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29/12/1908 Erstes Blatt
 
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Uf inger, der mit OberbauraL Mangold erschienen war, einen Kranz nieder.

** Die Bluttat tm Schiffenberger Walde. Wie mitgeteilt, hatte der Polizeihund deS Polizei- Sergeanten Jakob in Wetzlar von der Mordstclle im Walde aus die Spur des Täters ausgenommen und zunächst in Den Wald nach der Hinteren Einfriedigung der neuen Irren­anstalt, dann wieder zurück aus den alten Sck;isfenberger Weg und dann über das Feld und den Bahndamm hinweg bis an das städtische Baumstück an der neuen Kaserne ver­folgt. Gestern nachmittag nun wurde der verhaftete Reif in dem Wald, etwa 3040 Meter abseits der von dem '.Polizeihund genommenen Spur mit drei Schutzleuten in Zivil auf gestellt. Der Hund wurde an die Mordsteile ge­bracht, nahm dort dieselbe Spur wieder auf und als er in die Nähe der Beamten mit dem Täter kam, lief er erst auf einen Schutzmann zu, beschnupperte diesen und sprang dann unter lautem Bellen an Reis heran. Der Hund sprang wie­derholt an Reif in die Hohe, wodurch ein weiteres Glied in der Beweiskette erbracht erscheint. Reif leugnet allerdings, im Walde gewesen zu sein, wie er auch die Tat überhaupt immer noch bestreitet.

" Stadttheater. Die morgige Ausführung von Richard FcUmgers mlercffnntcm SchauspielDie Pfarrerin* dürfte bie letzte des Werkes fein, worauf alle Interessenten hingewiesen feien. Der Autor hat übrigens ein Schreiben an Direktor Steingoettec gerichtet, m dem er in schmeichelhaften Worten seinen Tank ausspcicht für die treffliche (Smftiibierung und Wiedergabe, die feinem Weck nach allen seinen Jn- locmattonen an der (Siebener Bühne zuteil geworden fei. Die Ausführung am kommenden Freilag, 1. Januar, findet im Abonnement statt. Ta ein Teil dec zweiten Hälfte der Freitags-Abonnements noch nicht abgeholt worden ist, sei ausdrücklich darauf hmgewiescn.

"Neujahrskarten. Die seit einigen Jahren auf- gekommene Sitte, zur Ablösung der persönlichen Gratu­lation von Freund zu Freund die öffentliche Zahlung eines kleinen Geldbetrages treten zu lassen, ist in den meisten Orten ganz oder zum großen Teil wieder in Wegfall ge­kommen. Es hat sich eben herausgestellt, dast die Macht der althergebrachten Sitte stärker ist, als der neue, aller­dings wenig anheimelnde und etwas gemütlose Gebrauch. Die dies Lösegeld Zahlenden haben sich trotz der Bctannt- machung ihrer Namen in bett Zeitungen zumeist außerdem! doch noch der alten Sitte unterwerfen müssen, wenn sie nicht gerade für unhöflich gelten wollten. So geben viele den Kampf auf. Im Interesse des deutschen Getnütslebens

Aus staöt und Larrv.

(Siegen, 29. Dezember 1908.

Taaeskalender: S t a d l t h e a r e r: Dienstag, 29 Tez.:Madame Sans (Mne.* Anfang 8 Uhr. Mittwoch nach­mittag 3'/, Uhr: Kindervorstellung: /Die Puppen,«.* vorher: ,DaS Wetterhäuschen."

Tie Zweite Kammer der hessischen Stände wird am Montag 4. Januar, vorm. 10 Uhr zu ihrer 4 Sitzung zusammentreten. Auf der Tagesordnung steht bie Anfrage tuegen der Weinsteuer, die Einsetzung eines Sonder­ausschusses für bie VerwaltungSgesetzreform. bie Adresse an S. St H. den Aroßhcrzog und eine Anzahl zur vorläufigen Beratung stehender Gegenstände.

