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Voianssichtlichc Witterung für Helfen am Freitag dem 11. Juni: Meist trüb. Kühler, vereinzelt Regen und Gewitter.
russische Millionenbeftaud ant und "Polizeispitzel Azcw bei ihm Unterkunft genommen habe. Aus Antrag des Rechtsanwalt Dr. (Sohlt wird weiterhin der bisher als Dolmetsch int Verbandlnngs- saal anwesende Schriftsteller Bnchholtz darüber vernommen, ob ihm die Lerlincr Pcstizei wiederholt Schwierigkeiten bezüglich seines dortigen Aufenthaltes bereites habe. Zeuge der in Rust - taub studiert, später £ic preußische Staatsangehörigkeit erworben intb seit 1895 als Schriftsteller in Charlotteuburg lebt- führt für diese Tatsack-e einen Fall ans dem Jahre 1900 und einige andere Erlebnisse an, die nach seiner Meinung unbegründete Beschränkungen seiner Bewegungsfreiheit dargcstellt haben. Zeuge wird ferner durch Rechtsanwalt Tr. Liebknecht mft seine persönliche Erlebnisse mit nolarischen Spitzeln der russischen Polizei, namentlich des bekannten Azcw, befragt, der sich mehrere Tage in Berlin aufgehalten, mit dein Zeugen freundschaftlich verkehrt und sich bei der Abreise mit einem Ku st bon ihm verabschiedet habe. Zeuge Buch Holtz bestätigt, dast er wiederljolt erst nachträglich habe feststettcn können, dast sich bei ihm und in seinen Kreisen Leute mit der- Biedermannsmaske eingeschlicl-en hatten, die mt zwei fei hast im Dienste der russischen Polizei gestanden hätten. Zeuge bestätigt ferner, dast u. a. in der von den Gruppen vielgelesenen russischen Zeitung „Golos", die durch alle Postämter bezogen werden kann, und überall öffentlich ausliegt, .stets die vielen, die verschiedenen Gruppen betreffenden Notizen enthalten gewesen seien. Damit wird die Beweisaufnahme, nachdem einige Beweisanträge des Rechtsanwalt Liebknecht abgelehnt waren, geschlossen. Morgen, Donnerstag 8 Uhr, beginnen die Plaiboyers, das Urteil dürste am Abend zu erwarten fein.
umfangreiche Geheim bundprozcst gegen russische Studierende an der hiesigen Hochschule und an auswärtigen Hochschulen wegen Geheimbündelei beziehungsweise Bei bilfc (Paragraph 128 Straf-Gesetz-Buch >. Der Zuhörerraum ist. mit Angehörigen der russischen Kolonie dicht besetzt, hast vorgesührt. Bor Eintritt in die Verhandlung stellt R.-A. Cohn den Antrag, anstelle des als Dolmetsckier geladenen Sekretär Höhne einen anbereii und zwar den Schriftsteller Buchholz als Dolmetscher fungieren zu lassen. — R.-A. Tr. Liebknecht begründet diesen Antrag damit, dast Höhne als Beamter des hiesigen russischen Konsulats und der Gesandtschaft mit der poli- lst.chen Polizei fnmpathisiere und daher die Annahme berechtigt erscheine, daß seine Uebersetzungen nicht ohne Tendenz sein werdeit.
Ter Vorsitzende verhält sich diesem Anträge gegenüber zunächst ablehnend und erklärt, daß sich das Gericht auf keinen Fall dazu bereitfinden lassen werde, den Prozeß zu einer Sensationsaktion 3ii gestalten. — Ter Gerichtshof gibt aber dem Anträge insofern Itatt, als neben Höhne auch Buchholz als Dolmetscher zugelassen wird.
