Ausgabe 
6.11.1908 Erstes Blatt
 
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Aus Stadt und Land.

Gießen, 6. November 1908.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Ein volles Haus und eine erregte Debatte mit wichtigen j Beschlüssen, das war die Signatur der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung, die von ihrer großen Tages­ordnung nur einen kleinen Teil erledigen konnte. Gleich bei den Mitteilungen gab es Ueberraschungen teils erfreu­licher teils unerfreulicher Natur. So erfreulich an sich die Tatsache war, daß die Versammlung einem ihrer tätigsten Mitglieder ein Vertrauensvotum erteilen konnte, so uner­freulich war die Veranlassung dazu. Erst vor wenigen Wochen nahm Stadtv. Dr. Gutfleisch Veranlassung, von der leidigen Bierbantpolitik zu sprechen, die sich in unserer guten Stadt des öfteren breit macht, und gestern schon hatte die Versammlung Gelegenheit, sich mit einer besonders duftigen Blüte dieser Art der Erörterung öffentlicher Angelegenheiten zu befassen. Unsere Leser erinnern sich gewiß noch der für den Außenstehenden mehr komisch als ernsthaft wirkenden Erörterung, ob für die neue Kälteanlage im Schlachthof Kohlensäure oder Ammoniak das beste sei. Die Versammlung entschied sich auf Grund guter Unterlagen für Kohlensäure, was bent Rufer int Streite für Ammoniak Gelegenheit gab, den Kampf für seine Lieblingsidee aus interparlamentari­schem Gebiet fortzusetzen. Leider ließ er sich dabei in der Hitze des Gefechts dazu hinreißen, einem der Stadtverord­neten, der gegenteiliger Ansicht war, in einem öffentlichen Lokal vorzuwerfen, daß seine Stellungnahme durch persön­liche Vorteile,Schmierereien", hervorgerufen sei. Es ist erfreulich, daß die Versammlung ihrem in seiner Bürgerehre schwer gekränkten Mitgliede alsbald in aller Form bekundete, daß er in der Sache untadelhaft dasteht. Der Vorsitzende benutzte die Gelegenheit, um noch einige andere Klatsche­reien^ die in jüngster Zeit hier umliefen, klarzustellen, wobei eine besondere Sorte Mittelstandspolitiker, die aus diesem unschönen Weg Anhänger für ihre sonst ziemlich aussichtslose Sache zu werben versucht, sehr schlecht wegkam. Nach diesem großen Reinemachen kam das Hauptstück des Tages, die Er­ledigung des Antrages Winn und Genossen wegen Schaffung eines großzügigen Bebauungsplanes. Der Antrag wurde nach langer, stellenweise recht erregter Debatte gegen sechs Stimmen abgelehnt, da sich die Mehrheit ganz auf den Boden des Ausschußberichts stellte. Ganz tot ist er aber noch nicht, da ein Teil, nämlich die. Begutachtung der Bebauungs­pläne, durch einen Sachverständigen, voraussichtlich neuer­dings zum Gegenstand eines Antrags werden wird. In eilzugartiger Geschwindigkeit wurden dann noch die wich­tigsten Gegenstände der übrigen Tagesordnung von dem sehr zusammengeschmolzenen Kollegium erledigt bezüglich der ev. Verlegung des Viehmarktplatzes wurde beschlossen, es bis zum Erlaß des in Aussicht stehenden Reichsgesetzes über die Bekämpfung der Viehseuchen beim alten zu lassen und darauf um 128 Uhr Schluß gemacht. Den ausführlichen Bericht über die Sitzung finden die Leser in der Samstags­nummer.

" Der Großherzog auf der Jagd. An der am 3. November bei Freiherrn Heyl zu Herrnsheim in Gunters- Hausen abgehaltenen Hubertusjagd nahmen teil: der Großherzog, Prinz Heinrich von Preußen, Fürst SolmZ- HohensolmS-Lich, Fürst Birstein, Gras Görz, Oberstallmeister von Rtedesel, Oberkammerherr v. Riedesel, Oberst Freiherr v. Heyl, Flügeladjutant von dem Knesebeck, Baron v. Lcon- hardi und Freiherr Dr. Gern. v. Heyl. Erlegt wurden: 1 wilder Pfau, 12 wilde Welschen, 2 Schnepfen, 2 Bantam- . Hähne, 2 Königs-Gunter-Fasanen, 420 Fasanenhahnen, {17 Fasanenhennen, 1 Wildente, 22 Hasen und 75 Lapins.

