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7.6.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 130

Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme deS ConntagS.

General-Anzeiger für Gderhefien

150. Jahrgang

Die«lehener Zamilien^lütter*' werden dem .Anzeiger" viermal machen tich beiyelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sichen'' 6roetmal wöchentlich. Dielandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Montag 7. Juni 1909

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schea Umversiläts - Buch- und Stemdruckerei.

R. Lange, Dreßen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: eqja)5L Redaktion.e-^llZ. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen«

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politifc^e Tagesschau.

Stapellauf des Kreuzers Köln.

Auf der Germaniawerft in K'iel erfolgte am Samstag nachmittag um 4 Uhr in Gegenwart des Prinzen Heinrich von Preußen sowie in Anwesenheit von Vertretern der Ma­rine und der städtischen Behörden von Kiel und Köln der Stapellauf des KreuzersErsatz Schwalbe". Oberbürger­meister Wallraf aus Köln taufte das Schiff auf den Namen >,Köln". Die Herren aus Köln waren für den Abend von -Vizeadmiral Breusing, der den Staatssekretär v. Tirpitz .vertritt, zum Diner geladen.

Die preußische Ostmarkenpolitik.

T-er Reichstagsabgeordnete Woelzl veröffentlicht in den Münchener Neuesten Nachrichten" einen Artikel über seine Studienfahrt in der Ostmark, an der er teilgenommeu hat, lund schreibt darin:Tie Ansiedelungspoliti! selbst ist eine innere Angelegenheit des preußischen Bundesstaates. Aber- Ium den Kampf um das nationale Volkstum erfolgreich durchzukämpfen, bedarf Preußen der moralischen Unterstützung des ganzen deutschen Volkes. Daß Preußen diese moralische Unterstützung braucht, daß es sie verdient, das ist der stärkste Einoruck und die wichtigste politische Erfahrung, die wir von unserer -Ostmarkenfahrt heimgenommen l)aben." Wenn es an dieser moralischen Unteustützung bisher noch vielfach gefehlt hat, so liegt es daran, daß die eigenartigen Verhältnisse der Ostmarken noch nicht überall genügend bekannt sind.

Hauptversammlung des Vaterländischen Franenverems.

Am zweiten Tage der Verhandlungen des Vaterländischen Frauenverein in Berlin, am 5. Juni, war auch die Kaiserin erschienen, die in Begleitung der Prinzessin Heinrich kam. Der Vorsitzende Staatsminister a. D. v. Moeller begrüßte die hohen Gäste und die Delegierten und erteilte das Wort Frau Verg- hauptmann Krümmer (Klausthal), die die Entwickelung und die Ziele des 'Vaterländischen Frauen-Bereins für den Ober­harz darlegte. Regierungsrat v. Bels en (Magdeburg) re­ferierte dann über dieHilfsaktiondes Frauen Vereins anläßlich der Ueberschwemmung in der Alt mark. Er betonte, daß bei der Verteilung der Liebesgaben allgemein eine gewisse Vorsicht herrschen müsse, uni nicht einzelne all^u- reichlich zu bedenken unb andere leer ausgehen zu lassen. Vielfach habe sich bei den Liebesgaben gezeigt, daß sie überhaupt nicht zur Verwendung gelangen konnten. Lo seien 25 Zentner Liebes­gaben, bestehend aus Gesellschaftstoiletten, leichten Sommer- Neidern und verdorbenen Lebensmitteln überhaupt nicht zur Ver­teilung gelangt. lieber die Tätigkeit des Zweigvereins Wies­baden zur Bekämpfung des Notstandes im Hoch w a s s c r g e b i e t e des gleichen Regierungsbezirks berichtete Oberst leutnant a. T. Wilhelm i. Dem Komitee standen 130 000 Mark zur Verfügung, während der Schaden sich auf 300 000 Mark belief. Redner bat um weitere Gaben, .um die Entschädigungs- quotc erhöhen zu können. lieber die Tätigkeit der Vaterländischen Frauenvereine in Hannover sprach Regierungsrat Kleine (Han­novers Dieser Zweigverein hat sich namentlich mit der- Auf­stellung eines Planes für das Rote Kreuz im Kriegsfälle be- säzästigt. In der Nähe von Lüneburg soll ein Kinder-Erholungs­heim erstehen. Nach der Erledigung der Tagesordnung schloß der Vorsitzende die Delegiertenversammlung mit einem Dank an ixte Kaiserin und die Redner.

