General-Anzeiger sür Sberheßen
74*2 grauen,
Wannenbäder I. Lil.: 282 Männer, 87 Frauen,
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Freitag 3. April 1908
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag:
Redaktion:e^zD112. Tel.-Adr.. AnzeigerGießen.
Deutsches Reich.
Berlin, 2. April. Die „Kreuzzeilmig" erklärt die Blätter- Meldung, .der zufolge denl Abgeordnelenhause eine Vorlage betreffend die Erhöhung der Z i v i l l i st e des Königs von Pretlßen Klgehell werde, für a b s o l u t falsch.
— Die seit einigen Tagen durch die Presse gehenden Gerüchte, i'lieft Bülow werde bei einem etwaigen Osterausenthalt in Stoni dem Papst einen Besuch machen, sind zutreffend. Indessen tändelt es sich dabei um einen reinen Höflich keilSakt; keines- »vcgs aber, um die polnischen Angelegenheiten.
— Wie dem „Berliner Börjenkourier" ein Telegramm der Redaktion des „Marz" nntleilt, ist die von verschiedenen Blättern mbebuigt ernst genommene Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen dem K a i j e r und Lord Tweedmouth ein bloßer Ä p r i l s ch e rz. Ein sehr dummer Scherz!
Wilde l m 8 haven, 3. April. Der große Kreuzer „Viktoria - u i s e" ist als S e e k a d e t t e n - S ch u t s ch i f f in Dienst gestellt Korben.
ArssLarrH.
Genua, 2. April. Die Großherzogin von Luxemburg, die kürzlich zur S t a ! t h a l l e r i n ernannt ivorben ist, tat heute rin tzmperial - Hotel zu Santa Margherita Ligure vor den zu diesem Zweck dort offiziell erschienenen Abgeordneten der -»xemburgischeir Kammer, an ihrer Spitze der Präsideirl Laval, kn Eid auf die Verjassung geleistet.
A m st e r d a m, 2. April. Die in den Diamantschleife- keien beschäftigten Arbeiter haben mit 5001 Stimmen gegen p30 Stimnieu beschlossen, für die Dauer von v i e r W o ch e n in bei, G e n era l a us st an d zu treten.
Washington, 2. April. Der Senat bestätigte die Er- 2!nnun g H s l l s zu nr Botschafterin Berlin.
Die „Siebener ZamiNendlStter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ’lircisblatt für den Kreis Lietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Dauipf- und Heißluftbäder soivie Massage zusammen 171 Männer, •26 Frauen. Die Personenwage tumbe" von 200 Personen benutzt, das Bad von 3 Personen besichtigt. ,
X Dau bringen, 2. April. Auf Beranlaffung des hiesigen Kriegervereins hielt Lehrer Rudolph von Alsfeld dieser Tage hier einen öffentlichen Vortrag, der auch von den übrigen Ortsbewohnern gut besucht besucht war und mit lebhaftem Beifall aufgcnommen wurde. — Wie in anderen Orten unseres ReichstagSwahlkreises har sich hier ein national liberaler Wahlverein gegründet, dem bereits eine stattliche Anzahl Mitglieder angehSrt.
/X Neu-Ulrichstein, 2. April. In der Arbeiter- Kotome befanden sich Ende März 79 Arbeitslose, 22 weniger wie im Anfang de» Monats. Von den 50 Abgehenden verließen 43 die Kolonie auf eigenen Wunsch, das sicherste Zeichen, daß es Frühling wird.
-s. Dutenhofen, 2. April. Im Schulaufsichtsbezirk Dutenhofen sind mit dein 1. April folgende Veränderungen zu verzeichnen. Lehrer D e l l i n - Klein-Rechtenbach ist zürn Präparandenlehrer in Wetzlar ernannt, an seine Stelle tritt Lehrer Lichtenthäler-Sobernheint. Lehrer Beckmann- Münchholzhausen ist als Lehrer an die deutsche Schule in Madrid berufen, er wurde durch Lehrer Locke mann aus Wetzlar ersetzt. Lehrer Wiegandt hier har mit Lehrer Hamel in Andernach a. Rh. freiiu. seine Stelle gewechselt.
Frankfurt a.‘ M., 2. April. Auf Veranlassung des badischen Hauptzollamts Lörrach beschlagnahmte die Kriminalpolizei hier 4 misten, die iit Liestal bei Basel aufgegeben waren. Ats Inhalt der Kisten war auf dem Frachtbrief „Anilintinte" angegeben. Die Untersuchung ergab aber, daß die Kisten große Quaniitäten Saccharin enthielten. Der Wert belauft sich auf 7—8000 Mk. Die Polizei verhaftete hier den Adressaten Franz Damian Meyer aus Neckarau bei Mannheirn.
