Freitag 12. November 1909
Zweites Blatt
159. Jahrgang
Nr. 266
Gießener Anzeiger
Erscheint kägNch mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Cberhesien
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Sektion Gienen.
Smstag denl3.Nov.abs li Mr, un Hole! Schü^ . Außkrordeullichc vauptverjommiup!
fünf Jahre verlängert, wenn die Pächterin nicht zu einem entsprechenden Zeitpunkt ttindigt. Mitbewerbende Linien versagt sich der Fiskus während der Pachtdauer zu konzessionieren. Er erhält die Ländereien der Gesellschaft längs der Bahn als Eigentum. Die Pächterin darf ohne Einwilligung des Gouverneurs
keine höheren als die jetzt geltenden Tarife einsühren. Neubauten und Erweiterungen hat die Pächterin gegen Ersah der Gestehungskosten nebst 10 Prozent für Verwaltungskosten auszuführen.
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UnlverstlätS - Buch- und 6tetnbruderet R. Lange. Dießen.
Die ,,-ietzener ZamlNendlätler" werden dem Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, daS '.Kreiiblatl für Öen Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zett« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Echul« straße 7. Expedrnon und Verlag: 5L
Redaktion:^^ 112. Tel>-AdruAnzeigerGießen.
Sonntag bett 14. .chmtliags 4 Mr: M Mi iitt W freunde können buiH Per
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Bei der Herstellung der Neuen Bäue mußte u. a. die Ein- fahrt des Hauses Nr. 27 höher gelegt werden, was auf städtische Losten zu erfolgen hatte. Der Besitzer hat seinen ganzen Hof höherlegen lassen imd die Stadt erklärt sich bereit, ihm die Kosten insoweit zu ersetzen, als sie die Stadt für die Einfahrt hätte oufnxnbeii müssen.
Georg Schultheiß hat bei dem Umbau seines Geschäftshauses in der Marktsrraße sein Haus um 20 Zentimeter zurück gerückt, roa5 eine wesentliche Verbesserung des dortigen Zustandes bedeutet. Tie Stadt vergütet ihm für das abzutretende Straßen-- geläirde 260 Mark, nachdem er seine ursprüngliche Forderung von 600 Mark aus diesen Betrag ermäßigt hat. Ein weiteres» Zurückrücken des Hauses würde einen erheblichen Umbau des Ladens erfordert haben, der der Stadt erhebliche Opfer auferlegt hatte.
Von Louis Vogt Erben war zur Verbreiterung der W c i - dengasse ein Grundstück angckauft worden, das am 1. Januar ds. Js. von der Stadt übernommen und bezahlt werden sollte. Durch Hypathckenangelegenheitcn verzögerte sich die Auszahlung des Kaufgeldes, weshalb die Verkäufer um Ersatz der in der Zwischenzeit auf gelaufenen 91 Mark Zinsen bitten. Tie Bau- deputativn beantragt aus grundsätzlichen Erwägungen heraus Ablehnung.
Die Stadtvv. Huhn, Winn und Löber sprechen sich in diesem Falle, in Anbetracht der vorliegenden besonderen Umstände, für Berücksichtigung des Gesuchs, bezw. Rückverweisung an die Baudeputation aus. Im letzteren Sinne wird beschlossen.
Beim Ausbau der Liebig st raße wurde im Jahre 1895 von der Firma Heyligenstaedt u. Eo. ein Stück Gelände erworben. In den Vertrag wurde die Bestimmung ausgenommen, daß bei etwaigem Wiederverkauf dieses Geländes der Mehrerlös beni Verkäufer ausbezahlt werden solle. Ein Teil des Geländes wurde inzwischen verkauft, was fetzt bemerkt wurde. Nach Ab- und Zuzug der Zinsen hat die Firma von der Stadt 478,80 Mark zu bekommen, deren Auszahlung gutgeheißen wird.