Skandalszenen in der Duma.

Gegen Schluß der Abendsitzung der R e i ch s d u m a am Sams­tag kam es gelegentlich der Weiterberatung des Gesetzes über den Religionswechsel zu tumultuarischen Auftritten. Ter der extremen Rechten angehörige Bischof Eulogius hatte heftig gegen den Ka­detten Karaulow polemisiert, weil dieser behauptete, im Bistum des Bischofs Eulogius sei die orthodoxe Kirche durch Peitschen verbreitet worden. Sogar Mütter mit Säuglingen an der Brust seien von Dragonern gepeitscht worden in der Absicht, den ortho­doxen Glauben zu verbreiten. Der Bischof Eulogius nannte diese Behauptungen Fälschungen der Wahrheit und rief den Kadetten zu: Schämt Euch!" Tics zog ihm einen Ordnungsruf seitens des Vizepräsidenten Meyendorff zu. Hierauf entstand auf der rechten Seite des Hauses großer Lärm. Es ertönten Rufe:Werft den Deutschen hinaus! Deutsche Fratze!" usw. Der Vizepräsident, der sich vergeblich bemühte, die Ruhe wieder herzustellen, hob hierauf die Sitzung aus. In der heutigen Nachmittagssitzung erteilte der Präsident Chomjakow dem ganzen Hausewegen der in der Geschichte der dritten Duma unerhörten Skandale" eine ernste Rüge.

Deutscher Resch.

Landtagsersatzwahl. Nach einer Meldung derWies­badener Zeitung" aus Diez beschloß die Vertrauens- und Wahl­männerversammlung der nattonalliberalen Parker am Sonntag anstelle des zurückgekretenen Dr. Heydtw eifer den Amts- qerichtsrat Dr L i c b e r als Landtags-Kandidaten für den vierten Wahlbezirk Wiesbaden (Unterlahnkreis) aufzustellen

Todesfälle. Prof. D r. Sepp, der 1848 Mrtalred des Frankfurter Parlaments, 1808 Mitglied des deutschen Zvll- varlaments und 1870 Müglied der bayerischen Abgeordneten- kammer war, ist, wie dieMünchener Neuesten Nachrrchten" melden, am Sarnstag in München 92 Jahre alt gestorben Wie dasNeue Tageblatt" meldet^ilt der Württemberg ncheBundes- ratsb vollrnächtigte, Staatsrat v. Schicker, Samstag nachmittag nach schwerem Leiden in Stuttgart gestorben.

Mecklenburgische Versa,lung. Demnächst werden die Bespreelnrngen über die Einführung einer Verfassung rn den beiden Mecklenburgisclien Großherzogtümern wiederaufgenommen. Die kommissarisch-deputattschen Verhandlungen beginnen in Schwerin am 25. August. n. , . .

Die abgehauene Hand. Der Arbeiter Biewald, dem Bet den Krawallen in Breslau ein noch immer nicht ermittelter Schutzmann am 19. April 1906 eine Hand ab gehauen hatte, erhält nun endlich nach dreijährigem Prozest die erstrittene Rente pon der Stadt Breslau und zwar 144 Mark Pro Vierteljahr. Der Magistrat erklärte, daß er gegen die Entscheidung des Land Berichts über die Höhe der Rente Berufung nicht eingelegt habe, da er die Entscheidung im Wesentlichen für richtig halte. Dagegen halte er das Gesamtergebnis des Prozeßes mr unbesriedigend mid er werde durch eine an den preußischen Landtag zu richtende Petition eine Aenderung der Gesetzgebung herbeizunihren suchen.