Lehrerpersonalien. Ernannt wurden die prov Lehrerinnen an der Biktoclaschule zu Darmstadt Wirgmu Dornbusch und Elisabeth Nick zu Lehrerinnen an dieser Anstalt; die Zeichenlehrerin an der höheren Mädchenschule zu -Mainz SDlauie Seyd, seither prov. Zeichenlehrerin an der Biktouaschule zu Tarmstadt, zur Zeichenlehrerin an dieser Schule.

** Geh. Baurat Wißmann f- Am ersten Feier­tag starb hier der Grosth. Baurat L P. Philipp Wiß­mann. W., geboren am 15. Juli 1854 zu Darmstadt als Sohn eines Lehrers, besuchte die dortige Technische Hoch­schule, bestand die Abgangsprüfung und späterhin die vor­geschriebenen Staatsprüfungen des Baufachs. Er war vorü- bergehenks bei Errichtung von Staatsbauten in Hessen be­schäftigt, dann von 1882 bis 1885 im Dienst der Stadt Darm­stadt tätig und von 1885 bis 1887 im Wasserbaudienst von Elsaß-Lothriugen verwandt. 1888 wurde ihm die Stelle eines Kulturingenieurs für Obcrhessen, 1895 die des Vor­standes der neu gegründeten Kulturinspeltion Gießen über­tragen. Diese Stelle bekleidete er bis zu seiner mit Wir­kung vom 16. ds. Mts. erfolgten ehrenvollen Versetzung in den Ruhestand. Ter Verstorbene war ein pflichteifriger streb­samer Beamter, der sich um die Förderung des Mekocations- wesens in Oberhessen wohl verdient gemacht hat. Die Be­erdigung fand am dritten Feiertag Nachmittag in Darm­stadt statt. Am Grabe legte il a. auch, Ministerialrat Dr.

ist dies jedenfalls nicht zu bedauern.

** Stenog raphie. Pünktlich wie alljährlich ist auch zu Weihnachten d. I. bad Jahrbuch der Stenographie- Schule Gabelsberger eridjicnen. Es enthalt in geschmack­voller Ausstattung neuen einer übersichtlichen Statistik für bad Jahr 1907/08 (1. Juli) und einem Kalendarium alles für einen} Anhänger der Schule Gabelsberger Missenswerte. Nad) der Stw- tistik bestanden am 30. Juni 1908 2318 Vereine mit 100902 Mitgliedern. Neu unterrichtet wurden int Jahre 1907/08 162 541 Personen, eine Zahl, die die Unterrichtszifier in 1906/07 unc 16 968 übersteigt. 137 Vereine wurden neu gegründet und brachten einen Zuwachs von 7902 stenogcaphiekundigen Mitgliedern. Es sei auch an dieser Stelle.auf die Anzeige des Gabelsöergeo Stenogiapben-Vereins (gegr. 1861) und dcS Tainenvereins GabelS- berger auimerksam gemacht, die am 11. Januar 1909 einen} neuen Kursus in der Schnellschrift crbsfnen, dessen Besuch hiermit empfohlen wird.

Fust steige frei! Wir verweisen auf die heutige Bekanntniachimg des Drosch. Polizeiamts. die einige Be- stinnnungen über den Stragenoerkchr ins Gedächtnis zurück- rust, gegen die oft gefehlt wild. Es ist nämlich im Interesse der Ermöglichung des ungehinderten FnstgängeroerkehrS auf den Fußsteigen das Befahren der Fußsteige mit Fuhrwerken jeder Art (auch Handwagen und Fahrräder) verboten. Aus­genommen hiervon ist, soweit hierdurch der Fußgängerverkehr nicht gehindert wird, die Beförderung von SUnbem und Kranken in Kinder- und Krankenwagen. Außerdem «st daS Stehenbleiben, wodurch der freie Verkehr gehemmt wird, untersagt, soivie das Tragen von ©egeni'iäaben, welche ge­eignet sind, andere zu beläiiigcn (z. B. Metzgerbollen, Markt­körbe 2C.) Gerade diese Nucksichlslosiakeiien sollten ebenso wie das lästige Ausschütteln von Teppichen rc. auf die Straße nicht erst durch Strafanzeigen verhindert zu werden brauchen.

