Erstes Blatt
Donnerstag 14. Januar 1909
159. Jahrgang
Nr. 11
Dec Eichener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal roocbemlid) TiehenerZamiiiendiatter; zweimal wöchentlsthefr- blattsirrdenrireisGieben (Dienstag und Freirag); zweimal motiail. Land- wiriichastircheoeitfragen Ferniprech-Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
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Die heutige Nummer umfahl 10 Seiten
Das Deutsche iHeiti) stehl im Zeichen der Sparsamkeit. Seil
Die Annahme der von Oesterreich-Ungarn der Pforte Herr Sydow seine Milliarden-Forderung in den Reichstag ge- cmgebotenen Entschädigungssumme erfolgte, wie überein- worfeu, wird kaum noch von was anderem geredet. Tie Budget- kdmnusslon suchte heute vormittag nut yetbemBemühen ditz Stellen stimmende Meldungen nu» <bien und Konstantinopel be-. ergründen, ui denen für das kommende Elatsjahr etwas absagen, nachdem Deutschland, Frankreich und Jta-j gestrichen werden könnte; die Finanz- und Steuerkommission machte
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SitiraungsMto <wr dem Kerchrtage.
B e r l l n, 13. Zarruar.
Wo wart liätte sparen können.
Vie österreichisch-türkische Verständigung über die Annexion.
Wie vorauSzusehen war, ist bte zwischen Oesterreich- Ungarn und der türkischen Negierung erfolgte Verständigung über die Annexion von Bosnien und der Herzegowina im türkischen Parlamente aus keinerlei Schwierigkeiten gestoßen. Der türkische Großvezier, Kiamil Pascha, verlas der Kammer ein Exposä über die jüngsten Vorgänge auf dein Balkan: Die Wiederherstellung der konstitutionellen Negierung und die in grandioser Form erfolgte Kundgebung einer auf der nationalen Kraft aufgebauten politischen 'Existenz wurde von ollen Mächten mit achtungsvoller und ausrichtiger Sympathie begrüßt. Der erste befriedigende Erfolg bestand darin, daß Rußland und die anderen, an den mazedonischen Reformen beteiligten Mächte auf ihre speziell für die drei Vilajets aufgestellten Vorschläge verzichteten und die Reformen abwarteten, welche die ton- ftitulionelle ottomanische Regierung selbst durchführen werde. Wie schon in der Thronrede erklärt wurde, hat Bulgarien, während die Pforte mit der Organisation des Heuen konstitutionellerr Regimes beschäftigt war, erklärt, daß es seine Unabhängigkeit erklärt habe und unmittelbar daraus hat Oesterreich-Ungarn kundgegeben, daß es, unter Zurückziehung seiner Truppen aus dem Sandschak Aovibazar, der sich unter seiner Okkupation befand, sich entschlossen habe, Bosnien und die Herzegowina anzuglie- dern.
Mr haben — heißt es in dem Expose weiter — gegen diese beiden Angriffe protestiert, diese Angelegenheiten den anderen Großmächten zur Kenntnis gebracht und den Zusammentritt einer Konferenz verlangt, um über die bulgarische Angelegenheit eine Entscheidung herbeizusühren. Die Großmächte haben anerkannt, daß diese Verletzungen illegal feien, mit dem Berliner Vertrag in Widerspruch ständen, und sowohl Bulgarien als auch Oesterreich-Ungarn Ratschläge erteilt. Es wurde von den Mächten erkannt, daß es sich bei der Wiedererlangung dieser Rechte um ejne An? gelegenheit handele, die die Türkei betrifft und daß der Beistand der Mächte sich auf diplomatische Schritte beschränken würde. Schon vor der Proklamierung der Unabhängigkeit Bulgariens wurde die bulgarische Armee auf Kriegsstand gesetzt und nachher haben wir wahrgenommen, daß Bulgarien große Kriegsvorbereitungen durch Truppen- und Mu- nitionslranoporte treffe. Die Mächte machten dann der bulgarischen Regierung Eröffnungen, worauf die bulgarische Armee demobilisiert wurde. Wir haben die Beilegung der zwischen den beiden Parteien bestehenden Differenzen der Konferenz überlassen und die Verhandlungen geschloßen.
