Nr. 37
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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» stratze 7. Expedition und Verlag: e$6L Redaktion: LÄS112. Tell-Adr^AnzeigerGießen.
Die „«iehener ZamMenblStter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für bett Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. Die „randwirtschaftlicheu Seih fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Zweites Blatt 1F9.Jahrgang Samstag 13. Februar LS09
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©ivncnci ziHiviuu
General-Anzeiger für Oberhessen
Die Ubreise der englischen Königspaares.
2as englische Königspaar hat gestern nachmittag Berlin vom Lehrter Bahnhof aus wieder verlassen. Trotz der strengen Kälte hatten einige Tausend Personen die Zufahrtstraßen und ben Platz vor dem Bahnhof besetzt. Der Zutritt vom Bahnhof, der noch den Schmuck von der Ankunft der englischen Herrschaften trug, tocy: mir gegen besondere Erlaubniskarten. gestattet. Um 4i/s Uhr begann sich der Bahnhof mit Mitgliedern der englischen Kol-onie und der zum Ehrendienst befohlenen .Herrschaften zu füllen. Kurz nach 5 Uhr erschien der Kaiser in englischer Admirals- uniform, die Königin Alexandra zum Salonwagen geleitend. Dann folgte König Eduard, ihm zur Seite die Kaiserin. Es schloß sich dann der Ehrendienst und das Gefolge an. Von Prinzen des königlichen Hauses war nur Prinz Heinrich erschienen. Die englischen Herrschaften verabschiedeten sich zunächst vom Gefolge und hierauf unter Umarmung vom Kaiserpaar. Königin Alexandra bestieg dann den Salonwagen und ihr folgte der König, der sich vom Fenster des Wagens aus einige Zeit mit dem Kaiser in herzlichster Weise unterhielt. Um 5 Uhr 10 Min. dampfte der Zug zum Bahnhof hinaus, von lebhaften Hoch- und Hurrarufen begleitet. Der Kaiser zeichnete dann noch mehrere Herren des Gefolges durch Ansprachen aus; u. a unterhielt er sich noch längere Zeit mit dem englischen Botschafter Sir Goschen. Dann verließ der Kaiser den Bahnhof. Aus der Rückfahrt brachte das Publikum lebhafte Ovationen aus.
Der Berliner Korrespondent, des Reutcrschen Bureaus ist ermächtigt worden, mitzuteileir, daß der König über den herzlichen und begeisterten Empfang, der ihm von ckllen Klassen der Berliner Bevölkerung dargebracht wurde, ,rußerordentlich erfreut und von dem Erfolg seines Besuchs sehr befriedigt ist.
Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Der Reichskanzler empfing Donnerstag nachmittag den Besuch des englischen Staatssekretärs für die Kolonien, Earl os Crewe, und hatte mit ihm eine Unterredung, lieber das Ergebnis dieses Besuches ist wenig, eigentlich nichts bekannt geworden. ?cur der Berliner Korrespondent des Reuterschen Bureaus ist ermächtigt worden, mitzuteilen, daß auch aus englischer Seite das Ergebnis der politischen Besprechungen, die zwischen den englischen und deutschen Staatsmännern in Berlin stattgefunden haben, als außer- vrdentl.ich befriedigend angesehen wird und äugen- scheinlrch auf die deutsch-englischen Beziehungen eine ausgezeichnete Wirkung ausgeübt hat. Es wurde dem Reichskanzler versichert, daß die britische Regierung das deutsch- französische Marokkoabtommen uneingeschränkt und herzlich billige, das als ein solches begrüßt wird, das dahin ziele, ein gutes Einvernehmen zwischen Frankreich und Deutschland zu pflegen und dadurch auch einen wesentlichen Einfluß auf die Festigung der freundlichen Beziehungen zwischen England und Deutschland auSzuüben. ES wurde erklärt, daß die Bestrebungen der britischen auswärtigen Politik im nahen Sftcnjuif Wahrung deS Friedens und Älufrecht- erhaltung des Status quo gerichtet seien. In englischen amtlichen Kreisen wird die von dem Reichskanzler in seinen Besprechungen mit Sir Charles Hardinge gegebene Erklärung, daß darin wie in der Unterstützung der neuen Ordnung der Dinge in der Türkei die britische und deutsche Regierung vollständig im Einvernehmen seien, vielfach gut- geheißen. Die politischen Besprechungen, die während des Besuches des Königs stattgefunden haben.
