Ausgabe 
12.7.1909 Zweites Blatt
 
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Provinzial-Ausschutz der Provinz Oberhessen.

L. Gießen, 10. Juli.

Die Sache Haugesuch des Ernst Fceuudlicb II. zu Als­feld betreffend wurde vertagt.

In dem Verfahren zur Enteignung von Ge­lände in der Gemarkung Butzbach für die Er­bauung einer Nebenbahn von Butzbach nach Ebersgöns war von der Unternehmerin, der Firma Lenz & Co. in Berlin, Antrag auf vorläufige Besitzeinweisung gestellt worden, iltach Anhörung der Parteien beschloß dec Provinzial-Aus­schuß am Mittwoch, dem 14. d. M., über diesen Antrag zu entscheiden, vorher aber durch eine Kommission Augen­schein an Ort und Stelle nehmen zu lassen.

Ebenso soll durch eine Kommission Augenschein einge­nommen werden über Kläranlagen an anderen Orten, bevor über das Gesuch der Stadt Bad-Nauheim um Er­laubnis zur Einleitung der Abwässer in die Usa weiter verhandelt wird.

Arbeiterbewegung.

Der Lohnkarnpi im ober schlesischen Baugewerbe hat sich stark zugespitzt. Der A r b e i t g e b e r v e r b a n d beschloß, die Generalaussperruug heute durchzuführen. Die Ab­sicht, die Aussperrung nicht aus Mitglieder der katholischen Fach- abteiluugen und auf nicht Organisierte anszudehnen, hat der Ver­band saßen lassen. Tie Aussperrung geht von sämtltchen 92 Maurer- und Zimmermeistern des oberschlesischcn Jndustriebezirks aus. In Hamburg versucht man jetzt die Meinungsverschiedenheiten im Baugewerbe durch Eintgungsverhandlungen vor dem G e - werbegertcht beizulegen. Die Organisationen der Arbeit­nehmer haben sich schon vor längerer Zeit dazu bereit erklärt und jetzt hat auch der Langewerbeverband feine Zustimmung dazu ge­geben. Tie Verhandlungen iverden am Montag den 19. Juli beginnen. Tie iiagc in den Kohlengruben von Glas­gow verschlechtert sich täglich. Die Grubenbesitzer haben sich gegenseitig verpflichtet, den Arbeitern keine Zugestand- nisse zu machen. Am nächsten 'Montag wird eine Gruben­arbeiter-Versammlung einen Entschluß fassen. Ter amerikanische Arbeiterbuud unterstützt die Eljenbahuarbclter in ihrem Kampfe gegen den Feinblechivalzwerk- und Stahltrnst.

Gerrehtssaal.

r. Hungen, 10. Juli. Bor dem Schöffengericht stand beide die L traf rat einiger Bergleute zu Trais-Horloff zur Berhandlung. Es find ähnliche Taten, begangen von polnischen Arbeitern, über. die anfang Frühjahr berichtet wurde. Damals hatten mehrere Po laten bei einem Wirt in Trais-Horloff die Türe eingcfchlagen und groben Unsiig verrichtet, die heunge Verhandlung führt eine solche Tat in Obbornhofen vor. Vor den Dchranten des Gerichts stehen zwei Bergleute, aus der Zellenstrafanstalt Butzbach vorgefüyrt, ein dritter befand sich hier in Untersuchungshaft,' während der vierte Angeklagte picht cmffüidbar ist. Tic Ange-

nicht grollend abseits, sondern arbeiten praktisch mit

Abg. Cuno (Fr. Vp.):

Die Werkzutvachssteuer ist tot, es lebe die Wertzuwachs­steuer. Die Folge des Antrages wird eine beispiellose Spekula­tion sein. Nicht nur spekulativ veranlagte Terraingeschäfte, son­dern auch der reelle Grundstüäshandel wird getroffen. Die Tragweite des jetzt in letzter Stunde gestellten Antrages Graf Westarp kann kein Mensch übersehen.

