Ausgabe 
6.7.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

159. Jahrgang

Dienstag 6. Juli 1909

bis RotattonröruS und Verlag der Vrühl'schen Uiüv.Gvch- und Steindruckerei R. Lange.

Die heuttge Nummer umfatzt 12 Seiten.

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Besuches gegeben wäre.

Karl Neurath.

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Kcdaltion, Expedition und Druckerei: Schulstratzr 7.

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Nr. 155/ 3?er Siehener anytger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich GiehenerZamilienblätter; Zweimal wöchentl.NreiL» blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land­wirtschaftliche Seitfragen Fernsprech Anschlüffe: siir die Redaktion 113, Verlag u. Expedition 51 Lidresse für Depesche«: Anzeiger Gießen.

Annahme von Anzeige«

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GietzellerAilzeigel

General-Anzeiger für Gberhessen

Jj Prozcnlmönner fest. Xer Achäge <m für e'ct- um das Volk üj)ei:

? 104 und § 104a c, Men Prozmtbefiun. Bestimmungen für fi$rn, ÜPn den Äundesrols.

it zieht Stedum darauf >ng zurück.

m AbanderungsanKagen untiog bet Sozioldcmo. i§lo§ toetbcnbet 3§febc von Lr. Sübckum 2pcik.(Zcntr.) namcnt. 192 gegen 139 Stimmen

Heuer vertagt, sich da? und Aeiterberatung der

rung noch einiger Auftritte, und obschon man sich klar war, daß z. B. die Larenszcne und der rohe Kampf um den verwundeten Varus künstlerische Mißgriffe waren, konnte man nicht davon abstehen. Es ist nämlich für das Wesen des Stückes vollkommen gleichgültig, wie sich Thus­nelda an dem verräterischen VentidiuS rächt; daß sie es tut, ist der entscheidende Eharakterzug, und es läßt sich bei aller Hochachtung vor dem Dichter nicht leugnen, daß er in rein künstlerischer Beziehung seiner Dichtung mit der Bärenszene einen ungeheueren Schaden zugefügt hat, wenn sie auch ein Lieblingsanftritt unserer Heldinnen ist. Ebenso ist es mit dem Kamps um Varus. Es tut beinahe körperlich weh, wenn man diese germanischen Fürsten darum streiten steht, wer den schweroerwundetcn Varuserlegen" dürfe. Da ist gar nichts heldenhaftes, nichts großes; das letzte Ergebnis ist ein Mord, nichts anderes. Die Leitung hatte aus diesem Grunde auch von einer Darstellung des Zweikampfes zwischen den germanischen Fürsten abgeiehen, und nur die Worte gebracht, wodurch besonders Hermann ganz ungemein gewinnt.

Die Darstellung selbst war sehr gut; in anbetracht des Umstandes, daß nur Liebhaber spielten, sogar vor­züglich. In den Hauptrollen war nirgends eine Unfertig» feit zu erkennen, und auch bei den meisten Nebenrollen in nur ganz verschwindendem Maße. Es war eine Vor­stellung, die wie aus einem Guß geformt war, und die. dadurch noch an Wert gewinnt, daß vollkommen frei, ohne Einbläser, gesprochen wurde. Ten starken Erfolg hätte avcr fein noch so sehr angestrengter Fleiß erringen können, wenn er nicht bei vielen durch ein starkes schauspielerisches Können ergänzt worden wäre, so daß auch ein wirklich gutes Zusammenspiel herauskommen konnte.

Bon den einzelnen Darstellern stand an erster Stelle natürlich Hermann, den H. Schellhaas mit straffer Würde zu geben wußte, ohne daß er darauf verfallen wäre, den Helden zu unaunsten des Menschen zu bevorzugen. Gerade die echte Menschlichkeit, mit der er seinen Hermann erfüllte, brachte seine ausgezeichnete, von Thearerolut glühende Leist­ung, zu einer wirtlich rünstlerischen Entsalzung. Ihm eben­bürtig war die Thusnelda von M. Krüger, die ihre Darstellung in der Bärenszene zu außerordentlicher Wucht zu steigern vermochte, und den künstlerisch sehr schweren Uebergang von dem lieoenüen Weib zur unerbittlichen Rächerin ihrer Ehre mit sehr glücklicher, tief innerlicher

