Ausgabe 
10.12.1909 Erstes Blatt
 
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159. Jahrgang

Dauer das deutsche Voll nicht lei.en lasse, una dem ho,f wenn das Haus über bi

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leiihen. Denn alles andere, so meinte Herr v^Be hmann- . österreichischen Abgeordnetenhaus.

Hol weg, Etlispringe ^a do rA;M(> w^nlprnnn ni!« I tfraa, Österreichische Abgeordnetenhaus hat noch im

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Kleines Feuilleton.

bem ßinlauf auch eine Anfrage fötal it an die C^cfcrmtrcgicrung betr. die Politik der slawischen Union und die Er- örterimgen der russischen Presse über eine Teilung Oesterreichs. In der Anfrage wird ein Aufsatz der ,,PeterS- burgskija Wjedomofti" wiedergegeben und gefragt, ob der Re­gierung der Inhalt der auf dem allslawischen Kongretz in Ruß­land gepflogenen Verhandlungen, an denen eine Anzahl öfter- reichlicher führender Politiker teilgenommen habe, bekannt sei und waS sie demgegenüber zu tun gedenke.

sterntprech - Anschlüsse: für die Redaktion 113, Verlag u. Expedition 51 Vdielie Hir Deveschen: «nzetger Gießen.

Das österreichische Mgeordnetenhaus hat noch immer seine uferlosen Verhandlungen über die tschechisch-deutschen

Freitag 10. Dezember 1909

vezagovre»>.

dinge eine Parteiregierung, n>ie sie seine Regierung nun und nimmer sein wolle und könne. Mit mahnenden Worten

nungsfreudigen Ausblick auf die immanente K.a,t d.s Zwangs zum Schaden", der auch die gegenwärtigen Irrun­gen und Wirrungen überdauern w.rdc, schloß d.r Km l r

Lauter Beifall der Parteien des schnxrtzb aucn Blocks und Sck)weigen der Linsen. Es dauerte fOHnuien, bis s ch der Staa sse.re är des R^ichsjcha amtes Gehör v s.ha f n tonnte. Er hatte es leichter als Herr v Be.hmann Hollweg. Ein noch immer nicht günstiger, aber doch den Verh^.l.ni sm entsprechender Etat, da die Absicht der Sparsamkeit auch die schärfste Kritik nicht absprechen kann, diente ihm als Beweisdokument bei der Verkündung eines Finanzpro- aramms, dem man auf allen S.iten des Hauses fruüimmen konnte. Herr Wermuth bewies nicht nu» daß er den Etat in allen seinen Teilen beherrscht, er zeigte auch das Geschick, die schwierige und komplizierte Materie aus dem trockenen Zahlenwust herauszulöjen und zum Haren Verständnis auch der Laien zu bringen. Dec Eindruck seiner etnslündigen Rede war auf allen Seiten des Hauses recht gut.

Politik will er das war schon vorher bekannt geworden das Stichwort von den Parteien abwarten. Diese Tei­lung seiner amtlichen Persönlichkeit war naturgemäß in der Ordnung; denn der Kanzlerwechsel ist lediglich durch innerpolitische Vorgänge herbeigeführt worden. N.in s llte man erfahren, wie weit die neue Gestaltung der Partei- verl)ältnisse und der Personenwechsel in der Regierung auch eine Aenderung der Regierungspolilik im Gefolge hat Das Leitmotiv der Kanzlerrede war nicht schwer zu erraten: ein Appell an die bürgerlichen Parteien, die Streitaxt zu be­graben. Aber die Wirkung entsprach nicht vclliommen der Absicht. Ganz im Stile seines Vorgängers teilte der Kanzler seine Gaben nach rechts und nach links, und die Disposition seiner Rede brachte es mit fick, daß er zu Aanfang Sätze sprach, die der rechten Seite des Hauses wohl gefielen. Als aber dann auf den wohlorganisierten Beifall der Mehr­heitsparteien die Linke mit Gegenrufen antwortete und die ungebärdigen Herren aus der so'ialdemokratischen Ecke in Aktion traten, da zeigte sich der Unterschied in der Art

;___ 4__:____jie feindselige rutsche Stimmung,

die in der Presse sogar nach einer Aufteilung Oesterreich» verlangt hat, sich unterhalten wird.