Stadto. Tr. Ebel hält oic Art, wie hier von dem Verkäufer der künftige Mehrwert des Geländes für sich gesichert wurde, für vorbildlich beim Verkauf von Gelände durch die Stadt.
Grundstiickkanqelegenheiten.
Bei dem Verkauf des Schopbachschen Grundstückes am Hamm war L. Lotz Konkurrent der Stadt. Um sich nicht gegenseitig zu treiben, war eine Vereinbarung zustande gekommen, nach der di? Stadt das Grundstück erwerben und das für Lotz zur Abrundung seines dortigen Besitzes erforderliche Gelände an diesen abtrete»» solle. Es handelt sich um 233 -Quadratmeter, die für 2500 Mark (den Kauft, i eis nebst Zinsen und Anteil an den Kaufbriefkosten- an Lotz fallen sollen.
Nach einer Bemerkung des Stadtv. Löber, der der Ansicht ist, daß die Stadt das Geläicke hätte behalten sollen, wird dem, Abkommen zugestimmt.
Am Tiesenweg besitzt E. KlinketeinGebäude, dessen Mauer zum Test auf der Mauer des Stadtbaches steht. Er zahlt dafür 1 Mark AnerÜnmungsgebühr, während das Gebäude schon auf seinem Namen im Grundbuch steht. Um die Sache endgültig zu regeln, soll er 40 Mark an die Stadt zahlen, wogegen die Aw- ertemtungS gebühr weg fallen soll. Die Versammlung ist hierum: einverstanden.
Inmitten des städtischen ehemaligen Aktienbrauerei, geländes besitzt das Hospital 155 Quadratmeter Gelände, das vom Stadterweiterungsftmds zur Abrundung seines dortigen Besitzes für 12 Mark für den Quadratmeter erworben wurde. Tie Versammlung gibt ihre Zustimmung zu dem Verkauf an den Stadt- erwei terungssonds.
Stadtv. Löber macht im Anschluß an den Beschluß der letzten Sitzung, bei der Grundstuckzusammenlegung irt der Stephans^ mark ein Grundstück von Weidigs Erben zu kaufen, darauf aufmerksam, daß nach seiner Ansicht' der Ankauf eigentlich Sache der Zusammeulegungsinteressenten gewesen sei. Für die Stadt sei der Ankauf nicht notwendig gewesen unb man hätte keinesfalls 15 Mark für den Quadrattneter geben sollen.
Ter Vorsitzende erklärt, man habe den Durchschnittspreis, 11,20 Mgrk nebst den halbjährlichen Zinsen, bezahlt. Tas Zusammenlegungskonsortium habe keinerlei Interesse an dem Grundstück gehabt, sondern nur die Stadt, deren dortiger Grundbesitz dadurch viel wertvoller geworden sei.
Tie Stadtvv. Winn, Haubach, Jug Hardt, sowie Beig. Keller sprechen sich ähnlich aus. Die privaten Anlieger hätten keinerlei Interesse an dem Grundstück unö nicht den geringsten.
Vorteil durch das Vorgehen der Stadt gehabt. _ An der früheren höheren Dlädchenschule to_. S gelänge an die Anlieger verkauft worden. Bevor der Verkauf rechtskräftig geworden war, trat einer der Beteiligten von der Sache »urück, worauf ein anderer Anlieger ein größeres Stuck des Geländes erwarb. Es waren deshalb zwei Meßbriefe auszu-
Giessen.
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Uns dem hessischen zinanzausschutz.