Ter Zentralausschuß der freisinnigen Volkspartei spricht seine Genugtuung darüber aus, daß sich das Zusammenarbeiten der drei linkslibcralen Parteien in der Fraktionsgcmcinschast durchaus be­währt hat, und ersucht die Reichstagssrat'tion, an dieser Gcmcin- schast festzuhalten in der Hofsmmg, daß sic zu geeigneter Zeit zu einem engeren Zusammenschluß der Parteien führen wird. Ter Zcntralausschuß ersucht weiter den gemeinsamen Aus­schuß der linksliberalen Fraktionsgemeinschaft, in Verhandlungen darüber einzutretcn, ob und unter welchen Voraussetzungen ein engerer 'Zusammenschluß der freisinnigen Gruppen durchführbar ist."

Die freisinnige Vereinigung.

Der außerordentliche Parteitag des Wahlvereins der Liberalen (Frs. Vgg.) der am 4. und 5. Juli in Berlin stattfand, nahm bei Anwesenheit von 150 Delegierten aus allen Teilen Deutsch­lands einen die volle Einmütigkeit der Partei dofumcnlierenden Verlauf. Die Referate der Abgg. Schrader und Mommsen über die allgemeine Lage und die sog. Reichsfinanzresorm brachte den ent,chiedenen Willen der Partei, den Kamps nach rechts energisch aufzunehmen und fortzusetzen, in tlarer Weise zur Geltung. Zur Einigungsfrage lag eine Resolution Altona vor, die den geschäsis- führcnden Ausschuß aufforderte, Schritte zum Zwecke des Zu­sammenschlusses der freisinnigen Parteien zu unternehmen. Es wurde nach längerer Aussprache von einer eigentlichen Beschlußfassung über diesen wichtigen Punkt Abstand genommen, aber als einheitlicher Wunsch des Parteitages auf Anregung des Vorsitzenden Abg. Schrader ausgesprochen, daß der geschästssührende Ausschuß die geeigneten Schritte zur An­bahnung der Verschmelzung der Parteien unternehmen möge.

In allgemeiner politischer Hinsicht wurde die Haltung der Fraktion allseitig gebilligt und das Einrücken dec Freisinnigen in die Opposition als natürliche und gesunde Folge der politischen; Konstellation willkommen geheißen.

Es wurden folgende Resolutionen angenommen:

Resolution Fegter:Ter Parteitag begrüßt eine selbstän­dige Bauernbewegung als ein geeignetes Mittel, die be­rechtigten Interessen der Bauern und damit die wahren Interessen der Landwirtschaft zur Geltung zu bringen." .

Resolution Gothein:Ter Parteitag dankt der Fraktion, daß sie nach Ablehnung der Erbschaftssteuer grundsätzlich jede weitere Mitwirkung an der sog. F i n a n z r e f o r in verweigert hat, die jetzt lediglich eine Gewerbe, Handel, Verkehr und das bewegliche Kapital treffende übermäßige Steuererhöhung ist. Ter Parteitag erachtet jede wirkliche Gesundung der Reichsfinanzen für aus- geschlossem 1. solange nicht das politische Verantwortlichkeitsgcsuhl in allen Schichten des Volkes durch alle Arten des Besitzes gleich­mäßig treffende bewegliche Steuern wachgerufen wird, 2. solange nicht mit der Verteuerungspolitik gebrochen wird, die dem Volke ungeheure Lasten zu gunsten des Großgrundbesitzes und einiger weniger konzentrierter Großindustrien auferlegt, 3. solange ein Teil der Steuern zur Subventionierung einzelner Gewerbe durch Liebesgaben verwendet wird. Klar hat sich gezeigt, daß die '.Re­gierungen keine Schutzwehr gegen die unerhörten Beschluß dar Reaktion sind, daß ihnen der Mut fehlt, durch Auflösung beS Reichstages an das Volk zu appellieren. Ta die Macht der Reaktion nicht auf der Macht der Wählerschaft, sondern nur auf rückständigen staatlichen Einrichtungen beruht, so fordert der Parteitag 1. Stell* einteilung der Wahlkreise und wirksame Sicherung des Wahl­geheimnisses, 2. das Reichstagswahlrecht für Prkußen und ent- sprechende parlamentarische Einrichtungen in den anderen Einzel­staaten, 3. volle Freiheit der politischen Tätigkeit für jedermann, 4. volle Unparteilichkeit der Behörden allen politischen Parteien gegenüber. Sache des Volkes ist es, diesen Kamps aufzunehmen und nach Zusammenfassung aller freiheitlichen Elemente, die Reak­tion zu überwinden. An alle Parteigenossen richten wir die drin­gende Mahnung, unermüdlich zu arbeiten, damit die nächsten Wahlen, den Sieg des liberalen Gedankens bringen."