"Tie Maul- undülauenfeuche ist ausgebrochen in Beuth en, Stadtkreis,, Regierungsbezirk Oppeln, am 24. Dezember.

4- Klein-Linden, 28. Dez. Die Weihnachtsbe^ scherung der Kleinkinder schiller fand ur der Kirche unter starker Beteiligung der Gemeinde statt, Nach der Ansprache des Pfarrers Göttelltzaun erfolgte die Austeilung der Gaben an; die Kinderschar statt. Ein großer Trauerzug bewegte sich gestern durch das Torf. Voraus gingen der Kriegervereul und dcr Gesangverein Harmonie. Ter Verstorbene war der Arbeiter Philipp jN i n g e 1») ö f e r. Jr.l Auftrag deS Kriegerocrcins wid­mete Lehrer Keil dem Eutschlafeneir einen warmen Nachruf, er legte einen Kranz am Grabe nieder. Ter Verstorbene mar Mitbegründer und ^.hrenmllglie!) des itriegeroerein». Namens des Gesangvereins Harmonie legte Vorsitzender W a h 1 einen Strang nieder. Auch die Acoeiterkollegen ehrten den Entschlafenen durch einen Kranz.

L Watzenborn, 28. Tez. Ihren 40. Geburtstag feierten gestern die Schm käme raven von 18ö8 aus Der Doppel- gerneinbe Watzenooru uiw Sternoerg. Drachdem eine photographische Aufnahme gemack-t worden nur, begab man sich in die Wirtschaft von Reitschmidt. Kamerad Burk begrüßte die Kameraden und sprach den Tank für das vollzählige Erscheinen. Herr Leicht hielt eine Aniprachc an die 4u er und wünschte, daß sie bat 50 fahrig en Geburtstag ebenso vollzählig feiern iännten. Herr

Die Antwort der wiener Kabinetts auf die Aeuhernngen der ruß. Regierung zur Balianfragc.

Xie zwilchen den Slayuiettcn von ©tat und Petersburg üoer daS Balkan-Konferenz-Programm aeführten Verhandlungen sind vor kurzem zu einem vorläufigen Avschlusse gelangt, als Minister Jswolsw dem Standpunkt Oesterreichi-Unaarns lugejnmmt I)at, daß dem Zusammentritt der Kvnferen- Verhandlungen zwischen den Mtückien vorauszugehen hatten, durch die bie Tätigkeit der Konferenz nach allgemeiner Uebereinftinimung präzisiert werde. Iswolski) hat bekanntlich aus diesem Anlaß den Standpunkt der russischen Regierung über bie Kvnferenzsrage ui ber Zirrularnote an die Berliner Signatarmächte bekannt gegeben. Eoenw Hal aadi das Wiener Kabinett sich veranlagt gesehen, die Signatar* möchte von dem Stande der Unterhandlungen in Kenntn^ zu setzen. Es geschah dies durch ein am 23. d. M. an die Machte abgesandten Aide Memoire, in dem auSgefühct wird, die Re- cicrunq habe sofort nach Empfang deS skonferenzprogrammes, das ihr von dem Minister des Aeustern, Iswolsky, üoennittclL worden war. Alles, was von ihr aohing, getan, um bie Sion* ferenjibee, bie nicht von ihr ausgegangen jei, zu fordern und hat in einem cntipred)enben Schreiben die Antwort aut die Mil- teituna des Konferenzprogrammes zu lämtndten Punkten Stell tuns genommen. Auch heute nimmt sie ber Konicrenz gegenüber eine sympathische Haltung ein unb die von ihr formulierten Reserven verfolgen lediglich den Zweck, die Arbeiten der Kon­ferenz so wirksam wie möglich zu gestalten.

