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Nr. 106
General-Anzeiger für Oberhefsen
Freitag 7. Mai 1909
Rotationsdruck und Verlag der vrühNch« UniversilälS - Buch- und Steindruckerei.
R. Sangt, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: ey® 5L Redaktion:«^ 112. Tel.-AdruAnzergerGießen.
Die ^Siehener §amiNcnd!ättrr" werden dem e9biietgcv* vrerma! wöchentlich betgelcgt, baS „Krcisblatt sür de« Kreis Gießen" zwennal wöchentlich. Dre „randwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zwennal.
Dio verstärkte Geschäftsordnungskommission
des Reichstages faßte gestern in bezug auf den § 35 der Geschäftsordnung, der die Behandlung von Jnitiativ-An- trägen außer der Reihe betrifft, einen Beschluß im wesentlichen nach dem in der letzten Sitzung gestellten Anträge Müller-Meiningen-Junck. Ob die Berfassungsanträge (Verantwortlichkeit des Reichskanzlers) in der Kommission noch zur Verhandlung gestellt werden, wird davon abhängen, ob der Reichstag noch nach Pfingsten tagt, da einstweilen die Feststellung des Berichtes über den ersten Teil der Arbeiten der Kommission erhebliche Zeit beanspruchen wird.
Ausland.
Der neue deutsche Botschafter in Rout. Der Minister des Aeußeren Tittoui empfing gestern nachmittag den neuen deutschen Botschafter v. Iagow.
Ein Besuch des Königs Ferdinand in Petersburg steht für die zweite Hälfte des Mai bevor. Den äußeren Anlaß bietet die Enthüllung des Denkmals Kaiser Alexander III. vor dem Nikolaibahnhof. Ter bulgarische König wird dem Zaren seinen Dank ausdrücken, daß Rußland als erste Macht die Unabhängigkeit seines Landes und die neue Königswürde am-» erkannt hat.
Zwischen Rußland und Bulgarien ist ein neues Abkommen zustande gekommen. Dabei handelt es sich um! den Wunsch Rußlands, für die während der Okkupation Bulgariens nach dem letzten russisch-türkischen Kriege zur Unterhaltung der russischen Truppen aufgewandte Summe eine Entschädigung zu erhalten. Rußland begründet seine Ansprüche bannt, daß diese Okkupation nur im Interesse Bulgariens gelegen habe und forderte eine Entschädigung von 28 Millionär Franks. Bulgarien willigte ein, diese Summe in 28 Jahresraten zn zahlen.
In der Stadt und im Kreise Bialpstok wurde der außerordentliche Schutz durch den verstärkten Schutz ersetzt.
Der Verband Deutscher Zigarren-Ladeninhabcr (Sitz Hamburg) hat soeben einen offenen Brief an den Reichskanzler gerichtet. Darin heißt es u. a.: „Die Angehörigen des TabakgewerbeS müssen mit aller EntjchiÄwnheit dagegen protestieren, daß ihnen daraus ein Vorwurf gemacht wird, das Interesse ihres Gewerbes gegenüber der ihm droheirden, ungerechten Belastung zu verteidigen. Wir wollen dabei'darauf verzichten, Vergleiche zwischen der Agitation des Tabakgewerbes und der Agitation des Agraricr- tums zu ziehen, als deren Beschützer sich Ew. Durchlauckst als „agrarischer Reichskanzler" selbst gerühmt haben.
Die Angehörigen des Tabatzewerbes machen den Anspruch darauf, bei der Vertretung ihrer Jitteressen ebenso patriotisch zu ''handeln, wie jeder andere Bürger des Reiches. Sic wehren sich aber in ihrer Gesamtheit dagegen, daß man vielen Zehntausenden ihres Gewerbes einfach zu gunften der Gesamtheit des Volkes ihre Existenz nimmt. Es ist die höchste wirtschaftliche Ungerechtigkeit und eines modernen Staates unwürdig, wenn man von Angehörigen eines einzelnen Gewerbes fordert, ihre Existenz preis- zugcben, um1 dadurch andere Gesellschaftsklassen von der Beitragspflicht zu den Kosten des Reiches zu entlasten, die alle Bürger des Reiches je mich ihren Kräften haben.