Tie Angeklagten, die sämtlich deutsch sprechen, sind bisher noch nicht bestraft. Ter Angeklagte Uzaltzow hat bisher in Leipzig Theologie studiert. Kerpen und Kawan haben das Technikum in Mittweida besucht, die übrigen studierten in Dresden. Nach dem Eröffnungsbeschluß werden die Angeklagten au her Mroszan beschuldigt, von Mitte Juli 1908 bis Ende März 1909 in Dresden und anderen O-sten an der Ausland- organifation der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei teilgenommen und zwar teils als Vorstände, teils als Mitglieder der Verbindung, und deren Dasein, Verfassung und Zweck der deutschen Staatsregierung verheimlicht zu haben. Mroszan wird der Beihilfe dazu beschuldigt.
Dem Angeklagten Kerpen wird zur Last gelegt, dem Vorsitzenden der in Mittweida bestehenden Zweigorganisation, dem Techniker Hermann Heine, Beihilfe geleistet zu haben, sich seiner Bestrafung zu entziehen.
Es wird hierauf in die Vernehmung der Angeklagten eingetreten. Auf eindringliches Zureden des Vor- litzenden gibt der Angeklagte Grimbladt, der Vorsitzende der hiesigen Geheimorganisation, die Erklärung ab, dast er in Paris sowohl wie in Basel für die 4. Konferenz der über das ganze Ausland verbreiteten geheimen Organisationen zur Unterstützung der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei eine Deckadresse benutzt habe, und zwar Konstantin Deckabrew. Eine zweite Deckadresse Platonowo habe es nicht gegeben, weder bei ihm noch bei seinen Parteigenossen. Grimbladt bezeichnet sich als russischen Sprachlehrer, er spricht fließend deutsch und verbreitet sich sehr gewandt über die Organisation der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Er stellt es entschieden in Abrede, daß die Verbindung in Dresden irgendwie selbständige revolutionäre Ziele verfolge. Ebenso wenig sei die Organisation eine geheime, ^ic in der Verbindung gelesenen Zeitungen, Broschüren und sonstigen Drucksachen könne man in jeder Buchhandlung kaufen. Er selbst sei nicht Vorsitzender der Dresdener Ortsgruppe, sondern nur einfaches Mitglied. Tie Zusammenkünfte hätten sich zwar nicht in der breiten Oeffentlichkeit abgespielt, trotzdem sei nichts geschehen, was eine Anklage aus 8 128 rechtfertige. Mitgliederbeiträge seien von den Mitgliedern nicht eingefordert worden. Auch der Angeklagte Kerpen bestreitet in gewandter Darstellung, der Leiter eines interimistischen Bureaus der Dresdener, Leipziger, Braunschweiger, Jenaer und norwegischen Ortsgruppen gewesen zu sein. Einer Deckadresse Platonowo habe er sich im allgemeinen nicht bedient.
Märkte.
ke.F ra n kf urt a. M., 10. Juni. (Telegr. Orig.- Bericht des "Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viehmark t- preise. Zum Verkaufe standen: 53 Ochsen, 00 aus Oesterreich, 5 Bullen, 0 aus^Oesterreich, 102 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 931 Kälber, 162 Schafe und Hammel, 937 Schweine, 1 Ziege, 4 Ziegenlämmer, 2 Schaflämmer. — Bezahlt wurden für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 76—78 Mk., 2. Qualität 69—72 Mk., 3. Qualität 58—62 Alk.; Bullen: 1. Qual. 63—65, 2. Qual. 58—60; Kühe 1. Qualität 72—74 'Ulf., 2. Qual. 60—62 «DH., 3. Qual. 46—48 'Ulf., 4. Qual. 00—00 Alk., 5- Qual. 00—00 Mk. Bezahlt wurden für das Pfund Schlachtgewicht: Kälber 1. Qualität 95 dis 98 Pfg., Lebendgewicht 57—58 Pfg., 2. Qualität 76—86 Pfg., Lebendgewicht 45—50 Pfg., Schlachlgew. 65—70 Pfg.; Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 80 bis 00 Pfg., 2. Qual. 70—74 Pfg. Schweine: 1. Qual. 68—69 Ps., Lebendgewicht 53,5—54,0 Pf., 2. Qual. 67—00 Pf., Lebendgewicht 53,0-00,0 Pfg., 3. Qual. 60-66 Pfg., Lebendgewicht 00-00 Pfg. Geschäft bet Hornvieh und Kleinvieh gedrückt, Uebersland unbedeutend.