"Zum Weinsteuer - Gesetzentwurf. Zu den mehrfach an die Regierung gelangten Anfragen und Ein­gaben in Bezug auf den Entwurf eines Weinsteuergesetzes kann dieDarmst. Ztg." Mitteilen, daß bei dec Beschluß- 'fassung des Bundesrats die Stimmen Hessens gegen 'den Entwurf abgegeben worden sind.

* * Zu den Landtagswählen. Die am Samstag stattfindenden Hauptwahlen zum Landtag dürsten manche Ueber- raschung bringen, da in vielen Wahlkreisen die vorgeschlagenen und auf einen gewissen Kandidaten eingeschworenen Wahl- : männer nicht so standhaft sind, wie man annahm. So sollen Mach in letzter Stunde in dem Wahlkreise Herbstein-Ulrichstein, in dem die Wahl des Abgeordneten Schinalbach sicher schien. Machinationen zutage treten, die die Beseitigung Schmalbachs bezwecken. Auch in Wald-Michelbach ist die Wahl des Abg. Heidenreich nicht sicher. Die Sozialdemokratie desWahlkr. Ober- 'Jngelheim hat beschlossen, für den Fall, daß die jüngste Wahlmännerwahl in M 0 mbach für ungiltig erklärt werden sollte, sofort zu Gunsten des Freisinnigen Dr. Wolf in die .Wahlbewegung einzutreten, da die Wahl eines Sozialdemo- ! traten aussichtslos sei. Bei entschiedener ^Agitation hoffe man «den Wahlkreis dem Zentruin zu entreißen.

* * In Audienz empfangen wurden am Mittwoch von S. K. H. dem Groß Herzog u. a. Oberstaatsanwalt Lang von Gießen, Postdirektor Zimmer von Butzbach und Postdircktor Flaschenträger von Bad-Nauheim.

Ordensverleihung. Se. Kgl. Hoh. der Groß­herzog haben dem Bürgernielster, Ortsgerichtsvorsteher und Standesbeamten Gg. Leonh. Walter gu Gras-Ellenbach das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* Lehramtspersonalien. Se. Königl. Hoh. der Großherzog haben den Pfarrer Dr. Jos. Seitz zu Mainz mit dem Charakter als Professor und den Pfarrer Heinr. »Becker aus Nieder-Ohmen zu Oberlehrern an der höheren Mädchenschule und dem Lehrerinnensemlnac zu Mainz, ferner den Kaplan Franz Göhle zu Bensheim zum Oberlehrer an dem Gymnasium zu Bensheim und den Kaplan Karl Faust­mann zu Mainz zum Oberlehrer an der Oberrealschule zu Mainz ernannt.

* * Lehrerpersonalien. In den Ruhestand ver­setzt wurde der Lehrer an der Genieindeschule zu Pfedders- heiin, Jakob Hosseus wegen Krankheit. Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu K l e i n - G u m p e n. Dem Grafen Erbach- j Erbach steht das Präsentationsrecht zu.

* * AuS dem Landes-Lehrerverein. In den drei Provinzen finden im Laufe der nächsten Wochen O b - männerversammlurrgen stakt, denen folgende Tages­ordnung zugrunde liegt: <-chulstatistik, Postlisteir, Mit gtiederverzeichliissc, Anträge, Die auf der letzten Vertreter Versammlung zur Annahme gelangt sutd. (Tic .Bersamm UiTtfl für Oberhessen findet am 28. November hier im Hotel

Kobel statt. In Bensheim feierte am 1. November Lehrer Kempf in seltener körperlicher und geisttger Frische sein goldenes Dienstjubiläum.

