Aottttsche Sagesschau«
Roosewelt über die Korruption.
Präsident Roosevelt hat an den Kongreß eine Spezia lbotschaft gerichtet, in der er die Trustgesetz - gebung behandelt und Maßregeln gegen die Korruption im Geschäftsleben befürwortet. Ter Präsident fordert zunächst eine Revision des Arbeitgeberhaftpslicht- gesehes, den Erlaß von Kautelen derart, daß bei Arbeitsstreitigkeiten niemand von der Ausübung seiner Rechte zurückgehalten werden darf, und die Stellung der Eisenbahngesellschaften unter die Aussicht der zwischenstaatlichen Handelskommission. Die Gerichte sollen, sagt Roosevelt, klarlegen, was sie von dem Eigentum und den Arbeitgebern an Pflichten verlangen, die notwendigerweise deren Rechte begleiten. Der Präsident schlägt dann gesetzliche Maßnahmen gegen das Differenzspiel an der Effektenbörse vor, das viel Unheil anrichte und wie jedes Spiel unmoralisch ist. Der Präsident wendet sich dann gegen das Geschäftsgebaren der Standard-Qil-Company und der Atchison-Lopeka and Santa Fs-Eisenbahn und erklärt, daß die Angriffe auf Ne Politik der Regierung diesen beiden gegenüber von gekauften Politikern und gekauften Zeitungen ausgingen. ©ie sind, meint Roosevelt, wie Marionetten, die von den im Hintergrund bleibenden Personen und mächtigen Kräften an der Strippe geleitet werden. Auch den aus denselben Quellen hervorgehenden Verdächtigungen, daß die Regierung wirtliche und reiche Schuldige mit Geldstrafen anstatt mit Gefängnisstrafen belege, tritt Roosevelt entgegen und führt als Beispiel den Gaynor-Greene-Fatl in Chicago und andere Fälle an. Der Korruption, die mit allen Mitteln die moralische Wiedergeburt des Geschäftslebens hintanzuhalten suche, und eine Wiederholung der Skandale, wie sie die jüngste Zeit im geschäftlichen und politischen Leben ans Licht gebracht hätte, müsse vorgeveugt werden. Die Bewegung g^gen die Korruption sei nicht, wie seine Gegner sie anseyen, eine rein ökonomische, sondern grundsätzlich eine ethische Bewegung.
Im Kongreß wird die letzte Botschaft Zioosevelts als die radikalste von allen angesehen. Sie erregte große Aufregung in beiden Häusern, riesigen Beifall besonders bei den Demokraten und wilden Applaus auf den Galerien. Der demokratische Senator Davis beantragte, sofort eine Million Extraexemplare drucken zu lassen. Dies wurde widerspruchslos angenommen. Die Botschaft wwd von den Konservativen als ein unerwarteter Schlag empfunden. Sie bedeutet augenscheinlich Roosevelts Protest gegen die Untätig keit des Kongresses.
Roosevelts Botschaft wird in den Finanzkreisen natürlich abfällig beurteilt. Vielfach herrscht die Meinung vor, der Präsident versuche für seine Wieoerwahl Stimmung zu machen. Das ist Unfinn, denn Roosevelt hat wiederholt erklärt, daß er nicht wieder kandidieren werde.
Die letzte Aammertagung.
Die parlamentarischen Verhandlungen der zweiten Kammer haben nach der kurzen Dauer von 14 Tagen wieder eine mehrwöchige Unterbrechung erfahren, um den verschiedenen parlamentarischen Ausschüssen die unumgänglich notwendige Zeit für ihre vorbereitenden Gesetzesarbeiten zu gewähren. Der Finanzausschuß hat noch nicht einmal seine sogenannte erste Etatslesung zu Ende führen können, ihm steht noch die. gemeinsame Beratung mit der Regierung und die Fertigstellung des umfangreichen Ausschußberichts darüber bevor. Der Sonderausschuß für die Verwaltungsgesetzrevision will, da ja an eine Erledigung der sechs Gesetzentwürfe in diesem Landtage absolut nicht mehr zu denken ist, wenigstens neben der Landgemeindeordnung auch die Städteordnung unter Dach und Fach bringen, und der Gesetzgebungsausschuß — nun, der ist noch immer bemüht, mit dem Ausschuß des anderen Hauses eine Grundlage für die Anbahnung einer endlichen Verständigung über die Wahlrechts- vorlage zu schaffen. Und nur um diese Grundlage wird es sich für den jetzigen Landtag noch handeln können; denn die ganze schwierige Gesetzesmaterie zu einem möglichst weite Kreise befriedigenden Abschluß zu bringen, wird noch monatelange, mühevolle Arbeit erfordern, wenn namentlich, wie ja beabsichtigt ist, gleichzeitig auch die äußerst diffizile Frage der Wahkkreiseinteilung mit gelöst werden soll. Wenn in unseren politischen Kreisen die Hoffnungen auf eine baldige Einführung des direkten Wahlrechts in Hessen nahezu auf dem Nullpunkt angelangt sind, trotzdem sich bekanntlich auch die erste Kammer im Prinzip nahezu einmütig für die Einführung desselben erklärt hat, so liegt das nach unserem Dafürhalten weniger an wirklich gegensätzlichen Anschauungen über die Gestaltung der Gesetzesvorlage, als an der ganzen kleinlichen, nörgelnden, eifersüchtelnden Art, von der unsere gegenwärtigen Parteiverhältnisse in Hessen beherrscht werden. Wohl selten hat eine Kammertagung in Hessen einen so wenig fruchtbaren Verlauf genommen, toic' es aller Voraussicht nach bei der gegenwärtigen 33. Landtagsperiode der Fall sein wird.
Es gelingt nichts mehr ! Das hat sich auch recht deutlich wieder bei der jüngsten kurzen Kammertagung gezeigt. Die Volksvertretung hat int Januar elf Sitzungen abgehalten. Fragen wir aber, was sie in diesen Sitzungen zustande gebracht hat, so muß die Antwort lauten: nichts, so gut wie nichts! Die ersten drei Kammersitzungen wurden mit der „zweiten Lesung" des I a g d g e s e tz e n t w u r f s, ausgefüllt. Aber das Ergebnis derselben ist ein so konfuses, so wenig ausgeglichenes, so einseitig auf die Interessen der Landgemeinden zugeschnittenes, daß es bereits in der Kammer von der Regierung als im Staatsinteresse für unannehmbar erklärt wurde und auch in der ersten Kammer unter keinen Umständen Zustimmung finden wird. Wozu da also die abermalige dreitägige und herzlich inhaltlose Debatte, nachdem man sich doch erst im vorigen Sommer und Herbst zweimal so gründlich über genau dieselben .Differenzpunkte ausgesprochen hatte???
In den übrigen acht Sitzungen haben, das kann man zugeben, einige ganz interessante Debatten über Bauarbeiterschutz, Schulreform und die Wahrung der Mittelstandsinteressen stattgefunden, obgleich dabei herzlich wenig neue oder bemerkenswerte Gesichtspunkte aufs Tapet gebracht wurden. Aber diese Dinge hätte man ebenso gut in zwei oder drei Sitzungen erledigen und dann schon acht Tage früher die Plenarberatungen zu gunsten der Arbeit
in den Ausschüssen vertagen können. Das rücksichtslose, selbstgefällige Drauflosarbeiten, wie es beim Jagdgesetz von gewisser Seite geübt wurde, und das vielfach unverstanden gebliebene Drauflosreden bekannter Steckenreiter bei den Initiativanträgen und Interpellationen — trotzdem sich jeder Einzelne doch im Grunde genommen von der Zwecklosigkeit der ganzen Debatte klar bewußt sein mußte, wird aber noch übertrumpft durch die mit den beiden letzten Sitzungen getriebene direkte Zeitver- s ch w e n d u n g. Man hat wieder einmal in der zweiten Kammer zwei Sitzungen für H u n d e st e u e r e r l a s s e und die Pfeddersheimer Vorstellung gebraucht, Dinge, die bequem in einer halben Stunde erledigt werden konnten und ihrer minimalen Bedeutung nach auch hätten erledigt werden müssen. Der oberhessische Abg. Bähr, der sich, wie Abg. Reinhart sehr zutreffend bemerkte, nur immer darin gefällt, der Regierung Sottisen an den Kops zu werfen oder andere Abgeordnete mit Invektiven zu bedenken, und eine geradezu unheimliche Tätigkeit entfaltet, die Kammerverhandlungen ohne Grund in die Länge zu ziehen, hat in der vorletzten Sitzung nicht weniger als neunmal das Wort ergriffen, und sich auch in den übrigen Sitzungen von einer Wortflüssigkeit gezeigt, die in krassem Gegensatz zu den dabei entwickelten Gedanken steht. Da bleibt denn doch nur die Frage übrig: Warum läßt sich die Kammer solchen Unfug so ruhig gefallen? Wir haben schon früher einmal darauf hingewiesen, daß dem Lande jede einzelne Kammersitzung einen Kostenaufwand von mindestens 500—600 Mk. verursacht. Die hessischen Steuerzahler werden sich also bei dem genannten Herrn dafür bedanken können! Und noch eins: Auf Veranlassung des Ministerialrats Dr. Becker hat Herr Bähr als Vorsitzender und Berichterstatter des dritten Ausschusses zugestehen müssen, daß er drei von den vier seit Jahren immer wiederkehrenden Hunkesteuergesuchen selber verfaßt oder veranlaßt hat. Das hat die Volksvertretung in aller Seelenruhe mit angehört und kein Wort dazu gesagt! Es ist wirklich höchste Zeit, daß eine Verständigung über die Einführung des direkten Wahlrechts in Hessen erzielt und mit seiner Hilfe der Kammer andere Männer zugeführt werden?
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Entschädigung für gefallene Tiere. Abg. Dr. Weber hat zum Hauptvoranschlag beantragt, daß für Schafe und Ziegen, für die auf Grund des Viehseuchengesetzes Entschädigung zu zahlen ist, die Entschädigungsgrenzen erhöht werden und erforderlichenfalls ein höherer Betrag hierfür in den Voranschlag eingestellt wird. In der Begründung des Antrags wird ausgeführt, daß die jetzt vorgesehene Obergrenze für die Entschädigungen — 20 Mk. bei Ziegen und 15 Mk. bei Schafen — nicht mehr dem gestiegenen Wert der Tiergattungen entspricht und dadurch namentlich den ärmeren Landesteilen und den kleineren Leuten Schaden erwächst.
Eine Vorstellung des W. Schmidt in Mühlheim a. M. ersucht um Herabsetzung der Stempelsteuer für den Austritt aus der Kirche von 6 Mk. auf 1.50 Mk.
Aus s.ass uno RattO,
Gießen, 4. Febr. 1908. .
** Tageskalender für Dienstag, 4. Februar: Stadttheater: König Lear. Anfang 8 Uhr.
** Die Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hessen hielt am Montag ihre 20. Vorstands- sitzung ab. Die von vormittags 10 Uhr mit kurzer Unterbrechung bis abends nach 7 Uhr dauerte. Als erster Punkt wurde die Aufstellung einer Geschäftsordnung für den inneren Dienst beraten, die durch den Abgang des General- Sekretärs Dr. Müller nach Baden notwendig geworden ist. Auch die Nachfolgerschaft des ausscheidenden Generalsekretärs wurde besprochen. Dann wurden die Vorschläge der Pro- vrnzausschüsse für den Hauptvoranschlag 1C08 und die Anträge der Provinzausschüsse auf definitive Anstellung der Sekretäre in Starkenburg und Oberhessen und Bureau- beamten bei den drei Ausschüssen angenommen. Weiter wurden behandelt: eine Anfrage des Deutschen Landwirtschaftsrates wegen Maßnahmen zur weiteren Steigerung der deutschen Vieh- und Fleischproduktion, das Verbot der Vrehmartte wegen der Gefahr der Einschleppung der Maul- und Klauenseuche, ein Schreiben des „Deutschen milchwirtschaftlichen Vereins" Betr. das holländische Aufstallver- fahren und der Ankauf von Preßstroh durch die Proviantämter. Ein Antrag von Lutz-Elpenrod, betr. Verordnung der land-Und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft, insbesondere die Schutzvorrichtungen an den Häckselmaschinen, wird abgelehnt. Dagegen wird ein weiterer Antrag von Lutz-Elpenrod wegen des Vertrags mit der Norddeutschen Hagelversicherungsgesellschast angenommen, ebenso ein Antrag des Landesverbandes hes.iscyer Geflügelzüchter wegen Unterstützung der Geslügelansstellung vom 7. bis 9. März.
** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Jak. Ohle mutz aus Gambach die zweite Lehrerstelle an der Gemeindefchule zu Petterweil Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Groß-Karben.
** Ein Gießener in Amerika gestorben In dem Heim seines Sohnes W. H. Kreiling zu Alleghenv schied Louis Kreiling im Alter von 72 Jahren aus dem Leben. Der Verblichene war gebürtig aus Gießen und kam als junger Mann von 20 Jahren nach Amerika und zwar direkt nach Allegheny, wo er sich als Metzgermeister etablierte. Er war einer der ältesten Fleischermeister im Pittsburger Bezirk. Herr Kreiling war ein treues Mitglied der deutschen ev. prot. Kirche, der Schiller-Loge des Alten Ordens der Vereinigten Arbeiter und des Postens Nr. 88, A. R. Er nahm teil a,m Bürgerkriege und zeichnete sich durch große Tapferkeit aus. Der Heimgegangene hinterläßt drer Söhne, Karl, Wilhelm und Edward Kreiling, die alle im Fleischergeschäft tätig sind, ferner einen Bruder, Heinrich Kreiling, ein bekannter Metzgermeister im Markthaus zu (Saft Liberty. Der Entschlafene war weit und breit bekannt und allseitig hochgeachtet.
n ** .Todesfall. Ain 30. Januar starb zu Frei- burg t. B. nach schwerem Leiden der K'önigl. Oberst a. D. Wilhelm v. Renz, Der erste itonunanDeur des ° %»rh~ artrllene-Regiments Nr. 61, an dessen Spitze er bis Aide
1900 stand. Die Beerdigung fand am Sonntag in FreUurg statt.
** Wertzuwachssteuer und Besitzwechselabgabe. Die „Tarnist. Z-tg." berichtet offiziös: Nach §13, Abs. 1 des Zolltarifgesehes vom 25. Dezember 1902 dürfen vom 1. April 1910 ab für Rechnung der Gemeinden Abgaben auf Getreide, Hülsenfrüchte, Mehl und andere Mühlenfabrikate, desgleichen auf Backwaren, Vieh, Fleisch, Fleischwaren und Fett nicht mehr erhoben werden. Unter anderem hat die Rücksicht auf diesen mehr oder minder großen Eimlahmeausfall einzelner Gemeinden die Großh. Regierung veranlaßt, den Gemeinden neue Einnahmequellen zugänglich zu machen. Es ist dies geschehen durch den Erlaß des Gesetzes über die Wertzuwachs- steuer vom 12. Dezember 1907 und durch die Möglichkeit, zugunsten der Gemeinden eine Besitzwechselabgabe zu erheben (Art. 3 des Gesetzes vom 28. März 1907, betr. Abänderung des Gesetzes über den Urkundenstempel vom 12. August 1899). Es würde nun einer vorsichtigen Ge- meindef manzverwaltung nicht entsprechen, wenn etwaige vor Wegfall des Oktrois erzielte Einnahmen ans den erwähnten Steuerquellen jetzt schon zu lausenden Ausgaben verwendet würden, da der im Jahre 1910 eintretende Einnahmeausfall von Oktroi sich alsdann bei Abschluß des Voranschlags ungünstig bemerkbar machen würde. Das Großh. Ministerium des Innern hat deshalb den beteiligten Großh. Kreisämtern empfohlen, auf dw in Frage kommenden Städte Dahingehend emzuwirken, daß etwaige Einnahmen aus der Besitzivechselabgabe und der Wertzuwachssteuer in Reserve gestellt werden, indem sie bis zum Jahre 1910 nt einem besonderen Fonds angesammelt werden, auf den Dann im Jahre 1910 bei Wegfall des Oktrois auf die eingangs angegebenen Gegenstände zurück gegriffen werden rann.
** Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerw ehren wurde verliehen durch Entschließung S. K. H. des G r o ß h e r z o g s dem Hch. Bausch zu Grünberg, sowie Ludw. B i e r a u, Hch. Henkelmann, Phil. Mattern, Christoph Ring leb, Ludw. Rohrbach VII. und Ludw. Schreiner, sämtlich zu Lollar.
** Wohltätigkeits-Konzert des Kron- bauerscheu Quartett-Vereins. Wie aus dem Annoneenteil ersichtlich ist, findet das Konzert am 9. Februar im Klubgebäude statt. Während der Verein in früheren Jahren mit besonderer Vorliebe jüngere Kräfte einlud, hat er für dieses Jahr zwei bedeutende Künstlerinnen gewonnen, die zu den bemfenften ihres Faches zu zählen find. Frau Anna Kaempfert aus Frankfurt ist eine vorzügliche, weit bekannte Sängerin; mit großen Mitteln ausgerüstet, hat sie in Berlin, Dresden, Frankfurt, Bremen, München usw. als Lieder- und Oratorienfängerin stets mit größtem Erfolge gewirkt. Fräulein Mina Rode ist uns bereits bekannt, hat sie doch zum Teil ihre Konzertlaufbahn in Gießen begonnen. Heute ist sie ausgereifte Virtuosin/ die nicht nur durch ihr feinmnsikalifches Spiel entzückt, sondern auch ihrer Geige die süßesten Töne zu entlocken weiß. Die Bilder beider Künstlerinnen sind im Schaufenster des Herrn Challier ausgestellt.
** Venezolanischer Konsul. Der Generalkonsul der Vereinigten Staaten von Venezuela mit dem Amtssitz in Hamburg Diogenes Escalante, der sich im Besitz des Reichsexequaturs befindet, ist zur Ausübung konsularischer Verrichtungen im Großherzogtum Hessen zugelassen worden.
ctz Klein-Linden, 2. Febr. Eine sehr schöne Kaisersgeburtstagsfeier hielt unser Kriegerverein gestern abend im Saale zur „Deutschen lÄche". Der Saal war von ca. 350 Festgästen besetzt, unter denen sich auch einige Kameraden aus Leihgestern und Lützellinden, sowie beurlaubte Soldaten befanden. Zu Beginn der Feier trugen Fräulein Erb und Euler einen Festprolog vor, worauf Der Vorsitzende Die Festrede hielt. Er feierte den Kaiser als starken Führer und sicheren Hort des Vaterlandes, als wahren Friedensfürsteu. Begeistert stimmte die Festver- sammlung in das Hoch auf Kaiser und Großherzog ein. Dann folgten zwei militärische Theaterstücke, die brausenden Beifall ernteten. Zur Verherrlichung der Feier trugen nicht minder die lebenden Bilder „Loreley" und „Des Kriegers Abschied" bei, sowie die Deklamation der Gedichte „Kriegers Heimkehr" und „Der Schwur Jungdeutschlands"; letzteres trugen zwei Knaben vor. Nach einem Toast auf das deutsche Vaterland begann der Tanz, der die Anwesenden noch mehrere Stunven in fröhlicher Stimmung zusammenhielt. In den Pansen sang man gemeinsam alte Soldaten- und Volkslieder. — Der Verein zählt jetzt 104 Mitglieder.
r. Londorf, 3. Febr. Während am vergangenen Sonntag der Radfahrverein Rabenau durch ein Konzert Kaisers Geburtstag feierte, versammelten sich gestern abend der Kr re g er v er ein und der Gesangverein Frohsinn rrn geschmückten Saale der „Stadt G.eßen", um eine Kaiser- Geburtstagsfeier zu begehen. Der Präsident des Krregervereins, S ch o m b e r, begrüßte die Erschienenen und brachte em Hoch auf Großherzog Ernst Ludwig ans. Nachdem dann der Gesangverein ein patriotisches Lied gesungen sprach Pfarrer Reu sch in einem Vortrag über die Erstürmung des Schlosses Chambord am 9. Dez. 1870. In überaus klarer und anschaulicher Weise schilderte der Redner die Kampfe der hessischen Division, die sie um diese Zeit zu bestehen hatte und besonders die Erstürmung des Schlosses Chambord durch Den Hauptmann Kattrein. Mit Interesse folgten Dte zahlreichen Zuhörer den schlichten Worten des Vortragenden und als dieser am Schlüsse seiner Ausführungen als Zeichen unwandelbarer Treue zu Kai'er und Rerch äu einem Hoch auf Kaiser Wilhelm II. aus,orderte, Braufte tnejesjnadjtig durch den Saal. Reicher Beifall lohnte den Redner. Der Gesangverein Frohsinn sang Bann cn^^/mge ,chone Chöre, von denen besonders „Auf der Wacht sehr gefiel. Herr Gutapfel trug durch den Vortraq einiger lieber viel zur Verherrlichung der schön verlaufenen Qu it-jj Del.
hntp r ° f B ö r f , 2. Febr. Der vor drei Jahren gegründete Durgerverein hielt gestern abend feine General- ?.ersatnmlung ab, die gut besucht war. Aus der Vorstandswahl gingen wieder die bisherigen Mitglieder hervor. Der angekundigte Vortrag konnte wegen Verhinderunq des Reserenien nicht gehalten werden. Der Büraervereiii ;äbl1 über 60 Mitglieder, aus allen Ständen. * *
X. Hanau, 2. Febr. In der Nähe des Westbahnhofs VaU ^nes hiesigen Installateurs den Versuch, sich mit ihren zwei kleinen Kindern tm Alter von 3 und 2 Jahren überfahren zu lassen Das Vorhaben wurde verhindert. Tie Frau schlag Darauf Den Weg nach dem Main zu ein in Der Absicht, dort den ^od zu suchen. -Ler Bahnhofsvorsteher schickte Leute nach die die ö-rau ein hotten und die Polizei verständigten die Obbni fO^i^ daß die Frau nut ihren Kindern in sichere m Hut kam. häusliche Verhältnisse sollen Die Frau ru Dem VerzweislungsschriU getrieben Men, d 3
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