofe gekommen. Beim Betreten des Bahnsteiges spielte die Musik- kapelle der Ehrenkompagnie des 101. Infanterie-Regiments die Volkshymne. Der Kaiser Franz Josef schritt die Front ab und zog dann die Erzherzögc und die anderen zum Empfang Erschienenen ins Gespräch. Punkt 10 Uhr fuhr der aus 19 Wagen bestehende Dofsonderzug in die Halle. Der Kaiser war dicht an das Geleise herangetreten. Die Musik intonierte „Heil dir im Siegerkranz". Dem Zug entstieg »uerst die Kaiserin Auguste Viktoria. Kaiser Franz Josef war der Kaiserin beim Aussteigen behilflich und küßte ihr die Hand, worauf die beiden Kaiser sich küßten. Hierauf begrüßten die Kaiserin und der Kaiser die Erzherzöge und die Erzherzoginnen in herzlichster Weise. Sodann begrüßte das Kaiserpaar alle anderen Herren und Damen, die zum Empfang erschienen waren. Hierauf trat Bürgermeister Dr. Lueger aus den Kaiser zu und sagte:
-rchie befreien. Man war sich in den letzten Fahren etwas fremd geworden: man glaubte nicht mehr so recht an die un- ibnxisliche Notwendigkeit des Bündnisses, das beiden Böllern jahrzehntelang den Frieden erhalten hatte. Atan rechnete schon hüben und drüben mit einem baldigen Zerfall Les Dreibundes, und noch während der letzten Oricntro-irren fehlte es nicht an Stimmen, die dem Deutschen Reiche, in Lester Absicht, rieten, die größte Zurückhaltung zu wahren. Man wies darauf hin, daß die Balkanangelegenheit lediglich eine Sache der Donaumonarchie sei. Glücklicherweise hat die deutsche Reichsreaieruna solchen Stimmen nicht Gehör geschenkt. Sie hat sich offen und ehrlich an die Seite des österreichisch-ungarischen Bundesgenossen gestellt, und bewirkte hierdurch, daß Europa von einem folgenschtveren, blutigen Kriege verschont blieb. Der Dreibund aber ist aus diesen Balkanwirren neug'stärkt und gefestigt hervorge- gangeu, denn auch Italien — zumindest das offizielle — hat jetzt ein gesehen, daß der Dreibund noch immer die beste Garantie des Friedens ist. In diesem Sinne kommt den jetzigen Besuchen unseres Kaisers in Brindisi und Wien ihre große historische Bedeutung zu. Diese Monarchenbegegnungen dokumentieren der Welt aufs neue die Festigkeit des Dreibundes. Das kam auch in den Wiener Trinksprüchen am
„Der Bürgermeister der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien ist der Dolmetsch der ganzen Bevölkerung, wenn er dem Danke für die Bundestreue Eurer Kaiserlichen Majestät, sowie der Freude Ausdruck gibt. Eure Majestät und Ihre Majestät die Kaiserin in Wien aufs herzlichste begrüßen zu können."
Kaiser Wilhelm erwiderte mit herzlichen Worten des Tankes.
Nach der Vorstellung des beiderseitigen Gefolges wurde die Ehrenkompagnie abgeschritten. Hierauf verließ die Kaiserin am Arm des Kaisers Franz Josef und Kaiser Wilhelm mit der Erzherzogin Maria Ännunccata den Bahnsteig, ihnen folgten die übrigen höchsten Herrschaften. Tie Maieftäten bestiegen die bereitstehenden vierspännigen Prunkwagen a la Taumont mit Vor- intb, Stangenreitern in reicher Gala. Im ersten Wagen nahmen Kaiser Wilhelm zur Rechten des Kaisers Franz Josef, im zweiten die Kaiserin Auguste Viktoria mit der Erzherzogin Maria Annun- ciata Platz. In ihren Hofequipaaen folgten Die Mitglieder der Kaiserfamilie. Beim Herannahen r Wagen spielten die Militärkapellen ,,Heil dir im Siegerkranz". Tas Publikum brach in enthusiastische Hochrufe aus, die sich längs des ganzen Weges fortsetzten. Die Majestäten dankten unermüdlich für die begeisterten Huldigungen. Die Wagen fuhren über den Wienergürtel, durch die Alleegasse über den Karlsplatz und durch die verlängerte Käricknerstrafte und Ringstraße in die Hofburg. Am Fuße des Schwarten Adlerstiegs empfingen die Majestäten Oberhofmeister ä'ürst Montenuevo unb Ober-Zeremonienmeister Graf Goloniewski.
m Pietradurazimmer erschien zum Empfang der Minister des eußern Frhr. v. A e h r e n r h a l, die obersten Lofchargen, die Garbekapitäne, Ministerpräsident Frhr. Bienerth und Ministerpräsident Dr. Weckerle, Reichskriegsminister v. Schoenaich, Reichs- finanzminister Frhr. v. Burian, der Hofmarschall in Ungarn Graf Ludwig Apponyi, die Hofdienste, Generaladjutant Frhr. v. Bolfras und die Palastdame Fürstin Trauttmannsdorff.
