die Aufstellung des Zuges erfolgt. Voraus der mit bunten Bändern und . Laubgrün geschmückte Hammel, von zwei Knaben geführt: es folgen die Knaben, die an langen Stangen die Festgaben tragen. Nun gehts, von viel Volk begleitet, zum Schloß- hvfe. Tort hat sich an den Fenstern des ersten StoLverks die gräfliche Familie versammelt. Militärisch schwenken die Sektionen um den alten Schloßbrunnen ein. Nach einem Musikstück dankt der Schützenhauptmann für die Gaben und verknüpft damit die Einladung an die gräfl. Familie, den Festplatz zu besuchen, der diese gewöhnlich am Mittag Folge leistet. Auf die Ansprache erwidert der Graf, mit einem Hoch auf die Stadt endend. Nun bewegt sich der Zug, bei dem auch Vereine mit ihren Fahnen nicht fehlen, zum Festplatz. Bietet sich dem Auge schon hierdurch ein buntes Bild, so erhöht sich dieser Eindruck noch dadurch, daß sämtliche Teilnehmer Blumenschmuck tragen, der Schützenhauptmann und die Führer durch breite grüne Schärpen und mächtige Säbel sich auszeichnen und voran in altdeutscher Landestracht mit Solmser Farben (blau-gelb) gekleidet nebst ihren mächtigen Scheiben die beiden Zeiger schreiten.
Mährend auf dem Festplatz sich bald ein munteres Treiben entwickelt, knallen auf drei Scheibenstäirden im Wetteifer die Schützenbüchsen. Gut wird geschossen, hat man doch während des ganzen Jahres fleißig geübt. Manchmal bringt jedoch auch der Zufall dem Glücklichen ein „Blättchen". Diese werden am Abend genau ausgemessen und bald verkünden brausende Hochs das Re- lultat. Nun werden mit Musikbegleitung den Gewinnern die Gaben überbracht. Vor dem Hause des Hammelgewinners verweilt die Menge länger und ruft:
„Wir gehen nicht eher von dem Haus,
Bis der Hammel guckt zum Fenster heraus."
Tas geschmückte Tier muß dann sein Haupt am Fenster zeigen.
Tanz unter einer großen Linde, sowie Festbälle bieten sich für die Jugend. Auch für Kinder hat das Festkomitee durch Volksspiele, wie Hahnenschlag, Sack- und Wettlaufen gesorgt.
Tas Ausschußfest bildet eine Hauptanziehungskraft nicht nur für die Bewohner der Stadt, sondern auch für die der 'Umgegend, ja bis über den Ozean hinüber: wer einen Besuch in der alten Heimat abstatten will, richtet sich dafür so ein, daß er in die Zeit des Volksfestes fällt.
So ist das eigenartige Volksfest vier Jahrhunderte abgehalten worden; so wird es in diesem Jahre in Gegenwart des Grafen Wilhelm stattfinden.
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 2. Juni. Zwei Zechkumpane.
