Manien J£ä|Qt* borent.
MS
I
n U
k - Kreisverein Giessea erstag den 7. CbBer abenös 9 Uhr
icuenev M
^schiedeiie^l sääs ranpaise breveteedonneleco^ iGrences. [U7339 Renaud, Wilsonatr, 8, ÄZLkS MMW lelbarer Nahe der Lese- ich!.
tt Angebote mit Preis, ■ a)27 a. d. GichAnzeig.
U aui II Hyvolhck auch geteilt, per r 1910 zu vergeben.
L Angebote unter 0M siebener Anzeiger erbet
Ätz!? KM
{is^ft**** 18 »««ÄtN i«Ä rö»‘Ä id in?Ml0'e,W üG-H •s»
St'*« «Imi d»- m***
Serien
LZM
eien. rt' Mee £ tQrnsien^—— SZLL
SS®® ZM «tekretüriil
ÄLSM
-lS-tütz- irags-Abenil ■ Herr Feist Maramrn aB Leipzig.
ölkerungsvermehrung. schafts-Entwickeiuog Sozialpolitik.“ SS®
^erLorst^. aMeater. »i, »jäS jSSSfiSS* iwmbegabten l(llli 6®” äL_ Meldungen an
Cbttit, ichetbeimer ÄSblchco. nstaa nachmittag wuck mtottttt rata i gegen LMnung
Leferfnaße L
Nr. 234 Zweites Blatt
159. Jahrgang
Mittwoch «.Oktober 1909
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener Familiendlätter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
Eeneral-Anzeiger für Obechchen
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Echul- straße 7. Expedition und Verlag: e=$ä>5L Redaktion: 112. Test-Adr^ AnzeigerGießen.
Apolitische Lagess^?au.
Ta8 konservativ-ultramontane Verhältnis.
Die „frreufötg.", die mit dem Verlauf der Hauptversammlung des Evangelischen Bundes nicht zufrieden war, hat in ihren kritischen Erörterungen nebenbei auch dem Zentrum einen £>ieb versetzt. Da die beiden Parteien einen stillschweigenden Bund geschlossen haben, werden die folgenden gegenseitigen Vorhaltungen allgemeines Interesse Hervorrufen. Die „Kreuzzstg." schrieb:
Das Zentrum als tatsächlich konfessionell-katholische Partei ist Unglück genug für den Staat und das Reich. In seinen eigenen Reihen beginnt man bedenklich in die Zukunft zu sehen, da auf die Dauer eine konfessionelle Partei, namentlich wenn sie eine konfessionelle Minderheit vertritt, nur so lange lebensfähig sein kann, als sie sich gegen konfessionelle Bedrückung durch die Mehrheit und durch die Staatsgewalt zu verteidigen hat. Hört dieser Gegendruck auf, so hat eine solche Partei keine politische Existenzberechtigung mehr. Auf dieser Erkenntnis beruht das aussichtslose und innerlich unwahre Bestreben, das Zentrum als eine interkonfessionelle christliche Partei auszugeben
Aus diese bittere Pille versetzt die „Köln. Volksztg.":
Welche Partei soll denn für die jetzigen Zentrumswähler das Zentrum ersetzen? Etwa eine der liberalen Parteien? Das glaubt die „Kreuzzeitung" doch selbst nicht. Oder die kon- servatwe Partei? Diese ist den Zentrumswählern politisch viel zu rückständig —, zu reaktionär, als daß ein Zentrumsmann, besonders im Westen, an ihr Geschmack finden köimte. Doch in einem Punkte gefällt uns die Auslassung der „Kreuzzeitung": Nach ihrer Ansicht würde die Beseitigung der Bedrückung, welche den Katholiken zutell wird, das Zentrum zum Untergänge bringen und damit das „nationale Unglück einer konfessionell-katholischen Partei" beseitigen. Wir richten an die „Kreuzzeituna" die recht herzliche Bitte, auf die Beseitigung jenerBedrückung hinzuwirken. Sie wird dann ja sehen, ob das Zentrum damit die Grundlagen seiner Existenz verliert.