Aus Stadt und Land.
G i e ü e n, 3. April 1908.
Land- und forstw. Berufsgenossenschaft.
Die Ausführungen des Ministers Braun zur Frage der "nd- und forstwirtschaftlichen Unfallversicherung im Großherzog- »lm anläßlich der Spezialdebatte über den Etat dürften für Die landwirtschaftlichen Kreise von besonderem Interesse sein und r^ogen deshalb hier ihrem Wortlaut nach Platz finden. Die Zahl N ,bei der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft
-rl ^^oßherzogtum Hessen zur Anmeldung gelangenden Un- i ue yt von Fahr zu Jahr im Steigen begriffen und betrug 190b
Ml L.ahrZ J.9Q7 ^712z j.n den beiden Monaten von 1908
Die Börsengesehkommiffion des Reichstages
erledigte heute in einer nur zweistündigen Sitzung das ganze Börsengesetz. Fast unverändert wurde das Nation a l l i b e r a l e K o m p r o m i ß angenommen, und zwar mit 15 gegen 12 Stimmen. Vom Block trennte sich die wirtschaftliche Vereinigung. Ter Vertreter der Polen fehlte. Dliir bei den wichtigeren Bestimmungen des (Gesetzes fand überhaupt eine Diskussion statt und fie war durchweg kurz. Ku den Strafbestimmungen verlas der Wortführer der Freisinnigen eine Erklärung, die die Strafbestimmungen als §art und ungerecht bezeichnen, aber die Zustimmung aus- pricht, weil sonst das ganze Gesetz scheitern würde. Zentrum vnd Sozialdemokraten bezeichneten es als unerhört, daß ehrengerichtliche Vorstrafen als Grundlage sür ein späteres kriminelles Vorgehen dienen soll. Der Handelsminister Delbrück wies demgegenüber darauf hm, daß der Richter doch immer die gewohnheitsmäßige Uebertretung feststcllen müsse.
ind bereits über 600 Unfälle neu angemeldet worden. Rechnet : nan weiter mit dem aus den Vorjahren übernommenen Be- : land von über 8000 Rentenempfängern, für die in 1907 rund 750 000 Mk. an Entschädigungen aufzuwenden waren, so ersieht ; man, daß die Verwaltungstätigkeit der Berufsgenossenschaft einen ■ Umfang angenommen hat, den man früher nicht in das Bereich der Möglichkeit ziehen konnte. Trotz dieser erheblichen Zunahme der Unfälle und der Zahl der Rentenempfänger haben die Kosten der Verwaltung der Berufsgenossenschaft feine Steigerung er- ähren und bewegen sich absolut, und im Vergleich zu den Aufwendungen, welche andere Berufsgenossenschaften in dieser Richtung machen müssen, in relativ sehr mäßigen _ Grenzen. Die laufenden Verwaltungskosten, d. h. in der Hauptsache die Kosten für Porto, Drucksachen, Gehälter usw. betrugen bei der hessischen land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in der Zeit von 1901 bis 1906 42 000 bis 47 000 Mk. Die Kosten der Verwaltung der hessischen land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft hatten den genannten Höchstbetrag 1902 erreicht und sind bis 1906 auf weniger als 44 000 Mk. zurückgegangen, während bei der benachbarten hessen-nassauischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in der gleichen Zeit sie in fast konstantem Steigen waren (102 000 bis 134 000 Mk.). Dabei verdient bc- öndere Beachtung der Umstand, daß die Organisation unserer öerufsgenossenschaft den Zwecken weiterer Wohlsahrtseinrichtuugeu, o der Errichtung einer eigenen HaftpslichtversicherungSannalt nenstbar gemacht worden ist, die es ermöglicht, unseren Landwirten für verschwindend niedrige Prämiensätze einen umfassenden Schutz gegen die Gefahren der gesetzlichen Haftpflicht zu gewährleisten. Ferner wendet der Genossenschastsvorstand auch der Ausgestaltung des Heilverfahrens innerhalb der ersten 13 Wochen nach Eintritt eines Unfalles sein besonderes Augenmerk zu und wird auch damit in kürzester Zeit eine Einrichtung geschaffen haben, die unseren selbständigen und mit 75 Proz. an der Wohltat der gesetzlichen Unfallversicherung partizipierenden Landwirten weitere Vorteile bieten, die sich als ein bemerkenswerter Fortschritt auf sozialem Gebiet erweisen dürften.
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* In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Großherzog u. a. Pfarrer Neusch von Groß-Felda.
