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eine markige Ansprache worin er der Enstehungsgeschichte der Turnerei und besonders des Mittelrheinkreises gedachte, dem auch sein Hoch galt. Es wurden noch verschiedene Turnlieder gesungen. Eine Nachfeier vereinigte die Turner noch einmal in der Turnhalle.
= Hvnrber g a. d. Ohm, 29. Mürz. Eine von patriotischem Geist getragene Feier veranstaltete am Albend des 27. März I. I. der hiesige Turnverein ans Anlas; des 50jährigen Bestehens des Mittelrheinkreises '.Die Turner hatten sich znuächst in statt- lictrer Anzahl vor der Wohnung des 1. Sprecl>ers gesammelt und zogen dann unter Bvrantritt des Pfeifen- und Trommterchors im Fackelzug durch die Straften der Stadt nach dem nahegelegenen Hohenberg, woselbst ein weithin sichtbares Freuden feuer angezündet wurde. Eine zahlreiche Menschenmenge, auch Damen fehlten nicht, umstand das Feuer und vergnügte sich beim l>ellen Schein der Feuersäule. Der 1. Sprecher Gnifkowski wies in zündender Anspracl-e auf den Zweck der Feier hin und führte im einzelnen das Entstehen und die Entwickelung des Mittelrhein- kreises sowie die Ziele der Turnerschast vor Augen, inbem er zum Schluß mit einem allgemein aufgenommenen „Gut Heil" auf den Turnkreis zur tatkräftigen Unterstützung der Turnerei auf- sorderte. Unter Absingen einiger Turnerlieder verlief die Feier bet Raketenaufstieg und bengalischer Beleuchtung in angenehmster Weise. Den Schluß bildete ein gemeinsamer Meirdschoppen im Hotel „Hessischer Hof".
— Lützellinden, 29.März. Am vergangenen Samstag abend feierte der Turnverein das 50jährige Jubiläum des Mittelrheinkreises. Um 81/, Uhr wurde ein Fackelzug aufgestellt, der sich durch den Ort bis auf eine außerhalb desselben gelegene Anhöhe bewegte, woselbst zur Verschönerung der Feier ein Freudenfeuer angezündet wurde. Der 1. Vorsitzende, F. Andermann, hielt eine Ansprache und brachte ein „Gut Heil" auf den Mittelrheinkreis aus; dann wurde das Lied „O Deutschland hoch in Ehren" gesungen. Ferner wurden noch turnerische Uebungen ausgeführt, die reichen Beifall ernteten. Nach Erlöschen des Feuers zog sich der Verein in sein Lokal zurück zwecks Nachfeier. Ein gutes Glas Bier, Gesang nnd einige Vorträge hielt die Mitglieder längere Zeit gemütlich beisammen. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit einem Hoch auf den Kaiser.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 1. April 1909.
Die elektrische Bahn.
Wie wir aus zuverlässiger Quelle hören, soll mit der elektrischen Bahn eine kleine Veränderung vorgenommen werden, sie soll nämlich nicht oberirdisch, sondern als Untergrundbahn ausgebaut werden. Wir müssen gestehen, das; tvir zunächst wie vor den Stopf geschlagen waren, wie wir von dieser beabsichtigten Aenderung erfuhren, und das; es geraume Zeit dauerte, bis wir uns mit dieser neuen iinb wirklich überraschenden Idee befreunden konnten. Waren bisher doch nur die größten Städte an die Schaffung von Untergrundbahnen herangetreten. Uns kam natürlich auch gleich der bedeutend höhere Kostenpunkt in den Sinn (die neue Anlage soll genau zwanzigmal so viel tosten als die alte, bereits bewilligte). Aber je mehr mau sich mit dem Projekt beschäftigt/ desto mehr treten einem die ungeheuren Vorteile entgegen.
Es ist doch ein herrliches Gefühl, ivenu man zur Weiterbeförderung unterirdisch entschlüpft; das hätte der Bürgermeister. Ramspeck von Alsfeld erleben müssen. Auf den "Anblick des trauten Stadtbildes muß mau natürlich tvührend der Fahrt verzichten. . Dafür hat mau aber die ganzen Rohrleitungen der städtischen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke vor Augen, und es wird einem erst recht zum Bewußtsein geführt, welche Schätze die Stadt Gießen unter der Erde führt. Fangen wir aber erst bei den enormen Vorteilen an, die eine Untergrundbahn gegenüber der oberirdischen hat, so finden tvir gar kein Ende.