Das konservative Blatt bezeichnet das Zentrum als ein Unglück für den Staat, und das Zentrumsorgan meint, die konservative Partei sei viel zu reaktionär, als daß man wünschen könnte, in ihrer Haut zu stecken. „Was sich liebt, das neckt sich"; wie lange wird es dauern, dann liegen sie sich doch wieder in den Armen!
Eine Rede des preußischen Kultusministers.
Bekanntlich ist der neue preußische Kultusminister v. Tro tizuSolz noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt; seit seiner Ernennung war er in der Öffentlichkeit noch nicht hervorgetreten. Bei der Schließung der Düsseldorfer Ausstellung für christliche Kunst hat er nun eine Rede gehalten, in der man nach Anhaltspunkten für seine Gefinnungs- richtung suchen wird. Er führte u. a aus:
Die Kunst soll alle Zweige des menschlichen Lebens verschönend und veredelnd durchdringen, aber sie hat doch wohl, und das zeigen gerade die herrlichen Kunstschätze des Rheinlandes, in der Darstellung religiöser Vorgänge und in dem Schmuck kirchlicher Bauten vielleicht ihren tiefsten und ergreifendsten Aus- druck gesunden. Fast wlll es allerdings scheinen, als wenn die monumentale Kunst den heutigen Künstlern nicht mehr denselben Reiz wie ehedem bietet. Wenigstens scheint man vielseitig den Mangel an geeigneten Kräften zur Wiederherstellung alter und Schöpfung neuer kirchlicher Kunstwerke zu empfinden. Da abzuhelfen und mitzuwirken scheint mir, ganz besonders nach ihrer ganzen Tradition von Peter Cornelius bis Eduard von Gebhardt, Aufgabe der Düsseldorfer Kunstakademie zu sein. Und so hoffe ich, daß die Akademie unter Leitung ihres tatkräftigen Direktors und unter Mitwirkung der kirchlichen Behörden durch erweiterten Lehrkörper und durch erweiterte Unterrichtsmöglichkeiten in den Stand gesetzt sein wird, zur Verinnerlichung und Vertiefung dieses hohen Zweiges der Kunst und zur Verschönerung der Gotteshäuser beider Konfessionen beizutragen. Wenn sie so diesen hohen Zielen nachstrebt, wird sie schlummernde Kräfte wecken, guten sttachwuchs schassen und getragen sein von der bewußten Sympathie der gesamten Düsseldorfer Künstlerschaft. Wenn wir aber gemeinsam solchen Zielen zustreben, finden nur uns auch im Einklang mit den Intentionen unseres kaiserlichen Herrn, der noch jüngst in einer andern Kunststadt im Süden die Aufgabe der Kunst dahin kennzeichnete: Uebcr die alltägliche Misere hinauszuheben und im Volle edle Gefühle zu wecken und zu fördern.
Viel ist ans dieser Rede nicht zu erkennen, und der Kultusmimster hat sie nicht zu einer Programmrede gemacht. Gegen des Kaisers Kunstanschauungen protestieren bekanntlich gerade die besten Knnstkenner, und wenn man auch den jüngst in München gefallenen Kaiserworten in dem oben zitierten Satz nicht widersprechen mag, so ist damit doch nickt das innerliche Wesen der Kunst gekennzeichnet. Doffenllth ist Herr v. Trott zu Solz in Kunstfragen kein tritikloser Anbeter der kaiserlichen Meinungen.
*
Zur Eröffnung der griechischen Kammer.
Man würde dem diesjährigen Zusammen treten der griechischen Kammer, die am Donnerstag ihre Arbeiten aufnimmt, kein so großes Gewicht beilegen, wenn nicht diese Tagung über das Schicksal. des Kabinetts Mavro- michalis und seines Reformprogramms und damit über das Schicksal Griechenlands überhaupt zu entscheiden hätte. Wurde' doch durch den Exodus der Offiziere und chr Reformprogramm ein neues Moment der Unruhe in das griechische Staatsleüen hineingetragen, das bereits zum Sturze des Ministeriums Rhallys, zur freiwilligen Verbannung der königlichen Prinzen und zu Gerüchten von der Abdankung des Mnigs geführt hat. Es wird alles darauf ankommen, ob die Kammer die Programmforderungen des neuen Kabinetts Mavromichalis und der Militürpartei genehmigt. Nur dann allein kann Griechenland vor dem Zusammenbruch bewahrt bleiben.
