Nr. 50
Erstes Blatt
150. Jahrgang
Montag 1. März 1909
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TLS- General-Anzeiger für Oberheffen MM
Annahme von Anzeige« V ak I i II u.Land" und.Gerichts-
bi =öerm^tt"fl6n9nm," Botatioitsöru» nnö Verlag der vrShl'schen Univ.-Vuch- «nd Steindruckerei R. Sange. Redaktion, ckxpediiion und Druckerei - Schuiftratze 7. ^jligenieU^H^B-ck'.
Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten.
Der neue Arichrbanlgesetzentwurf.
Bon Professor Dr. jirr. et Phil. M. Bierm er.
Die eigentümlichen und gan# ungewöhnlichen Geld- 'Marktverhältnisse vor Jahresfrist haben in weiten Kreisen lebhafte Beunruhigung erregt und sogar zu erregten Parlamentsverhandlungen geführt. Nach längerer Frist wurden wieder Zweifel darüber laut, ob unsere Goldwährung und biß auf ihr beruhende Notenbankorganisation allen chren 'volkswirtschaftlichen Aufgaben gewachsen seien. An Geg- iroern dieser legislativen Errungenschaften der großzügigsten Epoche der deutschen Reichspolitik, die leidep längst der Vergangenheit angehört, hat es freilich niemals gefehlt. Äbtzr als der Bimetallismus und der leidige Wühmrngs- streit, von denen ein geistvoller Spötter gemeint hat, „außer 'der Liebe hätte noch nichts so viele Köpfe verrückt gemacht, wie sie," der Vergessenheit anheimgefallen waren, und die b-imetallistische Idee wie eine schillernde Seifenblase i^erplatzt war, war es auch in den Kreisen der Reichsbankgegner auffallend still geworden. Erst in der schweren Geld- und Kapitaltrisis der jüngsten Zeit zeigte sich klar, daß der BimetaMsmus doch noch nicht ganz tot war, sondern nur scheintot. „Nur der Irrtum ist das Leben, und das Wissen ist der Tod." Das scheint fast die Devise gewisser Wirtfchaftsveformer, die ich lieber nicht nennen will, geworden zu sein.
Nach dem Abgänge zweier so hervorragender, national- ökonomisch weitblickender Staatsmänner, wie es der Graf Posadowsky-Wehner und der Reichsbankpräsident Tr. Koch waren, wollte die Reichsregierung sich der rechten Seite des Blocks, wo ja die Silberfreunde und Widersacher der Reichsbank chren Stammsitz haben, nicht unnötig ungefällig erweisen. Die ersten Konzessionen an die Linke, ein freiheitliches Vereins- und Versammlungsrecht un8 die endliche Remedur einer total verfehltenBörsengesetzgebung, waren auf der anderen Seite des Blockkartells nur mit sehr gemischten Hie fühlen ausgenommen worden. Man gab deswegen auch nach der rechten Seite hin näch und beschwichtigte sie mit der „deutschen Bankenquete". Solche umständliche Parlamentsenqueten nach britischem Muster sind von jeher probate Mittel gewesen, um übereilte gesetzgeberische Experimente zu vereiteln und um Zeit zu gewinnen für die Vorbereitung einer vorsichtigen Legislative, die zwar die bessernde Hand anlegt, ohne einen Sprung ins Dunkle zu tun. In der Medizin nennt man diejenige Methode, die schonend alles zu erhalten sucht, was zu erhalten ist, „konservativ". Im wirtschaftspolitischen Leben ist es etwas anderes. Die sog. Konservativen sind da, wo es ihnen paßtz nichts weniger als konservativ und scheuen selbst vor den radikalsten Operationen und Eingriffen in den volkswirtschaftlichen Organismus nicht zurück. Man denke nur an den Antrag Kanitz und den geplanten Währungsumsturz. Letzteren Vorstoß hatte man 1894 ebenfalls durch eine Enquete, die Silberenquete, zurückgeschlagen. Jetzt kamen langwierige Verhandlungen, kontradiktorische Vernehmungen, Denkschriften und statistische Uebersichten, die sich, auf das Noten- kbankwesen des In- und Auslandes bezogen, an die Reihe. Das Ergebnis, das der recht umständliche und kostspielige Apparat brachte, war ein gerade glänzend zu nennender
Sieg der wirklichen Sachkenntnis über jene laien- und I launenhafte Bierbankpolitik, die sich neuerdings selbst in! großen und angesehenen Parteien, die auf eine politische Geschichte zurückblicken können, breit zu machen sucht. Man lobt freilich nachträglich die Enquete gerade um deswillen, weil sie so lehrreich gewesen sei. Das mag wohl sein; lehrreich namentlich für solche Parlamentarier, die vorher das große Wort geführt hatten und jetzt vor einem Areopag von Finanzautoritäten emsehen lernten, daß sie bis dato von der ganzen Materie wenig oder gar nichts verstanden hatten. Für solche Leute — sie sind leider recht zahlreich geworden — kann selbstverständlich selbst die bescheidenste und elementarste Anregung pädagogischen Nutzen haben. Aber schließlich ist der Reichstag doch keine Erziehungsanstalt für nationalökonomisch Zurückgebliebene!