Man tvird zehnmal schneller befördert. Rechnet man diesen Zeitgewinn in Arbeit um und kapitalisiert diese, so kommt int Laufe der Fahre ein nettes Sümmchen heraus. Dafür allein kann man schon 50 Prozent mehr städtische Abgaben entrichten. Tie Stadt tvird aber andererseits direkt Ersparnisse machen. Tie Straßen brauchen nicht umgcpflastert zu werden. Tie Schuhmachergilde, die Hühneraugen operateure und die um die Lieferung von den kostspieligen Schläuchen und Mänteln für Zwei- und Dreiräder sowie Automobile besorgten Gummifabriken werden für die Erhaltung des alten Pflasters dankbar sein. Man spricht sogar davon, daß eine Abordnung dieser drei Erwerbszweige der Stadtverordnetenversammlung ein wundervolles, duftiges Blumenarrangement überreichen tvird. Aber auch die vielen Eintvohner Gießens, die besonders mit historischem und mit Schönheitssinn begabt sind, tverden sich über die Erhaltung des Pflasters freuen und vor allen Dingen über die Wahrung des gewohnten Stadtbildes. Tie Straßen brauchen nicht verbreitert 51t werden, auch au einzelnen Ecken nicht, die vielen Masten und Drähte bleiben fort, der intime Reiz tvird erhalten. Ter ganze oberirdische Verkehr wickelt sich weiter so gemütlich ab tvie bisher, matt hört nicht das unangenehme Kreischen und Klingeln der elektrischen Bahn, au den besouders engen und verkehrsreichen Stellen werden keine Menschen und Tiere umgefahren. Letzteres ist übrigens auch wieder ein Vorteil der etabt, sie spart Unfallsentschädigungen. Wir tonnten noch vieles zugunsten des neuen Projektes anführen, wollen unsere Leser aber nicht damit ermüden. Wer sich von den vielen Vorteilen, die eine Untergrundbahn für die (Gesamtheit einer Stadt gewährt, praktisch überzeugen will, mag nur getrost eine Reise nach Berlin, Paris oder London unternehmen, er wird mit voller Begeisterung für den Plan zurückkommen. Betreffs der Mehrkosten dieser neuen Anlage gegenüber der alten, die ja trotz mancher Ersparnisse doch recht erheblich sein werden, müssen tvir uns zu der Formel bequemen: Gepumpt wird doch, aus ein bißchen mehr oder weniger kommt es nicht an, das sieht man am Deutschen Reich. Außerdem sind wir der Ansicht, daß unsere Stadtväter die hierdurch entstehende Erhöhung der städtischen Abgaben glatt bewilligen werden und sich dadurch vorteilhaft von den Reichstagsboten abheben.
'* Tageskalender für Donnerstag, 1. Avril: Stadt- theatc Benefiz Goll: „Goldfische." Anfang 8 Uhr.
Kolosseum: Programmwechsel.
Vortrag von Frau L. Bucksath aus Mainz: Tie Reform der höheren Mädchenfchule. Abends 8’/t Uhr im Hotel Großherzog.
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* • In Audienz empfangen mürben von S. K. H. dem Großherzog am Mittwoch u. a. Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch und Prof. Dr. Schmidt von Gießen.
* * Ruhestandsversetzung. 'S. K. H. der Groß- herzog haben den Bezirkskassier Karl Nahrgang zu Lich unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste, sowie unter Verleihung des Ritterkreuzes ztveiter Klasse des Verdicnstorbens Philipps des Großmütigen» sowie
ferner den Hofkoch Ludwig Kloos in den Ruhestand versetzt.
* * Aus dem Militärwochenblatt. Karstedt, Oberveterinär im Großh. Art.-Korps 1. Großh. Hess. Feld- Art.-Regts. Nr. 25, zum Garde-Drag.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 23, — versetzt.
* * Ordensverleihung. S. K. H. der Gro ß her z og haben dem Ministerialrevisor bei der Buchhaltung des Ministeriums der Finanzen, Rechnungsrat Ludw. Müller zu Darmstadt, aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums die Krane zum Ritterkreuz zweiter Klasse deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Pfarr-Dienstnachrichten. Ernannt wurde: Pfarrvikar Lenz zu Nieder-Ramstadt zum Pfarrvikar in Rohrbach, Kreis Büdingen.
** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Hch. B e l l i n g in Eimsheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Eschollbrücken, der Schulamtsaspirantin Tina Becker auS Zwingenberg eine Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Pfungstadt, der Schülamtsaspi- rautin Emilie Mahr auS Eberstadt eine Lehrerinft.lle an der Gemeindeschule z-u Eberstadt. In den Ruhestand versetzt wurden die Lehrerin an der höheren Bürger- Mädchen-) Schule zu Bingen Mari; H e r m s auf ihr Nachsuchen und der Lehrer an der Gemeindeschule zu Ranstadt Hch Nürnberger auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste.
** Geschäfts;ubiläuw. Heute feiert die Bahnh ofs- Buch Handlung Julius Vater na hm ihr 40jäbrige§ Bestehen. Nachdem er am 1. s2loril 1869 die Bahnhofs-Buchhandlung in Gießen gegründet hatte, übernahm Herr Baternahm am 1. Januar 187U auch die Buchhandlung im alten Main-Weser-Bahnhof zu Frankfurt. Arn 18. August 1888 wurde ihm die bedeutende Buchhandlung im neueröffneten Hauptbahnhof übertragen. Alis kleinen Anfängen sind un Laufe der 40 Jahre nach und nach zwölf große und kleinere Filialen entstanden, und allen Geschäften steht bei immer noch sehr rüstige, inzwischen 65 Jahre alt gewordene Herr Julius Vaternahm unter Assistenz seiner Söhne vor. Ter Jubilar hat es durch rastlosen Elser und strengste Rechtlichkeit zu hohem Ansehen gebracht.
Silberne Hochzeit feierte heute der in weiten Kreisen bekannte Tapezierermeister Wilh. Kutzschrad und leine Ehefrau Margareta. Kinder und Enkel umstehen das Jiibelpaar leider nicht.
** Manner-Turnverei n. Am Sonntag, 21. März, ver- anstalteie der M-T.-V. sein An turn en, bas in allen Teilen einen guten Verlaus nahm. Begonnen wurde mit Freiübungen und zwar wurden die für das diesjährige Gauturmest vorgeichriebenen geturnt. ES nahmen 33 Turner teil, die die sehr schwierigen Hebungen sehr eratt ausführten. Am Weltkamvf beteiligten sich zusammen 30 Turner, darunter 3 außer Wettbewerb. Es wurde in 2 Stufen geturnt mit folgendem Resultat: Oberstufe: I. Adolf Trautweni 1151/,, 2. Friedr. Bevpler 1011/,, 3. Rud. Veiüler 95, 4. Karl Thöt 92, 0. öans Thöt 891,, 6. Willi Haun 87l/„, 7. Rob. Günther 725, Punkte. U n t e r st nie: 1. Paul Langer 12s1,.’, 2. Heinr. Techert 124, 3. Fr. Roder 1201/.,, 4. Heinr. Fersch 114, 5. Aug. Wagner 1111/,,, 6. Willi. Stosset 1Ö91/,, 7. Will). Schmidt und Konr. Becker je 109, 8. Heinr. Kraushaar 10H‘,„ 9. Ludw. Hebstreit 1051, „ 10. Kurt Kraushaar 96, 11. Herrn Giegling 82l'e, 12. Gruft Bötz 677., 13. Karl Kuttmann 61, 14. Georg Andres 60%, 15. Kart Hildebrand 60 Punkte. Die Hebungen zeugten durchweg von guter Schulung. Gelegentlich der 8 Tage spater ftattgeiunöenen Ä'b o-n b u N t e rh a l t u n g wurden den Siegern die Ehrenurkunden überreicht. Verherrlicht wurde der Ülbenb durch schön ausgesührte Hebungen der Fechtriege, sowie Konzertstücke und.einem flott gespielten Einakter. Ein gemütliches Tänzchen hielt bie Anwesenden noch einige Stunden vergnügt beisammen.