Ein G a st w i r t in Aliendorf a. d. Lumda hatte Veranlassung, vor einiger Zeit gegen den Taglöhner K. R. wegen Hausfriedensbruchs vorzugehen, was auch dessen Bestrafung nach sich zog. Trotzdem ihm der Wirt für die Zukunft das Lokal verboten hatte, ging er kürzlich mit dem Landwirt H. W. doch in die Wirtschaft. Schon bei der Bedienung durch den Wirt singen sie mit Stichelreden an, und als dieser sich daran nicht kehrte, schlug R. mehrfach mit seinem Stock auf den Tisch, weshalb ihn der Wirt zu anständigem Betragen ermahnte. Da die Aufforderung nichts fruchtete, verlangte der Wirt Zahlung der Zeche und verwies beiden das Lokal. R. behauptete, er habe mit einem Markstück befahlt und verlangte den Rest Geld heraus. Er hatte zuvor ein Markstück auf den Disch gelegt, das W. aber wegnahm, ohne daß cs der Wirt sah. R. geriet mit dem Wirt in ein Handgemenge, bei welcher Gelegenheit er auch mit einem Stuhl nach dem Wirt warf, ohne ihn aber zu treffen. Als die Gäste die Streitenden trennen wollten, trat W. dazwischen; auch machte er eine Trittbewegung nach dem Wirt, ohne jedoch zu treffen. Ter Wirt, der Verletzungen chavongetragen hat, die ärztliche Hilfe beanspruchten und eine dreitägige Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatten, erhob Anzeige. R. berief sich auf Notwehr und behauptete, der Wirt habe ihn angegriffen, während W. angab, er habe sich an der Sache überhaupt nicht beteiligt. Tas Schöffengericht sprach W. frei, da er gegen den Wirt nicht tätlich geworden ist, dagegen wurde R. zu 30 Ml. Geldstrafe verurteilt. Bezüglich der vom Wirt für entgangenen Verdienst und ärztliche Behandlung, sowie Schmer- 'zensgeld verlangten Buße sollte das Zivilgericht entscheiden. Der Wirt als Nebenkläger und R. fochten das Urteil an, so daß die Sache erneut verhandelt werden mußte. Für das Berufungsgericht bestand kein Zweifel, daß beide Angeklagte in der Absicht mit dem Wirt streit anzufangen, das Lokal besuchten, uiib 'daß die Manipulation mit dem Markstück vorgenommen wurde, um einen Grund zum Streiten zu bekommen. Es stand für das 'Gericht fest, daß W. in den Plan des R. eingeweiht und er ibamit einverstanden war, daß der Wirt mißhandelt wird. Da unter diesen Umständen der Tatbestand der Beihilfe gegeben ist, wurde W. zu 30 Mk. Geldstrafe verurteilt. Die Strafe des R. wurde auf 50 Mk. erhöht und dem Verletzten eine Buße von 80 Mk. zugesprochen, für die beide Angeklagte solidarisch haften.
Ein Wüstling.
Gegen den Steinbrucharbeiter I. S. von Neustadt (Kreis Kirchhain, wurde unter Ausschluß der Oessentlichkeit wegen Sittlichkeitsverbrechens verhandelt. Nach dem Urteil hat er sich zu Alsfeld an einem noch schulpflichtigen Mädchen vergangen und die Schwester des Kindes, die ebenfalls noch schulpflichtig, in einer Steinbrecherbude in der Nähe Alsfelds mißbraucht. Es lagen drei Fälle vor, von denen der eine mit 9, die beiden anderen ,mit je 6 Monaten Gefängnis geahndet werden sollten, woraus eine Gesamtstrafe von 1 Jahr 3 Monaten gebildet wurde, und worauf 3 Wochen Untersuchungshaft in Anrechnung zu bringen sind. Gleichzeitig wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf
5 Jahre abgesprochen.
Ein Heilkünstler.
Dem früheren Lehrer Ph. S. zu O b e r - S e e m e n ging ein Strafbefehl über 20 Mk. unter der Beschuldigung zu, daß er Arzneimittel verkaufe, ohne der Ortspolizeibehörde die vorge- 'idjriebenc Anzeige über seine Verkaufs-, Vorrats- und Arbeitsräume zu machen, bezw. einen Lageplan einzureichen. Auf seinen
Einspruch stellte das Schöffengericht fest, daß der Angeklagte sich eines guten Zuspruchs als Heilkundiger erfreut und dieses Geschäft deshalb den Lehrerberuf vorzieht. Den Patienten, denen
er die Medikamente verabfolgt, erklärt er, es koste nichts. Festgestelltermaßen bekommt er aber in Fällen, wo der Arzt 1 Mk. nimmt, 2 bis 3 Mk. Das Schöffengericht gelangte zum Freispruch, da die betreffende Verordnung nur den Verkauf der Arzneimittel, nicht aber die unentgeltliche Abgabe dieser verbietet, und der Angeklagte diese abgibt, ohne zu wissen ob bezw. was er dafür bekommt. Diese Entscheidung wurde von der Staatsanwaltschaft angefochten, da sie annahm, der Angeklagte bezwecke nur die Umgehung des Gesetzes mit der Unterlassung der Anzeige, andernfalls er unter Kontrolle des Kreisgesundheitsamts gestellt würde, was er vermieden haben will. DaS Berufungsgericht hielt 'ben Angeklagten für verpflichtet, die Anzeige über seine Gewerbe zu erstatten und einen Lageplan seiner Räume einzureichen, ba selbst der Arzt, der Medikamente abgibt, zur Einreichung eines Lageplans verpflichtet ist. Der Angeklagte wurde deshalb zu der im Strafbefehl angesetzten Strafe verurteilt.