Für den Eingeweihten war es allerdings von vornherein klar, daß aus der neuen Enquete unmöglich viel Neues herauskommen könne. Die Erfahrungen, die man mit der gründlich mißglückten ursprünglichen Börsenreform gemacht hat, haben doch nachhaltig ernüchternd und abschreckend gewirkt. Und so gilt auch von der Bankenquete, deren Verhandlungen eigentümlicherweise gegen den sonstigen Gebrauch geheim gehalten worden sind, obgleich jeder Sachverständige erraten kann, was dort vorgegangen ist, das Wort: „Parturiunt montes, nascetur ridiculus mus.“ Dieses schnurrige Mäuschen, das nach so gewaltigen Wehen das Licht dieser Tränenwelt erblickte, trägt den anspruchslosen belletristischen Namen „Banknote von 1909". Das Kind ist wenigstens ausgetragen, wenn auch recht z-art ausgefallen. Pessimisten, die eine Mißgeburt oder gar einen Wechselbalg erwarteten, atmen jetzt mit Recht erleichtert auf. Sie hatten die Männer des „neuesten Kurses" doch Unterschätzt und ebenso den Einfluß des in wirtschaftspolitischen Dingen immer noch ausschlaggebenden und .taktisch so unendlich klugen Zentrums, das hier der Reichsregierung gegen die Rechte ebenso die Stange hielt, lvie jüngst in der Kolonialpolitit.
Was bringt uns nun der neue, vorläufig an eine Kommission verwiesene und aller Wahrscheinlichkeit nach dort sehr wohlwollend aufgenommene Gesetzen Wurf? Vielleicht ist es zweckmäßiger/ zu sagen, was er uns nicht bringt. Er bringt keine Verstaatlichung der Zentralbank. Er bringt keine Aenderung in den bewährten Grundsätzen der Diskontpolitik, keine Goldprämienpolitik und nicht einmal, wie fast allgemein angenommen wurde, eine Erhöhung des Grundkapitals der Reichsbank. Ter Gesetzentwurf läßt überhaupt die Grundlagen unserer Währungs- und Bankverfassung, die eine so erbitterte Gegnerschaft im agrarischen Lager haben, völlig unberührt. Es soll fast alles beim alten bleiben. Die vorgeschlagenen Neuerungen betreffen lediglich reine Zweckmäßigkeitsfragen und ändern nur Details. Die hauptsächlichste Bestimmung der Novelle ist, daß die Reichsbanknoten in Zukunft die Eigenschaft eines gesetzlichen Zahlungsmittels bekommen sollen. Tas ist allerdings eine Maßregel von erheblicher juristischer Bedeutung und kann auch gewisse volkswirtschaftliche Folgen haben. Ich glaube aber an letztere nicht recht. Unsere Banknoten sind natürlich stets Zahlungsmittel gewesen; sie sind ja gerade für Zahlungszwecke ausgegeben. Aber sie begegneten keiner Annahmepflicht. Niemand könnte also gezwungen werden, sie in Zahlung zu nehmen. Vom 1- Januar 1911 an soll das anders werden. Man muß
sich von da in Banknoten bezahlen lassen. Ich bezweifle, daß das große Publikum überhaupt weiß, daß das etwas Neues ist. Ich habe noch niemals erlebt, daß jemand bei uns die Annahme einer Banknote verweigert hat und auf seinem Schein bestand, indem er Gold, dafür haben wollte. Höchstens wenn man kleineres Geld brauchte, hat man an der Stelle der „blauen Lappen" um Goldgeld oder Silber gebeten. Genau so ist es in England, wo die Noten der Bank von England längst „legal tender“, d. i. legales Zahlungsmittel, sind. Ganz anders wäre die Sache, wenn man den Noten auch die Einlöslichkeit durch kursfähiges Metallgeld hätte nehmen wollen. Eine solche Gesetzesbestimmung hätte uns allerdings mit einem Schlage in die Papiergeldwirtschaft gebracht. An einen solchen Gewaltsakt hat aber niemand ernstlich gedacht. Die Noten bleiben also jederzeit ernlösbar. Im bisherigen Bankgesetz hieß es „einlösbar in kursfühigem deutschem Geld". In Zukunft soll es heißen „gegen deutsche Goldmünzen". Zum kursfähigen deutschen Geld gehören bekanntlich außer den Kronen und Doppel- kronen auch die Scheidemünzen. Mer Silbergeld hat nur bis 20 Mk. Zahlkraft. Die Zwanzigmarknoten waren bisher auch in ©Uber einlösbar; künftig nur in Gold. Tas ist der ganze Unterschied.
