Ausgabe 
7.10.1909 Zweites Blatt
 
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Donnerstag Oktober 1909

Zweites Blatt

159. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Gberhesien

Tschang Tschi Tung f.

chinesischen Welt. Obaleic Tschang Tschi Tung doch

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son kennt sein Publikum und weiß genau,

Gegenwärtig noch so wenig histpttsch wichtige QhxLtL

Gießener Staöttheater.

Die fremde Frau.

(La femme X.) Schauspiel von Alexander Bisson.

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Universttäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

har der Vertreter der Anklagebehörde, Kriegsgerichtsrar Walther, gesagt: ,9lun i st aber die jüdische Abstammung noch nie ein Vorzug gemese n." Ter Zenlratvercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wandte sich wegen dieser Aeuher- ung beschwerdeiührend an den bomaltge» Kriegsminister und er­hielt jetzt von dein neuen Kriegsminister, v. Heeringen, nach­stehenden Bescheid:

Kriegsgerichtsrat Walther hat die Untersuchung mit großer Gründlichkeit und Objektivität geführt und sich dabei insbesondere von jeder Voreingenommenheit gegen das Judentum sreigehaltci:. Auch bei der Vertretung der Anklage in der Hauptverhandlung am 19. April 1909 hat er sich ernstlich bemüht, die Straierschwer- ungs- und die Strasoerminderungsgründe vorurteilslos gegen­einander abzulvägen. Bei einem Versuche, die Handlungen des Angeklagten psychologisch zu erklären, hat er dann neben mtberein allerdings auch aussühren zii sollen geglaubt:Als einen Vorzug haben wir Delltsche die jüdische Abstammung doch auch noch me gehalten." Die staatsrechtliche Gleichstellung der Religionsbekennt­nisse hat er damit nicht hi Frage stellen und die Begehung straft barer Handlungen gegen Angehörige jüdischen Glaubens nicht niilbec beurteilen wollen. Er hätte sich aber sagen müssen, daß die Aenßerung geeignet war, das Empfinden jüdischer Staatsbürger zu verletzen. Ich habe ihm daher das Geeignete eröffnen lassen.'

DieSietzener Familienblätter" werden dem Anzeiger" vierinal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Eietzrn" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheuien monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e=gs> 5L Redaktion: ^^112. Tel.-AdruAnzergerGießen.

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Bergstraße 7.

Museen und Versuchsanstalten für Luftschiffahrt.

In ber gestrigen Vorstandsratssitzung des Deutschen Museums zu München wurden außerhalb der eigentlichen Beratuugsgegenstäude von den zahlreich anwesenden Vertretern der Wissenschaft und Teckmik auch sonstige wichtige Fragen erörtert. Im Anschluß an die Mitteilungen des Vorstandes des Deutschen Museums über den derzeitigen Ausbau der GruppeLuftschiss- sahrr" gab Graf Zeppelin in Längerer Ausführung seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß es ein großer Fehler sein würde, wem: jetzt, wie beabsichtigt, auch in Frankfurt a. M. ein

_______ ~ Museum für Luftschiffahrt gegründet würde und zwar nicht etwa, feit und denkt sich eine Anzahl von Mög-I weil das Deutsche Museum, sondern weil die deutsche Luft- ' ' ' ~ schisfahrt hierdurch geschädigt würbe. Er fuhr fort:

ihm denn auch so gut gelungen, daß sein Machwerk trotz des überflüssigen 3. Auszuges und trotz der schwachen Cha­rakteristik voraussichtlich ein zugkräftiges KassenstKck wer­den wird. t