Aussperrung. In Hamburg find alle Maurer, Zim­merer und Handlanger nach der Lohnzahlung am Sonnabend ausgesperrt worden.

Ausland.

Die Taufe der neugeborenen Prinzessin der Nieder­lande hat am Samstag in der Haager Wilhelmskirche statt- gefunden. _ lYn. ,.z

Zarenbesuch. Fallier es teilte am ^amstag im Minister­rate mit, der Kaiser von Rußland werde den Besuch, den. er im

letzten Jahre in Reval gemacht habe, erwidern und am 31. Juli in Cherbourg eintreffen, um zwei Tage daselbst zu verweilen. Am 2. August reise der Kaiser nach Cowes, wo er mit dem König von England zusammentreffe.

Ter erste Seehafen des Kontinents. In Ant­werpen wurde am 6. Juni im Beisein des Königs der Belgier, der Prinzessin Clementine und mehrerer Minister die Angliede­rung des >1 o n g o st a a t e s an Belgien festlich begangen. In einer Ansprache feierte der Präsident der Handelskammer den König Leopold als Schöpfer der Kolonien, worauf der König in seiner Dankrede ine Hoffnung aussprach, daß der Hafeki von Antwerpen zum ersten des Kontinents cmvorblüben werde. König Leopold hat, wie es scheint, keineswegs zu viel mit dieser Hoffnung ver­sprochen. Unsere deutschen Agrarier tun wenigstens alles, was nur möglich ist, König Leopold in seinen Plänen zu unterstützen.

Prinz Georg von Serbien äußerte zu seiner Um­gebung, er wünsche nach Japan zu reisen, um die japanische Armee und deren Einrichtungen eingehend zu studieren.

K r c t o. Ghazi Mukdar-Pascha, der mit der türkischen Sonder- gesandschafk zur Notifizierung der Thronbesteigung des Sultans in Wien weilt, erklärte, eine Abtretung Kretas sei ganz ausge- schlossen; darüber seien in der Türkei alle einig.

Muhamedaner und Christen. Wie verlautet, herrscht unter den Truppen des vierten türkischen Armeekorps eine Be­wegung gegen d i e E i n s ü h r u n g der Militärpflicht für C h r i st e n. Die Mannschaften erklärten, lieber die doppelte Dienstzeit absolvieren zu wollen, usw. Ungläubige in die Armee ausgenommen würden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 7. Juni 1909.

"'Auszeichnungen. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog hat am 2. Juni d. Js. dem Rat bei der Provinzialdirektion Starkenburg und Kammerherrn, RegierungSrat Adalbert Frei- Herrn d. Starck zu Darmstadt, die Erlaubnis zur Annahme nnd zum Tragen des ihm von Sr. K. Hoh. dem Großherzog von Baden verliehenen Kommandeurkreuzes 2. Klasse deS Ordens vom Zähringer Löwen erteilt. Se. Kgl. H. der Großherzog hat am 26. Mai d. I» dem Vorarbeiter Nikolaus Mark! off von Laubenheim, in Diensten der Firma Chr. Ad. Kupferberg zu Mainz, das Band des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen zu dem ihm bereits verliehenen Allgemeinen Ehren­zeichen mit der InschriftFür treue Arbeit" zum 5. Juni 1909 verliehen.

* Das Personal-Verzeichnis der Technischen Hochschule zu Darmstadt für das Sommerhalbjahr 1909 ist soeben erschienen. Darnach hat die Zahl der Studierenden ohneGäste" gegen das Wintersemester um 99 abgenommen. Es waren 1326 im Winterhalbjahr und sind 1227 in diesem Semester. Die Gesamtzahl ist 1334 gegen 1539 im vorigen Semester.