Limburg a. d. Lahn, 9. Juni. Frucht markt. Durchschnittspreis pro Dlalter. Roter Weizen (nassauischer) 21,80 Mk., weitzer Weizen (angebaute Fremdsorten) 00,00 Alk., Korn 14,50 All., Gerste: Futtergerste 11,00 Mk., Braugerste 0,00-00 Alk., Hafer 9.25—0.00 Mk., Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln 8,00-0,00 Alk.
9t. B. Darm stadt, 8. Juni. Der zweite Tag des Kammermusrkfestes brachte das mit größter Spannung erwartete Auftreten des bekannten französischen Komponisten Saiut-Saens. Der Abend war ausschließlich fetnen Kompositionen gewidmet. Der 74jährige Komponist begleitete mit unermüdlichem Eifer und steter Liebens- würdigkett. Den größten Eindruck hinterließ das Klavier- (Cuintctt A-dur, in dem der Komponist mit unübertreff- ^cher Meisterschaft den Klavierteil spielte, von den Herren Havc m an n, Borne mann, Delp und Andrae aufs hefte begleitet. Recht gut war ferner eine Sonate für Biolon- ccUo und Klavier, wobei sich Herr Hegar - Frankfurt als vollendeter Cellospieler erwies. Bei den Liedern entzückte j$ran Tilly Cahnbley-Hinken mit ihrer frischen Stimme. Reinbold v. War 1 ich schnitt weniger gut ab nl'5 gestern, sein Organ war auffallend spröde.' Trotzdem toar der Abend ein großer Erfolg, der Beifall sehr stark. Namentlich der Gr oßher z o g zeichnete Saint-Saens aus. Infolgedessen spielte der Gast noch eine Reihe von Walzern unt) leichten Salonstücken, die zwar weniger musikalischen Wert, aber desto mehr von jenem französischen Esprit besaßen, der- stets fesselt und entzückt.
R.B. Dar m stadt, 9, Juni, lieber die Ursache des großen ch 1 a u d Unglücks in der Maschinenreparaturwerkstätte der Main'Neckarbahn haben die angestellten Ermittelungen bisher noch ternc Au Klärung gebracht. Aus der Brandstätte ereignete sich heute Vormittag ein s ch w eres 11 n g liird, indem zwei Schmiede namens G ü n t h c r aus Arheilgen und Baumann aus Weiterstadt, durch beit Einsturz eines Kamins schwer verletzt wurden; außer Schädelbrüchen erlitten beide auch innere Verletzungen.
Mainz, 8. Juni. Tas großzügige Projekt einer elektrischen Uebie r (anb 5 en t r a l c für ganz Rhei n h e s- fen ist. nun gesichert, nachdem zwischen den Kreisümtern Worms, Oppenheim, _ der Kulturinspektion Mainz und der Rheinischen Lchnckert-Gefell>ck)ast, sowie den Siemens-Schuckertwerken ein Vertrag abgeschlossen wurde, wonach 100 Ortschaften einen Verband zur Errichtung eines Grnppenelektrizitätswerkes bilden. Die Zentrale kommt zwischen Osthosen und Rhein-Dürkheim.