R. B. Tarmstadt, 11. Nov.
Ter Finanzausschuß der 2. Kammer beschäftigte sich kute ohne Regierungsvertreter noch einmal mit verschiedenen fünften der Gemeindeumlagenreform. Um im Falle •jet Heranziehung der landwirtschaftlichen Oekonomiegebaude zur Grundsteuer den Landwirten in anderer Weise entgegenzukommen, jeantragten heute die Abg. Brauer und Dr. Weber, ähnlich Zen Bestimmungen in Baden den Art. 4 des Gesetzes über den -yefteuerungsmaßstab als Absatz 4 anzufügen- „An dem gemeinen Dert der oben genannten Grundstücke und Gebäude sind, falls richt die Bestimmungen des Absatzes 2 bereits Anwendung ge- tunben haben, bei der Veranlagung in Abzug zu bringen 1. bei •mein gemeinen Wert von mehr als 20 000 Mk. 20 vom Hundert, 2 bei einem gemeinen Cßert von 20 000 Mk. und bar unter 25 vom Hundert Der Ausschuß beschloß, bezüglich der allgemeinen finanziellen Wirkung dieses Antrags zunächst die An- jchauungen der Regierung Tennen zu lernen.
Tie Beratung wandte sich bann ben Bestimmungen ber Vorige über bie Steuer vom gewerbsmäßigen H anbei mit ländlichen Grundstücken zu (Art. 27—37). Es nnrb darin angeorbnet: „Durch Kreissatzung kann für ben Bezirk rjtcs Kreises beschlossen merben, baß Personen, die ben Hanbel mit länblichen Grundstücken gewerbsmäßig betreiben, in den Gemeinden, in deren Gemarkungen bie ben Gegcnstanb bes Handels bildenden Grundstücke liegen, zu einer besonderen Steuer Heraufziehen sind." Weiter wird bestimmt, daß der Steuer der Gewinn unterliegt, den ber Güterhänbler bei ber Weiterveräußc cung dieser Grundstücke und Gebäude erzielt und daß ber einheitlich twrä Kreissatzung >zu bestimmenbe Steuersatz 40 Prozent bes Gewinns nicht übersteigen darf. Diese Bestimmungen .würben Mm Ausschuß angenommen. .
Es wurden dann nodi verschiedene von ber Regierung gebuchte Vorschläge inbetreff berWarenhaussteuerzur Kennt- li3 gebracht. Diese sotten in einer spateren Sitzung in Berandung mit ben neuen Regierungsvvrschlägen zur Gewerbe,teuer, iie noch nicht formuliert sind, in Beratung genommen werden, iobalb sie dem Ausschuß vorliegen und bie Plenarberatungen itt Kammer es ermöglichen, sott eine neue Ausschußberatung angefeßt werben._________________________
vom sächsischen Landtag.
Trotzdem bie Konservativen mit 30 Sitzen immer noch iie stärkste Fraktion der zweiten sächsischen Kammer bilden, V ihnen der Präsidenten sitz doch nicht zugefallen, rnbern den ?cati o n all i b e r al e n, da bte Sozial- lemotraten für einen nationattiberalen Präsidenten dimmten. Zum ersten Präsidenten wurde nämlich der Abgeordnete Dr. Vogel (ncttionalliberal) mit 60 Stimmen gewählt. Der Geheime Hoftat Opitz (kons.) erhielt
Stimmen, also noch nicht einmal alle konservativen "•tirnmen. Zum Vizepräsidenten wurde sodann der Geheime £ofrat Opitz mit 83 Stimmen gewählt, der Sozialdemorat Frasdorf erhielt zwei Stimmen. Zum zweiten Vizepräsidenten wurde der Abgeordnete. Bär (freif.) mit 37 ion 73 gültigen Stimmen gewählt, also nur mit einer stimme Mehrheit. Weiter wird gemeldet:
Dresden, 11. Nov. Der König eröffnete heute nittag 1 lüfr den Landtag mit einer Thronrede, in er zunächst ben beioen Ständekammern den Will- ommensgruß entbietet und auf die Tatsache hinweist, daß sich die zweite Kammer auf Grund eines neuen Wahlgesetzes versammelt habe, das dem Frieden des Landes mb ber Wohlfahrt aller Schichten des Volkes dienen solle. Tie Thronrede erwähnt sodann die Besuche, die der König atit einer großen Anzahl deutscher Fürsten ausgetauscht habe und gedenkt der Teilnahme fürstlicher Personen an den Jubiläumsfeiern verschiedener Truppenteile und sagt {»bann:
Ich durfte in den Begegnungen mit den hohen Verbündeten erneut mit ihnen die Ueberzeugnng austauschen, daß die Treue >i Kaiser und Reich die Richtschnur unserer inneren deutschen lolilif bilden muß. So war es mir eine umso größere Freude, i»iB bei den diesjährigen Herbstmanövem ich den ftaifer als □einen lieben, hochwilltommeiien Gast begrüßen und aus seinem Itunbe die Anerkennung für bie Haltung meiner Truppen ver- nchmen konnte.