ÄAlchdem Großwesir Kiamil Pascha seine Expose beendet hatte, sprach ihm die Kammer ihr unbedingtes Vertrauen aus.
lien dazu geraten hatten und eine lebhafte Opposition im türkischen Ministerrat auf persönliche Intervention des Sultans beseitigt war. England enthielt sich der Pforte gegenüber jeder Meinungsäußerung yfc dem österreichisch-ungari- schen Angebot.
Zn Serbien und Montenegro ist man mit der friedlichen Einigung zwischen der habsburgischen Monarchie und der Türkei wenig einverstanden.
Die Nachricht von der Annahme des österreichischen Angebotes durch die Türkei hat in Belgrad geradezu konsternierend gewirkt. Das Vorgehen der Pforte wird als ein schnöder Treubruch der Jungtürken aufgefaßt. In Ne- gierungslreisen ist man bemüht, die pessimistische Stimmung dadurch abzuschwächen, daß man das Zustandekommen der Verständigung als eine Tatsache hinstellt, welche von jedem ernsten 'Politiker vorausgesehen werden mußte. Auch iu-ieb darauf hin gewiesen, da ß die europäische Konferenz sick)er die serbischen Forderungen berücksichtigen werde. Die Blätter geben der Enttäuschung über das Vorgehen der Türkei Ausdruck, besonders über das unaufrichtige Verhallen Rußlands gegenüber Serbien. „Politika" beschuldigt Frankreich, daß es aus Angst vor Deutschland seinen ganzen Einfluß bei der Türkei für die Annahme des Angebots eingesetzt habe.
Daß nrit der bisherigen Verständigung zwischen Oesterreich und der Pforte noch nicht alle Schwierigkeiten beseitigt sind, ergibt eine Betrachtung der Loykottfrage. Ein Leitartikel des „Osmanischen Lloyd" mit dem Titel: „Der Friede besiegelt", verzeichnet hochbesriedigt die Annahme des österreichisch-ungarischen Angebots und sagt: Nun müsse auch der Boykott enden, der anfänglich, von einigen Hitzköpfen begonnen, schließlich auch deutsche und andere Waren betroffen habe. Oesterreich-Ungarn habe geringen Schaden erlitten, dagegen hätten die türkischen Zolleinnahmen große Einbußen erfahren. Von höheren türki-' scheu Zollbeamten werde der Verlust auf 600 000 Pfund geschätzt. „Turquis" verzeichnet die Aeußerungen von Deputierten, daß es Zeit sei, zu einer Entente zu kommen und daß es gefährlich wäre, eine intransigente Haltung zu beobachten.
Da der Boykott der österreichischen Waren seitens der Türkei vor dem Sarsonbegmn einsetzte, hofft man, daß Sei* entstandene Schaden vielfach wieder gutgemacht wird. Im mazedonischen Boykotikomitee sind auch Vertrauensmänner der serbischen Regierung, die das Wort führen.
Wie dem auch Jet, die ersten wichtigsten Schritte zur Erhaltung des Friedens auf dem Balkan, und damit des Weltfriedens, sind jetzt dank der beiderseitigen Nachgiebigkeit getan worden. Man kann wieder hoffen, daß auch in dem europäischen Wetterwinkel bald normale und bessere Zustände eintreten.