Die augenblickliche Zusammensetzung der griechischen Kammer läßt auf ihre Haltung gegenüber dem Kabinett Mavromichalis keinen bindenden Schluß zu. Von ihren 177 Mitgliedern gehörten etwa 105 der Partei des Theo- tokis, 40 der Partei des Rhallys und 5 der Partei des Dragumis an, während der jetzige Ministerpräsident Mavro- michaliS bisher höchstens 2/ Abgeoronete hinter sich hatte. Unter den Theotoktsren aber hat sich, nachdem Thcotokis die Führung der Partei niedergelegt und erklärt hat, auch nicht mehr im Parlament erscheinen zu wollen, eine so große Uneinigkeit geltend gemacht, daß es nicht ausgeschlossen ist, daß ein großer Teil der Partei zu Mavromichalis übergeht, während der übrige unter dem bisherigen Kammerpräsidenten Kumunduras wahrscheinlich eine neue Partei bilden wird. Das klingt für Mavromichalis nicht ungünstig, aber
dieser Be-1 allerdings mit einer gewissen Vorsicht, der a e s chä f 11 i cheBoy- ht plötzlich kott. Eine Hauptaufgabe in dem Kampfe fällt der Schule zu.
bid sich an den Verstand und an das Gefühl (Stolz, Selbstbewußt^
Allgemeiner deutscher Frauentag.
ii.
RB. Darmstadt, 5. Okt.
.Der Allgemeine deutsche Franc nverein setzte heute vormittag 9 Uhr seine Generalversammlung fort. Der Bericht der Zentral für Gemeindeärn ter der Frau wird voN der Leiterin der Zentrale, Frau Jenny Apo laut, erstattet. Tie Zentrale hat Umfragen veranstaltet über die Beteiligung der Frauen an der Schulverwaltung, an besoldeten Gemeindeämtern, besonders über die besoldeten Stellungen in der Waisen-, Ziehkinder- u, Säuglingspflege u. an Mütterberatungsstellen, über den Beruf der Laboratoriumsgehllfin, über die Stellung der Frau im Gemeindewahlrecht des Auslandes: sie hat anregend für die Beteiligung der Frauen an der Vormundschaft, für die Anstellung von Wohnungsinspektorinnen gewirkt. Eine Zusammenstellung über die iit Deutschland bestehenden Wählerrechte der Frau in der Gemeinde ist von der Zentrale her aus gegeben und verbreitet. IM übrigen sieht die Zentrale ihre Aufgabe darin, die Entwickelung in der Stellung der Frau in der Gemeindeverwaltung zu verfolgen und allen Interessenten darüber Auskunft zu erteilen. Die Zentrale bat im letzten Jahre 635 Eingänge und 731 Ausgänge gehabt. An den Bericht schloß sich ein Antrag der Ortsgruppe Frankfurt a. M.: „Der Allgemeinei deutsche Frauenverein möge die ihm angeschlossenen Ortsgruppen und Zweigvereine auffordern, das Gemeindewahlrecht des Staates bezw. der Provinz, in der sie ihre Tätigkeit ausüben, genau zu studieren und diejenigen Frauen, denen bereits das Recht zusteht, das Gemeindewahlrecht persönlich oder durch einen Stellvertreter auszuüben, äu veranlassen, ihren Bürgerpflichten nachzukommen." In der Begründung des Antrages gab Frau Apolant eine interessante Darstellung der Art, wie Frankfurter Frauen die Frauen der Landkreise . zur Ausübung ihres Gemeindewahlrechts anzuregen versuchen wollen. In einer angeregten Diskussion wurde über die Mittel zur Durchführung des Amrages beraten. Anregungen, die kirchlichen Vereine zur Durchführung des Antrages heran- zuziehen, begegneten dem Bedenken, daß dadurch parteippllttsche Momente in die Einwirkung auf die Frauen hereingezogen werden könnten. Dagegen wurde die Heranziehung des Landpflege-Verbandes und der ostpreußisck-en Hausfrauenvereine zur Müarbeck empfohlen. Es wurde angeregt, durch Petitionen dahin zu wirken, daß die Frauen ihr Gemeindewahlrecht direkt, und nicht durch Vertreter ausüben können. Von dem Entwurf eines Flugblattes, das in dieser Agitation benutzt werden soll, wird abgesehen, da ein solches Flugblatt genau den besonderen Verhältnissen des einzelnen Bundesstaates oder der Provüizen angepaßt sein muß. Ter Amrag wird zum Schluß angenommen. Weitere Beratungen dienten der Gestaltung des Vereinsorgans.
