Ausgabe 
13.10.1909 Erstes Blatt
 
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bombardierten, sieben befestigte ftulafu -cntcrrcn und eine Anzahl Gesanacme m-Mfyten, ine nach Q-brad't wurden.

Aus Prag wirb gcmclbet: Professor Lahrmuud künbiqr den Beginn seines >iollegSD rs System der nirchenrechtes" für sJjü)ittoq den 18. Oktober an: hiermit ift die Angelegenheit end­gültig erledigt. _

61. müber den Gerückten, Span II .cji b.i mehreren Sig­natar mäh ten der Algecira-Alle vertrau ^ick ir g n der Besetzung von Teran ange fragt, im Hinblick aur de Antworten aber, die es erhalten hab^, von der 2lusführung des Planes abgesehen, ward von uftändiger reite in JJ.abtib nnrqere-.lt, daß die spamschc Negierung, da sie nicht die Absicht gehabt habe, Tetuan ju_ be­setzen, oeswegerl auch in ferner Werse an die Algecitas-Mächtr hermtgctreten ist.

Nach einer der griechischen Kammer rugcgangenen Ge­setzesvorlage werden die föntglichen Prinzen, die im Heere ooer in oxr ItJcarine dienen Rotten, in Bezug auf ihre Beför­derung denselben Bestimmungen unterworfen sein, wie die übrigen Offiziere Prinzen, die schon im Heere dienen, können vom König-- ohne irgendwelche Beschränkung befördert werden, aber nicht effektive Kommandostellen bekleiden. Die Vorlage hebt das Oberkommando in der Armee auf und überträgt die dem Lberkommandanten zuslehendcn Rechte einem aus Gene­ralen, DivisionSkommandantrn und dem Generalftabsches gebil­deten Rat.

König Eduard empfing Dienstag vormittag in London Lord Landsbowne und Balfour und nach ihnen denPre- nuerMinister Asquith in Audienz.

2lus Petersburg wird gemeldet: Ter Finanzministar Kokowtzow begibt sich mit Genehmigung des Kaisers nach dem fernen Osten: die allgemeine Leitung des Finanzministeriums bleibt in seinen Händen. Die Stellvertretung im Ministerrate und die Erledigung bet lausenden Geschäfte während der Ad- wesen heil des Finanzminisbers wurde dem Gehilfen Kokowtzows, Weber, übertragen.____________________________________

Ans Stadt und Land.

Gießen, 13. Oktober 1909.

Tie Rekruten rücken ein.

Wenn wir zur Zett der Manöver durch ein Dorf gehen, so hört man allenthalben fröhliche-Aoldatenlieder smgen, und sogar die Kleinen stimmen mit Begeisterung das Versdnrn an:

Wißt ihr, was id) werden will?

9tun, ich wills euch sagen: Ein Soldat mit blauem Rock Und mit rotem Kragen."

Und bei der Musterung ist der Musterungsbursche besonders stolz, wenn er zur Infanterie I. oder einer anderen Truppe ais- gehoben wird, verächtlich blickt er auf die Landstürmer, auch Staatskrüppel" genannt, und begeistert stimmt er das Lied an: Es gibt fürwahr kein schönres Leben, als der edle Soldatenstand. Es ist mit lauter Lust umgeben, zu streiten sirr sein Vaterland.

sbonmit aber dann im Oktober der Tag zuni Einrücken in die Garnison, so tritt der Ernst des Lebens an die neuen Mars­ch ug er bei an Das Abschiedsiveh und die Bangigkeit, wie sich die nächste Zukunft gestalten wird, treten an Stelle der früheren Fröhlichkeit. Die Kameraden des Dorffs geben den Rekruten lind) einer Abfchiedsfeier das letzte Geleite bis zum Dorf hinaus oder an die nächste Bahnstation, wehmütige Scheidelieder tönen zurück nach dem ftiedlichen Dörfchen und grüßen die zurück- gelassenen Lieben. Am Bahnhof sagen and) die Kameraden Leb­wohl, und nun besteigt der Rekrut den Zug. Am Bahnhof der Garnison angelommen, trifft er weitere neue .Leidensgefährten". Zn Trupps zu 20 bis 30 Mann werden die angehenden Vater- landsverteidiger von Gefreiten unb Unteroffizieren geführt. In her Hand trägt jeder die Reise täsdze oder das Köfferdzen, das die sorgsame Mutter beim Abschied gepackt.

