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Erstes Blatt
Donnerstag 6. Mai 1909
159. Jahrgang
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Montag erfolgen und der Ausstand selbst Dienstag bc- ginnen. Wenn auch die Zahl der Ausständigen diesmal eine geringere sein dürfte, so würden sich die Folgen der Arbeitseinstellung doch viel ernster gestalten, da die Streikenden durchweg aus Leuten bestehen würden, die vor nichts zuriickschrecken.
Pit*. 105 fcer «iehener Anzeiger k^cheinl täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehentrZamilftnblätter;
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
haben, und für die edlen Gefühle, welche Eure Majestät geäußert haben, bitte ich, meinen aufrichtigsten Dank entgegennehmen zu wollen. Ich' flehe zum Himmel für die glücklich Negierung Eurer Majestät sowie für das Glück und die Zufriedenheit Eurer Majestät Untertanen."
Das neue Kabinett
ist gebildet und folgendermaßen zusammengesetzt: Hilmi-Pascha Großwesir, Sahib Molta Scheich uel Islam, Ferid-Pascha Inneres, Aries Hikmet 9Jtorine, der bisherige Vizepräsident der Kammer Aristidi Ackerbau. Dem bislferigen Botschafter in Nom Hakki Bel? wurde das Justizportefeuille an geboten; das Unterrichtsportc- feuille ist noch nicht vergeben. Die übrigen Minister und der Präsident des Staatsrates bleiben im Amte.
Der gestern erlassene Het-Humajun betreffend die Ernennung des Großwesirs und des Scheiks uel Islam wiederholt die Versicherungen, dass die Verfassung entsprechend dem Scheria befestigt, das Land völlig die materiellen und moralischen Vorteile und Fortschritte des Vcrsassungsregimes geniesten und dast Ruhe und Ordnung wiederhergestellt werde.
Die türkische Kammer.
In der gestrigen Sitzung der türkischen Kammer teilte der Präsident ein Schreiben des Generalissimus Schcwket Pascha mit, wonach die Untersuchung ergeben habe, dast die albanesischen Deputierten Jmmail Komal und Musid, beide Mitglieder der liberalen Union, geplant haben, einen Aufstand in Albanien hervorzurufen. Schcwket Pascha crsuckste die Kammer, einen Beschluß darüber zu fassen, ob die beiden Deputierten verfolgt werden können. Tie Kammer überwies die Angelegenheit einer Kommission. Ter Präsident gab ferner bekannt, dast der Grostwesir auf das Ersuchen Schcwket Paschas die Kammer auffordere, das Preßgesetz und Strcikgesetz fertigzustellen, da der Belagerungszustand nicht cljer aufgehoben werden könne. Der Grostwesir teilte außerdem mit, der Sultan werde den Eid aus die Verfassung vor dem Parlament nach der Schwertumgürtung ablegen. In der fortgesetzten Beratung der Tcputiertenkammer' über die Revision der Verfassung wurde besonders über oas Recht des Sultans verhandelt, die Kammer im Falle eines Konflikts mit der Regierung aufzulösen und über das Recht der Deputierten, Gesetze cinzubringen und über die Dauer der Kammersession zu beschließen. Einige Deputierte verlangten, daß die Kammer in Permanenz tage.
Verhaftungen.
Ter frühere Adjutant und Vollstrecker vieler Akte des abgesetzten Sultans, Tscherkesse Mehmcd, der seit der Juliumwälzung nach Brussa verbannt war, wurde auf Befehl des Kriegsministers verhaftet und nach Konstantinopel gebracht, ebenso sollen auch, den türkischen Blättern zufolge, der frühere Generalinspektor der Militärschulen Ismail Pascha und der ehemalige Chef der Jildiz- spitzeln, der Apotheker Refik Pascha, vor ein Kriegsgericht gestellt werden.
Äezugspre:^: monatlid) 75 Pi., vierteljährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post All. 2.— Vierteljahrs ausschl. Bestellg.
BLL- General-Anzeiger für Oberheffen WS Annahme von Anzeigen Qz ’ 9 “ I u. Land" und „Gerichts-
us Rotatlonrdruck unö Verlag derBrübf’fdjen Univ.-Viich. and Stcinörutferd R. Lange. Redaktion, Lxpedttion und Druckerei- Schnlftratze 7.
iroeunal wöchentt.A*eir> lattjür den Areis Siehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land-
Drohbriefe.