Die Leitung war von Kurt Gühne verständnisvoll und eingehend ausgeübt worden, und wenn auch nicht alles aufs Haar tlavpte, so waren daran nur äußere Zufällig­keiten schuld. Der Don und die Art der Aufführung waren gut getroffen und recht hübsch durchgeführt, so daß die Schwächen des Stückes nach Möglichkeit verdeckt wurden. Doch wäre das wohl kaum gelungen, wenn die Jacqueline nicht so gut vertreten gewesen wäre, als es durch Frau Gertrude Baumeister der Fall war. Sie vermied es klug, die vom Verfasser so stark gehäuften Gemütsbewe­gungen durch scharfes Betonen in den Vordergrund au stellen, sondern suchte die rohen Umrisse durch vermittelnde Uebergänge mit wahrem, tief innerlichem Leben zu erfüllen. Auch das stumme Spiel war rühmenswert, ausgezeichnet aber der vom Opiumgenuß verglaste und doch von innigster Mutterliebe durchleuchtete Blick, mit dem die Sterbende den Sohn in die Arme schloß. .Kurt Gühne mühte sich nicht vergeblich, der saftlosen, schwächlichen Gestalt des Staatsanwalts Leben einzuhauchen und Karl Volck zeigte als Arzt wieder sein schönes, vornehmes Spiel, das diesen jungen Künstler zu einem wertvollen Mitglied unserer Bühne macht. Ferry Daubal wußte mit seiner matten Rolle als Freund nicht sonderlich viel anzufangen, dagegen schuf .Hermann Norden als aeriebcner Agent eine hoch- erfreuliche, ausgezeichnet beobachtete Gestalt, die von hervor­ragender Lebenswahrheit und auch in der Maske sehr gut gelungen war. Sein Mienenspiel im 3. Auszug war köstlich Karl Marx als Verteidiger ist ebenfalls sehr anzuerkennen, um so mehr, als er seine Rede nicht bombastisch aus­nutzte, um einen wohlfeilen Sonderersolg zu erringen. Von den übrigen Darstellern sind noch Rudolf Goll als ver­schlagener Laroque und Paul Urban als Agent zu nennen.

Karl Neurath.

politische Tagesschau.

Wahlsiege der Sozialdemokratie.

Welche Vorteile die Sozialdemokraten aus der Un­einigkeit und dem Hader der bürgerlichen Parteien zieht, wie sie den Streit über die Reichsfinanzreform zur Agitation ausbeutete, beweisen auch die Land tags wähl en im Herzogtum Sachsen- Meiningen. Diese haben am 4. d. M. sÜattgesunden, und derVorwärts" kann wieder einmal triumphieren.Bisher wurden gewählt 9 Sozialdemokraten und 4 Bürgerliche. Drei Stichwahlen müssen stattfinden, an denen ein Sozialdemokrat beteiligt ist. $m letzten Land­tage saßen 7 Sozialdemokraten."

Der Meiningische Landtag zählt 24 Abgeordnete, von denen 1<5 durch allgemeine Wahlen, 4 durch die Großgrund­besitzer und 4 durch die Höchstbesteuerten zu wählen sind. Von den 16 Sitzen, die durch, allgemeine Wahlen besetzt werden, wurden also von den Sozialdemokraten im ersten Anhieb 9 gewonnen. In den allgemeinen Wahlen wurden ferner gewählt: 2 Nationalliberale, 1 Konservativer, 1 Frei­sinniger, außerdem finden 3 Stichwahl en statt, an denen 2 Nationalliberale, 2 Agrarier, 1 Liberaler und 1 Sozial­demokrat beteiligt sind. Im Bergleick) zum Jahre 1903 ist die Zahl der bürgerlichen Stimmen von 14000 auf 12210 zurückgegangen, die sozialdemokra- tische Strmmenzahl von 10188 auf ca. 15 000 gestieg en.

Der neue Kriegsminister und die jüdischen Soldaten.

In der Kriegsgerlchtsverhandlung gegen den Grafen v. Gers-- borff wegen vorschriftswidriger Behandlung des jüdischen Einjährig- Freiwilligen Bloch, ber sich aus Verzweiflung bas Leben genommen,

Giessen.