Mayer-Frankfurt (S^ermmuiia), 2. Franz Schwarz (Mainzer Fechtklub). Leichte Säbel: 1. Franz Jack-Frankfurt (Her­man nia), 2. Robert Sommer. Schlvere Säbel: 1. R. Sauter (Wiesbadener Fechtklub), 2. Robert Wetz (Fechter-Vereini­gung Wiesbaden). Schläger: 1. R. Sauter, 2. R. Staadt (Wiesbadener Fechtklub). Nach dem Fest-Bankett wurdd die Entwicklung der Fechtkunst vom Altertum bis in die Neuzeit dargcstellt.

ebenfalls dort beschäftigten Karl Kraft aus Bleichenbach mit einer Vogelflinte in die Brust. Ob der Schwerverletzte mit dem Leben davonkommen wird, ist noch zweifelhaft.

O Hermannstein, 11. Juli. Das 25jährige Stif­tungsfest unseres GesangvereinsEintracht" konnte heute unter großem Andrang gefeiert werden. Von der alten Burg­ruine winkte die flatternde Fahne allen Gästen ein WUlkommen entgegen, wie auch das Dorf miss schönste geschmückt war. Der Festplatz, jenseits der Lahn gelegen, loar gerade da gewählt, wo die Dill bei dem jüngsten Hochivasser den Damm durchbrochen hatte. Punkt 2 Uhr trat ter Festzug an. 17 auswärtige Ge­sangvereine waren erschienen, ebenso nahmen die hiesigen Vereine Anteil. Lehrer Menz, der langjährige Dirigent, hatte zur Er­öffnung der Feier MozartsWeihe tes Gesangs" eingeübt, dem als zweites Lied ein gemischter Chor folgte. Die Festrede gedachte besonders auch des 1. Dirigenten Gorr aus Heuchelheim, welcher unter großen Strapazen 11 Jahre lang dem Verein vorgestanden. Fräulein Zehner überreichte die von den Jungfrauen gestiftete Fahnenschleife, die vom ältesten Mitglied, Schäfer, unter danken­den Worten au die Fahne befestigt wurde.

Echzell, 10. Juli. In seltener Einmütigkeit und unter sehr starker Beteiligung der Bürgerschaft wurde heute unser allverehrter Bürgermeister Reitz zum dritten Male mit 316 Stimmen gewählt. Eine Gegcnkandidatur gab es nicht. Der Gewählte hat das Bewußtsein für sich, daß die Gemeinde ohne Ausnahme seiner seitherigen Amtstätigkeit volle An­erkennung gezollt hat. Auf seinen Wunsch wurde von dem von den hiesigen Vereinen projektierten Fackelzug Abstand genommen, statt dessen brachte ihm der junge Schüler-Turn­verein mit Trommeln und Pfeifen ein Ständchen dar, das in einem dreifachen Lebehoch ausklang. Diese Aufmerksamkeit der jüngsten Ortsbürger wurde entsprechend belohnt.

F. E. R ü d e s h e i m , 11. Juli. Gestern und heute fand in der Turnhalle das 30. Gauoerbandsfest Mittel­rheinischer Fechtklubs, verbunden mit der Feier des 25jährigen Bestehens desFechtklub Rüdesheim" statt. Die Klubs aus Bafel, Bürgel b. Offenbach a. M., Butzbach, Darmstadt (Fechtklub Franevnia), Frankfurt a M., Karls­ruhe, Köln, Kreuznach, Mainz, Mannheim, Rüdesheün, Wiesbaden (FechtUub, Fechter-Vereinigung- und Worms waren vertreten. Am 10. Juli fand am Bor- und Nach­mittage das allgemeine Gau-Wettfechten für Junioren in Florett, leichtem und schwerem Säbel, sowie Schläger statt. Als Sieger gingen hervor: Florett: 1. Robert Sommer (Darmstädter Fechtklub,, 2. Frohnweilcr (Mainzer Fecht- tlub), 3. Ludwig Lipp (Mainzer Fechtklub). Leichte Säbel: 1. Robert Sommer, 2. Ludwig Lipp, 3. Stephan (Darm­städter Fechtklub). Schwere Säbel: 1. E. Merker (Fechter- Bereinigung Wiesbaden-, 2. Franz Boltendahl (Fechtklub Rüdesheim,, 3. Willy Frick (Wiesbadener Fechtklub >. Schlä­ger: 1. Karl Jäger (Wiesbadener Fechteiub, 2.C. Merker (Fechter-Vereinigung Wiesbaden), Jul. Reutersham (Fechter- Vereinigung Wiesbaden). Am Abend beging dec Fedutlub Rüdesheim die F-eier seines 25jährigen Bestehens. Franz Boltertoahl-Mdesheim hielt nach der Begrüßungsansprache die Festrede, in der er die Entwicklung der Fechtkunst dar­legte. Am 11. Juli, hall) 8 llhr vormittags, begann das Allgemeine Gau-Wettfcchtcn der Senioren"" in den gleichen vier Waffen. Als Sieger sind zu nennen: Florett: 1. Hch,