Von denselben Absichten i|t das Wiener Kabinett auch bei seinen Verhandlungen mit der Hohen Morte geleitet worden und es wird seinerseits, sobald das gewünschte Re,ultat erreidjt fern wird, den Mächten hierüber entsprecheiidc yiittciliingcn zu» kommen lassen. Diesem Aide Msmoire sind fünf Beilagen angeschlossen und zwar: 1. Das Programm der Konferenz, über­mittelt durch bas auswärtige Amt zu Petersburg. 2. 5XC des Wiener KabinettcS vom 15. olovember 1008 auf bie Mit­teilung beS Konferenzprogrammes. 3. Das .lide dNvmoire de»> Kabincttes zu Petersburg vom 9./22. Novemver 4. a.aS Aide Mömoire des Wiener Kabinettes vom 8. Dezember und 5. das Aide Memoire des Petersourger Kabinettes vom 1./17. Dezember. In ber 9iote des Wiener Kabinettes vom 14. November wird erklärt, daß eine Balkan-Konferenz mir in dem Falle mit Nutzen zusammentreten könne, wenn ihr eine Verständigung ber Signatar möchte vvrhergehe. Alsdann wird ber Standpunkt der Regierung zu den einzelnen Punkten tu fol­gender Weise präLisiert:

Die Regierung ist bereit, den von Bulgarien proriamierten neuen Stand dcr Dinge anzuerkcniicn, wooei sie voraussctzt, daß die Konferenz bie Unabhängigkeit bieses Staates sanktionieren werde, wenn bie finanziellen Frag-cn, einschließlich der Eisenbahn­frage geregelt seien. Bezüglich Bosniens, der Herzego­wina und des Sandsdmt ^chvoba^ar erklärt bie Regierung fid) damit einbeifixinbeu, daß diese beiden Fragen in das Programm ausgnwmmen werden; felbstoerständlich hätte jedoch die Aus-

Line Politik ver Schwäch«.

Kabknettspolltikgilt als etwas Ucbenrunoene5. Wenigstxms dem Ziele nach. Nicht Launen und Wünsckmi Einzelner, sondern das Interesse bet völkischen Gesamtheit soll in dem Ringen ber Staaten ben Ausfdstag geben. Auch die Mittel dieses Ringkampses sind volkstümlicher geworden: bie von den Völkern gehegten Na­tional itätsidecn und ihre nnrtfdiafllidjen Strebungen werden aus gespielll Aber sdsticßlich ist das doch auch heute nur das Jioh material, aus dem bie Staatsmänner ob republikanisch ober monarchäsch gilt hier gleich ihre Politik peftaltenb aufbauen. Was wir vor Augen sehen, wenn irgendwo ine Staaten in ernst­lichem Gegensätze entbrennen, ist neben dem populären Trum und Tran doch dcr Kämpf derKabinette". Von dem Zimmer des Monarchen oder seines leitenden äußeren Staatsmannes ans werben die Trälste gezogen, sollen sie gezogen werden, und wenn eine Aktion sehlschlägt, madji man zunächst dieseKabinette" nicht das Volk, verantwortlich: bie eigentlidje diplomatische Kunst ist nod) nicht wertlos geworden.

Augenblicklich sieht man den Kainpf der Mächte und der Ka­binette um die Dalkanfragen. Oesterreich-Ungarn, Rustlaitd Und bie Türkei sind die drei wickstigsten Ringer, ohite da st die sed)s, sieben anderen Mächte nur mastige $uidjaucr wären. Zivei unter den drei erstgenannten Mäcksten sind gehindert, für ihre Ziele das Schwert in bie Wagschale zu weisen: die Türkei uttd Rustiand. Eine Stelle in dem Entwürfe der Adresse, die das türkische Par­lament an ben Sultan richten will, enthält die >vdiwäche der Stellung des türkisehen Kämpfers:Tie Nation. . . wird der Welt zeigen, dast sie auch dein AnSlande gegenüber unentroeg-t bie Friedenspolitik verfolgen wird." Tas ist nicht etwa eine heuchlerische Redewendung, sondern es ist die ernsthafteste und Tür bie äustere Politik grundlegende Tatsache neutürklschcr Politik. So sehr wir das benadjbarte und veroündete Oesterrerch-Ungarn zu dieser Tatsackjc, die in bie Berechatungen der österreid)- imgarischen Staatsmänner eingestellt geiuefen ist, beglückwünsdxn linnen, so wenig können wir als pragmatische Politiker die sich daraus ergebende Lehre mistachtcn: daß nur ber gilt, ber sich zu wehren entschlossen ich Durch die friebiidje Stimmung der neuen Türkei bie natürlich ihre wohlbegründetcn Ursachen hat wird die Erfolgmöglichkeit des türkisc^n Dlinisters des Aeustercn und des Grostivefirs in den mit Oesterreich-Ungarn geführten Verhandlungen aufcerorbentlid) bceinträdytigt.

