Ausgabe 
7.4.1909 Zweites Blatt
 
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(Groher Lärm rechts. Lebhafte Zustimmung Ibtfß.) Daß eS besonders schmerzlich 'und unsympathisch trf, Latz man im Zirkus Ensch sich auch bei der Krane einzuschmcickcln versucht hat. ist ein Punk:, der nur berührt zu werden braucht. (Erneute Unruhe rechte.) Ter Blo<1 ii durch Ihr Verhalten IbreS vertrauen- be. raubt und ist tot. Zurufe im - Zentrum: Ach. ach! Bewegung im ganzen Haufe. Widerspruch bei den Natl.) Tann Laben Sie wohl icherhört. wo; Dr. Wicmcr im Namen der freisinnigen erklärt I '11< nämlich, baß durch die Haltung der konservativen Partei die! Voraussetzungen eir.-j Zusammenwirkens entzogen sind ^Wider- stiruch bei den Nailib > ToS hot Tr. Wiemer cur Beschluß der fraktionSgemeinschafr gesagt. Hörti Hörii rechts.) Tret»dem Hai parlamentarische Leben Tcutscklando Innburckgehen mußte, fwüher hatte man sich zur linken Hand daS Zentrum genommen. Als das Zntrum sich ober al» Hausherrin gerierte, wurde der Bruch vollzogen.

Es fiel das Wort: Ich will fein ZentrumSkanzler fein. daS etne Variierung de» anderen Worte» war: Ich will kein Z e n t r u m s k a i fe r fein. Als letzte Kombination blieb nur Mo 'onservaliv-nationalliberale^ireiHnnige Mebrbeit übrig. Und um die zu 'ermöglichen, hat Fürst Bulow in seiner ersten Rede vor dem neuen Reiche rag erklärt der Weift Bismarcks und der Geist de» Demokraten Ludwro Uhlando müßten miteinander verschmolzen toerben._ (Lachen rechts. > Tamrt hat der Reichskanzler auf die staatsmännische Einsicht der .konservativen und der freisinnigen gerechnet, und wir haben diese Rechnung nicht zu schänden gemacht. (LauteS Gelochter rechts.) Wir haben lange aus Torge um finanzielle Schädigungen die übermäßigen Rüstungen bekämpft. Wir haben die Hoch sch utzzollpolttik bekämpft, und wir haben in unserem Programm die Forderung: keine neuen indirekten Steuern. Es ist deshalb eine außerordentliche Konzession, wenn wir uns bereit erklärt haben, die finanzreform nach den Vorschlägen der Regierung mitzumachen. Zuruf recht»: S>- haben ja aflev ab» gelehnt !) Wir haben unS höchstens vorzuwerfen, ob mir nicht schon V weit gegangen sind, l Lachen rechts. Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aber c» bat sich als Unmöglichkeit gezeigt, mit der konservativen Partei gemeinsame Politik zu machen. Sie hat tue Nachlaßsteuer abgelehnt. (Zuruf recht«: Und Sie die Wein- steuer und die Tabaksteuer!) ll iferc Haltung ist diktiert durch die Rücksicht auf daö' Gemeinwohl. (Höhnisches Gelächter rechts.) Eine konfervativ-klerikale Mekirheit entspricht so auch viel mehr Ihren Empfindungen. Es trifft sich sonderbar, daß gerade in ntefcii Tagen Gras Pro sch ma seine Rede gegen den Kanzler ge> halten hat. Ihr Sinn war: nur zugestoßen, ich pariere! Sie haben eine Machtprobe machen wollen gegen die Regierung. (Wider- spruch recht».) Ich habe noch nie gehört, daß ein Angeklagter den dolus eventu.-»^ zugegeben hat. den er bat. Ihre Politik ist gegen den Retchskanzler gerichtet, ob dieser da» zugibt oder nicht, ist gleichgültig. (Heiterkeit.) Ihre Politik richtet sich auch gegen die verbündeten Regierungen. Hat man es dock sogar fertig be­kommen, den süddeutschen Einzelstaaten einen Vorwurf daraus zu nmckien, daß sie die Politik der Reichsregierung vertreten bähen (.<5ort, hort! lmks.) Die Tatsache besteht, daß die Rechte die Regie­rung anfallt im Augenblick, wo sie vor dem Engpaß der jn? 11 a P 3 c f o r m steht, und wo sie in großer Verlegenheit ist. Man tauscht sich, wenn man glaubt, durch Nachgiebigkeit bei den Monferbatibcn Erfolge zu erzielen. Tic Freikonservativen macken ia die Sache auch nicht mit. (Zuruf bei der Reichöpartei: Sie macken es lins sehr sauer!» Ich habe nicht die Absickt. süß zu machen, was durch Sie versauert worden ist. (Sehr gut! links. Das Zentrum wird einen hohen Kaufpreis verlangen. Ich möduc oen Kanzler nicht in der Lage sehen, daß er von der Gnade « c n tJ u,n ö abhängt. (Heiterkeit im Zentrum.) Tas tfentrum tmrb nicht tanzen, wenn man ihm nicht vorher den Kopf des BlocktauferS vor die Füße legt. (Große Heiterkeit.) D i e (V au f s höchste verwirrt worden, daß Sie (nach rechts) die «ondenntereffen über die Staatsinteressen stellen. L8 wird erst besser werden, wenn an Stelle de» heutigen Regie- ningssvstems das konstitutionelle RegiennrgSsvstem getreten ist.