Zu spät bezahltes Oktroi.
Ein hiesiger Jagdpächter, welcher vielfach das von ihm erlegte Wild an die Wildbrethändlerin Ww. K. hier abgibt, ohne jedoch ein Abkommen mit ihr getroffen zu haben, wurde telephonisch von dem Diener des Jagdpächters in Kenntnis gesetzt, daß
12 Hasen mit der Bahn ankämen. Die Frau erklärte sich bereit, das Wild zu nehmen und erbot sich auch, das Oktroi dafür zu entrichten. Da es Samstag abend Ivar und der Diener annahm, bas Wild würde der Frau am Sonntag nicht verabfolgt werden, ließ er es noch am nämlichen Abend in feinen Keller bringen mnd lieferte es am anderen Tage der Wildbrethändlerin aus. Diese versäumte die Zahlung des Oktrois und mußte mehrfach aufgefordert werden, bis endlich nach Verlauf eines Monats Zahlung der 72 Pfg. erfolgte. Ter Oktroierheber erstattete Anzeige, und da angenommen wurde, die Zahlung wäre absichtlich in die Länge gezogen, erhielt Frau K'. einen kreisamtlichen Strafbescheid über ben zehnfachen Betrag also 7.20 Mk. Aus Einspruch erkannte das Schöffengericht aus eine Ordnungsstrafe von 3 M., da
nach seiner Ansicht nur Fahrlässigkeit vorgelegen habe. Auch hiergegen erging Anfechtung unter Berufung auf das Oktroireglement, nach dem oktroipflichtige Gegenstände, die vor den Stadttoren bleiben, nicht in die Hofreiten eingeführt werden dürfen, ehe das Oktroi entrichtet ist. Im vorliegenden Falle wäre der Diener des Jagdpächters verpflichtet gewesen, das Oktroi erst zu bezahlen, bevor er die Hasen in seinen Keller verbracht hat. Das Urteil wurde deshalb aufgehoben und die Angeklagte freigesprochen.
Gerrchtssaal.
— Tic Briefe Peter Gasts. Aus Jena wird gemeldet: In dem Prozeß des Schriftstellers Bernoulli und des Verlagsbuchhändlers Eugen Diederichs in Jena gegen den Mitarbeiter am Nietzsche-Archiv, Peter Gast (Heinrich Köselitz) auf Aufhebung der einstweiligen Verfügung, durch die eine Veröffentlichung der Briefe Peter Gasts an Overbeck im zweiten Bande von Bernoullis Werk „Franz Overbeck und Friedrich Nietzsche, eine Freundschaft" bei 2000 Mk. Geldstrafe untersagt wird, wurde die von Bernoulli und Diederichs gegen das abweisende Urteil des Landgerichts Weimar eingelegte Berufung verworfen, weil über den Briefwechsel Overbecks mit Peter Gast aus dem Jahre 1901 ein Vertragsverhältnis vorliege, demzufolge die Veröffentlichung der Briefe gegen die guten Sitten verstoßen würde. Der Entschädigungsanspruch Peter Gasts wurde als berechtigt anerkannt.