Daily Chronicle meldet aus Mailand, daß die Behörden während des Besuches des englischen Königspaares verschiedene Briefe erhielten, in denen Einzelbeiten über ein auf das Leben des Monarchen geplantes Attentat angegeben werden. Die Nachforschungen ergaben, daß, als Briefschreiber ein und dieselbe Person in Betracht kam und zwar rührten sie von der Hand eines Advokatur- Kanzlisten. Dieser erklärte, die Briefe nach dem Diktat eines Polizeibeamten geschrieben zu haben. Beide Männer wurden verhaftet.
Ein neuer Poststreik.
Unter den französischen Postbeamten gärt es fort. Eine Anzahl Postbeamten hielt vorgestern eine Versammlung ab, um die Möglichkeit eines zweiten Llusstandes ins Auge zu fassen, als Antwort auf die dRastnahmen der Regierung gegen die Beamten. Zahlreiche Reden wurden gehalten und schließlich eine Tagcsordirung angenommen, worin die Postbeamten sich mit ihren übrigen Kollegen solidarisch erklären und beschließen, auf die Drohung der Regierung mit einem zweiten Ausstande zu ant- rvvrten. Aus der Tagesordnung wird noch 'hinzugefügt, daß diesmal die Postbeamten den Ausstand bis zur Erlangung vollständiger Genugtuung durchführen werden. Auch in Lyon hielten die Postbeamten eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, dieselben Maßnahmen zu ergreifen, wie fie in Paris beschlossen worden sind. Die Regierung verkennt den Ernst der Lage keineswegs und trifft bereits Vorkehrungen für den Fall eines neuen Poststreiks. Ein Postbeamter teilte einem Berichterstatter mit, das Signal zum Ausstande werde durch die Einberufung eines Meetings für nächsten
Stimmungsbild aus Sern Reichstage.
1 Berlin, 5. Mai.
Die Versäumnisse der letzten Tage bemüht sich der Reichstag gut zu machen. Nicht weniger als zwei bedeutsame 1 Gesetze, die lange Zeit sehr umstritten waren, und sehr ausgedehnte Beratungen in den Kommissionen verursachten, die Zivilprozeßnovelle und das Gesetz pim Schutze der Bauforderungen, wurden heute in einer einzigen Sitzung, die noch dazu erst am späten 'Nachmittag begann, in dritter Lesung beraten und verabschiedet. Als Einleitung hatte das hohe Haus daneben Mvor noch einen weiteren Gesetzentwurf in erster Lesung erledigt. Wie kurz könnten die Tagungen sein, und um wie 2>iel nützlicher die Arbeit des Reichstages, wenn er sich schon in einem früheren Stadium darauf besinnen würde, idast auch bei der trockenen Gesetzesarbeit Kürze häufig des Witzes Würze ist. Nur spärlich waren die Bänke des Hauses besetzt, als der Präsident die Sitzung eröffnete. Die wenigen 'Abgeordneten, die an der ersten Lesung des Entwurfs der Haftung des Reiches für seine Beamten teil- utahmen, waren mit staubbedeckten Schuhen in den Sitzungssaal gekommen. Sie l)atten vorher mit ihren Kollegen, Die «es nun vorzogen, den herrlichen Frühlingstag weiter zu Senießen, draußen in Tegel den Hebungen des Luftschiffer- ataillons beigewohnt, und darauf wohl waren die alar- ■nierenten Gerüchte zurück zu führen, der Reichstag sei auf- «eflogen. Beinahe wäre er es wirklich, als hernach im ^aufe der Sitzung sich bei der Abstimmung über einen 'Antrag zur dritten Lesung der Zivilprozeßnovelle die Notwendigkeit eines Hammelsprunges ergab, aber inzwischen Hatten sich doch so viele Herren in Die Präsenzliste ein» Sezeichnet, daß dieser Kelch an hem Präsidenten, Herrn -rasen Stolberg, vorbeiging. Die Vorlage über die Haftung des Reiches für seine Beamten ging an die Justizkommission Ter nttionall o rale 2>r. Junck und der freisinnige Gyßling äußerten ihr leb- lMftes Bedauern darüber, daß das Reichs-Justizamt bei dieser vor zwei Jahren in einer Resolution vom Reichstage geforderten Vorlage auf halbem Wege stehen geblieben t|t und diese im Interesse des durch Mißgriffe und lieber» griffe von Beamten geschädigten Publikums ebenso wie im Znteresse der nun gegen grundlose Klagen und besonders gegen Querulantentum geschützten Beamten selbst liegende Regelung nur auf Die Beamten des Reiches beschränkt hat. Es bleibt der Zustand in Geltung, daß jeder Einzelstaat, ht>e öffentlich rechtliche Korporation die Frage für ihre eigenen Beamten besonders regelt, und es ist sehr fraglich, ab bei dem Widerstande der verbündeten Regierungen die Zustizkommission diese Rechtszerrissenheit befangen wird.