Zum Schluß wird eine Anträge beraten, die vom Frauengewerbeverein Leipzig eingebracht ist: „Wie gedenkt der Allgemeine deutsche Frauenvereiu sich zu der unter den deutschen Frauenvereinen kursierenden Petition zur Abschaffung des Kellnerinnen- berufes zu stellen?" In einer lebhaften Diskussion kam man zu dem Resultat, daß die,e Diskussion lediglich als orientierend zu betrachten sei und den Ortsgruppen überlassen werden müsse, ihrerseits zu der Petition Stellung zu nehmen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 6. Oktober 1909.
** Lehrer st udiurn. Die Anstellung von Seminarlehrern in Oldenburg ist neuerdings, wie in Bayern:, vorn 2—3 jährigen Besuch einer Universttät und darauf folgenden Bestehen einer pädagogischen Prüfung abhängig gemacht worden. Die letztere wird nact) einem Uebereinkommen mit der hessischen Regierung in Gießen abgelegt, wo sie vor einigen Jahren für Studierende der Pädagogik eingerichtet wurde. Mehrere Lehrer aus Oldenburg weilen schon als stud. päd. an der hiesigen Universität, um sich für die pädagogische Prüfung vorzubereiten. Für die Zulassung gelten natürlich dieselben Bestimmungen wie für die hessischen Lehrer: Die Studierenden der Pädagogik' müssen das Lehrerseminar mit der Note „sehr gut" verlassen und die zweite Prüfung mindestens mit „gut" bestanden haben. t
* Psarrwaisen-Verein. Die Jahresversammlung des Vereins im Groß Herzog tum Hessen wird Donnerstag, 7. Oktober, zu Frankfurt a. M. stattsinden. Der Verech gewährt bedürftigen eitern- oder vaterlosen Söhnen und Töchtern evangelischer Geistlichen der hessischen Landes- kirche zum Zwecke der wissenschaftlichen oder praktischen Vorbildung auf einen Lebensberuf sowie zur Ausrüstung solcher Söyne für die Ableistung des einjährig-freiwilliger Militärdienstes Geldunterftützungen.
*♦ Gießener Volksbad. Im September wurden 8220 Bäder verabreicht gegen 9866 im August 1909 und 8143 im September 1908 ober un Durchschnitt täglich 274 Bäder gegei) 318' im August 1909 und 271 im September 1908. Der Besuch hat sich wie folgt verteilt:
Schwnnmbad: 3017 Männer, darunter 845 zu 10 Pfg., , 1126 Frauen, „ 308 „ 10 „
Wannenbäder L Kl.: 202 Männer, 117 Frauen,
„ n. , 713 „ 510
Brausebäder I. „ 809 w 233 „
, II. „ 1087 „ 273
Dampf- und Heißluftbäder sowie Massage zusanunen 119 Männer, 14 Frauen. Die Personeuwage wurde von 200 Personen benutzt, das Bad von 4 Personen bestchtigl.
** Oeffentliche Lesehalle. Im September wurden 1827 Bände ausgeliehen. Davon kommen ans: Erzählende Literatur 890, Zeitschristen 275, Jügendschrülen 242, Vers- bichtungen und Dramen 42, Literaturgeschichte 22, Länder- und Völkerkünbe 67, Kulturgeschichte 18, Geschichte und Biographien 79, Kunstgeschichte 14, Naturwissenscha't und Technologie 92, Heer- und Seewesen 20, Haus- und Landwirtschaft 11, Gesund- heitslehre 6, Religion uiib Philosophie 28, Staatsmissenschafi 10, Sprachwissenschaft 5, Fremdsprachliches 6 Bände. Nach auswärts kamen 64 Bände.