tu gleicher Zeit und mit dem gleichen negativen Erfolg dasselbe Experiment bet der BedaAsberechnung für die nächsten fünf Jahre, Da versuchte es denn das Plenum des Reichstags am anderev Ende und machte eine in die vtelen Millionen gehende Rechnung auf über die Beträge, — die in den letzten 5 Jahren hätten gespart werben können. Eine ganze Sitzung wurde heute danut zugebrachl, was sonst hui ein emgejchobeuer Monolog des Herrn Erzberger gewesen war. Während bisher die Erledigung von Rechmmgs- suchen eine Tagesordnung einleitete, füllte sie heute eine lange Sitzung aus. Herr Erzberger fand sich diesmal fern Spezialgebiet so gründlich streitig gemacht, daß er nur zum Wort gelangen konnte, um zu einer schon vorliegenden Resolution über die Bewirtschaftung des Etats und über die Rechnungskontrolle sich auszusprechen, und es blieb ihm da nichts tueiter übrig, als dem feine Zustimmung zu erteilen, was der natioüalltberale Antragsteller Dr. Eürcke und der freisinnige Dr. Mugdan hierzu ausgelührt hatten. Da er es npn nicht in der Qualität ihnen ztivortuit konnte, besorgte er es um fo gründlicher durch die Qiia.uilät, indem er Position für Position bie Rechnungsübersicht des Reichshaushalts durchging und dieselben Rekrtininattonen dann zum weiteren Ueberfluß noch einmal bet den Rechnungsübersichten über jedes einzelne der Schutzgebiete wiederholte. Und wenn fern Redefluß schließlich doch zu Ende ging, setzte Herr Noske von den sozialdeinokratijchen Bänken ein und variierte oas, was Erzberger vorgetragen hatte, nahezu m denselben Sorten. Im Gllflcmemen aber war auf feiner Seite des HaufeS eine Mein- iuigsvenchiedenheit darüber, dasi mit dem System der Etats- überichieuuiigen gebrochen werden müsse, und Herr Demburg konnte sein Euiverständnis um so freimütiger erklären, als er nicht eigene Sünden, sondern die feiner Vorgänger zu vertreten hatte.
D,e letzte halbe Stunde galt daun noch der ersten Lesung zweier (Lesetzentwürfe. Ter eine bringt eine weitere Er 1 eichter- u n g des W e ch s e l v e r k e h r s, der andere erfüllt eine alte Forderung des Reichstages, indem er bei der Beziehung der A r m e n u n t e r st ü tz u' n g zum Wahlrecht dem nwbernen, sozialhumaneii Begriffs der Armut und der Entwickelung der fozial- politifchen Jürforge Rechnung trägt. Reben dem Staatssekretär v. B e t h m a n n - y o l l >v e g, der in kurzen Worten die weitherzige Absicht des Gesetzentwurfs erläuterte, kamen Zentrum und Konservative, Ratiotialliberale und Freisinnige schon heute zum Wort tuid äuszerten ihre GenugMutig über das Eingehen der Regierung aus dte Wünsche des Reichstages. Ter nätlonalliberale Dr. Eoeiling und der freisinnige Kaempf knüpften daran den Wunsch nach einer Ausdehnung der wohltätigen Wirkuttgen des Gesetzes auch auf bie. Verhältnisje in den Elnzelstaaten und Gemeinben.
— Ein Denkmal für Wilhelm Busch. Gestern jährte sich zum ersten Male der Todestag des großen Humo- risren Wilhelm Busch. Seine Landsleute in Wiedensahl, wo Busch geboren ist, wo er seine ersten bestimmenden Eindrücke empfing, wo er einen großen Teil seines Lebens verbrachte und wo fast alle seine Werke entstanden sind, benutzen diesen Tag, um allen Freunden Buschs die Bitte vorzutragen, man möchte ihnen helfen, dem Künstler/ Dichter und Philosophen ein Denkmal zu setzen Die Genteinde ist klein rrnd bedarf zu ihrem löblichen Vorhaben der Unterstützung. Fließen genug Mittel zusammen, so soll ein dicht bei Wiedensahl gelegenes neun Morgen großes Eichenwüld- chen das Denkmal in seiner Mitte aufnehmen. Es war dies der Lieblingsplatz des Dahingeschiedenen, wo er mit Vorliebe geweilt und geschaffen hat. Zur Annahme der Beiträge hat sich die Zweigstelle der Darmstädter Bank in Hannover bereit erklärt.
— Ibsens hinterlassene Werke. Die Kopenhagener „Nationaltidende" teilt mit, daß die drei Bande Ibsens hinterlassener Werke, die am 15. März erscheinen sollen, vielleicht eher die Vorarbeiten zu Ibsens Werken genannt werden köunetr, weil sie die Vorarbeiten und Antriebe für fein Schaffen enthalten. Der Verfasser des Artikels bezeichnet diese Bände als ein aufsehenerregendes literarisches Ereignis.