$ o cf) u in, 1. Juni. Ter Redakteur Sleinkamp vom sozialdemokratischen „V o l k s b l a t t" ist heute von der Straskammer wegen Beleidigung des Kriegsministers v. Einem zu einem Monat Gefängnis oerurteilt worden. Die Beleidigung wurde gefunden in einem Artikel über die Antwort des Kriegsministers im Reichstage über die Lynar-Eulenburg-Affäre.
Universitäts-Nachrichten.
Heidelberg, 2. Juni. Zum ersten Male ist hier eine Dame, die Studentin Schulz, ginn Doctor juris promoviert worden. Die Disiertation lautete: „lieber den Strafrechtsschutz des Kindes".
— Der amerikanische Aerztetag in Chicago nahm gegen die sogen. D i p 1 o m f a b r i k e n- Stellung. Es nnirde die Einleitung einer staatlichen Aktion gegen diese „Hochschulen" gefordert, deren Graduierte, wie auf dem Kongreß behauptet wurde, in 20 von 100 Fällen sich als durchaus unfähig zur Ausübung der ärztlichen Praxis erwiesen.
Vermischtes.
* V o m W e 11 e r. In Berlin sind durch die glühende Hitze der letzten Tage erhebliche Schäden herbeigeführt worden. In °der Friedrichstraße und Unter den Linden brachen mehr als zehn Personen zusammen. Der Bureau- gehilse Alfred Krüger verfiel, von einem .Hitzschlag getroffen, in Irrsinn. In einem Straßenbahnwagen starb ein älterer Kaufmann infolge Hitzschlages. Auch in den Anlagen des Forckenbeck-Platzes starb ein unbekannter Mann am Hitzschlag. — In Regensburg ist der Domkapitular Leitner vom Hitzschlage betroffen worden. Er war sofort tot. — Ein Unwetter hat in ganz Belgien, besonders in Flandern, Schaden angerichtet. In Bürget wurde ein Mann vom Blitz erschlagen, in Hamme zwei Personen vom Blitze getroffen, aber nur leicht verletzt. Zahlreiche Wohnhäuser wurden durch Blitzschlag in Brand gesetzt. — In Barmen entstand durch Blitzschlag im Umschalteraum des Telephonamtes Feuer, das aber bald gelöscht wurde. Ungefähr 600 Anschlußleitungen wurden zerstört und etwa 20 Fernleitungen gestört. — Schwere Hagelwetter richteten in München und Umgebung Schaden an. Auch über dem Saaletal gingen, tote aus Jena berichtet toird, schwere Gewitter mit Hagel nieder. Die Ernte ist dort vielfach vollständig vernichtet.
* Heber einen glänzenden Polizeikniff wird dem „Berl. Börsen-Eourier" aus New-Port geschrieben: „In der hiesigen „New-Porker Staats-Zeitung" stand vor einigen Tagen folgende Annonce: „Anwalt, vertraut mit der österreichischen Handelsgesetzgebung, verlangt für das Auslandsdepartement einer Rew-Porker Bank. Volle Qualifikation angeben. „Bank, Box 220", Staats - Zeitung." Tiefe Annonce bildete die Leimruts, an der sich der Gesuchte auch tatsächlich fing. Eine Flist von Anworlschreiben auf diese Annonce bewies, daß es in New - Pork eine merkwürdig große Anzahl beschäftigungsloser österreichischer Anwälte gibt. Der Aufgeber der Annonce sah die Briefe durch, doch interessierten ihn keineswegs die Mitteilungen der Antwortenden, sondern nur die Handschrist. Brief auf Bries wurde weggeworfen, bis er endlich eines der Antwortschreiben triumphierend hochhielt: „Das ist er!" In Begleitung eines Detektivs ging der Herr zur betreffenden Adresse und erklärte dem Rolf Stuften: „Sie sind nicht Rolf Austen, sondern Dr. Fochler, Exreichsrats-Mitglied und Notar aus Wien, der mir 10 000 Dollars veruntreut hat." Der Slnfläger, der Herr, welcher die Annonce aufgegeben hatte, ist der