Ausgabe 
6.11.1909 Viertes Blatt
 
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Samstag 6 November 1909

Viertes Blatt

159. Jahrgang

Nr. 261

trldjctnl täglich mit Ausnahme btS Sonntag».

SieGtetzene, £<mrilienb!5tter' werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich bergelegt. da4 'Krctiblotl fäi ben Kreis Eietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Lett- fragen erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck and Verlag der Brühl'lche» UnwersuätS - Brich- and Sterndruckere».

R. Lange, Ließen.

Redaktion. Expedition und Truderet: Schul» straße 7. Exvedmon and Verlag. 6L Redaktion.112. TeL.-AdruAnzeigertSießen,

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesjen

politische Ccrgesscharr.

Die Aliersversicherung in Frankreich.

Ter französische Senat ist am Donnerstag in die Beratung Lber die Altersversicherung der Arbeiter ciilgerreten. Ter Gesetz, entwurs hat ein eigenartiges Schicksal durchgemacht. Tu- Vorlage lyinbc vvn der Kammer knapp vor den letzten allgemeinen Dahlen, am 2 3. Februar 1906, angenommen, so baß die Abgeordneten, die sich um die Erneuerung ihres Auftrages bewarben, den Wählern ihre volksfreiutdlickie Tätigtcit rühmen anb stolz auf den von der Kammer ausgearbeiteten Gesetzentwurf über die Ruhegehälter der Enterbten Hinweisen tonnten, dem zur Lerabschieduug nur noch die Zustimmung des scnats fehlte.

Rur! Sie sollte ihm saft noch weitere vier Jahre lang fehlen. Tenn der Vertat unterzog daS Gesetz, das ihm in der ihm voni der Kammer gegebenen Form unreif, übereilt, oberflächlich, finan­ziell gesäl/rlich, kurz völlig unbrauchbar erschien^ einer vollständigen Umarbeitung, und er tat dies so bedächtig, daß der neue Entwurs erst jetzt zur Beratung reif ist, Wieder gerade am Vorabend al» gemeiner Wahlen, bei denen die Gegner der Republik und der herrschenden Mehrheit nicht verfehlen würden, den mangelnden Willen oder die Unfähigkeit der Republikaner hervorzuheben, etwas Praktisches für das Volk zu tun, wenn die Altersversorgung auch jetzt wieder ein leeres Versprechen bleiben sollte.

In der Fassung der Kammer sollten die Lohnempfänger des Gewerbes, Handels und Ackerbaus, deren Lohn jährlich 2400 Fr. nicht übersteigt, mit 60 Jahren in den Genus- eines Ruhegehalts von mindestens 360 Fr. treten, wenn sie dreißig Jahre lang, jedes Jahr mit 250 Arbeitstagen berechnet, zwei Hundertstel ihres Lohnes es sei denn, dieser betrage weniger als 1,50 Fr. täglich als Dersicherungsgebühr sich haben abziehen lassen. Ter Unter­nehmer entrichtet denselben Betrag wie,der Arbeiter, und was dann noch zur Vervollständigung des Versicherungsbetrages fehlt, ergänzt der Staat durch seinen Zuschuß. Als Uebergangs Be­stimmung war ange-ordnet worden, daß die Arbeiter, die beim Inkrafttreten des Gesetzes 60 Jahre und darüber zählten, sofort in den Genuß einer Jahresrente von 120 Fr. treten sollten. Tie Kosten der Maßregel wurden aus 312 Millionen für den Anfang, 545 Millionen für den Gipfelpunkt der fortschreitenden Entwickelung und auf 426 Millionen für die Zeit des dauernden. Gleichgewichts­zustandes berechnet.

Ter Senat hat diese Bestimmungen in wesentlichen Punkten geändert. Ter Beginn der Altersversorgung wird bis zum vol­lendeten 65. Lebensjahre hinaufgerückt. Tas Ruhegehalt setzt sich zusammen: 1. aus einem festen Betrag von 120 Fr. jährlich, der dadurch aufgebracht wird, daß der Unternehmer für jeden von ihm besckchstigten Arbeiter bis zu dessen 18. Lebensjahre jährlich 6 Fr. und von seinem 18. Jahre ab jährlich 9 Fr. bezahlt und der 'Staat den Fehlbetrag zuschießt, 2. aus der Rente, die sich nach den ge­wöhnlichen Versicherungsregeln ergibt, wenn der Arbeiter bis zu seinem 18. Jahre 3, von da ab 6 Fr. jährlich eingezahlt, 3. aus einem staatlichen Zirschuß, der ein Drittel dieser Rente ausmachen, jedoch einen Löchftbetrag von 60 Fr. nicht übersteigen soll.