Am Sturze Bülows sind die Liberalen schuld. Ohne die Liberalen wollte Fürst Bülow keine Finanzreform machen, die Liberalen aber sind fortgelausen. (Heiterkeit und Beifall rechts.)

Ein Mehrheitsantrag auf Schluß bei Debatte wird gegen die Linke angenommen.

Vom Abg. Singer (Soz.) liegen sieben Anträge auf namentliche Abstimmungen vor. (Große Unruhe rechts und im ?entrum.) Die Anträge werden sämtlich genügend unterstützt.

Erneuter Lärm rechts und im Zentr.)

Beim Finanzgesetz werden die Bestimmungen über die Matrikularbciträge debattelos genehmigt, die Wertzuwachs st euer wird einstimmig abgelehnt. Beim K a f f e e z o I l wird der Zoll für gebrannten, gerösteten und ge­mahlenen Kaffee von 80 auf 85 Mk. pro Doppelzentner erhöht. Die Kaffeezollcrhöhung selbst wird darauf mit 191 gegen 158 Stimmen bei 2 Enthaltungen beschlossen. Zum Tee- zoll liegt em Antrag Fegt er (Fr. Vp.) und Dr. Semler '(92atl.) vor, die Erhöhung zu streichen. Der Antrag wird mit 214 gegen 143 Stimmen abgelehnt, so daß die Erhöhung von 25 auf 100 Mk. bestehen bleibt. Zur Besteuerung der Be­leuchtungsmittel liegen Anträge von Dr. Weber (Natl.) auf Herabsetzung der Steuersätze vor. Die Anträge werden ab­ge I e h n t. Dagegen wird ein Antrag Dr. Roesicke (Kons.) angenommen, der eine Differenzierung der Bcleuchtungs- mittel nach Lampen und Kohlenfäden und Metallfäden vomimmt. Die Steuersätze für die letzteren und für Nernstlampen werden auf das Doppelte erhöhll Die so veränderte Besteuerung auf Beleuchtungsmittel wird angenommen. Die Z ü n d - bolz st euer wird mit 196 gegen 157 Stimmen angenommen. Die Herausschiebung der Ermäßigung der Z u d e r ft c u e r bis zum 1. April 1914 wird mit 217 gegen 121 Stimmen bei 15 Ent­haltungen beschlossen. Zur Fahrkarten st euer 6can- tragen die Sozialdemokraten die Wiederher« stellung der Regierungsvorlage. (Aufhebung.) Der Antrag wird mit 205 gegen 149 Stimmen abgelehnt. Ein Antrag Raab (Wirtsch. Vg.) regelt das Inkrafttreten dieser Steuern. Der erhöhte Kaffee- und Teezoll tritt am 1. August 1909 in Kraft, die übrigen Steuern am 1. Oktober 1909. Der Antrag wird angenommen. In der Gesamtabstim. mung wird das Finanzgesetz mit 226 gegen 127 Stimmen angenommen.