. * Mainz, 8. Juni. Die Theaterbaukommission hat in ihrer gestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, mit den Arbeiten zum Umbau des Stadt t h ea t ers nach Schluß der konnnenden Spielzeit, also int A vri 5 1910, zu beginnen. Die voneinander abhängigen Umbauarbeiten verlangen, daß zunächst der zur Aufnahme der neuen Treppen erforderliche Vorbau in Angriff genommen ivird und dann der gleichzeitige Umbau von Bühne und Zuschauerraum erfolgt. Als Bauzeit werden die Theater- fenen 1910 und 1911 bestimmt, da im Interesse des Theaterbetriebes und der Bequemlichkeit und Sicherheit 'des Publikums Dmt einer Vornahme von Arbeiten während der Spielzeit Abstand genommen werden soll.
OWetzlar, 9. Juni. Heute tagte int hiesigen Schützengarten die General-Lehrei konfcrenz für den Kreis Wetzlar- unter deut Vorsitz des Krcisfchulinspektors Trauthig. Im Mittelpunkt der Tagesordnung standen die „Pädagogische Forderungen und Weisungen für den Unterrichtsbetrieb in ben preußischen Volksschulen". Hauptlehrer H ö ch st - Burgsolms und Scheidt aus Leun waren zu Referenten bestimmt. Die Konferenz kam zu dein Entschluß, daß jede Stosfüberfüllung der Lehrpläne der Volksschule zum Nach- icil gereicht. Die Kinder müssen mehr als bisher zur Selbst- lätigfeit angeregt werden und die mündliche Zusammen- sassung muß als Grundbedingung des Unterrichts gelten. Seminarlehrer Delliu stellte sodann mit Kindern des -dritten Schuljahres Orientierungsübungen an und suchte sie mit Hilfe der Windrose in das Kartenverständnis einzu- sühreu.
sl Marburg, 9. Juni. Tas Sch öffengericht verurteilte heute zwei Studenten wegen nächtlicher Rühe- störung und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 120 Üezw. 39 Mk. Geldstrafe. Der eine der Angeklagten hatte •(inen Polizeibeamtcn an der Kehle gepackt.
x Biedenkopf, 9. Juni. Im Wald bei Friesen- agen im Sauerland wurde die vom Wild schon halb Zerfressene Leiche eines fremden Mannes gefunden. — Wie aus der Berleburger Gegend gemeldet wird, herrschen ioort in den letzten Rächten Kä l tc grade. Die Feld fruchte sind vielfach erfroren.
W. Kassel, 9. Juni. Tas nach dem Entiotirse des Archi- rkten Karl Roth - Darmstadt .mit einem Kostmtauswand von >rei Millionen 'Diart neu erbaute Rathaus wurde heute sei erlich ingeweih t.
Frankfurt, 10. Juni. Einem Kaufmann aus Straßburg Turbc gestern, während er int Hauptbahnhof eiitgeschlafen war, ‘ein Portemonnaie gestohlen. Ein Polizeihund verfolgte iien Dieb und der Hund sprang einen jungen Burschen an, in !essen Taschen das gestohlene Portemonnaie gesund en wurde.
Kleine Tageschronik.
In Cornthal (Württemberg) imtrbc der Bahnassistent Huber von einem 19 jährigen Schlosser, der sich im Zuge ungebührlich benommen hatte und dessen Personalien festgestellt worden warm, auf dem Heimwege über fallen und mit einer eisernen Stange niedergeschlagen. Der schwer verletzte 93c- amte ist seinen Verletzungen im Krankenhause erlegen.
ftattgefunbenen Generalversammlung wurden die Satzungen festgelegt und der Vorstand gewählt. Vorsitzender wurde Andreas Bönsel II., Turnwart C. Euler.
= Schlitz, 9. Juni. Tas vierjährige Söhnchen des Arbeiters Ludwig Alles geriet in einem unbewachten Augenblick an den Kochherd, wobei die Kleider Feuer fingen. Das SÜnb ist stark verbrannt. An feinem Aufkommen wird gezweifelt.
- Bern? hausen, 9. Juni. Die seit einigen Tagen vermißte Witwe Adam Bachmann von hier wurde in der Schlitz gelandet.