In der Uebergangszeit erhalten die Arbeiter ^von 6o Jahren und darüber sofort aus den Mitteln der Greisen-, Siechen- und Kruppelunterstützung vom Staat und von der Gemeinde eine Rente, die mindestens 360 und höchstens 480 Fr. ausmacht. Tie Arbeiter sollen ihre Beitrage monatlich in Gestalt von Klebemarken entriästen. Tie Regierung ist in der Hauptsache mit derst Senats­ausschuß einig. Nur zu den Einzelheiten der Art, wie die Ge­bühren eingezogen werden sollen und dergl., macht sie Aenderungs- vorschläge.

In der fortgesetzten Beratung des Arbeiter­versorgungsgesetzes erklärte der ehemalige Ministerpräsi­dent Ribot sich im Prinzip als Anhänger des vom Ausschuß an­genommenen Systems, an welchem aber noch erhebliche Abände­rungen vorgenommen werden müßten und warnte den Senat vor einer finanziellen Ünklugheit.

wird." TerStar" schrieb in seiner Nummer vom 18. Juni 1815 mit Bezug auf die Schlacht bei Ouatre Bras:Tie Franken grisfen die Belgier mit Feuereifer an. Tiefe, obwohl an Zahl weit geringer, empfingen sie mit größter '.Inerschrockenheit." Tie Stellung der Brigade Bylandt in der Schlacht bei Waterloo wirr eine höchst gesahrvolle. General Perponcher erkannte die Gefahr und gab dem General Bnlaudt Ordre, den Ablmng der .VJßv cbene zu verlassen und sich hinter ihm aufzusu-llrm. Dieser Be­fehl wurde in guter Ordnung auSgeführt, und die Brigade er­wartete dann kalten Blutes, das Gewehr im Anschlag, den An- griff der Massen, die ihnen an Zahl weit überlegen waren, ^er Attacke dergroßen" niederländischen Kavalleriebrigade uni.-r General Trip ließ Wellington in seinem Bericht eine lobeno i Erwähnung zu teil werden. Die Brigade Titmers stürzte fiel) an die Bajonette und warf die Franzosen bis an den Futz des Abhanges zurück. Damals war es, als der Ruf:die Garde wankt!" und:rette sich, wer kann!" ertönte. In einer Unter- redung kurz nach der Schlacht äußerte Wellington,daß er nicht genug die Haltung der niederländiscknm Trupven loben tonne". In seinem Bericht hat er dann allerdings hiervon nicht mehr gesprochen, wie er ja auch die hülfe der Preußen nur _ als freundschaftlich und zweckdienlich" würdigte, obwohl ec selbst das Erscheinen Blüchers mit Ungeduld herbeisehnte, wohl wissend, wie wenig sicher der Stand der Schlacht war. Tas rechtzeitige und energische Eingreifen der Preußen gab dann die Entscheidung. Wellington gab da einer übertriebenen nationalen Eigenliebe, nach und ließ feinen Verbündeten nicht volle Gerechtigkeit wider­fahren. Und doch können diese mit vollem Recht einen Teil der Lorbeeren, die bei Waterloo geerntet wurden, für sich in Anspruch nehmen.

Der deutsch-portugiesische Handels- und Schiffahrtr- Vertrag.

DieNordd. Allgern. Ztg." veröffentlicht den vollen Lortlcmt des am 30. November 1908 in Oporto abgeschlosse- nen von der portugiesischen Cortes bereits angenommenen -andels- und Schiffahrtvertrages zwischen dem Deutschen ;teich und Portugal. Der Vertrag, der sich an den alten oeutsch-portugiesifchen .Handelsvertrag, sowie an die von Deutschland mit den meisten europäischen Staaten geschlosse­nen Handelsverträge anlehnt, enthält alle Vorteile eines -einen Meistbegünstigungs-Vertrages, sowohl tm Warenverkehr wie im Handelsbetrieb und der Schiffahrt, nobei jedoch der portugiesische Vertrag mit der südafrika­nischen Republik vom Jahre 1875 für Deutschland eine belanglose Ausnahme bildet.

