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2.1.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 1 Zweites Blatt

159. Jahrgang

Samdlag 2. Januar 1909

Grfcheint tSgNch mit Ausnahme deS Sonntag».

DieGießener Lamkttend'.Siler" werden dem ,91nAcifler' viennal wöchentlich beigelegt, das Krdsblatl für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen nwnallich -iveuual.

Eichener Anzeiger

Seneral-Anztiger für Eberhesftn

Rotationsdruck und Verlag der Vrühlfchrn Unioerfiiätd - Buch- und Sreindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion:«^ 112. TeU-AdruAnzeigerGieben.

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Kotttisehe Tagesschau.

D!e Neujahrsfeier im königlichen Schloß zu Berlin wurde auch in diesem Jahre durch das große Wecken einöclcüct Bei klarem Frvsdvetter fanden sich schon zeitig große Menschenmengen in der Umgebung des Schlvfics zusammen. Nau, 9^4 Uhr trafen die Majcftüten vom Neuen Palais aus im Auto- mobil im königlichen Schlosse ein. ebenso die Mitglieder der kaiser- lidyen Familie. NaclPem die Majcftäten die Gluckroünsche bei Prinzen und Prinzessinnen des königlichen >Hauscs, sonne des Hofstaates entgegengenommen hatten, begaben sie sich unter großem Bor tritt nach der Schloßkapelle. Der Kaiser, in großer Generals­uniform, führte die Kaiserin, welche eine biaßblaue Robe trug, dann folgten der Kronprinz mit der Prinzessin Eitel Friedrich Prinz Siupprecht von Bayern mit der Kronprinzessin usw. Zu dem feierlichen Gottesdienst hatten sich ferner eingefunden der Reichs Kanzler, die Mitglieder des Bundesrats, die Ritter des Schwärzen Adlerordens, die Minister, sowie die Präsidien der Parlamente. An den Gottesdienst schloß sich eine Gratulations- und Dc- silier-Cour im Weißen Saale, während welcher im Lustgarten Salut gcsdyossen nmtbe. Der Kaiser und ebenso die Kaiserin reidyten dem Reickstairzler die Hand. Nach der Cour empfing der Kaiser zur Gratulation die Botschafter, den Reichskanzler, das Staats­ministerium, die kommandiereirden Generale und Admirale und begab sich um 12Va Uhr zu Fuß nach dem Zeughaus zur großen Parole-Ausgabe, unterwegs vom Publikum mit lauten Hurra­rufen begrüßt. Im Lause des Nachmittags fuhr der Kaiser bei den Botschaftern vor.

Ein Rkvolveranschiag auf den französischen Ministerpräsidenten.

Erp vor wenigen Tagen war au» den Präsiden« en «rätlnres ein Angriff aut offener Straße verübt worden, und schon lutebci wird aus Paris von einem Altenlalverinch gemeldet. Am Sylveiter- abend. kurz nach ö Ul»r, gab ein Mann fünt Revolverfchnfse gegen die Fenitcr des Zimmers ti b, tn dem Ctemene.au »in 'Dünifterimn de« Innere»» am Platz Beauvau arbeitet, ab. Clemenceau wurde Nicht getroffen. Er verließ da« Ministerium unmittelbar noch dem Attentat. Der Monn, der sofort verhaltet wurde, »ft en» .Wovfei namens A»»lo"io Benedetli. Er war beim Handelsgericht m Ajaccio ongestellt und scheint durch einen Prozeß, den er gegen den Staat lührle, »n starke Erregung geraten zu fein. Als er Feuer gab, net er: ,ES lebe die Freiheit! Ätieder mit dem Tyrannei»!" Benedetli »ft ein Alann in den vierziger Jahren. Er soll nicht gelftesgestöli fern. Ter Angreifer deS Präsidenten Fallieres, Aialhis, benimmt sich, wie im Anichluß an obige Mlllerlnng zu ber,chlen ist, tn der Halt so unoernünitiq, daß desfett Uebersilhrn,»g in eine staatliche Irrenanstalt bevorsteh».

Zur Lage auf dem Balkan.