gipfeln in einer allgemeinen und völlig befriedigenden Politik beider Länder.
Deutsche und englische Journalisten.
Man fdyreibt uns aus Berlin:
König Eduard VII. hat Berlin wieder verlassen. Es steht uns frei, uns in die Psyche dieses Mannes hincinzudenken, der einen viertägigen festlichen Empfang in der Hauptstadt des Reickxs hinter sich hat, dem unbestritten vom Tage seines Regierungsantrittes an alle die EinkreisungSbestrebungen galten, die uns langsam Lickst und Luft raubten und König Eduard veranlaßten, erst ein halbes Lustrum nach seinem Regierungsantritte dem "Deutschen Kaiserhause seinen Antrittsbesuch zu machen. Ob wir ihm mit unserer stolzen Garde Unter den Linden imponiert haben, wissen wir nicht, hoffen es aber selbst bei einem Könige, der wenig auf militärische Dinge zu geben scheint, wie König Eduard. Daß ihm die Ausschmückung der Linden nicht zugesagt hat, versteht sich, da er ein Mann von Geschmack und Bildung ist, ohne weiteres. Und ob der Empfang iin Berliner Rathause in j einer wenig ^rvß- städtischen Aufmachung einen besonoers tiefen Eindruck bei dem Könige hinterlassen hat, bleibe dahingestellt. Tas „Volk" hat sich bei all dem sehr reserviert verhalten und das erscheint uns das einzig erfreuliche au der ganzen Geschichte. Eins aber muß dem Könige, wenn er davon erfährt, ein starkes Schütteln des Kopfes abnötigen, und das ist das Verhalten eines gewissen Teiles der Berliner Presse. Mag cs vor den ilcovembertagen zrrm guten Tone gehört haben, sich als Lakai verkleidet in den Salonzug des Kaisers einzuschleichen und bei der Entdeckung auf Befehl Sr. Majestät auf freier Strecke ausgesetzt zu werden, so mußte doch der letzte Schnwk wissen, was er jetzt zu tun hatte, nachdem der Hofbericht sang- und klanglos! in der Versenkung verschwunden und den Berliner Journalisten jede Möglichkeit genommen war, auf anständige Art und Weise sich in den Besitz von Nachrichten über die näheren Einzelheiten des Königsempfanges zu setzen. Was geschah indessen? Wieder hat die deutsche Presse das unwürdige Schauspiel erlebt, daß man sich in Berlin platt and? den Bauch gelegt hat, um nur jede, auch die unwichtigste, Einzeilheit zu erspähen, obwohl man „oben" durchaus feinen Zweifel darüber gelassen hat, daß man die „kommandierenden Generale" weniger denn je estimierte. Man höre, was ein englischer Journalist nach dieser Richtung hin schreibt: „Für die Festlichkeiten dieser Woche waren alle veralteten Traditionen, Vorschriften und Eimchvänkungen über Bord geworfen und den Vertretern der füHrend'.m britischen Blättern waren Erleichterungen gewährt worden, wie sie nicht nur bisher ohne Beispiel, sondern auch in den Annalen der deutschen Presse unbekannt sind. Es muß offen, ehrlich und dankbar anerkannt werden, daß das Berliner Auswärtige Amt sich auss Aeußerstc bemüht hat, uns in unserer Arbeit zu unterstützen, aber in erster Linie schuldere wir Dank dem Deutschen Kaiser selbst, dessen Fiat uns Türen geöffnet bat, die ois dahin für alle mchthöfischcn iVreifc verschlossen waren. Infolgedessen