Priester Raphael Felix GuilenSki, der bis vor wenigen Jahren Rektor der St. Casimirkirche in St. Louis gewesen war. In seiner Anklage führte der Priester aus, daß er im April 1906 in Wien seinem damaligen Rechtsbeistand Dr. Kart Fochler amerikanische Wertpapiere im Gesamtwert von 20 000 Dollars übergeben habe, von denen der Anwalt ihm nur 10 000 Dollars zurückgab, indem er geltend machte, daß er die restlichen 10 000 Dollars als seine Gebühren beanspruche. Als die Wiener Gerichte gegen Dr. Fochler entschieden hatten, fei dieser verschwunden und im Februar d. I. in New-Port aufgetaucht. Der Priester kam vor einem Monat hierher, um die Nachforschungen nach Dr. Fochler selbst zu betreiben. Der von der Zentrale der hiesigen Polizeidirektion mit der Aufarbeitung der Angelegenheit betraute Detektiv verfiel auf den Gedanken, die erwähnte Annonce in die „Staats-Zeitung" einrücken zu lassen und das SJlittel erwies sich als probat. Dr. Fochler brachte sich hier als „Kapellmeister und Klavierspieler" int Gasthaus „Zum Schwarzen Slbler" durch, woselbst sehr volkstümliche Ausgaben Wiener Operetten gegen billiges Eintrittsgeld geboten wurden.
Kleine Tageschronik.
Tie Sperre des Berliner städtischen Vieh - und S ch l a ch t h o f e s , die wegen Ausbruchs der 9)1 a u l - und Klauenseuche am Samstag erfolgte, blieb auch für den Markt am Dienstag bestehen. Es erscheint sogar zweifelhaft, ob für den nächsten Samstag die Aufhebung der Sperre wird erfolgen können.
In Berti n stieß ein Eisenbahnzug mit einem Straße nbahnzuge zusammen. Der Anhängewagen des Straßeubahnzuges wurde beschädigt. Zwei auf der Hinteren Plattform stehende Personen wurden schwer verletzt.
Beim G r a s m ä h e n in Gerwisch bei Magdeburg wurde dem Landwirte Höpfner von seinem Sohne, der mit der Sense ausglitt, der Leib ausgeschlitzt, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat.
In Essen (Ruhr) gab der 23 jährige Elektromonteur Walter Schütze wegen verschmähter Liebe auf das 18 jährige Dienstmädchen Johanna Schönfeld sechs Revolverschüsse ab, die das Mädchen des Augenlichts beraubten und noch andere lebensgefährliche Verletzungen beibrachten. Das Mädchen starb auf dem Wege zum Arzt. Ter Täter wurde verhaftet, nachdem ihm herbeigeeilte Männer eine Tracht Prügel verabfolgt hatten.
In Appollinieke (Wests.) wurde das jüngste Kind des Maurermeisters Baumhosf mit durchschnittenem Hälse in der Wohnung anfgefunden. Die Mutter hatte die grausige Tat in geistiger Umnachtung begangen.
Auf der ^okalbahnlinie Wien—Mödling stieß ein Personen- zug mit eine m Güterzng zusarn m e n. Zwei Personen wurden t ö 11 i ch , 14 schwer und eine 'Anzahl leichter verletzt.
In L o n d o n sind 700 Geheimpolizisten auf der Sache nach dem 'Mörder des siebenjährigen AI ä d ch e n s, dessen gräß- 11 ch v e r st ü mme11e Leiche in einem Abort gefunden wurde. Die Polizei entdeckte die Schürze, die blutbefleckten Schuhe des
ermordeten Kindes und einen Teil des Schulranzens. Das Pani • in dem Leichenteile eingewickelt waren, ist in der Nähe von ^ondn' gekauft worden. Nach dem Käufer, dessen Signalement genau QvX gegeben werden konnte, wird eifrigst gefahndet.
Ein Opfer der belgischen E i s e n b a b n - ft a t a ft r o ü h f der Handlungsreisende Anton Lilly, ist seinen Verlelmnaeu I nach feiner Ankunft in Brüssel erlegen.
