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7.6.1909 Erstes Blatt
 
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Nr-^30 Erstes Blatt ISS.Jahrgang Montag 7. Juni L SOS

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Verlag u. Expedition 51 Hs G A? ee*, < «s- a* für den politischen Teil:

Generalanzeiger für Oberheffen MZW bis tonrittoflTTuf)" RofaHonsörutf und Verlag der vrülil'schen llniv.-Such. und Steiniirwfcrei H. Lange. Nedattion, Expedition «n» Druckerei: Schulftratze 7. '^Beck

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Neue Zentrumsherrschaft.

In konservativen Kreisen hat man sich an denEr- folgen" des neuen konseroatio-klerikal-polnischen Blocks der­artig berauscht, daß man nachgerade alles schief sieht. So hört man denn auch vielfach die fürchterlich klingende Dro­hung von der zukünftigen Ausschaltung des Liberalismus. Nüchterner denkende Konservative es gibt auch noch deren sehen die Dinge freilich etwas anders. So be­handelt jetzt Frhr. v. Zedlitz imTag" das neue Verhältnis des Zentrums zu den übrigen Parteien und kommt zu recht bemerkenswerten Ergebnissen. Mit klugem Vorbehalt, so sagt er, habe das Zentrum sich in zweitem Treffen ge­halten, und die Konservativen stolz vorgeschickt, so daß diese nun die ganze Last der Verärgerung mit den Liberalen zu tragen hätten. Das Ergebnis sei nun auch gcrnz nach dem -Herzen des Zentrums, denn daß das Geldangebot der Kom­mission, wie vorauszusehen, unzureichend sein werde, weil die Negierung Mühlenumsatzsteuer, Kohlenausfuhrzoll, Ko- nerungs-, Umsatz- und Wertzuwachssteuer als annehmbare Lösung nicht anerkenne, so bliebe eine starke Lücke, die nur durch Matriiularbciträge ausgefüllt werden könne. Damit aber werde die regierende Partei auf die Reichsregierung und zugleich auf die Bundesstaaten drücken können. Auch politüch würde das Zentrum den Löwenanteil davontragen. Die Konservativen, die jetzt die führende Rolle zu spielen glaubten, würden ebenso wie die kleinen Gruppen dem an Zahl, weit überlegenen Zentrum unrettbar verfallen und Lie Zentrumsherrschaft erstände unumschränkter denn je. -')err v. Zedlitz meint, daß den Konservativen nichts daran liegen könne, die ihnen schon unerträgliche Abhängigkeit ton Blockrücksichten mit einem Helotentum gegenüber dem Zentrum zu vertauschen. Zweifelsohne trifft das zum »venigsten für einen erheblichen Teil der Konservativen zu, dem es angesichts der immer mehr auf das Zentrum über­gehenden Führung unheimlich wird. So schreibt derReichs­bote":

Allein können die Konservativen keine Mehrheit bilden, sie müssen sich dazu Hilfe holen von den Liberalen oder vom Zentrum. Wettn es möglich wäre, die Liberalen soweit mit konservativem Geiste zu erfüllen, daß mit ihnen natio- i iale Politik gemacht werden kann und das war wohl der Gedanke, der dem Block zugrunde lag, so wäre das : bensalls einer Verbindung mit dem in nationaler Hinsicht so unsichern ultramontanen Zentrum vorzuziehen, und zwar östlich deshalb, weil das Zentrum erfahrungsgemäß alles mr seine Parteiinteressen auszunutzen sucht, und sodann deshalb, weil dadurch verhütet würde, die Liberalen sich noch weiter nach links wendeten.