Wui6enuffe die ihm entgegenstehen, beweisen nichts dagegen, ^Ewickliing nicht nach dieser Richtung gewaltsam dräng'. Der Abg. Baffcrmann hat von der Eventualität einer A uf lösung gesprochen. Vielleicht wird es dazu noch kommen müssen. Ich habe aber dre Meinung daß die Regierung eine Mehrheit hinter sich haben wird, wenn sie mit dein P.ogrumm an das Volk appelliert, daß die großen Ausgaben des Reiches anch durch große direkte <2 teuer« gedeckt werden must en. ioenn sie ihre Bereitwilligkeit er- Hott zum liebergang zur 'ouftitutioncUcr. Regierungssorm Tann mtrb sie ,ich verdient machen um das Volk, und dann wird die . tegrerungsznt des Monarchen eine fruchtbare sein trab der Per-

. die alle Deutschen schmerzlick berühren muß (Zlscherr rechts, Völlige» schweigen links Von rechts ruft man Stein Bravo!)

Zimmermann (Reformpartei) :

Wenn bei Block nach dieser Rede noch lebt, bann scheint er Überhaupt mcht iimjiibringen zu sein «Allseitige heitere Zri- stimmung.) Wir stehen vor einer sulgensckweren Erscheinung, da war der Moment nickt glücklich, in so außerordentlicher Schärfe zu sprcäicii. Ich habe den Eindruck ouv der Rede be? konservativen Sprechers gewonnen, daß cm gewiße» Einlenken mcingftenl bei einem Teil der Konservativen nickt ausgeschlossen ist. Wenn ein Zusammenwirken der nationalen Gruppen -rnr Durchführung einer |o eminent nationalen Frage wie die Regierung noch im Rahmuv her Möglichkeit in. daun sollen wir alles tun, um die Möglichkeit in bic Wirklichkeit übr> nisühren. Ter Block l-at dock auch den Freisinnigen ehi«a.. geboten; von den schönen Orden will ich gar nrckt sprechen (Heiterkeit), aber Börsen, und Vereinsgesetz! Wir verlangen bei der Finan.rcfonn direkte Steuern und halten siir den besten Weg den An bau der Erbschaftssteuer Ta; Besü. steuerkompromiß ruiniert den Mittelstand.