Wien, .9. Dc». Set der Fortsetzung des Bud g et- provisoriums iin Abgeordnetenhaus wies bet irt nan Minister auf dessen besondere Wichtigkeit hm - Du Ablch- icung würde insbesondere die Möglick/kcit ausschließen, In­vestitionen für die Staatsbahnen zu cnenuieren. Der Finanzminister verwahrte sich sodann gegen den Vorwurf, als ob er ein falsck^es Budget vorgelegt hatte, und als ob kein Defizit vorhanden wäre und die Einnahmen des ZollgefaUeS unrichtig eingesetzt wären. Ebenso protestierte er gegen den Vor­wurf der Jndustriefeindlichkeit. Bezüglich der Einkommensteuer trat er für eine Gewährung von Einsicht in ine Bucher ein, eine Maßnahme, die nur bezwecke, die Mehrheit der Ehrlichen! gegen die Minderheit der Unehrlichen zu schützen Der Minister schloß mit der dringenden Bitte um rascheste Erledigung des Budgetprovisoriums und der Anleiheermäcküigung.

Zhiari erinnerte daran, daß bei der Annexion der öfter- reich i s ch e S t a a t s g e d a n l e sich deutlich gezeigt habe. DaS B ü n d n i s m i t d e m D e u t s ch c u R e i ch e bilde eine Garantie des Friedens und werde für lange Zeit für die auswärtige Politik richtunggebend sein. Der Redner widerlegte dann die Behaup­tung daß die Deutschen in Oesterreich Interesse an einem ab­solutistischen Regime hätten und erklärte, sie wünschten vielmehr das Parlament und die parlamentarische Arbeit. Sie verurteilen die ungerechtfertigte Obstruktion und seien bereit, in Verhand­lungen ernzutreten, wenn die Bahn für die Erledigung der drin­gendsten Staatsnotwendigkeiten frei sei, und wenn es sich nicht um Unterordnung der einen oder anderen, sondern um g leich- mäßige Wahrung der beiderseitigen Interessen handele. Bei beiderseitigem guten Willen könnte für die Losung des nationalen Streites eine fütMicfe Grundlage geschahen werden, welche ein Zusammengehen ermögliche. Die Deutschen seien auch zu Kompromissen bereit, sofern Ne nicht durch daS caudinische Joch hindurch gehen müssen. «Lebh. Beifall.) Die Verhandlungen wurden darauf abgebrochen.

Wien, 9. Dez. Im Abgeordnetenhause befindet sich unter

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Ein neues Rheinisches Museum. Zu den zahl­reichen und bedeutsamen Pflegeftätten der KUnlt, tne am Rhein von der Schönheit und Größe alter.^ltur Zeu^is ablegm st :ine neue getreten: Tas Rheinische Probinj!

>eum zu Bonn, das vor kurzem m einem bfrmen Bau der Oeffentlichleit -ugänglich gemacht wurd^ ein Bonner Provinzial-Mineum als ^ixiterinstitut des ^rwrcr Museums bereits bestanden: abercrlt dieganz bedeutende Ver. [srößerung und die völlige mnercUmgestaltung der Anstalt ha^n )i£ nun wirklich zu einer Sehenswürdigkeit Jr*