Dem neuen Marsjünger sinkt das Herz mit jedem Schritt, der ihn der Kaserne näher bringt, etwas tiefer. Bald riirfen sic in den Kcffernenl-of ein, spöttisch und schadenfroh lächelt der Posten den Ankömmlingen zu. llnd wirklich, dort auf dem Kascineuhvj steht der gestrenge Herr Feldwebel. Mit Kenner­blick mustert er seine Leute, aber er scheint doch besser zu sein, als sein 3hij, denn mit frcimbüdjcn Worten sucht er die Leute auszumnntern. Name und Stand werden notiert, wobei es nicht selten einen Sdjcrz gibt. Dann wird zum Einkleiden Befehl gegeben. Auf der Kammer hatte der. Sergeant bereits mit Sorgen der Ankömmlinge gewartet. Eüt mühevolles Treiben beginnt, jeder junge Dickschädel erhält einen Helm verpaßt und die Zivi- li|'tciibaud)c müssen in einen jünsten oder sechstey Waffenrock ein­gekapselt werden. Schwer beloben eilt der Rekrut auf seine Stube, und hier vollendet sich bic Umroandlung in einen Soldaten. Die Ar bett sorgt dasiir, das nagenbe Heimweh zu vertreiben. Daß auch ab und zu ein Vorgesetzter im Augenblick höd)ster 9!ot einmal einige zoologisd-e Vergleiche anstellt, wird gewiß nicht ipcitcr übelgeiwmmen. Bald kommt der erste Sonntag. Tamtt das Heinuveh nid)t zu groß wird, läßt man bic Rekruten ihren Lebenslauf schreiben. Nianchcr Schweißtropfen wird bei dieser Arbeit vergossen. Bald hat sich der angehende Soldat daran gewöhnt, dasUnpermcidliche mit Würde zu tragen".

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Vom Verwaltungsgerichtshof. Se. Kgl. Hoh. der Groß her zog hat die OberlanbesgerichtSräte JohS. Wagner und Karl Pfannmüller für die Dauer des dermalen von ihnen bekleideten Amtes zu Mitgliedern des Verwaltungsgerichtshofes ernannt.

Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem SchulamtSaspiranten Wilh. Rabenau auS Kesselbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heisters. Erledigt sind: Die mit einem eoang. Lehrer zu besetzende 2. Lehrer- stelle an der Aemeindeschule zu Rinderbügen. Die mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrerslelle an der Ge- mcindeschule zu HopfmannSfeld. Mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden. Die mit einem coangcl. Lehrer zu besetzende Lehrerslelle an der Gemeinde» schule zu Di rl am in en. Mit der Stelle ist Organisten- und Lektordieust verbunden.

Don Grad eines Diplom-JngenieurS er­hielten an der Technischen Hochschule zu Darmsladt im Studienjahr 190910 folgende Studierende aus Oberhesien: als Bau.Zngenieur Karl Hend aus Butzbach, Wilhelm Schwa ab anS Gießen und Willy Strack aus Rainrod; als 'Maschinenbauer Karl Paulus auö Vilbel und al» Eleltrotechniter Siegfr. Stamm aus Gießen.

* Der Schiklub Wintersport Gießen eröffnete sein 2. VereinSjahr mit einem sehr gut besuchten Lichtbilder- Vortrag seines Mitgliedes I. C. Luther auü München im Wintergarten des Hotels Schütz. Zn seiner BegrüßungS- au'piache ivic» äicdakteur Karl 2t e u r a t h als Vertreler des verhinderten Vorsitzenden auf die Rnniensänderung hin, d:e notwendig gcwejen sei, um Verwechieiuiigen vot^ubcugen und weil der Schiklub hierdurch in seiner Entivickelung behindert

gewesen sei. Alsdann sprach Redakteur I. C. Luther über dieEntWickelung deS Schisportes in Deutschland, dessen Geschichte er, auf Grund schwer zugänglichen Materials, in manchen Beziehungen berichtigte und bannt interessante Aufschlüsse über die ersten Schiversuche m Deutschland bekannt gab. Tiefe Versuche sielen naturgemäß ziemlich kläglich an5, aber jetzt, wo genügende Erfahrungen gesammelt sind, macht sich ein außerordentlicher Aiiffchwung geltend. In der Paiise sprach Redakteur W. Romberg aus Mainz vom Schiklub Schwarzwald über die zweckmäßigste Kleidung deS Schiläufers, die er an Hand von Lichtbildern erläuterte. Beide Redner ernteten reichlichen Beifall; auch die sehr große Anzahl vorzüglicher Lichtbilder fand große Anerkennung, fo- daß die erste heurige Veranstaltung 'ehr wohl gelungen ist. Wie wir erfahren, wird Herr Luther, wenn irgend möglich, auf Einladung seines Klubs im Laufe deS Winters einen Schtkurfus abhalten, an dem sich auch Nichtmitglieder deS Klubs beteiligen können.