Wie das Reuter'lche Bnieau von anitlicher Seite erfährt, haben England und Rußland Oester reich-Ungarn »c>re Annahme der Vor­schläge notifiziert, die Oesterreich-Ungarn bezüglich der miitmaßlichen Beratungen der der etiropäijchen Koifierenz vorznschlagenden Fragen gemacht hatte. Die Türlen enuenen sich übrigens letzt schon gegen die Engländer dankbar. Es »st die ersleFruchr der neuen eiiqlucb* türkischen Freundschast. Tie Psone hat nämlich einer englischen Gesetlfchait die Konzession zum Betriebe einer Küsiensahrl-lSefellschait mit einem vorläufigen Grundkapital von 25 Millionen Frcs erteilt. In diese Gesellichait sollen zwei türkische Gesellscha'ten übergehen. D:e Konzession »mlerliegt jedoch der Sanktion des Parlaments. Nach Aeußerungen einiger Mitglieder wird dtefelbe Sch»vierigke»leu be­gegnen. Meldungen aus Saloniki zruolge plant das Boykoll- Komitee, falls die Frage der Angliederung Kretas an Griechenland eine für die Türke» ungünsUge Wendung nehinen »vürde, den Bo»)koll auch auf griechische Waren auszudehnen.

Mißlungener Generalstreik.

Der wegen der Auslösung der Fachorgailifationen der Metall­arbeiter und Schreinergesellen gevlaute Ataffenstreik der sozialistisch Organisierten »st, wie aus Budapest gemeldet wird, nicht zur Turchiührung gelangt. Bon 100 000 Arbeitern feier« nur 4tM0, von denen die Hal'te Donnerstag nachmittag die Arbeit wieder auinehme»» dürste. Ta die Zenungsletzer streiken, erscheinen die Blätter nicht. Verschiedene Personen, die ÄrbeitswiUtge an der Arbeit zu hmderrr suchte»», wurde»» verhaftet. In» übrigen herrscht Ruhe.

Castro und die Revolution in Venezuela.

Den in ^errrir wei^eirdcn ^-Prchioenten von Venezuela, Castro, hat die Bosfisckye Zeitung über fein Verhalten zur neuen Regierung und über die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen be­

fragen lassen. Castro erklärte aus die Frage, ob er bereits bei seiner Abreise gewußt habe, was sich demnächst ereignen werde, mit großer Festigkeit:Alle diese Gerückfte beruhen auf einer böswilligen Erfindung. Wenn ich auch nur die Icififte Ahnung davon gehabt brtlte, daß hinter meinem Rücken eine Re­volution entstehen würde, so wäre ich in Venezuela geblieben, sogar aus die Gefahr hin, infolge meiner fdyfedyten Gesundheit mein Leben aufs Spiel zu setzen. Nein, mein Herr, ich bin immer em Sklave der Ehre und der Pflicht gewesen und fürdyte nie­mand außer Gott." Unser Mitarbeiter nahm bann, so schreibt die Vos;. Ztg. weiter, auf die angeblich verlangte Auslieferung und auf den in Aussicht gestellten Hochverratsprozeß Bezug: Castro sagte:Vor allen Dingen Halte ich eine Auslieferung für ganz unmöglich, ivcil darüber überhaupt keine Bestimmungen zwisclyen Venezuela und Deutfckyland bestehen. Sollte mir aber üie venezolanische Negierung auch nur die leiseste Andeutung inadyen, doß man mich in Venezuela wünscht, so bin ich bereit, un­verzüglich nach Venezuela zurückzuk.hren, um meine angegriffene Ehre zu verteidigen. Ich glaube sicher, daß ich dabei nur ae- roinnen würde, und R. nulyt nur inaezug auf die inneren An- aelegenbeiten, sondern airch, was die auswärtige Politik betrifft, ^dy werbe verlangen, vor einen internationalen Geridytslyvf ge­stellt zu werden, der über die Rechte und die Gründe, brf B'N^uela zu feinem Borgel^n otraiiiau^m, jein Urtel! abgeben wurde: ovrausgefetzt natürlich, daß er sorvohl Venezuela nne mir wirk.ick) Gereckäiureit widerfahren taffen wird, wenn die venezolanische Sache ms gerechte erkannt wird." Damit fand die Unterredung chr Ende. Wie Castro richtig erwähnie, bcfhlyen ytnfdycn Vene­zuela und Deutfäyland Line AuslirfriungS sti inmungen. Tenn zwifch-tm den beiden Ländern ist nn Jahre 1832 nur cm Vertrag über den Schutz von Handelsmarken geschlossen worden. Tägigen oeftehen Auslieferungsv-'rträge- -wischti» Venezuela und Belgien O"erl 1680), Bolivien (1888) und Spanien (18Jöj." An Selbst bciuubtjeu» Heu Castio, nne man aus der ganzen Unterredung er sieht, jedenfalls nichts eingebüßt.

schiedenen aus dem belgischen Kongo-Gebiet eingelaufenen Mel­dungen wurde ein europäischer Agent von Eingeborenen in der Nähe der Grenze von Kamerun getötet und verspeist.

zriedderger Nelljahrrbrttachtirng.