wohnern und Besuchern von Bonn hohe Anr^mEft Len Grundstock der Sammlungen des?Ru]enms bildeten, wie wir einem Aufsatz von R. Reiche in dem von Dr. Biermann teram- gegebenen Cicerone entnehmen, die Kollektion von G^mu die Erben Otto Wesendonks der Stadt ^imichertmesen^ben dann die Gemäldesammlung des KunMistoms^l ^v'titutsde Universität, bann die Abteilung mittelalterlicher Kunft, d^ wicht ge Werte der rheinischen Kunstgeschichte «rEgt und m den ^ten Jahren außerordcnllich vermehrt «»^^^Gemal^mm- lung wurde noch durch Gaben der L.adt Bonn unb d^ Berliner Kaiser Friedrich-Museums vrtiwMta^lgt R^u Mirte

mit einem Kostenaufwand von über ^Millwn frurO) me -cheinisckP Pwvrnrialvertraltung «u^eruhrt.er ^ist cm beö RegierungsbaumeistLr Heinrich Roetrgen, der 1 ick, nraffiicL' Weise mit dem kleineren alten Ban verbiß imd Makn.ck^ wie ästhetische Forderungen ansprech.'nd besriedi^.

Erd. und Obergeschoß gehender, mit Gl-^nm gede^er

Lichthof wird von SeiteTiganaen und Tm^n riEkierl, yimer denen sich die neuen Säle und Kabinette t>erumz einen bem Altbau varallelen Ducrfiu^-1 ^bmü^n werden.

das Gesamtgebäude nach der ruckwarNgen^tr^s^nt achchlie^ Turch den aStcn Bau nach Acaterial intb

das wohltuend einfach gehaltene Aeutz-ere de^ d^rba -- -

Sandstein die Formen italienischer Renaissance m freier m^enwr Verwendung. Tie Reihenfolge der

Säle rot prähistorischen Altertümern erowr^ bwtet demn mm reid« Uebersicht über die römisck>en Funde^die tai ben;

Grabungen des Acuseums gemacht. wurdQi und »W römischer Kleinkunst und römischer ^r°bdenLnal«,wnM - mid /echrreich in auch die Sammlung wnmni,^ ^kulpr . - -

sich die fränkischen Altertümer, besonders mteressanter Go - «n^iefet. Tie miu.etalterl.dk Stetoä (S foaSS Vorführung rheinischer Keramik des Mittelalters, mtt der ]og

Lk. Ein internationaler Verein für medizi­nische Psychologie und Psychotherapie wurde, der .Münch. Medizin. Wochenschrftf zufolge, auf Anregung einiger Nervenärzte von Professor A. Forel in Salz­burg gcgiündet. Maßgebend bei dieser Gründung war emer|eit3 bie Zersvlükerung der einzelnen Bestrebungen un Gebiet der Nervenkoischung, anderseits die mangelhafte 7)lnerkennung der Neu­rologie und Psychiatrie von seilen der Hochschule, vor allem der schwere Aiangel an psychologisch-neurologischer Bildung der A!e- diziner, em Alangel, der sich iniolgedessen auf den ganzen Aerzte- sland ausdehnl. Ein Zusummenschlntz der Kräfte soll diesen Uebeln gdhelfen. Ter Ausschuß wurde wie folgt gebildet: 1. Vorsitzender: Prof Raymond (Paris), 2. Vorsitzer: Tr. Oskar Vogt (Berlin) und Pro«. Tr. A. Forel (Pvorne), Geschäftsführer: Tr. L Frank (Zürich, Schriftführer: Tr. Seif (München) und Dr. von H a 111 n g b e r g (München), Beisitzer: Pros. Dr. Eemon (Piünchen).