Die Thronrtwe wirft sodann einen Rückblick auf die Mjährige Jubelfeier der Universität Leipzig und j geht des weiteren auf den Staatshaushaltsetat für [ Die nächste Finanzperiode ein, welcher namhafte Aus- aaben zugunsten der Beamten, Geistlichen, Lehrer usw. und \ Lfrer Hinterbliebenen aufweist. Da vermehrte und neue Staats bedürf nisse zu berücksichtigen waren, hat die Her- siettung des Gleichgewichts zwischen Einnahmen und Aus- i caben diesmal besondere Schwierigkeiten geboten, .jedoch - Id es gelungen, den Etat ohne erhöhte Anforderungen an , die Steuerkraft des Landes ins Gleichgewicht zu bringen. I Beiter heißt e§ in der Thronrede:
Von ben vor einigen Monaten erlassenen Steuergesetzen bes | Äeiches bars erwartet werben, baß sie ber Reichskasse benjcnigen I Mehrbetrag an fortlaufenden Teckungsmittcln zuführen, der er- . inberlicf) ist, um bei sparsamer Führung des Reick>shaushalts I ten Reichsb^>arf auszubringen und einem weiteren unverhältnis- £ »äßigen Anwachsen der Reichsschuld wirlsam vorzubeugen. Leider ? it es den verbündeten Regierungen nicht gelungen, gleichzeitig | ite seit langem angeftrebte Regelung des finanziellen I Verhältnisses ber Bundesstaaten zum Reiche zu erzielen. I dieser Beziehung bei sich barbietender Gelegenyeit auf^ eine I "^enberung hinzuwirken, wirb meine Regierung fortgesetzt als ihre I Aufgabe bewachten. ________________
Deutsche Kolonien.
Die Verstaatlichung de r Otavibahn. Der seit Eem Frühjahr bekannte Plan ber Verstaatlichung ber Ltavwahn auf ben bamals angegebenen Grunblagen zu einem V ertrag ^mischen dem Gouverneur von Demich^üdwestafrtra und per 2tavi-Minen- und E i s enb a h n g e s e l l s ch a f t gereift, 2er am 22. b. M. durch bie Haupwersammlung ber Oeietlimaft ;nd später durch Bundesrat und Reichstag genehmigt werden vll. Für den Preis von 22 Millionen Mark übernimmt der ftskus den Babnlörper, während das bewegliche BahneigekMim ®rr Gesellschaft bleibt. Ferner zahlt er 2 330 S7o SOtt -4 Plg-
Zweigbahn Otavi-Grootfontein und 150 000 Mr. für die »2as|erleirungsanlagen in llsakos. Außerdem erhöht um der Kaufpreis bis zu 500 000 Mi. für Aufwendungen, welche die ^esellfchast in diesem Jahre gemacht hat. Die llebernahme erfolgt SM 1. Aprll 1910. Ter Kaufpreis wird zum 1. April 1910
o. und je am 1. April 1911 mit 10, 1912 mit la, 1913
D-.^- und 1914 mit dem Rest erlegt. Der v 'achtetoer Gesellschaft ben Betrieb der Bahn vom 1. Aprll 1910
Sitzung der Stadtverordneten.
Gießen, 11 Nvv.