9Tbg. Gö1« v. Olenhusen (Welfe):

, Wie im vorigen Jahre lehne ich das Gehakt de» Reick .anzlers ab. Er verlangt von uns. die Führer der tvelfischen Agi tatron müßten sich rückhaltli-.. d:m Verzicht unseres Fürstenhauses an'chließeii Ohne ein Recht ist ein Verzicht nickt möglich; was der Kanzler von uns verlangt, ist. daß wrr Hannövers ck c n Abgeordneten au» de in Reichstage verschwin den. Ich bin in dieser Session ja In.- jetzt nur allein hier ,ze. meicn, aber einer ist schon wieder da (Heiterkeit); um 100 Pro. I ynt habe ich mich schon Perm hct (Große Heiterkeit.) Bei den nächsten Wahlen kommen noch mehr, der Kanzler wird die wcl- fisckren flbgeorbneteii nicht los. Und ivcim nickt alle G erüchte trügen, so glaube ich. ist auch bet Nachfolger des Reichs, kanzlers ein Hannoveraner. Ich habe nichts getan, als daß ich die legitimen Reckte mrincs angestammten Herrscherbanses I vertreten habe, rind da» werde ick auch weiter tun. Derselbe I

Wann, der die Treue zum Lande und zum Fürste,chanse als echte | <ugenb preist, wagt cs. die Stonigstreue der hannöverschen Abge ordneten als antinational zu bezeichnen. Mir hat Seine Wajcrtäi ! 5er Kaiser in den Novembertagen leid getan, wo fein gutes Haar an ihm gelassen wurde, und da tot der Kanzler die DiSkuikiou schließen lassen und nickt da» Wort ergriffen, fern Wort bei Entschuldigung für den Kaiser gehabt. Ick habe na.-. 12 Jahren meinem angestammten y iifcbcibaine red' bic Treue l c.vabrt. 2a ' lobe ick mir bodi den Herrn von Oldenburg. (Große Heiterkeit ) Ader jetzt kommt die Kehrseite der Medaille. Herr v. Ol>nbu,.- rief den Sozialdemokrate, m: ^a, für Sic ist die Jonardie ein ! Einrichtung, fnv mr : d. Kenig eine Person! Ta fra '.c ,ck j ,d) alle die. die cl-aife de. len. wie er: Wo ivaren 2 c denn in ' April 1806?

Reichskanzler Fürst Bülow:

N. H.l Der Vorrebner. der Abg. Götz von Olenhusen, ha: sich ctlaiLjt. mir Bor Haltungen zu machen. Er bat es gewagt, meine Äönigstreue anzuzweifeln, c» würbe lächerlich sein :ck glaube, cs würbe auch richt ccr-xinbcn werden, wenn ich mich regenübet dem Herrn Abg. Götz von Olenhusen in dickt Richtung rechtfertigen wollte. (Sehr richtig!) Ich habe in einet fast I 40jährigen T:enstzeit unter oft schioercn. unter oft sehr schwien- gen Berhäftniskn meine Treue für König unb Vaterland. für Kaiser unb Reick bewährt. (Beifall.) In bet äußeren, wie in der inneren Politik habe ich niemals einen anderen Leitstern gc- kannt. als das Wohl der Monarchie und ba» Wohl des Landes, die Staalsraiscm, bic nationale Idee unb bie Kaiseribee, die für mich unlöslich verknüpft sind. Ich lehne c» ob, mit von dem 'dbg. Götz von Olenhusen Vorschriften machen zu lassen über meine Haltung gegenüber meinem König unb Herrn. (Lebh. Beifall > Für diese Haltung erkenne ich keinen anderen Richtet an, als Seine Majestät den Aaifer und König unb mein Gewissen. (Bei- fall.) Im übrigen gipfelten bic Ausführungen des Abg. Götz von Clcnhufen heute rote vor einem Jahre m dem Vorwurf, daß ich in meiner Haltung gegenüber seiner Partei und speziell in der Braunschweigischen Frage mich m Widerspruch setzte mit dem Legitimationsprinzip, mit dem Rechtsbewutztsein des deutschen Volke». Damit bekennt ber Vorredner sich zu dem Standpunkte, den vor 200 Jahren bic Stuarts einnahmen, al» sie das Lcgi- timitätsprinzip als ein von allen nationalen und praktischen Rück­sichten losgelöstes, immer unb unter allen Umständen allein gül­tige» Prinzip mit starrer Konsequenz hinstelltcn. (Sehr gut! links.) Mit diesem Prinzip haben die Stuarts bekanntlich Schiffbruch gelitten. Tenn in irdischen Tingen gibt c5 keine immer allein gültigen Maxime. Da ist alles bedingt. Denn (5ic das bestreiten, so würden Sie ja zugeben, daß auch da» HauS Hannover, dessen LegitiuntätSrecht wir angeblich verletzt haben sollen, nickt legitim war, a!5 ec nach der Vertreibung der Stuarts den englischen Königsthron bestieg. (Heiterkeit unb Sehr gut! recht».) Dann könnten Sie bic Legitimität ber in Schweden. Spanien. Portugal unb ber in manchen anderen Ländern regie­renden Dynastien anzweifeln. Mit folcbcm Formalismus, mit solcher Ucberspannung von Prinzipien (Sehr richtig!) gelangt mau zu unmöglichen Forderungen. Alles Irdische fleht im Strome bet Entwicklung, lieber dem formalen Reckt steht b a 5 Recht bc5 deutschen Volkes. (Lebh. Beifall.) Daö Recht des deutschen Volkes, seine Weltstellung zu behaupten. Hannover ist durch einen Krieg erworben, der. wenn er für Preußen Unglück- lief) geendet hätte, wenn nicht bic Vernichtung, so dock die Schwächung der preußischen Monarchie nack sich gezogen hätte. (Sehr richtig!) Seitdem eine W.ltgesckicktc gibt, haben Länder und Fürsten für die Folgen unglücklickier Entschlüße büßen und bic Konsequenzen auf sich nehmen müßen. (Lebh. Zust.) So­lange ba8 Lanb Hannover nicht als ein gegenwärtiger territorialer Bestanb im Deutschen Reiche rückhaltlos anerkannt wirb, befinbet sich Preußen im Stadium der Notwehr. Ich will aber doch noch, da ick einmal zu diesem Thema da» Wort ergriffen habe, darauf Hinweisen, daß nack der deutschen Rcicköverfaßung die deutschen Fürsten sich ihren Besitzstand gegenseitig garantieren. Da2 ist recht eigentlich die Basis bet Rcichsverfassung. Darauf beruht daS Vertrauen, das bic deutschen Fürsten unter­einander haben. Darum ist eS im Deutschen Reick)c keinem Fürsten möglich, gegen einen andern Fürsten territoriale Lln- spräche zu erheben. Wenn wir doö dulden würben, so würbe bo» rückhaltlose vertrauen, das jetzt die deutschen Fürsten unter, einander verbündet, gegenseitigem Mißtrauen Platz machen. ES würbe tvicber ein Zustand cintrctcn, wie in früheren Zeiten unserer Geschichte, Ido jeder deutsche Fürst sich auf Kosten de» andern mit Vergrößcruugsal'sichten trug unb Ansprüche gegen bei, andern in petto hatte. Einen solcken Zustand würbe gerade so wie vor 100 ober 200 Jahren baS AuSlanb bazu benutzen, um sich in bic deutschen Verhältnisse cinzurnischcn und Deutsche gegen Deutsche aufzuspielen.