Diebstahl. Dem Telegraphen-Vorarbeiter Balthasar Nicolai wurde gestern vornnttag am Marktplatz aus der Vorhalle des Rathauses eine schwarze Wachstuchtasche ge­stohlen, welche auch die LegitimationSkarte deS Nicolai ent­hielt. Da der Dieb möglicherweise bei Ausführung straf­barer Handlungen von dec Karte Gebrauch machen wird, sei hierauf besonders aufmerksam gemacht.

"Seltsamer Fund. Auf dem Felde mit der Kartoffelernte beschäftigte Leute fanden vor einigen Tagen auf dem Acker beim Leihgesierner Wege eine lebende Schildkröte von beträchtlicher Größe. Jedenfalls ist das Tiec erst im Lause des Sommers seinem Besitzer entwichen; denn es ist nicht anzunehmen, daß eS den kalten Winter im freien Felde überstanden hatte.

" Das Leichensingen. Der Hessische Landes-Lehrer- verein ist bei der Großh. Regierung vorstellig geworden, bei Begräbniffen das sogen. Leichenslngen durch Schüler zu verbieten. Als Grund wird besonders hervorgehoben, daß keine andere kirchliche Funktion des Lehrers so oft, so tief, so störend und so schädigend in das tägliche Schulleben elngreift, wie das Leichensingen. Keine kirchliche Wirksamkeit bringt den Lehrer leichter entweder mit seinen schulgesetzlichen Verpflichtungen und Schulbehörden, oder mit den Geistlichen und mit den Kirchenbehörden in Konflikt. Das übliche Leichen­singen kann, wo es durchaus beibehalten werden soll, der erwachsenen Kirchengemeinde oder dem Kirchenchor überlasten bleiben.

-e Steinbach, 12. Oll. Zn große Aufregung versetzt mürben die Bewohner unseres Ortes durch einen E i n v r u chs hieb­st a h l, bei in der Nacht jum Sonntag hier verübt würbe. Währcnb sich ber Mild-Handler £>. bei einer Güter Versteigerung befand, brang der Dieb vom Garten aus durch ein Fenster in bic Wohnsttwe unb sd-afste ein dort stehendes Pult, in bem $). sein Geld cmfzubewahren pflegt, iit ben Garten, um es dort ui Ruhe zu öffnen. Als er noch an ber Arbeit >var, kam $). nach Hause. Er Gorte ein verdächtiges Geräusch im Garten, unb ba er Obst­diebe vermutete, eilte er ins Haus, um eine Laterne zu holen. Im Garten sah er dann, wie sich ein Unbcinmtier mit. einem Kasten" zu schaffen mackfte, und Lei feinem Heramurhen über den Gartenzaun entfloh und im Dunkeln verschivand. Doch glaubte er immer noch, es handle sich um einen Obstdiebstahl. Wer beschreibt seinen Sck-rettcn, als er sein ervrodxmes Pull sand und bic Entdeckung machte, daß dessen Inhalt, e:u>a 500 Mk., benr Dieb in die Händd gefallen unA. Der BcstohldNe machte sofort Anzeige bei der Bürgermeisterei, rutb diese benachrichtigte die Gendarmerie, die bereits euren der Tat bringend verdächtigen, wegen ähnlicher Vergehen vorbestraften Meiisd-en, verhaftete. Tiefer war erst am Tage zuvor zu einer Rescrveüvung nad) Mainz ein- gerüdr und war am Samstag wieder in Urlaub gegangen. Der Verdächtige, ber mit Hilfe eines Polizeihundes ermittelt würbe, stellt bic Tat in 'Jfbrdbc, unb aud) über ben Verbleib des ge. swhlenen Geldes fehlt bis letzt jeder Anhaltspunkt.

