Ausgabe 
5.2.1909 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 30 /4^ Erstes Blatt

ISS. Jahrgang

Freitag 5. Februar 1909

Der Siehener Anzeiger ä Bezugspreis:

erscheint täglich, außer Hr monatlich75Pf., vierlel-

SonntagS. - Beilagen: a a a a a ^a a a jährlich Mk. 2.20; durch

Äti«S; A 4a# AM AM All WI Ai A Ap m°LchäU-da-ch

ssStniEntlld ZllridÄIEl«W« zweimal monatl. Land- M M, W W ES W EL WJ Zeilenpreis: lokal 15Pf.,

wirtschaftliche Seitsragen 8 M Xjjr M Xr W Xy eg 16Ä auswärts 20 Pfennig.

Fernsprech - Anschlüsse: In £/ ßfJF Verantwortlich

für die Redaktion 112, - e «r < *,* für den politischen Teil:

MM General-Anzerger für Oberhessen UZM für dl- Taoesnunnner Hotafionsörutf und Verlag der vrühl'schen Aniv.-Vuch- und Steindruckerel R. Lauge. Redattion. Expedition und Druckerei: Schulpratze 7. Anzeigenteil: H. Beck, bis vormittags y uyr. _______ ______________

Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.

LtimmungsdUd aus dem Reichstage.

Berlin, 4. Febr.

Die sozialpolitische Woche hat begonnen: man ist in die Beratung des Eta^s des Reichsamts des Innern eingetreten. Bisher hat Herr v. Bethmann-Hollweg fernen parla­mentarischen Verpflichtungen doch wenigstens hin und wieder einige Tage abringen können für die immerhin nicht ganz un­wesentlichen Nebengeschäste, die ihm als Chef des umfangreichsten aller Aemter obliegen; nun aber wird er vierzehn Tage fang ohne Unterbrechung an seinen Platz auf der Bundesestrade des Reichstagssaales gefesselt fein, und für die Bewilligung seines Gehaltes hat er sich zunächst eine Woche lang einer sozialpolitischen Klausurarbeit zu unterziehen. Man sollte meinen, die Verhand­lungen der letzten Monate hätten für die grobe sozialpolitticpe Aussprache beim Gel)alt des Staatssekretärs nur wenig übrig gelassen. Große und kleine Gewerbcuovellen mit ihrem nahezu alle Gebiete des wirtschaftlichen Lebens behandelnden Stoffen, GesetzentnÄrfe über den unlauteren Wettbewerb, über Arbctts- kammern u. <l, Interpellationen über schwarze Listen, Reichs­berggesetz, Gesindeordnung, Auseinanderietzungen über eine ganze Reihe anderer Fragen, über Fürsorge für Arbeiterschaft und Mittelstand, die in früheren Jahren den Hauptgegenstand dieser Aussprache gebildet hatten. Aber wer davon ein rasches Fort- schreiten der Etatsberatung erhofft hatte, den konnte die Flut von Resolutionen, mft deren Aufzählung der Präsident die heutige Sitzung einleftete, sofort eines besseren belehren. Und schon steht, wie alljährlich Herr T rimborn auf Grund eines, wie es scheint, unveräußerlichen Rechtes der Zentrumspartei auf der Tribüne, um mit breiter Selbstgefälligkeit seinen Rück- und Ausblick auf die deutsche Sozialreform zum Vortrag zu bringen. Natürlich streicht er die Verdienste feiner Partei um Arbeiterschutz und Mütelstandshilfe dabei nach Noten heraus; aber eine neue, Note bringt er lediglich mit der Forderung eines Notgesetzes für die Witwen- und Waisenversicherung. Die Befriedigung, der ter Zentrumsführer im allgemeinen Ausdruck gibt, wird von Bas­ser inann, der nach iljm die Tribüne besteigt, in vollem Matze geteilt. Unter dem lebhaften Beifall nicht nur ferner national- liberalen Freunde stellt er fest, daß man ein Mehr an sozial- polftischer Leistung vorn Reichstage nicht verlangen könne und daß nicht nur die Ärbefterfchaft sondern auch der Mittelstand Ursache habe, Genugtuung über die Erfolge des letzten hagres zu empfinden. Lauten Widerhall wecken die warmen Worte, mit denen Herr Wassermann bei der Erörterung ter sozialpoliti­schen Gesetzgebung des Grafen Posadowsky gedenk:; ine Ukrjon beä jetzigen Staatssekretärs ist aber auch ihm eine Burgs a^afr dafür, oatz in bem bewahrten Gleise weiter geschritten wird. Herr Pauli, der S^ialpolitiker der Konservativen, zeigte sicy weniger erfreut über das sozialpolitische Tempo, aber zu einer Reihe der Forderungen, die in den Resolutionen der andern Parteien erhoben werten, konnte er auch die Zustimmung seiner Freunde aussprechen, insbesondere zu ter von Industrie und Handwerk mit immer größerem Nachdruck verlangten Beseitigung der Gesetzesvorfchrift über die Ansammlung des berufgenossen­schaftlichen Reservefonds und auch zu einigen sich mit den Ver­hältnissen der Großeisenindustrie beschäftig enden Resolutionen des Zentrums, das in dieser Frage zum großen Teil Hand in Hand mit den Sozialdemokraten geht. Als Ausfluß ter Kämpfe zwischen Bühnenverein und Bühnengenossenschaft ist noch heute von ter freisinnigen Fraktionsgemeinschaft ein Antrag eingegangen auf Einbringung eines Reichstheatergesetzes, xet Redner der Freisinnigen, Tr. Mugdan, mußte sich, wie schon häufig bei allgemeinen sozialpolitischen Erörterungen, mit ter Sozial­demokratie ausernandersetzeu.

Ltimnmngrbitd aus öem preutz. AbgeordneteNhaus.

Berlin, 4. Februar.

So ist denn die preußische B eamten besold ungs- teform bis auf die Bejoldmmsvorlagen für die Lehrer und Geistlichen glücklich bis an die Schwelle des preußischen Ober­hauses gelangt. Tie dritte Lesung des Gesetzes im Abgeord­netenhause nahm nicht einmal eine volle Sitzung m Anspruch; die Redner faßten sich, in dem Gefühl, daß die Entscheidung über die Vorlage bereits gefallen sei, ziemlich kurz, und auch die recht deut­lich sich offenbarende, wohl aus dem gleichen Gefühl entsprungene Unautmerffamfeit des hohen Hauses vermochte keinen zu ernultigen, eine Ausnahme von der Regel zu machen und noch einmal lang und breit zu sagen, was er leide um der mangelhaften Berücksich­tigung der Beamtenwünsche willen. DaS Herrenhaus, das in wenigen Tagen sich wieder versammelt, dürfte an der Vorlage in ihrer jetzigen Gestalt umioroeniger etwas andern, als die Zweite Kammer trotz der Ausschließung der Sozialdemokraten von dem Becnntenkompromiß einstimmig, also auch mit den Stimmen der Genossen, das Gesetz ge­billigt hat.

Nach der Besoldungsvorlage kam ein Gesetzentwurf aufs Tapet, der seit einer Reihe von Jahren einen hartumstrittenen EriSapfel zwischen Preußen und Hamburg barstellt: Ter Staatsvertrag zwischen beiden Bundesstaaten wegen der Ver­tiefung des Köhlbrands und der Regulierung der Unterelbe. Herr Breitenbach, der die Vorlage ver­trat, hatte keinen leichten Stand: Redner aller bürgerlichen Partei- richtungen kritisierten die Geschicklichkeit der preußischen Unter­händler in mehr oder minder scharfer Tonart, und ans allen Reden klang die Ueberzeugung, daß der HamburgerKönigliche Kauf­mann" den preußischen Geheimrat bei diesem Vertrage gründlich überS Ohr gehauen habe. Vermutlich wird die Vorlage in der Kommission, der sie schließlich überantwortet mürbe, noch manche Anfechtung erfahren, wenn anders die Kommissionsberatung nicht gar dahin führen sollte, daß der Landtag die Regierung ziir Ein­leitung neuer Verhandlnngeii mit Preußen ausfordert Am Freitag steht neben dem Etat die Kapitals-Erhöhung der P r e u ß e n k a f s e auf der Tagesordnung.______________

Oslitöschc Lagesjcharr.

Die Regelung der Sprachenfrage in Böhmen.

Im österreichischen Abgeordnetenhause wurde gestern die Be­ratung über die von ter Regierung eingebrachten Gesetzentwürfe zur Regelung der Sprachenfrage in Böhmen fortgesetzt. Tie Tschechen erklärten das Vorgehen der Regierung für einen Ver­fassungsbruch. Nicht das Abgeordnetenhaus, sondern ter böhmi­sche Landtag sei in ter Sprachenfrage allein kompetent. Man oürfe diese Frage nicht für Böhmen allein lösen wollen, sondern auch für Mähren und Schlesien. Die Deutsch-Böhmen meinen, daß von einem Verfassungsbruche nicht die Rede sein könne. Dagegen hätten die Regierungsvorlagen die teutfch-böhmischeu

Abgeordneten schwerenttäusckt, denn während die Tschechen ungefähr in den Besitz dessen gelangen, was sie ja faktisch er­obert haben, schließt die Bilanz ter Deutschen auf allen Linien mit einem Defizit ab; es droht ihnen die Gefahr, infolge ter Unllarheit der Gesetze durch Auslegungskünste dasjenige zu ver­lieren, was sie zu besitzen glaubten. Ter Redner kritisiert ein­gehend die Vorlagen, welche für die Deutschen in ter gegen­wärtigen Form unannehmbar seien und keineswegs geeignet erschienen, jene nationalen Ansprüche zu erfüllen, welche die Deutsch-Böhmen an eine solche Regelung der Sprack>enfrage teilten. Im wetteren Verlauf ter Sitzung kam es wieder zu ehr stürmischen Szenen. Der Führer ter Jungtschechen, Dr. Cramarz, hatte die Instruktion des Hantelsministers ziim Post­erlaß in Böhmen eine Gaunerei und Betrug genannt. Der Minister protestierte hiergegen in ruhigen und höflichen Worten und als er aus ter Instruktion ten Satz vorlas: In gewissen Fällen ist die tschechisch .Sprache zulässig .... wurden die Tschechen über das Wortzulässig" förmlich toll. Sie tobten und brüllten und stürzten mit erhobenen Fäusten auf ten Mi­nister los, um ten sich sofort die Deutschen wie eine -schutzmauer zus ammen s chloss em.

Da? russische Anerbieten

zur Regelung der Streitigkeiten zwischen der Türkei und Bul­garien ist nach Meinung türkischer Blätter derart ungenügend motiviert, daß selbst die russische Botschaft hierüber keine ge­nügenden Informationen habe. Die russische Ententevermittlung sei eine delikate Frage und müsse von ter Psorte gründlich ge­prüft werden. Nach ten früheren und späteren Vorschlägen der Pforte sei es jedenfalls vorteilhafter, daß Bulgarien sich direkt verständige und 100 Millionen sofort und 25 Millionen in mehreren Raten zahle. Der jungtürkischeSchura i-Uemmet" sagt, die Nachricht über ten russischen Vorschlag sei gestern falsch wiedergegeben worden. Rußland habe seinen Vorschlag ter Pforte nicht direkt, sondern durch englischeVermittlung gemacht. England verlange eine Abänderung des Vorschlags, nach welchem die Türkei Bargeld erhalte, d. h. daß Rußland ter Türkei bar 80 Millionen Francs gebe und 45 Millionen durch die türklfchc Kriegsentschädigung verrechne. Im Sinne dieser englisckfen Ver­mittlung werde ter heutige Ministerrat ten russischen Vorschlag beraten. Der deutscheOsmanische Lloyd" schreibt: Ter Vor­schlag sei verlockend, aber die türfqcfcn Blätter charakteryieren richtig das russische Desinteressement. Die Mächte, insbesondere Deutschland, können die bem' Frieden dienende Annahme des Vorschlages willkommen heißen. Bulgarien feteine denselben auzimehmen. Die Türkei habe noch nichts beschlossen, 2/ie hie­sigen Finanzkreise sind dem russischn Vorschlag nicht geneigt und führen aus, daß das nur 18 Jahre dauernde Freiwerden der für die türkische Kriegsentschädigung verfallenen Einkünfte für eine Anleih ungünstig fii.

Aus Stadt und Land.

Gießen, o. Februar 1909.

* In Audienz empfangen wurde von S. K. H. am Mittwoch u. a. Regierungsbauführer Hauck von Friedberg.

** Entlassen wurde der Gesangenaufseher am LandeS- zuchthaus Marienschloß Aug. Hallstein.

" Ueberfallen und beraubt. Der in Heuchelheim wohnende Bahnbedienstete Ferdinand Germer, ein 20 Jahre alter junger Mann, will am Montag abend zwischen 9 und 10 Uhr auf dem Heimwege auf der Rodheimer Straße hinter der Hardt-Allee, etwa 50100 Meter davon, von zwei Leute überfallen uub eines Teiles feiner Barschaft (52 Mk) beraubt worden sein. Germer, der die Sache der Polizei angezeigt hat, will die beiden Räuber in der Dunkelheit nicht erkannt haben. Er ist der Ansicht, daß es auf ihn von vorn­herein abgesehen war, weil die Angreifer gewußt haben müssen, daß er an jenem Abend seinen Monatsverdienst bei sich ge­tragen hat. Es ist unbegreiflich, wie Menschen ten Mut haben, unmittelbar in der Nähe der Stadt auf einem belebten Wege ein solches Verbrechen zu begehen. Germer trug bet der Affäre eine zerrissene Hose und Kratzmunden an der Backe davon. Ueber die Unsicherheit de§ WcgeS nach Heuchelheim wurde in den letzten Jahren wiederholt geklagt.

" Einen interessanten Fang hat unsere Gen­darmerie gemacht. Sie verhaftete wie man hört auf der Ganseburg einen Bettler, der bei seiner Festnahme dem Gendarmen fcug, ob er den Sternickel suche, der sei er nicht. Sternickel ist ein seit 1905 von der Berliner Staats­anwaltschaft gesuchter, übel berüchtigter Verbrecher, der rein wie weggeweht zu fein fcheint. Ein Vergleich des Bettlers mit der Abbildung SterniclelS im Polizei-Telegraph hatte das Ergebnis, daß eine gewisse Aehnltchkeft zwischen beiden vorhanden ist. Allerdings ist die Abbildung in dem Fahn- dungsblatt nach einer 10 Jahre alten Photographie wieder- gegeben. Die Berliner Staatsanwaltschaft ist sofort tele­graphisch von der Festnahme des interestanten Bettlers be­nachrichtigt worden und e§ wird sich ja wohl aufklären, wieso der Bettler bei seiner Festnahme zu der Frage wegen Sternickel gekommen ist, ob er sich damit nur interessant machen wollte, ob er vielleicht wegen seiner Aehnlichkeit vielleicht schon als der gesuchte Sternickel irgendwo festge- nommen ist oder ob er der Gesuchte ist. Jedenfalls hat man den Vogel bis zur Erledigung der Angelegenheft in der Ost-Anlage einlogiert.

Wies eck, 4. Februar. (Verspätet). Am Samstag, 30. Januar, fanden sich die Mitglieder des Kriegervereins nebst Angehörigen im Lokale des Gastwirts Ziegler zusammen, um den Geburtstag des Kaisers zu feiern. Auf die Be­grüßungsansprache des I. Vorsitzenden Rinn folgten Theater- auffuhrunaen und komische Vorträge, die sehr vielen Beifall fanden. Lehrer Muller hielt eine kernige Ansprache, die mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf unseren Kaiser und unseren Landessursten schloß. Kamerad Flurschütz Weller

gedachte der Helden in dem Feldzüge 1870/71. Der Abend verlief ans das schönste.

l Rödgen (Kr. Gießen), 4. Febr. Am 30. v. M. feierte der Kriegerverein den Geburtstag unseres Kaisers im Saal de? Kameraden Wagner. Nachdem der Vorsitzende Ernst Jnderthal in kernigen Worten deS TageS gedachte, an dem der Grundstein dcS Reichs gelegt worden war und mit einem Hoch auf den Kaiser geendet hatte, folgte »Heil Dir im Siegerkianz". Darauf ermahnte Kamerad Oswald treu zu Kaiser und Reich zu stehen. Sein Hoch galt dem Vaterland.

lH Steinbach, 4. Febr. Im Beisein der Vertretet des Kreisamts und der Kreisschiilkommifsion Gießen fand eine Sitzung des GemeinderatS statt, in der über die Er- richtung einer dritten Schulstelle und die Erbauung eines Schulhauses verhandelt wurde. Es wurde be- schloflen, an Ostern dieses Jahres eine weitere Schulstelle ein­zurichten, den Neubail aber mit Rücksicht auf die großen Kosten ca. 85 000 Mk. die die Wasserleitung vor zwei Jahren verursachte, auf einige Jahre zu verschieben. Eine Wohnung soll als Saal eingerichtet werden. Die beiden jetzigen Schiilklassen sind stark überfüllt und zählen rund 160 Schuler, wovon 90 auf die zweite Klaffe entfallen. Nächste Ostern werden etwa 30 Kinder in die Schule aus­genommen. Die Zahl der Geburten steigt fortgesetzt und betrug 1908 40 Kinder. Unserer Gemeinde fehlt nur noch eine Bahnverbindung. Man hofft hier und in Albach und Annerod, daß in nicht zu ferner Zeit die Gießener elektrische Straßenbahn über Annerod hierher geführt wird. Diese würde man dem Eisenbahnprojekt Gießen SteinbachEttingshausenLaubach entschieden vorziehen. Die Gemeinden sind zu Opfern für die elektrische Bahn bereit.

Leih gestern, 4. Febr. Wie mitgeteilt wurde, feiert der Gesangverein Lieder kränz am 3., 4. und 5. Juli sein 46jä()cige§ Jubelfest in Verbindung mit 'einem nationalen GesangSwet tstreit, dem man in den Kreisen der Bruder­vereine großes Jntereffc entgegenbringt, denn es haben sich schon vor dem erst noch ftattfinbenben Delegiertentage ver­schiedene Vereine zur Teilnahme gemeldet. Hauptsächlich ist dies ivohl darauf zuruckzuführen, daß der Verein Liederlranz in Sängeckcetsen sehr bekannt ist. Hat er doch selbst schon manchen Wettstreit besucht und mit vielen Vereinen in fried­lichem Kampfe um die Stegespalme gerungen. Oft schon kehrte er preisgekrönt zurück.

Birklar, 4. Febr. Gestern abend veranstaltete Pfarrer Köhler in unferer Gemeinde einen Evmig. Familienabend, bet- einen sehr jchönen Verlaui nahm. Um 8 Uhr eröffnete Pfarrer Köhler die Verjammluug, dann »ourde voni hiesigen Gejangverem cm Sieb vorgctragen, worauf unser Pfarrer über die Entstehung Birklars, über frühere Sitten und Gebräuche, Steuern und Ab­gaben, Besotdung der Getsttichen und Lehrer und über die Stanbes- yerrfchaften einen Vorti ag hielt. In beit Pausen würben noch mehrere Lieber vom Verein unb sonstigen Anwesenden gelungen. Lehrer Sußner gedachte des genußreichen Vortrags unb bankte in warmen Worten bem Rebner. Bevor ber Abjchieb erfolgte, wurde der Antrag zur Gründung einer Volksdibliothek geftcUt unb cS wäre wünschenswert, baß sie zustanbe fomnu.

L. Friedberg, 4. Febr. Die schriftlichen Prüf­ungen der Abiturienten des Gyinna st ums begannen am Montag. Es beteiligten sich daran 12 Gymnasiasten und eine Gymnasiastin. Tie mündliche Prüfung ist auf den 27. Febriiar festgesetzt.

= Krofdorf, 5. Febr. Am nächsten Sonntag, 7. Febr., abends 8 Uhr wird ReichStagsabg. Franz BehrenS im Saale des Gastwirts Freund einen Vortrag halten. (S. Anzeige.)

s. Marburg, 4. Febr. 8llS Privatdozent der medizinischen Fakultät habilitiert sich morgen Dr. med. Oskar BrunS mit einer Antrittsvorlesung über:Die Ursachen und die Wirkung ber Dyspnoe."

^V. Frankfurt a. M., 4. Febr. DaS Bureau der Luftschiffahrt-AuSsteklung 1909 versendet heute die Zirkulare, durch welche zur Beschickung der Ausstellung ein* geladen wird und die Bedingungen für die Beteiligung be­kannt gegeben werden. Aus diesem Zirkular ist folgendes von allgemeinem Interesse: Dio Ausstellung findet vom 10. Juni bis 10. Oktober 1909 in der hiesigen AuSstellungS» und Festhalle statt. Eine Prämiierung der Ausstellungs­gegenstände ist vorläufig nicht in Aussicht genommen, da­gegen werden Wettbewerbe aller Art stattfinden.

Eisgang und hochwaffer.

Gießen, 5. Febr.

Ein gigantisches Schauspiel hatten gestern nachmittag zahlrcickie Zuschauer von ber Lahnbrücke aus, eine Augcmveite, nnc sie seit langen Jahren nicht dageivesen ist. Die Eismassen, die durch das Tamvetter und ten Regen auf ter Woog, also Hinter dem Wehr an Burks-Mühle, sich gestaut hatten und einen förmlichen Damm quer über ter Lahn bildeten, barsten und krachten gegen 1 Uhr und setzten sich mit Getöse erst langsam, dann schneller über daS Wehr flußabwärts in Bewegung. Tie scharfe Strömung tes hoch- gcheu-den Flusses trieb die großen Ci^chvlken mit voller Wucht gegen die Pfeiler der Lahnbrücke, so daß sie prasselnd zerkleinert wurden. Die Menschen auf ter Drücke sahen mit Interesse dem Eistreiben zu. 23on Stunde zu Stunde schwoll die Lahn an, das Wasser stieg in bedenklicher Höhe und ging über ten Schweine- markt hinweg bis an die Krofdorser Straß:, die man um 4 Uhr nachmittags noch auf beiden Bürgersteigen prssieren konnte. Immer neue Wassecmasien fluteten unablässig zu, so daß um 6 Uhr die Krofdorfer Straße auf ter rechten Seite unter Wasser geshellt war.