Es kommt angesichts der sich überall hervordrängendcn demokratischen Gedanken und Bestrebungen alles darauf an, daß die konservative Partei eine große starke Stellung an der Seite der Regierung einnimmt, wir fürchten aber/ daß s ie dieselbe durch ihre Haltung in der Finanzreform, ins­besondere durch die Ablehnung der Erbschaftssteuer, verliert umd einerseits dem Liberalismus die Wasser der Volkssym- Mthien ans seine Mühlen treibt, wie sie anderseits die Macht d«eS Zentrums wieder rehabilitiert. Das hätte vermieden werden können, wenn die konservative Partei zur rechten yeit ihren Widerspruch gegen die Erbschaftssteuer fallen Ineß und im Interesse des Zustandekommens der Reform

für dieselbe eintrat. Hoffentlich ist es noch in letzter Stunde möglich, diesen Fehler zu reparieren, wenn die in Aussicht stehende Regierungsvorlage so gestaltet und benutzt wird, um der Nation zu zeigen, daß es der konservativen Partei nicht darum zu tun ist, die Besitzenden zu schonen, sondern baß sie im Gegenteil bestrebt ist, den wirtlichen Reichtum in einem der Konsumsteuer entsprechenden Maße hcranzu- ziehen. Auf diesen Nachweis kommt es an, und zwar so, vaß man nicht fragt, ob oer zutreffende Reichtum sich inner­halb oder außerhakb der Partei befindet. Es wäre von verhängnisvoller Bedeutung, wenn man in unserer von sozialen Gedanken erfüllten Zeit eine Finanzreform mit kapitalistisch-egoistischen Jnteressengesichtspunkten machen wollte. Das, würde der Sozialdemokratie die Bolksmassen zutreiben: die konservative Partei muß das zu verhüten suchen."

Deutlicher noch, als es hier geschieht, behandelt die Nationallib. Korresp." die große Zumnftsfrage, das Ver­hältnis des Zentrums im Parlamente. Die Konservativen bekommen hierbei manches deutliche Wort zu hören, das wohl geeignet ist, sie zu ernüchtern. Die Konservativen, so heißt es in der genannten Korrespondenz u. a, trifft die Schuld, das Zentrum in der Reichspolitik wieder in den Sattel gesetzt zu haben. Die Konservativen werden davon für ihre Politik im Reiche keinen Vorteil haben Tie Herren Gröber, Erzberger, Müller-Fulda sind alles andere als konservative Politiker. Sie werden im Reiche, wenn sie durch konservative Kurzsichtigkeit wieder zur Herr­schaft gelangt sind, radikalste Sozialpolitik machen gegen die Konservativen, und sie werden in konstitutionellen Fragen alles das tun, was die Macht des Parlaments, in Sem sie die erste Flöte spielen, mehrt. Dafür werden sie die Bundesgenossen finden im Parlament bei manchen Parteien nur nicht bei den Konservativen. Die Konservativen werden im Reichstage beiseite stehen, während die Mitwirkung des Liberalismus auf all diesen Gebieten auch für das Zentrum in erster Reihe in Frage kommt. Darüber hat Herr Erz­berger längst keine Zweifel gelassen. Also von einer Aus­schaltung der Liberalen, die einmütig gegen jede antisoziale und vcrkehrsfeindliche Reform stimmen werden, kann nicht die Rede sein.

Nicht eine klerikal-konservative Koalition wird das Reich regieren, sondern das Zentrum wird herrschen, das Zentrum wird in der Lage sein, in agrarischen Fragen mit den Kon­servativen, in sozialen und Ve; wssuugsfragen mit den Libe­ralen zu entscheiden.

Zentrum Trumpf: das ist das Ende konservativer Staatsweisheit. Ein einiger geschlossener Liberalismus, dem nicht sofort bei jeder Drohung eine Gänsehaut überläuft, und eine feste Regierung, die ihr Programm durchhält, können dies traurige Ende verhindern. Der steht auf den Schanzen: wird der Kanzler versagen?

politifcbe Tagesschau.

Prinz Ludwig von Bayern über Schiffahrtsabgaben.