Kg. Kirchhain, 12. Lkt. DaS hiesige, in weiteren Kreisen bekannte ,Hotel Mossbach" ging für den Preis von 52 000 Mk. in den Besitz des BierverlcgcrS B. Ester von hier über. Die Ernte un Kreise Kirchham war in diesem Jahre außerordentlich ertragreich. Von vielen Lcmd- leuten hört man, daß sie noch nie so viel Körner wie in diesem Jahre geerntet haben. Auch die Kartoffelernte ist sehr gut ausgefallen. Hauptsächlich werden in der hiesigen Gegend die Sorten: Magnum bonum, Industrie und Weltwunder angebaut. Tie Preise für den Zentner betragen Mk. 2,20 bis Mk. 2,80.

Universitäts-Nachrichten.

Hk. Frankfurt a. M. Vorträge über Textilwaren, deren Rohstoffe, Herstellung und Eigenschaften wich der Direktor der höheren Textilsachschule in Aachen Professor Dr. v. K a p s f an ber Akademie für Sozial- und Handelswisscnsd)aften in Frank- surt a. M. abhalten, die durch Lichtbilder und eine reichhaltige Sammlung von Stoffproben unterstützt werden sollen.

GerichtSsaal.

Berlin, 12. Lkt. Nachdem ber Verteidiger Dahscls hatte vormittag bic vom Gericht cingcforbcrtc Kaution in Höhe von 20 000 Mark auf ber Getlchtskasse hinterlegt hatte, würbe Dahsel mittags aus bem Untersuchungsgefängnis entlassen. Es beitätigt sich, baß gegen ben Verleger Paul Bruhn m>n der StaatSanwaltsduift ein Ermittelungsverfahren 'wegen vollenbeter und versuchter Erpressung in mehreren Fällen ein geleitet worben ist. Bruhn selbst soll die Voruntersuchung gegen sich beantragt haben.

Schweidnitz, 12. Lkt. DaS Schwurgericht oerurleiüe ben Schäicrknecht Kleinert aus Rieber-Warnsoori, ber am 21. Juli den Schaiineisler Jaeckel zu Ni-der-Warusbors im Schasstalle er­schlagen und die Leiche inS Feld getragen hatte, wegen Tot­schlages zu zwölf Jahren Zuchthaus und zehn Jahreii Ehrverlust.

tuftfcWrt

Ter Parseval auf feiner Fahrt nach Nürnberg.

Die Fahrt des Parseval nach 'Jiürnberg wurde durch die Ungunst der Wttterung arg be! nibert unb mutzte einmal unter b r o di cn werben. Im übrigen aber ist das Lustsd isf unver­sehrt in Nürnberg gcLnibet. Folgende Meldungen liegen seit­her vor:

Würzburg, 12. Lkt. Wie dec Wiitzduracr G.-A. meldet, ist ber Parseval-Ballon heute vornuttag 10- _> Uhr bei dem Crie Aenkheim an bet baocr.id) babiicL.n Grenze aus freiem Felde gelandet, amdreineno wegen eines 5dyiben» an d»'t Steuerung

'Nürnberg, 12. Ökt. Tas Parfevalfc.,« fiaftfd'in itniroe halb nach 5 ilbr gnid trt. Tie Annuherunq üifl Lun'chuses er­folgte sehr laugiam. Die Landung geick>ah ö,2tJ Uhr

Nürnberg, 12. O!t. Lbcriemn.uit Stelling sandte an den Hauptmann .Ht'bler in Berlin folgende 2 resch : ,.» Uhr 35 Minnt n lud ru.trtivj glatt gelandet. W-eg.n s.!:r ßaikm Nebels ipüi jiu i f. eilig nbuug eriorbedia-. : r ; rnt> id) Ixitigvn G; ine es ? i!>.zei: iO St . roi». lioi; .i früh

Nürnberg, 12. Oll. Dte Wetter fahrt de» Parfeval-

Ballons sinder ntorgat norm in ag um 9 Uhr nach Augsburg stap.

dcürnberg, 13. Lll Der Parseval erhob sich irm 9.55 Uhr und fuhr in ber Ricneung nach Fd'wadach.

Tas italieul'che Militarlustidrin.

Rom 12. Lkt. DaL ?Ji i l i^r l ui t irtii f f stteg beule nadmiuiaq 2 lll r 30 Aur. auf dem See von Bracciano au unb tra; um 2 Ufer 52 Min. ht Rom cm. Nach ir eblgclmigcnen Monö- nern in Höhe non 130 Merem und zw.n Zwischenlandungen trbrte das Luftschiff um 4 Uhr 25 Mm. nad- seinem Aniiuegort zurück.