Tie Reichsregierung erhofft, daß die gesetzliche Zahlkraft der Reichsbanknoten den Goldvorrat der Reichsbank stärken werde. Tie Noten würden sich länger im Verkehr halten als bisher. So schien wenigstens der Standpunkt des Verfassers der Fragebogen für die Bankenquete zu fein. In der Enqueten-Kommission selbst ist das aber allseitig bestritten worden. In normalen Zeiten bringt auch nach meiner Ueberzeugung diese Neuerung keinerlei Erhöhung des Goldbestandes in den Kellern der Bank. In politischen Krisen und Krediterschütterungen allerdings wird die neue Rechtslage der Bank, und damit dem ganzen Wirtschaftsleben, gewisse — aber kaum mehr, als vorübergehende — Vorteile bringen. Der Ansturm zwecks Einlösung wird etwas gemildert und verzögert werden. Mehr ist aber kaum zu erreichen.
Eine dritte Bestimmung des Gesetzentwurfs bezieht sich auf das sog. „Notenkontingent" der Zentralbank. Unsere Noten müssen — das ist eine der wichtigsten Bestimmungen der ganzen, so sinnreichen, Bankverfassung — mindestens zu einem Drittel in Metall, zu zwei Dritteln in sicheren, kurzfristigen Wechseln mit guten Unterschriften gedeckt fein. Tas ist die vielerörterte „Dritteldeckung", eine äußerst vorsichtige, vielleicht sogar zu vorsichtige Maßregel. Mit dieser fürsorglichen kÄcherung hat sich aber der Gesetzgeber noch nicht einmal beruhigt. Er hat weiterhin die Gesamtsumme der nur durch Wechsel gedeckten Noten genau fixiert. „Kontingentiert" heißt es in der Banksprachc. Ueberschreitet die Bank auch diese Summe, so muß sie Notensteuer (5 Proz.) an den Fiskus zahlen. Tiefes steuerfreie Kontingent erhöht die Novelle von 473 Millionen Mark auf 550 Millionen Mark. Bedeutung hat dieser Vorschlag nur für den Reichsfiskus, der eben weniger Notensteuer bekömmt. Auf die Höhe des Zinsfußes hat das Notenkontingent überhaupt keinen Einfluß. Auch hier hält die Negierung prinzipiell am Hergebrachten ängstlich fest. Ich für meine Person hätte lieber die ganze indirekte Kontingentierung endgültig beseitigt gesehen. Sie hat sich, ivie ich behaupte, als Vorsichtsmaßregel und Sicherheitsventil längst überlebt.
KUincs Feuilleton.
