Erstes Blatt
159. Fahrgang
Die heutige Nummer umsagt 18 Seiten.
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für ^oljdjfe (ton|.) 9639 Stimmen, für Paspel (soz.) 7556 Stimmen und für Schoeppe (liü.) 6377 Stimmen abgegeben.
Es ist also Stichwahl zwischen dem Konservativen unb dem Sozialdemokraten erforderlich.
Bei der Wahl im Jahre 1907 hatten die Konservativen im ersten Wahlgang mit 13 828 Stimmen gegen 6176 freisinnige und 6477 sozialdemokratische Stimmen gesiegt.
2.65 bis 6.50 Mk. 2.05 bis 4Ä tVafiel nnd Chenh*
— Ein N a chs Piel zum Gerhard Hauptmann- Jnterview. Vor einigen Wochen erregte in der literarischen Welt ein Interview großes Aussehen, das ein Redakteur aus Lalle mit (Mxtrb Hauptmann daselbst hatte und m dessen Verfolg der Interviewer bemerkenswerte Aeuherungen Hauptmanns über die deutsche Kritik, seine Stellung in der deutschen Literatur veröffentlichte. Hauptmann sandte daraufhin, wie bereits mitgetetft, an das Berliner Tageblatt ein Telegramm, in dem er gegen diese Beröffentliämug scharf Stellung nimmt. Nunmehr hat der Schriftsteller und Redakteur Matt in Feuchtwanger in Halle gegen Gerhard Hauptmann Beleidigungsllage tror dem Amtsgerubt Berlin-Mitte angestrengt. Als Anrgen sind geladen; die ChefrÄmktrure Th-wdar Wolff vom Berliner Tageblatt und Wilhelm Georg von der Saale-Zeitung in Halle. Feuchrwanger behauptet, daß sich der Inhalt des von ihm veröffentlichen Interviews auf steiwgraphische Notizen stutzt, die er sich während des Gesprächs mit Gerhard Hauptmann gemocht habe.
— Ausgrabungen. Die Griechische Gesellschaft für Archäologie läßt durch Dr. Arvanitopoulos Ausgrabungen auf der Stätte von Pagaiae in Thessalien ausftihreu. Außer Resten aus neuerer (türkischer) Zeit fand man lunädn't die Akropolis, die auf einem hohen Berge am Südwestende von Vagasae liegt, und grub aus ihr den kostbaren Fußboden eines antiken, wohl von einem der Könige von Pherae errichteten Tempels aus. Ter „Globus" erwähnt diese Grabungen aber hauptsächlich deshalb, weil unter dem Tempel zahlreiche Spuren einer prähistorischen Ansiedelung aus der Bronzezeit gefunden sind, beten Baulichk.'iten in ihren unteren Teilen sehr gut erhalten sind. Tie Ausgrabungen werden fortgesetzt werden.
Samstag 13. November 1909
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Nr. 267 f et fleBencr anjetgtt •rfdbetnt täglich, aufeer eonnlßflS. - deüaqen: ■terinal rooebenthd) OlthenerZamilienblStter; lütunalroochentl.Kids« jlati für den Urett Siehen (iiendlagunb Freirag); »weimal monatl. land» ilri|d}aftli4?e3eitfragen Herniprech-Anschlüsse: fcr die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Udresse tür Depeschen: «nzetger Gießen.
vortreten der Qualitäten der Over gewährleistet wurde, ohne irgendwie zu ernüchtern. Im Gegenteil, uns schien die Wirkung nur umso tiefer. Auch das Orchester, das von Hofral de Haan höchst schneidig geleitet wurde, war seiner 2lusgabe vollkommen gewachsen.