Frankfurt a. M, 12. Oll In der heutigeti Kon­kurrenz ilog de Eatcrs um den Gaus FabriccvreiS, um ben Preis i rr den sorgsamsten und den schnellsten Flug und um den Goldschmid' Rochsdiildpr.ic-. Dan schnellsten Flug, 300 Meter, machte er dreimal in je 10 Sek., langsamster Flug, 200 Meter einmal in 13- Sek. (Nervö langsamster Flug g e st e r n in 19- 5 Sek Nervo wollte den schnellsten Flug machen, kam aber nach 1 Min und 8 Sek. ivicber auf den Boden. Um 4 Uhr 50 Min. flog Nervo noch einmal auf, wobei er mit dem Apparat an den Fluahügel ansrieß, da anfchernend die Seiten st eucrimg nicht funktwnierte. Jicrvö wurde nicht verletzt, dagegen zerbrach das Höhen- |teuer und der Propeller. Guter flog einmal 2Min. 2l/s Sek. und einmal 3G5 <, Sek.

Dritter Deutscher hochschullehreriag.

4- Leipzig, 12. Cft

Mtt einer Begrüßungsversammlung im Hotel ,,Reichshofs begannen biet bic Beratungen des 3 Deut'chen Hochschullehrer - tages, zu bem eine große Reihe non atabemiidKn Lehrern von allen deutschen Universitäten des In- und Auslairdes emgetrossen sind. Die Beratungen bedeuten sozusagen eine Fortsetzung der Besprechungen, die bic beiden Dorauigcgangcncn Hvchschullehrertage in Salzburg und Jena gezeitigt haben und werden sich auf drei große Themata erstrecken.

Die heutigen Verhandlungen wurden kurz nach 2.10 Uhr durch den Vorsitzenden des Hochschullehrer Vereins Professor o. Amira lMünchen) eröffnet, der bann ben Geschäftsberidu erstattet. Zu Vorsitzenden wurden gewählt d. SBettfiem <Wien und der der- zeitige Univetsirätsrellor Geheimrat B t n b i n g Leipzig , zu Schriftführern Guthe (Leipzig, Vollmann Müud-en und Marcuse tSerün , ;um Maiicniuljrer P1 enge .Leipzig

Ter Universitätsrektor Geheimrat Binbiug bcgrünte bann den Hochschullehrertag namens ber Universität Leipzig. Hierauf nahmkProfefsor A. W a d) (Leipzig bas Wort zu bem ersten Thema: Darf man bie Zulassung zur Habilitation ab­hängig machen von pvliti'chen ober religiösen Voraussetzungen'? Der Referent wies bar au bin, batz bic Frage bereit» den Hockschuttehrertag in Zena bcschäjtigt habe, aber dort nicht zum 2ll)sdluß gebradn warben sei, uub kommt bann zu ben Fällen der letzten Zahrc, wo aus religiösen oder politischen Gründen eine Habilitation angefochten worben sei. Die llniversität ist bic Stätte freier Forschung unb Lehre, ber rücksichtslosen Hingabe an bic Wahrheit, des imbcirrtcn suchens nad) bem Born bcs Wissens unb bes Schöpfens aus ben lauteren Quellen. Das ist die sitllichc Legitimatwn unserer Tätigkeit. (Lebh. Beijall.) Wir müssen der Wahrheit bienen, mögen aud) Staat, Kirche, Dogma unb Tradition wider uns sein. 'Jlnn erhebt sich die andere Frage, wer ent­scheiden soll über die Habilitalian Ici> bekenne mub jur Selbst­verwaltung unb gegen 1 ehe Bureaukra11 sierung, aber ausbrücklich ist zu betonen: Mtt der Freiheit wächst aud) bie Pflicht.

Geheimrat Binding bankt dem Referenten |ür btt klare Darstellung bes gellenden Rechts. Darauf ergreift der Morrcicrcnl Privalbvzcnt Lubo M. Hartmann (Wien- da» Wort. Er habe sid) schon in Salzburg gegen bicWürdigkeit" ansgefvrodien, weil diese so sehr vielseitig betrachtet iuerben könnte unb nichts schlimmer sei als bie Schnüffelei un Privatleben eines Menichcn. Zn bem 2lugenblickc, wo man nicht bic Lehre, sondern Ansichten bes Lehrenben prüsen wolle, sei man in bet Regel auf Tratsch angewiesen. Ter Redner jd-ließt sid) im übrigen den Ausführungen des Referenten an.