*• Landwirtschaftslehrer. S. K. H. der Großherzog haben den Vorsteher der landw. Winterschule zu Alzey Landwirtschaftslehrer Friedr. Heck zum Vorsteher der landw. Winterschule zu Alsfeld und den zweiten Landwirtschaftslehrer an der landw. Winterschule zu Mainz Georg Lintz zum Vorsteher der landw. Winterschule zu Alzey ernannt.
” VermessungZ wesen. S. K. H. der Groß Herzog haben den Kreisgeometer des Kreisvermessungsamts Lauterbach Gg. Habermehl zum Kreisgeometer deL Kreisvermessungsamts Zwingenberg, den Kreisgeometer des Kreisvermessungsamts Höchst Gust. Wagner zum Kreisgeometer des Kreisvermessungsamtes Seligenstadt, ferner die Geometer 1. Klasse Phil. Treusch zu Zivingenbcrg, Ferd. Bischoff zu Schotten, Jak. Wallmanach zu Hungen, Balthasar Wiegand zu Darmstadt und Joh. Heiß zu Mainz zu KreiSgeometern ernannt. Ferner wurden die Geometer 2. Klasse Karl Schmidt aus Alsfeld und Hch. Kremer aus Nieder-Mörlen zu Zeichnern des Forsivermessungs- und Taxationsbureaus ernannt.
** Bessere Eisenbahn-Verbindungen zwischen Frankfurt und dem östlichen Oberhessen, insbesondere dem Vogelsberg erstrebt eine bei der 2. Kammer eingegangene Eingabe des Zweigvereins Frankfurt des Vogelberger Höhenklubs. Jnsbes. wird gewünscht, daß auf der Strecke Frankfurt-Schotten für den ersten und letzten Zug direkte Anschlüsse geschaffen und an den Sonntagen früh ein direkter Zug Frankfurt-Vilbel-Heldenbergen-Stockheim-'Gedern und abends ein solcher zurück eingelegt werde. Endlich ersucht die Eingabe um wohlwollende Förderung des Projekts, einen direkten Zugang von Hanau nach Büdingen und dem hohen Vogelsberg zu schaffen.
** Ans dem Bureau desStadttHeaters.Zum heutigen Triesch g astsp iel sei noch bemerkt, daß der M a s ch i n e n b a u e r g e s a n g v e r e i n in liebenswürdiger Weise'die Ausführung der Ehöre übernommen hat, die die einzelnen Traumbilder in „Elaa" verbinden.
** Aus der Krieger Kameradschaft Hassia. Folgenden oberhessischen Kriegervereinen wurde die Erlaubnis erteilt, das Grotzh. Wappen in ihren Fahnen zu führen: Dannenrod, Heidelbachs Fauerbach b. N., Haingrünbau, Griedel, Hattenrod, Lenheim, Heuchelheim, Bannerod, Schlechtenwegen, Herchenhain und Götzen. — An 276 Waise und Halbwaise, deren Vater einem Kriegerverein angehörte, wurden von der Hassia Konfirmationsbeihilsen Oon je 10 Mark bewilligt. — Für die in Ortenberg stattsindende Mitgliederversammlung der Hassia beantragt oaS Präsidium folgende Stellungnahme zu den Gewerkschaften. Tie Mitgliederversammlung wolle beschließen: Tie Mitglieder der Kriegervereine können nicht gleichzeitig freien Gewerkschaften angehören, solange die,e soziatdemokratische Organisationen sind oder die sozialdemolratischen-Parteiinteressen unterstützen. Die beruftichen Interessen der Kameraden aus Arbeiterlreisen sind außerhalb der Verbands- und Vereinstätigkeit durch geeignete Kameraden tunlichst zu fördern, insbesondere durch solche, welche als Arbeitgeber oder Unternehmer oder in anderer Eigenschaft dem gewerblichen und industriellen Leben nahe stehen. Tas Vorgehen unserer ’ Organe ist vorerst als ein intensiv belehrendes anzusehen. — Von Darmstadt wird beantragt, im Jahre 1910 eine Er-' innerungs feier an den Krieg 1870/71 für die Vete- , ranen des Verbandes zu veranstalten. — Das Vortrags- wesen hat sich in der Hassia im verflossenen Winter ganz rapid entwickelt. Im Jahre 1907 wurden 306 bezahlte Vorträge gehalten, die dem Verband rund 3600 Mk. Unkosten verursachten. Lichtbildervorträge wurden 31 gehalten. Einschließlich der nicht bezahlten Borträge sind im Ganzen etwa 400 Borträge in den Verbandsvereinen gehalten worden. Ein Lichtbilderapparat mit einer Bilderserie ist angekauft worden. Da bei der großen Nachfrage nach Vorträgen die Mittel des Verbandes zur Bestreitung der Ausgaben nicht
1 ausreichen, glaubt das Präsidium von den Vereinen billiger- : weise verlangen zu können, daß fie einen Teil der Kosten , übernehmen. Künftig will der Verband für jeden Vortrag , 8 Mk., für jeden Lichtbildervortrag lö Mk. auf die Ver- ; btychskasse üLkwehmLu; heg Rest Men die Vereine zu
— Dein Vernehmen nach ist dem Privatdozenteit für Geburtshilfe nnb Gyn-älologie an der Berliner Universität und AssistLnzarät an der Frauenpollklinik im El-arite-Krankenhause Dr^ Paul Stroemer der Titel „Professor" verliehen worden. Dr. Kroemer (geb. 1874 zu Leobschütz in Schlesien) war beLumtlich von 1904—1907 als Privatdozent in Gießen tätig. Zugleich bekleidete er dort eine Assistentenstelle an der Frauenklinik bei Geh. Rat Pfannenstiel, dein er aus Breslau gefolgt war. Tie Assisteittenstelle an der Berliner Frauenpoliklinik übernahm Kroe-, mer im Herbst 1907.