Wenn eine höhere Belastung des Tabaks möglich wäre, indem man ohne Weiteres wie bei notu-endigen Konsumartikelu, z. B. Getreide, die höhere Belastung auf die Konsumenten abwälzen könnte, dann würden die Angehörigen der Tabakbranche kaum mit solcher Schärfe gegen die Neubelastturg des Tabaks prvte- sticren, sondern nur die üblichen prinzipiellen Entwände gegen die Besteuerung des Massenkonsums geltend mack)en. Der Tabak ist aber kein notwendiger Konsumartikel, sondern ein Genuß- mittel, dessen Verbrauch mit der Verteuerung desselben sofort zurück- geht. Dieser Verringerte Verbrauch an Tabak muß alsbald Zehntausende von Tabula rbeitern, Tauseu.de von Händlern und zahlreiche weniger kapitalkräftige Fabrikcntten existenzlos machen. Gegen das dadurch hereinbrechende grenzenlose Elend muß nnb wird sich das Tabakgewerbe mit aller Kraft rvehren und sich nicht durch mißbilligerrde Worte Ew. Durchlaucht aufhalten lassen."
Tendenziöse Entstellungen.
Die englischen Zeitungen können das Flunkern nicht lassen. Die „Times" hat ein Wiener Telegramm veröffentlicht, in dem beluuptet wird, daß in den Bestimmungen bezüglich des Besuches Kaiser Wilhelms in Wien ein plötzlicher Wechsel eingetreten sei, der seinen Grund in der angeblichen Besorgnis des deutschen Kaisers hätte, daß der ruhige Empfang, der ursprünglich geplant gewesen sei, die Wichtigkeit des Dienstes, den Deutschland während der Balkankrisis Oesterreich-Ungarn erwies, nicht genügend zum Ausdruck gebracht falben würde. Die „Politische Korrespondenz" wird von zuständiger Seite crmächttgt, zu erklären, daß diese offenkundig tendenziöse Nachricht eine krasse Entstellung der wirklichen Vorgänge ist, da gerade Kaiser Wilhelm nach der an ihn seitens des Kaisers ergangenen Einladung zu einem Besuch Schönbrunn als Ort der Begeanimp in Aussicht genommen hat und erst infolge des ausdrücklichen Wunsches des Kaisers Franz Josef die Reichs-, Haupt- und Residenzstadt zum Sckumplatz einer Zusammenkunft der beiden Monarchen gewählt worden ist.
England und die serbischen Königsmörder.
Als König Peter von Serbien bei seinem Regierungsantritt sich von den Mördern des Königs Alexander nicht trennen wollte, brach England bekanntlich die diplomatischen Beziehungen zum serbischen Hofe ab. Inzwischen hat sich ein Modus vivendi wieder eingestellt, und der englische Gesandte ist wieder in Belgrad tätig. In der gestrigen Sitzung des englischen Unterhauses wies nun der Liberale Dottomleß darauf hin, daß drei serbische Offiziere, die er namentlich bezeichnete, und die an dern Königsmord beteiligt gelvesen seien, jetzt Adjutanten König Peters seien: er richtete an den Minister des Äeußern die Anfrage, ob
poiitifebe Tttgessedarr.
Der Reichskanzler und die Konservativen.
