Der Zwischenfall in Casablanca.
Tic Nervosität fcf :int in der politischen Welt täglich {nehmen. Tas zeigt sich u. a. auch m dem neuesten Stadium der Casablanca-Angelegenheit. In Franlreiil ist man nämlich der Amicht, daß Deusickstand seit der Veröifcittlicknng des Daily- Telegraph eine schärfere Tonart gegen Frankreich anschlage, um die allgemeine Aufmerksamkeit von den Erklärungen des Kaisers ßbjulcnftm. Tie französischen Zeitungen Eritificren scharf den deutsckfcn Standpunkt, monach vor einer schiedsgerichtlichen Entscheidung über die Rechtsfrage Frankreich für die gegen den deutschen Lkousulatsbeaulten verübte Gewalt das Bedauern anssprcckien, ÜDölTrcnb die deutsche Regierung ihrem Konsul von Casablanca einen Tadel erteilen soll. — Der „F igar o" schreibt: Was ist ein Tadel, also eine Maßnahme der inneren Disziplin, im Vergleich zu den Entschuldigungen, die Frankreich einem fremden Staate gegenüber ausdrückcu soll? Gewiß, meint, so unmöglich e-5 erscheint, ein Schiedsrichter sich gegen die fran- sösisclw Auffassung ausspreclx'n sollte, würde Frankreich den Schiedsspruch eljriidj hinnelMen. ?lbcr tvarnm sollen wir im Voraus zugeben, daß die Agenten Deutschlands in Casablanca wahrheitsliebend und die Agenten J-rankrecchS Lügner sind ? Aus welchem Grunde lehnt Deutschland cs ab, daß em unparteiischer und berufener Dritter zwischen den Bcl>ouptuugen und Wibcr- sprückien entscheidet'? Welcher anderer Grund kann vorliegcn, als der, daß man auf Kosten der französischen Ehre einen Erfolg erlangen will und daß, man uns eine Demütigung auferlegen will, ähnlich der, die Frankreich vor drei Jahren widerfahren ist? Es ist nicht möglich, daß die deutsch« öffentliche Meinung einen derartigen Standpunkt einnimmt. Was die Mernung der übrigen an dem Zwiste unbeteiligten Zuschauer anlangt, so kann sie nicht zweifelhaft sein. Die Alldeutschen erroav.cn von der französischen öffentlichen Meinung eine neue Schwüchfe; aber sie vergessen, daß die französische öffentliche Meinung eher eine Torheit zu sühnen als eine neue zu begehen hat. Das Land, das fest am Frieden hängt, kann sich völlig auf die Kaltblütigkeit und den versöhnlichen, gewandten Geist des Ministers Pichon verlassen, um eine gütliche Lösung zu erlangen. Aoer es würde der Re- gterung ein Opfer der Würde Frankreichs nicht vergessen.
Der „Matin" schreibt über die gegenwärtigen Verhandlungen betr. den Zwischenfall von Casablanca: Die deutsche Regierung sucht ohne Zweifel cutc Aulenlung angesichts der ernft.n Ihtanneijütlid feiten, welche ihr die innere politisäw Lage oe°- icitet, und bemüht sich den Zwischenfall ton Casablanca zu vergrößern. Wir glauben zu wissen, daß da eine kostoare Zeit ver- lorcn geht, denn die französische Regierung ist fest entschlossen, mir eine Lösung auzunebmen; das Schiedsgericht. Rach ihrer Ansicht ist nur ein Detail, die Frage des Verfahrens, zu regeln.
In ähnlickicr M-eise sprechen sich auch andere französische Blätter aus. Wie nun aber der „L.-A." an zuständiger Stell: erfährt, <mrsprickt die Behauptung, Deutschland schlage nach her Veröfsentliclmng des Kaiserin ter Views eine schärfere Tonart gegen Frankreich an, in keiner Weise den Tatsachen. Vielmehr war tici Standpunkt der deutschen Regierung, an dem sich bis heute nicht das geringste geändert hat, febon längst vor Veröffentlichung des Interviews formuliert und in dieser Form in französischen Kreisen bekannt. Ebenso unbegründet ist cs, wenn französische Blatter bereits fetzt gegen Herrn von Kiderlcn Wächter zu polemisieren beginnen, denn diesen hat die Stellvertretung des Staats- fcErctöDS des Auswärtigen noch gar nicht einmal übernommen.
Der Fall Schücking.
Bekanntlich wird am 10. November d. IS. vor dem Bezirksausschuß in Schleswig die cntsckfcidende V^rlrondlung in dem Disziplinarverfahren gegen den Bürgermeister Dr. Schuckaig aus Husum stattsinden. Es ist dem Angesckmlbigtcn mitgeteilt worden, daß, wenn er nicht persönlich erschiene, kein Rechtsanwalt zu seiner Vertcidigrmg zugelasscn wilrdc. Wie die „Deutsche. Journal- post" aus beftinformierter Quelle erfährt, bat sich der Bürgermeister Dr. Sckücking entschlossen, persönlich vor dem Gerichtshof nnfsutrctciL Er wird aber vor Eintritt in die Verhandlung sut Sache feierlich erklären, daß, sobald seitens des Vertreters der Anklage nach Art der Anllagefchrist irgendwelche Angriffe gegen seine persönliche Ehre gerichtet würden, er ohne jede Rnck- jicht aus das Resultat der Verhandlung sofort den Saal verlassen wird. Man kann unter diesen lkmständcn auf den Verlaus der Verhandlung gespannt fein.
In den nächsten Tagen wird übrigens im Buchverlag der „Hilfe" eine Broschüre erscheinen, in der die Freunde des Bürgermeisters Dr. Sckücking die AnschuldigungSschrift der Regierung und die sehr ausführliche Verteidigungsschrift Schüttings in vollem Wortlaut veröffentliche«.*) Dank der Liebenswürdigkeit des Berlages der „Hilfe" ficht sich die „Deutsche Jonrnalpost" in der Lage, aus den AuSl-ängbogen der Broschüre folgendes schon heute zu veröffentlichen:
Der Angeschuldigte gibt zunächst seinem Erstaunen Ausdruck, daß der Ankläger kein Bedenken getragen hat, den Sinn der Aeußernngen des Verfassers der infrinunierten Artikel und der Broschüre über „Die Reaktion in der inneren Verwaltung Preußens" an vielen Stellen 511 entstellen, um den pointierten Urteilen des Buches seinen .Inhalt zu geben, der sie als Dis- siölinarbcliltc erscheinen lassen könnte. Der subjektive Eindruck fei nicht 511 verhehlen, das; die Anklage in dieser Beziehung eine gewisse „M eth 0 dc der Entstellung" verfolge, um mit Hilfe dieser Methode dem Angeschnldigten am Schlüsse des Ganzen die „mangelnde Wahrhaftigkeit seines Charakters" und ein „gemindertes VerantwvrtlichkeitSgefühl" vorzuwerfen. Der AngZckwldigte erörtert dann die Frage, ob er sich wirklich durch feilt Buch seines Amtes unwürdig machen konnte, und führt dabei aus: „Genuß ist hier und da die Meinung hervorgetreten, einzelne Ausdrücke und Wendungen hätten taktvoller gefaßt werden müssen, aber niemand hat dem Bürgermeister von Husum deshalb feine Amtswürdigkeit abgesprocheu. Gewiß mögen Regierungskreise anderer Meinung fein. Wer darf ihr Urteil richtiger fein als dasjenige der öffentlichen Meinung? Es gibt auch Personen in b$r Regierung leibst, wenigstens nach b:r Ansicht deS Angeschuldigten, deren Urteil mit der öffentlichen Meinung mehr oder- weniger zusammensällt, die sich aber mit ihrem Urteil nicht hervorwagen dürfen." Die Verteidigungsfchrifr weist dann darauf Inn, daß diejenigen Streife, mit denen der Angeschuldigte täglich Zusammenarbeiten muß, in ihrer Achtung für ihn unerfchüttert feien, und daß demnach niemand belwupten könne, er habe sich der öffentlichen Achtung, des notwendigen Ansehens und Vertrauens unwürdig gezeigt. Was die in dem Verfahren anzn- lücnbenbcit Rechtsnormen anbetrifft, so kann der Angeschuldigte gegen die Anwendung der betr. Urnbrccktlickron Normen u.II Tit. 10 §§ 1—3' an sick) nichts einwenden, macht aber daraus aufmerksam, daß diese Normen, die mehr als 100 Jahre alt sind, auS dein absolutistischen Staat flammen und in der Folgezeit eine wesentliche Veränderung erfahren haben. Schücking verwahrt sich dann entschieden gegen den Vorwurf der auareifendeu, verhetzenden, persönlichen Tendenz.
* ) „Bürgermeinec Schückings VcrteidtgrmgSsdirtst uno dte "In!chuldiaungSschrist der preußischen Regierung". Buchverlag der „Hilfe" G. m. b. H., Berlin-Schöneberg.
politische Tagesschau.
Der deutsche Kaiser iu Oesterreich.
Gestern nachmittag ist Kaiser Wilhelm auf der Eisenbahnstation Sieben brunn-Lecpöldsdors cjigch?ifcn und dort vom österreichischen Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdi nand, begrüßt morden. Der Bahnhof mar mit Festons, Girlanden und Flaggen m österreichischen und deutschen Farben geschmückt. Ter Wartesaal war mit Blumen und Blattpflanzen geziert. Der Erzherzog, der um 2'.> Uhr uns Wien cinge.roffeit war, leitete persönlich die Arrange ment5 und verblieb int Wartesaal, bis die Ankunft des deutschen Hofsondcrzuges gernelbet wurde. Sofort nam Vor lassen des Zuges eilte bei Kaiser, der int Iagdanzug war, jtruf den Erzl/erzog zu, schüttelte ihm beide Hände, t -ßte ihn
auf die Wangen und verblieb eine kurze Zeit in angeregter Unterhaltung mit ihm, worauf die Vorstellung der Gefolge stattfand. Der Staifcr dankte freundlichst für die Huldigungen des angesammelten Publikums und bestieg mit dem Erzherzog das Automobil, mit dem er dann die Fahrt nach Ectartsan antrat. Die Gefolge folgten in fünf anderen Automobilen. Als die Automobile vor dem Schlosse ein« trafen, herrschte bereits Dämmerung. Tas Schloß erstrahlte in hellem Lichte. Nach deut Souper zog sich der Kaiser in seine Gemächer zurück. Das vor der Einfahrt angesammelte Publikum begrüßte den Kaiser ehrerbietig.
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Keine Verheiratungsprojekte mit der Prinzessin Viktoria Luise.
In fliiecl)iicl)cii Blättern war in letzten Tagen davon die Rede, daß mit bem Host m Athen Borbejprcctningen abgehaUcn worden seien, die auf eine Verheiratung der Prinzessin Viktoria Luise mit einem Prinzen des griechischen Königsbauics Bezug hatten. Wie man der „(i. E.' jedoch hierzu aus Hoikreisen erklärt, sind derlei "Rachrichien schon deswegen als verfrüht zu betrachten, weil bei dem noch lugendlichen Aller der einzigen Tochier des Kaiserpanres an eine Verheiratung vorerft noch mcht gedacht wird.
Zlustand.
Kein weiblicher Bürgermeister. Die Bürger des Städtchens Haigh Wvcombe haben bei der endgültigen Wahl sür ihr Bürgermeisteramt die zur Bürgermcisterin proponierte Miß Dove mit 1785 Stimmen gegen 1191 Stimmen ab gelehnt. Miß Dove zeigte sich über dieses Resultat sehr überrascht, die anfangs triumphierenden Fraucurcchtlerumen find vollständig nie» dergefchmettert.
Verabschiedung von 13 russischen Admiralen. In dm Kreisen ber russischen Bureaukratie wird jetzt viel über die bevorstehende Vcrabschsidung von 13 Admiralen gesprochen, von denen ein Teil durch die Port Arthur-Prozesse stark kompromittiert ist, so daß sie nickt gut langer int Dienste bleiben rönnen, während die übrigen mit einer Bestechungsafsäre in Zusammenhang gebracht werden. Bei Turckjsicht der Abrechnungen über die Kreuzer „Schemsickug" und „Smaragd", die beide in der Scesck-lacht von Tschuschäna verloren gegangen find, fand der Finanzminister einen Posten von 360 000 Rubel, über dessen Verausgabung man vielleicht am besten mit der Bezeichnung Schmiergelder quittiert Es soll dem Finanzministcr nach Rücksprache mit Stolypin gelungen sein, mehrere Empfänger dieser feltfamcii Buchung festzustcllen, die auf den Bericht an den Zaren ihren Abschied erhalten würden.
Zulassung evangelischer Prediger in Rußland. Ter russische Ministerrat hat beschlossen, in der Duma eine Gesetzesvorlage cinjubriitgen, betr. die Zulassung ausländisckfcr evangelischer Prediger zur Anstellung, ohne ihren vorhergehenden liebergang zum russischen Untertauenverband zu fordern.
Aufforderung zur Ausrottung der Europäer. Tie Zeitung „PugaiUor", die in Ealcntta zweimal verboten wurde, erscheint jetzt in der französischen Niederlassung Ehandcrnagor. Sie fordert die Bengalen zur Ausrottung der Europäer auf und sagt, der einzige AbonnementSpreis, den sie verlange, sei, daß ihr jeder Leser daS Haupt eines Europäers bringe. Es ist noch unbelaimt, welche Maßnahmen die französische Regierung dem gegenüber ergreifen wird.
Ans SraöL und Land.
Gießen, 5. November 1908.
• * Eine Sitzung des Provin z ial-AnSschusscs findet nm Mittw0ch, 11. N0v. d. I., vorm. 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Enteignung von Gelände zu H 0 chweisel für die Veilängerung beiSocf- gasse. 2. Befchwcrbc dcS Louis Löscr iind der Frau Seegers Wwc. zu Bad-Nauheim wegen Hcranziehun g zu Straßeugelänbe-ErwerbLtosten. 3. Klage bes Örls- armcnverbands Hattenrod gegen den Friedrich Keil von da.
” Studentische Unterricht § ktirse für Arbeiter iind Unterbcamte. Der Unterricht im Rechnen wird morgen, Mlltivoch, um 8*/2 Uhr in der Universität beginnen. Am Donnerstag um dieselbe Zeit ist Geographiestiiube, soivie Gcometricuiiterricht, am Freitag Bärgcrkimde. Anmeldungen werben noch jeweils zu Beginn bcs Unterrichts entgegen» genommen, sowie am Freitag von 2—4 Uhr in bev Wohnung des Leiters, Weferstraße 3 (eine Stiege hoch).
• • Wasserwerk Hoherobskopf. Das Klubhaus auf bem Hoherobskopf verbaukt es hauptsächlich den Bc- mühilngen und der Opferwilligkeit des hiesigen Bogescn- klnds, der als solcher gleichzeitig Zweigvereiu Taufstein des Vogelsberger Höhenklubs ist, baß cs zu einer immer angenehmeren Gaststätte für bic den Vogelsberg besuchenden Touristen wird. Schon zweimal hat das Hans auf feine Anregung hin bedeutende Erweiterungen erfahren, und nun soll am nächsten Sonntag das von ihm erbaute Wasserwerk dem Gesamtverein feierlich übergeben werden. Die Slnregung zmn Ban ging von Kommerzienrat Heinrich Schirme r aus, bem eS auch buvd) feine unausgesetzten Bemühungen gelungen i!l, einen Grunbstock zum Banfonbs in betracht- Iick)er Hohe zusammen zu bringen, bie Baupläne stammen von Kulturiugenieur Steinbach, der in uneigennützigster Weise den Bau überwachte. Die neue Anlage trägt einem längst gefühlten, bringenden Bedürfnis Rechmmg und wirb sicherlich bic baukbare Anerkennung aller Freimbe unseres heimatlichen Berglanbes fiubcn.
C Odenhausen, 4. Nov. Eine bet interessante sten K irchen Oberyesse 11 s ist unser Gotteshaus; cs ist im Laufe die,es Jahres nach den Plänen dcS Baurats Dielnu Gießen renoviert worden. Die K.rchc steht unter Denkmalschutz und dessen Vertreter Pros. Walbe-Tarmstadt hat an der Wiederherstellung mitgeholfen. TaS altehr- luiirbige Gebäude gehört der Spätgo.ic an. Auch das Eher ist goti.ch, obwohl daZ Mauerwer». mit seinem F.scharäten- muster an romanische Formen erinnert. Ebenso ist das Kreuzgewölbe fpätgotisch. Im Chor befinden sich auch Sind» arbeiten aus der Barockzeic, bie die 12 Apostel darstellen. Die Füllungen her Brüstungen zeigen wertvolle alte Male r e i e n, bic aus dem 1J. Iahri)unberi stammen. Die Malereien stellen wiederum die 12 Apostel, sowie b.blisckie Bilder dar. Die Malereien sind echte Bauerumalereien, ihre Ausführung ist recht gut, es sind kaum in ganz Qbcrheiseu noch solche vorzügliche Malereien vorhanden. Tie Gemrnee waren mit Farbe überstrichen und vollständig verdeckt. Maler- Lang aus Frankfurt hat sie renoviert. Tie Empore und die Decke des Schiffes sind etlva 1 Meter gehoben worben, bas Aeußere der Kirche luieb unverändert. Tie alte Orgel, die von dem obcrhesstschcn Orgelbauer Bernhardt stammt, ist gut erhalten. Das Gestühl ivurde vollständig erneuert und ixiS Dach neu cingedeckt. Ei tc besondere Eigenart tit der i rf) ie s c K i r di r u r nt. Die massive Eickenlwl,L ni.rnftion itck-ert seinen festen Stand, obwohl er nadi einer Seite geneigt ist. Tie Abweichung von ber seilkrechien Stellung iiammt von einem Bii^jchläg her. In der K.rchc befindet sich and) eine Gruft nebst VoK.t'.icln früherer ParrouaSherren. Tie Konen der Wiederherstel-nng erforeerten 7—lOOj Mk. 9!ächsten Sonntag findet die Einweihung der
Kirche statt: gleichzeitig wird auch bie von der Gemeinde erbaute Wasserleitung eröffnet. Sie kostet ungefähr 35000 Mk.
+ Allend 0rf a. b. Lahn, 4 Nov. Sonntag, ben 8. November b. I., nachmittags um 2 Uhr soll bic Einweihung unseres neuen Schul Hans eS ftaHfinbcn. Die Aufstellung fiiibet am alten Schulhause bei der Kirche statt.
O AlZfclb, 4. Nov. Der 58jährige Fabrikarbeiter Otto Böckner von hier geriet gestern morgen in ber hiesigen Niöbelfabaik mit ber rechten Hanb in bic Slammräbcc eines Auszuges. Man brachte ben Schwerverletzten in ba5 hiesige Krankenhaus, wo eine Amputation der Hanb vorgenommen würbe.
§ Aus dem Kreis Alsfeld, 4. Nov. Der SireU- aus schuß hat für die Kreiskehre rbivliothe t* einen Betrag von 200 Mk. bewilligt. Die Lehrerschaft des Kreises stattete ihren Dank für bie schätzenswerte Spenbe gelegentlich der Generatkonferenz zu AlSselb ab durch Erhebung von den Sitzen. — Neubauten von Schulhäusern wurden int Herbste v. I. zu Obcr-Dreidenbad) (zweiklckssig), Heidcl. bach (einllassigi und Heimertshausen (Schulsaal), in diesem Jal-rc in Strcbendorf, Büß seid und Billertshausen Jämiluh einklassig) fertiggestellt. Im Rohbau vollendet sind bic Sd)ulhäu,er zu Elpenrod (cinklasfig) und Ermenrod (Lehrer- ruoOnung'L Im nächsten Frühjahr soll mit dem Reubcm von Schülhäu,erii begonnen werden zu Alsfeld (zwölfklasjig), Storndorf (dreiilafsig^, Ilsdorf, Udcnliausen und Haiuback (letztere drei einllassia). Es i|t das ununterbrochene Be- Itreben der Schulverwaltung, überall wo erforderlich und wo ,either die Schulhäuser nidjt den Anforderungen der heutigen Zeit entsprechen, Schulhausneubauten zu veranlagen, die nid)t nur geräumige Schulsäle, sondern auch zwedent- .prechendc Lchrerlsoynungen enthalten. Den beteiligten Ge» meinben darf bic Anerkennung nicht versagt werden, daß sie die ^ckiulbehörde oft unter erheblichen Ep.ern in diesem Bestreben ei।riß unlcrstuHteu. Die.crhalb erwartet genantUc Behörde, daß anstatt der seitherigen auffälligen Lanosluckt der Lehrer eine größere Seßha,tigkeit p.atzgr^ife, die nicht nur der Schule, sondern auch den Lehrern in vieler Hinsicht zum Segen gereicht.
A ü cl c, 4. Nov. Ist ein Menschenalter von 90 Jahren immerhin eine Seltenheit, so ist diese noch um so größer, wenn mit einem solchen Atter geistige uup körperliche Rüstigkeit verbunden ist. Der hiestge, int weiten Umkreise bekannte „Müdewirt" K. B r ä 11 n i 11 g steht in einem 2llln von 93 Jahren. Dabei besuchte er noch in aller Frische den jüngsren Gallusmarkt zu Grünberg, auf dem er schon als Junge vor 80 Jahren gewesen. Der Greis sieht noch aus wie ein 60er. Möge ihm ein weiterer recht gesunder Lebensabend beschiedcn sein!
O Heidelbach, 3. sJloo. Vor einigen Tagen brannte eS in der Scheuer des Landwirts K. Kohler. Die Feuerwehr traf so rechtzeitig am Platze ein, baß ber Branb gelöscht würbe, ehe ec richtig 311m Ausbruch kam, roaS cm Glück war, ba bic Scheuer nut Erntevorrälen bis oben hin gefüllt war. Man vermutet Branb sliftung von fremder Hanb. Wie verlautet, haben bie amtlichen Untersuchungen bis jetzt feinen Anhallspunlt für Ergreifung beS Täters gegeben.
(!) Wißmar, 4. Nov. Die stete Zunahme unserer Schülerzahl hat bie Errichtung weiterer Klassen zur Folge. Wißmar galt bisher immer als bic stärkste Landschule im Schiilaussichtsbezirk Wetzlar. Wir haben schon lange 5 Klassen mit 4 Lehrkräften, bic in brei verriebenen Häusern unlergebracht sinb. 9tunmehr ist bie Gemeinde genötigt, einen weiteren UnterrichtSraum zu beschaffen und den fünften Lehrer anzustellen.
Q Dutenhofen, 4. Nov. Ein vielgeschäftiges Treiben herrscht seit einigen Tagen in ben Räumen beS Gastwirts Jäger Hierselbst. Dlidjt weniger als 25 weibliche Personen unserer Gemeinbe, barunter zwei Hausfrauen, nehmen an dem Han Shalt ungskursus, bem ersten bicfeS Winterhalbjahres, regen Anteil. Unter ber Leitung ber Kreis- lehrerin Fräulem Müller werden sie 6—8 Wochen in all ben Dingen theoretisch mib praktisch unterwiesen, bie zu kennen unb zu verstehen für eine Hausfrau nützlich unb not* luenbig sinb. Mit Recht wirb in ben Kursen Gewicht au' die Fertigkeiten gelegt, in benen sich bie erhaltenbc Krast der Hausfrau zu beteiligen vermag, als ba sind Stopfen, Flicken, Nähen u. s. f. An bem hiesigen Kursus nehmen auch mehrere Fabrikmabchen teil. Sie haben für längere Zeit mit ihrer alltäglichen Fabrikarbeit gebrochen, um sich den ihnen gebotenen öluSbilbilngsknrsus nicht entgehen zu taffen.
Vie Heilanstalt „Waldhotz bei Sieben.
Unter dem Namen „Waldhof" wirb hier bic staatliche Londes* Irrenanstalt für Oherhesscn erbaut. 17 Gcbänbe sind jetzt schon im Rohbau vollendet, einige bawn bereits im inneren Ausbau begriffen, so daß ber erste Ausbau der Anstalt im ganzen 19 G.baude umfassen roirb. ES sind noch bic Leichenhalle und das sog. FcstehauS zu erbauen, bie beiden noch nicht begonnenen Gebäude tomme.n hinter bic übrigen Gebäude in dem Wald Walb versteckt zu stehen. Das FestehanS wird die gemeingcsähr lichcn Kranken unb kriminelle Irre ausnehmen, cs wird Ifvd: Mauern und alle Sichcrheitsmaßrcgeln erhalten.
Leichenhalle und FestehanS werden im nächsten Frühjahr fr gönnen. In diesem Jahre wurden erbaut: Die Kapelle in fr." Mitte der Krankenhämcr, die Direttorroohnnng und die Obcrartt' roobnung, beide an der Lick)er Straße. Bon den übrigen Baunn wurden sck>on 1907 begonnen: 2 große etwa je 120 Meter IE Bauten für. Wackbebürftige, zwei wbäube für unruhige und 2 für pflegebedürftige Kranke, vier Londhäufer für Pcnfionäre, ein Bcr roaltitngSgebäube, ein KeffelhauS und Waschrüche, eine Koäiküchc unb ein Pförtnerhaus. Während letzteres bereits vollendet ist, ist in den übrigen der innere Ausbau begonnciL DaS 93erroal- tungSgcbäudc umfaßt im unteren Stockwerk Dienstzinimer der Aerzte, Bibliothek-, Lesezimmer, Tireltorzimmcr, Atoiheke, 2>ci- roaltungsdurean und Registratur. Im oberen Stock find die Berroallerwohnung nnb Wohnungen für zwei Afsisteirzäi^te. Im K.'llergefckwß ist nach der Ostseits ein Laboratorium vorgescheii. In dem Kochkückenbau sind außer den ZGch- und Sprciseräumen mehrere, Magazine im Erd- unb llntergefckwß vorgesehen, die Keller sind, doppelt übereinander her gefiel (t; im Dachstock stnd die Wohnräume für das Küchenperfonal. Die beiden größten Krankenhäuser dienen zugleich als Aufnahmestationen für neu eintreffende Kranke. Jedes enthält große Tagräume, zwei große Scklaffäle ni.t etwa 20—22 Betten, Baderäume, einen Operationsraum, Speifefaal, Arbeitsiaal, Zimmer für das Personal, Wartc^ räume unv. Inmitten ber Krairlenhäuser erbebt sich ein jchmuckcr Bau mit einem kuppelartigen Bau, es ist bic K apelle. Borplas unb Portal eigen jdjönc Sandsteinfäulen. Man gelangt dann in einen Vorplatz, der links und rcckstS die Garderoberäume auf- n-inmt. Scksii nnb Chor find sehr geräumig, an letzteres schließt iuli bic Scfrulct Tie Empore im Turmbau roirb zugleich die Orgel anfnehmen. I.u Turm roerbejt zwei Glocken unb, eine Turmuhr untergebrachl. Die 10 Krankenl-äuser sind für Männer unb Frauen getrennt. Ihre Lage ist so, daß die Geschleckter auch bei ihrer täglichen Beschäftigung möglichst getrennt sind.