Anwesend sind: Oberbüigerineister Wiecmii, die Beigeordneten Keller, Georgi und Heyligenstaedt; die Staoiverordnelen: Brück, Tr. Ebel, Eichenauer, Eminelius, Dr. Guisleuch, Habenichl, Tr. Haberkorn, üaubach, Helm, Hubn, Jann, Jugharbl, Krnnnn, Selb, Löber, Orbig, Plank, Dr. Schaler, Simon, Troß, Walleniels, Tr. Wimmenauer und Winn.
Die elektrische Straßenbahn.
Nachdem ber Vorsitzenbe von einigen Einlaufen Kenntnis gegeben hatte, teilte er mit, baß bie lanbespol. Abnahme ber elektr. Ltraßenbahn am 20. Noveniber, vormittags 10* 4 _Ubr, vom Bahnhof aus erfolgen werbe. Im Anschluß hieran sollte eine kleine Einweihungsfeier ftattfinben, bestehenb aus einem Festessen auf ber Liebigshöhe, mit amchließenbem großen Konzert. An dem Nachmittag dieses Tages sollen einige Wagen für bie Festgäste zwischen dem Marltplatz unb bem Endpunkt ber Bahn in der Kaiser - Allee verkehren, die allgemein benutzt werben können. Ter regelmäßige Betrieb sott am Sonntag, 21. November, begonnen werden. Weiter teilt ber Vorsitzende mit, baß bie bisherigen Probefahrten zur größten Zuftiedcnheit ausgefallen seien.
Stadtv. Wallenfels macht darauf aufmerksam, daß der bisher schon äußerst lästige Viehtrieb auf der Bahnhofstraße mit ber Inbetriebsetzung bet Straßenbahn geradezu gefährliche Formen annchmen werde, und fragt, ob entsprechende Vorkehrungen getroffen seien.
Der V o r s i tz e n d o gibt das Mißliche des Zustandes zu, aber eine Abhilfe sei vorläufig nicht zu erreichen. Tie Viehtreiber müßten eben auf ihre Tiere um so mehr achtgeben.
Grundsätzlich hat die Versammlung bereits den Zehnpfennig- Tarif angenommen. Das Ministerium hat dies bereits genehmigt, regt aber an, Kinder bis zu 6 Jahren in Begleitung Erwachsener frei zu befördern, wenn iein besonderer Platz für sie beansprucht wird. Man stimmt dem zu unter Festsetzung der Altersgrenze auf 4 Jahre (wie bei der Bahn).
Auf Anregung des Stadtv. Jann, ber von den Stadtvv. Krumm und Dr. Haberkorn darin unterstützt wird, beschließt man ferner, den Krankenschwestern, bie in der Stabt Kranke verpflegen, freie Fahrt zu gewähren. Es sott bas in ber Form geschehen, daß man ben Schwestern Fahrmarten zur Verfügung stellt, ba, ber Kontrolle wegen, grundsätzlich niemand ohne zu bezahlen die Bahn benutzen darf.
Ter Voranschlag ber Straßenbahn bis 1. April 1911 finbet Genehmigung.
Auf eine Anfrage bes Stadtv. Emm elins teilt der Vorsitzenbe mit, baß dir Stadt jetzt schon für den Betrieb der städtischen Straßenbahn inderHaftpflichtversicherung ist.
Mitteilungen.
Ter Vorsitzende macht Mittelluna von ber gütlichen Einigung mit ber Kirchenbehörde hinsichtlich ber Besitzverhältnisse des Stadtkirchturmes unb ber Friebhofskapelle auf dem Nahrungsberg. (Wir haben bie Sache schon mitgeteilt.)
Bei ber Besprechung ber hessischen ©täbtebürgermeifter über bie Gemeindesteuerveform. wurde bie Abhaltung eines Stäbte- tages mit Majorität abgelehnt. Tie Stabt Gießen wird nunmehr in dieser Frage allein Vorgehen unb die Versammlung wird sich bemnächst mit einer entsprechenden Vorlage zu beschäftigen haben.
