Nr. 80
Zweites Blatt
150. Jahrgang
Montag 5. April 1909
Erschein- täglich mit Ausnahme des Sonntags.
auf bem Gebiet des Maschinenbaus.
Auch hat der Unter.
am Montag wieder
Die Schulden der Türkei. Vor etwa einem Monat
Edikt, wonach alle
veröffentlichte die türkische Regierung ein
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nach den von den Lehrern gestellten Aufgaben! — Soweit ich überblicken konnte, waren alle für eine Gewerbeschule üi 23e> rracht kommendell Fächer sehr gut vertreten, insbesondere auch
einen der Mitglick! Ter Vorstand.
schäfte weiter zu führen. Die Kammer tritt zusammen.
bends 9 Uhr, fick cher Straße - bit «nmltlltg
•* Höh. Schulwesen. S. K. H. der Groß Herzog haben den Oberlehrer an dem Landgraf Ludwigs-Gymnasium zu Gießen Prof. D. Wilh. Stamm auf sein Nachsuchen, unter Anerkennlmg seiner langjährigen, treuen und ersprießlichen Dienste, mit dem Charakter als Geh. Schulrat in den Ruhestand versetzt. — Uebertragen wurde der Lehrerin an der höh. Bürgerschule zu Wimpfen a. B. Bertha Kuhl- mann eine Lehrerinstelle an der höh. Bürgec-(Mädchen-) Schule zu Oppenheim.
einem vollständig in natürlichem Baumaterial ausgeführten Haus, an lvelchem auch die inneren Konstruktionsaussühi
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« Unwersitäts - Buch» und SteinbrudereL R. Lange, Gießen.
Gläubiger sich anzumetden hatten. Bis zum Samstag erreichten die Anmeldungen dieser schwebenden Schuld die Höhe von zwölf Millionen türkische Pfund.
Die Hungersnot in Persien wird immer größer. Mehrere Fälle von Uebertritten von Revolutionären auf die Seite der Regierung sind vorgekommen. Die Kriegsoperatiouen wurden vorläufig eingestellt. Der Verkehr mit Rußland stockt vollständig.
eigenen Stempel zu versehen.
— 8 000 wertvolle Handschriften entdeckt.
Redaktion, Exveditton und Druckerei: Schulstraße 7. Expeditton und Verlag: 9lebaftion:e^ll3. Tel.-Adr.: AnzeigerGreßen.
Ansiand,
Im Befinden der Zarin ist eine bedeutende Besserung eingetreten, so daß sie sogar schon zwei Paraden beiwohnen konnte. Ihre Krankheit ist nach einer Diagnose des Leibmedikus Professor Botkin eine Neurose des Herzens, die sie furchtbar angreift. Seit sechs Wochen geht es der Zarin viel besser. Sie sieht blühend aus und niemand merkt ihr eine ernste Krankheit cm.
Admiral Gerbera, der die spanische Flotte im spanischamerikanischen Kriege befehligte, ist gestorben.
Die rumänische Kammer hat ein Gesetz, nach welchem den Bewohnern der Drobudscha politische Rechte zuerkannt werden, angenommen.
Beendigung der griechischen Ministerkrisis. Auf Ersuchen des Königs hat Theotokis die Demission des bisherigen Kabinetts zurückgezogen und sich bereit erklärt, die Ge-
Die „Htetzener Kamilienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krelsblatl für den Kreis Gießen" zweimal wöchenrlrch. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erfchemen monatlich zweimal.
Deutsches Reich.
D c r K eifer wird sich unmittelbar nach dem Osterfeste über Venedig nach Korfu begeben.
F ü r st Bülow ist gestern früh nach Oberitalien abgereist, begleitet vom Gesandten v. Flotow.
Re i chs ta g s c r sa tz lv a h l in Cache m. Nach dem berichtigten amtlichen Wahlergebnis sind bei der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Cochern-Adeiiau-Zell am 30. März im Ganzen 13 531 giltige Stimmen abgegeben. Davon entfielen auT~beit Weingutsbesitzer Pauly (Ztr.- 12 469, auf Redakteur David (So;.) 483, auf Oberlehrer Maessen (Ztr.) 454 und auf den Parteisekretär Hofrichter (Soz.) 29 Stimmen.
- Tas Komitees anfc bestens
Briefe ohne Ankunftsstempel.