" P o st p e r s o n a l i e n. Bestanden hat die Postassistenten- Prüfung der Postgehille Klein in F r i e d b e r g. Etatsmäßig angestellt ist die Telegraphengehilsin Fischer in Gießen. An- aenoimnen sind als Telegraphengehilfinnen : Rosine L e h r und Elljabelh Weber in Gießen; als Postagent: Posthilfsstellen­inhaber Schöck in G a r b e n t e l ch.

** Genossenschaftswesen. Dem Verband süd­deutscher Konsumvereine gehörten am Schluß seines 43. Ge­schäftsjahres 243 Konsumvereine an, gegen das vorige Jahr 35 Vereine mehr. Tie Zahl der Mitglieder betrug am 31. De­zember 1908 198 261, 22 239 mehr als im Jahre 1907. Der Gesamtumsatz betrug 1908 54 657 202 Mk. (1907 48 003 747 Mark). Die Erübrigung betrug 3 704 806 Mk. (1907 3 432 413 Mark), davon wurden an die Mitglieder 3 363 433 Mk. rück­vergütet (1907 3 071 263 Mk.), während 241 360 Mk. den Re­serven und anderen Fonds überwiesen und' 52 418 Mk. auf neue Rechnung vorgetragen wurden. Bon 42 Vereinen wird Eigenproduktion betrieben mit einem Verkaufserlös von 6 659 299 Mk. (1907 40 Vereine mit 5 400520 Mk.). Wie diese Zahlen ergeben, schreitet die Entwicklung der Konsumvereine stetig voran.

** Kolosseum. Das erste Auftreten bes Einakter- Ensembles Raab, das am Samstag stattfand, brachte der ausgezeichneten Truppe einen vollen, redlich verdienten Er­folg. Den größten Anteil daran hatte Direktor R. Raab selbst, der nicht nur ein tüchtiger Leiter, sondern auch ein hervorragender Darsteller ist, der über ein ebenso starkes mimisches Talent wie über einen ausgezeichnet pointierten Vortrng verfügt. Zudem ist er noch der geschickte Verfasser der zur Aufführung gekommenen Einakter, die allesamt laute Heiterkeit und stürmischen Beifall hervorriefen. So die humorvolle, burleske Xanthippenkur, der drollig­liebenswürdige Blaubart a. D. und das bürgerliche Charakterstück Der kleine Hobel mann. In ihnen allen leistete Direktor R. Raab ganz hervorragendes, treff» lich unterstützt von Frau Else Raab, Jos. Förster, Hans Immer, Constanze Mila u. a. Auch die sonstigen Darbietungen waren recht gut. Constanze Mila, die über ein sehr schönes Organ verfügt, erregte als gescheerte Bauernmagd stürmische Heiterkeit und fand auch als Bettel­dirn sehr viel Anerkennung. Jos. Förster, dessen nach­denkliche Betrachtungen über die Zigarren und die Frauen außerordentlich beifällig ausgenommen wurden, stellte auch als Humorist seinen Mann und wurde lebhaft beklatscht. Sehr hübsch war auch das humoristische Duett Raab-Edel­weiß, das sehr freundlich ausgenommen wurde. Hans Immer brachte als bayerischer Bauer sehr hübsche Bor­träge und hatte namentlich mit der Pantomine Der Bauer im Theater einen außerordentlichen Erfolg. Biel Bei­fall fand auch Z e g a l i, die liebliche Sängerin, die in den Futzstapfen Man de Wirths wandelt und sich zum Schluß als schneidiger junger Mann entpuppte. Sämtliche Bor­träge wurden von Fritz Köllme r am Klavier sehr gut begleitet. Auch die Tamen--Kapelle Lhra I, die bei gutem Wetter im Garten spielt, findet mit ihren sehr schönen und guten Darbietungen viel Beifall und starken Besuch.