Die „Nordd. Alla. £tg." schreibt: In iljrer Betrachtung über den Stand der Reichssmanzreform greift die „Konservative Korrespondenz" auf die Reichstagsverhandlungen vom Jahre 1906 zurück. Als damals ein Teil der Konservativen dem Erbschafts- fteuergesetz zustimmte, fei es geschehen im Vertrauen auf die feierlichen Erklärungen des Fürsten Bülow und des Frhrn. von Rheinbaben, daß diese Steuer ^niemals auf Kinder und Ehegatten ausgedehnt werden würde. Solche Erklärungen sind nicht ab» gegeben worden. Der Reichskanzler hat bei den damaligen Ver- handlimgen lediglich seine Bedenken gegen die Erbschaftssteuer überfaniyt entwickelt, um zu beweisen, daß die verbündeten Regierungen an diesen Bedenken nicht achtlos und leichtsinnig vor beigegangen sind. Der preußische Finanzminister Hot bei jenen1 Beratungen zwar seine Gegnerschaft gegen die von dem Abgeordneten Fritzen-Zentrum als möglich behandelten Deszendenten- steucr bekundet, aber keineswegs ein bindendes Versprechen gegen diese Steuer abgegeben. Unrichtig ist auch die Darstellung, als würdige die Reichsregierung nicht in sachlicher Weise die konservativen Einwände gegen die Nachlaßsteuer und die Erbanfall- steuer. Wenn der Reichskanzler an der Erweiterung der Erb- schoftsbestenerung festhält, so geschieht dies nicht aus Gegnerschaft gegen die konservative Partei, sondern, wie er am 20. Zlpril aus- geführt hat, in der ©Wägung, daß der Besitz nach fast allgemeiner Uebereinstimmung in der Höhe des aus der Rachlaßsteucr veranschlagten Betrages an den neuen Steuern beteiligt sein muß und eine andere gerechte, zweckmäßige und gleich ertragreiche Besitzsteuer mit besserer Aussicht auf Annahme im Reichstag zur Zeit nicht vorgeschlagen werden Tann. Auch hat sich der Reichskanzler gegenüber den konservativen Vorschlägen in der Finanz- konrmission nicht ablehnend verhalten, vielmehr die Wertzuwachssteuer auf den Grundbesitz durch den Mund des Reichsschatzsekretärs als wohl erwägenswert bezeichnen und die Ausarbeitung eines entsprechenden Gesetzentwurfes zusagen lassen. Als Ersatz für die Deszendentenbesteuerung kann der konservative Vorschlag deshalb nicht in Betracht kommen, weil ein ausreichender Betrag aus dieser Quelle nicht zu gewinnen ist. Weiter muß die Auffassung als falsch bezeichnet werden, als richte die Reichsregierung die Aufmerksamkeit allein auf die Bekämpfung der ablehnenden Haltung der Konservativen in der Frage der Erbschaftssteuer. Der Reichskanzler hat vielmehr nie Zweifel darüber gelassen, daß er das Aufkommen von 400 Millionen Mark aus indirekten Steuern als eine ebenso notwendige Basis für die Reichsfinanzrefvrm betrachte wie die angemessene Besteuerung des Besitzes.
Sitznttg der Stadtverordneten.
Gießen, 6. Mai.
Anwesend: Oberbürgermeister Mecum: der Beigeordnete Keller: die Stadtverordneten: Dr. Biermer, Brück, Dr. Ebes, Eichenauer, Emmelius, Faber, Grünewald, Habenicht, Dr. Haberkorn, Heichelheim, Helfrich, Helnt, H,Uhn, Jann, Leib, Löber, Loos, Orbig, Plank, Simon, Troß, Wallenfels, D. Wimmenäuer.
Mitteilungen.
Eine Eingabe des Bürgervereins und des Ortsgewerbevereins wegen Aenderung der städtischen Submissionsbedtngungen geht zunächst an den zuständigen Ausschuß.
Die 31/2 Millionen-Anleihe ist vom Kreisamt genehmigt worden und die noch ausstehende Genehmigung zur Ausgabe von Jnhaberpapieren wird voraussichtlich in den nächsten Tagen ein- treffen. Die Ausschreibung der Anleihe soll dann sofort erfolgen.
Die elektrische Straßenbahn.
Der landespolizeiliche P r ü f u n g s t e r m i n für die elektrische Bahn ist auf nächsten Montag vormittag 10'st Uhr im^Bürger- meistereigebäude anberaumt; der Vorsitzende ladet die Stadtverordneten dazu ein. Die Konzessionsurkunde, die ähnlich wie die der Wormser Sttaßenbahn ist, ist in Vorbereituitg, so daß auf ihre baldige Vollziehung zu recfaien ist. Wegen der Anbringung von Rosetten an den Häusern hat die Bürgermeisterei ein Anschreiben nebst Vertragsentwurf an die beteiligten Hausbesitzer gerichtet. Die Verttagsbestimmung, daß die Verpflichtung für die Rosettenanbringung auch für den Rechtsnachfolger eingegangen werden solle, befand sich seinerzeit aud> in den Verträgen wegen der elektrischen Sttaßenbeleuchtung und wurde damals von fast allen Beteiligten anstandslos genehmigt. Mau hatte nach den Ausführungen des Vorsitzenden erwartet, daß dies auch jetzt geschehen werde, jedoch sei dies nicht der Fall. Der Hausbesitzerverein habe beschlossen, seinen Mitgliedern zu empfehlen, die Verpflichtung nur für die Tauer ihres Eigentums zu übernehmen. Damit könne man in den engen Straßen in die größte Ver- legenlj-eit kommen, denn wenn der Rechtsnachfolger aus irgend einem Anlaß kündige, müßten die Rosetten sofort entfernt werden und es bleibe nur noch das Enteignungsverfahren, um die Rosetten an den. Häusern zu behalten und den Bahnbetrieb aufrecht zu erhalten, da in den engen Straßen die Aufstellung von Masten aus Verkehrsgründen nicht angängig sei. Durch die Masten werde übrigens die Bahn bedeutend teurer, da ein Mast 100 Mk. mehr koste wie eine Rosette.