Die Aeltesten der Kaufmannschaft in Berlin beschäftigten sich in ihrer letzten Sitzung mit der Verfügung des Reichspostamts, wonach der feit einiger Zeit bei Postkarten eingeführte Wegfall des Postankunftsstempels vom 1. April ab versuchsweise auf alle eingehenden gewöhnlichen und eingeschriebenen Briefe ausgedehnt werden soll. Die Neuerung begegnete allgemeinem Widerspruch. Es wurde geltend gemacht, daß bei verspäteter Uebermittlung eines Brieses der Ankunstssteinpel der einzige Anhalt zur Beurteilung der namentlich auch bei Rechtsstreitigkeiten oft wichtigen Frage biete, ob die Sendung schon verspätet am Bestimmungsort eingegangen sei oder erst »hier ober bei der Bestellung eine Verzögerung erlitten habe. Wenn künftig ein bestellenber Bote bie ihm übergebenen Briefschaften, um sich einen Gang zu sparen, nicht rechtzeitig abtrage ober Senbungen zum Zweck der Beraubung zurückbehalte unb erst später bestelle, werde eine Untersuchung des Falles beim Fehlen des Ankunftsstempels sich weit schwieriger als bisher gestalten und noch häufiger als jetzt ergebnislos verlaufen. Und gerade diese nach dem Wegfall des Ankunstsstempels eintretenbe Schwierigkeit, eine bei der Beförderung oder Bestellung von Briefsendungen vorgekommene Unregelmäßigkeit auf den Schuldigen zurückzuführen, lasse befürchten, daß die leider jetzt schon recht erhebliche Zahl dieser Unregelmäßigkeiten in Zukunft noch zunehme. Das Kollegium beschloß, diese Bedenken dem Staatssekretär des Reichspostamts vorzutragen und um Aufhebung der Verfügung über den Wegfall des Ankunftsstempels bei gewöhnlichen und eingeschriebenen Briefen zu bitten.
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81' Uhr ' emslokalCaMetem igerknrsus »en u. Herren, dc, Sette,iir Loh, Gr.- -gen, sic können aber ach p*/( eins Gabelsberger [rnphen. Vereins . 1861.
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
flächen, Friesen und Teppichmustern wird hier — samt dem einschlägigen Modellieren — gelehrt in einer Weise, die wohl als mustergiltig bezeichnet werben darf.
Dem wichtigen Gebiet der darstellenden Geometrie und des perspektivifchen Zeichnens einschließlich Schattenlehre wird die gebührende besondere Aufmerksamkeit zugewanbt, weniger an geometrischen Figuren, als an gedachten und wirklichen Körperformen, meist aus dem Gebiet der Bauformen, wodurch dieser sonst etwas trockenere Lehrgegenstand den Schüler ein besonderes Interesse ablockt. Denn alle angehenden Zeichenkünstler — selbst unsre jugendlichsten — wollen alsbald erkenneuh welchen Gegenstand ihr Bildwerk vorstellt!
Eine umfangreichere Behandlung erfährt in unsrer Gewerbeschule selbstredend die B a u k o n st r u t t i o n s l e h r c in allen Zweigen des Bauhandwerks. — Die Bau fo riy'e ule hre — im Anschluß an unsere heimatliche Bauweise — ist in zahlreichen Aufgaben, Zeichnungen und Modellen, ja selbst in
Der Nachfolger Holles. Von gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen wird behauptet, daß der Nachfolger des Kultusminister Holle nunmehr gefunden ist. Der Handelsminister Delbrück soll zum Kultusminister ernannt werden und der Unterstaatssekretär im Reichsamt des Innern, Wirkl. Geh. Rat Wermuth soll an Delbrücks Stelle treten.
B e i der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Aachen 4, Düren-Jülich, erhielt, der „Dürener Zeitung" zufolge, Fürst zu Salm-Reifferscheidt 14 000 Stimmen. Die Gegenkandidaten erhielten etwa 2500 Stimmen. Aus drei Ortschaften steht das Wahlergebnis noch aus.
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wird die Generalverwaltung im nächsten Heft des Jahrbuches der königlichen Museen der Oeffentlichkeit bekanntgeben. In seiner pietätvollen Durchführung werden wir dem Verewigten den großen Dank, zu dem wir ihm verpflichtet sind, abzustatten suchen."