(?) Friedberg, 1. Jan.

Auch bei uns hat mit grimmiger Kälte der Winter ein­gesetzt; ein rauher Nordwind fegt durch die Straßen und verleiht Ohren und Nase die gehörige Färbung. Aber alles hat feine guten und schlechten ©eiten, auch die Kälte; denn einerseits wird sie von vielen mit Freuden begrüßt, nament­lich von unserer Jugend, die ihre Ferien so recht auf der Eisbahn verleben kann. Sie kümmert sich nicht um Külte und Nordwind; sind Füße und Ohren erfroren, so geht es ein Vierlelstündchen.-um warmen Ofen, um dann mit erneuter Kraft dem Eissport zu huldigen. Auch die Besitzer von Eiskellern, sowie die Eisarbeiter freuen sich über das' Eis als auch über den Verdienst in der schlechten Zeit. Aber der Landmann erwartet mit Sehnsucht den Schnee, um die schwer bedrohte Saat vor Erfrieren zu schützen, und diq Arbeitsnot nimmt eine immer bedenklichere Gestalt an. So ist der Winter für roenige eine Quelle deS Vergnügens und neuen Gelderwerbes, für viele aber, besonders für unsere Bauhandwerler eine Zeit der schlimmsten Svrge^ doch nicht den Mut füllen lassen; denn auch hier wird» wieder Frühling werden; jeder Ebbe folgt eine Flut; so wird and) bald dem einzelnen Gelegenhett gegeben werden, dem täglichen Verdienste nachzugel-en. Zwar ruht auch bei unS noch eine größere Bautätigkeit. Privatbanken sind

DcutKche» Uei«ch.

Der preußische Kultusminister verfügte, daß an der königlichen Höheren Mädchenschule in Trier von Ostern an eine Studienanstalt nach dem Lehrplan für real- gymnasiale Kurse und eine Frauenschule euigeridjtet werden sollen.

Die Lage in Südwestafrika. Nach an amtlicher Stelle cingetroffcnen neuesten telegraphischen Nachrichten aus Südwestafrika ist die Lage im Süden unverändert Um die Rückkehr der auf englisches Gebiet übergetretenen räube­rischen Hottentottenbanden zu verhindern, s.nd zurzeit drei Kompagnien, ein Moschinengewehrzug und ei.ie Batterie des Südbezirks längs der Grenze zwischen Koes und Ukamas unter dem Befehl des Major Baerecke bereitgestellt. Letzterer beabsichtigt in den nächsten Tagen die Karrasberge mit den verfügbaren Truppen gründlich abzusuchen.

König Eduard kommt nach Berlin! Nach Telegrammen des Privatselretärs des Königs von Eng­land, Lord Knollys an die Presse, ist die von derDaily Mail" gebrachte Meldung über eine Verschiebung bezw. Aus­geben der Reise des Königs unb der Königin nach Berlin unbegründet.

2lu»!aiiöe

Der deutsche Bot > u> a ) ter F ü r st R a b l i n hat dem früheren Präsidenten Louoet Oie Glückwünsche Kaiser Wu Helms zum 70. Geburtstage überbracht und gleichzeitig die Glückwünsche des Reichskanzlers Fürsten von.ow übermittelt.

Die französische Regierung hat dem Gesandten von Flo - tow das Großireuz der Ehrcntegion verliehen.

Die La ndesverteidigungskom Mission der russischen Reichsduura hat die vom Marineministerium für den Bau von Linienschiffen für das Fahr 1900 geforderten 3 Millionen Rubel einstimmig abgelehnt.

Rußland und England in Persien. 2bic das Reu- tersche Bureau erfahrt, sino mit Rücksidst auf die unoefriedigende Lage in Persien die englische und russisdye "Regierung wegen eines künftigen politischen Zusammengehens in Persren in Ver­buchung getreten. .