Die Erhöhung der Schaumweinsteuer wird auf An­trag Dr. Roesicke (Kons.) wie folgt vorgenommen: für eine Flasche bis 4 Mk. auf 1 Mk., bis 5 Mk. auf 2 Mk. und über 5 Mk. auf 3 Mk. Der Eingangszoll wird auf 180 Mk. pro Doppel­zentner erhöht. Die so veränderte Schaumweinsteuer- Erhöhung wird mit 232 gegen 120 Stimmen angenom­men. Die Erhöhung tritt am 1. August 1909 in Kraft. Die Scheck st euer wird unverändert genehmigt. Zu dem Stempel für Grundstücksübertragungen liegt ein Antrag Graf Westarp (Kons.) vor, der Ersatz für die abgelehnte Wertzuwachssteuer schaffen soll. Der Antrag sieht eine provisorische Reichswertzuwachssteuer bis zum 1. April 1912 vor, die jährlich 20 Millionen Mk. bringen soll. ,

Abg. Graf Westarp (Kons.) begründet seinen Antrag und erläutert seine Einzelheiten.

Bis 1912 wird sich ein Weg firtben, wie wir eine endgültige Regelung vornehmen können.

In einem zweiten Antrag Graf Westarp wird die Steuerfreiheit für kleine und mittlere Grundstücke festgelegt.

Abg. Graf Westarp (Kons.) begrünbet auch biesen Antrag, ber aus sozialen Grünben ge- : stellt sei.

Antrag Graf Westarp beshalb ab.

ReichSschatzsekretär Sydow:

ES ist ein merkwürbigeS Schauspiel, das wir hier jetzt erleben. (Lebhafte Zustimmung links.) Bisher war der ganze Reichstag einstimmig ber Meinung, baß für Immobilien eine Wertzuwachs- steuer eingeführt werben soll. (Hört! Hört! rechts unb im Zen­trum.) Vor allem konnten sich bic Freunde des Herrn Cuno nicht genug tun. Der Antrag Graf Westarp sieht den Weg vor, den ich bereits früher als gangbar bezeichnet babc. (Abg. Singer: Er ist also bestellte Arbeit!) Es ist doch also gar nichts dabei, wenn eine Anregung von mir als Antrag ausgenommen wird. Es ist durchaus richtig, daß den Gemeinden ein Anteil ber Wertzuwachssteuer gelassen werben soll. Der Gc- banle, daß bie Gemeinben bevorzugt werden, bie bic Wert­zuwachssteuer bereits eingeführt haben, ist ein burchauS richtiger Gedanke. Es geschieht doch alle Augenblicke, daß wir durch Heber« gangsbestimmungen den Besitzstand zu schonen suchen. Aus diesem Grunde will der Antrag Graf Westarp den Gemeinden, die die Wertzuwachssteuer haben, für eine gewisse Zeit den Besitz ihrer durchschnittlichen Einkünfte lassen. Den Gemeinben aber, bie bie Wertzuwachssteuer erst einführen wollen, soll kein Anspruch auf ben Schutz ihres Besitzstanbes zustehen. Diese Bestimmung ist für die Gemeinden, die bie Wertzuwachsstcuer bereits haben, eine gewisse Beruhigung, unb für bie, bie sic erst einführen, ein ge­wisses avis au iecteur. Wenn Herr Cuno gesagt hat, bic Speku­lation würbe gefördert werden, so erwidere ich ihm, daß wir Mißbräuchen nachträglich begegnen werden. Ich werde mich schwer hüten, zu sagen, wie ich mir das denke, da sich sonst die Spekulation das zu nutze machen würde. (Heiterkeit und Beifall rechts unb im Zentr.)

Abg. Dr. Müller-Meiningen (Fr. Vp.)?