Am 2. Juni entstand in Vigneux bei Paris -wische streikenden Steinbrucharbeitern und Gendarmen, die die am Strei" nicht beteiligten Arbeiter in Schutz nahmen, ein Handoemena wobei die Gendarmen umzingelt wurden und gezwungen wäre" von ihrer Waffe Gebrauch zu machen. Ein Streikender routb» getötet, sechs wurden verwundet, davon einer schwer.
In Paris erhängte sich der 25 jährige, einer Berliner Fainili- entstammende, mit Vorliebe grauenhafte Sujets behandelnde K u „ ft. maler Otto Wregels in seiner Wohmmg.
Im s v a n i s ch e n Senat brachte der Justizminister eine Gesetzesvorlage ein, nach der das Duell a b g e s ch a f f t werden und an dessen Stelle ein Zivil-, bew. ein ehrengerichtliches Verfahren treten soll.
Sport.
— Fußball. Am 30. Mai 1908 spielte der Gießener Fußballklub „R e a l g y rn n a f i n m" gegen den Fu ßb all- flub „Gym nasium" in 2 auba ch. „Realgymnasium" schnürte seinen Gegner völlig ein und konnte durch cm schöne? flaches und uneigennütziges Spiel einen Sieg von 13:1 Toren erringen. Die Torzahl hätte noch beliebig erhöht werden können.
E 5 nge j a n ö t. “ ~
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artil ' übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keiner! i Verantwortung.)
Die Orts- und Kreisstraßen in Steinberg fi„ - schon seit Wochen dermaßen mit Deck material belagert, dran vielen Stellen kaum noch eine Wagenspurbreite passierbar is Da am zweiten Pfingstfeiertage ein nationaler Gesangswettstrc - hier abgehalten tvird, mo mehr als 20 Vereine am Festzuge sic- beteiligen, ist man hier ganz erstaunt, warum die Behörde nictr für Einwalzung der Kreisstraße Sorge trägt. Alle Anfragen mr Gesuchc des festgebenden Vereins sind bis jetzt erfolglos gebliebcr Warum? Vielleicht geben diese Zeilen der Behörde Anlaß zur jo= fertigen Abstellung dieses Mißstandes.
Märkte.
Gieße«, 2. Juni. Marktbericht. 9hif heutigem SBocbeu- marfte ko stete: Butter pr. Pfd. 1.20—1.25 Mk., Hühnereier 1 S. 6—7 Pfg., Käse pr. St. 6—8 Pf., Käsematte 2 St. 5—6 PL, Erbsen p. Pfd. 18—24 Pfg., Linsen v. Psd. 25—40 Pfg., Taube pr. Pr. 0,80-1,00 Mk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Mk.,' öa()ne d;. Stück 0,80—1,80 Mk., Gänse pr. Pfd. 00—00, Enten pr. Stück l,8ü bi§ 2,20 Mk., Ochsenfleisch vr. Pfd. 76—84 Pfg., flub- und Rindfleisch pr. Pfund 74—76 Pfg., Schweinesleisrh
pr. Pfund 60—76 Pfg., Schiveinefleisch, gesalzen, pr. 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 70—80 Pfg., Hammelfleisch pr. PK. 70—84 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6.00—7.00 Mk., Zwiebeln vi_ Ztr. 8,00—10,00 9)1 f., Milch per Liter 20 Pfg., Weißkraut vti. Stück 0—00 Pfg., per Zentner Alk. 0.00—0.00. — Aepscl per Zk. 10—25 Mk., Birnen per Ztr. 10—25 Mk. Nüsse 100 Stück 50-Oj Pfg., per Ztr. 0-00 Mk. Marktzeit von 7—1 Uhr.
der Redaktion.
lAnouyme Anfrage« bleiben unberücksichtigt.»