Kaiser Franz Josef geleitete nach der Ankunft des deutschen Kaiserpaares den Kaiser und die Kaiserin in ihre Gemächer. Kaiser Wilhelm stattete bald darauf Kaiser Franz Josef einen Besuch ab. Später besuchte Kaiser Wilhelm die hier weilenden Mitglieder des Kaiserhauses und verweilte beim Erzherzog Franz Ferdinand über eine halbe Stunde. Um 1 Uhr mittags fand Allerhöchstes Familiendejeuner statt.
Bei dem Galadiner, das abends um 7 Uhr in der Hofburg statt fand, brachte KaiserFranzJosef folgenden Trankspruch aus:
Freitig voll zur Geltung, noch mehr aber in dem Tepeschen- wechsel zwischen Kaiser Wilhelm, Kaiser Franz Josef und dem Könige Viktor Emanuel. Wenn es noch eines weiteren
Die Antwort Kaiser Wilhelms lautete:
„Euerer kaiserlichen und 'königlichen apostolischen Majestät huldvoller warmer Willkommengruft hat uns, die Kaiserin, meine Gemahlin, und mich in tiefer Seele beioegt und gerührt. Empfangen Euere Majestät meinen innigsten Dank für diese Worte wahrer und edler Freundschaft. Ein Menschenalter ist vergangen, seitdem Euere Majestät mit meinem in Gott ruhenden Hern« Großvater den Grund zu dem Freundschastsbund gelegt haben, der bald darauf zu unserer hohen Freude durch Italiens Beitritt erweitert wurde. Welcher Segen auf diesem Bunde geruht hat, das wird dereinst die Geschichte künden. Alle Welt weift aber sck>on heute, wie wirkungsvoll gerade in den letzten Monaten dieses Bündnis dazu beigetragen hat, ganz Europa den Frieden zu erhalten. Was damals begründet worden ist, steht heute fest gewurzelt in den Herzen unserer Völker. Euere Majestät wissen, wie spontan hüben und drüben, in Oesterreich-Ungarn, wie in Deutschland, die Stimmung war, als sofort unser treues und geschlossenes Zusammenstehen nach Außen hervortrat und als die Kaiserin und ich heute früh durch Euerer Majestät im Frühlinas- schmuck prangende Residenzstadt Wien unseren Einzug in die altehrwürdige Burg hielten, da klang uns aus .den Alt-Wiener Herzen brausender Jubel entgegen und mächtig war der Wiederhall, den dieser Jubel in unseren Herzen fand. Ich darf mich ja -rühmen, hier kein Fremder zu sein. Seit ich als junger Prinz mick zum erstenmal Euerer Maiestät vorstellen durste, hat es mich immer wieder in die Nähe dec allhochverehrten Person Euerer Majestät gezogen, wo mir stets unwandelbare Güte und Freund-- schast zuteil wurde. Unauslöschlich lebt in meinem Herzen die Erinnerung an die Aufnahmen, die ich in Euerer Majestät weitem Reich, sowohl hier, als bei dem ritterlichen Volke der Magyaren allezeit gefunden habe. Mögen unter dem glorreichen Szepter Euerer Majestät die Gefühle und Gesinnungen treuer Freundschaft bis in die fernste Zukunft bestehen. Mögen sie stets das unzerreißbare Band zwischen uns und unserem Reiche bilden zum Heil unserer Völker und zur 'Wahrung des Friedens. Mü diesem Wunsche erhebe ich mein Glas und trinke auf das Wohl Euerer Majestät. Gott segne und erhalte Euere Majestät und Ihr erlauchtes Haus!"
Nach dem Toast des Kaisers Franz Josef wurde die preußische Hymne, nach dem Toaste Kaiser Wilhelms die österreichische Volkshymne gespielt. Die beiden Monarchen drückten einander herzlich die Hand.