Stadtv, Grünewald pflichtet diesen Ausführungen bei. Er habe nicht geglaubt, daß es in, Gießen so viele kurzsichtige Leute gebe, die durch die Erlmibniserteilung auch für ihre Rechtsnachfolger eine Entwertung ihrer Grundstücke befürchteten. Es müsse eine dingliche Belastung sein, da sonst jeder Querkopf die Stadt nach einigen Jahren schikanieren könne. Man solle heute einstimmig beschließen, daß die Sache unbedingt sv gemacht werden müsse, vielleichr unter Streichung des Satzes „nach dem Ermessen der Bürgermeisterei" in dem Vertragsentwurf.
Stadtv. Löber meint, die Leitte hätten sich wohl daran; gestoßen, daß sie die Bedingmig auch sür ihren Rechtsnachfolger eingehen sollten. Die Bahn werde auf einstimmigen Wunsch der Bürgerschaft gebaut, deshalb sollten jetzt die Hausbesitzer and) die Erlaubnis zur Rosettenanbringung erteilen.
Stadtv. Eichenauer meint, die Befürchtungen seien hinfällig, daß durch die Rosettenanbringung eine dauernde Entwertung der Häuser eintreten könne. Eher sei durch den Bau der Bahn eine Wertsteigerung zu erwarten. Er appelliere an die gesamte Einwohnerschaft, dem Unternehmen keine unnötigen Hindernisse in den Weg zu legen.
Stadtv. Troß meint, ein Teil der Aufregung rühre daher, daß in dem Vertrag teilweise etwas anderes stehe, wie in dem Anschreiben. Letzteres spreche bloß von Rosetten, ersterer von Einrichttmgen. Zum anderen habe die Aufregung darin ihren.
Deutsches Rereb.
Kaiser Wilhelm soll, wie in St. Petersburger diplomatischen Kreisen verlautet, die Absicht haben, dem Zaren in nächster Zeit einen Besuch abzustatten. Die Meldung ist bis jetzt noch unbestätigt.
Kündigung des deutsch-amerikanischen Handelsabkommens. Die „sliordd. Mlg. Ztg." schreibt: Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika hat dem Kaiserlichen Botschafter am 30. April amtlich mitgeteilt, daß sie durch das noch in Beratung begriffene neue Zolltarisgesetz genötigt sein werde, das auf Grund des amerikauisclten Tarifgesetzes vom 24. Juli 1897 abgeschlossene Handelsabkommen außer Wirksamkeit zu setzen. Demgemäß beabsichtige sie, das deutsch-amerikanische Handelsabkommen vom 22. April/2. Mai 1907 zu kündigen. Die formelle Kündigung wird voraussichtlich erst nach dem Zustandekommen des neuen Zolltarifgesetzes erfolgen.
Todesfall. In der Nacht vom 5. zum 6. Mai starb das bn Jahre 1880 eingetretene Herrenhausmitglied Oberforst- meister v. Al vensleben im 85. Lebensjahre in Potsdam.
Tie Stadtverordnetenversammlung von Saarbrücke n hat einstimmig den ersten Beigeordneten Emil Man- avld-Tüsseldorf zum ersten Bürgermeister der Großstadt Saarbrücken gewählt.
int Hinblick auf das Abkommen, das seinerzeit zur Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und Serbien geführt hätte, Voxsorge getroffen sei, daß der englische Gesandte in Belgrad in seiner dienstlichen Eigenschaft nicht mit diesen Leuten in persönliche Berührung zu kommen brauche. Sir Edward Grey erwiderte, daß ihm mit Bezug auf die genannten Offiziere nichts bekannt sei, und daß die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und Serbien ihr Gutes gehabt habe: er schlage deshalb vor, nicht unnötigerweise von neuem diese Frage in Erörterung zu bringen.