Kannibalismus t m Kongv-Geb»ete. Nach ver-

vereinzelt, was wohl bamit zusarnmenhängt, baß der Güter­bahnhof im Frühjahre nach dem Sudende der Stabt an­gelegt werben füll, wodurch eben die Bautätigkeit stockt^ aber bei Angriffuahrne der Verlegung fich rasch beleben wird. Städtische Bauten sind eben zwei in Arbeit, das Volks- und! Schwimmbad und das neue Krankenhaus. Anfangs MaL hofft man mit ersterem fertig zu sein; mit Freuden wäret es zu begrüßen, wenn das Projekt zur Ausführung tarne, vom Schwimmbade einen Femheizlanal nach der Stadt-, kirche zu leiten, um die Kirche im Winter zu Heizen. Denn so steht daS schöne gotische Baudenkmal von sJä)Dembec bis zum Frühjahr unbenützt, während die Burgkirche unb die Turnhalle der Augustinerschule für die religiösen Bedürf­nisse unserer evcmg. Einwohner nicht genügen. Hoffend lich bringt das Jahr 1909 neue ft tot Bauten, Wünsche, die wohl nicht in einem Jahre erfüllt werden können; denn sonst würde der städt. Steuersäckel zu sehr in Mitleidenschaft gezogen. Auf dem Wunschzettel stehen Kanalisievung dev Stadt, Schlachthaus, Neubau einer Akademie, Erweiterung der Gebäude der Volksschule, neue Anlagen, sicherlich Wünsche, von denen einige viel Geld kosten, die aber alle, notwendig sind. Von staatlichen Bauten sind für bas neue, Jahr vorgesehen die Erbauung einer neuen Blindenanstalt' Für diese ist das Gelände schon vor einigen Jahren in der; Leonhardtstraße angekauft; der Staat hak für den Bau, der auf 399 500 Mark veranschlagt ist, 100000 Mark als, erste Nate gefordert. Dann soll ein neues Amtsgericht an1 die Stelle der alten Blindenanstalt kommen. Cmdlich ist' auch im alten Jahre ein schon lang ersehnter Wunsch^ unserer Kaufleute in Erfüllung gegangen, die Einführung^ des 8 Uhr Ladenschlusses.

Am Schlüsse des Jahres ziehen die Menschen Silansj über bas vergangene, wünschen sich Glück unb alles gute.. Glück kann jeher brauchen, befonbers bie, die einen wich­tigen Lebensabschnitt vor oder hinter fiel) haben. In einer, Stadt der Schulen mit ihren Examinas, die hier schon Ende Januar beginnen, ist dies für den beteiligten erstj recht der Falt Viel Fortschritt hat in unserer Stadt das,

LNeines jcuiUcton.

Eine eigentümliche Nachricht bringt das Gothaische Tageblatt". Danach soll her Herzog von Kv- burg-Gotha, um den geplanten Umbau der Feste Koburg durchführen zu können, den Kaiser gebeten haben, zu ge­statten, daß eine zu diesem Zweck zu veranstaltende Lotterie auch für den Umfang der preußischen Monarchie genehmigt werde. Obwohl nun der Kaiser diesem Plane zugestimmt habe, hätte die preußische Regierung ihre Genehmigung versagt, und zwar mit der Begründung, daß die seinerzeit an die zwischen Preußen und den Herzogtümern Koburg und Gotha abgeschlossene Lottericgemeinschaft geknüpften Erwartungen fiel) nicht erfüllt hätten! Wenn diese Nachricht zutrifft, so würde der Herzog also dafür gestraft v>erden, daß die Bewohner feines Landes nicht in dem von preußi­scher Seite gewünschten Maße dem Spielteufel huldigen.

Zum 100. Geburtstag von Darwin. Aus London schreibt man: Die Universität Cambridge will in diesem Jahre den 100. Geburtstag von Charles Darwin unb gleichzeitig das Jubiläum der ersten Veröffentlichung des berühmten Darwinschen Werkes von derAbstammung der Arten" festlich begehen. Die Veranstaltungen beginnen um 22. Juni n. I. mit einem Empfang der auswärtigen Delegierten und Gäste durch den Lord-Kanzler im Fitz- william-Museum» Daran schließen sich am folgenden Tage die Borträge an unb abenbS ein Bankett. Am 24. Juni wer­den die Vorträge fortgesetzt werden unb die Universität wird einige Ehren-Auszeichnungen verleihen. Ferner ist die Veranstaltung einer Darwin-ErinnerungsauSstellung ge­plant. lieber 200 Abgeordnete unb Gäste aus allen Ländern haben bereits ihr Kommen zu der Feier angesagt, darunter viele deutsche und österreichische Gelehrte.