C. K. Sardous dramatischer Nachlaß. Aus Paris wird berichtet: Bei dem Tode SardouS vermutete man, daß der Bühnendichter ein noch unbekanntes dramatisches Weik hinterlassen habe, aber genauere Nachrichten darüber blieben aus. Jetzt wird bekannt, daß die Erben Sarbous unter seinen Papieren und Mauusk'ripten drei fertige Bühnenstücke vorgesimden hoben; sie alle sind historischen Inhalts, sie führen den TitelMademoisefte la Valliere', .Mlrabeau" und .Robespierre". Anßerdem fand man den Entwiirf zu einer modernen, sehr lustigen Komödie, von der der er ne Akt im Manuskript oolleudet ist. SordonS Schimeger- jobn de Fleurs ivird unter Benutzung des Sardoi''fchen Eulwuifes dieses Liistipiel gemeinsam mit iemeni Mitarbeiter (Saillauet zu Ende führen und so bald als möglich zur Aufführung bringen» lassen.

.Die französische Schauspielerin Frau Tranier hat Lei dem letzten Besuch b«5 Kaisers beim 'Fürsten Henckel von Donnersmarck auf Schloß Neudeck einen Dortraa im PlauderLon, eine sogenanntecouierence^, über die Liebe gehalten. Die französ.sche Zeitung Blas" hatte den angeblich vorgetragenen Text, der stellen­

monatlich 7öPl., viertel­jährlich "Dlt. 2^0. durch Abhole- u. Zweigstelle!' monatlich 65 Pf., durch die Post Bik. 8. uiertel- jäh rL ausscht. Be uellg ZeilenpreiS: lokal 15'1)1* auswärts 20 Pfennig.

Cheiredakteur: A Goetz. Verantivortlich für den Gck«al-Anze!gcr flr Gbecheften WZ L Botafionsönid nnö Verlag Ser Srühl'Ichen Unw.-Vuch- tinS SteiaSraderet R. lange. Redaktion. Erpedilion und vru-kerei- Schnlftratze 7. ^[,,,716. »--e.

Div Dornuiiniii)Le

Ter Abg. Arendt legt inrTag" nochmals den Stand­punkt seiner Partei bei der Wahl zum 2. Vizepräsidenten des Reichstages dar, indem er u. a. schreibt:

Die liberale Presse hat die Haltung der R2ichspartei, der ich anzugehören die Ehre habe, in der Präsidentenfraaa schürf angegriffen und meinen Parteifreund, den Abgeord­neten Erbprinzen v. Hohenlohe, schwer getadelt, wml er das Vi'epräsidium annahm. Hätte man, rme wir, das Vater­land über die Partei gestellt, so hätte man die Reichspartei nicht tadeln, sondern loben müssen. Wie mir nach der von uns bedauerten Wlehnung der Erbschaftsteuer nicht mit der Linken das nationale Wert dec Reichsfinanzrcform im Stich ließen, vielmehr unsere Zustimmung gaben unter

Nr. 29q/9vJ Erstes Blatt

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erscheint täglich, aii«et VI £3»

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bet gvtisck^n SMpturen, bie bann hisdotifch durch yilbroerte ter Renaissance und des Barocks fortgesetzt nnrb. _^ic wtztenlO >sale enthalten bie Gernalde-Galerie, in der rheimichc uitb westwlifchL Meister, bie Tiidierlänbcr des 15. und 16. Jahrhunderts und bie Holländer reckst gut vertreten sind.