Im Deutschen Reich müßen klare Befitzverhältnisse herrschen. Wenn gesagt wird, ein welfischer Prinz könne unter Verzicht aus Hannover in Preußen cmzichen. der andere aber sich für Hanno­ver cinsetzen würde, so würde daö gerade einen Zustand ber lln sicherheit darstellen. den wir nicht cinrcißeu laßen wollen. Und darum hat sich der Bundesrat vor zwei Jahren nicht nur wieder dazu bekannt, fonbeni einstimmig den diesbezüglichen Beschluß an­genommen. Daraus ersehen Sie, wie ungerechtfertigt die Vor- würfe und Ausführungen be-5 Vorredners waren. Ick will mich nun zu einigen Bemerkungen des Vertreter» ber Sozialbemokratie wenden. Der Adg. David ist zurückgekommen auf die Vor­gänge des vergangenen November». Darüber will ich nachstehendes sagen: Greisen Sie mich an, so viel Sie wollen, aber lassen iv tr endlich Seine M a - jestät den Kaiser au» der Debatte. (Stürmische Zu­stimmung rechts.) Ter Kaiser hat dem deutschen Volke sein volles Vertrauen bewiesen, er hat durch seine Haltung gegenüber vielen Mißverständnißen, Shritilen unb ungerechten Angriffen bewiesen, baß er nicht klein denkt. Seien wir auch nicht !l-*in in seiner Be­urteilung. Hierauf hat er durch seine 21jährige Regle­rn ngötatig keil ein wohl erworbene: Reck i Wenn ich ein­mal gesagt habe, der Kaiser sei kein Philister, so habe ick damit nur feststellen wollen, daß er in hohem Maße eine Eigenschaft be­sitze, die ick bei einem Manne sehr hoch stelle, bic Mcgalo. vsvchic. An bicser Megalovsvckic können wir uns alle cm Bei. spiel nehmen. Do» Lanb hat genug von biesen Er- örterungen über bie allerhöchste Person; machen wir ein Ende und kehren wir zurück zur alten bewährten llcberlxcferung, bic Person de» Kaiser» nicht in bie Debatte zu ziehen. (Zu­stimmung rechts.) Der Abg. Davib hat weiter gemeint, ich führe einen .0 a m p f um mein Amt. Davon ist, soweit bie aller- höchste Person und der Hof in Frage kommen, nicht die Rebe. Dr. Davib äußerte bei bieser Gelegenheit vielleicht war dabei der Wunsch ber Vater bc» Gedankens er sehe mich vielleicht zum letzten Mal auf diesem Platz. Nun, ich bleibe solange, als mir da» Vertrauen Seiner Majestät bes Kaiser» z u r Seite hebt und a I S b a s mit meinen* Gewissen verträglich i ft. (Bravo! rechts » Wenn eine dieser beiden Voraussetzungen hinfällig werden sollte, fo werde ich leinen Augenblick länger bleiben. Darüber fönin-n bie Herren be­ruhigt fein Parlamentarische Schwierigkeiten können mir meine Au'qabe erschweren, fie entbinben m i ch aber nicht von ber Pflicht, solange mein schweres Amt zu verwalten, all dies ' r Wille Dr * Kaisers ist. unb ick glaube, damit den Interesien de» Lande» zu bienen Damit ist für mich bie Erörterung über dieses Thema abgeschlossen. Nun hat her Ahg David aber auck in einigermaßen weitschweifiger Weise (Unruhe link») sich wieder verbreitet über da» berühmte Thema Kamarilla. Er meinte, er fei neugierig, ob ich e» wagen würbe, bie Eristenz einer solchen Kamarilla bei uni heute noch zu bestreiten. Nickt nur bestreite ick die Existenz einer solchen Kamarilla an unserem Hofe, sondern ick weise die- Gerede mit allergrößter Ent­schiedenheit zurück. (Sachen Imffl) Sie sollten auf- hören, ewig mit dieser alten See schlänge zu operieren.

(Heiterkeit.) E» gibt bei uns feine Kamarilla, unb wenn e» eine gäbe, so würbe sie keinen Einfluß haben. Daß ein Minister, der lüJahreim Ämte ist unb beinahe 9 Jahre Reichskanzler ist, viele Gegner hat, darüber können Sie sich doch nickt wundem. (Heiterkeit.) Ta gibt c6 die Enttäuschten, denen man beim besten Billen nickt all- Wünsche erfüllen kann (Lachen recht», Pause, große Heiterkeit link» , dann die Ehrgeizigen, die flem selbst Minister oder Reicklkanzler werden machten (Emeute Heiterkeit). Dazu gehört aber nicht mein hochverehrter Freund, der Statthalter von i^sas- Lothringen Gras Wedel, von dem Herr r. Olenhu'm gesprochen hak. Ta gibt es die Fraktionen, denen man nicht alle Wünsche erfüllen kann, und bie in einem Lande, wo die Regierung nicht auf eine einzige Partei eingestellt werden kann, natürlich immer mehr oder weniger bie» oder jenes am Reichskanzler au »zu setzen haben werden; und je länger einer Reichskanzler ist. um fo stärker schwill! dieser Ehor der Racke an Große Heiterkeit.) Die» Schicksal teile ick.mit mei nem großen Amt-vorgängcr. Aber auf Se. Majestät ben Kaiser unb König haben solche Machinationen gar keinen Einfluß, unb an seinem Hofe wirb solchen In­trigen kein Vorschub geleistet. Ta gibt e» sehr aufrechte und tüch- ttge Männer, die ihren Kaiser und König nach bestem Wißen und Gewißen dienen unb die Intrigen verabscheuen (Zums: Eulen­burg!) Und unser Kaiser ist ein viel zu gerader und cinsichtödollcr Mann.alsbaß man ihm mit j o I efi c ii Einflüsterungen beilommen konnte.