Im Laufe des Nachmittages ist folgendes gemeinsame Telegramm Kaiser Franz Josefs rntb des deutschen Kaisers an den Königvon Italien abgegangen: „Unsere Begegnung bietet uns einen neuerlichen Anlaß, unseren erhabenen Verbündeten und Freund zu begrüßen und ihm den warmen Ausdruck unserer unveränderten Freundschaft zu übermitteln," Der König von Italien erwiderte das Telegramm Kaiser Wilhelms und Kaiser Franz Josefs mit folgender Depesche: „Bin Euerer Majestät sehr dankbar dafür, daß Sie mit dem öickiser, unserem gemeinsamen Verbündeten und Freund, des Willens gewesen sind, mir den Ausdruck Ihrer unwandelbaren Freundschaft zu übersenden. Diese Freundschaft ist mir sehr teuer. Ich versichere Euerer Majestät, daß sie in meinen Gefühlen austichtigen und vollen Widerhall finbet. Victor Emanuel."
Im Laufe des Nachmittags gaben beim Wiener Hofe dis beglaubigten Botschafter und Gesandten ihre Karten für den deutschen Kaiser und der Kaiserin ab. Um 3 Uhr nachmittags stattete die Kaiserin der Erzherzogin Adelgund« einen Besuch ab. Der Kaiser war auf ollen Ausfahrten Gegenstand begeisterter Huldigungen.
Sämtliche Wiener Abendblätter konstatieren den besonders hohen Grad der Wärme und die Herzlichkeit, mit der der deutsche Kaiser und feine Gemahlin von der Wiener Bevölkerung emp- sangcn wurden. Noch niemals sei einem Fürsten eine solch herzliche Begrüßung geboten worden, wie heute dem deutschen Kaiser.
Das „Fremdenblatt" sagt: Es war ein herzliches Bedürfnis der Bevölkerung, dem treuen Bundesfürsten unseres Kaisers ihre Liebe und Verehrung darzuttm: diese Huldigung Wiens zeigt, welche tiefe Wurzel das Bündnis mit dem deutschen Reiche in den weitesten Schichten der Bevölkerung geschlagen hat. Der heuttge Tag ist ein Gedenktag für uns, aber auch für den Frieden. Die „Neue Fr. Presse" sagt: Was sich heute entfaltete, war kein' blotzes Schauspiel, keine bloße Augenweide, es war eine große Volksdemonstration, in der die Gefühle aller Einzelnen zusammengeflossen, und, wie alles Große, ergreifend 'und erhebend wirkte Bezüglich 'des deutsch-österreichischen Bündnisses stimmen sämtliche Erwägungen der Diplomatie und überwallendes Gefühl vollkommen untereinander überein. Das Bündnis, das nach einem Menschenalter viel frifdjer erscheint als einst, trägt die Unterschrift nicht nur derjenigen, die es vereint haben, sondern in großen deutlichen Zügen die Unterschrift der Völker und bedeutet Macht und Frieden; es hat.feine große Vergangenheit und seine große Zukunft.
Die „Wiener Abendpost" schreibt: Mit inniger Freude und mit verehrungsvollen Empfindungen sieht die Bevölkerung Wiens den Herrscher des mächtigen deutschen Reiches und seine erlauchte Gemahlin in den Mauern der alten Kaiserstadt. Die Bürgerschaft erblickt in dem Besuche des deutschen Kaiserpaares eine erneute, höchst eindrucksvolle Kundgebung jener treuen innigen Freundschaft, die die beiden Herrscherhäuser und verbündeten Reiche vereint. Wärmer denn je sind .die Empsindungen, die heute den hochverehrten kaiserlichen Gästen hier und im ganzen Reiche entgegenschlagen, nachdem in der letzten bewegten Epoche der internationalen Politik das Bündnis mit dem deutschen Reiche sich als kostbare Friedensbürgschaft, als Segen deS Weltteils bewährt hat. Die Völker der habsburgischen Monarchie würdigen auch mit freudigem Danke jene persönlichen Empfindungen, die der deutsche Kaiser unserem erhabenen Herrn entgegenbringt, denen Kaiser Wilhelm bei der Begrüßung der deutschen Bundesftirsten im Jubeljahre so herzbewegenden Ausdruck verliehen hat. Dem hochsinnigen Herrscher mü) der erhabenen Frau, die ihm in Hoheit und Milde zur Seite steht, bringt die Stadt ihre ehrfurchtsvollen huldigenden Grütze dar.