Türkei.
Apeschenwechsel zwischen dem deutschen Kaiser und dem Sultan.
Die Glückwunschdepesche unseres Kaisers an Sultan Moha- nezb V. hatte, wie! jetzt betannt wird, folgenden Wortlaut: „Aus Miilast der Thronbesteigung Eurer Majestät bringe ich meine aufrichtigsten Glückwüiststhe für Ihre Negierung und das Glück des osmanischen Volkes! dar."
Das Antwortt^legramm Sultan Mohameds V. lautet wie saigt: „Für die Glückwünsche, die Eure Majestät aus Anlaß der Weigung des Thi^ones meiner Vater mir zu senden geruht
ätimmungsbilb aus dem preuh. Abgeordnetenhaus.
Berlin, 5. Mai.
Das neckische Spiel zwischen deut Präsidenten und besonders eifrigen Redner des Abgeordnetenhauses, das sich in den Lagen der Debattenkontingentierung zum Ergötzen des Hauses eingebürgert hat, wurde auch am Mittwoch wieder einmal ge- trrieben: Tie Herren, die durch den gestrigen Schluß der allge- r-rinen Aussprache um die Möglichkeit gekommen waren, ihre Ansichten über unser höheres llnterrichtswesen urbi et orbi zu verkünden, versuchten am Mittwoch bei der Spezialberatung, diese raehr oder minder wertvollen Expektorationen auf dem Wege des Schmuggels an den Mann zu bringen. Aber Herr Jordan von ftroedjer erwies sich als wachsamer Posten an der Grenze zwischen Mgemeiner und spezieller Debatte, und Keinen sah man glücklich enden, der den Schmuggelversuch unternahm. Kaum ent- lmppten sich die Darlegungen der Herren als nicht auf einen bestimmten Punkt gerichtet, da ftthr die Präsidentenklingel da- zimschen, und in heiterem Zwiegespräch zwischen dem Präsi- temten und dem ertappten Sünder fanden die sorgsam angelegten Standardreden vorzeitig ein jähes Ende. Schallende Heiterkeit iv.s ganzen Hauses umbrauste die vorwitzigen Redner, wenn sie, iemt sanften Zwange Kroechers sich fügend, mit einem heiteren, eenem nassen Auge dem Rednerpult Adieu sagten. Die Spezial- irebatte selbst brachte keine Ueberraschnngen: Die mit jedem jungen Zahr wieder kehrende Rede des Herrn v. Schenkendorff über die Leibesübungen der Jugend hatte auch diesmal an Frische und Lebendigkeit und — trotz der intimen Bekanntschaft des Hauses mit dem Gegenstand — an Interesse nichts eingebüßt, und die Stellungnahme der übrigen Redner und der Regierung zu dem Lieblingsgedanken des unermüdlichen Vorkämpfers einer ge- sistnden Jugenderziehung ließ ihn die Wahrheit des Wortes von dem steten Tropfen, der den Stein Whlt, erkennen. Nach den höheren Lehranstalten kam das Aementarschulwesen an' die Reihe. Hier gab es eine rein sachliche, aber deshalb nicht uninteressante Debatte über die Rolle der Dolksschullehrerinnen in unserem Schulwesen, über die Zustände cuf den Seminaren, die Beziehungen zwischen Volksschule und ij-ortbildungsschule und anderes mehr. Auch der Fall der „besseren Gymnasiasten" in Essen kam noch zur Sprache: Herr Eickhiff von teer Volkspartei, Herr Heß vom Zentrum und Dr. Maurer von tom Nationalliberalen erörterten die Sache noch einmal, und der Lnterftaatdiefretär Wever bestritt alles und erwartete den Gegen- lMweis. Eine großangelegte und von großen Gesichtspunkten aus- A?hende Rede hielt,' der National liberale D. Hackenberg, einer der s,cchkundigsten und .klarblickendsten Schulpolitiker Preußens, über Seminar- und Mittelschulbetrieb. Herr Schwartzkopff, der hrimliche Kaiser um Kultusministerium, brauchte viele Worte, um wenig zu sagest. Tann machte man, nach mehr als fünf- fttinbiger Debatte, । für diesmal Schluß. Am Donnerstag hofft d:s Haus den Kultjusetat in zweiter Lesung zu verabschieden.