— Berichtigung: In dem gestern veröffentlichten Aufsatz über den Vortrag Dr. Helene Stöckers hat sich ein sinnentstellender Druckfehler eingeschlichen. In Zeile 4 muß es anstatt Mutterschasisbewegnng natürlich Mutterschutz b e w e g u n g .heißen,
— Kleine C b r o n 11 aus Kunst und Wissenschaft. Der internationale Ln't schiff a h r t s °K o n g r e st hielt feine Schlußsitzung ab. Ans Antrag des Vorsitzenden des belgischen Aeioclnbs würbe die S L i f t u n g von Preisen im Gesamtwerte von 1200 000 frcs für Flugmaschienen und lenkbare Luftschiffe beschlossen. — Zum Direktor des Bayerischen National- museums in Ai ü n ch e n wurde der zweite Tireltor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg Dr. S t c g m a n » ernannt.
ALcZtrsK LsrrMetstt.
— Die er ste Pr o s e s sur für Lu f t s chi ff ah rt. Nachdem die Motorluftschiffahrtsgesellschaft Mittel für die Errichtung eines Laboratoriums für Aeronautik der Göttinger Universität zur Verfügung gestellt und auch die unter Leitung Geheimrats von Böttinger stehende Göttinger Vereinigirng zur Förderung der angewandten Physik und Mathematik für den gleichen Zweck Geldmittel flüssig gemacht hat, hat der 5tultusminister unter Bereitstellung nicht unerheblicher staatlicher Mittel dem ordentlichen Professor in der Göttinger philosophischen Fakultät, Dr. Prandtl, einen Lehrauftrag für das gesamte Gebiet der Aeronautik erteilt. Soweit wir unterrichtet sind, dürfte dies die erste Professur ftir Luftschiffahrt in Deutschland sein, was an der hiesigen Universität mit besonderer ^Genugtuung begrüßt worden ist.
— Der Internationale Luftschissahrts- kongreß in London erledigte die Proteste gegen den Schiedsspruch der deutschen Preisrichter, durch den der Gordonbcnnetpreis der Lüfte im Oktober 1908 dem schweizerischen Generalstabsobersten S ch a e ck zugesprochen wurde, sowie einen Antrag Englands, den ersten Preis einem englischen Bewerber zu erteilen, dadurch, daß er den .Schiedsspruch nach eingehender Verteidigung durch den Syndikus des deutschen Luftschifser- verbandeS, Rechtsanwalt Eschenback - Berlin bestätigte. Dem endgültigen Sieger, Generalstabsoberst Schaeck wurde ein sportlicher Tadel ausgesprochen.
— Sven Hedin wurde vom Zaren empfangen. Der Zar hatte ausgezeichnetes Kartenmaterial irusgebreitet, in denen die neuen Entdeckungen Hedins vermerkt waren. Von Ladak, einem Landstriche Kaschmirs aus wurde die Reise begoirnen. Im ganzen wurden 4000 englische Meilen durchreist. Die Begleitung übernahm eine Schar von 28 Ladaken. 130 Pferde und Maultiere wurden mitgesührt. Als alle Welt ihn verloren glaubte, wanderte Hedin im herzen von Tibet, ohne die Möglichkeit zu haben, Nachrichten zu geben. Die Reise hat drei Jahre und drei Mvrmte gedauert.
stiMMiingsvild aus drm preutz. Adgeor-Menhaus.
Berlin, 13. San.
Interpellation über Nacktkultur.