Abonnent B. hier. Ihr „Frühlingswunsch'< ist ganz wo! gelungen und wäre zum Abdrucke geeignet, wenn sich nicht in b:.- 3. Strophe eine leicht mißzuverstehende, nicht glückliche Wendungfä'nbc,. die Anstoß erregen müßte.
Meteorologische Beobachtungen
der Stativ« Gieße«.
Juni
Barometer auf 0° reduziert
6
%
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Windrichtung
Windstärke
Wetter
1908
2.
2»
748,4
23,8
14,0
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Bed. Hinnnel
2.
9’* * * * 5 6 * * * * * 12
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18,0
12.9
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NNE
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Bew. Himm-V
3.
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750,4
17,1
11,8
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Sonnenschein
Höchs
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. bis
2. Jun
— 4
25,9 ° C.
Niedrigste
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= 4- 16,9 ° C.
Teteionäsche Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der und Industrie, Giessen.
Frankfurter Börse, 3. Juni, 1.15 Uhr.
Beichsanleihe . . 91.951 Elektriz. Lahmeyer .
3% do. . . 83.10 3^0/o Konsols .... 91.95 3% do.....83.10
3%°/o Hessen.....90.65
3*^°/0 Oberhessen . . . 92.00 4% Oesterr. Goldrente. . 91 05 4‘/6% Oesterr. Silberrente 99.10 4% Ungar. Goldrente . . 93.85 4% Italien. Rente . . . 104.30 3% Portugiesen Serie I . 62.90 3% Portugiesen „ III 64 00 4^°/0 russ.Staatsaul. 1905 95 75 4%°J0 japan. Staatsanleihe 89.90 4% Conv. Türken von 1903 — .— Türkenlose ...... 150.00 4% Griech. Monopol-Aul. . 51.40 4% äussere Argentinier . 87.00 3°/0 Mexikaner . . . 66.80 4 >5% Chinesen .... 97.10
Aktien:
Bochum Guss.....212.70
Buderus E. W.....110.50
Tendenz: fest.
llaudrU
. 119. W) , 107.300
Eschweiler Bergwerk . . 203 <> Gelsenkirchen Bergwerk . 187.6’. Hamburg-Amerik. PaketL 110.W0 Harpener Bergwerk. . . 195.51 Laurahütte...... 209. i>n
Nordd. Lloyd . . . . . 94.511 Obeischles. Eisen-Industrie 97.6'. Berliner Handelsges. . • 160.7 g Darmstädter Bank . . . 124.0" Deutsche Bank .... 2315 '. Deutsch-Asiat Bank . . 137..'j Diskonto-KommandiL . • 174-'; Dresdner Bank .... 138.-)0 Kreditaktien.....19Ö.0I.
Baltimore- und Ohio-
Eisenbahn.....89.0
Gotthard bahn.....
Lombard. Eisenbahn . . 26: Oesterr. Staatsbahn . . • 147J* Prince-Heuri-Eisenbahu ■ Hb«" •
Bank für
Elektriz. Sclmckert .
Berliner Börse, 3
Oanada E. B......157.70
Darmstädter Bank . . . 124.10
Deutsche Bank .... 231.50
Dortmunder-Union C. . . 59.00
Dresdner Bank . . . 138.10
Kurse von gestern. — Wegen
Juni. Anfangskurse.
Harpener Bergwerk. . • Laurahütte .....
Lombarden E. B. ... 2°. ■
Nordd. Lloyd.....«ft:
Türkenlose ...••• en Landtagswahlen die Berliner
Börse heute geschlossen.
Die englische Krankheit der Säuglmge bewirkt, befonbtv- bei nicht rationeller Ernährung, sehr oft ein bedeutendes bleiben der Entwickelung der Arme uno Beine im Verhältnis - dem großen Kopse. Durch die Ernährung mit „ftnfctc u • Kuhmilch kann man die Entivickelung der Knochcnbildung uno Mnskelsteisches aufs günstigste beeinflussen. . ..
nach Mass.
Erstklassige Verarbeitung. Tadelloser Sita.
Grosses Stofflager. a11/»