— Zwei wiederaus gefundene Violinkonzerte Haydns. Einen unerwarteten Fund hat die bekannte Verlagshandlung Breitkopf & Härtel in Leipzig gemacht: In lyrem Archiv wurden nämlich unter emer großen Zahl bestaubter Manuskripte zwei Original - Violinkonzerte Haydns in Stimmen ausgesunden, deren Veröffentlichung berechtigtes Aussehen erregen wird, umsomehr als bisher noch kein Violinkonzert Haydns veröffentlicht ist. Beide Konzerte stammen von einem Notenabschriitenlager, das Job. Gotti. Im. Breilkops einrichlele, und sind von Haydn zwischen 1766 und 1769, in welchem Fahre Breilkops sie aufnahm, für den Primgeiger der Esterhäzyschen Kapelle, Luigi Tomasini, komponiert.
Professor Dr. Karl Sachs, der Veriasser des bekanntesten und verbreitetsteil Wörterbuches der sranzösischeu Sprache ,Sachs-Villate" feiert am 31. März d. I. seinen 80. Geburtstag. 186< begann er sein Lebenswerk^ das von der Langei,jcherdtschen Verlagsbuchhandlung in Berlin-Schöneberg von 1869 - 1880 veröffentlichte enzyklopädische Wörterbuch der französischen und deutschen Sprache. Von fernen sonstigen Arbeiten verdient noch Erwähnung eine 1883 veröffentlichte Ausgabe Shakespeares mit eugliichem und deutschem Text und literarischen Einleitlmgen, ein Supplement des großen Wörterbuches (1895) und verschiedene französische und englifche Schulbücher.
— B e r l i ii s neue S l a d t f a r b e n. Der Magistrat von Berlin hat^ in der letzten Sitzung beschlossen, an Stelle der alten Berliner Stadtfarbeii schwarz-rot-weiß die Farben rot-weiß in wachrechtem Streifen mit silbernem Schilde und dem Bären zu setzen. Die häiifigen Verwechslungen der Stadt- mit den Reichssarben boten Veranlajsung zu dieser "Maßnahme. Die Fahne Berlins wird in Zukunft also aus wagerechteii rot°iveißen Streisen bestehen; darin wird sich das althistorische weiß silberne Schild nut dem schwarzen Bären befiiiden. Der Beschluß des Magistrats bedarf der Zustimmung der Stadtverordnetenversaminlinig.
— A m e r i k a ii i s ch e r G e s ch n, a ck. Einen kostbaren, aber doch nicht besonders geschniackoollen Preis für das Bundesschießen, das im Juli d. I. in Hamburg stattfindet, hat der Vorstand des Nationalen Schützeubundes der Vereinigten Staaten" in Neiv- Pork in seiner letzten Sitzung zu stiften beschlossen. Der Preis besteht aus einer amerikanischen Flagge, deren Wert dadurch erhöht werden soll, daß auf jeden der 46 Sterne der Fahne ein Gold- st ü ck genäht ,verden wird.
— Sarah Bernhardts neueste Rolle. Die „Göttliche" wird mit zunehmendem Alter immer, na, sagen mir ruhig — roller. Nachdem sie schon den Heizog von Reichstadt, den
Hamlet und noch ein uaar andere Hosenrollen gespielt hat, will sie nun gar im April dieses Jahres den Eyrano von Bergerac in Rostands Dichtung spielen. Nach Coguelins Tod muß zivar der Eyrano neu geschaffen werden; es mag aber dahingestellt bleiben, ob gerade die Greisin Sarah Bernhardt der geeignete Darsteller für den Cascogner — Kadetten ist. — Es ist nachgerade unausstehlich. diese rasende Eitelkeit, der ja gewiß auch ein Teil von Tragik betgemischt ist, der Französin üppig weiter wuchern zu sehen.