Sarasates Testament. Die Oeffnmrg des Testaments des vor kurzem verstorbenen berühmten spa­nischen Violinisten ergab, daß Sarasate feine Heimatstadt

Pampeluna mit ansehnlichen Stiftungen bedacht hak. Der Musiischule der Stadt hat er feine gesamte Notendibliothek | vermacht und 20 000 Mk. zur Begründung eines Jahres­preises überwiesen. Für die Armen der Stadt sind 12 000 Mark ausgesetzt; fein Klavier, zwei seiner berühmten Vio­linen, seine Juwelen und feine Orden sind ebenfalls der Stadtgemeinde überlassen worden, die sie in einem beson­deren Raum zur Aufstellung bringen wird. Seine berühmte Stradivarius von 1724, das Geschenk ber Königin Isabella von Spanien, hat Sarasate bem Pariser Konservatorium für Musik vermacht, wo er seine erste musikalische Ausbil­dung genoß und feinen ersten Erfolg errang. Dem Kon­servatorium hat er zugleich 20 000 Franks überwiesen, aus denen ein jährlicher BiokinprciS gebildet wirb. Dem Ma- briber Konservatorium hat er zum gleichen Zivecke 100 000 Franks vermacht. Der Stradivarius von 1713 sollte nach der ursprünglichen Fassung des Testaments dem Londoner ScuthlLnsington-Museum überlassen werden,zur Er­innerung an bas Willkommen unb an die Erfolge, die ich in England genossen habe". Eine spätere Klausel jedoch stößt die Bestimmung wieder um und überweist das kostbare In­strument dem Madrider Konservatorium. Seinem Kammer­diener hat Sarasate 40 000 Franks, seiner Köchin 10 000 Franks ausgesetzt. Seine Billa in Biarritz und 15 000 Franks erbt Fräulein Bertilla Goldschmidt, der Rest des Vermögens, dessen Höhe noch nicht ganz abgeschützt werden kann, soll zu gleichen Teilen den beiden überlebenden Schwestern deS Virtuosen anheimfallen.

Dasdreiundzwanzigjährige Baby" von Devonshire beginnt zu wachse n. Seit zwei Monaten hat ein bekannter Londoner Mediziner die Behandlung des Mädchens übernommen und außerordentlich interessante Re- suliaie erzielen können. ES handelt sich um die dremnd- zwauzigjährige Mildred Hart, Die in frühen Kinderjahren plötzlich in der Entwicklung stehen blieb und seitdem weder gewachsen nock» aeiftig fortgeschritten ist. AlS her Arzt bie

Behandlung übernahm, wies die Dreiunbzwanzigjährige fa^ in jeber Beziehung bie Entwicklungsstufe eines fünfjährigen Kindes auf, war 33 Zoll hoch, mit trockenem dünnen Haar/ breiter fetter Nase und von außerordentlich bleicher ®e* sichtsfarbe. Den ganzen Tag über faß sie, auch in den Sommermonaten, zitternd vor dem offenen Kamin. Ihre Gliedmaßen, Hände uzib Füße, waren kalt unb steif anzu-> fühlen. Teilnahmslos unb ohne sich um bie Umgebung zu kümmern. Pflegte sie so den Tag über dazuhocken, und ihr Wortschatz bestand aus kaum drei ober vier Lauten. Sie hatte noch ihre Milchzähne, Appetit war so gut wie garnicht vorhanben, kaum baß sie am Tage einen halben Liter flüssiger Nahrung zu sich nahm. Der Lonboner Mediziner begann vor nunmehr acht Wochen die Behandlung durch die tägliche Verabreichung einer starken Dosis von Schild-! drüsenextrakt und der Erfolg hat ihm vollkommen recht gegeben. Die kleine Mildred Hart ist seitdem um 2i/» Zoll gewachsen, ihre Haut, die früher trocken und rauh war, ist heute warm und natürlich, die Form der Nase hat sich gemildert und der geistesabwesende, teilnahmslos starre Gesichtsausdruck ist fast völlig verschwunden. Das Haar wächst, sie hat Zähne gewechselt und ihre Appetitlosigkeiü ist zu einem steten Hunger geworden. Noch bemerkenswerter aber ist der Umschwung im Denken und Sprechen. Seit den letzten Wochen entfaltet sie eine Gesprächigkeit, die über­rascht und sie verfügt dabei über einen Wsrkschatz, den sie unmöglich erst in den letzten Wochen sich angeeignet haben kann, es muß sich dabei um erstorbene Erinnerungsbilder handeln, die tief unter bem Bewußtsein begraben lagen unb jetzt wieber zum Leben erweckt werden. Wie lange die Kur fortgesetzt werden- muß, ist einstweilen nicht äbzusehen, eS ist nicht ausgeschlossen, daß der Mangel an Schilddrüsen- selret ihr immer künstlich zugeführt werden muß, aber einstweilen ist der Wiederbeginn der körperlichen unb gei, stigen Entwicklung unverlennbar unb schreitet weiter fort