Der Schatzsekretär hat eingestanben, baß er biejen schönen Antrag bes Grasen Westarp selbst fabriziert hat (Große Heiter- leit links). Daraus geht wenigstens das eine hervor, daß die Re. gierung sich allmählich schämt über die Art, wie die Geschäfte hier geführt werden. Durch diesen Antrag wirb auch zum Ausbruck gebracht, baß bie Regierung ein Gesetz wie bas Finanzgesetz in biesem Zustanbe gar nicht publizieren kann. Jnfolgcbessen haben Sic biesc Bestimmungen, bie sic unter Bruch ber Geschäftsorbnung in das Finanzgesetz hineingebracht haben, hier wieder heraus, genommen. Ein Bestandteil dieser schönen Gesetzgebung ist auch dieses herrliche Wertzuwachssteuergesetz. (Lebhafter Beifall links, Widerspruch rechts.)

Der Antrag Westarp auf Einführung einer proviso- rischen Wertzuwachssteuer wird in namentlicher Abstimmung mit 222 gegen 128 Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen.

Ein Antrag Graf v. Carme r-Zieserwitz (Kons.) will gleich- falls als Ersatz für die Wertzuwachssteuer von den Familien­fideikommissen, Lehn« und Stammgütern alle 30 Jahre pränume- rando eine Abgabe von % Prozent des Wertes erheben. Der Antragsteller begründet ben Antrag kurz. Wenn alles zu ben Reichslasten beiträgt, sollen auch bie Fibcikommiffe nicht frei bleiben.

Der Antrag Graf Carmer wird einstimmig angenommen. (Großes Hallo!) Das Reichsstcrnpelgesctz wird angenommen. Die Erhöhungen des Wechsel« st c rn p e l s treten nach einem Antrag Frhr. v. G a rn p (Rp.) be­reits mit dem 1. August 1909 in Kraft. Ferner wird die Be­steuerung insofern erhöht, als der Stempel bereits für Wechsel mit dreimonatiger Umlaufszeit künftig doppelt hoch besteuert werden soll.

Damit ist die Finanzreform in dritter Lesung erledigt. (Bravo! rechts und im Zentr.)

Nächste Sitzung: Montag, 11 Uhr. Kleiner: Vorlagen, Wahlprüfungen, Beamtenbesolbungen.

Schluß %7 Uhr,

^kündet haben. '(Lebhafte Zustimnnrng links.) Sie kommen über die Tatsache nicht hinweg, daß durch bie Ausführungen bcs Staats­sekretärs von Bethmann-Hollwcg feierliche Erklaru nge n - derselben Regierung von früher prersgegeben sind Sie haben . sich der Koalition gefügt, die zwar im Hause eine Macht bat, aber nicht im deutschen Volte. Tic verbünteten Regierungen haben ihre , Verbeugung vor dem Geßlerhut des Zentrums gemacht.

Die heutige Erörterung zeigt bie ganze Unhai tbar- Icit ber Situation. Eine Mehrheit, auf bie stch bic Regierungspolitik stützen könnte, ist m biesem Hause nicht vor- 1 hanbeii. Wir wünschen, baß bie Einigung der liberalen Par- feien aufrecht erhalten bleibt, beim dem.liberalen Gebanken ge- hört bie Zukunft. (Lachen rechts. Bei all links.) . Wenn ber Kampf kommt, so werden wir mit Zuversicht ihn Beginnen. Wir sind überzeugt, baß die Niederlage von heute, bie Mutter unseres Sieges in ber Zukunft sein wirb. (Lebhafter Verfall links, Lachen rechts.)

Abg. v. Dirksen (Rp.): '