So kam uns denn auch gestern die holde Romantik des deutschen Waldes greifbar nahe, und wenn auch einige kleine Unebenheiten, ime z. B. im Brautlisd vorkamen, so blieb doch im ganzen der tiefe Eindruck einer nachhaltigen Wirkung. Die einzelnen Leistungen der Singer waren ebenfalls rühmenswert, wenn auch der Souffleur manchmal unangenehm störte. Herr Hässel sang den Ottokar nicht uneben, wurde aber durch den Kuno des Herrn Hoff, der über einen sckstinen, klaren Baß verfügt, nicht unwesentlich übertroffen. Frl. Geyersbach sang die Agathe mit Wärme unb Anmut unb würbe mehrmals bei offener Szene mit starkem Beifall ausaezeichnet. Frl. Meyer war als Aennchen recht liebreizend und neckisch. Der Max des Herrn Hacker war aber nicht ganz auf der Höhe. Eine Indisposition zwang ihn anscheinend zu größerem Kraftaufwand, wodurch die Stimme etwas gequetscht wurde. Herr Stephani war ein überzeugender Kaspar, schien aber den Text nicht immer zu beherrschen. Hübsch war auch der Eremit des Herrn Ungibauer und der Kilian des Herrn de SeeuDe. Sonst sind noch die Damen Hq a n, Birkholz, Stallmann und Füller als Brautjungfern zu erwähnen, wenngleich die zweite Strovhe z. B. recht mäßig vorgetragen wurde. Recht ansprechend war der Jägerchor, der auch flott unb selbständig zu spielen vermochte. Ter Kontakt zwischen Bühne und Orchester wurde von Hofrat de Haan wohl gewahrt. Alles in allem eine Aufführung, dieWebers herrlicke Musik sehr schön zur Geltung brachte.
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Die Gesterreichische Krife.
Wien , 12. Nov. In der heutigen Sitzung des P o l e n - klubs stellte der Obmann, Abg. v. G-lombinski, fest, das; das über die Audienz des Landsmannministers Du- lemba beim Kaiser veröffentlichte offizielle Kommunique ungenau sei, wodurch zahlreiche Mißverständnisse entstanden seien. Hieraus erklärte Dulemba, der Kaiser habe sich bei der Audienz dahin ausgesprock)en, daß die Do r w Ü r s e, die Regierung hätte eine slawenfein d f e lige Stellung eingenommen, vollkommen unbegründet seien. Ferner habe der Kaiser gesagt, daß er alle Völker, die sich unter seinem Zepter befinden, mit gleichem Wohlwollen behandele. Mit ganzem Nachdrucke habe er betont, er hätte niemals zugelassen, daß seine Regierung eine antislawische Politik geführt hätte.
In der Abendsitzung des Polenklubs sprach sich btt Führer der polnischen Wolkspartei füst die Rekonstruktion des Kabinetts Bienerth aus; andernfalls könne seine Partei die Politik der Majorität des Klubs nicht mitmachen. Temgegenüber erklärte der Obmann G l o m b i n s k i, der jetzige Augenblick sei für eine derartige Debatte nieht geeignet, zumal er begründete Aussicht habe,- seine Wermittelungsaktion zu einem geeigneten Ende zu führen, so daß es weder Sieger noch Besiegte geben werde.
(ßicfjciict* Stadrtheater.
Der Freischütz.
Romantische Oper von F. Kind.
Musik von C. M. v. W e b e r.
Die Aufführung des alten unb doch ewig jungen Frei- shütz hat uns wieder einmal gezeigt, wie tief Webers Dönes Können im deutschen Volksempfinden wurzelt. 6d der ersten Aufführung hatte man dem Werk als einem ^deutschen stürmisch zugejubelt und heute, nach fast 100 Zchren übt es immer noch den alten Reiz auf die Zu-- icauer aus. Heine hatte damals davon gesprochen, daß alle Welt von dem Freischütz begeistert wäre und nun ist sie kr heute noch. Ter einfache, schlichte Vorgang, der tief die geheimsten Regungen unserer Volksseele greift unb <uis ihr her vor gewachsen ist, ist in seiner Einfachheit so liis durchdrungen von echter Poesie, daß sich wohl nie- inanb seinem Reiz entziehen kann. In klarer, süßer An- >nut greifen die Töne ineinander und formen sich zu ein» dinglichen, lauteren Melodien. Wie ttinstvoll ist die Jn- fcyumcntntion. Wahrlich mancher unserer Neueren und Neuesten könnte von diesem Meister lernen, was Musik ist.
Die gestrige Aufführung machte vor allem den Ein- dwck einer sorafälng erwogenen unb geistvoll ausgear- Hteten Darstellung, die denn auch reichlichen Beifall fand, ^te Soli waren im allgemeinen gut besetzt und der Chor K^igte, wenn er auch seiner Stimmenzahl nach etwas schwach t^ar, von einer erfreulichen, gut gearbeiteten Schulung, ^■e aller Anerkennung wert ist. Die Regie des Cber- rrgisseurs Walbeck arbeitete mit Ausnahme der Szene bei Wolfsschlucht, die großartig bargestellt wurde, mit fm emsächsten Mitteln, wodurch ein außerordentliches Her-
iu;millul)teit neu gestuzt, daß in Berlin und London taisäck). (id> ein Abkommen über die Flottenrüstungen geplant wird. Das wäre bann bie erste, schwerwiegende Tat des neuen, leitenden deutschen Staatsmannes, und wir fürchten, daß er sich in seiner diplomatischen Unerfahrenheit damit aus einen allzu glatten und schlüpfrigen Boden begeben würde.
Auch der neueste Wiener Besuch in unserer Reichshauptstadt verrät ein gar rasches Tempo. Herr v. Bethmann- Hollweg ist schwerlich zuvor bar üb er gehört worben. Mußte aber herbei, um am Anhalter Bahnhof in "feiner Rittmeister- uniform an der Begrüßung unb ber barauf folgenden Tafel teilnehmen. Sicherlich ist es gerade heute von großer Wichtigkeit, daß Deutschland seine Beziehungen zu der habsburgischen Monarchie auf eine ruhige Zurückhaltung aufbaut, die nichts von der traditionellen Freundlichkeit zu vermissen lassen braucht, aber auch nicht von romantischer Ueberschwänglichkeit abgelöst werden darf. Der Petersburg-Wiener Disput der letzten Tage über die bosnische Sache zeigt, daß auf dem Balkan die Tinge noch im Werben finb. Die Berliner Politik sollte biese Dinge ruhig sich entwickeln lassen unb weder Rußlands Mißlaune herausfordern, noch zu dem zwecklosen Unternehmen sich verstehen, zwischen Wien und Rom eine Vermittlerrolle zu spielen. Wenn heute die „Germania" sich in der Hoffnung förmlich! berauscht, es sei für den Frieden ganz Europas von vorzüglicher Wirkung, daß durch einen verhältnismäßig längeren und sehr freundschaftlichen Besuch des Erzherzogs Franz Fredinand und seiner Gemahlin, der Herzogin Hohenberg, aller Welt sehr Flar gemacht wird, daß der Bund zwischen den beiden Zentralmächten fast m einer staatsrechtlichen Institution beider Reiche geworden ist", so fehlt dieser Betrachtung die Grundlage der deutschen Ziele und Absichten. Wir haben schon dargelegt, daß es nicht richtig ist, wenn wir den rechtzeitigen Anschluß an Petersburg nicht suchen und finden. Eine deutsch-österreichische Kundgebung für eine gemeinsame Marschrichtung kann vorläufig nur Oesterreich Nutzen bringen. Die deutsche Staatskunst muß weiter Vorausschauen. Wir müssen freilich heute Herrn Harden recht geben, wenn er meint, in keinem anderen Lande gingen bie Ansichten über bie zu befolgend aus-, würtiqe Politik so weit auseinander als in Deutschland. Unentschlossenheit unb Unsicherheit in der obersten Leitung dürfte aber feine Stunde um sich greifen. So lange man nicht weiß, ob Herr v. Bethmann-Hottweg Enalanb gegenüber neue Wege beschreiten will, wird man sich eingehende Erörterungen über unsere internationalen Beziehungen ersparen können. ______________
Der Besuch des Erzherzogs Kranz Ferdinand. ' Schloß Letzlingen, 12. 9kvv. Tie Jagdgesellschaft brach um 12 Uhr 45 Min. in Wagen nach dem Jagdgelände in der Obersörsterei Planken auf. Ter Kaiser mit dem Erzherzog Franz Ferdinand und einigen anderen der vornehmsten Jagdgäste folgte um 1 Uhr 30 Min. in Automobilen. Es wurde ein Lappjagen aus Tammwild abgehalten.
Letzlingen, 12. Nov. Der Kaiser ist mit seinen Jagd- gästen bei einbrechender Dunkelheit nach dem Jagdschloß zurückgekehrt, wo um 7 Uhr Abendtasel stattsand.
Potsdam, 12. Nov. Die Kaiserin mit der Herzogin von Hohenberg und ber Kronprinzessin von Griechenland folgten heute abend einer Einladung zur Abendtafel bei der Kronprinzessin im Marmorpalais in Potsdam; außerdem waren erschienen das Prinzenpaar August Wilhelm von Preußen, Prinzessin Viktoria Luise von Preußen, Prinz Georg und Prinzessin Helene von Griechenland, das Erbprinzenpaar zu Salm-Salm, das Gefolge Ihrer Majestät, die Ober- Hofmeisterin Grä in von Brockdorsf, Gräfin von Keller, Kammer- Herr von Behr-Vinnow; vom Kronprinzlichcn Hofstaat nahmen teil: Hosmarschall von Bismarck-Bohlen, Ober-Hofmeisterin Freifrau von Tiele-Winckler und Kammerhett von Stülpnagel.
Die Reichstagrersatzwahl in Landsberg-Soldin.
Solbin, 12. Nov. Bei ber Neichstagsersatzwcchl im Kreise Landsberg-Soldin würben bis heute abend 10 Uhr
Die Znedensreden in England.
Der deutsche Botschafter in London hat den Engländern wieder einige Freundlichkeiten gesagt, die vielleicht eine nähere Verständigung anbahnen sollen:
Manchester, 12. Nov. Der deutsche Bot-, schäft er, Gras Wolff Metternich, besuchte heute nachmittag die Börse, wo er sehr freundlich empfangen wurde. Der Botschafter erklärte, fein sehnlicher Wunsch sei es gewesen, sich einmal das glänzenbe Schausviel anzu- sehen, bas sich hier vor seinen Augen abwickele; diese friedliche Betätigung des Erwerbssinnes sei bie beste Garantie für den internationalen Frieben. In ber Welt bestehe zwar zwischen ben einzelnen Nationen ein scharfer Wettbewerb: bie)er bestehe aber ebenso zwischen den Angehörigen desselben Staates.
M a n ch e st e r, 12. Nov. Der deutsche Botschafter, Graf Wolff Metternich, hielt in ber Handelskammer eine Rebe, in ber er aus führte:
Ich fühle mich tief verpflichtet, für bie reiche Gastfreundschaft unb ich bin mir bewußt, baß mir diese Ehrungen lebigüd) als Vertreter bes Herrschers einer großen unb befreunbeten Nation bezeigt werben, mit ber Sie in Frieden unb Freundschaft zu leben wünschen, wie wir den Wunsch haben, mit Ihnen in Eintracht zu leben. Aus dem Verkehr mit den verschiedenen Handelskammern habe ich gelernt, baß der Handel nichts sehnlicher wünscht, als daß die gewaltigen, zwischen den beiden Nationen bestehenden Handelsbeziehungen sich ungestört weiter entwickeln mögen, daß bie Politik nicht ungünstig auf ben Gang ber Geschäfte einwirke und daß ebenso wie die Handelsbeziehungen, so die politischen Beziehungen ste ts gute sein und bleiben mögen. Ich erachte es für eines ber hoffnungsvollsten Zeichen der Zeit, daß gerade die Kaufmannschaft derWunschnachFriede erfüllt. Wenn noch etwas erforberlüb wäre, um mich in meinem Vertrauen in bie friedlichen Tendenzen der Geschäftswelt zu bestärken, so wäre es diese glänzende Versammlung, zu ber sich bie Vertreter ber Kaufmannschaft biefer Handelsmetropole zw- fanrrnengefunben haben, um ben Vertreter des deutschen
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6r die Tage-nummer Hofottonsbrud und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und zieindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: zchulstratze 7. Bkck.
