Ausgabe 
4.2.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 29

Dienstag, 4. Februar 1908

Giehener Anzeiger

Erscheint täglich mti Cufnobmt bei NormtagL.

General-Anzeiger sür Gberheften

v. Schön

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aus, daß dem Reichstag die Bcamtengesetze sobald wie möglich vor.

158. Jahrgang

Morgens Wellfleisch 3 mit Lanerkraul.

Zmn f i on e n

Die ^Gießener Samiltenblötter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich bergelegt. daS Kretsblatl für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der ^hessische £anön)lrt** erscheint monatlich einmal.

werden in ieier'* kellung auSgesiopst biet, Schulin. 11

Redaktion. Expedition and Druckerei i Schul- strahe 7 LrvediNon und fierlaa 6L Redaktion. 112. teL*2lbt_ AnzeigerGießen.

Weinstube.

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tritt darauf in die Tagesordnung ein. Staatssekretär verläßt den Saal.

Der Militäretat.

Gehaltstitel: Kriegsminister liegen neun Resolu-

BtotationSbrutf and Kerteg der firfl 6Hc6en UntDcrfUätl - Buch» and @tetrtZ>nutetet, R. Laa -e, Dietzen.

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vor. Die Budgetkommission ersucht in ihrer Resolution den Reichskanzler um die Vorlegung einer Denkschrift über

Abg. Graf Oriola (natl.)t

Auch wir bedauern lebhaft, daß der hochverehrte Herr Kriegs­minister durch Krankheit verhindert ist, hier zu erscheinen. Wir hoffen, daß der Aufenthalt im Süden ihm bald Erholung bringen wird, so daß er in voller Kraft seine Amtsgeschäfte wieder auf- nehmen kann. (Beifall.) Die Budgetkommission hat nur tn zwei wesentlichen Fällen Abstriche vorgenommen, bei den pensionsfähigen Zulagen für patentierte Oberstleutnants, die noch nicht Regiments, kommandeure sind, und beim Aggregiertcn.Fonds. Tie Abstriche im ersten Falle erscheinen angemessen, dagegen bedauern wir die Verkürzung des Aggregiertenfonds

Ich kann es nur freudig begrüßen, daß wir jetzt zu einer ver­hältnismäßig brauchbaren neuen Uniform gelangt sind. Tas ist aber noch eine dringende Forderung für die Kavallerie. Ties ist einer der wenigen Punkte, in denen der sachverständige Abg. Haeus- ler uns in seinem Urteil reckt zu haben scheint. Graf Criola be. spricht darauf die Etatsposition über die warmen Feldküchen in durchaus zustimmendem Sinne, ebenso die über die Kraftwagen, wenn er auch kein großer Freund des Automobilsports sei. Wir haben in der Budgetkommisslon über das Vorgehen einzelner Be. zirkskommandeure gegenüber ihren zur Disposition gestellten Ossi, zieren wegen ihrer politischen Stellungnahme Klage geführt. Der Kriegsminister hat ausdrücklich festgestellt, daß solche Offiziere volle Freiheit haben, 'ich politisch zu betätigen. Diese Ansicht teile ich vollkommen. Selbstverständlich muß man erwarten, daß jeder ehr­liche deutsche Soldat treu zu seinem Fahneneide hält. Es ist selbst, verständlich, daß sozialdemokratische Zeitungen nicht in den Kaser­nen gehalten werden dürfen. Wie könnte man das auch, da die Sozialdemokraten gegen unser ganzes Heerwesen sind und sich offen als Feinde unseres Kaisertums hinstellen I Einen vortrefflichen Schutz gegen das Ueberhandnehmen des sozialdemokratischen Ein. flusses sehe ich in unseren Kriegervcreinen. Darum wünsche ich auch, daß Offiziere und Reserveoffiziere Mitglieder dieser Vereine werden. Der Redner erörtert in diesem Zusammenhänge die in der Kommission eingehend verhandelten Fälle der Entziehung des FahnenbandcZ usw. Wir werden für die sozialdemokratischen An. träge auf Oeffentlichkeit des Militärstrafverfahrens, Reform des Beschwerderechts auch in diesem Jahre stimmen. Es sind ja Teile eines früheren freisinnigen Antrages, kommt eS aber zur Reform deS Militärstrafrechts, dann werden die sozialdemokratisckien Au-

Frage. Wenn der Zeitpunkt kommt, daß diese Wünsche in Erfüllung gehen, werden wir uns am meisten freuen. (Beifall.) Auf die bürgerlichen Verhältnisse, insbesondere auf die der Land­wirtschaft nimmt der Minister möglichst Rücksicht. Diese Rücksicht hat aber bei der Einberuiung der Mannschaften des UrlaubSstandeS gewisse Grenzen. Die Truppenübungsplätze müssen das ganze Jahr über benutzt werden, und zwar auch durch die Reservisten; daher können die landwirtschaftlichen Wünsche nicht in vollem Umfange erfüllt werden. Einheitliche Bestimmungen über den Urlaub bei der Ernte werden ganz außerordentlich schwierig sein, auch aus militärischen Gründen. Desgleichen eine einheitliche Regelung der Lohnverhältnisse. In bezug auf die zweijährige Dienstzeit bei den reitenden Truppen habe ich dem Bayer »nd dem Kavalleristen Herrn von Gebsattel nichts hinznzufügen. Mil der irrenärztlichen Untersuchung des Hauptmanns v. Soeben und der Frau v. Sckoene- deck hat die Militärverwaltung nichts zu tun. Das ist Sache der Gerichte. Das hohe Haus wird damit einberslanden sein, daß ich auf die historische Rede Bebels nicht eingehe. Alles, waS ich sagen könnte, würde den Eindruck dieser Rede nur abschwächen. (Heiterer Beifall.)

Dienstag 1 Uhr: Fortsetzung. Schluß 6^ Uhr.

Deutscher Reichstag.

93 Sitzung, Montag, 3 Februar.

Am Tische des Bundesrats: v. Schön, v. Ballet des BarreS, Sixt v. Armin, Linde.

Präsident Graf Stolberg

eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Minuten mit folgenden Worten: Meine Herren! Wie Ihnen allen bekannt sein wird, ist am ver. gangenen Sonnabend in Lissabon eine entsetzliche und in der Ge. schichte beispiellose Tat begangen worden, welche zwei blühende Leben, den Vater und den Sohn, den König und den Kronprinzen von Portugal dahingerafft, und welche ein uns befreundetes Volk in die schwerste und tiefste Trauer versetzt hat. Meine Herren! Sie haben sich von Ihren Plätzen erhoben und haben damit dem Gefühl der aufrichtigsten Teilnahme und einer gerechten Entrüstung Aus­druck gegeben. (Beifall.) Ich konstatiere das. (Lebhafter Bei. fall.)

Die Sozialdemokraten waren während dieser Worte des Prä­sidenten nicht im Saale; soweit sie beim Glockenzeichen des Präsi. deuten noch anwesend waren, eilten sie aus dem Saale, an der Tür

Ges, Gr.

ia, 9'/. Uhr, irittturful, )d), 10 Ulir, «mgstmM Ter Vorstand.

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mierung und Ausrüstung kann den AufNärungSdienst erleichtern; die Bewaffnung kann ebenfalls vereinfacht werden, denn nach mei. ner Erfahrung sind Säbel, Lanze und Karabiner für den einzelnen etn biscken zu viel. (Sehr richtig! links.) Und schließlich soll man den Rekruten auf seinen Mutterwitz hin ansehen; den eignet er sich nicht durch eine Drei., noch durch eine fünfjährige Dienstzeit an. Die Herabsetzung entspricht schließlich auch menschlichen und Volks, wirtschaftlichen Rücksichten. Es ist für den Einzelnen keine Klei­nigkeit, in den Jahren seines besten Schaffens drei Jahre dem Staat zu opfern. (Lebhafter Beifall im Zentrum.)

Bayerischer Militärbevollmäcktigter, Generalmajor Freiherr von Gebsattel:

Die Denkschrift über die Einführung der zweijährigen Dienst­zeit für ave Truppenteile ist bereits in der Budgetkommisiion zu- gcsagt worden. Ich brauche daher darauf nicht einzugehen. Ter Vorredner blickt auf eine lange ehrenvolle Dienstzeit zurück, und ich befürchte deshalb, daß seine Aeußerungen als die eines S a ch - ver ständigen miSgenutzt werden könnten. (Widerspruch im Zentrum.) ES konnte auch behauptet werden, daß seine Ansicht die der bayerischen Armee ist. Demgegenüber möchte ich ausdrücklich feststellen, daß wir auch die Leistungen der Kavallerie h e rabsehen müßten, wenn wir von der dreijährigen zur zwei­jährigen Dienstzeit übergehen wurden. Die Leistungen der Ka­vallerie würden damit zweifellos sinken. (Lebhafte Zustimmung rechts.) ES sind nur sehr wenige Punkte, in denen ich mit dem Vorredner einer Meimmg bin. (Heiterkeit.) Auf strategische Fragen laste ich mich nicht ein. Er meinte, ein Beweis dafür, daß die dreijährige Dienstzeit unnötig sei, sei der Umstand, daß man ja die Soldaten schon nach einjähriger Ausbildung inS Feld mit­nehme. . Ich entgegne ihm, daß wir sie sckon nach einem halben Jahre ins Gefecht nehmen muffen. Uns wäre auch lieber, wir könnten den ganzen Jahrgang zu Hause Taffen, aber immerhin ist in frisch ausgebildeter Mann vielleicht noch bester als ein Reser­vist. Es ist bemängelt worden, daß junge rflirre und Trompeter zum Remontereiten verwendet werden. Tie Dienstzeit der alten Offiziere ist aber fo ausgefüllt, daß man sie nicht noch damit be­schweren darf. DaS Ausbildungspersonal ist jetzt bis zur letzten Faser angestrengt Wenn wir den Bogen noch weiter spannen, dann bricht er, dann kommen notwendigerweise die S o l d a t e n m i ß h a n d l u n- gen heraus. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Von einem Heber» fluß von Dreijährig-Freiwilligen ist in Bayern nicht die Rede, auch Dispositionsbeurlaubungen finden nur ausnahmsweise statt. Die Ausbildung bei der Kavallerie ist bedeutend erschwert worden. Die Hebungen im Schießen und im Gefecht werden in einer Weise betrieben, wie man sie vor fünf Jahren noch nicht kannte. Würde man die Kavallerie abschaften, so würden wir keine Meldungen meh' haben. Die Luftsckisfer können uns die Kavallerie nicht er­setzen, denn bei Nebel versagen sie vollkommen. Es Ware ein Verbrechen, wenn wir auf Grund der neuen Er­folge der Luftschiffahrt unsere Kavallerie anders auSge st alten würden. (Lebhafter Beifall rechts.) Die Attacke in geschloffenen zwei Gliedern brauchen wir zur Auf- llärung, denn wir können erst aufklaren, wenn wir die feindliche Kavallerie weggefegt haben. Der dritte Jahrgang ist mit Arbeit reichlich versehen. Er unterstützt die Unteroffiziere im Remonte- reilcn und gibt daS Material für die Führer wichtiger Patrouillen ab. Wir können für Kavallerie und reitende Artillerie die drei­jährige Dienstzeit nicht entbehren. (BeifaH reckts.)

Inzwischen ist eine Resolution Grober (Zentr.) ein» gegangen, die die Regierung ersucht, gleichzeitig mit der Verbesse­rung der dienstlichen Bezüge der Offiziere, Unteroffiziere und Mi- Htarbeamten auch für die Gemeinen eine Erhöhung der Bezüge anzufordern.

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gelegt werden. ES geht absolut nicht an, daß die Beamten noch weiter warten.

Mit der Budgetkommission wünschen auch wir eine Erhöhung der Löhnung der Mannschaften usw. baldtunlickst und spätestens im nächsten Jahre. Aber mit ihrer Forderung eines Nachtrags- etats noch für dieses Etatsjahr werden die Herren Sozialdemo­kraten kein Glück haben. ES ist ja für sie ungeheuer leicht, solche Anträge zu stellen. (Sehr wahr!), sich als Volksbeglücker hinzustellen; aber heißt eS nachher, den Etat'zu bewilligen, dann bleiben die Herren sitzen. Für die Kasernen wünschen wir Raume, in denen die Mannschaften lesen und schreiben können und eine Verbesserung des Kantinenwesens. Der Redner bespricht sämt­liche Resolutionen mit Ausnahme derjenigen über die Dauer bei Dienstzeit in rnstimmendem Sinne, insbesondere auch die Ernte- refolution. Während der Ernte sollten die Landwirte mit Pferde- Vormusterungen verschont werden, und jede Provinz muß ihren Truppenübungsplatz erhalten. Auch den Versuch mit dem land­wirtschaftlichen Unterricht sollte die preußische Militärverwaltung machen, in Augsburg ist er gelungen. Kleine Garnisonen sollen erhalten und neu errichtet werden. Diese kleinen Garni­sonen, über die so üble Romane geschrieben worden sind, haben dock eine ganz außerordentlich große Bedeutung für die Klein­städte und daS Land. Dagegen hat Herr Häusler mich über die zweijährige Dienstzeit bei den reitenden Trup­pen nickt belehren können. Die vom Krieasminister zugesagte Denkschrift wird auch die Bevölkerung mifflären, daß sich daS ebne Schädigung der Schlagfertigkeit des Heeres nicht durchführen läßt. Wir haben ja ganze Kavallerie-Regimenter, die fast nur aus Freiwilliaen bestehen; da kann die Ueberlastung durck die Länge der Dienstzeit bei der Kavallerie nickt als allznschlimm an­gesehen werden. (Sehr richtig!) Daß die Ausbildung bei der Kavallerie immer sckwieriger geworden ist, daS kann auch der Laie sehen. Die Erfahrungen Frankreichs können nicht zur Nach­folge ermutigen. Gerade daS Zentrum sollte dock daran denken, daß die H^ei-esausaalien dadurch ganz erheblich ffnacn würden-

Herr Bebel freilich der trägt die Fabne der Miliz bis ans Ende. Die Herren haben nicht die .Kurage. draußen den Bayern zu sagen, was sie ihnen mit der einjährigen Dienst,eft bescheren. (Gelächter bei den Soz.) Mehrkosten von vielen Millionen und eine Heberlastiing des Offizierkorps, die notwendig wieder zu Mißhandlimgen führen muß. Nein, solchen Erverimenten wird sich Volk und Parlament fern halten. Durch solche Anträge wer­den wir die Grundfesten unseres ruhmvollen Heeres nicht erschüttern lassen. Der Antrag ist ja für Sie nichts als ein AgltationSmittel. (Beifall.)

Abg. Bebel (Soz.):

Wir regen uns nicht darüber auf. wenn Sie unsere Parter- b reffe aus den Kasernen fern halten. Die Kasernen sind ja sowieso die besten Agitationsherde für d i e Sozialdemo­kratie. (Großes Gelächter und Unruhe rechts.) Fahren Sie nur ruhig so fort. Wir fahren nickt schleckt dabei. (Lachen.) Auch über die Kriegervereine freue ick mich. (Gelächter.) Sie rütteln die indifferente Masse in den kleinen Orten auf, und das genügt uns sckon. Ueberhaupt: Tun Sie, was Sie wollen. Sie arbeiten schließlich immer nur für unß. (Gelächter.) Sie sagen, wir stellen Agitationsanträge unb stimmen nachher doch nicht für den Etat. Schaffen Sie uns eine Deckung der Ausgaben, wie wir sie wollen. Für einen Etat, der in der Hauptsache durch Lebens­mittelzölle getragen wird, wird ein Sozialdemokrat nie und nim­mer stimmen.

Die ganze Entwickelung drängt auf weitere Ver­kürzung der Dienstzeit. Nickis mackt in den Wahl- und Volksversammlungen mehr Eindruck als diele Frage. Gewiß, bei diesemAntrag densenwir in Wirklichkeit an die Miliz. Ist dasdenn eine soualdemokraiische Forderung? sie steht unter unseren nächste« Forderungen an den jetzigen Staat und die jetzige Gesell­schaft, und 1 RAS, meine Herren Nationalliberalen, war ei der Deutsche Nationalverein, Herr v. Bennigfen an der Spitze, der in einer Resolution die Einführung der Miliz verlangte (Hört, hört! bei den Soz.' Das ist freilich schon lange her! Bebel hält einen langen Vortrag über das Mili-system; er geht zurück auf den 8l)jübrigen Krieg, die Kampfe Cromwells, den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Fragen Die mal die Scharnhorst und Gneiienau, wie die über dieBande" gedacht haben. Der Scklackten« bummler Goethe hat bei Valmy den Beginn einer neuen Welt­epoche gesehen. Das Avancement Napoleons in unserer Armee wäre er garnicht genommen worden, weil er zu klein war. (Heiterkeit.) Cromwell, Washington, waren daS Militärs 1 Und haben wir nickt auch in Deutschland schon den Anfang einet Miliz gehabt? WaS war denn die Militärvorlage 1881 anderes, wonach alljährlich 30 Tausend Mann Ersatzreservisten erster Klasse 'n zwanzigwöckiaer Dienstzeit ausgebildet werden sollten? (Lachen.) Aber Die können freilich die Miliz nickt brauchen, denn die Armee ist ja für Sie ein Mittel auch gegen den sogenannten innern Feind. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Aber wir agitieren für unsere Forderung. Wir machen eS wie die Agrarier, wir propagieren draußen unsere Gedanken. (Abg. v. Oldenburg ruft: Aber wir haben bessere Gedanken I Große Heiterkeit.)

Preußischer Generalleutnant Sixt v. Armin.

Ich spreche den Herren, die in so wohlwollender Weise des KriegSmiiiisterS gedacht haben, meinen herzlichen Dank aus. Die Anregungen und Wünicke werden der Gegenstand weiterer Er­wägung fein Es ist wohl selbstverständlich, daß alle Maßnahmen zu einer Besserstellung unserer Mannschaften und sonstiger Per« Ionen der Heeresverwaltung uns durchaus sympathisch sind. Eine Erhöhung der Löhne, der Reisegelder kann unS nur lieb sein. Es ist das doch aber wesentlich eine finanzielle

den Abg. Eichhorn als Wacke zurücklassend. Von der Rechten begleitet sie der Ruf: Pfui Deibel!

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toren der Resolution und wir wohl tn recht großem Gegensatz zu einander stehen Bassermann bat schon 1906 die Reform des Be> schwerderecktS verlangt, allerdings dabei ßur Bedingung gemacht, daß die Disziplin dabei nicht geschädigt wird. Wir wünschen auch eine Revision deS ehrengerichtlichen Verfahrens; das heutige Ver. fahren ist doch sehr schwerfällig. (Sehr richtig!) ES gibt zweifel. los Fälle, in denen ans Gründen der staatlichen Sicherheit, der Disziplin und der Sittlichkeit die Oeftentlichkett bei kriegsgericht. lchen Verhandlungen unbedingt ausgeschlossen werden muh, und dazu rechne ich die traurigen Prozesse der letzten Zeit. Aber der Ausschluß der Oeffentlichkeit muß die Ausnahme bleiben. Graf Oriola bespricht die Fragen der Militäranwärter, der Militärbeam­ten und spricht im Namen seiner Partei den dringenden Wunsch

die Einführung der zweijährigen Dienstzeit für d i e Kavallerieunddie reitende Feldartillerie. Zu derselben Frage beantragt die Sozialdemokratie die Ein­führung der einjährigen Dienstzeit im gesamten Heere. Inhaltlich gleiche Resolutionen der Freisinnigen (Ablaß und Gen.) und der Konservativen (v. Byern und Gen.) fordern alljährlich mindestens einmalige Hrlaubserteilung mit Freifahrt cm die Soldaten für Reisen in die Heimat. Eine Zentrumsreso­lution (Graf Hompesch) wünscht, daß die Reservisten, und Land. Wehrübungen nicht zur Erntezeit abgehalten werben und den Er. laß einheitlicher Bestimmungen übet den Ernte urlaub der Soldaten. Die Wirtschaftliche Vereinigung beantragt in einer Resolution Köhler Hnterricht in landwirtschaftlicher Naturkunde für frei, willige Teilnehmer im Heere. Schließlich liegen von den Sozial­demokraten noch drei Resolutionen vor. Sie betreffen die Er. Höhung der Löhnung für Gefreite und Gemeine einschließlich der Spielleute, Oekonomiehandwerker und Sanitätsmannschaften, die Reform des Militärstrafrechts unb schließlich die tatsächliche Durch­führung der gesetzlich garantierten Oeffentlichkeit der Militär, gerichtsver Handlungen.

Präsident Graf Stolberg:

Der Herr Kriegsminister hat mir fein Bedauern darüber aus- sprechen lassen, daß es ihm einer Krankheit wegen nicht möglich ist, den Etat hier selbst zu vertreten.

Berichterstatter Abg. v. Ekern (kons.) schließt daran die Hoffnung, daß der Kriegsminister recht bald wie. der genesen werde, und daß er in kurzer Frist in alter Kraft und Frische wieder seines verantwortungsvollen Amtes walten werde. (Lebhafter Beifall.)

Abg. v. Dhern (kons.) schließt sich den Wünschen auf baldige Genesung des Kriegsministers im Namen seiner Freunde an. (Beifall.) Er begrüßt dann den Erlaß des Kaisers, der die Offizierkorps zur Sparsamkeit ermahnt Die Offiziere müßten vorbildlich wirken, damit in die ganze Bevöl­kerung wieder mehr Einfachheit hineingetragen werde. Der Redner bittet, die Kompagnie., Schwadrons. und Batteriechefs in ihrer Garantierten Selbständigkeit nicht zu beeinträchtigen. Diese Männer hätten eine große Arbeitslast auf ihren Schultern und sollten nicht noch durch übermäßige Besichtigungen belästigt werden. Die Zahl der Besichtigungen sollte verringert werden. (Beifall.) Ein Gebiet, wo Sparsamkeit geübt werden könnte, ist daS der Kom. manöierung von Stabsoffizieren des Gardekorps zu den Oberersatz, kommissionen. Ferner müsse wieder angeregt werden, an Stelle großer Garnisonen kleinere zu schaffen. (Beifall rechts.) Be­dauerlich fei die Verkürzung der Ausgaben für Tagegelder und Reisekosten, da die Versetzungen der Offiziere sehr zugenommen habe. Mit Genugtuung sei es zu begrüßen, daß einer ganzen Reihe von patentierten Oberstleutnants eine penstonsfähige Zulage ge­währt worden ist. Die Einführung der zweijährigen Dienstzeit für die Kavallerie und die reitende Artillerie sei ein Ding der Un­möglichkeit. (Beifall rechts.)

Dbg. Haeusler (Ztr., Bayerischer Generalmajor z. D.) tritt lebhaft für die Resolution der Kommission auf Vorlegung einer Denkschrift über die Einführung der zweijährigen Dienstzeit für Kavallerie und reitende Feldartillerie ein. Tatsache ist, daß diese beiden Truppenteile in einem Jahre vollständig für den Krieg ausgebildet nxrben. Denn wäre das nicht der Fall, dann wäre der Eir-jährigen-Freiwilligendienst bei diesen Waffengattungen durch, aus unzulässig (Beifall im Zentrum und auf der Linken), zumal die Ausbildung für die Einjahrig-Freiwilligen hier sehr viel schwieriger ist, als für die Gemeinen. (Hört! hort!) Bei der Ka. bafferic werden ja auch jetzt schon die meisten Mannscl-afwn nach zwei Jahren entlassen; die 15 Mann Dreijährige bei der Schwa, bron sind ganz bedeutungslos. Der sozialdemokratische Antrag auf Einführung der einjährigen Dienstzeit ist absolut undurchführbar. In Frankreich hat man zwar mit der zweijährigen Dienstzeit bei der Kavallerie eine etwas prekäre Lage hervorgerufen. (Hört! hört! rechts.) Die französischen und deutschen Verhältnisse sind in bieder Hinsicht aber grundverschieden. Bei unS herrscht ein mili. täriscker Geist, der durch Einführung der zweijährigen Dienstzeit sicherlich noch gesteigert wird Wir haben bei unserer Kavallerie ein Offizierkorps und ein Hnteroffiziersmaterial, wie kein zweiter Staat auf der Welt. En derartiges Kapital sollten wir nutzbrin» gend verwenden, um dem opferwilligen deutschen Volke die Militär, lasten nack Möglichkeit zu erleichtern. Es werden sich auch Vor- teile für die Mobilmachung dadurch ergeben. Die fortschreitende Technik hat der Wafsenausbildung gerade bei der Kavallerie sehr genützt. Läßt man affen überflüssigen Ballast beiseite, wird man mit der zweijährigen Dienstzeit sehr gut auskommen tonnen. Man soll die Kavallerie auch nicht nach der persönlichen Beliebtheit be. messen, sondern nach ihrer Brauchbarkeit im Kriege. Man mutz sich endlich von der unheilvollen Vorstellung als sei es

in einer großen Schlacht noch möglich, durch Massenattacken der Kavallerie etwas zu erreichen. (Hört! hört!) Kavaffe.

rie muß die Aufklärung vor und während, und die Verfolgiing nach der Schlacht in den Vordergrund gestellt werden. Das Besicht,- gungswesen kann vereinfacht werden, eine zweckmäßigere Ittufor»