Ntich einer z:uaitc iioer die Arbeitslosigkeit, die nicht viel mehr als die BedmLung der .Betrübnis, aller Parteien über den Arbeitsniangel und die längst bekannten Klagen des AgrariertumS über den Arbeitermangel auf dem Lande brachte, hieß die^Zweita Komaner den Antrag gut, in dem Herr Ra Hardt, der Tischler^ obermeister, die fchteniiige Vergebung der im Etat vorgesehenen Arbeiten, namentlich der bangewerblichen, forderte. Die Erfüllung dieses Wunsches hatten übrigens die Herren auf der MinifterbanL scl-on vor Wechnachten versprochen. Und nun begann eine wesentlich tem-perameruvollere Debatte: Herrn ZLoerens Interpellation wider die Nacktkultur, wider die öflentlichx Schaustellung nackter Männlein und Fräulein kam aufs Tapet. Wieder war Fräulein Desmond auf der Tribüne erschienen, um zu vernehmen, wie Preußens Parlament iiuer ihre Spezialkunst urteile. Und wie einst die twianischen Greife mißlaunisch und sorgenvolL zwar, aber doch bewundernd des Mene laus ungetreue Huldm auf der Mauer Ilions betrachteten, so richteten >ich stracks der würdigen Volksboten Augen und Augengläser auf die Priesterin der 9lackttultur, die ungeniert, mit mächtigem Opernglas bewaffnet, ihre Richter da unten im Saale niufterte. Selbst Herr Jordan von Kroecher führte, auf dem Präsidentenstuhle prangend, den Krimstecher zum Auge, um lange und aufmerksam die eigene artige Zeitgenossin zu betrachten. Und bann schüttelte er nadj-i deutlich das weißbärtige Haupt. „Die Revue be Tesmonb"- witzelte ein weniger in der sranzösischen Grammatik als in be« Tagcspublizistik unserer westlichen -Nachbarn beschlagener Preß« mcnsch. Was bie Jüngerin Terpsichoreus zu hören bekam, toai nun freilich grundverschieden von den Lobeshymnen, die Helenens bfonbe Schönheit den Greisen der Troerstadt ab rang. Aller Rücksicht bar, schalt Herr Roeren, der Interpellant, die nacktheitfrohe Salome ein schamloses Frauenzimmer, und in dieser Tonart, bi« auch dem schärfsten Gegner der „künstlerischen" Spezialität der Dame zuweilen allzu grausam erscheinen mußte, gefiel sich nicht nur der Zentrumsmaim, auch der Konservative Henning war um Feinen Deut gelinder. Er ging vornehmlich mit Herrn von Moltke scharf ins Gericht, der in einer langen Rede in der Tat nicht viel und nichts Rechtes gesagt hatte. Und eS war ein itt her preußischen Parlamentsgeschichte wohl einzig dastehender Vorgang, als her Konservative dem Minsiber ziemlich unzweideutig na düngte, er sei zu seiner laxen Haltung gegenüber den Nacktheits- a pofte hi bestimmt worden durch bett Einfluß aristokratischer Äpeisc, die für diesen Nacktheitsknltus Adeptenneigungen hegten. Heraus mit freit Namen dieser Leute! rief Herr Henning mit zornbebender Stimme, von lebhafter Zustimmung aller Parteien begleitet. Herr v. Moltke verwahrte fidj gegen diese Verdächtigung, und man muß ihm glauben. Mer was er sonst zur Verteidigung seiner .Haltung gegenüber dem Nacktheitsunfug sagte, der auch der gesamten Preise ohire Unterschieb de'r Partei ein grobes Aergernis bedeutet, bas war herzlich schwach. In bei Sache nicht minder entschieben, aber urbaner in bei Form behandelte der National- liberale Dr. Lohmann den Kasus, und nachdem! iwch Herr Mertiii von den Freikonservativen kurz sein Einverständnis mit den Ausführungen der übrigen Redner zu Protokoll gegeben, schlug Herr v. Kroecher die Vertagung vor. Damit kam er aber beim Hause schön an: Aus allen Bankreihen erscholl der Ruf: „Träger, Träger! Träger mitß sprechen!" War es bie Ritterlichkeit, bie den greifen Lyriker dem sdMächeren Geschlecht gegenüber beseelt, waren es andere Gründe, die den alten Kämpen auf sein Wort zur Sache verzichten ließen, genug, er winkte lächelnd ab, und Jordan von Kroecher meinte trininphierenb: „Herr Träger will lieber nicht sprechen!" Stürmische Heiterkeit brach los, und sie erneute sich, als der immer zu einem behaglichen. Scherz aufgelegte Vinzelberger Schloßherr trocken hinzufügte: „Ein Widerspruch gegen diesen meinen Vorschlag erbebt sich nicht, also: Vertagung!" Und, so ging man benn auseinander, um bis zum Montag des Etatsstudinms zu Pflegen. Was sich freilich mancher nach alter lieber Gewohnheit reckst leicht machen ioirb.
politeycbc Sagesjeharr.
Erdichtete Kaiserworte.
Einige Leitungen Haden über eine neue politische Ansprache des Kaisers beim Jubiläum des Kaiser Franz-Gardea regimcnts zu melden gewußt. ^Riu iiafwi


