Mittwoch 13. Oktober 1908
158. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. S40
Eichener Anzeiger
Erscheint ttigll- mit Ausnahme des SonntagS.
General-Anzeiger für Gderheffen
Der Ztapellaus einer neuen schulschrsfer.
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Auf
beschäftigt.
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die als
besondere Aufgabe der konservativen Partei bezeichnet hat. Das Zentrum wird zweifellos aus der innerpolitischcn Situation, wie sie trotz der'Sprengung des Blockes klar erkennbar ist, auf der ganzen Linie die Folgerungen ziehen. Erne dieser Folgerungen wird schon alsbald beim Wiederzusammentritt des Reichstages zu ziehen sein. In den Blättern ist neuerdings viel hin und her geredet worden über die Präsidentenwahl in der nächsten Reichs- tagssession. Müßiges Gerede insoweit, als keine der parlamentarischen Fraktionen sich bisher mit dieser Frage beschäftigt haben wird. Ganz besonders trifft das für das Zentrum zu. Aber auch ohne daß eine Fraktionsfitzung des Zenttums stattaefunden, oder auch nur irgend eine führende Persönlichkeit des Zenttums ;u der Frage sich geäußert hat, kann man doch mit aller Bestimmtheil sagen, daß das Zentrum nicht daran denkt, dem Reichstage d e m n ä ch st wieder den e r st c n P r ä - Iidenten z u stellen. Wenn ihm die Uebernahme dieses Postens angesonnen würde, so könnte es unter den obwaltenden
Umständen nur ablehnen. Die offizielle Führung der Reichstags- geschäste durch ein Mitglied des Zentrums würde nicht der Gesamtlage unserer parlamentarischen Verhältnisse entsprechen, so sehr auch ein Anspruch des Zenttums, als der weitaus stärksten Fraktion, auf den ersten Präsidentenplatz an sich berechtigt erscheint, und so glänzend auch der letzte aus dem Zentrum hervorgegangene Reichstagspräsident an dieser schwierigen Stelle sich bewährt hat.
politische Tagesscharr.
Die Gruppierung auf der Rechten.
Im „Tag* gibt Herr Bachem die Antwort auf kritischen Bemerkungen der „Kreuzztg." über das Zentrum
Rotationsdruck und Verlag der VrühNch« Universttäts - Buch- und Steindruckeret.
R. Lang«, Gießen.
Redaktion, Expeditton und Druckeret: Schul» sttaße 7. Expedition und Verlag: eajs>5L Redaktton.^^112. Tel.-Adr^ AnzeigerGießen.
konfessionelle Partei:
Ls besteht zweifellos heute der latente Antizentrumsblock. Auf dem Altäre dieses Blocks opfert auch das Hauptorgan der konservativen Partei, wenn es ttotz der in den letzten Monaten innerlwlb der Zentrumspartei hervorgetretenen Auseinandersetzungen den Satz schreibt: Das Zentrum sei als „tatsächlich konfessionell- katholische Partei Unglück genug für den Staat und das Reich". Tie „Kreuzzeitung" tut das zwar in Ablehnung des auf der Mannheimer Generalversammlung des Evangelischen Bundes ver- trdenen Gedankens einer gegen das Zentrum gerichteten konfessionell-evangelischen Partei, aber das rechtfertigt in keiner Weise eine solche für das Zenttum verletzende Wendung, doppelt verletzend im gegenwärttgen Augenblick, wo das Zentrum eben im Reichsinteresse das Odium der Sanierung der Reichsfinanzen auf sich genommen hat. Tie „Kreuzzeitung" hätte sich wenigstens durch die Erwägung von einer solchen Charakterisierung des Zenttums abhalten lassen sollen, daß die konservative Fraktion mindestens in demselben Maße tatsäckstich konfestionell-evangelisch ist, wie das Zenttum als tatsächlich konfessionell-katholisch bezeichnet wird, und daß der zurzeit hervorragendste Wortführer der konservativen Partei vor nicht langer Zeit im preußischen Abgeordnetenhause die Vertretung evangelischer Interessen als
Die ..«iehener Familienblätter" werden dem „Anzeiger* viermal wöchentlich beigetegt, das „Kreisblatt für den Kreis Dietzen" zweimal wöchentlich. Die ..randwirlschastlichen Seit- fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
'.eine Brauerei iit egen eine cisjB i Male ° MW.Bier lu. ti. eigener Ausschanki Mit. Beding«,iqen vernehmen. Eiskeller inden. Schrislliche boie unter Man die nittöiielle d. Gießener igers.