Tcm russischen Mitverhandlcr geht es ähnltd). Auf den Letter ber russischen austeren Pvlitif Jswo.sky hageln btc Vorwürfe der Unfähigleit und der Schwäche nur so nieder. Mas verlangt man von ihm im Grunde? Er soll Erfolge erzielen nur durch Schreiben, Telegraphieren, Konferieren und Reden ohne je den Willen wir ultima ratio, zum letzten Mittel: dem Kriege, durchbltckcn zu lassen. Tenn dieses Mittel will weder eine maßgebende ruiiifdjc Regierungsstelle, noch das Volk, noch das Parlament. Aua) rn Rustiand ist das Parla^nt ein Dio ment des Friedens. Es must von jedem kriegerischeti Erfolge eine Stärkung ber reaktionären Gewalten erwarten. Taher [teilte sich die Mehrheit der Duma bei ber Abstimmung in ber Nacht zum 28. hinter Iswolski). Ja, sie schrieb ihren Beschlust noch ausdrücklich hinctn, dast ste bie Wahrung ber gerechten Interessen ber verwandten Slawen- völker nurmit allen friedlichen Mitteln" wolle.

Mas nun eigentlid) noch Anhänger emet Friedenspolitik um jeden Preis an dem Verhalten des Ministers Iswolsky kritisieren können, ist uns nicht ganz verständlid). Glaubt man denn wirk­lich, dast bie Worte so geschickt gesetzt werden könnten, um allein dadurch den Tonaustaat umzuwerfen? Wer durchaus unb unter allen Umstanden ben F-rieden roill, must eben einem Mitspieler gegenüber, der das letzte Mittel nickst scheut, ber schachere Tell (loenn im übrigen bie Kräfte gleich sind) bleiben. -Sicher ist die Verhandluugstechnik nickst gleich Null zu achten, aber über ein solches Muinko kann die beste Berhandlungstedmik ,ck)werlich hinweghelfen.

dehnung der Souveränitätsreckst« Seiner Maiestat aud und die Herzegowina, sowie die Stäumung des Sandsck-aks 9topv bazars nicht Gegenstand der Diskussion zu bilden. Weiter wirt bemerkt, dast die Regierung über diese Frage mit ber Psorll zu einer Einigung zu gelangen hoffe, die dann pon der Konteren mi bestätigen wäre. Oleid^eitig Hütte bie Konteren» den Amte. 25 des Berliner Vertrages außer Kraft zu setzen. Mas bie F-ragr des bie Souveränitätsrechte Montenegro-, em ld;aänlcnbeu Artikel 29 des Berliner Vertrages betrint, fo er hebt das Wiener Kabinett keine Einwendung dagegen, dast su Gegenstand der Dislüssion aus der Konseren^ bilven, halt ledou.- in dieser Beziehung bie gemucksten Vorbehalte aufrecht Bezug lich ber Serbien und Montenegro zu getmckn'enden Vor­teile wird, um eventuellen irrtümlichen Auslegungen vorznbeugcn, die Fassung:Serbien und Montenegro -u gewährende loirl scktaftlich'' Vorteile" vor geschlagen. Bezüglich der Kapitu­lationen unb ber fremden Postämter in derTurke i erklärt das Wiener Kabinett fid) bereit, über bie dann vorzu nehmenden Nlodisikationen sich nut den übrigen Nllicksten ins Einvernehmen zu setzen. Schliestlich wird dec Meinung Ausdrncl gegeben, dast die Kaüerlich-ru,sische Regierung um so mehr Gelegen, heit nehmen werde, ihren Standpunkt zu den ver>chleoenen pro- grammpuntten bekannt zu geben. .