— Der f r a n z ö s i s ch e P o st st r c i k u n d die Marken- jammler. Die Markensammler können sich über den jetzt glücklich beendeten Poststreik in Frankreich freuen. Der Streik hat nämlich ganz neue, eigenartige und überaus wirkungsvolle Markcutypen auf den Markt gebracht. Es handelt fich natürlich um regelwidrige und gerade darum so sehr interessante Briefmarken. Auf eines dieser originellen Postwertzeichen weist der „Radical" besonders hin: es ist eine gewöhnliche französische Briefmarke, bie in ganz neuer Weise abgestempelt und ungültig gemacht worden ist. Sie trägt nämlich statt des amtlichen Stempels das Gepräge des Stempels des Börsenmakler-Verbandes.. Die Sache ist balb erklärt: Die Börsenmakler, die durch den Poststreik besonders stark geschädigt wurden, weil ihr Verkehr mit den großen Banken fast vollständig lahmgelegt war, beschlossen eines Tages, sich selbst zu helfen und ihre Briefe durch ihre eigenen Angestellten verteilen zu lassen. Alle diese Briefe würben jeboch ordnungsgemäß frankiert, unb ba der Pvstdienst versagte, kam die Maklerkammer auf den Gedanken, die Briefmarken mit ihrem
Eine islamitische Bewegung
zeigt sich neuerdings in der Türkei. Sie nimmt größere Dimensionen an. Umfang, Bedeutung und Folgen der Bewegung sind vorderhand nicht abzuschätzen. Am SamStag fand in Konstantinopel eine großartige Kundgebung der mohammedanischen Geistlichen unb ber Softas statt. Gegen mittag war bie Sophieu- moschee unb bereit Umgebung von Ulemas, Softas unb Publikum, darunter auch Offiziere, metftens ältere, überfüllt. In der ?No- schee wurden Reden gehalten, welche in ber Förbcrung unb Aufrechter Haltung des islamitischen Geistes unb ber islamitischen Sitten gipfelten. Die Ordnung wurde musterhaft gewahrt. Die Regierung hatte polizeiliche und militärische Maßregeln getroffen. Heute erschien auch die erste Nummer der neuen Zeitung „El Islam", des Organs des Komitees „El Islam", welches ein Zweigverein der mohammedanifchen Union zu sein scheint. Der Hauptsitz des Komitees ist Konstantinopel, Filialen desselben werden überall errichtet. Wie aus Saloniki gemeldet wird, sollen Türken in Nevrekop (Bez. Stores) -ein Jndenmädchen entführt haben. Obgleich der Großrabbiner und alle israelitischen Vereine protestierten, wurde das Mädchen nach Saloniki gebracht und wird angeblich zum Islam bekehrt werden. Alle Schritte bei den Behörden blieben erfolglos. Die israelitische Bevölkerung ist empört. <_____
— Adolf Ritter von Sonnenthal, ber sich anläßlich eines Gastspiels im 'Neuen Deutschen Theater zn Prag ans- hielt, erlitt gestern nachmittag einen Schlaganfall, bem er abenbs 8 Uhr erlag.
•— Schnurren unb Schwänke aus bem Vo g e ls- berg erzählt in einer reich illustrierten Wauberplauderei aus unserem Hessenland Prof. Heinrich Werner int Aprilheft von „Westermanns Monatslteften". Wir heben zwei ebenso hübsche wie. bezeichnende Anekdoten heraus. Volkstümlichen Humor, die rechte Lust am Foppen und Lustigmachen auf Kosten anderer kommt in bei- Geschichte vom Jlbeshäuser Papagei zum Vorschein. Einmal war dort ein Schultheiß im Amt, ber trieb einen Butleihandel bis Frankfurt a. M. Eines Tages besucht er seinen „Kollegen" in der großen Stadt. Der nimmt ihn freundlich auf unb zeigt ihm auch seinen Lieblingsvogel, einen sprechenden Papagei. Tas Tier ruft bem JlbeShänser „Spitzbub!" zu, aber dem imponierts nicht. So Vögel hätten sie baheim auch, jagt er, unb versvricht zum Beweis einen mitzubringeu Danach kommt er wieder unb hat im Korb seinen „Babbegei" — einen „Urhoiwel". hochdeutsch Nachteule genannt. Ter sitzt verdrossen unb stumpfsinnig ba unb rebet keinen Ton. Tie Frankfurter! lachen insgeheim, unb laut fragen sie, warum ber Bogel nicht seine Sprich tünste zeige. Ter Schultheiß macht ein überlegen Gesicht: bei könnte wohl, aber — „er denkt s a T a a l" (seinen Teil'. Seitdem heißt's im Hessenland, wenn einer rebe- saul ist und sich ansfchweigt: „Ter denkt sa Dcurl ttrie der Jlbeshäuser Babbegei." — Berühmt ist auch der lakonische AuAspvuch einer Bauersfrau aus Bermulshain. Die sah zu, wie ein Hühnerhabicht mit beiden Füßen in eine Raubzeugfalle geriet und wie ihm die sckwrfen Eifen die Klauen abschlugen. Hochauf flog das Tier in bie Lüft, aber die Bauers span rief ihm nach: „Beim! Setze werd s i ch s weife."
Rundgang durch die Ausstellung der Lchülerurdeiten der Erotzh. Gewe>deschu!e in Gießen.
Nach einer soeben von Schreiber bieses vorgenommenen ein- gehenberen Besichtigung bieser Ausstellung brängi es ihn, Interessenten unb Freunde ber Schule zum alsbaldigen Besuch dieser anregenden Ausstellung von Zeichnungen unb Modellen aus dein Gebiete des Bauhandwerks, der Gewerbe und des Kunst- Handwerks anzuregen, da diese Ausstellung schon nächster Tage geschlossen wird.
Die Ausstellung umsaßt die Schülerarbeiten des letztabge- ischlossenen Halbjahrs — dem Sludiengang entsprechend — übersichtlich zur Anschauung gebracht in den einzelnen Lehrsälen unsrer schönen Gewerbeschule. Der sinnigen Betrachtung wirb hier ein erfreuliches Bild einer Unterrichtsmethode geboten, die sich unter Beachtung langjähriger Erfahrung zu ersichtlich be- nährter Form ausgestaltet hat. — Diese in zahlreichen meist flott ausgesühiten Schülerarbeiten zur Anschauung gebrachte Unterrichtsmethode strebt bem löblichen Zielezu, den Schüler für seinen besonderen Beruf tüchtig zu machen zu selbständigem Schaffen! — Tie Blätter ans den .Fachabteilungen geben keine kopierten oder mit beut Zirkel abgestochenen Arbeiten, sondern sie sinb durchgehends selbständige durch kleinere Hand- jkizze und Vortrag des Lehrers gestellte Aufgaben in von gutem Verständnis der Schüler zeugender Lösung. — Zwecks selbständigen Entwerfens aus dein kunstindustriellen Gebiet ist die bewährte Lehrweise eingeführt, bie anmutigen Formen ber Pflanzenwelt zum besten Vorbilb zu nehmen, also nach her bor- liegenden natürlichen Pflanze Idotive für die besonderen Zwecke 5it zeichnen, zu modellieren und angemessen zu sthlisieren, je nachdem sie in Stein ober Holz gemeißelt, in Elfenbein geschnitten ober in Golb getrieben und ziseliert werden sollen. Dieses Sthlisieren der Pflanzenformen zu Mustern für Wand-
Forschungsreisenbe Dr. M. Aurel Stein hielt in ber Königlichen Asiatischen Gesellschaft in Lonbon einen Vortrag über feine letzte archäologische unb geographische Expedition nach Ostturkistan unb Westchina, von der er jüngst zurückgekehrt ist. Ter Gelehrte, dessen Forschungsreise zwei Jahre und acht Monate in Anspruch nahm, entdeckte in einem buddhistischen Tempel eine ganze Bibliothek wertvoller Handschriften. Diese waren in einem Raume des Tempels bis zu einer Höhe von 10 Fuß über Öen Boden auf- gestapelt und füllten nicht weniger als 500 Kubikfuß. Es find im ganzen 8000 Handschriften, die in 12 verschiedenen Sprachen und Schriften abgefaßt sind. Sie werden für Jahre hinaus einer großen Anzahl von Orientalisten die Unterlage für ihre wissen
schaftlichen Arbeiten bieten.