■ Nidda, 9. Juni. In großer Lebensgefahr schwebte dieser Tage ein Tienstmödchen, das im .Hofe feiner Herrschaft Wäsche aushängte. Während dieser Beschäftigung sank ihm plötzlich der Boden unter den Füßen ein und es versank in die Tiefe. Ein alter, nicht mehr gebrauchter Brunnen befand sich nämlich im Hof und toar mit einem eisernen Teckel bedeckt. Wahrscheinlich war der Rahmen murb geworden und so brach der Deckel ein. Die Hilferufe des Mädchens wurden nicht aehört, bis ein üi der Nähe wohnender Handwerker durch" die sonderbaren Rufe aufmerksam gemacht, hereilte und das «dchen im letzten Augenblick noch rettete.
Der Angeklagte erklärt die Heimlichtuerei damit, daß die tut Aus lau de, auch ui Deutschland lebenden russischen Staatsangehörigen ständig von russischen Polizeispitzeln umgeben seien unb deshalb aus Gründen der Selbsterhaltung zu solchen Vorsichtsmaßregeln gez.'vungen waren. Ter hiesigen Polizei damit irgend etwas Gesetzwidriges verheimlichen zu wollen, habe nie in der Absicht der Gruppe oder ihrer Mitglieder gelegen. — D<n Angeklagte Afanasjew bestreitet, überhaupt Mitglied der Organisation gewesen zu sein. Er habe mit seinen Landsleuten nur private Fühlung unterhalten und aus Gefälligkeit Korrespondenzen an sich adressieren lassen. — Der Angeklagte Uzattzow, der nur gebrochen deutsch spricht, ist von Leipzig aus, wo er Philosophie studierte, mit der hiesigen Gruppe in Verbindung getreten und Weihnachten 1908 Mitglied der Dresdener Gruppe geworden. Mitaliederbeiträge habe er niemals gezahlt. Ein für die Leipziger russische Lesehalle gesammelter Betrag von 17 Mark sei später einem bedürftigen russischen Arbeitet überwiesen worden. Ter Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, daß bei seiner Verhaftung und bei einer Haussuchung in seiner Wohnung Druckschriften und Sitzungsprotokolle in deutsch und russisch aufgefunden wurden, die einen ziemlich gründlichen Einblick in die Organisation der Gruppe und ihre nit Geheimen gepflogenen Sitzungen lieferten. Ter Angeklagte gibt den Fund zu, behauptet ‘aber, der lleberzeugung gewesen Su sein, daß es sich bei den Zusammenkünften und Vorträgen keineswegs um gesetzwidrige Geheimbündelei gehandelt habe. Ter Angeklagte Sopolew bestätigt auf Befragen, ebenfalls in gebrochenem Deutsch, daß er im Februar 1907 aus unbekannten Gründen für zwei Jahre aus Rußland ausgewiesen worden sei Seitdem studiere er an der Dresdener Handelshochschule. Eine Verbindung mit der Dresdener Gruppe habe er nie unterhalten — Der Angeklagte Slogan gibt zu, Mitglied des von Technikern in Mittweida gegründeten Vereins „Lux" gewesen zu sein. Zum Zwecke des Austausches von Literatur seien von dem Vorstand Beziehungen zu Gruppen in anderen Städten unterhalten worden. Mitglied einer solchen Gruppe sei er nicht gewesen. Der Angeklagte Mroszan gibt zu, daß er an ihn unter einer Deckadresse gesandte Korrespondenzen angenommen und weiter gegeben habe. Von einer Dresdener Gruppe der Auslandsorganisation der russischen ozialdemokratischen Arbeiterpartei habe er aber keine Ahnung gehabt. Er wisse auch nicht, wer die Drucksachen etc., die er garnickst lesen könne, an ihn geschickt habe. Als politisch Organisierter und Mitglied des Deutschen Tabakarbeiter-Verbandes habe er einen Ansto.