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•• Tageskalender für Mittwoch, 13. Oktober: Stadltheater: Gastspiel von Adele Sandrock mit einem Berliner Ensemble: „Die Gioconda". Anfang 8 Uhr.
Gemeinde-Franenverein: Vortrag voit Pfarrer Schwabe über Krankenpflege. Abends 8 Uhr im Konfirmanden- iaal der Johanneskirche.
'"Verstorbene hessische Beamte im 3. Vierteljahr 1909: am 10. Aug. Ministerialbuchhalter Rechnungsrat Karl Weisel zu Gießen, am 18. Aug. Lehrer i. P. Karl Bernhard von Großen-Linden zu Darmstadt, am 20. Aug. Förster t. P. Christian Ke iß n er zu Gießen, am 28. Aug. Gendarm i. P. JohS. Blum zu Laubach und am 31. Aug. Arresthausverwalter Hch. Schäfer zu Gießen.
" Forstpersonalien. Der Forstwart der Forstwartei Feldkrücken Heinrich Nie per zu Feldkrücken wurde in die Forstwartei Rainrod versetzt.
"Zur Rechtsanwaltschaft wurden zugelassen der Gerichtsassessor Wilh. Weber aus Gießen zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Bingen, der Gerichtsassessor Ferd. Rübe zu Gießen zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Grünberg, der Regierungsassefsor Herrn. S ch o l l- mayer zu Darmstadt zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Groß-Gerau und der Rechtsanwalt Justizrat Ottmar Weidig zu Gießen, unter Aufrechterhaltung der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen, weiter bei dem Amtsgericht Homberg.
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auf den Namen „Prinzeß Eitel Friedrich". — Nach dem Stapellauf überreichte der Großherzog verschiedenen alten Arbeitern der Werft Auszeichnungen.
Aus Anlaß des Stapellaufes fand heute abend in den Räumen des Hotels „Atlantia" ein Festmahl statt, dem der Großherzog von Oldenburg mit Begleitung, Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich mit Begleitung, der preußische Gesandte Graf v. Goertzen, Senatspräsident Bürgermeister Dr. Burchard, ferner Vertreter der freien und Hansastädte Lübeck und Bremen beiwohnten. Der Großherzog von Oldenburg brachte das Hoch auf den Kaiser in folgenden Worten aus:
Der heutige Tag ist ein für den Deutschen Schulschiffverein bedeutungsvoller Tag, ist ein wichtiger Abschnitt im Leben des Vereins und bedeutet einen großen Fortschritt. Gehen wir doch heute einem weiteren großen Ziele zu. Nachdem wir bisher nur für Segelschiffe Mannschaften ausgebildet hatten, wollen wir jetzt auch zum Wohle von Deutschlands Dampf schiffs- reedereien wirken. Wir können aber heute auch besonders stolz sein auf die bisherigen Erfolge, bei denen wir uns in den Bahnen bewegten, die S. M. der Deutsche Kaiser dem deutschen Volke ans Herz gelegt mit den Worten: Navigare neeesse est, vivere non necesse. Ich hoffe und weiß, daß der Verein auf Grund dieses ernsten, mahnenden Wortes forttahren wird, eifrig zu arbeiten im Interesse der deutschen Schiffahrt. Wir hoffen von Herzen, daß Seine Ma;eslät noch lange in derselben Frische an der Spitze des Deutschen Reiches stehen möge zum Wohle unseres Volkes und Landes, zum Wohle unserer Schiffahrt, und daß es unter dem Schutze Seiner Majestät gelingen möge, wie bislfer auf demselben Wege fortzuschreiten. In diesem Sinne fordere ich Sie auf, die Gläser zu erheben unb sie zu leeren auf das Wohl Seiner Majestät. Seine Maiestät der Kaiser, Hurra^ Hurra, Hurra!