dursten die britischen Zeitungsberichte rstcckter, uno sie Allein, dem Staatsbankett und dem Balle im -Schlosse beiwohnen, eine Vergünstigung,dieden deutschen Journalisten niemals gewährt worden ist. Endlich — und das ist die hochtzie uns erwiesene Gunst, vssenbar das Ergebnis der persönlichen Verwendung des Monarchen — hatte eine kleine Anzahl von Vertretern englischer Tageszeirungen die Erlaubnis erhalten, am 'Üäontag früh die Räume int Königlichen Schlosse zu besichtigen, die für König Eouard unb Königin Alexandra während der Tauer ihres Berliner Aufenthaltes bestimmt sind. Diese Besichtigung durfte in aller Ruhe und Gräßlichkeit vvrgenommen werden: sie hat nahezu ly« Stunden gedauert. Prof. Seidel, der Hüter der Kunstschätze der Königlichen Schlösser, der uns als Cicerone diente, erteilte mit einer Bereitwilligkeit, Geduld und Liebenswürdigkeit, die die größte Anerkennung verdient, jede gewünschte Auskunft."
Ten britischen .Journalisten also, in deren Vaterlandc hie nichtertglischen Vertreter deutscher Blatter feinen Zutritt auf die Parlamentstribünen erlangen können, weil die britische Jour- nalisten-Vcreiitigung aus gewöhnlichstem Brotneide dagegen ist. Tie britischen Journalisten, die mit Energie und Zähigleii gewiß
sofort einen vcritablen Streit in Szene setzen würben, roeiut iw* sie behandeln wollte, wie etwa der Berliner Stadtverordnetq Namslml ihre Berliner Kollegen zu behandeln für gut befand, als sie im Berliner Rathause dem Empfange des Königs Eduard beiwohnen wollten. Wir haben uns persönlich nick« daran beteiligt, weil schon von früher her die Rückständigkeit der Berliner Stadtverwaltung der Presse gegenüber bekannt ivar. Sie soll sich aber diesmal nicht nur im Ilathause, sondern auch schon, an den. Empfangstribünen auf dem Pariser Platz bestätigt haben.
Wir haben uns deshalb daraus beschränkt, einige kritische Betrachtungen über den Empfang König Eduards wieder zu gebe», denn wir sind nicht mnsonst schon in Homburg und Kassel mitleidig-geringschätziger Behandlung ausgesetzt gewesen, als wir den kühnen Plan auszuftihren gedachten, gleich den damals erschienener britischen Journalisten über die Ankunft König Amards auf deutschem Boden direkt berichten zu motten. Auch damals hieß es, die Engländer in der Welt voran! Und ein offenes Geheimnis war cs, daß der Kaifer baritni wußte. Wie war es ferner auf der Höl)köiiigsburg, als man die französischen Journalisten in Hausen cinlud, selbst die Vertreter der ärgsten Hctzblättc., ftlr deuttche Journalisten aber, Berichterstatter gutsonservaliver, nationalliberaler, Zenrrums'- und liberaler Zeittmgen keinen. Platz übrig hatte? Ta nrußte cs für jeden standesbewrlßten Journalisten heißen: .Hände >veg! Statt dessen schwelgte man in Berlin in spaltenlangen Berichten und dokumentierte aufs neue, daß ein Teil der Berliner Presst, wie tonangebend sie auch immer sein möchte, in Fragen des Taktes unb des journalistischen Standes- bewußtsems oft hinter ihrem letzten Reporter hniterherhinv.
Die Vertretung des deutschen Volkes und die Hoffeste.