** F. v. Possart. Tas Programm des F. v. Possart- Abeuds ist jetzt endgültig festgelegt worden. Ter erste Teil wird ein längeres, episches Gedicht von großer dramatischer Wirkung bringen.Deutsches Recht" (Die Braut von Steyr), ein mittelalterlicher Bolkssang aus Stadt Steyr in vier Mteilrrngen, von Enrica Handel-HRazettt. Der Name der Baronin Handel-Mazetti ist bekannt geworden durch die DichtungJesse und Maria", die seinerzeit großes Auf­sehen erregte. Die Verfasserin hat die Dichtung, die Pos- jart in letzter Zeit in allen großen Städten Deutschlands

(Berlin, Dresden, Münck)en, Leipzig usw.) mit cmßerordentx licyem Erfolg vorgetragen hat, in der neuen Auflage Pvs- fart gewidmet und ihm das ausschließliche Bortraasrecht bis 1911 eingeräumt. Der zweite Teil wiro ausschließliche Dichtungen von W. Busch bringen, unter anderm auch ver­schiedenes aus seinem letzterschienenen Werke (Zu guter Letzt,"Kritik des Herzens," usw.).

"Die Sie nographen -GesellschaftBabels­berger" beging die Feier ihres 12jährigen Bestehens am 5. d. Mts. durch einen Kommers im Saale deS Hotel Ein­horn. Der Vorsitzende, Kreisamtsgehilfe Lenz, begrüßte die Gäste und verband bmflit einen kurzen Rückblick aus die Vereinsgeschichte, aus dem heroorgehoben sei, daß die Gesell­schaft am 31. Mai 1897 mit 4 Mitgliedern gegründet wtirde, zur Zeit aber deren 139 zählt. Für die Gäste sprach Herr Sekretär Loh, Vorsitzender des hiesigen Vereins. Konzert und humoristische Vorträge sorgten für die Unterhaltung. Der Sonntag vereinte dann Gäste und Mitglieder nut Familien auf dem Windhof.

" Ihren 96. Geburtstag feierte gestern in seltener Rüstigkeit Frau Eva Bremer Witwe, die wohl unsere älteste Mitbürgerin sein dürfte. Während der Feierlichkeit erfreute die alte Dame ihre zahlreich erschienene Verwandtschaft mit einigen fröhlichen Liedern, darunter sogar einigen französischen.

* Jubiläum. Der Schuhmacher Heinrich Volz feiert am 9. Juni d. I. fein 25jähriges Dienstjubiläum bei Firma Ehr. Weeg.

"Als Täter des UeberfalleS auf die Fran Ludwig Deibel VI. auS Wieseck auf der Straße Gießen Lollar kommt nach einer behördlichen Mitteilung wahrschein­lich der in Schlitz geborene Arbeiter Heinrich Paul in Betracht.

"In der Haftzelle auf ge|t) ängt hat sich der in Mainz verhaftete HauSbursche G. von hier, der mit 200 Mk. Kunden­geldern geflüchtet war. Es gelang jedoch, ihn noch recht­zeitig abzuschneiden und inS Leben zurückzurufen. Am Sams­tag wurde er in das Untersuchungsgefängnis gebracht.

K. Klein-Linden, 6. Juni. Ein 9jähriger Knabe hieb sich mit dem Beil den linken Daumen zur Hälfte ab. Automobilsahrer verloren auf der Frankfurter Straße ihre gefüllte Geldtasche; zwei Knaben fanden sie.

Z. Hausen (b. Gießen), 5. Juni. Der Turnverein Hausen feiert am 13. Juni sein 45jähriges Stiftungs­fest, verbunden mit der Turnfahrt des .Lahn-DünSberg- Turnerbundes", der gegenwärtig 20 Vereine mit 1600 bis 1700 Mitgliedern zählt. Die Vorbereitungen zum Feste, zu dem bis jetzt 18 Vereine angemeldet sind, nehmen gute« Fortgang.