Kirchen-Renovierungen. Denkmalschutz und Kreisbauamt rücken jetzt der Erhaltung der alten Kirchen näher, an denen unser Kreis reich ist. Die Renovierungen geschahen in den letzten Jahrzehnten vielfach ganz willkür­lich, meist ohne sachkundige Aufsicht, so daß manche Alter­tümlichkeit verschwand, ja nicht selten Stil und Formen der Gebäude verwischt wurden. Hierin ist jetzt Wandel ge­schaffen. Im nächsten Jahre werden die Kirchen zu Stangen­rod und Allendorf a. d. Lumda nach den Plänen des Bau­rats Diehm renoviert.

* Keine Analphabeten in Hessen. Von den im ganzen deutschen Heere vorhandenen 60 Analphabeten des letzten Jahres war keiner aus dem Gcoßherzogtum Hessen gebürtig.

Geschworenenliste. Behufs Bildung der Spruch­liste für die am 7. Dez. beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts für das 4. Quartal wurden nachstehende pauptgeschworene ausgelost: Hch. Wilh. Wagner, Landwirt in Echzell; Joh. Rahn, Landwirt in Rixfeld; Karl Wilb. Jakob, Landwirt in Groß-Karben; Hch. Baumbach IL, Land­wirt in Bermuthshain; Hch. Schaaf VI., Bürgermeister in Eichelhain; Louis Gust. Krempel, Bürgermeister in Eckarts­born; Hch. Wilh. Cloos, Fabrikant in Nidda; Ehr. Welter, Landwirt tn Holzhausen; Hch. Ubrich, Rentner in Friedberg; Hch. Schudt IL, Mühlenbesitzer in Bruchenbrücken; Heinr. Wittich, Landwirt in Rendel; Karl Nepp, Fabrikant in Grün­berg; Hch. Keil V., Bürgermeister in Ettingshausen; Otto Roth, Buchhäiidler in Gießen; Joh. Rausch, Landwirt in Allmenrod; Wilh. Haller, Fabrikant in Friedberg; Adolf Klingspor, Fabrikant in Gießen; Jak. Krämer II., Land­wirt in Steinbach bei Gießen; Joh. Keßler X., Kaufmann in Großen-Linden; Hch. Kneipp V., Bäcker in Langsdorf; Wilh. Herrn. Schäfer, Landwirt in Reichelsheim; Hch. Pfaff, Landwirt in Weitershain; Gust. Schwarz, Kaufmann in Fried­berg; Hch. Loth, Landrvirt in Kirschgarten; O§k. Graff, In- genieur in Kesselbach; Ferd. Kammer, Gutspächter in Hungen; Aug. Birkenstock, Bürgermeister in Ranstadt; Ernst Stumpf, Landwirt in Kirtorf; Friedr. Helmich, Rentner in Laubach; Wilh. Kaiser, Beigeordneter in Unter-Schmitten.

* * Die Hessische Lehr mittelan st alt (Emil Roth) hier, die zu einem ,Schulmuseum" ausgestaltet werden soll und bereits als eine sehr beachtenswette Lehrmittel- Ausstellung, wie sie wenige gleichartige Handlungen Deutsch­lands aufweisen, angesprochen werden darf, begegnet mehr iind mehr der Aufmerksamkeit dec umliegenden Lehrerkreise, die sich dllrch einen lebhaften Besuch geltend macht. Nach­dem die letzte Kreislehrerkonferenz des Kreises Gießen die hessische Lehrmittel-Ausstellung offiziell einer Besichtigung würdigte, folgte am Montag ein Besuch von 28 Lehrern des Kreisschulinspektionsbezirks No dH ei m (Kreis Biedenkopf) unter Führung des Kreisschulinspektors Vömel. Wie wir hören, ist in Aussicht genommen, auch den Schülern klassenweis unter Führung des Klassenlehrers die Besichtigung dec interessanten Ausstellung zu eiiuöglichen. Von dieseni dankenswerten Entgegenkommen des Besitzers dec Hessischen Lehrmittelanstalt werden die Schüler sicher gern weitgehenden Gebrauch machen.