255. Sitzung, Donnerstag, den 6. Mak..
Am Tische be§ Bundesrats: Kühn.
Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Minuten.
Tic Umsatzsteuer für Großmühlen.
Auf der Tagesordnung stehl der Antrag des Abg. Speck fZentt.) auf Einführung einer st a f f e l fö r m i g e n Umsatz, steuer für Großmühlen.
Er fordert eine Vorlage, welche für größere Mühlen zum Schutze der kleinen und mittleren unabhängig von der einzel- staatlichen Besteuerung eine Reichs st euer einführt, die das jährliche Vermahlung-Quantum mit einer steigenden Abgabe belegt.
Abg. Speck (Zentr.)
begründet den Antrag. Dem Aufsaugungsprozeß, dem die jf le inen und mittleren Mühlen von feiten der Großmühlen ausgesetzt sind, muß Einhalt getan werden, denn auch die kleinen Mühlen sind wichtige Glieder unseres Wirtschaftslebens. Unsere ÄottSernahrung ist gefährdet; denn wenn die Grohinüller erst einen Ring bilden, dann diltieren sie nicht nur der Landwirtschaft; sondern auch dem brotessenden Volke die Prehe. Einem solchen M e h l r i n g würde sehr schwer beizukommen sein. Der Redner verweist auf die Mühlenwerke in Mannheim und Ludwigs. Hafen. Durch den Zolltarif haben wir die Landwirtschaft ein gutes Stück vorwärts gebracht. Wir dürfen sie jetzt der Weber- macht der Großmühlen nicht ausliefern. Hoffentlich stimmt die Regierung unserem Anträge zu. Treiben wir eine vorbeugende Politik, lauen wir es erst gar nicht zu einem Mül'lenringe kommen. Das Erträgnis der Steuer wird den Einzelstaaten sehr willkommen sein.
Auf Vorschlag deS Dbg. Dr. Rocsicke (Kons.) wird ein An. trag seiner Partei, der ebenfalls im Interesse des Mittelstandes eine Mühlenumsatzsteuer fordert, mit zur Debatte gestellt.
Abg. Dr. Rocsicke (Kons.):
DaS Großkapital versucht, sich auf Kosten der kleinen Existenzen zu bereichern. Tas ist eine Art F a u st r e ch r. der Weg zum Trust, der gerade auf dem Gebiete der Nahrungsstoffe überaus gefährlich ist. Wir wollen das Großkapital nicht prinzipiell ausschalten vom Mühlengcwerbe. Nur gegen die schweren Mißstände nehmen wir Stellung, ge-en das Bestreben, <11 .-er» stören, ohne Erfüllung eines Bedürfnisses. Nehmen Sie die, beiden Anträge an; denn die kleinen Mühlen sind dem Inlands dienlicher als die großen, die sehr viel Getreide aus dem Aus-! lande herbeiziehen. Die Errichtung neuer Großmühlen und dies Erweiterung bestehender muß erschwert werden, dann werden die Kleinmühlen wieder Luft bekommen.
Abg. Neuner (Natl.):
Für meine Partei steht gleichfalls fest, daß die deutschen. Binnenmühlen sich in einer Notlage befinden, und daß ohne ftaafa liebe Hilfe die Gefahr der Aufsaugung besteht. Die Hufe kann durchgreifend aber nur das Reich gewähren. Die Frage muß jedoch eingehend geprüft werden; daher beantrage ich, beide An- träge einer Kommission zu überweisen. Die Kommission kann neben der Umsatzsteuer auch andere Maßregeln, um den Klagen der Müller abzuhelfen, in da§ Bereich ihrer Beratung ziehen.