" Leihgestern, 7. Juni. Der GesangvereinEin­tracht" errang gestern mit 24 Sängern bei dem Wettsingen in Groß-Auheim mit überragender Punktzahl der zwei vorhergehenden Klassen in der letzten Landklasse den ersten Preis.

X. Lich, 6. Juni. Die Errichtung einer neuen Schulklasse ist beabsichtigt, da die Elementarklasse jetzt 78 A-B-C-Schützen zählt.

n. Londorf. Am 3. Pfingstfeiertag sprach Prof. Luley aus Gießen hier in einer öffentlichen Versamm­lung über dieReichssinanzresorm". Er legte in 11/2[tun- feiger Rede feie Stellung der nattonalliberalen Partei in dieser Frage dar und fand mit feinen Ausführungen all­seitigen Beifall. Den Dank der Zuhörer' brachte Bürger­meister Ammann, der die Versammlung leitete, zum Ausdruck.

K. Hungen, 5. Juni. Infolge einer schweren Schar­lach- und Dipbtheritis-Epidemie wurden heute sämt­liche Klassen der Volksschule uni) der höheren Bürgerschule aus vorläufig drei Wochen geschlossen. Die Krankheit herrscht nun schon über ein Jahr hier, wurde aber vielfach von den Eltern verheimlicht, so daß man bisher ihrer nicht Herr werden konnte. Nachdem nun mehrere Kinder den tückischen Krant- heiten erlegen sind, hat das Kreisgesundheitsamt den Schluß der Schulen verfügt.

V. Homberg, 6. Juni. Gestern mittag um 3 Uhr schlug der Blitz bei einem heftigen Gewitter in unseren Kirchtum, zum Glück ohne zu zünden und beschädigte den­selben nicht unerheblich. Auch in dem nahen Ofleiden hat es mehrmals in Bäume eingeschlagen. Ein ausgiebiger Regen ist uns endlich durch dieses Gewitter zuteil ge-f worden, so daß man jetzt mit dem Pflanzensetzcn beginnen kann. Die Lehrerkonierenz Homberg hat gestern an Stelle des verstorbenen Lehrers Maurer von Appenrod einstimmig Mehrer Hcdrich von hier gewählt.

L. Ge i ß-<N i d d a, 6. Juni. Im Laufe des gestrigen Nachmittags zogen an unserer Gemarkung etliche Gewitter vorüber, ohne Regen zu bringen. Erst gegen Abend kam das ersehnte Naß in ausgiebiger Menge. Aber immer lastete noch eine drückende Schwüle in der Luft. Tas Wetter schien vorüberzuziehen. Da plötzlich, um 81/2 Uhr abends, ein heftiger Schlag: Es hatte in den Kirch­turm eingeschlugen, ohne aber zu zünden. Die Turmuhr ist beschädigt. Unsere Kirche blickt auf ein Alter von min­destens 600 Jahren zurück. Der älteste Teil (Turm) ist noch int romanischen Stil, während die übrigen gothischen Teile (Schiff und Chor> 100200 Jahre später entstanden sind. Vor ettva 12 Jahren wurde die Kirche im Innern voll­ständig neu hergestellt.

D. B ü d i n g e n, 6. Juni. EinbrennenderBerg. Eine Stunde talaufwärts von Büdingen, an der Stelle, wo die von der jetzt stillgelegten Zeche Hedwig herführende Drahtseilbahn die Chaussee erreicht, hat man im Lauf der Jahrzehnte eine ungeheure Menge von Braunkohlengrus anfgehäuft, der allmählich an benachbarte Fabriken ab- gesetzt werden sollte. Vor vier Jahren ist die Masse, die viele tausend Waggons umfassen mag, in Brand geraten nnd brennt oder vielmehr schwelt feitfecm ununterbrochen fort. Die anfänglich unternommenen Löschversuche wurden bald als aussichtslos aufgegeben, und man ließ das Feuer gewähren. Selten zeigen sich Flammen, nur der hier und hort fortgesetzt aufsteigende Rauch und das allmähliche Ein-