ß daran genommen, die ihm zugegangenen Korre- pmidenzen in russischer Sprache, die er, wie erwähnt, absolut Acht verstand, bis zur Abholung in Bewahrung zu nehmen Gr habe geglaubt, daß es sich um Sendungen von russischen Arbeitskollegen oder Gesinnungsgenossen handle. Bei der russi- schbu S,Vitzelei, sei es nicht möglich, sich offen zum Mutterlande und dessen sozialistischen Organiiatwnen zu bekennen. Der Angeklagte Kllimin (Darmstadt. erklärt, von dein Bestehen der Dres-
GE've zivor gewußt, ihr aber niemals angehört zu haben ^us Gefälligkeit für seine Landsleute habe er für sie Korrespondenzen auigehoben. — Der nächste Angeklagte Grehen wird beschuldigt, dem geflüchteten Hermann Heine aus Odessa zur Flucht verholten zu haben. Die Flucht ist seinerzeit direkt nach einer Vernehmung Heines durch die Dresdener Polizei erfolgt Der Angeklagte behauptet, daß er den Heine zwar kurz nach der Ver- nebntung in dessen Wohnung aufgesucht, ihm aber keineswegs die Mittick zur Flucht gegeben habe.
Im Einverständnis mit der Verteidigung wird dann auf btc anberen Zeugen der hiesigen politischen Polizei verzichtet. Zut Antrag beo Rechtsanwalts Tr. Cohn wird barauf der «erhner Ärimmalfomminar Walter Messerschmibt, qen v. »rmm, darüber vernommen, daß er gemeinsam mit dem Kriminalbeamten schramm im ^ommer 1900 in die Wohnung eineß ausgeimesenen akademisch gebildeten Russen in Berlin eingedrungen |ei der Ehefrau deS Ausginviesenen gegen deren Witten ztvei ^dowaraphien von ihrem Gatten weggenommen hätte, durch das Polizerprasldrnm habe vervielfältigen und an sämtliche russische Erenzamter verschicken lassen. Zeuge v. Arnim bestreitet, daß bei jener Haussuchung irgend welche lieber griffe vorgekommen feien. Weitere Auslagen zu machen, verbietet ihm sein Diensteid jlur die Am,,age des mitwirkenden KriminalwackstmeisterS emramm Ivird mrzichtet. — Kaufmann Dzeniomonek, bei- am qr°Lö’rie?r,d),^all?7 in Berlin als Dolmetsch fungiert, sott auf Antrag i>ev Dr. Cohn darüber Auskunft geben St 'Ncht von der deutschen ober ruff,scheu Polizei oder von ^^!?ken ober cvitzeln oeranlatzt worden sei, gewissen Personen un Hnterejse einer besseren Ueberroad'img Unterfirnft zu gewähren ober ibneu )old>e doch zugewiesen habe. Zeuge stellt jede Beziehung »ur beutirfnm ober rusti7chen Polizeibehörde im angedeuteten Sinne entheben in Abrede, ebenp), baß ferner Zeit der berüMigre
Griginal-DrahtmeLörrrsgen.
Berlin, 10. Juni. Im Beisein einer großen Menschen- ineiigc begann gestern nachmittag nm 5 Uhr die P r i n z H ein- r i tb fahrt. Von 113 gemeldeten Wagen waren 109 erschienen. 4.cr Start war in der Mitte der Tempelhofer Chaussee. Tie Wagen fuhren in Abständen von einer Minute. Prinz Heinrich war nicht erschienen.
.. Baros, 10. Juni, lieber die hiesige Stadt und Umgebung ilt gestern ein schweres U 11 m e t t e r niedergegangen. Schwere Hagel vernichteten die gesamte Ernte. Auch mehrere Personen wurden durch Hagelkörner verletzt.
Paris, 10. Juni. In Toulon wurden die Versuche mit der .d rah tl 0 sen Teleph 0 nie heute beendet. Der Kreuzer ,,E 0 n d 6" hatte von der 166 Km. entfernten Station aus noch deutliche Mitteilungen erhalten.