Geheimrat Wach (Leipzig) erklärt, den Standpunkt des ttorn- jcrniten nicht für annehmbar zu halten, soweit sich dieser gegen die Würdigung des Privatleben» ausgesprochen habe. Wir mühen bas Recht haben, über bic sittliche Persönlichkeit zu wachen. Geheimrat Kaufmann (Breslau, erklärt au' dem Boden de- Referenten zu stehen. Pros. Mai Weber Heidelberg-. Ivc Grundfrage ist dabei, wie der önuiliticrcnde sich gibt üi seiner Lehre. Geheimrat Wach verlangte, der Dozent solle cm ganzer Mann jein, er dürfe aber nicht seine Hörer allzusehr bccuifluiicn. Id) stehe in dem Rufe, ein impulsiver Mensch ja fein ^Heiter- feit und wenn ich etwas uortragc, dringe ich in die <?cdc meiner Höret ein, ich stehe aber stets hinter der großen Sache zurück, bic id) vorjittragen habe. .

Pros. Liiw Brentano (München^ meint, baß die Würdig"tt des zu Habilitierenden vorausgesetzt werden muß.

Proftssor 2J1 c 9 c r (Würzburg : Die Frage oct Würdig kett dürsen wir isicht der Regu'rung überlassen, soirdcrn der Autonomie ber Fakultäten. Pros. 0. Amira 'fbündjen ; Mir slhemt, daß bic Frage der Würdigkeit konkret bebanbdt werden kann. Prof. d. 21 mira geht auf baverisd-e HabilittUionsocrhälrnisse em. Geheimerat Binding fd)lietzt bann Die Ausimache mit der Feststellung, baß bie Mehrzahl ber Betsamnttung überwiegend auf bem Boden de» :Neserenten stehe. Darauf werden die Wetter- beratungen auf Nachmittags G-4 Uhr vertagt

In der N a ch m i t t a g s s 1 tzun g bc'ckafiigtc sich ber noch- schullehrertag mit ber Fottfetzung der im vorigen Iahte ui Zcna L-cgonnenen Beratung über bnt akademischen N a chwu ch s Zu dem Thema liegen eine Anzahl Thesen von Prof Tr. tfrac» pelin (München- vor. Eine ber luni tigftoi lautet: Ter heu­tigen Beschränkung ber Auslese für die akade­mische Lausbahn auf die wohlhabenden Klassen sottte butd) tat kräftige Unterstübung bet 00 tragen­der Begabungen schon i n d c n M 111 c 1 f ch u l e n wie auf ber Universität, namentlich aber auch während bet Xojcnten- tätigkett entgcgengcnrirfi werden. Ferner: Für Dozenten, bu sich bewähren unb eine Lücke im geiftincn Leben bet Univetsttät aussüttcn, sollten in weit größerer :zahl al» letzt ^Stellungen gcjdxiium werben, bic winschajllich denen der mittleren Beamten mindestens gleichwertig find.

Zu denn'clbcn Thema aber unter befonberer Berücksichtigung ber Bebürfnisse des naturwissenschaftlichen Unter­richts liegen von Proftssor Tr v Wett stein 'Sieni einige Thesen vor, unb von Ptoicssot Tr Erdmann Ghatlottcnbura) mit t^fouderer Rücksicht auf die technischen Hochschulen.

Außerdem hat Professor Batckhausen (Hannover- einige Leitsätze eingcbtacht.

Prof. Batckhausen begründete seine Lcitiätze Tie freie For­schung müsse aud) für die Technischen Hochschulen geiorbert werd«: labe man doch versucht, bie Leipziger Hochschule in wittschastlichen Fragen zu beeinflussen Für reuv» technidie Lehrkräfte fei ber Weg über das Privatdozentum n.ckt der richtige, sie müßten vielmehr au» den Kreisen ber Techniker genommen werden, ba es sonst sehr schnell an Nachwuchs fehlen würde. .

Die Vetsamnilmig lefthlieBt, bie Ttiefen Barckbauien und Erdmann zunächst m beraten Hierauf wird die Veitetberatuag auf morgen vormittag 9 Uhr vcttatt.

Dcrmifditcs.

Die theoretische Prüfung des Lehrlings Glitz. Tas Fuldaer Krcisblatt vom 2. ds. enthält folgende interessante Notiz:

Gestern vormtttag fand in ben Gefchäftsräumcn des Fn- seurs Herrn I. H., Matklstraße hier, bic theoretische Prüfung Des Lehrlings Glitz von hier ftait. Herr Geheimer Regierungs- tat v. Ejiak aus Berlin hatte es sich nicht nehmen laijc».