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Der Großsekretär des chinesischen Staatsrats, Tschang Tschi Tung, ist, wie ans Peking gemeldet wurde, gestorben.

Der Name des entschlafenen chinesischen Staatsmannes zählt gleich dem Li Hung Tschangs zu den bekanntesten der chinesischen Welt. Obgleich Philosoph und Gelehrter, war Tschang Tschi Tung doch ein Mann der praktischem Politik, und obwohl Chinese vom Scheitel bis zur,Sohle, erkannte er dennoch die Notwendigkeit, daß China sich alle Errungenschaften westlicher Bildung und moderner Technik zu eigen machen müsse. So legte er in den von ihm verwalteten Provinzen als Vizekönig Eisenwerke, Ziegeleien, Porzellan- und Glashütten an, und der Schaffung eines Eisenbahnnetzes im himmlischen Reiche war er der eifrigste Förderer. Auch das Heer- und Marinewesen suchte er in moderne Bahnen zu leiten. Für alle diese Bestte- bungen kämpfte er auch mit der Feder. Sein Werk:Chinas einzige Hoffnung", das nach dem unglücklichen Kriege mit Japan geschrieben wurde, ist Zeuge hierfür; es will nach­weisen, daß China aus seinem Schlafe erwachen, und Japans zivilisatorische Bestrebungen nachahmen müsse, wolle es nicht zugrunde gehen. Er widmete das Werk dem Kaiser, der den Verfasser dadurch ehrte, daß er ein Exemplar des Buches mit einer eigenhändigen Widmung Tschang Tschi Tung überreichen ließ. Das Buch machte bei seinen Landsleuten so großes Aufsehen, daß es in kurzer Zeit eine Auflage von einer Million Exemplaren erlebte. Interessant ist, wie der Staatsmann zwar voller Verständnis und Begeisterung die Cinrichtungen des Westens für China forderte, zugleich ober nicht blind war gegen die Schivächen unserer Kultur. So sagte er an einer Stelle seines Buches:Europäische Staaten können sehr mächtig, die herrschenden Klassen sehr reich sein, aber das arbeitende Volt ist unverhältnismäßig arm, oft unglücklich und in der Regel ungerecht ausgebeutet. Ein Regierungssystem, das über solche soziale Gegensätze hinweageht, ja, sie schafft, können wir als Muster nicht betrachten."

Im Jahre 1884, als er in Kanton regierte und die beiden Provinzen Kwang-Si und ©manhing verwaltete, war Tschang Tschi Tung zum ersten Male amtlich in nähere Beziehungen zu Europäern getreten^ Dann wurde er Gene- ralgouverneur der Provinzen Hunan und Hupe. Während

von deutschen Luftschiffen vorhanden, daß bei einer Betteilung auf zwei Sammlungen an keiner ein würdiges Bild von den Fortschritten, die die Luftschiffahrt bisher durch deuckche Forscher und Ingenieure erfahren hat, zustande käme. Nachdem das Deutsche Museum bereits seit zwei Jahren an der Errickstung der Gruppe Lustschiffahrt arbeitet und sich wertvolle Objekte! bereits gesichert habe, müsse er dttngend vor der Errichtung eines zweiten Museums warnen.