* Zw eiter öffentlicher Vortrag des Kauf­männischen und des Ortsgewerbevereins. In Stems Saal­bau sprach gestern abend vor einem überaus zahlreichen Pu­blikum Herr Hauptmann Härtel aus Leipzig überDie Eroberung des Luftmeeres und modernes Reisen im Luftschiff. Der Vortragende gab zunächst eine kurze Uebersicht über den jetzigen Stand der Beherrschung der Luft und sodann ein sehr anziehendes Bild von den Reizen einer Luftreise. Ec erläuterte seinen Vortrag durch eine große Anzahl meist selbstgesertigter bunter Lichtbilder. Be­kanntlich waren die Franzosen uns anfänglich in der Suft- schlffahrt weit voraus. Auf Anregung des Kaisers ist es zurückzuführen, daß die Lustschiffahrt auch bet uns mit größerem Eifer betrieben wurde. Das Ergebnis ist bis heute, daß man drei Klassen lenkbarer Luftschiffe nennen kann: 1. die starre Form (Zeppelin), 2. die gänzlich unstarre Form (Parseval, La ville de Paris), 3. die Halbstarre Form (die französischen Ballons La Republique und dec Ballon des deutschen Luftschifferbataillons. 9leucrbing§ neigt man dazu, nach einem anderen Gesichtspunkte einzuteilen, in Ballons mit Ballonet und ohne solchen. Redner besprach bann nn Einzelnen diese verschiedenen Typen und die Ersolge, die mit ihnen erzielt worden sind. Dann schilderte der Redner lurz die Flugmaschinen und erzählte zum Schluffe von seinen acht Ballonsahrten, die er bisher selbst ausgeführt hat. Die Schilderungen des Vortragenden enthielten eine Fülle inte­ressanter Einzelheiten mit humoristischen Beigaben und be­geisterte Naturschilderungen.

"Der Evang. Arbeiterverein veranstaltet am Sonntag seinen zweiten Vortragsabend. Lehrer Keil- Kleinlinden wird über seine Reise nach der Wasser­kante sprechen.

* * Die R echtSschu tzstellc für Frauen und Mädchen hat ihre Geschäftsräume von Neuenbäue 25 nach Alicestraße 31 verlegt. Die Einrichtung hat sich als sehr zweckmäßig erwiesen. Die häufige Inanspruchnahme liefert den besten Beweis dafür.

OeNentliche Lesehalle. Im Oktober wurden 2 3 05 Bände ansgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1193, Zeitschriften 316, Iugendschrtsten 327, Vers- dichtungen 49, Literaturgeschichte 9, Länder- und Völkerkunde 84, Kulturgeschichte 19, Geschichte und Biographien 125, Kunsl- geschtchte 11, Naturwissenschaft und Technologie 81, Heer- und Seewesen 12, Haus- und Landwirtschaft 10, Gesundheftslehre 7, Religion und Philosophie 23, Staatswissenschaft 12, Sprachwissen­schaft 12, Fremdsprachliches 15 Bande. Nach austvärls kamen 103 Bände.

Eine p raktische Neuheit, die recht viel Nach­ahmung verdient, ist im Hotel Einhorn getroffen worden. Um die Servietten vor jeder Berührung mit fremden Händen zu schützen, erhalten die Stauungäste hübsche Köcher, wodurch es ermöglicht ist, daß nur dec Eigentümer seine Serviette in die Hand bekommt.

* * Die Maul- und Klauenseuche ist ausge - b r och c n in dem Kreise Friedberg (Oberbayern, am 3. Nov., l.n Domäne schloß Meferitz Regierungsbezirk Posen, am 4. Nov.

Grünberg, 5. Nov. Der Turnverein Grün­

berg feiert am Samstag und Sonntag sein 25jShrtge8 Stiftungsfest durch einen Festkommers. Konzert und Ball.

Butzbach, 4. Nov. Heute nacht wurde in die hiesige Bezirkskasse erngebrochen, ohne daß es dem Einbrecher gelang, eine Beute zu machen, da der Geldschrank den Oeffnungsversuchen widecitand unb an anderer Stelle Wertgegenstände nicht entdeckt wurden.