Der zurzeit geltende portugiesische Zolltarif wird für )ie Dauer des Vertrags gebunden, soweit dies gesetzlich ulässig ist- Portugal kann während der Dauer des Ver- -rages der Zollsätze für die in Tabelle A aufgeführten Artikel, nn welchen gesetzlich jede Bindung oder Ermäßigung aus- aeschlossen ist, erhöhen, jedoch darf die Erhöhung die in Tabelle A vereinbarten Sätze nicht übersteigen. Wenn Por- maal von dem Rechte der Erhöhung des Zolles auch nur für einen einzigen in Tabelle A Genannten Artikel Gebrauch macht so ist 'eS verpflichtet, gleichzeitig die Zollsätze für alle -in Säbelte B aufgeführten Ar titel auf den dort angegebenen Betrag zu ermäßigen. Die Höchstgrenze der zulässigen Zoll­erhöhungen hält sich im Rahmen der Ansätze des portugiesi­schen Zolltarifentwurfes und bietet dadurch die Gewahr, daß die in Portugal hervorgetretenen Bestrebungen, diese Zollsätze noch weiter zu erhöhen, für die Dauer des Ver- iraqs erfolglos sind. Falls in Portugal abweichend von tem jetzigen Zustand die Zahlung der Zölle nur in Gold Angeführt werden sollte, was unter Umstanden einer Zoll- crhöhung gleichläme, ist die Kündigung des Vertrags mit sechsmonatiger Frist vorgesehen.

Den portugiesischen Port- und Madeirawemen :?b deutsc^rseits ein besonderer Schutz ihrer Marke ein- aeräumt, nachdem die innere portugiesische Gesetzgebung Lie erforderlichen Sicherheiten geschafft hat, welche die Vor- -iiussetzung für die Anerkennung der BezeichnungPort- oein und Madeirawein" als Herkunftsbezeichnung bilden. Im Jnteceffe der deutschen Zuckerausfuhrnach Por- rugal ist dieser Staat verpflichtet, Rohzucker -keinen med- stqeren Sätzen als denjenigen für Rübenzucker zu unter- werfen. Nach Artikel 24 sollen Meinungsverschiedenheiten ne zwischen den vertragschließenden Teilen über die Aus- egung oder die Anwendung der Vertragstarife oder hin- iichtlich der Meistbegünstigung entstehen, auf Verlangen nnes Teils durch Schiedsspruch erledigt werden. Der Ver­mag tritt zwei Wochen nach dem Austausch der Ratifika- lionen in Kraft. Seine Gültigkeitsdauer ist auf acht Jahre mit der üblichen stillschweigenden Verlängerung und der Maßgabe festgesetzt, daß jeder Teil das Recht behält, durch vorgängige einjährige Kündigung den Vertrag mit Llblauf des fünften Jahres außer Kraft zu setzen.

Der Zeldzug sott 1815-

Von Zeit M Zeit wird insbesondere von englischen Schrift­stellern immer wieder die Auffassung verbreitet, als ob der sieg­reiche Ausgang der Kämpfe des Jahres 1815 den Engländern! allein auszurecknen ist, Preußen und Niederländer keinen, ober nur geringen Anteil daran hätten. Von preußischer Seite ist mit aller Scharfe das Unrichtige derartiger Behauptungen aktenmäßig nachgewiesen worden. Neue Belege dafür liefert ein vor kurzem in Brüssel unter dem Titel:La camDagne de 1815 aux Paps- Bas" erschienen es umfangreiches' Werk. Tic Verfasser Genera Graf von T'Serclaes imb Oberst be Bas, beide im belgischen Generalstab geben eine Darstellung jener Kämpfe, aus der hervorgeht, wie entscheidend das Eingreifen Blüchers namentlich bei Belle-Alliance war, und wie anderseits das Verhalten der belgisck>en und niederländischen Truppen in dieser Zeit nicht nur keinen Tadel, sondern hohe Anerkennung verdient. Well'.ngton hat dies nach dem Tage von Waterloo auch rückhaltlos anerkannt, indem er die Bevölterung nach seiner Rückkehr nach Brüssel zu der tapferen Haltung ihrer Soldaten beglückwünschte, unb auch General Pirsch schrieb, daßdie Erinnerung an ihren unbezwing­lichen Mut nickl aus dem Gedächtnis unserer Soldaten schwinden

vermischtes.