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Hamburg, 12. Oft. Auf der Werft von Blohm u. Voß ist heute nachmittag daS neue Schulschiff „Prinzeß Eitel Friedrich" des deutschen Schulschtff-Verems glücklich von Stapel gelaufen. Anwesend waren u. a. der Großherzog und die Großherzogin von Oldenburg, Prmz und Prinzessin Eitel Friedrich von Preußen, die Bürgermeister Dr. Burchard und O'Swald, die Mitglieder des Senats. Die Taufrede hielt Prinz Eitel Friedrich; sie lautet:
„9(115 hartem Eisen gefertigt, in schlanken Linien eines Schnell- sealers geformt, steht vor uns ein zweites LchusichM des deuttchen NnckschisfvereinS, bereit, in fein Element hinabzuglecken. Hartem Eisen gleich, hat ber deutsche Schulschiffverem fest und unverruckt seinen Platz an der Sonne der beuiitien Seeschrffahr erooert. Wie die schönheitsvollen Linien dieses Banes,, steht beute nar unfern Augen die Mannsckwft des neuen Schttses, frohen. Muts dem selbstgewählten ernsten Beruf cntgegentretcnb, etn Bckd jugendlicher Kraft. Als vor fast zel>n Fahren der SäMsichmverem unter der Initiative seines hohen Protektors, des Großherzogs von Oldenburg, gegründet wurde, um einem unabweisbaren Bedürfnis unfern Schiffahrt abzuhelfen, da mocyte den ,leckenden Männern wohl manche Sorge den Blick in die Zukunft trüben. Noch waren die Woge zum erwählten Ziel unklar und (chwantend : in der inneren Organisation der Gestaltung der Finanzen galt es erst, den Grund zu legen und ben Aufbau zu sichere licher Stern hat dem Verein geleuchtet., Eme frgch
neues oÄerhessisches Vahirprsjett.
Ulfa, 12. Oft.
Am "Sonntag, 10. Oft., tagte hier im Döllschen Saale auf Anregung des Pfarrers Fritsch von Ruppertsburg eine stark "besuchte Versammlung zwecks Besprechung des Bcrhnprojekts-Verlängerung der LinieVilliugen- Rupvertsburg über Gonterskirchen, Einartshausen, Stornsels und Ulfa nach Un ter s ch mi11 en. Alle interessierten Orte hatten Vertreter hierher entsandt; erschienen waren auch unser Kreisrat Geh. Regierungsrat Schönfeld- Schotten sowie unser Landtagsabgeordneter Forstmeister Dr. Weber-Konradsdorf. Nach Eröffnung der Versammlung durch Bürgermeister Gerhardt nahm Pfarrer Fritsch das Wort zu einem längeren Vortrage. In anschaulicher Weise legte der Redner die Vorteile dar, die ein Bahnbau den einzelnen Gemeinden biete, forderte auf, das Ziel, das man sich heute setze, fest im Auge zu behalten, wenn auch seine Erreichung in den ersten Jahren nicht zu erwarten sei, uird richtete an die Gemeinden die Bitte, dem Staate als Bauherrn in jeder Weise entgeaenzukommen, namentlich durch bereitwillige Ueberlaisung des Geländes. Interessant waren die Zahlen, die der Redner anführte, als er auf die Rentabilität der Strecke Hungen-Ruppertsburg zu sprechen kam. So teilte er u. a mit: In acht Monaten (von Februar bis September 1909) kamen nach ^tuppertsburg 111 Waggons, die Eisengießerei Friedrichs- Hütte erhielt 25 Waggons, der Verein chemischer Industrie daselbst 654 Waggons, Gonterskirchen 15 Waggons, zus. 805 Waggons, also im Jahre 1207 Waggons, oder ohne die Fabriken 126, bezw. 189 Waggons. Die chemische Fabrik allein bezahlte für Fracht in 8 Monaten 25 541 Mk., im Jahre 38 311 Mt. Es gingen ein an Fracht abzüglich der Einnahmen durch die chemische Fabrik in Ruppertsburg 6179 Mk., int Jahre also 9268 Mk. Aus diesen Zahlen sei