Stabw. Jugharbt gibt hierauf folgende Erklärung ab: In Nr. 250 des m Friedberg erscheinenden Mattes „Neue Tageszeitung" ist ein Artikel von Gießen enthalten, der unsere Tätigkeit hier kritisiert. — Ich war mir im Zweifel, ob man einen so schmählichen Artikel, dessen Inhalt zum Teil schon von dem Harrn Kollegen Mermer als Lüge bezeichnet worden ist, nicht unbeachtet lassen sott, möchte aber doch meinerseits einen Satz desselben nickst unerwähnt lassen, der politisch mich m 11 betrifft unb welcher lautet: , , .
„Tie wenigen Stadtvevordneten, die sich noch eine eigene Meinung bewahrt haben, werben von ihren übrigen Kollegen, welche sich swlz als „freisinnige" Männer bezeichnen, vor Leuten wie Prof. Biermer aber aus bem Bauche rutschen, schmählich im Stieb gelassen." , , . ., ,
Dazu bemerke ich: Möge ber Artikel,chreiber, ben ich leider glaube unter den Stadtverordneten vermuten zu können, unb ber sich für mich schon genügenb kennzeichnet baburdj, daß er bie angeführte Zeitung zu feinen Auslassungen benutzt, dafür sorgen, baß er seine eigene Meinung so bewahrt und so wenig zum Bauchrutsch en kommt, wie man es von freisinnigen Männern ge- w-ohnt ist, möge er darauf Bedacht nehmen, daß er in seinen Stellungen nicht unnötig zum Fenster hinaus redet, und möge er weiter darauf Bedacht nehmen, sich nickst durch Ueberhebung unb Einbildung lächerlich zu macken. — Tas ist, was ich dem Artikel- schreibcr zu sagen habe. (Bravorufe.)
Die Bahn Gießen-Brandoberndorf.
Tas durch Ingenieur von Äreitfefi) in Berlin-Wilmersdorf bearbeitete Projekt liegt nunmehr vor. Nach ihm wird bie Bahn 30 Kilometer lang unb 2,2 Millionen Mark Baukapital erforbert. Der Bearbeiter des Prvjetts hat eine Verzinsung von 2Vs Prozent berechnet, bie burch die staatlichen Zuschüsse, bie Hessen unb Preußen für derartige Bahnen gewährt, noch erhöht werben. Eine Besprechung des Pwjeftes, zu ber bie Vertreter der beteiligten Gemeindeii in großer Zahl erschienen waren, hat kürzlich statt- gefunben 'Nunmehr handelt es sich darum, mit ben Gemeinden über bie kostenlose Geländestellung unb die Beteiligung an den Bau losten zu verlwndeln. Von bem Grab bes bei dieser Frage sich zeigenden Interesses wirb es abhängen, ob bie Bahn gebaut wirb Für die Bearbeitung des Pwjettes hatte bte Versammlung unter Zugrundelegung eines Einheitspreises von 150 Mark für Den Kilometer 3500 Mark bewilligt, welcher Bettag auf 4500 Mark erhöht wird.
Straßenangklesienheiten.
Tie Kreis st raße Gießen —Kleist-Linden ist ist städttscher Unterhaltung, bloß das Heine Stück unter der Eisenbahn bei Klein-Linden nicht. Der Kreis möchte auch befien Unterhaltung der Stadt übertragen. Die wünschenswerte Pslaste- rung der Strecke würde 4000—6000 Mark kosten, doch wlll ber : Kreis so viel nickst ausgeben. Eine Neuchaussierung wird^ 330 Mark kosten unb der Kreis ist bereit, diesen Bettag der Stadt zu geben, sowie ihr jährlich 19 Mark für bie Unterhaltung ber > gtrede zu be-ahttn. Die Stadt ist ber Ansicht, daß mit biefen : geringen Summen die Sache nickt zu machen ist unb lehnt daher ■ die Uebemaf.mc der Straßenstrecke ab. .