** In den 9i u l) e it a n b tt'tt heute, tvie schon mit- geteilt wurde, Polizeiwachtmeister Kasper, der die Entwickelung unserer Schutznlannschaft von Anfang an mitgemacht hat und als ältester der hiesigen Polizetbeamten allgemein bekannt war. Herr Kasper war, 18 Jahre alt, am 1. Oktober 1863 bei der hessischen Kavallerie (im jetzigen 1. Dragoner-Regiment) als Freiwilliger eingetreten und hat die Feldzüge von 1866 und 1870—71 mitgemacht. Noch neunjähriger Militärdieustzeit trat er zur Gendarmerie über, um dann am 1. Oft. 1878 bei der Errichtung der hiesigen Schutzmannschaft bei dieser als Polizciwachtmeister einzu- trcten. Damals tvaren 14 Schutzleute hier vorhanden, während es heute deren 30 sind. Nach 31jähriger Tätigkeit tritt nunmehr Herr Kasper in den ivoüKerdienten Ruhestand.
** Ein Unfug. Nahe der Schisfenberger Straße vernahm gestern abend ein Passant das klägliche Geschrei eines Rehes, das er sodann in dem nahe der Straße belegenen Erlenwäldchcn mit d n r ch b i s f e n e r Kehle vorfand, während ein starker Foxterrier sich aus dem Staube machte. Tas Reh verendete alsbald. Tas für den Naturfreund wie für den Jagdliebhaber gleichermaßen betrübende Ereignis zeigt ivieder, wie berechtigt die gegen den .Hnndcunfng gerichtete Betvegrmg ist. Zahlreiche wildernde Hunde durchstreifen Wald "und Flur. Bestände die Vorschrift, daß Hunde angelcint zu führen sind, so würden alle diese ?Nrßstände aufhören. Die geringe Bewachung der städtischen Jagdreviere ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der Wtld- stand von den frei hernmlaufcndcn Hunden dezimiert wird.
** Fahrradmarder Tie Fahrraddiebstähle beginnen sich beim Eintritt des Frühjahres sofort allenthalben wieder zu mehren. Gestern hatte ein junger Mann fein Fahrrad am Pferdemarkt hingestellt und sich den Markt besehen. Kurz darauf war das Rad) verschwunden. Ter Dieb konnte sich des Besitzes nicht lange erfreuen, er wurde in der Person eines 5) a n d w c r k s b u r s ch e n bereits bei Fronhausen von einem Gendarmen angehalten und verhaftet. Seinen Angaben, er habe das Rad unterwegs von einem Unbekannten für 2 Mk. gekauft, konnte fein Glauben geschenkt werden.
□ Wieseck, 30. März. Sämtliche hiesige acht Schulklassen unternahmen heute einen Ausflug nach Lollar und Staufenberg. Auch andere Schulen benutzten bas angehende FrühlingSwettcr zu einem Spaziergang am Schluß des Schuljahres.
= Steinbach, 30. März. Am Sonntag abend veranstalteten die hiesigen schiller unter Leitung der beiden Lehrer Ranz und Meissinger für ihre Eltern aind Angehörigen einen Familienabend. Die Schüler und Schüleriimen der lerlten Klasse sühnten von dem Zvklus „Die Jahreszeiten" von Frieda Schanz den vierten Teil, „Der Winter", auf. Taim folgten Deklamationen und Gesangsvorträge. Selw gut gefielen die Vorträge der Kleinsten: anmutige Känderliedck)en vom Heimatsort, vom Vaterhaus, vom Frühling, vom Häschen usw., sowie ein lieblicher Kinüer- reigen, von Schülerinnen der zweiten Klasse;au§gerii5rt. Auch eine dramatische Darstellung des Gedrchtes: „Gott grüß euch, Alter! säwreät das Pseifchen?" sprach sehr art. Den schönsten Punkt deS abwechslungsreichen Programms bildete bte Aufführung des Märchenspiels „Rotkäppchen" von Marie Jlle-Beeg und es gelang den jugendlichen Darstellern, die M recht gut iß ihre Sofies
eingelebt hatten, in der Tat außevordeMlich gut, einen wohlverdienten Erfolg zu erringen. Besonders die übrige Schuljugend zeigte das größte Interesse für bie Vorgänge aus der Bühne nnd zollte ihren darstellenden Kameraden in il;r ; schmucken Trachten jubelnden Beisall. — Heute ging ein Luuoallon, von Süden kommend, in rascher Fahrt über unser Tors hin und flog in der Richtung auf Grünberg weiter.
r. Ockstadt, 31. März. Ein eigenartiger Diebstahl wurde hier ausgeführt, indem einem hiesigen Einwohner in seinem eingezäunten Garten ein junger Baum ausgegraben und mitgenommen wurde. Von d.em Diebe fehlt bis jetzt jede Spur.