Resolution Tischendörfer-Erkelenz: Ter Parteitag erblickt in der Reichsversicherungsordnung einen sozialen Fortschritt auf dem Gebiet der deutschen Arbeitnehmerversicherung. Andererseits ent­hält sie jedoch viele Bestimmungen, die dem Recht der Persönlich-

- e z « g s p r c t s: monatlicti75Pi., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zmeigstelleui monatlich 65 Ps.; burd)* diePost Mk.2.viertcl- jährl. ausjchl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich ;i für den politischen Teirri E. Anderson; f. Feuille­ton und .Vermischtes" K. Neurath; fürStadt u.Land" undGerichts-

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i 1907 noch ^3cptei|ic:i.

Die Tagungen der Liberalen.

Die Nationalliberalen.

Am Sonntag den 4. Juli, Dorrn. 11 Uhr, fand im Kcriser- 'faal des MstaurantRheingold" zu Berlin nach voraus­gegangenem harmonisch verlaufenem Begrüßungsabend am' Sams­tag der 11. Allgemeine Vertretertag der National- liberalen Partei statt, an dem weit über 600 Delegierte aus allen Teilen des Reiches teilnahmen. Fast alle Mitglieder der Reichsiagsfraktion und der Fraktion des Abgeordnetenhauses waren «egen. Auf den Tribünen wohnte eine große Menge Zuhörer, unter zahlreiche Damen, den Verhandlungen bei Nach Er­öffnung des Parteitages, dem eine kurze Ansprache des Vor­sitzenden Tr. Bass ermann vorausging, die mit einem Hoch ans den Kaiser ausklang, erfolgte die Wahl des Bureaus, woran sich die Begrüßungsreden der Organisation von Berlin und der Provinz Brandenburg schlossen, für die Tr. Böttg er und Liep - mann sprachen. Das Präsidium besteht aus den Herren Abgeord­neten Hieber, Friedberg und Thal. Alsdann nahm der Führer der Partei, Dr. Bassermann, mit jubelnden Beifallsrufen begrüßt, das Wort zu dem ThemaTie Reichsfinanzreform und die rnnerpolitische Lage". Er führte il a. aus:In schwerer Stunde habe man sich zusammengefunden; in ganz Deutschland herrsche die größte Erregung über den Ausgang der Finanzreform. Eine wichftge Wendung in unserer inneren Politik sei eingetreten: Ter Block ist gesprengt, der Kanzler gestürzt. Der Block habe durck)- aus segensreich gewirrt; aber die Konservativen hätten auf den Zentrumsköder angebissen und sich vor dem, von den Agrariern errichteten Geßlerhut gebeugt Sodann ging der Redner aus die Entwickelung der Finanzreform ein. Allgemein sei man von der Notwendigkeit neuer Lasten überzeugt gewesen, heute aber herrsche Erbitterung darüber, daß die Begüterten sich von der Tragung der Lasten, die ein nobile officium wäre, sich ausschlössen. Tie Resultate der Finanzreform in ihrer jetzigen Gestalt bedeuten eine schwere Belastung gerade des Mittelstandes. Tie Erbansallsteuer sei gefallen, nur die Konsumsteuern seien Übriggeblieben. Ejne so schädliche Gesetzgebung so erklärt der Redner unter tosendem Beifall könne die nationalliberale Partei nicht mitmachen. Alsdann ging der Redner näher auf die Haltung der Fraktron, speziell in der Kommission ein. Tie Vorwürfe der neuen Mehr­heit, die Partei handele nicht national, seien lächerlich; würde die Partei zur neuen Mehrheit Übergehen, so wäre dies ihre Todes­stunde. Er glaube, daß die Regierung der neuen Mehrheit nicht froh werde, sondern eines Tages würde man doch wieder an die Liberalen herantreten. Tie Partei brauche den Kamps nicht zu scheuen, denn heute stehe sie vollster Einigkeit da, und gerade darin liegt ihre Zukunft. Weiter wandte sich der Redner gegen die Halrung des Bundes der Landwirte und das widerspruchsvolle Auftreten der Regierung, die Autorität der Regierung habe unge­mein durch die gestrigen Vorgänge im Reichstage gelitten. Tas Zentrum werde schon seine Quittung präsentieren, ebenso die , Polen. Tann wendet sich Bassermann dem Fürsten Bülow zu und widmete ihm Worte des Tankes wegen seiner Verdienste auf dem Gebiete der äußeren Politik. Auch auf innerpolitischem Gebiete habe er segensreich gewirkt, namentlich durch Heranziehung des Lints- ckiberakismus zur positiven Mitarbeit und durch seinen Kampf gegen das Zentrum, dem er jetzt leibet weichen müsse. Aufgabe der nationalliberalen Partei sei es, in Einigkeit zum Kampfe sich zu rüsten, getragen vom Bewußtsein, dem Wohle des Vaterlandes zu dienen. Minutenlanger Beifall folgte den Ausführungen Bajser- manns, welchem der Vorsitzende Tr. Hieber den Dank der Versammlung anssprack). Nach einer Pause von 20 Minuten be­gann eine mehrstündige, angeregte Debatte, worauf schließlich folgende Resolution angenommen wurde:

Ter allgemeine Vertretertag spricht unter voller Billigung der Haltung der nationalliberalen Reichstagsfraktion aufs Neue die Ueberzeugung aus, daß eine befriedigende Gestaltung der Reichs-

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Kunst auSzubauen verstand. Klar und ohne Krümmen gab O. Kracke den Aöarbod. Seine Darstellung des erfahrenen Alten war schon. rein rednerisch eine Musterleistung urtd verband sich mit einem natürlichen, ungesuchten Spiel zu einer ausnehmend einheitlichen Rundung und Fülle. Sehr schön, und in den Liebesszenen von leidenschaftlicher Hin­gabe war der VentidiuS von G. Mohr, der auch in seiner brünstigsten Liebe die Ueberlcgenheit deS Römers über die Barbaren" zu wahren wußte. In seinem kurzen Auf­tritt erzielte K. Kindt als Varus eine erschütternde Wir­kung, und fein ausgezeichnetes Spiel brachte die Unzweck­mäßigkeit dieser unseckgeu Szene zur besten Geltung; denn niemand wird in diesem Augenblick auf Seiten der Ger­manen stehen. Auch seine Darstellung des Ehilderich war gut, doch hätte ich hier etwas mehr mutige Ruhe erwartet. Als Luitgar zeichnete sich Georg Krüger durch ein sehr starkes Bühnentemperament aus, das namentlich in dem Auftritt mit Hermann zu schöner Geltung kam. F. Finck entfaltete als^ Attarin. wie auch als Dagobert eine auf­fallende Gewandtheit in Spiel und Sprache. H. Entze- roth gab sowohl seinem Eginhardt als auch seinem Thuis- komar eine würdevolle, heldenhafte Kraft, und A. Q u e n - teil als Gertrud zeigte in der Bärcnfzene neben einer seinen Beredsamkeit eine klug maßhaltende Leidenschaft. Von den kleineren Rollen sind noch zu erwähnen E. Koch (Wolf), A. Herber (Egbert), W. Berger (Winfried), Herta Sauer (Bertha) und besonders noch die Knaben Hermanns, die von den Brüdern Schmidt allerliebst dar- gestellt wurden.

Ter Ehor der Barden hielt sich ebenfalls recht wacker und verdient alle Anerkennung. Der Aufführung voraus ging ein von Frl. Bo ck sehr gut und feingeistig ge­sprochener Prolog.