— Vom Siegeszug des Deutschen. In beit letzten Jahrzehnten ist das Ansehen unserer Sprache im Auslande sehr gestiegen. In Mittel-Chile gibt es weite Gebiete, in denen ungeachtet der geringen Zahl ber bärtigen Deutschen unsere Sprache bie zweite Lanbessprache geworben ist, so baß sogar chilenische Dienstboten Deutsch lernen. Dem Vorstanbe bes Deutschen Turnvereins in Valdivia, der soviel Nationalstolz hatte, daß er den chilenischen Präsidenten in der Turnhalle deutsch begrüßte, antwortete dieser auf deutsch. In dem aufstrebenden Argentinien ist jetzt Deutsch die einzige lebende Fremdsprache in den oberen Klassen ber höheren Schulen. In Japans Hauptstadt Tokio Durchsühning folgendes mitgeteilt: „Den genialen Plan, den Messel I sind 50 Professoren und 400 Studenten bem an ber Waseba- itod} in seiner Krankheit bis in alle Einzelheiten durchgearbeitet I Universität gegründete^ Deutschen Sprachverein betgetreteu. Als hat, unb zu dessen Ausführung gerade der. förunb gelegt wird« I man ins April vorigen Jahres in Tok'v die Büsten zweies deut-
— Ein englisches Theater für Deutschland ist gestern als Gesellschaft 'm. b. H. und einem AnfangK-Kapital von 150000 Mark im englischen General-Konsulat zu Berlin begründet worben. Tie Aufgabe des Theaters soll es sein, neben bem künstlerischen Wirken auch die Beziehungen zwischen England unb Deutschland 'freundlicher zu gestalten. Tas Theater wird im Oktober zunächst vier Wochen in Berlin, bann in Köln, Breslau, Bremen, Hamburg, Dresben, Leipzig, Düsseldorf unb
scher Professoren enthüllte, pries ein japanischer Universitäts- Professor die Verdienste unserer Landsleute in deutscher Sprache. An der neuerrichteten Medizinischen Hochschule in Konstaiiliuopcl ist Deutsch als Univerfitätssprache eingeführt worden. Aus dem letzten Orientalistentage in Kopenhagen sprachen Gelehrte aus Rußland, Ungarn, Holland, Amerika, Griechenland, Schweden und Dänemark deutsch. Ja, sogar die nationalstolzen Engländer werden durck) die Verhältnisse immer mehr gezwungen. Deutsch zu lernen, wie man aus den Mahnrufen führenb.'r Zeitungen Englands und aus den Lehrplänen der dortigen höheren Schulen und Universitäten ersehen kann.
— Ein Spaßvogel. Dieser Tage ließ ein anoiiDnier Witzbold in Lemberg einen Tierarzt folgendermaßen „anlaufen". Die Sache wurde telephonisch ausgemacht „Hallo! wer spricht?" — „Hier Tierarzt N. Was wünschen Sie?" — „Mein Roß hat die vorderen Beine in die Hvl-e gehoben und bringt sie nicht wieder herunter. Ist Ihnen ein solcher Fall in Ihrer Praxis schon vorgekommen?" „Sie werden zugeben", antwortete der Veterinär, „daß ich ohne das Tier zu untersuchen, keine Meinung äußern kann. Wo wohnen Sie?" -- „Karl Ludwigstraße." — „Ihr werter Name?" — „Sobieski!" Der Tierarzt läutet unter heftigen Verwünschungen gewaltsam ab. In ber Karl Lud- wigstraße befinbet sich nämlich ein Sobieski-Denkmal, das den Polenkönig auf einem Roß, das sich aufbäumt, barftellt. Da es auch in anderen Städten ähnliche Denkmäler unb vielleicht auch leichtgläubige Tierärzte gibt, mag der Lemberger Fall zur Warnung bienen.
— Ueber bie Lebensdauer der Tiere macht der „Prometheus" eine Reihe von interessanten Angaben, denen das folgende entnommen sei. Regenwürmer erreichen das für diese Tiergattung bemerkenswert hohe Alter von etwa 10 Jahren; im Marburger Zoologischen Institut wurde einer neun Jahre unb elf Monate lang in ber Gefangenschaft beobachtet. Noch erstaunlicher ist bas Alter verschiebener M o 1 tu s t e n a r t e n. Die Tridaciia soll 60 bis 100 Sabre, bie Flnßperlmnjchet (Wargaritaiia margaritifera) 50 bis 60 Jahre alt werben. Unter beit Insekten sind bie Weibchen einiger Ameisenarten die langlebigsten, da sie es bis auf 15 Jahre 'bringen, während bie Königinnen der Bienen und ber Termiten nur fünf Jahre alt werben. Ein recht hohes Alter erreichen auch einige Arten von Cölenteraten, wie deisviels- weise bie Seerosen, bie im Aquarium zu Neapel bis 24 Jahre fang und im botanischen Garten zu >Edinbnra sogar 67 Jahre lang beobachtet worben sind. Von den Säugetieren erreicht wohl ber Elefant bas höchste Alter von 150 bis 200 Jahren, unter ben Vögeln werden Raben unb Steinabler 100, Geier 118, Falken 164 ^fahre alt, unb Papageien sollen noch älter werben. Ein Laubfrosch lebte 1014 Jahr, ein Alpensafamanber 15 Jahre in ber Gesangensckwft. Die Kröten sollen bis zu 40 Jahre alt werden. Das höchste Alter dürften aber wohl die Schildkröten erreichen, von denen eine, Testudo Daubini, bereu Alter auf 300 Jahre geschätzt wird, über 150 Jahre in ber Gefangenschaft lebte.