DeramtlicheBerichtüberdieFlorabüste ist jetzt in dem Jahrbuch der Mnialich preußischen Kunst- sammlungen erschienen. Er enthalt das Urteil der Lach- öerftönbiqen der Abteilung der Bildwerke der chrntlichen Epochen und das Ergebnis der technischen Untersuchungen Das erste lautet:Mr. Murray Marks rn London bietet eine große Wachsbüste einer jungen halbnackten Frau, viel­leicht von Leonardo, an. Die Kommission stimmt dem An­kauf einstimmig bei und erklärt die Erwerbung für eine der hervorragendsten Bereicherunaen unserer Sammlungen. Bode. Goldschmidt. Justr" Es folgen dann die Gutachten des Geh. Regierungsrats Prof. Tr. Miethe und des 'Pros. Rathgen. Tie Hypothese, daß die alte Photographie nach einem Abguß der jetzigen Büste hergestellt wurde, findet durch bie Un ersuch ngG h imr tMie hes ke.n.' Betätigung, ist aber auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Ais sicher ist zu betrachten, daß Lucas die Büste teilweise be­arbeitet bezw. ergänzt hat. Sodann heißt es in dem Bericht: Die Generalverwaltung der Königlichen Museen war früher der Ansicht, daß die Lucassche Photographie nut der Büste nicht identisch sei, und Hr. Geh Regierungsrat Miethe teilte diese Meinung, so lange die photogrammetrische Prü­fung noch nicht erfolgt war. Ausdrücklich sei erklärt, daß sich die Generalverwalmna nunmehr seinem Gutachten voll anscbiießt." Professor Rathgen kommt zu dem Schluß, daß durch die Bestimmung chemischer Bestandtelle eine Ent­scheidung über die Herkunft des Wachses nicht getroffen werden könne. Die giontgenuntersuchung hat Linen Anhalt zu bestimmten Schlußfolgerungen ergeben. Auch die Unter- suchung des in der Büste gefundenen Stoffes Läßt sich zu Schuissen nicht verwenden. Was das Gemälde anbetrifft, das ein von Lueas benutztes Vorbild für die Wachsbüste se.n soll, so kommt der Referent zu dem Urteil, daß es nur ein sehr schwaches, plumpes Machwerk ist. Es ist weit junger als die Berliner 23 / im großen ganzen sogar m°dern

trifft, so war die wichtigste Quelle für die Losung der Frage, der einundachtzigjährige Sohn des Bildhauers Lucas, jeder Kontrolle verschlossen. Es ist weder einem andern, noch dem Referenten und seinem Begleiter gelungen, bei ihm Zutritt zu erhalten.

Die heutige Nummer umfafct 16 Seiten.

Der erste große Tag im Reichstag.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Bei stark besetztem Hause und vor überfüllten Tribünen stellte sich deute Herr v. Bethmann-Hollweg als Reichskanzler vor. Freilich heute vorerst nur als Kanzler der inneren Politik. Für die Erörterung der auswärtigen

Ofen pest, 9. Dez. Ministerpräsident Dr. Wekerle ist heute in Wien abermals vom König in Audienz empfangen worben. Er erstattete bem König Bericht, baß der Versuch, den Grafen Johann Zichy für bie Bildung des Kabinetts zu gewinnen- scheiterte.

politische Tagesscharr.

Tie Wahl des Erbprinzen von Hohenlohe zum Vizepräsidentea.

zeigte sich bet Unterschied in der Art der beiden Kanzler. Fürst Mlow war auf solche Unterbrech­ungen vorbereitet, und die Zwischenrufe der Sozialdemo­kraten gehörten in das Programm seiner Rede; an be­stimmten Stellen brauchte er und provozierte er sie. Er brachte bann durch eine schlagfertige Erwiderung und sar­kastische Abfertigung die Lacher auf feine Seite und fuhr unbeirrt in seiner Rede fort. Vielleicht hat die Einarbei­tung in sein neues Amt Herrn v. Bethmann-Hollweg ner- vöser gemacht, als es seiner Einführungsrede dienlich war. Aber auch ohne dies wat er schon als Staatssekretär nicht der Mann der leichten Gesten, und je ernster es ihm um die Wirlüng seines Appells zu tun war, umsomehr mußte ihn diese vorzeitige Ablehnung verstimmen und erregen. Er erwiderte gereizt, und so erhielten in ihrem weiteren Teile die Worte, die er nun an die Li nke zu richten batte, einen schärferen Ton, als es vermutlich in seiner Ab icht gelegen hatte. So fam es, daß, als später der Abgeordnete Dass ermann das Wort nahm, um die Stellung der Na­tionalliberalen zu erläutern, er diese seine Ausführungen in die Form einer Erwiderung und Abwehr gegen die Rede des Kanzlers kleiden mußte.