Mit großer Konsequenz unb Selbstverleugnung haben wir von Anfang an ben Stanbpiinkt festgehalten, baß es unter Zu- rücksetzung aller parteipolitischen Zwecke allem nur baranf an- kam, die Finanzen des Reichs zu sanieren. Wir haben unsere Ucberzeugung immer optima hde zur Geltung gebracht. Im Anfang haben wir versucht, mit ber Blockrnehrhcit zusammen zu arbeiten unb wir haben es lebhaft bedauert das kann ich Ihnen im Namen meiner Partei erklären daß em weitere? Zu­sammenarbeiten mit bieder Mehrheit aus den letzten Wahlen nicht möglich war. (Sehr richtig! bei der Reichspartei.) Wir haben 7s ür unsere nationale Pflicht gehalten, mit der neuen Mehrheit zusammen zu arbeiten, um das Reich aus seiner Finanznot herauszubringen. Wir haben alles getan, um die Vorlagen möglichst günstig für das Volk zu g-stalten. Leider enthalt die Finanzreform noch manche Mangel. Wir bedauern besonders, daß wir bei der Branntwein­besteuerung nicht in ber Lage waren, eine Heber- spannung der S o n b e r i n t e r e s s e n zu verhmbern. (Hort! hort! links.) Aber trotz bieser Schönheitsfehler ist bie Finanzreform brauchbar. Lebhaft bedauern wir, daß der Reichskanzler, dieser hervorragende, von Vaterlandsliebe ge­tragene Staatsmann, nach dem Gange der Dinge es für not­wendig hält, seinen Abschied zu nehmen. Wir bedauern auch die Parteizerklüftung und die scharfen Gegensätze, die sich jetzt wieder geltend machen, unb wir hoffen, daß sie allmählich wie­her auf bas berechtigte Maß zurückgehen werben. (Beifall rechts.)

Abg. d. CzarlinSki (5ßole)'

verliest folgende Erklärung: In durchsichtiger Absicht ist in der letz­ten Zeit viel von einer konservativ-klerikal-polni­schen Koalition die Rede gewesen, wobei besonders Nach­druck auf das Wortpolnis ch" gelegt worden ist. Ein angesehe­ner Führer der Nationalliberalen hat sogar in einer Versammlung bie Frage aufgeworfen, ob man beim glaube, baß bic Polen ihre Zustimmung zur Fmanzrcform gratiö geben würben. (Sehr richtig! links.) Ich habe bemgjegenüber zu erklären, baß für unsere Haltung bei ber Finanzreform rein sachliche Grünbe maß- gebenb gewesen finb. Niemanb hat uns beeinflußt, unb auch wir haben nickt versucht, jemanben zu beeinflussen. Wir haben lebig- lich unsere Pflicht als Abgeorbnete getan unb haben baS klei­nere Hebel gewählt. (Lachen links.) Nun ist hier auf die deutsche Kultur hingewiesen worden. Wir wollen aber auch für unsere Kultur eintreten. Darum wünschen wir daß bei biesem Kulturwettstreit mit Gewaltmaßregeln unb Ausnahmegesetzen gegen unS jetzt nicht mehr gekämpft wirb. Wir haben mm bewiesen, baß wir mit Recht verlangen können, als Aeichberechtigte Staatsbürger behanbell zu werben.

ALg. Raab (Wirtsch. Bg.) :

Arn meisten freuen wir unS über bie Vörsensteuer. Der Gedanke ber Erhaltung beS Blockes war störenb in ber Fi­nanzreform. Fürst Bülow war zu optimistisch, wenn er schon jetzt glaubte, daß kne Freisinnigen zur Mitarbeit reif waren. Ein pol- nischer Abgeorbneter, ber für bie Finanzreform em tritt, ist heute mehr wert als 50 Freisinnige. (Sehr richtig! rechts.) Auch wir hebauern baS Scheiden des Kanzlers. Wer weiß, ob wir je einen solchen Mann wieder bekommen! Wir waren an seinem Sturze nicht schuld, den hat die Linke verursacht. (Lachen links.)

Ans SLaSt nnd Land. 1

Gießen, 12. Juli 1909. ;

H Ernennung. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog

i: cat dem Großbrauereibesitzer zu Saint Louis, Staat Missouri, l3<ceinigte Staaten von Amerika, Adolphus Busch ans s!)2ainz-Kastel den Charakter als Geheimer Kommerzienrat erteilt.

* Erleb i gte Lehrerstellen. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge- ni«indeschule zu Biebesheim, Kr. Groß-Gerau.