Aus Stafct und Land.
Gießen, 6. Mai 1909.
♦♦ Das badische Großherzogspaar in Darmstadt. Nach Der Galatafel um 5 Uhr ging gestern abend 7 Uhr im Hoftheater Sullivans Operette ,Der Mikado" in Szene. Die Badischen Herrschaften hatten eine Operette gewünscht, da in Karlsruhe dies leichte Genre nicht gepflegt wird. Als das Badische und Hessische Großherzogspaar die Hofloge betraten, brachte Generaldirektor Werner ein dreifaches Hoch auf Großherzog Friedrich II. und Großherzogin Hilda aus, worauf die Fürstenhymne gespielt wurde. Die Vorstellung, die namentlich in Dekoration und Kostümen prächtig ausgestattet war, nahm einen flotten Verlauf. Tie Großherzogin von Baden trug eine hellblaue, die Großherzogin von Hessen eine rosa Empiretoilette mit Silberborden.
” Ordensverleihungen. Se. Kömgl. Hoh. der Groß Herzog haben dem Weichensteller 1. Klosse in der Hessisch-Preußischen Eifenbahngemeinschaft Hch. Kirchmann \u Reiskirchen aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Dienste" und dem Bürgermeister, Ortsgerichtsoorsieher und Standesbeamten Joh. Unkel Hauser II. zu Sulzheim das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
L. U. Landesuniversität. Dem 1. Assistenten am hygienischen Institut der Landesuniversität, Dr. Kurt Laubenheimer, wurde die venia legendi für das Fach der Hygiene und Bakteriologie erteilt. Seine Habilitationsschrift behandelt das Phenol und seine Derivate als Desinfektionsmittel.
•• Militärisches. Ende Juli wird zwischen Saar und Rhein eine viertägige Aufklär ungS-Uebung von sieben Kavallerie-Regimentern unter Leitung des Geueral- infpekteurs der Kavallerie stattstnden. An dieser Uebung nehmen teil: 16. Kao.-Brigade (7. Drag.-Regiment und 7. Ulanen-Rgt. Saarbrücken), 2 5. hessische Kavallerie- Brigade (23. und 24. Drag.-Rgt. Darmstadt), 21. Kav.- Brig. (6. Ulanen-Rgt. Hanau und 6. Drag.-Rgt. Mainz) und das 9. Hus.-Rgt. in Straßburg. Außerdem werden noch Genietruppen herangezogen.
** Zur elektrischen Bahnfrage. Der Haus- besitzerverein hielt gestern abend im Cafe Metropol eine Mitgliederversammlung ab, die sich mit der Frage der elektrischen Bahn, bezw. der Anbringung von Rosetten an den Häusern befaßte. Der Voriitzeude, Fabrikant Jnderthal, führte einleitend aus, daß der Vorstand des Vereins der Sache sympathisch gegenüber» stehe, aber doch seinen Mitgliedern Gelegenheit zu einer Aussprache hierüber gebe. Man wolle der elektrischen Bahn ferne Hindernisse in den Weg legen, aber vielleicht doch bezügl. der Uebernahme einer Verpflichtung für den Rechtsnachfolger eine Aenderung herbeiführen. Der Referent des Abends, Rechtsanwalt Raab, gab zunächst Kenntnis von einem Schreiben des Stadtv. Justizrat Grünewald, worin dieser dringend empfiehlt, der elektrischen Bahn keine Hindernisse in den Weg zu stellen, zumal der vorgelegte Vertragsentwurf die Hausbesitzer vor Schädigungen bewahre. Weiter gab der Referent einen Ueberblick über die geplante elektrische Bahn. Zur Rosetten- frage führte er aus, daß jeder Einwohner, besonders jeder steuerzahlende, die Bahn unterstützen solle. Die durchgehende Anbringung von Masten sei unschön und wirte ver- tehrsstörend in den Straßen, außerdem werde durch das Anbringen von Rosetten der Bau der Bahn wesentlich- verbilligt. Eine Geräuschwirkung auf die Häuser durch die Rosetten sei nicht zu befürchten. Was die rechtliche Seite der Sache anbelange, so sei es u. U. wohl möglich, daß die Anbringung der Rosetten auf dem Enteignungsweg durch Eigentumsbeschränkung