Jin Anschluß hieran teilte GeheiMerat Dr. Bus ley mit, daß auch die deutschen Luftschiffervereine, die ihre Unterstützung bereits dem Deutschen Museum zugesichert haben, sich gegen die Errichtung eines zweiten Museums in Frankfurt a. M. ausgesprochen hätten. Graf Zeppelin berichtigte dann die vielfach verbreiteten Gerüchte über die Gründung eines Luft- schifsermuseums in Friedrichshafen. Dort soll kein Museum sondern eine in größtem Maßstab angelegte und mit allen Hilfs­mitteln der modernen Technik ausgestattete Versuchsanstalt für Luftschiffahrt zustandeiommen. ' Friedrichshafen erscheint für eine derartige Anstalt besonders geeignet, weil dort die größte und sicherste Versuchsfläckje, der Bodensee, zur Verfügung steht und wert dott eine große Luftschiffwerft vorhanden ist, die am ehesten in der Lage wäre, alle Hilfsmittel zu bieten, die für Versuche, Pvobeflüge, Ausbesserungen usw. erforderlich sind. Der anwesende Vettreter der württembergischen Staatsregierung, Regierungsdirek­tor v. Balz, gab hierzu als rein persönliche Aeußerung bekannt, üaß die Hoch schule in Stuttgart einen erheblichen Bettag für Luftschiffahrt erhalten habe, und daß auch die wütttembergische Kammer voraussichtlich geneigt sein würde, Mittel zur Förderung der Luftschifftechnik zu bewilligen. Aber weder in Stuttgart noch in irgend ivelchen anderen Hochschulen ist eine Versuchsanstalt in so großem Umfange, wie sie in Friedrichshafen geplant sei. Möglich, denn hierfür seien nicht nur, wie vom Grafen Zeppelin erwähnt, der große Platz und die technischen Einttchtungen der Werst erforderlich, sondern es würden auch sonst erhebliche Mittel benötigt, für die nicht eine einzelne Hochschule oder ein einzelner Bundesstaat aufkommen, sondern nur das Reich sorgen könnte. Regierungsdirekwr v. Balz hofft deshalb, daß an einer von der württembergischen Regierung gefördetten großen Versuchsanstalt auch die anderen Bundesstaaten und das Reich sich bet-iligen würden, wogegen alle technischen Hochschulen und alle ernsthaften Erfinder Deutschlands nicht nur die Erlaubnis, sondern das Recht zur Benützung der Einttchtungen der Versuchsan stall erhalten mürben. - Die Mitglieder des Vorstandsrats, dem auch eine größere Zahl von Professoren der verschiedenen deutschen Hochschulen, sowie Vertteter der Akademien der Wissenschaften und der Bundesstaaten angehören, stimmten den Ausführungen des Grafen Zeppelin und des württembergischen Bertteters vollständig bei. Es wäre lebhaft zu wünschen, daß die vom Vorstandsrate des Deutschen Museums ausgesprochene Ansicht als das Urteil einer in erster Linie hierzu berufenen nationälen Körperschaft in wei­testen Kreisen Beachtung suchen möchte, damit Wissenschaft und Technik auch auf dem wichttgen Gebiete der Luftschiffahrt zu gemeinsamer Arbeit vereinigt werden, so daß Deutschland auch auf diesem Gebiete jene Ueberlegenheit erlangt, die es in anderen Zweigen der Technik gerade durch die Verbinchmg von Wissechchaft und Technik erreicht hat.

Die hessische Manzlage.

R. B. Darmstadt, 6. Okt.

In der Mittwochssitzung des Finanzausschusses der Zweiten Kammer gab Finanzminister Gnaulh über die Finanzlage Hessens eine außerordentlich wichtige Erklärung cb, die nicht verfehlen wird, überall im Lande einen tiefen I Eindruck zu machen. Der Minister führte darüber nach Offizieller Angabe aus:

Schon in der Sitzung der Zweiten Kammer der Land- 7ände vom 4. Januar d. I. habe der Finanzminister aus- geführt, daß es zur Erhaltung des Gleichgewichts ' der . prüfenden Einnahmen mit den steigenden laufenden Aus­gaben, zur stärkeren Verminderung der Staatsschuld unb mir Befriedigung begründeter Ansprüche aus den Kreisen : t?er Beamten, Lehrer und Hinterbliebenen von solchen auf Verbesserung ihrer Bezüge einer Erhöhung des Er- j tttag s der direkten /Steuern um 25 bis 3 0 o/o bedürfe. Dabei sei vorausgesetzt gewesen, daß die Reichs- ssmanzreform auch für die Finanzen der Bundesstaaten zu I bet erwünschten Lösung gebracht und die Rechnung des i Jahres 1908 für Hessen noch ohne Fehlbettag abschließen ttrd. Beide Voraussetzungen hätten sich nicht verwirklicht. Die Reichsfinanzreform habe auf der j einen Seite die Mattikularbeiträge verdoppelt und den An­teil der Bundesstaateft an der Reichserbschaftssteuer von einem'Drittel auf ein Viertel herabgesetzt, auf der anderen Seite aber durch Ablehnung der Vorlagen auf weitergehende Besteuerung der Erbschaften samt Einführung von Wehr- ftnter und Erbrecht des Fiskus den Bundesstaaten die Mög- l ichkett genommen, jene Mehrbellfftung in beiden Puntten .'wnahemd wieder zu decken aus ihrem neuen Anteil an I her erweiterten Heranziehung der Erbschaften. Die nunmehr abgeschlossene Rechnung des Staatshaushalts für 1908 aber I schließe ab mit einem in 1910 zu deckenden Fehlbetrag von über 500000 Mark.

Unter diesen Umständen werden im Hauptvoranschlag fdir 1910 allein schon die Herstellimg des Gleichgewichts unb die Sicherstellung einer besseren Schuldentilgung zu I einer Erhöhung der direkten Steuern zwingen, welche hinter dem im Januar d. I. geschätzten Betrag keinesfalls Kunück- £ bleiben, die Anforderungen weiterer Mittel öfter zur Auf- bessemng der Beamten usw. voraussichtlich nicht gestatten werde.

Der Finanzausschuß, dem diese Regierungserklärung ziemlich überraschend kam, faßte den Beschluß, in eine Er­örterung darüber erst nach Vervielfältigung der Kund^- ! gebung einzutreten. Er wird voraussichtlich schon in einer J der nächsten Sitzungen besonders zu dem Schlußsatz der Er­klärung, nach dem die Regierung die so viel angekündigte Revision der Beamtenbesoldung anscheinend weiter zu verschieden beabsichtigt, entschieden Stellung aehmen.

Der Ausschuß beschästtgte sich darauf eingehend mit t*em gestern beratenen Antrag Ulrich, bett, die Aus­dehnung der Gewerbeinspektion. Minister Braun wies darauf hin, daß im letzten Jahre in Hessen

f DieiMieArM tour wird wegen bei inlag vorgesehenen hier , deö Parieval-Gallons

Wenn Rührseligkeit gleichbedeutend mit Kunst Mtm stünde die selige Birch-Pfeiffer in ber beutschen Lite­ratur an erster Stelle und Alexander Bisson wäre einer ber größten Künstler unb Dichter aller Zeiten. Da bas aber ittcht der Fall ist, bleibt sein Schauspiel von ber fremden Frau nur ein geschickt gemachtes und äußerst wirkungsvolles, j a^er innerlich unwahres und unwahrscheinliches Stück, bei iemt empfindsamen Naturen mitleidige Tränen über ; feie Wangen laufen, denn die Mutterliebe feiert darin einen heiligen Triumph. Das vierjährige Kind des als Witwer zeltenden Staatsanwalts ^leurijt liegt auf den Tod krank. Das veranlaßt seine vor zwei Jahren mit einem Liebhaber entflohene Frau zur reuigen Mckkehr. After trotz seiner noch immer tiefen Liebe weist! ihr Gatte ihr die Türe, obwohl sie ihn nicht darüber im Unklaren läßt, daß sie dann ohne Mittel und ohne Halt im Leben steht unb obwohl sie ihm 120000 Franken in die Ehe gebracht hat. Sein bester Freund, ber Jacqueline ebenfalls liebt, ftimmt ihn zwar rasch um, aber trotz aller Mittel ist die Frau, obgleich sie kaum das Haus oerlassen hat, nirgends mehr gu finden; denn sonst wären die folgenden Auszüge nicht .. möglich 20 Jahre später kommt sie dann als Dimc mit einem mehrfach bestraften Gauner Laroque, in dessen Hände Wie in Brasilien zuletzt geraten war, nach Frankreich zurück. Als sie hört, daß Laroque mit zwei Freunden von ihrem Manne die Mitgift erpressen will, erschießt sie ihn, um ihre Schande von dem Sohn abzuhalten. Um nun einen hackenden Schluß herauszubekommen, läßt sie der Verfasser mährend der Untersuchung in unnahbares Sck)weigeu ver­sinken, und so geschieht es denn, daß chr Sohn, ein Rechts­anwalt, zu ihrem Verteidiger bestellt wird und feine erste Amtshandlung die Verteidigung seiner Mutter ist. Infolge Deiner herzlichen, eindringlichen Rede wird die Augellagte X «Der Titel:Die fremde Frau" ist schlecht übersetzt!) frei- ixesprochen, nachdem sie kurz zuvor erfahren hat, daß der Verteidiger il)r Sohn ist. Auch ihr Mann hat sie erst während der Sitzung, erkannt unb nach dem Urteil seinen Sohn unternd)tet. Das Wiedersehen hat die durch Opium, Lbsynth unb AussckWeisung verwüstete Frau berart erregt, daß sie einem Schlaganfall erliegt bevor sie ihrem Manne verzeihen konnte, f