ersichtlich — so fuhr der Redner fort —, daß es in erster Linie der Güterverkehr sei, der eine Bahn rentabel mache; aber auch der Personenverkehr sei durchaus nicht zu niedrig anzuschlagen; so habe z. B. der Personenverkehr in Ruppertsburg mit 612 Einwohnern innerhalb acht Monaten 1384 Ml. eingebracht, im Jahre 2077 Mk.; in den andern beteiligten Dörfern mit einer Gesamtseelenzahl von 2141 würde dies, ganz oberflächlich berechnet, 35 253 Mk. ergeben. Nachdem bann Redner noch ausgeführt, wie die Bahn an ihrem Teile auch dazu beitrage, dem Lande.seinen gesunden Volksbeftand zu erhallen und den Zug in die Stadt einzuschränken und zu verhüten, schloß er seinen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag. Landtagsabg. Dr. Weber teilte mit, daß er dem Projekt keineswegs unsympathisch gegenüberstehe und daß er mit den Ausführungen des Pfarrers Fritsch einverstanden wäre. Nur sei bei dem hohen Kostenaufwand von annähernd 2 Mill. Mark an einen Bau der Bahn durch den Staat in an betracht der ungünstigen Finanzlage in ben nächsten Jahren nicht zu denken, und eine Privatgesellschaft würde sich auch nur zum Bauen entschließen, wenn ihr eine genügende Rentabilität im voraus garantiert würde. Eine möglichst schnelle Lösung ber Frage könnte er vielt werden, wenn sich die Friebrichshutte unb die Walbbesitzer, bie bock, bas meiste Interesse am Bahnbau hätten, bereit finden ließen, den Löwenanteil der Kosten zu übernehmen; andern alls mußten ii? ei uz. Inen Gemeinden Opfer bringen, bie in keinem Verhältnis ständen zu bem, was burch ben Bau der Bahn gewonnen mürbe. Der Redner machte außerdem daraus aufmerksam, bei Anschluß an ein Elektrizitätswerk ließe sich event. statt einer mit Dampf betriebenen Eisenbahn eine elektrische Schmalspuroahn entrichten, die sich entschieden billiger stelle. Reicher B-eifall lohnte auch Forstmeister Weber für seine Ausführungen. Sodann stellte Pfarrer Fritsch den Antrag, eine Kommission ju wählen, bereu Aufgabe darin bestehen soll, bie Rentabilität ber projektierten Bahn zu erwägen unb zu diesem Zivecke entsprechende Erhebungen anzustellen, bie Terrain- verhälknisse zu untersuchen und zu prüfen warn Diese
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Mer Stern hat dem Verein aeleuchtet., Eme srgche Brise des Erfolges hat ihn bald den sicheren Hasen erreichen lasten. So konnte und durste er erwünschte Fahrten zu neuen Gestaden in Aussicht nehmen. Neben der bisherigen Ausbildung der Mannschaften unserer Segelschiffe, unserer zukünftigen Schiffsoffiziere, gilt ber neue Plan der seemännischen Ausbildung von Deckmann- schaften unserer Dampfer. Hierbei eigenes Wollen mit dem Wunsche unserer Reedereien verbindend, wie der bisherigen Entwickelung des Schulschisfvereins die wohlwollende Förderung des Reiches, der Seebundesstaaten, die tatkräftige Sympathie von Deutschlands Schiffahrtskreisen und die Opferwilligieit unserer Freunde aus Nord unb Süd zur Seite gestanden hat, so werden mich dem neuen Schulschiff unsere treuesten Wünsche zu glücklicher Fahrt das Geleit geben, und wenn du, deutsches Schulschiff, auf fernen Meeren die deutsche Flagge zeigten wirst, bann sei allzeit der Stolz unsers geliebten Vaterlandes, dann trage zu freudvollen Erfolgen deine Bejatzung den jugendlichen Nachwuchs beut- fdjer Sckmfahrt. Gott geleite dich auf allen Fahrten."