In dem Aide Älömoire üvnt 8. Dezember 1908 bcstitigt das Wiener Kabinett die Heuerein)tan.Hung ber Regierungen ix)n Wien und Petersburg bezüglich der süotwendigkeit von Ber iMiidlungen und folgert daraus, dast bad russische Kabinett ebciip ivie das Wiener Kauinett bestrebt sein werde, die Konserenz vor Gefahren zu schützen, die fid) » auf derselben zu Bage treteiiben iNeinungsverfdüedenheiten ergeben tünnlen. Dieser von beibeii Kabinetten ins Auge gefastte Zweck bilde ein euwpaischcs Interesse und könne nach Aufsassung oeS Wiener Kaoinettes nur in sehr unvollkommener Wnie eneiLst werden, wenn fid) die voran­gehende Verständigung unter den Mächten nur auf bie Aui- ^hlung der Programmpunlle beschranken würde. Der Meinungs- austaufd) zwischen den Kaoinetten müsste vielmehr aud) au| das Wesen wenigstens ber wickstigsten Punkte des Programmes aus­gedehnt werden und würde auf diese Weise hotsentlnh zu der Vereinbarung gewisser Formeln führen, die dazu bestimmt sind, Die Diskussion in genau umschrievenen Grenzen zu ijalten. ^So wurde z. B. bie rn,fische Regierung gewist geneigt sein, bie tunion über Bosnien und bie Herzegowina so zu begrenzen, dast die Tatsache ber Annexion nicht in Frage gestellt würbe. (Äne solche Haltung ber Kaiserlichen Regierung erfdjeint dem öfter» reichisch-ungarckchen Kabinette um so weniger ziveiselliast, als die Eventualität ber Annexion in mehreren, früheren zwischen den beiden Reichen getroffenen Abmachungen vorgesehen war. Durch diesen Modusproeedens würden die Arbeiten der Konferenz roeient» tjch erleichtert und Schrvierigkeiten vermieden werden, die ent- stehen müßten, wenn man der Diskussion über die oerschtedenen Punkte völlig freien Lauf lieste. Tas Wiener Kabinett hofit, da ff ich die Ka'serlid>e Regierung von, demselben Geiste der 93er» Ibhniichkcll leiten lassen und ihre Auffaisung übet die wichtigsten Programmpunlle seiner Regierung bekannt geben werde; in dem Aide Memoire des Petersburger llabineltes vom 4.17. Dezember wird erklärt, dast ber österreichisch-ungarische Vorschlag, ben Ge­dankenaustausch unter ben Mächten auch auf das Wesen bet Pro­tz rammpuntte austzudehnen unb auf diese Weise zu Formeln zu gelangen, die die Diskussion der Konferenz in genau umschriebenen Grenzen ballen würden, jivar infolge seiner Langwierigkeit manche Unzulänglichkeit berge, dast das russische Kabinett aber, um seinen Geist ber Mästiguna zu beweisen, seinerseits bereit sei, ihn an­zunehmen, vorauSge,etzt, dast aud) bie übrigen Mochte ein Gleiches tun. Tas Wiener Kabinett rönne den Borsckllag tiunmehr ben übrigen Kabinetten unterbreiten, denen auch die ^aiserlidllrussische Regierung ihren Standpunkt hinsichttick) dieser Frage notifizieren

Bezüglich des Wunsches des Wiener Kabinettes, die russische Regierung möge ihre Meinung über bie verschiedenen Urogramm» punkte bekannt geben, behült sich die letztere vor, im Lause der bevor stehenden Verhandlungen ihre Gesickstspuntte über die für Rustiand wichtigsten Programmpunkte zu entwickelli.

Nr. 305 Erstes Blatt 158. Jahrgang Dienstag SS. Dezember 1908

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General-Anzel-er für Oberhessen

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