Ter Bebauungsplan für die Gutenberg st ratze wirb ! genelmigt, ebenso da- für die Straße zu erlassende Lrtsbau- ; jhxtut, das offene Bauweise und 2 Stockwerk hohe Häuser vorsieht. , Zu dem Bebauungsplan für die Bahnhofstraße zwi- ) {(5en Post und Brücke Über die Eisenbahn, der kürz-
auf zehn Jahre: die Pacht wird dann stillschweigend um fe j lick beschlossen würbe, ist von grau Lenz ein Einspruch eingelaufen, ' - - - *•’ rn"*1 • wovon man Kenntnis nimmt.
ortBchrittl.pol hldungs ■ Vereii
Freitag den 19. Nov., aba /, Uhr, un Hole! Lchüg: Ertrag x-U-z „Die Volksbewegung < 1848 und ihre Bedeati für die Gegenwart,-1 alle willkommen. - [?
ärgergeseMi:
Zamstag den 13. Mt Pojtkeller:
Feier dee
fertigen, die versel>enttich beide dem Käufer in Rechnuna gestellt wurden. Tie Versammlung ist bamit einverstanden. Daß ihm die 29,43 Mark betragenden Kosten des 1. Meßbriefes zurück- erstattet werden.
Städtische Arbeiten und Lieferungen.
Einige Rechnungen über freihändig erfolgte VergebustgLN und Lieferungen werden genehmigt. Eine derselben betrifft die Reparatur des Dampfkessels in der Stadtknabenschule, für die 036 Mark audgegeben wurden. Ursprünglich waren 6000 Mark für die Anschaffung eines neuen Kessels vorgesehen, aber nach Prüfung der Anlage durch Beig. .Heyligenstaedt und Stadtv. Sckaffstaedt kam man zur Ansicht, daß bei einer gründlichen Ausbesserung bet Kessel noch längere Zell benutzt werden kann.
Wilh. Valentin ersucht um Erhöhung des Preises für die Anfuhr von Kies, ba er infolge verschiedener Umstände (Sttaßenausbrückre, Sperrung der L ich er Straße) gegen den Sub- missivnspreis Gelb zulegen müsse. Tie Deputation hat beantragt, 900 Mark Entschädigung zu gewähren.
Stadtv. Jugharbt hält 500 Mark Entschädigung für aus- veichenb. . . . „ t
Beig. Georgi bedauert aus prinzipiellen Gründen den Anttag der Kommission, da durch solche Nachbewllligungen andere Refleftanten auf bie Arbeit, die von Bomber cm höhere Jvrde> rungen stellten, dadurch geschädigt würden, daß sie bei der Vergebung aus fielen. Wenigstens solle man nicht mehr geben, als verlangt werde. „ „ t ,,
Die Stadtvv. Winn, Haubach, Huhn und Wallenfels sprechen sich ähnlich aus, wollen aber in Anbettacht der vorliegenden Umstände eine Summe bewilligen.
Man setzt die Vergütung auf 600 Mark fest.
Für die höhere Mädcken schule wlld ein Kredit von 50 Mark zur Anschaffung einer Schillerbüste bewilligt.
Stadtv. Leib bringt hierbei jur Sprache, daß Teile des erst kürzlich gereinigten Liebigdenkmals gelbe Flecken aufweisen.
Stadtv. Troß hat sich dieserhalb erkundigt und erfahren, daß bie Hauptfigur aus rararischen und die Nebenfiguren aus daß bie Hauptfigur aus kararischem und die Nrvenfiguren aus komme.
Stadtv. Haubach spricht sein Bedauern aus, daß kür^ich das Liebigdenkmal eigenartig geschmückt worden sei. Durch derartigen Unfug könne leicht das Denkmal beschädigt und dauernd entwertet werden.
Stadtv. Emmekius schließt sich dem an und rügt, daß
•Haefeff,