In Kitzingen tagt zurzeit die 19. Hauptversammlung des Vereins zur Hebung der Fluß- und Kanalschiffahrt in Bayern. Der Versammlung wohnte gestern abend auch Prinz Ludwig von Bayern bei. Der Prinz führte bei dieser Ge­legenheit u. a. folgendes aus: Der Main gehört zum Rhein­gebiet. Wenn das Stammgebiet des Rheins ausgebaut werden soll, wäre es ja geradezu sündhaft, wenn der Main vernachlässigt werden sollte. Wenn es der Fall ist, daß

durch die projektierten Schiffahrtsabgaben Geld flüssig wird, um die sämtlichen Seitenflüsse des Rheins anzubauen, können wir speziell in Unterjranten recht wohl damit zufrieden sein und sollte es mich freuen, wenn endlich einmal vorwärts gegangen würde und man nicht immer sagen würde, es sei wegen eines Nachbarstaates nicht zu hoffen, aus dem Grunde, weil die Fragen der Schifsahrtsabgaben nicht ge­regelt sind. Es ist aber nicht bloß Preußen, es ist das Teutsche Reich beteiligt, auch die Niederlande und Oester­reich. Mögen sich auch die Schiffahrtsabgaben nicht in dem Sinne lösen, wie Preußen will, so hoffe ich doch, daß sich Mittel finden lassen, daß der Main ausgebaut wird. Das Gegenteil wäre gegen die Interessen des Landes, des ganzen Deutschen Reiches, am meisten gegen die Interessen des nörd­lichen Bayerns. Der Prinz führte weiter aus: Was man machen kann, habe ich vor einigen Wochen in Karlsruhe gesehen. Wer hätte gedacht, daß Karlsruhe Rheinhafen wird? Ich habe Rheinschiffe unmittelbar vor Karlsruhe landen sehen; das ist eine Stadt, die nicht an einer größeren Wasser­straße liegt und den Weltverkehr an sich zieht. Was der Prinz hier in Bezug auf den Main gesagt hat, kann mit gutem Recht auch auf unsere Lahn angewandt werden. Ob mit ober ohne Schiffahrtsabgaben, die Kanalisierung der Lahn bei Gießen wäre aufs dringendste zu wünschen.

Die Beisetzung Barths.

In Heidelberg fand am 6. Juni vormittags UV» Uhr die Feuerbestattung Theodor Barths unter Beteiligung fast aller Familienmitglieder und einer großen Anzahl ehemaliger und der­zeitiger Reichstagsmitalieder statt. Zahlreiche politische Verbünde und Vereine, sowie Korporationen und Zeitungen hatten eine Uebersülle prächtiger Kranzspenden eingesandt. Bei den Kranz­niederlegungen hielten Ansprachen namens der liberalen frei­sinnigen Fraktion Abgeordneter Schrader-Berlin, namens der srei- smnigen Vereinigung Dr. Brestscheid-Berlin, namens der süd­deutschen Volkspartei Dr. Haas-Karlsruhe, namens des national­sozialen badischen Landcsvereins Dr. Meyer-Mannheim, namens der sozialdemokratischen Partei Rechtsanwalt Dr. Ludwig Frauk- Mannheim, namens des Heidelberger national-sozialen Vereins Rechtsanwalt Dr. Fürst, namens des freisinnigen Vereins Heidel­berg Dr. Leeser, namens der Freunde des 'Hauses des Ver­storbenen Professor Dr. Hugo Preuß, namens der ehemaligen Mitarbeiter derNational" Dr. Heilbronn, namens des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus Bankdirektor Thorwart-Fraitkfurt a. M., namens derFrankfurter Zeitung'' Direktor Curti, namens des Frankfurter demokratischen Vereins Redakteur Burger. Außer­dem waren von derzeitigen und ehemaligen Parlamentariern er­schienen Mommsen, v. Gerlach, Naumann, Dohrn-Stettin, Wolff- Ltraßburg, Neumann Hofer und schließlich der ehemalige Oberst Gädke vom Berliner Tageblatt.

Englische Parlamentarier in Berlin.

Am Sonntag vormittag wurden int Reichstagsgebäude zu Berlin eine Anzahl englischer Parlamentarier empfangen. Bei dem ihnen zu Ehren veranstalteten Frühstück begrüßte sie der Vizepräsident des Reichstags Kaempf: er führte aus, daß durch diesen Besuch eine Reihe Freundschaftskundge­bungen in bemerkenswerter Weise fortgesetzt werde. Er erinnerte dann an die hochherzigen Bemühungen des Kaisers Wilhelm und des Königs Eduard, dessen hervorragenden Herzens- und Charaktereigenschaften und dessen Leutselig­keit bei seinem letzten Besuche die Herzen aller Deutschen gewonnen haben. Nach ihm begrüßte Staatssekretär v. Beth- mann-Hollweg die Gaste, die gekommen seien, um sich mit den einzelnen Verhältnissen unseres öffentlichen Lebens ver-