I Recnizek-Aus stellung. Der so früh verstorbene geivandte Zeichner flotter Frauengestalten ist rasch ein Lieb­ling der großen Menge geworden, vielleicht gerade wegen der lenkten, flüssigen Linie seiner modischen Bilder, und sicherlich auch wegen der genugsam bekannten Vorliebe fürreizvolle Manterie^. Augenblicklich sind in der Kunsthandlung von

I > Hirz eine Anzahl der technisch sehr gut gelungenen vDnderabdrucke seiner Bilder ausgestellt, die eine gute lieber» sicht über das Schaffen beS Künstlers gewähren. Es ist eine )t«ihe seiner besten und bekanntesten Bilder, die diesenMeister bet Kleidung" in seiner gesamten Art trefflich zum 9(u§- jeud bringt. Die Ausstellung bleibt nur noch wenige Tage

Ort.

** Männerturnverein. Am Samstag veranstal­tete der M.T.V. in seiner Vereinskneipe eine kleine F-eier Ehren der Sieger vom Gauturnfest in Marburg.

erste Sprecher, R. A. Kaufmann begrüßte die zahl­reich erschienenen Mitglieder und führte aus, daß der .)L T.V. auf feine Erfolge bei den diesjährigen Turnfesten imit Stolz zurückblicken könne. Die auf den F-eldberg ent- lümdteu Turner hätten alle Kränze erkurnt und fo den Erfolgen der früheren Jahre neue hinzugefügt. Aber nicht nur das volkstümliche Turnen sei im Dl. T. V. gepflegt -weben, man habe auch in allerdings harter Arbeit ver­nicht die Turner an den Geräten gut durchzubilden. Daß bües gelungen fei, habe das Gauturnfest gezeigt, bei dem in Einzelwecturnen 3 Kränze in der Ober- und 4 Siege in lixc Unterstufe errungen worben seien. Dabei müsse heroor- gnhoben werden, das; die höchste Punktzahl an den Ge­lten zwei Turner des M. T.V. erreicht hätten und zwar Wert 81 und CH. Schmidt 76. Der Zögling Karl Thöt iWbe iin Stabhochjpringen alle Mitbewerber, auch die der iOberstufe übertroffen, indem er 24 Punkte deutsch, d. h. |3 Meter hoch sprang. Den schönsten Erfolg habe aber die 'Ve r e i n s m u st e r r i e g e errungen, die mit 373/8 Punkten eäne Höchstleistung erreicht habe, wie sie vorher im Gau -noch niemals gezeigt worden war. In erster Linie sei dies ber unverdrossenen Arbeit der beiden Turnwarte zu danken, nscht minder aber auch den Mitturnenden selbst, und er » erfülle gern die Pflicht, den Dank des Vorstandes und l!»Tnrnrates allen denen auSzuspcechen, die an diesem Cc- hjolge mitgearbeitet hätten. 3cm Gut Heil auf die dics- IjiäJjrigcn Sieger fand lebhaften Äicderhall bei allen An- « ck) entern

Stockheim, 10. Juli. Aus Unachtsamkeit schoß et Schlosferlehrling in der Gerlach'schen Holzschneider«.'! den

Abg. Almmerminm"'(RefJ^ . T «Lg. Dr. Sllbekum (So-.7:tz» - x

Wir sind von Anfang an für bie erbanfanflcucr emgetreten.I Der Antrag Westarp legt dem neuen Reichsranzler. Nackbem bie Entscheibung aber gegen uns gefallen ist, stehen wir sben noch kem Mensch kennt, aus eine bestimmte Steuer fest WaS nickt arollcnb abseits, sondern arbeiten praktisck mit. machen wir, wenn ber neue Mann em ®cgncr

steuer ist t Wir sinb prinzipiell )ur eine Rcichswertzuwachvsteuer, die auf die Gemeinden entsprechende Rücksicht nimmt. Das tut ber Antrag Gras Westarp nicht, ja, er benachteiligt bic Stabte, bic bie Wertzuwachsstcuer bereits eingeführt haben. Wir lehnen ben