Richt nur die deutschen Journalisten, sondern auch btt deutschen Volksvertreter sind beim Besuche des englischen Königs- Paares etwas sehr bfjjanbeit worden, ßlu den FeWichkeitw hat der Reichstagsprchident Graf Stolberg wegen der ErkranLwg seiner Enkelkinder am Scharlach nicht to (nehmen können. Vvw Rech-tÄvegen Wttc ihn nun der erste Vizepräsident — in unserem Falle also Geheimrat Paaschc — zu vertreten gehabt. Aber Tr. Paaschc hat überhaupt keine Einladung erhalten. Von manchen Blättern wird daraufhin ein etwas abenteuerlicher Zusammenhang aus bent vorigen Parlamentswin- tcr konstruiert. Daran ist natürlich gar niete zu denken. Jimiterhiu berührt das Uebersehen des Reichslagsviäsidnmis bet solcher Gelegenheit ein wenig seltsam. Tenn schließlich ward Gras Stolberg» Wernigerode doch Wohl in feiner Eigenschaft als Präsident geladen und wenn er verhindert war, dann hatte man sich eben an ben ersten Vizepräsidenten zu halten, der ia auch sonst in ganzen Umfang der Geschäfte unb ber Repräsentation cx officio mit seiner Vertretung betraut war. Tas Präsidium des Herrenhauses und des prcuß. Abgeordnetenhauses war vollzählig eingdcbrit.
Ans Statt nnd Land.
Gießen, 13. Februar 1909.
Gedenket der hungernden Vögel!
De r La nd cslehrervcreiu hält seine Hauptversammlung in diesem Jahr in der Psingstwoche zu WormL ab. Sie wird sich u. a. nut den Wünschen der Lehrerschaft zu dem Lehrplan ber Volksschule befassen.
" Kunstoe re in. In der Gemälde - Ausstellung un Turmhaus am Brand waren im Jahre 1908 neben einzelnen Kunstwerken folgende Kollektionen ausgestellt von: 1. H- Hcrmans-Düsieldorf; 2. Tr. H. I. Wagner-Rom-München; 3. C. Voß-München; 4. I. G. Riohr-Fcankfurt a. M.; ä. E. Heilemann-, Th. Th. Heine-, v. Rczniceck-, R. Wikle- München; 6. S. Corrodi-Rom; 7.'Oscar und (Säcitt'c (Sraf* München; 8. E. Eimer-KarlSruhe; 9. P. Bayer-München. Im ganzen waren ausgestellt: 633 Oclgemälde, 148 Aquarelle, 21 Pastelle, 61 Radierungen, 69 Zeichnungen, 3 Plastiken.' Von den einheimischen Künstlern touren wieder
Zur Mansrevaufführuug.
1 Ueber seine Musik zum Manfred hat steh Robert Schümann «einmal gesprächsweise geäußert wie folgt: „Roch nie habe ich wich mit der Liebe und dcm Auftvand von Kraft einer Komposition tbangegeben, als der zum Manfred." In ber Tat stellt sich uns diese Schöpsttitg mit ihrer wunderbar düsteren Poesie und ihrer meisterlicteu Charakteristik als das votllommenfte Vermächtnis bar, das der Meister uns hinterlassen hat. Wie man von ben Werkelt Sckzumanns in ganz hervorragendem Maße jagen kann, büß sie des Schöpfers geheimste Leben iv-iederspiegeln, so kann Wau sich des Gedankens taum enoehren, daß sich Schumann durch em Geftrhl der Wahlverwaitbftch'aft ganz besonders zum Manfred hingezogen fühlte. Man erzählt, als er in Düsseldorf einmal die Dichtung üt kleinstem Kreise vorlas, Ijsabt: plötzlich seine Stimme gestockt, Tränen seien ihm aus ben Augen gestürzt unb fr fei nicht fähig gewesen, weiter zu lesen. 