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Naturtheater in Gießen.

lieber saftfrischem Land baut sich ein blanker, blauer ' Fimmel und die Sonne wühlt sich tief in die' Zweige hinein, ai!§ ob sie nicht mehr von der Frühlingsprscht lassen könne im ihrem seligen Glück. Was soll da noch Kunst und Theater, itio die Welt so voll Freude ist und Sonne, so voll Glanz imb Gluten! Das Herz ist so voll und die Augen so tief innb klar von all den sonnigen Wundern des Frühlings, und raeit ab in Vergessenheit liegt das Theater mit seiner gemalten Fracht und seinem täuschenden Glanz. DaS künstliche Leben verlor seinen heiligen Schein vor dem ewigen Glanz des wirklichen, das mm mit aller Macht auferstanden ift vvn den Toten und unter uns wandelt in ur­

chiger Schönheit und Freude. Schönheit und Freude! Ist das der Sinn des Lebens, sein Wert! All unser Mühen und Schaffen wächst aus der Sehnsucht nach diesen bo.'iben Gottheiten des Lebens, denen die Griechen schon in srimdiger Ehrfurcht und unendlicher Daseinsfreude geopfert falben in den heiligen Hainen einer schöneren Welt. Apollon und Dionysos! In bacchantischen Zügen schwärmten tolle Scharen, die voll ihres Gottes waren, hinaus in die Berge und feierten mit Spiel und Tanz dem behaglichen Spender duS Weines. Und mit Spiel und Tanz feierten sie auch die Dsttage des schönen Gottes des Lichtes und der Lieder.

Aber nicht nur die sonnenfrohen Hellenen, auch die tampfgeübten Römer schufen den beiden Göttern 311 Ehren fr öhliche Feste. Und in den düsteren Hainen unserer Vor- foR^ren war es nicht anders. Der Wald, die Natur, die ifanen heilig war, war der Ort, wo sie ihre tapferen Herzen ji 1 ihren Göttern erhoben weitab vom Lärm des Tages. U:nb wenn sie saugen und tranken, so war das ihr Gottes- öi mst, ihre Sehnsucht nach Schönheit und Freude.

Wir haben sie in steinerne Häuser gekerkert und haben iun wieder eine Sehnsucht nach den stillen Heiligtümern unserer Ahnen, die ihre Götter verehrten im Wehen des Wndes lind im Duften der Blumen, im Spiel der Wellen und im Sang der Vögel, in allem, was um sie war und ihr )§rz erfreute oder erschütterte. Edelmenschen, die noch mit h«m Boden verwurzelt waren, sind sie gewesen,' die hohen, khaigen Gestalten mit den bloiiöeu Strähnen und den blauen, )l«nzenden Blicken. Und Herzen hatten sie, echte Menschen­

herzen voll Liebe und voll Haß. Kein verweichlichtes, ärm­liches Gefühl Feuer und Seele in jedem Augenblicke ihres Lebens. So waren sie und so waren sie groß. So haben sie ihr Land befreit, das unter den römischen Adlern in ge­heimem Grimme geschmachtet hatte. Vor 1900 Jahren haben sie das getan, im Teutoburger Walde, wo jetzt ein Denkmal ihres kühnen Führers steht ein Denkmal deutscher Tat, das ein Wallfahrtsort sein sollte, wie das Denkmal auf dem Niederwald oder das Denkmal der Völkerschlacht bei Leipzig. Vor 1900 Jahren, Jahren, in denen Deutschland seine ganze große Entwickelung durchmachte; vor 1900 Jahren wurden sie ein Volk, diese trotzigen Germanenrecken, unsere Ahnen. Ist es da ein Wunder, daß man sich rüstet zur Feier dieses Tages, der ein heiliger Tag ist, wie ihn ähnlich Deutschland nur dreimal erlebte: 9, 1813, 1870. Und ist es nicht doppelt ersreulich, daß es in erster Linie unsere Zukunft, die deutsche Jugend ist, die d^sen Ehrentag Deutschlands mit Begeisterung feiern will. Nicht wie man Jahrmärkte feiert sondern in Freude und Schönheit als ein wirkliches Weihefest. So entschloß man sich, Heinrich von Kleists wuchtige DichtungSie Her- mannssch lacht" aufzuführen, die wie nichts sonst zur würdi^n Feier der Erinnerung an unseren großen Ehrentag geeignet ist.