Hieraus taufte bie Prinzessin Eitel Friedrich bas Schiff
Kommission soll sich zusammensetzen aus den Bürgermeistern der in Frage kommenden Orte, den Vertretern ber fiskalischen, gräfl. Laubachschen und gräfl. Assenheimschen Waldungen, ben Vertretern der im Distrikte befindlichen industriellen Anlagen unb einem technischen Berater, der das Projekt ausarbeitet. Bis zum definitiven Zusammentritt der Kommission wurde Pfarrer Fritsch mit ber Führung der Geschäfte betraut, um nachher als Vorsitzender der Kommission zu fungieren. Hierauf schloß Bürgermeister Gerhardt die Versammlung mit einem Tank und einem Hoch auf die beiden Redner unb Geh. Regierungsrat Schönfeld, in das die Anwesenden lebhaft einstimmten. Alle beteiligten Gemeinden sind der festen Hoffnung und Zuversicht, daß ihr Kreisrat, der durch Anlage guter Straßen unb Brücken schon so viel zur Förderung der Berkehrsverhältnisse getan, sowie ihr Landtagsabgeordneter Dr. Weber alles tun werden, das Projekt seiner Realisierung entgegenzuführen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 13. Oktober 1909.
Das neue (2.) Heim der Alice-Schule.
Am Montag vollzog sich in aller Stille, im engsten Rahmen, ein Ereignis, das auch in weitesten Kreisen und verschiedensten Schichten der Bevölkerung Interesse erregen durste. Der A. Sch. V. eröffnete in bem von ihm erworbenen Hause Steinstraße 10 bie neugegründete Haushaltungschule. 9JHt ihr verbunden wurde bie schon feit langen Jahren bestehende Kochschn 1 e und angegliedert wird zu Ostern 1910 das Seminar zur Ausbildung von HauShal- tungslehrerinnen. Außer dem Vorstände und Ausschuß des Vereins waren als Vertreter der Kreisschulkommission Pro- vinzialdirektor Geheimerat Dr. Breidert und Regierungsrat Weicker, als solcher der Stadtverordneten Medizinalrat Dr. Haberkorn anwesend. Frau Geh. Justizrat Gebhardt begrüßte die Versammell.en mit folgenden Worten:
„Zum ersten Male in diesen neuen Räumen habe ich die Freude, Sie zu begrüßen und vor allem Ihnen zu danken ür das Interesse, welches Sie durch Ihr Erscheinen an unseren Bestrebungen bekunden. In bescheidenem Maße hat unser Verein versucht, den Anforderungen ber Neuzeit gerecht zu werben — einen kleinen Anfang leiben wir gemacht, ber Frauenfrage, die so lebhaft alle Gemüter be- w^at unb erregt, näher zu treten, sie nach unserem Sinne zu 'oroern. Unb — ba wir nach altgewohnter Weise noch immer die Welt der Frau und ihr eigenstes Berussfeld vorzugsweise im Hause, in der Familie glauben suchen zu müssen, wollen wir durch örünbung einer Hauslallungsschulc Gelegenheit geben, eine ber wichtigsten Grnnblagen bauernden Familienglücks — eine geordnete Häuslichkeit — zu sichern Unter ber Leitung erprobter, zielbewußter Lehrerinnen, bie von der Verantwortlichkeit und Wichtigkeit ihrer Aufgabe erfüllt sind,- in unserer, nach ben neuesten Errungenschaften und mustergültigsten Anstalten eingerichteten Schule können junge Mädchen alles das erlernen, was zur Führung eines geordneten, gediegenen Hauswesens erforderlich ist. Ebenso ist solchen, welche den Wunsch haben, sich einen Beruf zu wählen, einen segensreichen Wirkungskreis zu schaffen, dieses ermöglicht durch schulgerechte Ausbildung als Haushaltungslehrerin ober Vorsteherin größerer Anstalten und Aneignung aller dazu nötigen Kenntnisse. Kleine Samenkörner streuen wir aus, voll froher Hoffnung, daß sie auf guten Boden fallen und reiche Früchte tragen möchten in kommender Zett, zu Nutz und Frommen nicht nur derer, die unserer Schule näher treten, sondern auch weiterer Kreise. Sie aber bitte ich zum Schlüsse herzlichst, verehrte Anwesende, uns Ihre Sympathien und dadurch Mithilfe nicht versagen zu wollen, uns zu unterstützen in bem be- goimenen Werke. Unb nun, Glück auf zu frischem, fröhlichem Schaffen, zu erfolgreichem Wirken, zu segensreichem Gelingen !"