35un hat der Abg. David so gesprochen, als tvenn ich neulich in meiner Rede im '.1 bgeorbnctenbaufe ein neue» Sozia» l i st enge s e tz in Aussicht gestellt hätte. DaS hat mich eigentlich nicht iibcrtafdiL denn bic sozialdemokratische Preße hat ja schon fogleick) nach meiner damaligen Rebe in hohen Tönen unb in großen Tiraden mobil gcrnackt gegen da» angeblich bevorstehende neue Sozialistrngcsetz. Im .Vorwärts' la» ich damals: ..Sckmack iitzer Schwach! Der Blockkanzler, der Kanzler von Gnaden de» Liberalismus, der kapitalistische HauSinciet (Gr. Htkt.) hat den Mut gehabt, neue Ausnahme, gcsetze gegen bic Sozialbemokratie anzukündigen. Seine Rede war ein Appell an bi. Bajonette, ein Aufruf zum Staatsstreich." Ick) bin ja gewohnt, baß man im politischen Leben den Gegner auch den Freunb. ist mir auck schon borgclommcn (Htkt.) bcfcmbcH nach dem bewährten Grundsatz: Legt ihr nicht au», so legt ihr unter! Insofern hat mich die Auslegung meiner Worte durch bic sozialdemokratische Preße nicht überrascht. Wenn mar einzelne Sätze aus dem Zusammenhang reißt, fo kann man \a ungefähr ba» Gegenteil von bem l*eweisen, wa» gemeint ist. Jebci unbefangen: Leser unb Hörer muß aber auch über meinen damali­gen (Sebanfengang feinen Augenblick im Zweifel geivesen fein Ich habe mir meine Rebe geben laßen; waS habe ick gesagt? Ich habe gegenüber ben Wünschen nack schärferem Vorgehen gegen bic Sozialbemokratie hingewiesen auf bic früheren fruchtlosen Ver­suche. neue Maßnahmen zum Schutze ber öffentlichen Orbnung burckzusohen. Ich habe mir zu eigen gemacht bic vorzüglichen Ausführungen des Grafen Tr. v. Eulenburg im Herrenhaufe, baß schließlich da» Rüstzeug ber geistigen Waffen gegenüber ben rohen Mitteln ber Sozialdemokraten nicht genügt. Ich habe die strengere Handhabung der gesetzlichen Bestimmungen vorläufig für aus­reichend erklärt und schließlich gesagt: Worüber wir nnS klar sein müßen, ist, daß ein Vorgeben aus gesetzlichem Wege unb nun gar mit polizeilichen Mitteln k c i n A l I b e i l m i t t c 1 ist. (Hört! Hört!) Sie werden mir zugcbcn. daß diese Worte sich vollkom­men decken nut den Anschauungen, die ich stet» über die Be­kämpfung der Sozialdemokratie vertreten habe. Aus diesem Zu- sammenhang hat man herauSgeriffen ben Satz: El ist mögli». daß die Regierung im Lause ber Zeit genötigt fein wird, ber Sozial­demokratie gegenüber bcu Weg ber Gesetzgebung zn beschreiten (Hört! Hört! b. d. Soz.) In. wer wallte denn an der Mög­lichkeit zweifeln? fSachen b. d. Saz.) Ich habe hinzugefügt. ick halte unsere Gesetze für vollkommen aulreichenb (Hört! Hört!), nur mäßen sie mit Ernst und Nachdruck durck^esähri werben. Wenn Sie aber fortfahren, die Leute auf die Straße zu hetzen daß Dr. David nicht dabei fein wird, daran ztociflc ich keinen Augenblick (Heiterkeit), wenn S c bei jedem Anlaß die natrr- ralcn Empfindungen der großen Mehrheit des deutschen Poll" verletzen, wenn Sic die Wahrzeichen unsere! Ruhmes durch Gassenjungen in den Kot schleifen lassen vor den Äugen deS AuSlandc. der Avg. David hat gemeint, ba» könne man seiner Part.-i nickt zum vorwurs macken, ja, welcher Partei gehörten denn diese Tumultuanten an? Da» waren dock keine Agrarier (Heiterkeit), wenn Sie bei jeder Gelegenheit bic Armee, unseren Schuh und unseren Stolz, an­greifen, bann werben wir solche Eingriff« in bic Sicherheit bei Lande» mit allen unS zu Gebote stehenden Mitteln zuruckweiien (Sehr wahr!) Sollten diese Mittel nickt aulrcicbcn. sollten Sie eS schließlich wirklich zu revolutionären Erhebungen bringen, fo werben sich die bürgerlichen Parteien mit bet Regierung zu- sammensckließen und erwägen, wa» weiter an geschlichen Maß­nahmen notwendig ist. (Beifall.) lind nun will ich dem Abg. David, der ja seine Rede mit einem schönen Zitat gefefiloffen hat obwohl er mir vorwirft, baß ick zu viel in Zitaten macke (Htkt.). ihm will ich, nachdem ick seit längerer Zeit nicht zitiert habe (Große Heiterkeit), auck ein Wort widmen, tcal ich gerade gestern abenb bei Gocthc gelesen habe. (Heiterkeit.) Do» Wort lautet: ^l^csctzgcber ober Revolutionäre, die Gleichheit unb Freiheit zugleich versprechen, finb Phantasten ober Schar» latane" damit meine ick natürlich feinen Anwesenden. (Heiter, feit.) Im übrigen empfehle ich bem Abg. Davib: Lesen Sir Goethe! (Heiterkeit.)