26er darf sich vermessen, in die tiefste Seele des Künstlers einen Blick'zu üm? Wer vermag nachzuctztpftudcit, was damals in ihm vorgegangen sein uiag und ob er zu jener Zeit nicht schon das Gespenst des Wahuftmrs vor Augen sah, das «ihn später untklammert hielt. Tie Musik zum Mans red. tmhert sich unserem Ideal vvm musikalischen Trama. Mit Ausnahme der im knappsten Rahmert sich beivegetiden Gesänge der Geister hält Sch-unrauu die mclobramarische Fvrm fest und bewegt sich durchweg auf dem ihm vertrauten instrumentalen Boden. Tie Ouvertüre packt uns als ein gewaltiges Seelen- gemäldc, ja sie dürfte in ihrer Größe alle anderen Instrumental- Werke Schumanns überragen. Stürmende Leidenschaft, dämonische Kräfte, tiefste Melancholie und Verzweiflung leuchten aus diesem gewaltigen Tongemälde. In ihrer orchestralen Einkleidung bildet die Ouvertüre zugleich Schumanns modernstes Tonstück, denn sie bertritt in harmonischer, wie in rhythmischer Hinsicht unter allen [einen Werken den am meisten fortgeschrittenen Standpunkt. Die ganze Atmosphäre der Byron'scheu Dickftung mußte gerade ein Genie wie Schuncann besoirders zur Komposition anlockcn. Den seineu^psychologischeir Faden nachzusinnen, die zauberisch-romantische Stimmung zu vertonen, war ber durch und durch innerlichen Natur des. Komponisten durchaus gemäß. Er führt uns nun nicht wirklich dramatisch belebte Bilder vor, sondern seine Musik- Mcke, vor allem die melodramattschen, geben uns Kunde von dem, inneren Eindruck, den er selbst von dem Gang dos Gedicht
enipfangen. Das Dichterwort selbst geht nur begleitend unb ergänzend neben den Jnsti umcntalstücken her. Tas auffallend reiche unb sorgfältig bedachte Orchester hat durck-weg, auch den Chören gegenüber, den tßorraitg.
Zu wiederholten Malen haben wir in Gießen eine 2lufftihruug des großartigen Werkes erlebt, von dem man wie von feinem anderen 'Schumann'schen sagen kann, daß der Meister es mit seinem Herzblut geschrieben hat. Durch das Jubiläum des Akademischen Gesangvereins unb durch die ausgezeichneten Kräfte, die ihm zur Verfügung stehen, erhält die Vorführung diesnral ein erhöhtes Interesse unb eine besondere Weihe.
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— Henriette Keller-Jordan f-. Die Iioinanschrnt- stellcrin Henriette Keller-Jordan ist vorgestern in Rlünchen im 74. Lebensjahre gestorben. Aus enter bekannten kur- f) e 11 i j d) e n Gelehrtensamilie stammend — ihr Vater war der Legationsrat Professor Sylvester Jordan — siedelte die in M a r- b u r g geborene Schrtttstellerin nach einer durch die politische 65e- iangenschait des Vaters bewegten Kindheit nach Mexiko über. Ihre entgehende Beschäftigung mit der spanischen Literatur und mehrere i)touellcn aus bet mexikanischen Kaiserzcit ivareu das Ergebnis ihres dortijseu Aufenthaltes. 2iuch in den Romanen ^Hacienda Felicidad" und ^AuSgewaiiderte' ist vieles durch die mexikanischen Eindrücke angeregt wordcn. Frau Keller-Jordan, deren fleißiger Feder wir manche gute Uebersetzung aus dem Spanischen verdanken, lebte seit 1886 in München.