durchgesetzt werden könne. Eine Entwertung der Häuser, die etwa' bie Zustimmung der Hypothekengläubiger erforderlich mache, sei durch die Rosettenanoringung nicht zu befürchten. Durch die Erlaubniserteilung auf Widerruf stelle man unter Umständen das ganze Unternehmen in Frage. Auch insofern sei die Erlaubnisgenehmiguilg nnbedenkltch, als der Uebergang des Betriebs von der Stadt an eine Privatgesellschaft kaum jemals ein treten werde. Das größte Bedenken bestehe in weiteren Kreisen gegen die Bestimmung, daß der Hausbesitzer die Erlaubnis auch für seinen Rechtsnachfolger eingehen solle. Auch die allgemeine Fassung des Vertragsentwurfs, bafc bie Erlaubnis gegeben werben soll, bie (rin- richtungen anzubringen unb dauernb zu haben, die zum Bau und Betrieb einer elektrischen Straßenbahn nach Ermessen der Bürgermeisterei erforderlich sind, sei vielleicht durch eine speziellere Fassung tzu ersetzen. Unter Berücksichtigung dieser Bedenken schlägt der Referent folgende Resolution vor:
„Da es das eigenfte Interesse der Bewohner Gießens ist, das Unternehmen der städtischen elektrischen Straßenbahn in jeder Beziehung zu fördern, empfiehlt der Verein der Hausbesitzer seinen Mitgliedern und den übrigen Interessenten die Anbringung Der Msetten (zur Befestigung der Tragdrähte- prinzipiell zu gestatten. Wo Bedeuten be« stehen bett. Uebernahme Der Verpflichtung auch bezüglich etwaiger Rechtsnachfolger, sowie bei Um- und Neubauten, endlich wegen der für einen künftigen Grundbuchseintrag Au allgemein gehaltenen Fassung („die Einrichtungen anzubringen und dauernd zu haben, die zum Bau und Betrieb einer elektrischen Straßenbahn nach Dem Ermessen ber Bürgermeisterei Gießen erforderlich finb"), empfiehlt
Sultan Abdul Hamid hat nach ber nervösen Aufregung ber letzten Tage das Gleichgewicht nricbergefunben unb ist vollkommen ruhig. Von einem Transport nach Monastir ist keine Rede mehr.
Die Orientbahn.
Tie Verhandlungen der Direktion ber Orientbahn mit ber Kommission ber Pforte haben bisher zu keinem Ergebnis geführt: es mußten daher bei dem Minister des Auswärtigen eindringliche Schritte erfolgen, die von diplomatischer Seite unterstützt werden. — Mil/ Bulgarien ist dagegen über einige Spezialfragen eine Verständigung nahezu erzielt worden.
Ter Lttiegsminister hat an die Orientbahn ein Tankschreiben für die durchgeführten Truppentransporte gerichtet.
Kolitsfche Tcrgerfchan.
Geht Bülow?
Die große Unklarheit, die gegenwärtig ütfer die Reichsfinanzreform herrscht, hat zu verschiedenen Vermutungen Anlaß gegeben. Die Einen meinen, daß es zur Reichstagsauflösung kommen werde, die Anderen meinen, Bülow werde zurücktrcten. Nun wird uns heute von Berlin gemeldet, daß die von einer Korrespondenz gebrachte Meldung, daß der Reichskanzler Fürst Bülow zu demissionieren beabsichtige, falls bis zu Psingsten nicht eine Klärung der finanzpolitischen Situation in der Richtung ber Grunb- lagen feiner Politik erfolge, dem Berl. Lokalanz. zufolge an zuständiger Stelle keine Bestätigung findet. Bekannt sei nur, Fürst Mlow ziehe den Gedanken seines Rücktrittes ernstlich in Erwägung, falls das Zustandekommen ber Finanzreform beftnitiv aussichtslos werben sollte. Im konservativen Lager fehlt es nicht an einsichtigen Männern, bie bas Scheitern ber Erwartungen nicht wollen, welck)e die Regierung und das Volk auf fie setzt. Hoffentlich würden auch bei den Liberalen die besonneren Elemente die Führung in ber Hand behalten. Einstweilen aber wirb fort gewurstelt.