ES ift deshalb nichts weiter als natürlich, daß im Laufe des Sommers fast überall in deutschen Gauen Aufführungen der Hermannsschlacht abgehalten werden, daß deutsche Jugend­begeisterung sich ein großes Fest vaterländischen Stolzes ge­schaffen hat. Gießen an erster Stelle. Im Wander­vogel, der hiesigen Gruppe des deutschen Bundes für Jugend­wanderungen tauchte der Gedanke im Juni des vorigen Jahres znrn erfteninale auf und in dem nächsten Hefte des Verbandes wurde bereits ein großartiger Grundplan für die Art der Feier gegeben. Gleichzeitig wurde die Aufführung der Hermannsschlacht beschlossen und überall für diesen Ge­danken geworben. So trieb die Frucht zur Reise.

Bereits zu anfang dieses Jahres wurde bann die genaue Svielfolge fortgesetzt, wurden die Mitwirkenden geprüft und gesondert, und all die zahlreichen anderen Vorarbeiten mit Eifer und Sorgfalt erledigt. Lange und eingehende Prüf­ungen erforderte das Aussuchen des geeigneten Platzes,

der schließlich an dem waldigen Abhang des Schiffen- berges, am GeorgStempel gefunden wurde, dessen Be­nutzung die Oberförsterei Schiffenberg in liebenswürdigster Weise gestattete.

Der Platz, den wir vom Dürerbimd schon vor vier Jahren zur Abhaltung unserer nächtlichen Schillerfeier be­nutzten, ist wohl der geeignetste in der ganzen Umgegend, denn er ist ebenso bequem zu erreichen, wie geeignet zum Bühnenspiel.

Ich bm nun feiner von denen, die von der Naturbühne alles Heil für die Kunstbühne erwarten, denn nur ganz wenige Stücke sind für Aufführungen im Freien geeignet, aber da, wo sich der natürliche Rahmen paffend mit dem Bilde bindet, da erreicht die Naturbühne Wirkungen, die dem Theater immer versagt bleiben. Nur einen Fehler hat die natürliche Bühne: sie ist von der Witterung abhängig; die Aufführungen können sehr leicht verschoben ober müssen unterbrochen ober gar abgebrochen werben. Dafür ist aber auch ber künst­lerische Genuß um so hoher, wenn die Witterung günstig ist. Lebendes Licht anstatt elektrischer Leuchten, echte, bewegliche Bäume anstatt gemalter Leinwand mit störenden Falten, ge­wachsener Boden anstatt dröhnender Bretter und freie, fröhliche Luft anstatt drückender Enge auf gepolsterten Sesseln im geschloffenen Raum. Da ist Leben nnd Luft und Licht in goldener Fülle, so weit das Auge reicht.

Und deutsche Jugend spielt! Mit freier Be­geisterung im Stolze des freudigen Enkels tatkräftiger Ahnen. Schon Ende dieses Monats treten sie vor die große Oeffent- lichkeit bescheiden und anspruchslos. aber voll Be­geisterung irn Dienste ihrer großen Idee als Deutsche. Das ist tätige Vaterlandsliebe, keine künstlich erzeugte Hilrrastimmung; eine Kraft und eine Macht, die uns not tut, denn vierzig lange FriedenSjahre haben unser Selbstbewußtsein wieder sanft eingelullt zu kraftlosem Schlummer; und die alten Raben fliegen wieder krächzend um den Berg. Daß deutsche Jugend zusammentritt, um einer ber größten Taten beutscher Geschichte roürbig zu gebenden, bas ist Ebenfalls diue Tat, bie ganz entschiebene Färbern, verbient, bamit der Erfolg nicht aiisbleibe. Dazu: Heil, deutsche Jugend! Karl Neurath,