— Das geistige Berhaltn is von Mann und Weib behandelt Lucia Dora Frost im Märzhest der Neuen Rundschau. An die Spitze selbst stellt «die Verfasserin das Bibelzitat „Ich will Feindschaft setzen zwischen Dir und dem Weibe" und sie ist überzeugt: die Gegnersck)aft zwischen den beiden Geschlechtern wird immer bestehen. Tie Verfasserin begrüntet ihre Theorie von den Ueberschußkräften im männlichen Orgams mus, die sie schon früher einmal in der „Franks. Ztg." vom 28. Juli 1908 angedeutet hat, mit viel biologischer Gelehrsamkeit und sie sieht die Gleichheitsbestrebungen der Frau, besonders die geistigen, eben weil der Frau jene lieber schußkräfte fehlen, recht skepttsch an. Wie eine Stimme ails der Wüste, aber gewiß eine hörenswerte Stimme, klingt es heute, wenn Frau Frost schreibt: „Es ist für die Frau nickst ganz unwichtig, ob man bei Gleichheitshoffnungen beharrt. Eine falsche Theorie kann ungeheueren Schaden anrichten. Und die Theorie, die Entwickelung zu irgendwelcher Gleichheit für möglich halt, ist falsch. In nichts können wir gleich weiöen, nicht einmal ein gemeinsamer Schein ^on Bildung kann uns einen; berat noch unsere Mißverständnistö müssen verschieden sein. Der Weg zur Herrschaft ist weit, selir weit und führt durch ein von männlichem Werten und mänm lichem Delbstbewußtsein magnetisiettes Feld. Wie wollen wir da verhindern, daß wir in Nachahmung verfallen und unseren Weg verlieren, wenn wir nicht die Polarität tvahren, wenn wir uns gerade unserer Eigenheit zu entledigen suchett. Wir können nicht vom Manne lernen, roenn wir keine Unterschiede anerkennen, die uns erst eine Methode aufzustellen erlauben, nach der wir von ihm lernen körnten. Der Jüngling lernt vom Manne, ohm im! üblen Sinne gelehrig zu sein. Er Tann das, weil des Meisters Denkweise seine Denkweise sein kann: er ist verwandt mit ihut. Was kann aber die Frau ohne das Bewußtsein der trenneiwn
Kluft anders erreichen, als ihn gelehrig mißzuverstehen? Wie können wir zu geistiger Selbständigkeit kommen, ohne uns mindestens alle seine Begriffe ins Weibliche, in unsere gemäßigte Atmosphäre zu übersetzen? Hat die geistige Selbständigkeit etwa Angenommen unter der Herrschaft des Gleichberechtignngsdogmas, haben wir unter ihm Triumphe der Qualität gefeiert, Leistungen erreicht, die noch dem niedrigsten Weibe zugute kämen, wie die Taten großer Männer noch auf den elenbeften Mann einen schwachen Abglanz werfen, und mit Recht werfen, weil sie Leistungen des Geschlechtscharakters waren? Was an Dauerndem entstanden ist, ist trotz der Gleichheitsbestrebungen entstattden. Muß nicht die Herrschaft dieses falschen Dogmas dazu führen, jede mittelmäßige Nachahmung schon als eine Tat, jeden falschen Erfolg als einen echten anzusehen, gerade die feinen1 und entfdjeibenbert Wertunterschiede zu verwischen und schließlich den Mann noch als hohlen Phraseur zu verspotten, wenn er von seinem Besten sprickst, nur weil wir nicht zugeben können, daß iit ihm anderes und mehr steckt als in uns selbst? Tas Gleichheitsdogma verhindert auch Verständigung. Wenn man zwei Wesen, die in tiefer, natürlicher Feindschaft zueinander stehen, auf eine krude Weise einander anzunähern versucht, so entsteht nicht Freundschaft, nicht Kameradschaft, nicht Liebe, sondern Haß Es kann gar nicht anders sein. Darüber darf man sich nicht täuschen: der Geschlechterhaß wächst durch das Streben nad) Gleichheit, lieber die Zukunft der Fran wird jetzt auf lange Zeit entschieden. Mit dem Bemühen, es dem Manne gleichzutun, verurteilen wir Uns gur zweiten Rolle und kömien dem Wohl der Menschheit mehr schaden als nützen. Damit ist nichts zu gewinnen, wohl aber eine günstige Möglichkeit zu verscherzen. Feindschaft wird ewig bestehen. Nur ob sie Lieb oder Haß sein wird, das liegt ein wenig in unserfer Hand."
— Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Earau d' Ache, der'berühmte Karikaturist ist am Freitag im Aller von 60 Jahren in Paris gestorben. — Anläßlich der Luft- i ch i f s a h r t - A u s st e t l u n g zu Frankfurt a. M. hat die Rur- ucrioaltung Scheve ningerterjVerwaltung einenPrew von 1000Fl. iir das erste Lu lfchiff. das von der Lustschiffahrt-Ausstellung nach ^cheveningen fährt, zur Verfügung gestellt. — Johannes E o n= i a b, der bekannte Nationalökonom der Universität Halle feierte gestern seinen 70. Geburtstag.