- -d. Bad-Nauheim, 5. Nov. Der hiesiae Vor­tragsverein hatte mit seiner gestrigen ersten diesjähri­gen Veranstaltung eine gute Wahl getroffen. Kapellmeister Hans Philipp Hofmann sprach über Richard Wagners Ring des Nibelungen". Die ganze Vorbereitung, in der die Einführung in den Inhalt des großen Musik- dramas und die Erklärung der Leitmotive mit dem Vortrag von Bruchstücken in Gesang und Klavier wechselten, war ein künstlerischer Genuß, der bei dankbaren und verständigen Zuhörern ,ick>erlich einen bleibenden Eindruck hiuterlasien hat. Der Konzertflügel war von W. Rudolph in Gießen zur Verfügung gestellt worden.

- n. Friedberg, 5. Nov. Tie gestern abend im Saal­bau von der Evang. Vereinigung dahier beranftaltete Lut herfeier nahm einen würdigen Verlauf. Der Höhe­punkt der Feier lag in dem Vortrag des Professors D. Dr. Schian aus Gießen, der Luthers Bedeutung für uns unter­suchte durch Erörterung der Frage: Bedeutet Luther den Anfang der Neuzeit? Von der hohen Warte eines Mannes der ernsten Wissenschaft verglich Redner das Einst und Jetzt und prüfte die Wandlungen, die sich unter dem Einflüsse von Luthers reicher Gedankenwelt auf den verschiedenen Gebieten unserer geistigen Entwicklung voll­zogen haben, Wandlungen, die eine Bereicherung der höchsten Güter der Menschheit bedeuten; auch die entgegenftehenden Einwürfe, wie sie auch neuerdings literarisch hervortteten, fanden Berücksichtigung. Redner und mit ihm die zahl­reiche, den Saal und die Galerien dicht anfüllende Zuhörer­schaft, letztere ergriffen von dem in edler Gemeinverständ­lichkeit gegebenen Vortrag, gelangten zu freudiger Be­jahung der gestellten Frage. Für den Leiter des veranstal­tenden Vereins, Oberlehrer Lampas, der durch Unpäß­lichkeit ant Erscheinen verhindert war, leitete Professor Schöll die Versammlung. Sein herzlich gehaltenes Schluß­wort, dem eine dankende Ansprache für den Vorredner vorausging, war sichtlich durchleuchtet von der Freude über den erhebenden und wirkungsvollen Abend. Wie bei frü­heren gleichen Veranstaltu ngen trug auch diesmal der Sängerchor des Lehrerseminars dahier sehr hübsch einige unserer alten und immer wieder schönen Volkslieder vor, abwechselnd mit Musikvorträgen des hiesigen Posaunen­chors. Als wohltuend wayrgenommene Neuerung ist des erneuert hergcrichteten, mit Dampfheizung und anderen Annehmlichkeiten ausgestatteten Saales zu erwähnen, der, gegenüber dem früheren Zustand, der manchen Besucher ferngehalten hatte, einen behaglichen Aufenthalt bot

- m. Schwalheim, 6. Nov. (Tel.) Bei der gestrigen Bürge miet st erwähl wurde dec Polizeihiener Georg van Bas Huis en mit 86 Stimmen gewählt. Der vorige Bürgermeister I. Hensel III. erhielt 66 Summen.

= Bad Salzhausen, 5. Nov. Dec Wasser- Versand unserer Heilquellen war fünf Jahre an Herrn I. Häuser dahier verpachtet. Die Pachtzeit war im Früh­jahr l. I. abgelaufen und von der Regierung gekündigt worden. Jetzt hat der seitherige Pächter einen fünffach höheren Preis geboten. Das Heilwassec hat sich bei »Gallen- gries'' besonders gut bewahrt. Bei einer Daheimtrmlkur war bei einem Verbrauch von 60 Flaschen btc Krankheit ohne Operation geheilt. Auch bei Rheumatismus, Ver- stopsung, Verdauungsstörung :c. wirken die Salzhäuser Quellen Wunder.