* Pforzheim, 2. April. Nachdem der P r o k u r i st einer! hiesigen Bank als anonymer B r i e f s ch r e i b e r von über' 2 0 0 Sch mäh b riefen, die er in zwei Jahren gefertigt nnt>' abgefnnbt hatte, und mit denen er einen anderen Geschäftsmann in ein übles Lichc zu stellen juchte, entlarvt worden war, wandte sich der Zederhclo zur Flucht. Von beit Verwandten wurden zwar 30 000 Alk. für einen Ausgleich angeboten, doch ist es zu einer Einigung nicht gekommen und der Briefschreiber dürste vor Gericht der Sühnung feiner Vergehen eulgegensehen.
"Nach dem Besuch des griechischen Theaters in Syraeus (Sizilien) durch die Kas erliche Familie spielte sich ein humoristisches Intermezzo ab. Die Kaiserin brach un Vorüdergeheu einige Al a n d el z w ei g e ab, worauf der Besitzer und em Knecht s ch impfend herbeigeeilt kamen. Als sie aber erfuhren, mit wem sie es zu tun hallen, faßten fie die Hände der Kaiserin, die fie küßten, und baten um Entschuldigung. Tann schleppten |ie ganze Arme voll blühender Zweige herbei und schenkten sie der Kaiserin.
(ipc.) Ehefrauenhandel in Rußland. Während es in den metsten Ländern mehr Frauen wie Männer gibt, scheint in Rußland ein unlgetehrtes Verhältnis Platz zu greisen. In Petersburg gibt es 124 000 Frauen mehr wie Männer, und in der Provinz, vornehmlich in den weiter nach Osten gelegenen Distrikren, herrscht ein so großer Frauenmangel, daß sich viele Bauern nicht verehelichen können. Ganz schlimnt aber scheint sich der Zustand in Ostsibirien zu gestalten, wie ein Brief aus Nikolsl, im Bezirt von Wladiwostok, beweist. Hier Ijat ftch unter den Bauern ein profitabler Frauenhandel heraus- gebildet. Aus dem europäischen Rußland bringen die, Händler junge,, heiratsfähige Mdchen Mckz den; Osten« Lki
tragen. Dieser Rest wird in der .Hauptsache die Reisekosten des Redners darstellen.
V e r s e n d u n g von Paketen während der O st e r z e i t. Die Versendung mehrerer Pakete mittels einer Poslpakeladresse ist für die Zeil oom 12. bis einschl. 19. April weder un inneren deutschen Verkehr noch im Verkehr mit dem Ausland — ausgenommen Argentinien — gestattet. Nach Argentinien können auch in dieser Zeit mehrere, jedoch höchstens drei Pakeie, mit einer Poslpakeladresse versandt ivexben.