Man sicht, BkIon kennt sein Publikum und weiß genau, was auf ber BiAne wirkt. So opfert er beim auch ruhig LULL L |<1 LI,LL, LL lliuu vvxu Li- | uuij **un*/ r)

bichkeiten aus^^tt den durch nichts begründeten esfett- rtollen unb f* alischen Schluß herbeizuführen. Das ist

UM IL topotbt? aud) aeteilt, pa x M zu vergeben.

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67 o/o aller Betriebe durch die Gewerbeiuspettiou kontrol­liert worden feien. Noch weiter zu gehen und dem An­trag entsprechend alljährlich alle betriebe einmal, in denen Beanstandungen Vorkommen, eben mehrmals zu inspizieren, halte er nicht für geboten. Es erscheine überflüssig, eine schematische Revision aller Betriebe erfolgen zu lassen. Tas würde auch durch Vermehrung ber Jnspektionsbeamten er­hebliche weitere Mittel erforbern, die bei ber jetzigen Finanz­lage nicht ausgewendet werben könnten. Einen ähnlichen Standpunkt vertraten auch die Abgeorbneten Dr. Osann, Brauer und *5)r. Weber, während ber Antragsteller auf feinem Standpunkt beharrte. Der Ausschuß beschloß mit allen gegen eine Stimme, "den Antrag für erledigt zu erklären.

Mit ber Regierungsvorlage, bett. Gelärrdeerwerb unb --Austausch für Institute ber Lanbesuniversität Gießen, worüber Abg. Brauer referierte, erklärte sich ber Ausschuß einberftanben.

Bezüglich bes Antrages Pagenstecher-Schmitt, bett, bie Gemeinbesteueru ber hessischen Beamten der Eisen­bahn gern einschaft gab Ministerialrat Süssert bie Erklä­rung ab, daß nach bent neuen preußischen Gemeindesteuer- gesetz bie Steuerfreiheit für bie preußischen Eisenbahn- beamten in allen Gemeinden aufgehoben worden sei, in ft en en bie Steuer nicht mehr als 125 Kroz. betrage. Nur in Gemeinben mit mehr als biefem Prozentsatz trete bie Eisenbabugemettrschaft ein unb auch in biefem Falle nur, soweit das reine Dienstgehalt in Betracht komme. Mit dieser Bestimmung falle auch der größte Teil ber Klagen der hessischen Eisenbahnbeamten fort; es komme wohl nur noch Offenbach mit mehr als 125 Proz. in Bettacht. Der Ausschuß wird sich in seiner morgigen Sitzung über den Antrag schlüssig machen.