x Lauterbach, 5. Nov. Nach Vollendung unserer Turnhalle zeigte sich eine große Begeisterung für das Turnen. Tie Turnstunden können nunmehr regelmäßig abgehalten werden. Eine Männerriege hat sich gebildet und auch die Damen hofft man für die Turnerei zu gewinnen. Neben dem Turnen fördert der stattliche Bau auch Kunst und Geselligkeit. Erst vor einigen Tagen vereinigte die Halle über 1000 Besucher des Theaters des Rhein-Main- Verbandes für Volksbildung. Nächsten Samstag hat man Gelegenheit, einem Lied er ade ird des in seinen Leistungen bekannten Blitzenröder Ge'.angvereins beizuwohnen, acht Tage später wiederum dem Stiftungsfeste des Gabelsberger Stenographenvereins. Weitere Vergnügungen, wie die Feier von Großherzogs Geburtstag mit Theater usw. reihen sich an.

Grebenhain, 5. Nov. Das Saisontheater, das zurzeit in Lauterbach gastiert, gab heute mittag 1 Uhr im Faitzschen Saale hier eine Schülervorstellung, in der der ^,,Prinz von Homburg"' zur Aufführung ge­langte. Fast ans allen Orten der Umgegend beteiligte sich die Jugend^hieran und mehr als 300 Schüler konnte man nach dem Theaterlokal ziehen sehen. Die Vorstellung an sich verlief äußerst befriedigend, und vergnügt zogen die kleinen Besucher, die zum größten Teile zum ersten Male einer derartigen Vorstellung beiwohnten, imeber von bannen.

l. Ober - M v 0 s, 3. Nov. Am südöstlichen Ausgang un scres Dorfes fällt jedem Fremden ein isoliert stehendes Gebäude in die Augen, das das ganze Moostal beherrschend, weit in die £anbe_ hinausschaut. Es ist ein neues Schulhaus, das am Sonntag cingewciht wurde. Kein Luxusbau ist's, einfach und würdig gehalten, in feiner Bauart ganz dem Dorfcharakter angepaßt. Aus Holz und Fachwerk erbaut und mit Holzschindeln versehen, ist er eine Zierde des Torfes. Obgleich die Gemeinde nicht zu Iven wohlhabendsten des Kreises Lauterbach gehört, so hat sie doch mit den Mitteln nicht gekargt, um den Bau äußer- lidj und innerlich den Forderungen der Äteuzeit entsprechend aus* zifttatten, was auch allgemein und mit Dank anerkannt wurde. Uno dieser Bau war nötig, denn das seitherige Schulhaus konnte in keiner Hinsicht tnehr als genügend erachtet werden. Ist es schon ein unwürdiger Zustand, daß Lehrerwohnung, Schulsaal. Viehstall und Scheuer unter einem Dach und direkt nebeneinander liegen, so erfdjdnt der Mißstand noch viel größer, wenn man die Ausdehnung der emzelnen Räumlichkeiten des seitherigen Schil- hauses ins Auge faßt. So hatte beispielsweise das Schulzimmer nur eine Höhe von 2,2 Nieter, und die Langen- und Breitenaus- dehnung war dabei so gering, daß noch »eicht einmal 1 Kubikmeter Luftraum auf einen Schüler entfiel. Dal-er ist es auch zu er­klärlich, daß Lehrer und Schälern bet Abschied vom alten Heim, oas seit 1828 der_ Gemeinde als Bildungsstätte dient, ziemlich leicht fiel, und daß die Freude über den gelungenen Neubau in allen Reden zum Ausdruck kam. Den Abschiedsfeierlichkeiteir am alten, sowie dem Wriheakt ant neuen Schulhause schloß fid> cm Feittssen an, an welchem sich außer den Vertretern der Großh. Kretsschulkvmmtssion und der Baubehörde der Orts- und Schul­vorstand beteiligten, während die tanzfrvhe Jugend sich bei Gast­wirt Herchenröder vergnügte.

s. D a r m st a d t, 5. Nov. In der heutigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung brachte Stadtv. Pickert mit Unterstützung von 20 Kollegen einen Antrag ein, die Knabenmittelschule um eine Jahres­klosse zu erweitern. In der Begründung zu dem Antrag wird.