— Klein-Linden, 5. Okt. Am Montag hielt der Stenographenverein ,®a bel§bergeta unter Beteiligung einer größeren Anzahl Herren vom Verein Gießen einen Vereinsabend ab, in dem dec Vorsitzende des Gießener Vereins, Sekretär Loh, einen ausführlichen Vortrag über die Geschichte der Stenographie hielt, der mit großem Beifall ausgenommen wurde. — Es ist jetzt hier ein Anfängerkursus im Gange, an dem sich 11 Schüler beteiligen.
I Zell-Romrod, 5. Okt. Anfang Oktober erreichte die Weideperiode auf der Jungviehweide im Jägertal ihr Ende und die Tiere wurden von ihren Eigentümern wieder abgeholl. 30 Fohlen und 60 Rinder haben sich
es fragt sich noch, ob nicht Theotokis, der in ! ziehung ein recht unsicherer Kantonist ist, vielleicht plötzlich aus der Versenkung auftaucht, um an Stelle von Mavromichalis wieder griechischer Ministerpräsident zu werden, was er schon so oft, zuletzt zu Beginn dieses Jahres, war. Im ersten Falle fänden Mavromichalis >nd die Mllitärpartei, zumal auch die Anhänger Rhallys gespalten sind, für ihr Programm eine Kammermehrheit, im letzten Dagegen würde Theotokis wieder feine 100 Abgeordneten um sich versammeln und der derzeitigen Regierung so große Schwierigkeiten machen, daß, wenn diese nicht Hein beigibt, eine Verwirklichung ihres Resormprogramms nur mit Hilfe der Drilitärdiktatur möglich wäre, wobei aber eine Revolution in Griechenland keineswegs ausbeschlossen erscheint.
Das Programm des neuen Ministeriums Mavromichalis, das sich im großen und ganzen an die Forderungen der Offiziere anlehnt, ist bekamit. Es handell sich dabei hauptsächlich um eine Vermehrung und Reorganisation des griechischen Heeres, das an Linie und Reserve 21 Jahrgänge (19.—40. Lebensjahr), nämlich 200 000 Mann und an Landwehr (41.—53. Jahr) 250000 Mann im Kriegsfälle zählen soll. Die Mtttel dafür, sowie für die Vervollständigung der Artlllerie und des Pferdematerials im stehenden Heere und für die Verstärkung der Flotte durch einen Dreadnought und acht Torpedobootzerstörer, will man nach den Vorschlägen des Finanzministers Evtaxias teils durch Verkürzung der königlichen Zivilliste und Streichung der Ausgaben für die Offiziersgehälter der Prinzen und die Instandhaltung der königl. Schlösser und Fachten aufbringen, tells durch Einziehen des vierten Teils aller Beamtenstellungen, wodurch eine Beschneidung des bisherigen Etats um zirka 25 Millionen Drachmen (5 81 Pfg.) zu ermöglichen wäre. Da aber diese Summe für die samtkosten des Reformwerks, toeim auch diese noch nicht ziffernmäßig bekannt sind, keineswegs auch nur annähernd ausreicht, so plant man neben einer Konfiskation des Kirchenvermögens, bei der die kirchlichen Ausgaben auf die Steuerkasse zu übernehmen wären, noch eine Reihe neuer Steuern (Branntweinsteuer, Erbschaftssteuer und Einkommensteuer) sowie die Auflegung einer inneren Anleihe.
ein) der Jugend zu iuenben hat. Nicht minder wirksam muß sich aber auch der Kamps in der breiten Oesfentlichkeit betätigen, durch Auflöttung seitens der Volksbildungsvereine, der Presse und des Buchhandels: der gute Buchhandel bemüht sich ja ehrlich, uns in diesem Kampf zu unterstützen. Als die wichtigsten Kampfmittel müßten die ersreulick-erwelse immer mehr zunehmenden guten Sammlungen billiger Volksschriften und die Volksbibliotheken gelten. Redner empfiehlt ferner die Einführung von Kinderlese sälen und von V v l k s l e fett b c n d e n als ständige Einrichtungen.