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„Wurde von Berlin aus Herr Dernburg gebeten, den Briten das Evangelium deutscher Nächstenliebe zu predigen'?... Wollte ber Exzellente der qualifizierten Koppelet entlaufen, deren Widerschein in die Darmstädter Zeit zurück- leuchtete
Harden meint nämlich, was der Kolonialsekretär eigentlich in Amerika gewollt habe, wisse niemand. Ucber die Zioumwollsorten habe er auch in Berlin sich unterrichten !ikmen. Wenn „der in Baumwolle Reisende" in England ,auf eigene Faust schwadroniert" habe, müsse „ber Kanzler ihn ab audiendum Verbum befehlen und ihm einen Marsch büfen, baß dem Hörer die Zähne klapperten". Mit dem iiisdruck „K o p p e l e i" wollte Harden wohl auf die Ver- teage mit der Eisenbahnfirma Koppel Hinweisen, wobei er qe Well mit seinen Anspielungen freilich völlig » Dunkeln läßt. Wenn der Herausgeber ber kllkunft noch grimmig dazu fragt, ob man | ulrtlid) gerade Herrn Dernburg als Werber hinüber» schickt habe, „über dessen hypothekarische Bele st u n g schon Fürst Bülow im letzten Amts- lebensjahr keinen Zweifel mehr hatte", so itterben diese schweren Angriffe, für bie wir Herrn Harben v. Verantwortung überladen müssen, zweifellos nicht ohne : ein gerichtliches Nachspiel bleiben. Ter Staatssekretär ist inzwischen wieder in Berlin eingetroffen, sott aber, nach i in er Meldung der Voss. Ztg., beabsichtigen, in London am X November an Besprechungen über die englisch-deutschen Beziehungen und an einem Bankett der Londoner Handels- | "ammer teilzunehmen. Nimmt man die neuesten Reden Unseres Botschafters in London hinzu, so wird die Wahr-
Apolitische Woche, schau.
Gießen, 13. November.
Es stehen wichtige Dinge bevor, nicht allein der Reichs- ca rüstet sick) und ersehnt kräftigere Nahrung als die kurz ^gekündigten mageren Gesprächsstoffe, nicht nur haben xe Erörterungen um den Ausbau des preußischen Wahl- -chts zu einem strategischen Aufmarsch der Parteien sich verdichtet, auch auf dem Gebiete der auswärtigen Politik »richt Wetterleuchten hervor, nähern sich auf teilen Sohlen mit beängstigender Schnette wichtig? Entscheidungen. ?ic russischen Pfeile nach Wien, der Zaren- l^such in Italien und ber jetzige Aufenthalt des österreichischen Thronfolgers in Berlin kündigen eine Dreibund kri je an, und bas Rebebebürfnis um bie beul sch-englisch en Beziehungen, um ein Zlottenabkommen, hat so stark He Welt erfüllt, baß zu den Worten sich irgend em Ge- Sehnis gesellen muß, wenn das politische Theater nicht einem hohlen Pathos werden soll. Noch immer fragt j*an: wo ist der Kanzler, sitzt er fest im Sattel? Läßt er iid) von den Wahlrechtspfadfindern einkreisen, werden bie -ffottenverständigungspolititer in Presse unb Reichsämtern hn so einseifen, baß ihm nur noch die ruhige Tuldung ;irig bleibt? Der „Reichsbote" versichert zwar, es werde n allen Reichsämtern zurzeit „riesig und ohne Lärm gearbeitet", aber das Zeugnis der Sparsamkeit wird man .sjwerlich für ben alleinigen Befähigungsnachweis des ■ ! bersten Beamten anerkennen wollen. Dunkel ruht noch im leitenschoße bie weitere Entwicklung der inneren Politik ts deutschen Reiches. Zeichen von schlechter Vorbedeutung inb die schwankenden Sitze ber Träger oberster Reichs- mter: Sperr v. Tirpitz würgt au ben Kieler Enthüllungen ietum, auch Herr Kcätke, der Staatssekretär des Reichs- fostamtes, soll Rücktrittsgebanken hegen, im Reichsjustiz- emt gab es vor ber Beratung bes neuen Strafgesetzes inb ber neuen Strafprozeßorbnung einen Personenwechsel, i itb bie Zweifel an Herrn Dernburgs bauernbem Bleiben <n der Spitze des Äolönialamtes sind auch noch nicht völlig beseitigt. Vielleichr steht uns wieder ein großer Sensations- p!rozeß bevor, denn in der heutigen Nummer seiner „Zulun st" schleudert Herr Harden dem ehemaligen Darm- liäbter Bantdirektor wuck)tige Verdächtigungen entgegen:


