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9.1.1909 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfahr 14 Seiten.

der Letzten Jahre noch nicht vergessen hat, wird sich ent-

-I Dichter |a[t i, l Geschicke ui n nArtipfimfirfi

reichen.

Hermarm Bakof, der die Aufführung sehr vornehm und gut durchdacht, aber für Ibsen victteichi etwas zu reich ausgestattet, herausgebracht hatte, spielte den John Ga> briet in der meist üblichen, den 3ügen Ibsens angenäherten Maske und schuf daraus eine h heitsvolle, ragende Gestalt, die der Teilnahme vollauf sicher war. Sein Schreiten war vielleicht etwas zu hastig, aber nie er in Ton und Ausdruck den gebrochenen und doch fest .inf sich vertrauendenkranken Wolst' zu meistern verstand, das verdient uneingeschränkte Anerkennung. Auch die Jw'll'nsj-. sckwestern wurden sehr gut dargestellt. Grete Höcker verlieh der unter ihrem schweren sreudlosen Schicksal hart und kalt gewordenen Z-rau Bort- manu eine iiar ausgearbeitete, wuchtige Lebenswahrheit, die in ihrer furchtbaren Große tief erschütternd wirkte. Helene Ach ter berg war in teil leidenschaftlichen Aus­tritten, wo das arnte, alte Mädchen für Augenblicke bie Selbstbeherrschung verliert, am überzeugendsten, aber auch die ruhtgereu, von der tie.cn We^uruc eures verfehlten Gebens durchzogenen Stellen brachte sie mit ergreifender Verinnerlichung zu bester Geltung.

In ihrer nicht gerade großen Kollo als lebensprühende, verführerisch schöne Fannv zeigte sich Lore Scholz wie immer von ihrer besten Seite.

Clemens Roden als chc Geliebter entbehrte dagegen nahezu jeglichen Feuers und jeglicher Beweglichkeit- Seine suchseiihafic Schüchternheit war gar nicht darnach angetan, ihn als Geliebten dieser wie Eyampagrlcrwein sprudelnden Frau erscheinen zu lassen. Jugend und Jugeirdlust muß m ihm toben und tollen, leck mu stürmisch muß er sein . . . und voll tiefer, innerlicher Glut, die nicht weiß, wohin all mit ihrer Freude. Das blieb Roden sich und dein Dichter schuldig.

erfreulich war aber Rolf Ziegler als beschei­dener, anspruchsloser Foldal und Dorle May fahrt in ihrer Heinen rnoue als jciox Karl Neurath.

: nur noch z^c uuncueu-d ^tusrundung der und bedingungsweise auch noch der Charaktere, vornehmlich der beiden Schwestern, die sich nach dem Tode des uutstrittenen Mannes die Hand zu neuer Freundschaft

werde neue blutige o'reuu-euoerivlgangeu nacn sich ztehen. Die Gesandten dec Mächte suchten sich nun über geeignete 'Maßnahmen zu verständigen, aber leider ohne Erfolg. Es war keine Einigung zu erzielen, denn Rußland und Japan tvollten nicht mitmachen. Sie werden wohl ihre guten Gründe hicrsür haben. Den größten Borteil aus der Ent­lassung ^uanschtiais zieht natürlich Japan, da der jetzt in Ungnade ge.atlene chinesische Staatsmann als größter Gegner der japanischen Politik in der Mandschurei galt. Man nimmt daher wohl rocht ohne Grund an, daß Japan selbst au, b-n Sturz 'Aucmicyittns hmgearbeitet habe.

B. A.

könnt hätte, wenn ec es nun ja, wenn er es eben ge­wollt hätte. Ihm lag aber jedenfalls viel mehr daran, diesen ins bürgerliche übertragenen Napoleon in allen Einzelheiten seines verwirrten Seelenlebens zu verfolgen: diesen seltenen Menschen darzustellen, der in feiner Stube rastlos seinen Plänen und Gedanken uachhängt und ruhelos wandert, wie der große Korse auf Helena, der auch darauf wartete, daß man ihn zurückruse, iveil man seiner bedürfe. Aber niemand naht; einsam wie er gelebt hat, muß er sterben, aber doch auf einer Höhe. Mit der Erkennt­nis, daß er an seinem Glück vor übergegangen ist, weil et einem fernen Idol nachjagte. So stirbt er angesichts der weiten Erde, und seine Phantasie gaukelt ihm noch einmal die reichen Schätze der Welt vor, denen er sein ganzes Leben gewidmet hatte. Und neben ihm steht sie, das alte Mädchen, mit dem Keim des Todes in der Brust und mit seinem liebevollen, barmherzigen Herzen, das ec zertreten hat, um hvchzulommen, das er verraten, verkauft hat und ihr Herz ist gut geblieben und jung und voll Hoffnung auf bie Jugend, die trotzig hinausgestürmt ist in das Leben, um es in vollen Zögen zu genießen. In der .Heimat war keine Liebe für )ie, die brausende, rastlose Jugend, und war auch kein Verstehen. Es wurde kaltherzig gerechnet mit ihr, wie man mit fühllosen Zahlen rechnet. Schon allein weil sie Mutter war, glaubte GunhUd ein Recht aus die Liebe ihres Sohnes zu haben. Anzengruber hat einmal Über diese P, licht liebe in seinemVierten Gebot' sehr deut­lich gesagt: Denkt einmal darüber nach, ob die Eitern den Kindern nicht weit mehr schuldig sind, als sie von ihnen gebieterisch zu beanspruchen pflegen!

Tie Neujahrsansprache des Kaisers.

Die verschiß nur -venune üu-cr Oie Neujahrsansprache des Kaisers an Die Generäle Hao en nun den Reichs tanger vcrauü.ßt, int Reimsaiizeiger aulhcntiscoe Mitteilungen über den wahren Vor­gang zu machen. Der Reichs-Anzeiger schreibt: Ter Kaiser hat am 2. Januar, wie alljährlich eine Besprechung mit den hier zur Neujuhrs-^ratiitation verjammetten wmmandierenden Gcu- itcroien nogehatteu. Die Aeugerungen des Kaisers waren nicht für die Dencntiid)!cit bcst.mutt und hätten nicht den Gegenstand uitcntiidier Kritik oiloeii dürfen. Trotzdem sind Nachrichten darüber ui die Presse gelangt. Gegenüber den in ausländischen Blättern erschienenen Augritten iteUen wir lest, daß sich die Besprechung lediglich aus militärische Fragen bezog. Im Anschluß an eine Betrachtung oer bei den letzten Mcmovern gemachen taktischen Erfahruitgen wies dec Kaiser auf eine kürzlich erschienene aftp dem.sche Studie hin, in der die Gestaltung des modernen Krieges und du Eüuvttkaug der neuseitüdNii Wafien auf das Gefecht ent­wickelt sind. Die in dieser militärischen Arbeit auch enthaltenen politisch n Gedanken und Ausblicke kamen in den Ausführungen oeS ouerftcu Kriegsherrn nidjt in Betracht. Der Verfasser der oom rlleichSanzcigec crwichnten Studie, der frühere langjährige Chef des gwßcn GeneralstaRs Generaloberst Gral von Schliessen, hat übrigens einem Vertreter dcrBerl.Allg.Ztg." erklärt: Er habe den inclDrfpcod>enen Aussatz in derDeuts. Revue" in Erfüllung einer schon langst gemachten Zusage geschrieoen, also Damir keine Drohung oder dergleichen beabsichtigt. UebrigenS be­stehe in Deutschland ebenso wie bei den meisten anderen Groß­mächten entschiedene Kriegsuntust, lvenn aud) einzelne Parteien auf einen Krieg hinacbenen. Ans dem Balkan fei immer noch stacke Spannung vorhanden, ans der unter Umständen ein Zusam­menstoß zwischen den NädMeteitigten sich entwickeln könnte. In diesem Falle sei c5 wahrscheinlich, daß die anderen Mächte ein- schließlich Deutschland, in den Strett hinemgezogen werden tönntera

D'e italienische Kammer utib die Erdbebenkatastrophe.

Gestern war die ualienijcDe Kammer wieder zujanrmen- fleireten, uni über Dtaßnahmen zu Gunsten der vom Erdbeben so schwer heungejuchten Bewohner Südilaliens zu beraten. Saal und Tribünen waren überfüllt. Alle Minister und alle hervor­ragenden Varlamenlarier waren anwesend. Prästdent Marcora hielt stehend eine Ansprache. Auch die Abgeordneten erhoben sich von ihren Sitzen. Ter Vräsideul erwähnte das Erdbeben und ge­dachte der Staatsoberhäupter der ausländ if d) en Hrlfs- Abteilungen, der italienischen und der fremden Soldaten^ und Malrosen, die sich mu Italien in der Trauer vereinigt hätten. Der Benall erneuerte sich, als der Präsident sagte: Messina und Reggio werden wieder auterstehen! Miuisler- präsident Giotiut erklärte, ebenfalls unter sorldauerndem Bet'all, Dleifiim und Reggio würden sich wieder erheben. Er enibietet seinen Gruß allen nemden Stationen. Ter Attnisterpräsidcnt legte sodann einen Gefetzeutwuri vor sür Ataßnahrnen zu (SunUen De5 unglücklichen Landes. Ter Präsident ernennt eine Konumifiou. die über den Gesetzentwurf Bericht erstatten wirb. Tie Sitzung wirb daraus geschlossen. Ter in ber Kamener verteilte Gesetzentwurf über Maßnahmen zur Linberung des burd) bas Erdbeben verur­sach i en Unglückes erinächtigt die Regierung, 80 Millionen von den tteberschüsseu bes Etats des Rechnungsjahres 1907,08 oorweg zu eiitnehnten, um mit bett briugenbften Arbeiten zur Ausbesserung und Azieberherstellung ber öffentlichen Gebäube beginnen zu könneil.

hierfür?

Häßlich wie diese Indiskretion ist auch der heim­liche^ und versteckte, und darum um so boshaftere Kampf, den das Zentrum gegen den Reichs­kanzler infjenierl hat. Man will den ver­haßten Blockkanzler stürzen, und um dieses Ziel zu erreichen, ist jedes Mittel recht, sogar die Berdächtigmig der deutschen Politik im Auslände. Man ist seines Sieges offenbar fcyon sehr sicher gewesen, denn, wie cs heißt, hatte das Zentrum auch schon den Nachfolger Bülows, natürlich einen ftrammen Zentrumsmann gefunden und seine Er­nennung dem Kaiser nahe zu legen versucht. 'Man hoffte den Kampf gegen Bulow Dadurch besonders wirksam zu machen, daß man scheinbar von Oesterreich aus kämpfte. Das Jntriguenfpiel des Zentrums ist schnell genug durch­schaut und gestört worden, und mm versucht das Zentrum sich damit zu rechtfertigen, daß es alles nur im Interesse des Vaterlandes getan haben will. Tas arme verkannte und verleumdete Zentrum! Wer mc bie politischen Vorgänge

poliiijctyc Wochenschau.

Gießen, 9. Januar.

Mit recht häßlichen Erörterungen Hai das neue Jahr am gefangen. Wie alljährlich, hatte der Kaiser auch dieses Mal zum neuen Jahre die kommandierenden Generale um sich versammelt uub bei dieser Gelegenheit von einem kürz­lich erschienenen Artikel des Grafen Schliessen über die militärische Entwickelung Europas sehr anerlennenb ge­sprochen. Die in diesem geschlossenen Kreise gesprochenen und keineswegs für die Oefieutlichkeit bestimmten Aeuße ruugen des Kaisers sind uubcgreijlicherweise rveitcrerzählt worden und werden nun in einer gewissen Presfe in häß­lichster Weife ausgeschlachtet. Die Indiskretion, die es allem ermöglicht hat, bau die vertraulichen Steuerungen in die Öffentlichkeit gelangt sind, ist oufs höchste zu bedauern, aber diefe Jnbrslretton wiederum dem Kaiser zur Last zu Last zu legen, ist eine Unehrlichkeit, wie dieK'ülii. Ztg." mit Recht hervorhebt:Tie Uebcreinftimmung zwischen Kaiser und Volk ist eine Errungenschaft der Novemberkrise, die zu erhallen eine Notwendig leit für bas Wohl bes Vater­landes ist. Sie darf unb soll nicht durch Zwischenträger, wer sie auch feien, erschüttert und gefährdet werden. Diese Garantie ist das Mindestmaß an Dam und Anerkennung, das jeder Patriot dem Kaiser für die Sclbstbescheidung vom 17. November schuldet. Es ist daher auch eine Unehrlichkeit, wenn man jetzt den Spieß um» dreht und ihn wieder gegen den Kaiser kehrt. Das deutsche Boll will in seinem Kaiser nicht eine Puppe auf dem Throne haben, die sich Hinte?, einer chinesischen Mauer ab sondert, und der dec Dtund verboten ist. Deshalb ist es die einfache Pflicht und Schuldigkeit jedes ei'.tzclncn, an seinem Teile darüber zu wachen und dazu beizutragen, daß dieses Vertrauensverhältnis zwischen ten beiden fiäriften Macht- fakwren des Reiches unversehrt erhalten bleibe." Es ist vor allem eine Sache des Tatlcs, daß nicht jedes Wort des Monarchen, zumal wenn es nicht für bie Öffentlichkeit bestimmt ist, weitererzählt wird. Das ist eigentlich selbst- verständlich, aber in unserem immer amerikanischer werdert- ben Deutschen Reiche rverden manche selbstverständlichen Dinge immer unbekannter. Wir heutigen Deutschen um­geben uns in unseren Häusern und Städten mit Gegenständen eines auserlesenen Kunstgeschmacks, aber in unserem Leben scheint alles feinere Empfinden immer mehr schwinden zu wollen. Ist die neueste Indiskretion nicht ein Symptom