(:) Laubach, 30. April. Am Sonntag hielt der Ev. Bund einen Llbend im Gasthaus zur Traube ab. Die gut besuchte Versammlung eröffnete der Vorsitzende Pfarrer Volp, der in launiger Weise bedauerte, daß der Bund in seinen Veranstaltungen beschränkt auf den Abend durch anderweitige Vorträge 1. ) Vergnügungen werde. Prof. Glaser aus Bensheim hielt daraus einen Vortrag über „Bismarck als Christ", über welches Thema Redner bereits ein Buch veröffentlicht hat. Wenn auch BiSmarck kein Kirchengänger gewesen sei, so habe er doch ein christliches Leben geführt, so habe er jährlich zweimal zu .Hause die Kommunion genommen und sich bei all^n wichtigen Ereignissen, z. B. vor einer Schlacht, durch Gebet gestärkt. Deklamationen größerer Schüler erhöhten durch entsprechende Gedichte die gut beiuchte Feier.
L. Friedberg, 31. März. Das Lehrerseminar hat heute, am 31. März, das Schuljahr geschlossen und fängt am 26. April mit dem Unterrichte wieder an. Die Kausnt. Fortbildungsschule schließt Freitag, 2. April, und die Volksschule am 3. April.
sd. Darmstadt, 31. März. Der von der Bürgermeisterei ausgearbeitete Voranschlag für das Verwaltungs- >ahr 1909 sieht eine Erhöhung der Kommunal- fteuer um etwa 6 Prozent vor.
Zeppelins fiernfal)rt nach München.
Das R e i ch s l u f t s ch i s f „2 I" ist nach fünfstündiger .Höhen- sahrt gestern nachmittag um 2 Uhr in Manzell wieder glatt gelandet und hat dort eine Nachfüllung erhalten. Die Mannschaften der Luftschisserabt-'.lung sind auf 11 Uhr nach Manzell befohlen worden. Für I _-12 Uhr hat die Dampsbarlasse „Buchhorn", die in der Regel zum Schleppen des Luftschiffes dient, den Befehl, sich bereitznhaltcn.
Nachdem gestern abend alle Vorbereitungen für die Fernfahrt getroffen waren, stellte sich plötzlich trübes Wetter ein. Regenböen fegten über den See und ließen es vor Mitternacht zweifelhaft erscheinen, ob die Fernfahrt des Reichsluftschiffes nach München zustande kommen werde. Nach Mitternacht hielt Graf Z e p p e- l i n mit den Offizieren der Luftschiffcrabteilung wiederholt Konferenzen im Deutschen .Hause ab, deren Ergebnis war, daß man gegen 4 Uhr, als bas Wetter sich einigermaßen aufzuklären begann, den Antritt der Fahrt beschloß. Kurz vor 4 Uhr wurde „S. M. Z I" von der Dampfbarkasse „Buchhorn" aus der Ballon- Halle gezogen. In den Gondeln hatten Graf Zeppelin mit Oberingenieur Dürr, ferner Major Sperling als Kommandierender, Hauptmann v. Jena, Hauptinann George, Zivilingenieur Müller, Luftschiffkapitän .Hacker — dieser am Kompaß । — und bie Deimler- schen Monteure, sowie noch einige Militärs Platz genommen. Ihn 4 Uhr 5 Mm. früh erhob sich Z I und schlug bie Richtung nach Osten ein. Kurz vor 4> i Uhr passierte bas Luftschiff, an dem weithin tönenben Geräusch der Luftschrauben leicht erkennbar, aber sonst kaum zu sehen, in mäßiger .Höhe Friedrichshafen und steuerte bei immer noch ziemlich wolkigem Jpinunct und gegen den Süd- westwind der bayerischen Grenze zu.
Ulm, 1. April. Um 5,25 Uhr passierte das Reichslustschiff Biberach, ließ dann Ulm links liegen und überschritt die bat)erisch- württembergische Grenze.
Mindelheim, 1. April. Das Reichslustschiff passierte unsere Stadt 7,05 Uhr. Seine Ankunft in München ist um! '/l-9 Uhr zu erwarten.