Der Deutschnativnale Verband der Abgeordneten hielt mittags anläßlich der Ankunft des deutschen Kaiser- paares erne Sitzimg ab in welcher der Vorsitzende Sylvester in einer Ansprache, die stehend angehört wurde, betonte, der Besuch Ks Kaisers, dem heute alle deutschen Herzen in ganz besonderer Begeisterung entgegcnjuMn ,CI nicht nur eine gründ feste Bürg- !&VUr bcce sreuridnachbarlic^m Beziehungen zwischen den beiden machttgen Reichen, er fei auch ein weithin leuchtender und wir- kender Msdruck der <ymugfeit des deutsch-österreichischen Bünd- ni,»es. Wahrend ringsum feindselige Kräfte an der Arbeit waren
eu'^ schwere Kriegsgefahr zu stürzen, sagte Sylvester, stand da» Deutsckw Reich durch beit Willen Kaiser Wilhelms und 1 einer Ratgeber und in voller Übereinstimmung mit
was ihr gefehlt hat, war eine ausdauerndere und llügere militärische Politik.
Der französische Poststr.eik f.leint dieses Mal noch weniger Erfolg zu haben, als der letzte. Es ist den unzufriedenen Postbeamten wider Erwarten nicht gelungen, einen Generalstreik zu inszenieren. Der Poststrcik ist damit schon jetzt als gefdjeitert zu betrachten, wenn die Postbeamten, wie es ]d)eint, auch noch nicht die Hoffnung aufgegeben haben, durch ihren Widerstano etwas zu erreichen.
In Serbien macht der gewesene Kronprinz Georg wieder einmal von sich reden. Er will wieder Kronprinz werden und sein werter Herr Papa scheint sich auch dieser neuen Laune seines Sprößlinas fügen zu wollen. Im serbischen Bolte ist nun allerdings wenig Neigung vorhanden, den Prinzen Georg wieder als Thronfolger verehren zu müssen. Man war seinerzeit herzlich froh über .i Verzicht und dachte nick)t im entferntesten daran, — ... c Prinz Georg gehofft hatte — ihm ein Vertrauensvotum zu geben oder gar ihn zu bitten, von dem Verzicht aus die Thronfolge abzusehen. E. A.
politische wecken scharr.
Gießen, den 15. Mai.
Großes Ansehen hat der deutsche Parlamentarismus in der heutigen bescheidenen Zeit des Fortwurstelns nicht genossen, aber wie sehr er darniederliegt, das ist in der Finanzkomrnission am Donnerstag mit erschreckender Deutlichkeit zutage getreten. Jeder Tag der Verzögerung der Rcichsfinanzreform vermehrt die Reichsschulden um iy3 Millionen Marr, und doch haben Regierung und Parlament nun schon Monat um Monat verstreichen lassen, ohne auch nur ope geringste zu leisten. So geljt es nun schon ein halbes Jahr lang. Die Finanz- kommissiou ist fleißig und bildet sich was drauf ein, daß sie Tag für Tag zusammenkommt, um — leeres Stroh $u dreschen. Was heute angenommen wird, wird morgen über den Haufen geworfen. Heute stimmt man für Die Wertsteuer auf Tabak, morgen für die Banderole und übermorgen ist es hrieherum etwas anderes. Es ist eine Plcm- und Ziellosigkeit, die geradezu unglaublich ist. Vor lauter taktischen Finessen scheint man es förmlich vergessen zu haben, um was es sich bei den ganzen Beratungen eigentlich handelt. Der Block ist ja nun glücklich endgültig auseinander gefallen. So haben es die Konservativen gewollt. Offenbar wollen sie die Finanzreform nun mit dem Zentrum und den Polen allein machen. Das Zentrum soll ja auch schon seine schönsten Finanzvläne bereit haben. Nun kommt es nur daraus an, wie sich der Reichskanzler dazu stellt. Wird Bülow stark bleiben und den Mut bedien, den Kumpf mit den Konservativen bis zum bitteren Ende durchzukämpsen oder sieht er sich schon — wie die Kölnische Zeitung boshaft fragt — nach einer neuen conditio sine qua non um? Wer kann es den Liberalen unter diesen Umständen verdenken, wenn sie ihre fernere Mitarbeit an der Finanzreform aufgaben, sofern Fürst Bülow nicht eine bündige Erklärung über seine Absichten abgibt Es ist in den letzten Tagen schon viel von Verhandlungen hinter den Kulissen die Rede gewesen, von Verhandlungen zwischen der Regierung und den Konservativen. Die Kreuzzeitung leugnet das zwar ab. Nun, man wird ja sehen, was die nächsten Tage bringen. Jn dem einen oder anderen Sinne wird nun allerdings die Entscheidung fallen müssen, zumal such die Nationalliberalen fest bleiben und sich nicht auf die konservativ-klerikale Seite hmüberziehen lassen wollen. Sehr richtig sagt die Nationalliberale Korrespondenz „wir müßten uns um allen Kredit im Volke bringen, wenn wir nun einfach einschwenkeu sollten; aus keinem anderen Grunde schließlich, als weil der starke Arm oder der große Mund der Agrardemagogen es so wollen." In den nächsten Tagen nrirb übrigens der Zeutralvorstand der nationalliberalen Partei zur gegenwärtigen Lage Stellung nehmen. Schlimm, sehr schlimm aber kann es )verben, wenn die Regierung den Konservativen und dem Zentrum wirklich nachgeben wollte. Bülow brächte sich bann um alles Vertrauen unb alle Sympathien im Volke. Das will ja bei uns freilich nicht sehr viel besagen, denn es ist schon mehr als einmal auch so weiterregiert worden. Aber Bülow täte doch aut daran, sich auf solche Experimente nicht einzulassen, die schließlich nur ben Feinden des Reiches zum Vorteil ge- -reichen würden.