* Eine merkwürdige Lebensrettung. Der be­rühmte englische Maler James Thornill hatte den Auftrag er­halten, die Decke in einer der Kuppeln der St. Pauls-Käthedrale ut London auszumalen. Das Gerüst, so wird in Mon Dmanche erzählt, ragte mehrere hundert Fuß über dem Steinboden des Kircyeninneren empor, aber man hatte es trotzdem nicht für nötig gehalten, den Künstler durch Anbringung eines Geländers gegen die Möglichkeit eines Sturzes zu schützen. Biele Kunstfreunde und Anhänger Thornills erklommen des öfteren das Gerüst, nm dem Meister bei seiner Arbeit zuzuschauen und sein Werk zu bewundern. Eines Tages hatte Thornill gerade den Kops des heiligen Paulus vollendet: er wollte prüsen, wie der Kopf aus der Ferne wirte und mit der Hand bic Augen beschattend, entfernte er sich, immer rückwärts gehend, Schritt um Schritt von dem Gemälde. Er vergaß, im Anschauen feines Wertes versunken, völlig, daß et sich auf einer schmalen geländerlosen Plattform befand. Lord Arundel, sein Freund, bemerkte plötzlich die Gefahr, in^ber bet Maler schwebte, denn nun trennte ihn nur noch ein Schritt von dem Rand der Plattform, von der er_ in der nächsten Minute aus schwindelerregender foöfje auf den steinernen Fußboden der Kathe­drale hetabsallen mußte. Es wat zu spät, ihn durch einen Zuruf zu warnen, der Schreck hätte die Katastrophe vielleicht beschleunigt. Lord Arundel hatte im letzten Augenblick einen rettenden Einfall: Lästig nahm et einen dunkel gefärbten Pinsel, der vor oem Bild­nis des Paulus lag und warf ihn dem heiligen an den Kopf, sodaß das ganze Gesicht mit dunklen. Fatbklexen entstellt wurde. Um Gottes Willen!" rief der Maler und stürzte auf das Bild zu,was haben Sie getan?"Ich habe Ihr Weck zerstört, aber Ihr Leben gerettet", antwortete Lord Atnndel und wies auf die schmale Spanne, die Thornill von dem Abgrund getrennt Halle. Nun erst begriff der Malet die Gefahr, in der er geschwebt hatte, er etschrack so heftig, daß er ohnmächtig wurde und mehrere Tage das Bett hüten mußte. Später matte er ein kleines Bild, bas bic Szene festhält unb das sich heute noch im Besitze bei« Familie Arundel befindet.

* Schwarze Diamanten. Gewöhnlich pflegt man unterschwarzen Diamanten" die Steinkohle zu verstehen. Es gibt indessen noch eine andere Art schwarzer Diamanten, die diesen Namen besser verdienen und von denen hier die Rede sein soll. Nur an einem einzigen Punkte der Erde, auf dem beschränkten Territorium der Schwarzdiamanlen- selder in Brasilien, wird der edle Stein gefunden, der diesen Namen tm Handel und in der Technik trägt. Es find kleine, nicht in Kristallform, sondern unregelmäßig ge-

Ttterucs LeuiUeton

Das schöne Schaufenster. Jetzt, wo sich die Kauf-

Als

Wagner, zu dessen musikalischen Antipoden er notigen» zahlte, so daß wie in Chamberlains Wagnerbiographie zu lesen ist die Feinde Wagners in der damaligen Zeit der Kämpfe den braven Reißiger noch als Ideal des Opern- lomponisten gegen den Schöpfer desFliegenden Hollander" undLohengrin" aussvielen tonnten. Bon feinen zahl­reichen Opern und den vielen anderen Werten seiner fleißigen Feder ist heute einzig die melodiöse Ouvertüre zurFelsen­mühle", die zum eisernen Bestände unserer Militärkapellen und' kleineren Orchester gehört, übrig geblieben.