— Ein preisgekrönter Preisrichter. Unter dieser Spitzmyrke hatten ivir in Nr. 33 die Zuschrift eines badischen Malers «an die „Frankfurter Zeittiug" -veröffentlicht, in ber er fein Befremden darüber äußerte, daß sich bei verschiedenen Preisausschreiben auch die Preisrichter beteiligt hätten und auch Preise erhalteii hätten. Hierzu -schreibt nun ber Vorsitzende der betreffenden Jury der „Fraut'f. Ztg.":
„Zu dem Wettbewerb für bas Ausst.-ltungsplakar unserer Ausstellung ivurben auch die Juroren der Ausstellung aufgefordert, weil man unter keinen Umstanden die leistungsfähigeren Juroren vvic der 5donkurrcnz ausschließen wollte. Aaus ber geheimen Abstimmung ber Entwurf des Prof. Keller hervorging, lehnte der Prämiierte den Preis von 3Ü0 Mark sofort zu gunften eines jungen Akademikers ab, weil ihn nicht der Gewinn, sondern allein ber künstlerische Drang geleitet hatte. T' Absicht, gewinnsüchtige 'Dlotioe Herrn Prof. Keller zu unterfd,i....i, muß daher als uu-
I bcgrünset zurückgewiesen n>erden. 2luch die Beschuldigung, Prof. Keller habe der Aukaufskomniijswn für die Freiburger MnnstLr- baulvttcrie 1902 angeyört, während diese ein Bild von ihm erworben hat, muß als freie Erfindung bezeichnet werden. Ebenso haben die Professoren Dill unb Schönlcbcr niemals einer Ankaufssitzung der Freiburger Munsterbaulotterie angewohut, sondertc haben lediglich die Ankaufskommission auf einem orientierenden Rundgang begleitet, wie es ihre Pflicht als ?lusstettungsvvrstänbe gewesen ist." Gegen diese Replik wendet ber ursprüngliche Eüt- seuder ein, daß die Herren Till, Schönllber und Keller laut Auskunft bcs Freiburger Münsterbauvereins jener Ankaufstommisjion wenn auch nicht als stimmberechtigte Mttglicder, >o doch als von der Regierung vor geschlagene „sachoerständigo Führer und Berater" beigegeben worben seien; auch in dieser Eigenschaft hätten fic unbedingt außer Wettbewerb treten müssen. Was aber den Baden-Badener Fall betreffe, so werde die Ungehörigkeit jener Preisvcrleihung dadurch, daß Herr Pwf. Keller bas Geld nadjjycr an einen jungen "Akademiker abgetreten und sich mit der Ehre begnügt habe (die ja vielleicht auch die Ausführung nach sich ziehen würde.', nicht int geringfteu erklärliches ober annehmbarer gemacht. Im Gegenteil, gerade diese Handlung Pros. Kellers scheine zu bemcisen, baß er selber bas Gefühl gehabt habe, die Verleihung eines Preises an einen der Preisrichter fei doch wohl nicht recht fchicklich.
— Durch ein Theaterstück getötet. Aus Paris Wirb berichtet: Eine tragische Szene spielte sich am Samstag abend im Znschauerraum des Theatre Moliere tvährend ber Au'sstlhrmig ber „Post von Lyon" ab. Zum ersten Male besuchte eine ältere &rau das Theater, die seit längerer Zeit bereits in untergeordneter «Stellung am Theater beschäftigt war, aber noch nie im Leben Gelegenheit gehabt hatte, eine Vorstellung mit auzmehm. Mit lebhatter Erregung folgte sie ben Vorgängen des Stückes, aber während der großen -Szene, die mit der Verhaftung äesurques atschlietzt, übcnnaitiite sie die Teilnahme, sie sprang von ihrem Hinteren Logenplätze auf, und außer sich- vor Auftegung rief fic: „Gr ist nicht schuldig; es war eilt anderer, ber ihm ähnlich sah!" dublilum suchte überrascht nach der Sprecherin biefer Worten aber die alte Frau war bereits leblos zusammeugcbrochcn; tot trug man sic cuj ihrer Loge, in der sic tljrcn ersten und zugleich letzten Thcaterciudruck empfangen l-atte.