Ter höchste Preis aber gebührt Pros. Dr. Bernbeck, der sich mit unermüdlichem Eifer und ausdauernder Geduld redlich um das Zustandekommen der Ausführung bemüht hat, wie denn auch die erste Anregung und der weiters Ausbau von ihm ausgegangen ist. Diese Unsumme von Arbeit hat in dem glanzenden Gelingen der ersten Vor­stellung ihre vornehmste Krönung erhalten.

Hoffeiirlich werden noch rechr viel Vorstellungen nötig. Hauptsächlich aber wäre es zu wünschen, wenn eine Au<- sührung an einem Sonntag veranstaltet würde, damit recht weiten Kreisen unserer Bevölkerung die Möglichkeit eines

19. Jahrhundertfeier der Hermannsschlacht.

Die Hermannsschlacht

von Heinrich von Kleist.

I.

Vor etwa vier Wochen habe ich an dieser Stelle schon nachdrücklich auf die große vaterländische Bedeutung der 19. Jahrhundertfeier der Hermannschlacht hingewiefen, die hier in Gießen noch dadurch eine besondere Bedeutung für sich beanspruchen kann, daß damit eine öffentliche Theatervorstellung unter freiem Himmel verbunden ist. Es war von vornherein klar, daß die Bevölkerung diesem Plane herzliche Teilnahme entgegenbringen würde, und so war denn auch die gestrige erste Vorstellung ausverkauft. Alle für diese Ausführung verfügbaren Karten waren abgesetzt worden, und der durch das liebenswürdige Entgegenkommen der Oberförsterei Schiffenberg sinngemäß hergerichtLke Platz war dicht besetzt. Von unserer Studentenschaft waren aller­dings nur die Burschenschaften, diese aber in ihrer Gesamtheit vertreten.

Schon die Proben hatten die Tauglichkeit des Platzes glänzend bewiesen, und die gestrige Aufführung lieferte den überzeugenden Beweis, daß die an der Aufführung Beteiligten sich keinen leeren .Hoffnungen hingegeben hatten, wenn sie sich einen guten Erfolg versprochen hatten. Viel­leicht trägt der glückliche Verlauf sogar zur weiteren Aus­gestaltung einer Gießener Naturbühne bei, die sich, nach dem gestrigen Besuch zu urteilen, anscheinend der auf­richtigsten Teilnahme zu erfreuen hätte.

Der Aufführung lag der von mir zu diesem Zweck bearbeitete Text zu Grunde, dem aus rein äußerlichen Rück­sichten noch einige Auftritte hinzugefügr waren. Ursprüng­lich bestand die Absicht, vor der Ausführung den Zweck und die Bedeutung der Hermannschlacht in eingehender Mede zu erläutern und nach dem Ausbruch zur .Schlacht, diese selbst als Kriegsspiel darzustellen. Damit Mar der äußere Rahmen der Bearbeitung gegeben, die sich 3nun daraus zu beschränken hatte, zu .Gunsten des wesent- Ilichen und bedemsamen und in Berücksichtigung der für die Ausführung zur Verfügung stehenden Zeit, alles^über- islüssige und unwesentliche 'ueiwerk beiseite zu las,en. Selbft- -oerständtich ohne der Dichtung irgeuowie Gewalt auzutun. 'Als dieser ursprüngliche Plan durch äußere Verhältnisse geändert werden mußte, entschloß man sich zur Eingliede-

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bei Vaters des Genannter.

flü der Vater also bomefa j r fei. Gr sei später niäu j ndc nicht in den Listen bc:|

simmzen nur möglich ist, wenn mit der unabweisbaren Heranziehung des Massenverbrauches von Genußmittcln eine all­gemeine Besteuerung des Bejitzes verbunden wird. Für diese kann zurzeit noch die Erbanfallsteuer in Frage kommen. Tie will­kürliche, einseitig Handel und Gewerbe belastende, den Mittel­stand in Stadt und Land schwer schädigende Steuergesetzgebung der konservativ-klerikal-polnischen Mehrheit ist abzMehnen.