Wie es heißt, soll nun die Absicht bestehen, den Reichstag ■auf vier bis sechs Wochen zu vertagen, um der Finanzkom- anission Zeit zur Arbeit zu lassen
Von allen Unerfreulichkeiten unserer augenblicklichen innerpolitischen Lage wandet sich der Blick einem Vorgänge su, der in mehr als einer Beziehung von Bedeutung ist. vs handelt sich um den Besuch unseres Kaiser- Haares in Wien. Die Herzlichkeit, mit der das deutsche Haiserpaar dieses Mal in der österreichischen Kaiserstadt empfangen worden ist, mar groß unb echt. Das war nicht die bloß äußerliche Hurrastimmung, wie man sie sonst so »ft bei Monarchenbegegnungen erlebt, das ioar mehr. Die Wiener jubelten dem deutschen Kaiserpaare zu, und dieser Jubel war nur der Widerhall her innerestn Empfindungen, die die Völker des Deutschen Reiches unb her Donaumon-
seitens aller seiner Mitglieber. Der glänzenbe Erfolg I heiße ich Euere Majestät aufs herzlichste willkommen unb erhebe welchen bie Orientkrise her österreichisch-deutschen Politik I mein Glas auf das Wohl Eurerer Majestät, Ihrer Majestät der eingetragen hat, ist geeignet, ben bisweilen etwas stocken- „„s "
ben Eifer des dritten Alliierten anzufachen. Dieser Erfolg muß für alle die Lehre bilden, daß es kein dauerhaftes unb fruchtbares Bündnis ohne gegenseitige Dienste unb ohne feste militärische Grundlage gibt. Die französisch-russische Allianz, welche moralisch durch die englische Entente gestärkt wird, hat denselben inneren Wert wie der Dreibund. Aber
?Blatt ISV.Aahrgarrs Samstag 15* Mai 1909
erscheint täglich,"außer fö yrf’ ft f
Sonntags. - Beilagen: ▼ n'.onaUich7bPt., viertel-
viermal wöchentlich Ä A AA jsS A A Jk. A jk A A. A jährlich Mk. 2.20; durch
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„Den Besuch, den Eure Majestät in Begleitung Ihrer Majestät dcr Kaiserin mir heute abzustatten die Güte Haven, erfüllt mich mit wahrer herzlicher Freude und bietet mir den sehr erwünschten Anlaß meiner hohen Genugtuung Ausdruck zu verleihen, daß es mir vergönnt ist. Eure Majestät, den beharrlichen Förderer aller FriedensbLstrebungen, in einem Augenblick begrüßen zu dürfen, da der im verstossenen Winter manchen Gefahren ausgesetzte Friede wieder gesichert erscheint. Mit tiefer, aufrichtiger Dank- berrtert gedenke ich "hierbei ber neuerdings in glänzender 38eise erfüllten bnndessreundliäxm Haltung des Deutschen Reiches, dessen stets hilfsbereite Unterstützimg die Erfüllung meines innigen Wunsches in so hohem Maße erleichtert hat, alle entstandenen Schwierigkeiten ohne kriegerische Verwickelungen auszugleichen. Waren auch alle Mächte einig in diesem redlichen Bemühen, ist cs doch vor allem der unerschütterlichen Bundestreue meiner hohen Freunde und Verbündeten, Euerer Majestät und Seiner Majestät des Königs von Italien, zu danken, wenn wir heute mit ungetrübter Befriedigung auf die erzielten Erfolge blicken können. In der sicheren, durch eine auf drei Dezennien zurückreichende । Erfahrung begründeten Zuversicht, daß das kostbare Gut desFriedens . . . . - . auch künftighin die sicherste Bürgschaft in den dauernden und innigen
Treibund war der Gegenstand feierlicher Kundgebungen I Beziehungen finden wird, die uns und unsere Völker verbinden.