** Gießener Volksbad. Im Marz wurden 8041 Bäder verabreicht gegen 8511 int Februar 1908 und 8883 im März 1907 oder im Durchschnitt pro Tag 259 Bäder gegen 293 int Februar 1908 und 287 im März 1907. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt:
Schwimmbad: 2970 Männer, darunter 690 zu 10 Psg.,
120 „ 10 „
GerLchrs?aKL»
N. B. Darmstadt, 1. April. Gegen das Warenschutz- gesetz hatte sich der Metzger und Gastwie: Jean Lamprecht in Offenbach zu verantworten. Er hatte bei fernem Flaschen^ bierhandel mit Bier der Bürgerbrauerei Frankfurt Flaschen verwendet, die er von anderen Brauereien, wie Henninger, Bünding und Stern, von feinen Kunden erhalten hatte. Infolge des gestellten Sttafantragcs wurde der Angeklagte nach § 14 des Warenschutzgesetzes von 1894 zu der Mindeststrafe von loO Mark, eventuell 10 Tagen Haft verurteilt.
le. iU a i n 5, 2. April. Tas Kriegsgericht der 25. Division verurteilte heute den Feldwebel Richard Hermann Rabe von der 6. Kompagnie des 117. Regiments wegen Urkundenfälschung, Betrugs und Unterschlagung zu 1 Jahr und 9 Alonaten Gefängnis, Tegradalion und Verletzung in die 2. Klasse. Er har seit November 1906 insgesamt 1091 Alk. an LöhnungS* und Spesen» gelbem und gesammelten Beträgen sür Andenken unterschlagen. Zwei Rechmmgeu von Lieferanten hat er mit deren Warnen quittiert, und zwei Kameraden, ferner einen Einjährigen und einen Metzger^ meister um Beträge von je 200 Mk. beschwindelt.
parlamentarischer.
Berlin, 2. April. Der Reichstag wird vermutlich trst zu Ende der nächsten Woche in die Ferien gehen. Ls besteht der Wunsch, außer dem Vereinsgesetz auch noch die Sörsengesctznovelle vor Beginn der Osterferien zu erledigen. 2te Nachricht einzelner Blätter, daß auch die Reichstags- lagung vor dem Fest werde geschlossen werden, ist unzu- ireffend.
— Die Forderungen für die Bahnbauten in Deutsch-O st afrika und in Süd lvestafrika wurden von der Budgetkommission des Reichstages bewilligt.
Karlsruhe, 3. April. Aus Anlaß der Reichstags- Debatte vom letzten Dienstag über die Einführung der ton Preußen geplanten Schifsahrbs ab. gaben <mf den deutschen Wasserstraßen wurde gestern die badische Negierung von demokratischer Seite abermals wegen ihrer Steilung in jener Frage interpelliert. Minister von Bod- inann erklärte, daß die 'badische Regierung nach wie vor auf einem entschieden ablehnenden Standpunkt stehe.
Ko bürg, 2. April. Instizrat Hermann Beckh kn Nürnberg, der von 1893 bis 1903 den Wahlkreis Koburg im Reichstage vertreten hat und der freifinnigen Volkspartei angehörte, ist gestern abend gestorben.
Teireruugszulagen für die preußischen Beamten.
Die Budgetkommifsion des preuß. Abgeoronetenhauses tut gestern den Nachtragsetat, der die Teuerungszulagen für die Beamten enthält, erledigt. Unter Abänderung der Regierungsvorlage ergab sich als Endresultat folgende Gestaltung der Vorlage: Ausgeschlossen von der Zulage bleiben alle diejenigen Unterbeamten und mittleren Beamten, die bereits durch die im Etat für 1907 vorgesehenen Diensteinkommensverbesserungen eine Erhöhung ihrer Diensteinkünfte erfahren haben. Von den mittleren Beamten werden ferner diejenigen ausgeschlossen, die den Wohnungsgeldzuschuß höherer Beamten beziehen. Mle übrigen Unterbeamten und mittleren Beamten erhalten 150 bezw. 100 Mk. Bei den Lehrern und Lehrerinnen ist die Beschränkung auf diejenigen, in Verbänden mit 25 oder weniger Schulstellen endgültig oder einstweilig angestellten in Wegfall gebracht. Die Zulage für die Lehrerinnen ist von 100 auf 125 Mk. erhöht unb ferner eine Bestimmung dahin getroffen, daß alle Lehrer und Lehrerinnen, deren Grundgehalt weniger als 1350 bezw. 1025 Mk. beträgt, die ganze bezw. eine Teil- Zulage erhalten. Das ganze Gesetz wurde schließlich mit 16 Stimmen bei 5 Stimmenthaltungen angenommen. Es wurde ferner mit allen gegen drei Stimmen ein Antrag der nalionalliberalen Partei angenommen, der die Vorlegung des Gesetzes über die Er vöhun g der Bezüge der Geistlichen noch in dieser Session verlangt, und zwar trotzdem die Regiernng biefen Antrag als nicht mehr ccalisierbar bezeichnete.
Nr. 80 Zweites Blatt 1S8. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. ▲ ▲▲ ▲ a. ▲ a xk ▲▲
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