Direktor im Reichsschatzamt Kühn teilt daS Ergebnis einer Statistik mit, die das Reichsschatzamt über die Lage des deutschen Mullereigewerbes aufgenommen hat. Bei den ganz kleinen Mühlen mußte ein Rückgang um 5536 Betriebe ober um 11,8 Prozent, bei den mittelgroßen Mühlen ein solcher um 123 Betriebe ober um 3,2 Proz. konstatiert werben. (Hört! Hört!) Die großen Mühlen haben sich um 101 Betriebe ober um 51,4 Prozent vermehrt, bie ganz großen sogar um 25 ober 119 Proz. lLebh. Hort! Hört!) Zu ber Anregung, die bet Antrag SpecS gibt, hat bie Regierung noch nicht Stellung genommen, so daß ich eine bestimmte Erklärung noch nicht abgeben kann.
Bayerischer Bundesratsbevollmächtigter Ritter v. Burkhardt:
Wenn es möglich sein sollte, durch eine Reichssteuer dem Mittelstand im Müllereigewerbe -u helfen, ohne in das Etatrecht der Einzelstaaten einzugreifen, so würde die bayerische Staatsregierung gegen eine solche Steuer nichts einzuwenden haben.
Abg. Kaempf (Fr. Vp.)
spricht sich aus verfaffungsmäßigen Bedenken und aus Wirtschaft, lichen Gründen gegen den Antrag Speck aus. Die Mühlenumsatzsteuer wird den Mittelstand ebenso wenig helfen, wie die Warcn- haussteuer cs getan hat. Wir lehnen überhaupt jede Umsatzsteuer tt>. Eine Steuer darf immer nur den Ertrag treffen, niemals den Umsatz, der kein Beweis für einen Ertrag ist. Sämtliche Handelskammern haben sich denn auch gegen eine Mühlcn- umsatzsteuer ausgesprochen. Sie würde nur das Brot verteuern. Sorgen Sie dafür, daß der Mittelstand billige Nahrungsmittel bat, daun helfen sie ihm am besten.
Abg. Frhr. von Gamp (Rp.):
Die Erhaltung der kleinen Mühlen ist die notwendige Vor- russetzung für billiges Brot. Würden die kleinen Mühlen cingehcn, so würde der kleine Landwirt geschädigt lverden, denn er müßte dann dem Händler einen Zwischenprofit zahlen. Wir wollen die Fortschritte der Technik durchaus nicht hemmen. Wir begrüßen die Entwicklung der Industrie. Aber hier liegen die Dinge doch anders. Tie Interessen ber V 0 lkser. Nahrung sind doch wichtiger als bie einer Handvoll von Groß, betrüben. Deshalb werden wir den Anträgen zustirnmen. Wünschenswert ist weiteres Materral über diese Sache.
Abg. Stauffer (Wirtsch. Vg.)
tritt für den Antrag Speck ein, um dem rücksichtslosen Kampf der Großmühlen entgegenzuwirken.
Hierauf vertagt sich das HauS.
Präsident Graf Stolberg
schlägt vor, die nächste Sitzung Dienstag 2 Uhr abzuhalten
Abg. Baflennann (Natl.):
TS haben zwischen den verschiedenen Frattionen Besprechungen stattgefunden, und man hat sich darauf geeinigt, die nächste Sitzung erst Mittwoch abzuhalteu. Tie Voraussetzung dafür ist, daß das Plenum dann während des ganzen Restes der nächsten Woche und auch die übernächste Woche zusammcnbleibt.
Abg. Frhr. von Gamp (Rp.):
Ich will mich dem Vorschläge des Abg. Bafsermann an. schließen, meinerseits aber dagegen Verwahrung einigen, daß mit ter Annahme dieses Antrages gleichzeitig ber Wunsch auSge- prochen wird, die nächste Woche und bis in die übernächste Woche hinein im Plenum zu arbeiten. Tas wird davon abhängig sein, vie sich die Arbeit in der Finanzkommission gestaltet.
Abg. Singer (Soz.):
Ich kann erklären, daß die Voraussetzung für die Annahme beS Antrags Bafsermann bei uns bie ist, daß dann die ganze nächste Woche und am Montag und Dienstag der übernächsten Woche das Plenum zusammenbleibt.
Das Haus beschließt, die nächste Sitzung abzuhalten Mitt« voch 2 Uhr (Fortsetzung der heutigen Beratung).
Schluß 6 Uhr.
Zweites Blatt 159. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag». Y ▲ ▲ ▲ ▲ ▲ J aa
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