Kaum Ä Minuten sprach Herr v. Bethmann-Hollweg. Zedes Eingehen auf einzelne Programmpunkte vermied er; auf eine Erörterung von Finanz- und Eta-sfragen ließ er ich auch nicht in großen Zügen ein. D'es überließ er einem Gehilfen im Reichsschatzamt, Herrn Wermuth, der ch schon bei Eröffnung der Sitzung neben dem Reener- nllt postiert hatte. Eindringlich, die zeitweise Dibr.erenbe Stimme bei einzelnen Sätzen mit großen Bewegungen d.r Arme unterstützend, trug der Reichs.au-ler fein Programm dem Hause vor, ein Programm der Versöhnung. Sie soll dadurch herbeigeführt und ermöglicht werden, daß Regie- mnq und Parteien sich auf die Erledigung der Gesetzesvor­lagen beschränken sollen, die politische Bedeutung in dem Sinne, wie sie der Finanzreform beigewohnt hatte, nicht t-.-n___ <TS____fr.-,.? ntpinlp frprr v Betdmann-

Die Parteien des Hauses kommen bei allen Verhand­lungen großen S.ils nach ihrer Stirke £um Wort. Darum hat das Zentrum den Vortritt. Sein Sprecher war Frei­herr v. Hertling. Im ersten die austvärttge Politik behandelnden Teil seiner Rede wurde das, was er über die freundlichen Beziehungen zu den Kontinen almächten und über die friedenSerballenoe Macht des Dreibundes sagte, durch lebhaften Bllsall un erstützt- Die Erwchnung der politischen Krise in England leitete hinüber zu den innerpolitischen deutschen Verhältnissen und nun antwor teten auf jeden seiner Sätze lebhafte Beifallsrufe Ktner Parteifreunde und der Konservativen. Er beftrüt ein Bünd­nis zwischen schwarz und blau, wie er auch selbstver,länd­lich den konfessionellen Tharaller des Zenttums leugnete; aber unter den Hört- Hörtrufen der Linken schloß er daran sofort den Nack/satz, daß der B.'ock der Linken zu einer .Lonsolidation nach rechts" führen muffe. Der Konser­vative Freiherr v. Richthofen r-ariierte in der Haupt­sache die Rede des Kanzlers; auch er betonte mll Rachdr-uck, daß seine Partei sich ihre Polittk nur von ihrem eigenen Wissen und Gewissen vorschreiben lasse.

Dann nahm der Abg. Bass er mann das Wort. Er ließ keinen Zweifel darüber, daß seine Partei auf die neue politische Plattform nicht treten werde. Das, was in den Kämpfen der Finanzreform entstanden Jei, solle mtt aller Schärfe und durch feine liberale Partei gedeckt zum Aus­druck kommen und sich auslebem Das bedeute keineswegs ein SelbsiauZschalten der Linken von der positwen Mit­arbeit. Bas>ermann beschränkte dies nicht auf den von ihm vertretenen Flügel des Liberalismus. Er hob hervor, daß seine Nachbarn zur Linken unter Zurückstellung und lieber- Windung eigener programmatischer Forderungen und An­schauungen sich dazu entschlossen h-^be, an einer Frnanz- reform mitzuarbeiten, bie bie breiten Massen^des Bolkes mit Konsumsteuern schwer belaste. Sogar die Sozialdemo­kraten schloß er nicht vollkommen aus aus Ieinem Pro­gramm des sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts, dem die Zukunft gehöre. Von der praktischen Mitaroeit, tu die sie durch ihren Einzug in die einzelstaatlichen und kommu­nalen Parlamente hineingezwungen werde, erwarte er den allmählichen Verzicht auf Utopien und Revoluttonsspielerei. Stürmischer Beifall der Linken folgte seiner Rede. Der er)te Redner des ntorigen Tages ist der Abg. Dr. Wlemer.