1909.
— Messels Nachlaß. In einem kurzen, aber warmherzigen Nachruf, ber im soeben erschienenen Heft ber „Amtlichen Berichte aus ben königlichen Kunstsammlungen" Alfred Messel geroibmet ist, wirb über bie große Aufgabe, die der Künstler mit den neuen Museumsbauten übernommen hatte, und ihre weitere en genialen Plan, den Messel I Einzelheiten burchgearbeitet I de der Grund gelegt wird« I
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. rungen en'icht- lich sind, vertreten — alles lobenswerte Arbeiten "ber Schüler
richt ein neues zeitgemäßes Gebiet betreten burch eine kleinere Ausgabe aus bem Gebiet der Terrain-Regulierung.
Eine besondere Beachtung in allen Abteilungen des Unterrichts wird u. E. mit Recht ber Hebung im Freihandzeichnen, im Skizzieren geschenkt — entgegen einer gewissen Richtung, welche dieser Fertigkeit weniger Wert beimitzt. Wie ist doch das Freihandzeichiien, das slüchtige Skizzieren im praktischen Berufsleben eine stets willkommene Dienerin! Eine leicht hingeworfene Skizze spricht meist eine deutlichere Sprache als eine umständliche mündliche oder schriftliche BeschreibiiN'i! Leute, welche eine Skizze verstehen unb solche selbst barstellen töiinen, sind in jedem technischen Beruf immer die tüchtigsten unb brauchbarsten!
Die ausgelegten Reinschrift-Hefte aus bem Gebiete des Geschäftsaufsatzes, des Kostenanschlags, ber Statik, Mechanik ufro. machten ben Eindruck sorgfältiger Ausarbeitungen.
Die eingehendere Berichtigung dieser Gesamt-Ausstellung ergibt den erfreulichen Beweis, daß sich unsre Gewerbeschule einer einsichtsvollen bewährten Leitung, sowie tiichtiger Lehrkräfte er-, freut!
Möge unsere Gewerbeschule auf bem beschrittenen erfolgreichen Weg weiter fahren und eine immer umfangreichere Tätigkeit entfalten zum Segen aller berjenigen, welche sich in dem gebotenen Unterricht em n n ve r g ci g 1 i ch e s Fundament für ihren Lebensberuf anzueignen bestrebt sind.
Gießen, 2. April 1909.
Ans Stafct und Land.
Gießen, 5. April 1909.
*• Landesuniversität. Der etatsmäßige außerordentliche Professor an der hiesigen Universität Dr. Paul Kreisch in ar hat einen Ruf als Nachfolger des ordentlichen Professors des römischen Rechts Hofrat Dr. Ernst Hruza an die Universität Innsbruck erhalten.
*• Erledigte Stellen. Die Stelle eines evang Religionslehrers an der Großh. Oberrealschule zu Worms Meldefrist 14 Tage. Die mit einem evang. Lehrer zu be» setzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Schönnen Dem Grafen zu Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu.
Aolits-che Tagesschau.
Die neue Tabaksteuer-Vorlage.
Wie ber „Süddeutschen Tabakzeitung" von berufener Seite aus Berlin gemeldet wird, hat die für bie Tabaksteuer-Vorlage eingesetzte Subkommission der Finanz- und Steuerkommission des Reichstages beschlossen, das Reichslchatzamt zu ersuchen, einen Tabaksteuer-Entwurf auszuarbeiten, ber sich in ber Richtung bes von ben Abgeorbneten Mommsen und Weber eingebrachten Antrages bewegt.
1 iscb^