oollstänbigung bet künstlerischen Ausgestaltung der Auslageii un­serer großen Geschäfte gegeben. Die Lehren, die aus diesem Wett­bewerb gezogen wurden, sind sehr mannigfaltiger Natur, unt> man wirb wohl sicher eine allgemeine Läuterung des Geschmackes erwarten dürfen. Für die kaufmännischen Angestellten besonders werden die Erfahrungen, die bei der Beurteilung bet Schaufenster gemacht wurden, von Wert sein, und so war es mit Freuden zu begrüßen, daß in einem Vortragszyklus:Hebet die Geschmacte- bitbung des Kaufmanns" in bet Handelshochschule zu Berlin auch dieses Gebiet besprochen wurde. Karl-Ernst Osthaus vom Museum Fvlkwonig in Hagen sprach über Schausensterbekor?tio- nen, zu dem ihm die Bilder von dem großen Wettbewerb zumeist als Unterlage dienten. Er erläuterte an jedem einzelnen Bild die Fehlet unb Votzüge und zeigte, wie nur eine einheitliche G ruppietung der Ware wirken könne. Tietebenben Bilder" finden heute keinen 2lnklang mehr; freier wirken auf harmonisch abgetöntem Hintergrund Stosse und frei arrangierte Kostüme. Verfehlt ist z. B., wenn in einer Modeausstelluns Kanonenstiefel" zwischen Palmen stehen, wenn die Architektur bet Fenster ausdringlich wirkt und so die Gegenstäiide, die anziehen sollen, drückt, wenn allzuviel Verschiedenes in einem Fenster -viammengepfctcht ist, unb wenn bie Farbenkontraste das entt ittiche Bild stören. Möglichste Einfachheit, möglichste Zwcck- mäßigteit der Anordnung! unb die Abstimmung des ganzen Fensters auf einen künstlerischen Gtun dton sind bie Vorbedingungen, um ein schönes Schaufenster zu erhalten.

Eine Frauenzeitschrift in Konstantinspiel! und ihr Schicksal. Am Schlüsse beä vorigen Jahres würbe in Konstantinopel oie erste nach LUtoPäischen Gegriffen gedachte Monatsschrift für türkische Frauen,Mehäsin" genannt, begründet. Ihr Leilspruch war bet eines angesehenen Weisen des Islam: Tie Frauen sind bei jedem Bolte der Maßstab des Fortschrittes." In diesem Sinne setzte sich der Herausgeber, Asaf Muammer Bey, die Ausgabe der geistigen unb sittlichen Hebung der tür- k iL'-en Frauenwelt. Ter Gewinn sollte gegenüber diesem loeaton Z' "le ganz im Hintergrund stehen. Wirklich war bie Zeitschrift bei vielseitigem und gediegenem Inhalte unb treulicher Aus­stattung und Illustrierung- ungemein billig: allein, wie bas Buch­händler-Börsenblatt mitteilt, entsprach der Ersolg auch nicht den bescheidensten Erwartungen. Nach dem Mißerfolge der ersten Num- rzer suchte der Herausgeber durch die Beigabe von Schnittmustern und ähnlichen Mitteln, das Interesse dec türkischen Frauenwelt zu erringen; allein von der Aycilaummer Leimten nicht mehr als 400 Stück verkauft werden, und es bleibt hiernach sehr fraglich, ob die türkischen Frauen für ein solches Unternehmen bereits reif sind.

Deutsche Musik in Rom. Aus Rom wird berichtet: Das musikalische Winterprogramm der italienischen Hauptstadt, das jetzt bekannt wird unb gegen 40 große Orchester- unb^Chor- lonzerte umfaßt, ist ein überraschender Beweis für den Lieges­zug, ben bic klassische deutsche Mu; il m Italien an­getreten bat. Alle neun Sinfonien Beethovens, die vier Schumann -Sinfonien, mehrere Sinfonien von Schubert und Menbelssohn und einige von Mozart sollen amge- sührt werben. Der Konzertplan räumt ferner Brahms einen besonberen Platz ein, die Tannhäuser - Ouvertüre unb Par- . ifal werben vor ben Römern gespielt. Ein besonderer ständiger Chor zur alljährlich regelmäßig wiederkehrenden Ausführung der neunten Sinfonie von Beethoven wird jetzt in Rom ins Leben gerufen. Tie modernste deutsche Musik kommt mit einer Aussührung bes ,^)elbenlebens" von Richard Strauß zu ihrem Rechte, so daß die Römer von Bach bis zur Gegenwart eine Reihe der größten sinsonischen Meisterwerke deutscher Munk an sich vorüberziehen lassen.