Provinzialbirektor Geheimerat Dr. B r c i b e r t unb Mebizinalrat Dr. Haberkorn brückten daraufhin bem A. Sch. V. ihre Befriebigung aus über die Neugründung dieser Anstalt, von deren Wichtigkeit für Haus unb Familie sie sehr überzeugt seien, und schlossen mit den besten Wünschen für ihr Blühen und Gedeihen. Es folgte darauf eine Besichtigung ber sehr zweckmäßig und gut geschaffenen Räume, bie mit ihrer gediegenen und zweckdienlichen Ausstattung den Beifall aller Anwesenden fanden. — Mittwoch ben 13. Okt. beginnt ber Unterricht mit 32 Schülerinnen (18 Haushaltungs-, 14 Kochschülerinnen), 10 Schülerinnen mußten bis nach Ostern zurückgestellt werben, da eine größere Zahl nicht angenommen werden konnte. — Außer der Vorsteherin ber Anstalt, Frl. Deutsch, der Lehrerin Frl. Him- bolbt unb bes Lehrers Haber finb noch zwei Hilfslehrerinnen
Die Verlobung des Großherzogs von Weimar.
Schon wiederholt gingen Gerüchte um, der erst im 34. Lebensjahr stehende Großherzog von Sachsen-Weimar, dessen erste Gemahlin ihm nach kurzer Ehe durch den Tod entrissen wurde, werde sich bald wieder vermählen, und verschiedene Prinzessinnen wurden als Bräute des Großherzogs genannt.
Es wurde nun bereits gemeldet, daß der Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar, der auf Schloß Altenstcin bei Liebenstein weilt, sich mit der Prinzessin Karola Feodora von Sachsen-Meiningen verlobt hat.
Damit ist dem Rätselraten ein Ende gemacht, und das Großherzogtum Weimar hat die Aussicht, wieder eine Großherzogin zu erhalten. An die Ehe knüpft sich für das Land die Erwartung einer Sicherung des Thronerbes. Als die erste Gemahlin des Großherzogs, die Prinzessin Karol ine Reuß, die er 1903 ehelichte, im Jahre 1905 starb, war die Ehe kinderlos geblieben. Ter erste Agnat ist bis jetzt der in Heidelberg lebende, Prinz Wilhelm von Weimar, der aber.bei seinem hohen Alter für die Thronfolge kaum in Betracht kommt. Sein ältester Sohn, Prinz Hermann mußte wegen seiner ungeordneten Finanzverhältnisse aus der Armee ausscheiden und als er dann vor kurzem eine Choristin heiratete, aus die Thronfolge verzichten. Es kam daher seitdem nur der 22 jährige Prinz Albert, der andere Sohn des Prinzen Wilhelm, in Bcttachst. Er steht als Offizier bei den Pasewalker Kürassieren. .
Die nunmehrige B r a u t des Großherzogs von Sachsen, Prinzessin Karola Feodora ist zu Hannover am 29. Mai 1890 geboren als die älteste Tochter des Prinzen Friedrich von Sachsen-MLniugcn, der in preußisch n Militärdiensten die 20. Feldartilleriebrigade in Hannover befehligt. Ihre Mutter, Adelheid, iü eine Prinzessin zu Lippe, fine Schwester des regierenden Fürsten Leopold IV., der durch diese Verbindung dem Kreise der deutschen Bundesfürsten, wo er anfangs vielfach als Eindringling betrachtet wurde, wiederum näher tiritt. Aber die künftige Großherzogin ist auch der deutschen Kaiserin nahe verwandt, denn ihr Vater entstammt der zweiten Ehe des Herzogs Georg II. von Meiningen mir der Prinzessin Feodora zu Hohenlohe-Langenburg, die eine Schwester der Mutter der Kaiserin war. •
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