Die Versammllmg faßte einstimmig folgenden Beschluß:
„Tie Hauptversammlung der Gesellschaft für Verbreitung, von Volksbildung fordert die Mitglieder und Freunde der Gesellschaft auf, die Verbreitung guter Literatur in der Jugend und im Volke und den Mampf gegen die Schundliteratur mit allen geeigneten Mitteln fvrtzusetzen, insbesondere folgende Arbeiten &u unterstützen:
1. Die literarische Erziehung der Jugend in Haus und Schule;
2. die innere und äußere Entwicklung derBi- bliotheken und sonstigen Lehranstalten in Stadt und Land, für Jugend und Volk;
3. die Verbreitung billiger, guter Literatur, auch auf dem Wege der Kolportage;
4. alle Abwehrmaßregeln seitens der Behörden und Privaten.
Die Versammlung richtet an die staatlichen und kommunalen Behördan die Bitte, den Kämpf gegen den literarischen Schund auf der ganzen Linie, insbesondere durch positive Arbeit aufzwrehmen und die freimütige Arbeit auf diesem Gebiete zu unterstützen."
Der Vorstarrd der Gesellschaft möge 1. mit den Eisenbahnbehörden behufs Auslage guter billiger Schriften in den Bahnhossbuchhandlungen in Verbindung treten; 2. in einem Anschreiben an die Magistrate der größeren und Mittlern Städte den allgemeinen Ausschluß der Schundliteratur! aus den Trinkhallen, Zeitungskiosken und sonstigen öfseMlichen, Verkaufsstellen empfehlen.
Antrag Gen sei (Leipzig): „Die Versmnmlung wolle beschließen, den Vorstand zu ersuchen, daß er die angeschlossenen! größeren Vereine auf fordere,
zu veranlassen, daß überall angesehene Männer sich zu der öffentlichen Erllärung vereinigen, daß sie jeden geschäftlichen Verkehr mit Handelsgeschäften, die Schundliteratur führen, ab brechen werden."
Generalsekretär I. Tews erstattete den Kassenbericht. Die Einnahme betrug 1908 314 076,55 Mk., die Ausgabe 295 487,13 Mark. Allein für BibliotheVgrürwungen wurden 190 679,88 Mk. ausgegeben, 1893 dagegen nur 21 722,29 Mk.
Nach der Wahl des Zenttalausschusses schloß der Vorsitzende: die Tagung.
In Nebenversammlungen sprachen Dozent Fr. Fürstenberg,. Berlin, über „Lichtbildervorträge, Temonsttattonsapparate, Kine- matographen" und Th. H. Hansen, Sekretär der Gesellschaft für Verbreitung von Vollsbildung, über „Werbetätigkeit".
Mit der Versammlung ist eine Ausstellung verbunden, die in der einen Abteilung das Bibliot he kswesen, in der anderen das Vortragswesen vorführt.
vottzbildungrtag in Dortmund.
ii.
Dortmund, 4. Okt.
Bei der zweiten Hauptversammlung spricht Dr. Jaeschke- Elberscld über dre Verbreitung guter Literatur im Volke. Einleitend wies er auf die Riesensumme von 50 Millionen Mark hin, die jährlich in Deut,chland für Schundliteratur aus gegeben werden. Man müsse versuä)en, wenigstens einen 2eil dieses Kapitals für den Antauf guter Siteratiir zu gewinnen. Hier käme zuerst die Provinzpresse in Bettacht. Er forbert deshalb einmal häufigere Nachrichten über empfehlenswerte Bück>er unh ferner eine sorgsamere Auswahl der Romane unter dem Strich. Ein weiteres wichtiges Mittel sieht der Referent in den Verzeichnissen empfehlenswerter Jugendschriften. Als besonders wünschenswert werden Bück-erausstellungen empfohlen, bei denen der Preis des gebundenen Bandes 3 -Diart' nicht wesentlich übersteigen darf. Dann ging Redner auf die Vollsbibliotheken ein. Er fordert Lesezirkel, Kasernen-, Wacht- stuben- und GesängnisbibliotHelen. Auch auf dem Weihnachtsund Geburtstagstisch sollte viel nwhr als bisher das gute Buch liegen. Neben Geld könnten auch Fabrikherren Bücher an ihre Arbeiter verschenken.
Prof. Dr. K. Brunner (Pforzheim) spricht über die Bekämpfung der Schundliteratur. Der Redner erörtert zunächst Wesen und Wirkung der Schundliteratur. Ablehnend verhält fico "Referent gegen eine gesetzlich Regelung, fordert da- | gegen ein Einschreiten per VerwallüngSbehörden. Empfohlen wird.