Nun wenbe ich mich zu ber Frage, bic heute im Vordergrund der Debatte ftanX zur Finanzreform, namentlich zu einem sehr wichtigen Teil dieser Finanzreform, nämlich zur Besitz. steuer. T-a hat sich nun der Abg. Tavid mit vielem Behagen verbreitet über bie Gegensätze, bie in bieser Beziehung bestehen sollen zwischen "ber Reckten unb ben Agrariern unb zwischen mit. ?ch habe gestern gesagt, daß bie äußerste Linke einige diplomatische Talente enthielte, vielleicht hat Herr David mir beweisen Wollen, daß er auch gewiße diplomatische Talente besitzt, unb ba er meiner bescheidenen diplomatischen Befähigung ja einige Anerkennung tonte, so würbe ja vielleicht auf ihn jurüifgegriffen werden können, bei bem oft beklagten Mangel, ber in umeter Diplomatie herrscht. (Heiterkeit.) Ick kann allerdings nicht verschweigen, daß die Art und Deii« der Tiplomabc, die Tr. David in diesem Falle trieb, bock mehr eine Diplomatie des ancien regimc ist. fine Diplomatie, bie üblich wat in her Zeil bet Äab:ncttlpolihL Ter Abg. David, ber treibt bk Taktik, bic Politik ber Sckadenfrcvbe. bie ick gestern verurteilt habe, bie Poli - t i k des tertias gauden* Daraus falle ich nickt herein imb ick denke, daß bk Agrarier unb die Konservativen auch nicht darauf hereinfallen werben. Nun mochte ich über bie Frage berBesitz'teuer Da» Folgende sagen. Es ist davon gesprochen werben, baß ich in bieser Frage ich weiß wirklich nicht ein­mal. war e* Herr David ober Herr Haußmann, der da» gesagt hat ((Br. Htkt.). daß ich in dieser Frage der Be- sitzstcuer um gefallen sei. Mit dem Sorte um fallen sollten wir doch sehr Vorsichtiz fein. <d) habe neulich ein freund» kckaftlick,» Gespräch mit Herrn Ruller-Mciningen gehabt unb