München, 1. April. (9,20 Uhr.) Tas Reichslustschiff führte über der Stabt mehrere Evolutwnen aus nnb wurde dabei von einer ungeheuren Äcenschenmenge mit bramenbeit .Hochrufen und Tücherfchwenken begrüßt. Für den Nachmittag ist eine Latt- dung bei Unterwiesenfeld vorgesehen.
Ni üuchen, 1. April. Gegen 91/? Uhr versuchte Zeppelin auf dem Oberwüsenfelbe zu landen, ein heftiger Sübwestwind trieb das Fahrzeug aber nach Oberföhring zu. Die Ltiftschiffer- abteilung und eine Abteilung schwere Reiter sind abgerückt, uni etwaige Hilfe leisten zu 'können.
Markte.
fc. Frankfurt a. M., 1. April. (Telegr. Orig. - Bericht bc3 „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen B i c h m arft- preise. Zum Verkaufe standen: 45 Ochsen, 00 aus Oesterreich, 1 Bullen, 0 aus Oesterreich, 115 Kühe, Ferien, Sliere und Rinder, 966 Kälber, 224 Schafe und Hammel, 1356 Schweine, 8 Ziege, 55 Ziegenlämmer, 87 Schaflämmer. Bezahlt wurden für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 75—78 Mk., 2. Qualität 68—70 ' Aik., 3. Qualität 58-60 Mk.: Bullen: 1. Qual. 63—66, 2. Qual. 58—60; Kühe 1. Qualität 69—71 Mk., 2. Qual. 57—59 Mk., 3. Qual. 47—49 Mk., 4. Qual. 00—00 Mk., 5.Qual. 00—00 Mk. Bezahlt wurden für das Pfund Schlachtgewicht : Kälber 1. Qualität 90 bis 95 Psg., Lebendgewicht 53—57 Psg., 2. Qualität 80—88 Psg., Lebendgewicht 48-52 Pfg., Schlachtgew 68—70 Pfg.: Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 70 bis 00 Pfg., 2. Qual. 60—64 Psg. Schweine: 1. Qual. 69—00 Pf., Lebendgewicht 55,0—00,0 Pf., 2. Qual. 67—68 Pf., Lebendgewicht 54,0—00,0 Pfg., 3. Qual. 62—66 Pfg., Lebendgewicht 00-00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gut, Llebcrftanb unbedeutend, bei Kleinvieh gut, Ileberstand tmbedeutend.
kirchliche Nachrichten.
Israelitische Religionsgemeinde.
Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage).
Samstag den 3. April 1909:
Vorabend 6.45 Uhr.
Morgens 9.00 Uhr.
N a ch m i11ags 3.30 Uhr. S chriftcrkläruug.
Sabbatausgang 7.50 Uhr.
Israelitische keligionrgesellschast, Gottesdienst.
Sabbatfeier am 3. April 1909:
Freitag abend 6.35 Uhr.
Samstag vormittag 8.30 Uhr. Predigt.
Nachmittags 3.30 Uhr.
Sabbat-Ausgang 7.50 Uhr.
Montag den 5. April 1909 morgens 6.00 Uhr.
«oranssichtlichc Witterung für Hcften am Freitagsdem
2. April: Vielfach trüb und Niederschläge. Etwas kühler, besonders nachts. Westliche Winde.
Griginai-DrahtmeiSungen.
R.B. Darmstadt, 1. April. Die Erste Stände» kämmer wird morgen vormittag 11 Uhr zn einer Plenarsitzung zusammentreten.
Varis, 1. April. Petit Journal berichtet aus St. Dis über einen Grenz-Zwischenfall, der sich Mrnttag auf dem Eol int Bvnhvmme ereignet haben soll. Drei Komvagnieu preußischer Infanterie unter dem Befehl eines Majovs sollen die Grenze aus hem Gebiet von Fraize überschritten haben. Sie seien ;irka 60 Meter weit auf französisches Gebiet vorm.ii'chiert und hätten Halt gemacht und sich aus einer französischen Wirtschaft Speisenj und Getränke reichen lassen. Die Truppc-n sollen längere Zeit aut sranzosnchem Boden geblieben und dann auf deutsches Gebiet zuruckgekehrt fein. Ein franjöüfdjer Postbeamter sei Zeuge dieses Vorfalles gewesen uub habe die Militärbehörden benachrichttgt.