Schutz ben Bäumen! Bon den zuständigen preußischen Ministerien ist eine Eingabe bes Bundes 5>cimatschutz, betrerfenb ben Sdnis beachtenswerter Bäume unb Alleen, den nachgeorbneten Regierungen zur geeigneten weiteren Veranlassung übermittelt worden. In dieser Eingabe wird daraus hingewiesen, daß der Sinn und die Liebe für die Eigenart und Schön- beitalter unb schmückender Bäumewei ten Kreisen abhanden gekommen ; u sein scheint, außer ben Alleen wären es einzeln stehende beachtenswerte Bäume, bie neuerdings bebroh* sinb. So bci"c:tige man oft die Tür das Lands ck a s ts - h i l d so charakteristischLn Pyramidenpappeln, an manch en Crten habe man io gar die alten Torslinden nicht gescvonr. Ter Bund Heimatschuß bittet daher, den Gemeinden den Schutz der Dorslinben und weiter den L ch u tz der Alleen und. ter einzeln stehenden beachtenswerten Bäume, insbesondere scr Pyramidenpappeln, dringend anzucmpsehlcm.

Gerhart Hauptmann und die Kritik. Wie zu erwarten war, hat Martin Feuchtwanger aus das an bas B T " gerichtete Telegramm Gerbart Hauptmanns geantwortet. 3n derSaale-Zeitung" verössentlicht Feuchtwanger einen Brief, den er an dasB. T." geschickt bat. ^.arin heißt es :Wenn Herr Tr Gerhart Hauptmann schreibt, ich hatte mir eine Unter- tebung mit ihm badurcherschlichen", daß ich meine lournw- listische Mission verschwiegen hätte, |o ist das unwahr, -dd) wollte Gerhart Hauptmann lediglich besuchen. Nicht interviewen. 3d) habe mich in Leipzig im Hotel Hcmsfe, wo er wohnte anmelben lassen, habe meine Karte:Martin Feuchtwanger, 2. Borfitzender des Deutschen Lii.waturoereins", abgegeben, unb bin daraus hin so soll vvrgelassen worden. Ick hatte dieeübbeutf ckenM nate- heftc" mitgebrachi, bic eine im höchsten Grade abfaUige Be­urteilung von Hauptmanns ,,Gciechisch-er Reise enthalten, frart Hauptmann suchte sich zu verteidigen, so gut es ging. Wie er mm dazu kommt, zu behaupten, ich,wäre ihm ,o Dorgetonrmen, rls sei id) inGewissensnöten" gewesen, ist mir rätselhaft. Ick) habe keinen Satz niedergeschrieben, der nijfrt aus Gerhart Hauptmanns Munde stammte. Ich traf dann verrn Hauptmann zum zweiten Male auf dem Bolmhof, wo er mir noch andere^ ei zählte, mich aber bat, dies nicht zu veröffentlichen, ebenso mochte ich, wenn ich das Gespräd' von vorhin verösfentt'.cke, nicht von der Besprechung in denSüddeutschen Monatslieften' ausgehew Tas habe id) getan. Hauptmann meinte nachher, er habe nndi ursprünglich für einen Studenten älteren L^mestcrs gehalten. Darauf erzählte ich ihm von meiner iourluilistchd)en Tätigkeit. Er hat also wohl davon gewußt. S&is wird nun schließlich das Ende dieses Streites werden? Wohl eine Erklärung, daß beiderseits Mißverständnisse vorliegen.

,W eb er s letzter Gedanke". Wer kennt nicht den kleinen Walzer, der diese seltsame Bezeichnung- tragt. Wie er freilich zu seinem sonderbaren.T^el gekommen ist, weiß kein Mensch; nur soviel steht fest, daß der Kom­ponist Karl Gottlieb Reißiger nicht etwa selber die Geschmacklosigkeit gehabt hat, sich derart mit Webers Namen zu schmücken, denn in der Originalausgabe fehlt dre erst in späteren Drucken aufgekommene Ueberschrift. Latfacye ist ferner, daß die kleine Komposition fast allein heurc noch an den Mann erinnert, der vor jetzt fün,31g Jahren (am 7. November 1859; als Hofkapellmeister in Dresden gestorben ist. Er war dorthin kurz nach Webers Tode berufen worden und hatte zuerst die durch Marschners Weg­gang erledigte Stelle eines Musikdirektors an der Eper

Übrigens! größeres Interesse finden. Der letzte große Schausenster-Wett- ioaraöhic bewerb in Berlin hat von neuem den Anstoß zu einer Ver-

übernommen aus der er ivöter ^um Hoftapetlmeifter aus-l mannsckaft wieoer zu einem eifrigeren Lchauitena,muck wah- rückte. Als' solcher wirkte er jahrelang neben Richard1 renb bes Jahres rüstet, dürftenbie folgenden Bemerkungen imntmnn