52 011 bon, 10. Juni. Zum Jubiläum der Königs-Dragoner, deren Chef der Kaiser ist, sandte S. M. ein herzliches Telegramm an die Offiziere, denen er jederzeit siegreiche Waffen wünscht.
Loudon, 10. Juni. In Motherwell in Schottland fant es zwischen K ath 0 1 iken und P r 0 te st a n t e n , die id) schon seit längerer Zeit befehden, zu einer Schlägerei, wobei 5 Personen erheblich verletzt wurden. Polizei mußte einschreiten und die Streitenden auseinanderjageu.
London, 10. Juni. Die „Times" meldet aus Teheran: Gestern sand ein Ministerrat statt, der bis spät in Me Nacht dauerte. Auf der Tagesordnung stand die russische An I ei he. Tie Mehrzahl der Minister lehnte es ab, ein diesbezügliches Abkommen zu unterzeichnen, mit deut Hnweis darauf, daß jede finanzielle Abmachung dieser Art ohne parlamentarische Genehmigung dem konstitutionellen Prinzip zuwiderlause. Infolgedessen wurde der Plan einer Anleihe vorläufig fallen gelassen. Rußland und England werden sich erst nach Zusammentritt des Parlaments nut der Reorganisation der persischen Finanzen beschäftigen. ' 1
M a drid, 10. Juni. „Jmparcial" kündigt als F 0 lge ber Erhöhung des französischen Zolltarifs euren franzo-ttch-,panischen Zollkrieg an. Tas Blatt richtet an die panischen Landwirte den Ausruf, den Kampf gcaeu
. BoIItartf aii^urteOnteii, der der spanischen Laudw'irt- chaft den Todesstoß versetzen würde.
)0- Juni. Ta trotz aller lleberwachun ck h •5r-$rfU^t°.Ttry ^ler nut ben auntänbifdicn Atbanefeu in bEch-m Verkehr steht, wirb ferne Ueberführung nach bei cnicl Rhobus numnehr^in ernstliche Erwägung gezogen
Konstantinopel, 10. Juni. Sofort nach i E treuen bes Generalobersten von ber Goltz werben große M a növer stattnnben, die 14 Tage bauern sott-i, B °
Oebenburg, 10 Juni. Längs der Trau wurde gestern mt Kvmitat Zala em starkes nch wieberholenbes (rrbbeben 0^ f»urt. Viele .Hamer ivetfen klonende Risse auf. ™
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Darmstadt, 9. Juni. Tas Kriegsgericht ber 25. Division verurteilte beit Gardisten Erhard Lottes aus Stammbach vom 115. Garde-Jnfanterie-Rgt., der beim Baden im Woog einem Lkaugewerbeschüler das Portemonnaie mit 4,20 Mark Inhalt entwendet hatte, wegen Diebstahls zu 2 Monaten Gefängnis unb Zersetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes. Weiter rmrbc der Baufchlosser Karl Schleimk 0 fer aus Arheilgen wegen Gehorsamsverweigerung als Landwehrmann und wegen Widerftanbes zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. Nach einer von 1 un am 19. April besuchten Kontrollversaminlung, damals noch los 12 Uhr nachts unter dein Militärgefetz stehend, hat ber Angeklagte auf der Ortsstraße in Arheilgen in betrunkenem Zustand Ackärmt, der Aufforderung eines Geitdarmen, heimzugehen, nicht Folge geleistet und dann einen Polizeidiener mit einem ßeber= reinen gemißhandett, ihm auch eine schwere Kopfwunde zugefügt.
Seheimbundprozeh gegen russische Studenten.
S. u. H. Dresden, 9. Juni.
Vor ber zweiten Strafkammer bes hiesigen Landgerichts heil mn heule unter Vorsitz des Laiidgerichtsdireklors Dü r b. i g der