Uni er Wirtschaftsleben ist zerstört, unser Ansehen im Aus­lande gefährdet, unser ganzes Staatswesen schweren Erschütterungen ausgesetzt. Für alles das machen wir die konservative Partei und das Zentrum mit seinem polnischen Anhänge vor dem deutschen Volke verantwortlich. Tie konservative Fraktion ist es, welche den Block gesprengt, dem Zentrum den Weg zur alten Macht gebahnt, den hochverdienten Reichskanzler gestürzt hat.

Und unter das Joch dieser neuen Koalttion wollen die ver­bündeten Regierungen sich beugen? Das deutsche Bürgertum in Stadt und Land rufen wir auf znm Widerstand und Kampf."

An die Verhandlungen schloß sich am Nachmittag ein Fest­mahl im Hotel Kaiserhof.

Freiffunige Vollspartei.

Ter Zentralausschuß der freisinnigen Volkspartei, der aus den Delegierten der Bezirksoerbände und den Abgeordneten der Partei besteht, war am Samstag und Sonntag im Reichstage versammelt. Abg. Tr. Wjemer erstattete Bericht über die politische Lage. Er betonte, daß die Freisinnigen dem Black keine Träne nachweinten, aber auch feinen Anlaß hätten, auf die Periode der Blockpolitik mit Bedauern zurückzublicken, die dem Lweralismus eine Reihe längst ersttebter Reformen gebracht habe. Handel, Industrie und Gewerbe würden nach der Sprengung des Blocks letzt die Wirkungen einer reaktionären Gesetzgebung am stärksten ipüren. Zentrum sei wieder Trumpf geworden. Tas Zentrum zeige allerdings zu­nächst Samtpfötchen, werde sich aber, was es jetzt an neuen Steuern bewillige, auf anderen Gebieten bezahlen lassen. Nach einer sehr angeregten Diskussion wurde einstimmig folgende von Dr. Oehlle (Breslau) eingebrachte Resolution angenommen:

Ter Zentralausschuß spricht seine volle Zustimmung zur sachlichen und taktischen Haltung der Neichstagsfraktion der freisinnigen Volispartei aus und vertraut daraus, daß die frei- linnige Fraktivnsgemeinschaft wie bisher einmütig uno entschlossen den Kamps gegen agrarisch-klerikale Jntercssenpolitik und win- schafttzpolitische Rückständigkeit für Freiheit und Gemeindewohl führen wird."

Bei der Fortsetzung der Verhandlungen wurde eine von dem Abg. Bleck und BuschhauS und dem Vizeadmiral a. T. Hoffmann beantragte. Resolution angenommen, in der die von agrarischem Eigennutz beeinflußte, Handel und Industrie, Handwerk und Ge­werbe einseitig belastende Steuergesetzgebung der neuen Mehrheit des Reichstags aufs schärfste verurteilt, die Haltung der Regierung bedauert, und die Anhänger berjrci]innigen Volkspartei, wie das gesamte liberale Bürgertum in, stabt und Land ^zn entschlossewm Widerstand und energischer ^Abwehr aufdeTorDcrt werden. Ins­besondere wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß die liberalen Parteien im Parlament wie int Lande mit allem Nachdruck für eine gründl iche Wahlrechtsreform in Preußen ein» treten werden, damit die Machtstellung des Junkertums in Preußen, wie sein Einfluß auf die Neichsgesetzgebung gebrochen unb liberaler Staatsausfassung volle Gleichberechtigung und Geltung im öffent­lichen Leben errungen werde.

Reichstagsabg. Fischbeck beleuchtete eingehend das Ver­hältnis der freisinnigen Volkspartei zu den anderen Parteien und besonders zu der deutschen Volkspartei und zur freisinnigen Ver­einigung. Dabei erörterte er auch die Frage der Einigung der drei linksliberalen Parteien, die Gründung des Hansabundes unb des deutschen Bauernbundes. Tie Diskussion über dieses Referat wurde verbunden mit der Besprechung eines Vortrages, den der Abg. Ko p sch auf Grund reicher Erfahrungen unb zahlreicher Mit­teilungen aus dem Lande über die Fragen der Organisatton und Agitation hielt. Nach einer lebhaften und eingehenden Ausiprache, die alle in Betracht kommenden Momente beleuchtete, wurde ein­stimmig folgende Resolution angenommen: