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Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
Märkte.
Gießen, 3. April. Viehinarkt. Bei dein am 31. März und 1. April abgehältenen Markte waren ausgetrieben 1590 Stück Rindvieh, 656 Schweine, 286 Pferde und 15 Fohlen. — Der nächste Markt findet am 14. und 15. April statt, am letzteren Tage auch Krämermarkt.
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Gießener Wetterdienst.
BorallSfichtlichc Witterung für Hessen am Samstag den 4. April: Teilweise aufheiternd. Geringe Niederschläge. Teinpe» ratur wie heute. Schwache westliche Winde.
Zeichnungs-Anmeldungen
auf die am 6- 1908 zur öffentlichen Subskription aufliegenden
Mk. 20 000 000.— 4V. % zu 103 % rückzahlbaren Schuldverschreibungen der Prioritäts
Anleihe IV. Emission der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt Akt.-Ges.
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* Ein magnetisches Gewitter. Man schreibt uns aus Prag: Ein ungewöhnliches magnetisches Gewitter wurde hier beobachtet. Die hiesige Sternwarte konstatierte eine außerordentliche Störung der magnetischen Deklination, worunter man die Abweichungen der Magnetnadel von der gegebenen nordsüdlichen Richtung versteht. Die Abweichungen waren ganz anormal. Innerhalb 30 Minuten betrugen die Schwankungen der Magnetnadel nahezu einen halben Grad gegenüber der konstanten Nadelrichtung, das ist nahezu eine Differenz, die die durchschnittlichen täglichen Schwankungen um das Vierfache übertrifft. Derartige magnetische Störungen zeigen sich gewöhnlich bei dem Auftauchen großer Flecken oder Fackelgruppen auf der Sonnenoberfläche.
* Journals st en streik im Krainer Landtage. Man schreibt uns aus Laibach: Die Berichterstatter sämtlicher hiesiger Blätter tm Landtage beschlossen nach der Vertagung des Landtages an das Präsidium mit der Bitte heranzutreten, ihnen in der kommenden Session bessere Plätze im Landtage anzuweisen, und erklärten solidarisch für den Fall, daß ihrer Bitte nicht nachgekommen mürbe, die Berichterstattung über die Verhandlungen im Krainer Landtage ein»
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Schußleute versichern, aus den Reihen der ManUestanten. Als die Polizei sich bedroht sah, wurden von ihrer Seite einige Schüsse abgegeben, woraus die Menge sich zerstreute. Zwei Tote und 12 Verwundete wurden nach dem Hospital gebracht.
Vor kurzer Zeir wurde gemeldet, daß in Dl e tz ein Infanterie- Leutnant wegen Betrugs verhaftet worden sei. Fast gleichzeitig verlautete, daß das D r a g o n e r r e g i m e n t Nr. 9 (weiße Dragoner) verlegt werden soll wegen unliebsamer Wechsel- angelegenheiten zweier Leutnants. Die Verlegung des Regimenls dürfte unmittelbar bevorstehen, zumal mit aller Bestimmtheit auftretenden unwidersprochen gebliebenen Angaben zufolge ein weiterer höchst peinlicher Fall das gleiche Regiment betroffen hat. Danach soll in diesen Tagen ein Leutnant des Regimenls wegen W e ch j e l f ä l s ch u u g, deren Entdeckung am 1. April als dem Fälligkeitstage unmittelbar bevorstand, ins Ausland gegangen und megeit Fahnenflucht und Wechselsälschnng nunmehr steckbrieflich verfolgt werden.
Auf dem Eisenbahnkörper bei W ö t e r k e i m (Ostpreußen) wurde der Amtsvorsteher Kawald aus Landskron mit einer klaffenden Stirnmundc als Leiche aufgefunden. Kowald erhielt, vermutlich auf dem Heunwege befindlich, von einem durchfahrenden Nachtzuge den tötlichen Stoß.
In R o in fand am 2. April das Begräbnis einiger bei der Arbeit verunglückter Mauerer statt, an welchem etwa 1500 Personen nnd mehrere Vereine mit Fahnen reilnahmen. Als der Zug, entgegen den polizeilijchen Dispositionen, den Palazzo Venezia erreichen wollte, fand er auf dem Wege dahin die Via plebsete abgesperrt; der Zug suchte sich nun einen Durchgang dadurch zu erzwingen, daß em Leichenwagen gegen den Polizeikordon vorgeschoben tvurde. Die Menge bewaffnete sich mit Z i e g e l st e i n e n, drängte den Wagen nach und schleuderte Steine gegen die Polizei, wobei ein Kommissar und mehrere Agenten verwundet wurden. Es fiel auch ein Schuß, iuie der diensttuende Liommissar und mehrere
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Düsseldorf, 2. April. Die Generalversammlung der Hi) bcrnia, an der 58,1 Millionen Mark Aktien vertreten Warcup genehmigte den Jahresabschluß, wobei sich die Vertreter des Staates der Abstimmung enthielten. Die ausscheidenden Aufsichtsrats- mitglieder wurden wiedergewählt, lieber die Betriebsergebnisse teilte Generaldirektor Lindner mit, daß im ersten Quartal gefördert wurden: 1,354,971 Tonnen, das sind nur 5 292 Tonnen weniger als im Vorjahre. Der Rückgang in der Eisenindustrie habe keinen größeren Einfluß gehabt: erft int Monat März fri er fühlbar geworden und es hätten Feierschichten eingelegt werden müssen. Die Kokerei sei voll im Betrieb geblieben; sie habe Koks auf Lager genommen. Der Bruttoüberschuß betrug im Januar 1158 795 Mk., das sind gegen das Vorjahr weniger 101873 Mk.: im Februar 1340 620 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 163 286 Mk. liebet die Ergebnisse der kommenden Monate ließe sich nichts Bestimmtes sagen; es seien jedoch normale Ergebnisse zu erwarten.
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Der Fall Hirsche!.
ii.
Gießen, 3. April 1908.
Heute begann vor der hiesigen Strafkammer die Verhandlung gegen den Landtagsabg. H i r s ch e l, megen Unterschlagung. Wir haben über die Vorgeschichte des Falles schon gestern berichtet.
Wie schon in der Voruntersuchung, bestreitet Hirschel, sich je einer strafbaren Handlung schuldig gemacht zu haben. Er gibt zu, daß er einen fast sträflichen Leichtsinn in Geldsachen an den Tag gelegt habe. An Geld habe cs ihm niemals gefehlt und sollte er trotzdem einmal vorübergehend in Verlegenheit gekommen sein, so hätte er so viele Freunde gehabt, die ihm bereitwilligst geholfen hätten. Außer seiner Druckerei, die kürzlich zu 52 OOO Mark verkauft wordeu ist, besitze er eine Münzensammlung im Werte von 7000 Mark, worunter sich kurante Münzen in Höhe von 400 Mark und einem Geldwert von 700 Mark befinden. Die ganze Angelegenheit beruhe auf einer Kette von Nachlässigkeiten. Die ihm zur Last gelegten Unterschlqgungen bestehen aus Zahlungen und Lieferung von künstlichem Dung, Preßkohlen unb dergleichen. Daß öfters Zahlungsbefehle, Postaufträge nicht eingelöst, beruhe eoenfalls auf Bummelei. Hierauf wird in die Zeugenvernehmung ein getreten.
Zuerst wird vernommen : der Ockonom Wilhelm K a l b h e n n- Vilbel. Er sagt aus: Er hätte als Vorstand des landwirtschafri lichen Vereins Vilbel für Futter^ und Düngemittel im August 1905 pirsche! 598 Mk. abzüglich l*/2 Proz. Skonto, sowie am 19. Noobr. 1905 gelegentlich einer Versammlung in Nieder-Erlendach für Kohlen 137 Mk. angeboten und übergeben. Ende Dezember 1905 wurde Kalbhenn über die Beträge gemahnt. Da stellte es sich heraus, daß dieselben nicht abgeliefert waren.
Hirschel ließ die Beträge durch den Redakteur der „Volksmacht" Adolf Wolf junior in Friedberg am 27. Dezember 1905 an die Landwirtschaftliche Genossenschaftsbank in Darmstadt unter dem Namen „Stein" oder „Hein" einzahlen. Der Zenge Wolf weiß incht anzugebcn, wie er dazu kam, unter einem falschen Namen die Einzahlung geleiftet zu haben. (Er bleibt vorläufig unvereidigt.)
Auch die meitere Zeugenvernehmung drehte sich um die verspätete Ablieferung von Geldern, die von Warenempfängern an Hirschel anstatt an die Genossenschastskaffe bezahlt wurden. Die Verhandlung wird voraussichtlich erst ant späten Abend zu Ende eben.
Handel nnd verkehr, Volkswirtschaft.
* Neue Reichsanleihe und Preuß. Staats-Anleihe. Die Verhandlungen, die mit dem sog. Preußeutönsvrtium wegen U e b e r n a h m e u e u c r A n l e i h e n d e s Reiches und Preußen gepflogen worden sind, haben gestern ihren Abschluß gesunden. Das Konsortium hat 250 Mil!. Mark 4 o;o Reichsauleihe und 400 Mill. Mark 4«b Preußische Staatsanleihe, auf 10 Jahre unkündbar, übernommen und wird diese Beträge am 11. April d. I. zum Kurse von 99,50 °o zur Zeichnung auflegen. Für Schuldbuchzeichnungen, sowie für Zeichnungen mit Sperr- verpflichtung bis 20. Oktober 1908 ist der Kurs auf 99,30 o/o ermäßigt. Dasselbe Konsortium hat ferner 200 Millionen Mark 4 o/o Preussische Schatzanweisungen fällig am 1. April 1913 übernommen, welche indes nicht in die Zeichnung einbegriffen werden. Laut Inserat in der heutigen Nummer unseres Blattes
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