GLetzener Stadttheater«

John Gabriel Bortman.

Schauspiel von H>. urit Ibsen.

Irgendeiner schriebs zuerst unb Hunderte und tausende sprachen und schrieben es sinnlos nach, daß in der künst­lerischen Dichtung, sei es nun Roman, Drama oder Epos, kein Mensch in irgendeinem Fache bedeutend genannt wer­den dürfe, wenn diese Behauptung nicht sinnfällig dar­gestellt werden könne. Einzelne gingen sogar so weit in ihrer an sich völlig unbegründeten Forderung, daß sie den literarischen Wert einer Dichtung leugneten, wenn die Be­deutung eines Helden nur auf den Glauben an seine Be­deutung gegründet war. Bei einer Anzahl derartiger Fälle mag es angebracht sein, sich Dagegen zu verwahren; wenn uns z. B. von ber Bebeutung eines Gelehrten gesprochen wirb, ber schließlich selbst nur schwätzt. Es wird aber kein vernünftiger Mensch verlangen, daß der Schauspieler in einer Rolle als Maler vor unseren Augen ein gehaltvolles Bild malt, ein Feldherr seine Schlachteuplänc erläutert, ober John Gabriel Borkmann überraschende Gelbgeschästc er­ledigt, die sein Genie beweisen. Bult hau P t behauptet aber dennoch:Wir hören :iur Worte und glauben nicht!" unb fühlt sich badurch berechtigt, bas vorletzte Schauspiel des großen nordischen Denkers als bühnenunfähig zu er­klären. Slun ist ja Bulthau.pt allerdings nichts weniger als Jbfenschwärmer, aber denn ich hätte es ihm nicht ent­gehen Dürfen, baß gerade John Gabriel Borkmann trotz seiner offenbaren romanartigen Zufälligkeiten und Schwächen unb Mängel eine» der wenigen neuzeitlichen Stücke ist, die ohne theatralisch zu sein, eine volle Bühnen- Wirrung erringen. Gewiß, eil baut sich auf einem Zusatt auf, beim wenn der Streich geglückt wäre, bann waren die ganzen Folgerungen eben unmöglich, unb der Dichter hätte bann auch zweifelsohne eine viel rvertvollere Aufgabe zu lösen gehabt, wenn er gezeigt hätte, wie der kaltherzige Gelbmeufch trotz allen Glücke» zuletzt an dem Hunger nach Liebe zugrunde gegangen wäre. Ich glaube, daß Ibsen, der fc^rse, tiefgehende Denker, das tcop feiner Kritiker ge-

innen, daß das Zentrum' im Lrufe biejec Zeit schon mehr > als einmal dem Reichskanzler ein Dein zu stellen vecfucht hat. Das Zentrum gibt ferne Ziele nicht so leicht auf, uub o werden wir denn, vielleicht schon bald, von einem neuen i Vorstoße gegen Bülow zu ijörtn bekommen. Um Mittel und Wege ist das Zentrum nie verlegen gewesen.

Während Reichstag und preuß. Abgeoromtenhaus noch in den Ferien weilen, hat unfere Zweite Hess. Kam­mer ihre parlamentaci,chen Arleiten schon am 4. Januar wieder ausgenommen. Der erste Haupigegeiistand der Be- ratung war die Reiiysweuipeucr. ^.s yanjili fid) bei dieser Gelegenheit eine seltene Einmütigleit zwischen der Rcgic- runa unb sämtlichen Parteien dcö Hauses. Man wili von dieser Steuer nichts wisfen, die für die Mehrzahl dec hejsi- schen Winzer eine direkte Bedrohung ihrer Ex.ilenz bedeutet Emen sehr beeilen Raum in den Beratungen der Kammer nahm bann auch bie Adreffe an ben Großheczog und der von sozialdemolratticher Sette hierzu beantragte Zusatz em. Dieser Zusatz, dec sich auf den Act. 1« der Berfas,mig bezog, wurde ubgelebiit Tann vertagte sich das Haus auf unbe­stimmte Zeit. Recht wenig ecfreuliu) war uocigens die Mit- tcilung des Filiauzrmuisiers Gnauth in der Kammer, daß für 1910 die Durchführung dec Reichsfinanzrcform eine Steuecerhöhung von 25 bis JO Proz. zur Folge haben werde.

In Oesterreich hatte mau in ben ersten Tagen des neuen Jahres einen neuen Äoiqlilt mit Serbien zu be­stehen. Zu den gemüßigten Elementen im kriegsrüstigen Serbien zählte man bisher den Minister des Aeußcrn Milo- nwnowitfch. Man war daher in Wien um fo unanßimeljme'r berührt, als Milowauowitsch in bet serbischen Stupschtina eine sehr aggressive Rede gegen Oesterreich hielt. Als nun Milowauowitsch merkte, was er aiigecidjtet hatte unb das Überaus geduldige und langmütige Wiener Kabinett in Bel­grad Genugtuung forderte, gab er seine Demission. Der König nahm sie nicht an, der serbische Kronprinz hielt neue kriegerische Reden gegen Oesterreich und der österreichische Gesalidte machte neue, dringlichere Vorstellungen in Belgrad. Als nun endlich die erwartete Rückenstärkung Serbiens von London aus nicht erfolgte, fah M»lowenowit,G sich schließlich doch genötigt, nachzugeben und Oesterreich in aller Form um Entschuldigung zu bitten.

So ist bie|et deine Zwischenfall ohne Krieg und Blut­vergießen beigelegt worden, aber die Lage auf dem Balkan bleibt nach wie vor ernst, und Kellner ber 93er- hältnisse behaupten, baß der Krieg unvermeidlich sein werde. Im Frühjahr, wenn der Schnee auf dem Balkan zu schmelzen beginnt, meint man, werde auch das blutige Ringen der Dallanvölker beginnen.

Nicht ohne Einiluß aus die weitere Entwickelung der Ballaulcisis wird ohne Zweifel auch die Entlassung des russischen Ministers des Auswärtigen, Iswolsky, bleiben. Steht Rußland wieder einmal am Scheidewege? Aber an Krieg kann es ja selbst nicht denken. Die Unter­bringung dcr neuen Anleihe in Frankreich stößt auf größere Schwierigleiten als man wohl anfänglich gedacht haben mochte. Dazu kommt noch bie täglich schwieriger roerbenbe Lage in Perften. Man wird es sich doch wohl, auch ohne Iswolsky, noch sehr überlegen, ob ber Zeitpunkt geeignet ist, an ben Kriegshäudeln ber flavischen Balianbrüber teil- zu nehmen, während England bann Gelegenheit hätte, un­gestört in Persien vorzubringen, wo die Freude am ruf fi­schen Nachbar ,o wie fo nicht übermäßig groß ist.

In China bereitet sich wieder einmal etwas sehr Erliste» vor: ein Kamps der Realtion gegen ben Fortschritt. Das erste Opfer dieser Bewegung war Huanschikai, der be­deutendste der lebenden chinciischeu Staatsmänner. Sein jäher Sturz, so fürchten die in China lebenden Europäer,

So erlebt denn Frau Borkmann, die bittere Enttäu­schung, daß sich ihr Sohu kalt von ihr abwendet, um mit dem geliebten Weibe in die Fremde zu gehen.

Scharf unb ohne jebcs überflüssige Beiwerk entwickeln bie beioeii ersten Auszüge Die ganze Vorgeschichte, um echent- ttch erst im britten mit bem Einsatz dcr tief tragischen Handlung zu beginnen, und int in.ttcstc.i Grunde aucij zu schließen. Der v.erte Auszug bringt leine wichtigen Neuig­keiten mehr unb klärt auch nicht weiter auf, er dient dem

Nr. 7 Erstes Blatt 15S. Jahrgang Samstag S. Januar 1909

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