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betrieben, Heizung, ReshaurationSauMge, Rohrpost u)tv. ^edes Jnstituismitglied hat drei Räume — die Zahl der Mitglieder beträgt 46 — zur Verfügung, die an englischem Komfort — felbst ein Baderaum fehlt nicht — nichts zu wünschen übrig lassen. Der glücklichste Teilnehmer der Einweihungsfeier war wohl Lubm. Vor Monaten harte man noch gegen intriguiert und einen anderen an seiner Stelle als Vertreter der Vereinigten Staaten nach Rom schicken wollen. In letzter Stunde ward er jedoch gewählt.
pelHndte Tagesschau.
General RedverS Buller ?•
General Buller, der zu Anfang des Burenkcieges Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte war, ist gestorben. Sir Redvers Henry Buller war 1839 geboren und trat 1858 in die englische Armee ein. Er nahm an einer ganzen Reihe von überseeischen Feldzügen mit Auszeichnung teil; den Oberstenrang erwarb er sich im Kriege gegen die Zulu- kaffern 1879, den Rang als Generalmajor 1884 wegen seiner
Der Laubacher Ausschuß.
Eine Vierjahrhu udertseier. Nachdruck verboten.
— Der Rhein-Mainische Verband für Volksbildung hielt am 24. Mai seine Jahresversammlung unter Vorsitz von Dr. Kobelt in Frankfurt a. M. ab. Die Versammlung nahm mit Interesse von den inneren und äußeren Fortschritten des Volks- bildungswesen im Rhein-Main-Gebiete Kenntnis und war bann einig, daß es möglich und notwendig sei, die geistige Hebung^imseres Volkslebens unter Ausschluß politischer und koniesstoneller Londer- zwecke zu betreiben. Ter Verband zählt jetzt 135 körperschaftliche und 500 persönliche Mitglieder, die sich über Hessen, Nassau und die benachbarten Gebiete verteilen. Die Zentrallehrmittelstelle, namentlich die reiche Lichtbilbersammlung, und bie in Begleitung geschulten Personals hinauszugebenden Lichtbilderapparate unterstützen namentlich die Vortragstätigkeit. Das V erb a n d s t h e a t e r , das im letzten Winter an 50 Orten klassische Dramen zur Aufführung gebracht hat, kann als gesicherte Einrichtung ange- sehen werben und hat durch einen von (yranffutlet Bürgern gestifteten Kostümfundus eine wesentliche Stärkung erfahren. Die Einrichtungen des Verbandes haben es fogar ganz kleinen Orten ermöglicht, erstklassige Vortragende über neuere Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung zu hören. Außerdem fanden Volksunterhaltungsabende nach einheitlichen Programmen und uuter Mitwirkung anerkannter Künstler beste Aufnahme, eie wurden als ein vorzügliches Mittel zur Einführung der Volks- bildunasarbeit an solchen Orten erkannt, wo sie auf anbcre Weife nicht emzuführen war. Auch die heimatkuiiblichen Spaziergänge, die Diskussionsabende und bie Kunst-Wanderausstellungen mit dem Bildermaterial des Verbandes fanden an vielen Orten Eingang und Pflege. DaS vom Chemiker Dr. Robert Kahn erstattete Referat übe - das volkstümliche Vortragswesen nach Ausgabe, Inhalt und Riethode gab vielfache Anregungen iür bie kommende Winler- arbeit. Der Vortrag ging sowohl aui ländliche rote auf städtische Verhältnisse ein und nahm auf die im Vortragswesen zu berucf- sichligenbe, Stoffgebiete nach den verschiebeliiteii Seiten hin Rücksicht. Ein' Anregung zur Förderung der aügenieiiieii Volks- bildunLsarbeit gab bie Versammlung durch den Beschluß, im Herbst
1909 einen allgemeinen deutschen Kongreß zur wissenschaftlichen Er- örternng des Volksbildungsroesens einzuberufen.
— Hi st arische Kommission iür Hessen und Waldeck. Aus 'JJI arburg wirb uns geschrieben: Die elfte Jahresversammlung der Kommission für Hessen und Waldeck fand dieser Tage im Senalssaale der Universität zu M a r b u r g statt. Neben den in Marburg ansässigen Patronen und Mitgliedern waren von auswärts u. a. eingetroffen: Pfurrer D. Dr. Diehl und StaatS- archivar Dr. Dieterich, Darmstadt; die Oberlehrer Dreher unb Helmke, Friebberg; Privatdozent Dr. Vogt und Regterungsrat Weicker, Gießen; Akademielehrer Zimmermann, Hanau. Ter Vorsitzende Prof. Frhr. von ber Ropp gebüchte der im verflossenen Berichtsjahre verstorbenen Mitglieder Geh. Hofrat Dr. Manuel, Arolsen, Sanitätsrat Dr. Schwartzkops, Kassel, unb Prof. Dr. Suchier, Hanau. Auf den Vorschlag des Vorstandes wählte bie Versammlung zu Mitgliedern: Oberlehrer Dreher, Friedberg; Prof. Dr. Rachfahl, Gießen; Archivar Dr. Rosenfeld, Marburg; Paivatdozent Dr. Stengel, Marburg; Oberbürgermeister Troje, Marburg, unb Prof. Dr. Friedrich Wolf in Berlin. Die Rechnung des Schatznieisters, Geh. Archivrats Dr. Könnecke, war von Geh. Regierungsrat Dr. Hartwig und Direktor Dr. Krade geprüft worben und ergab eine Einnahme von 14 624 Mk. gegenüber einer AuS- gäbe von 6721 Mk. Der Kassenbestanb wird voraussichtlich ui Kürze aufgezehrt werben, ba verschiedene Unternehmungen sich dem Abschluß nähern. ~
— Das Juniheft der „Neuen Rundschau" (S. Nscher, Verlag, Berlin) bringt unveröffentlichte Briefe von Richard Wagner, die an verschiedene Adressen gerichtet sind. Karl Schesfler schreibt unter dem T'tei „Kommandierte 3teale' einen sehr lesenswerten, durchaus das Rechte schlagkräftig treffenden umfassenden Essay über gewisse kulturpolitische Zustände in Deutschland, die sich durch die scharfen Konflikte -wischen der Berliner Regierung und einem Teil des Volkes herausgebildet haben. Karl Jentsch schreibt eine gedankenvolle Abhandlung über die Konfessionen in Deutschland. Willi Handl verbreitet sich über daS Verhältnis des Schau Spielers -u seiner RassMabftammung Jawb Schaffner hat eine feine Sttüne über das Wandern. Oskar Bie schreibt über Ausstellungen. Theodor Barth liefert die ständige politische Chronik. Arthur Schnitzlers großer Wiener Roman „Der Weg ins Freie" wird beendigt. Erne Reihe von Novell Gedichten und kurzen Skizzen stillen das übrige Heft. . . , . .. .
- Kieme Kunsichiouik. In Dresden ist Anna Yao erlaub, die einst jo gefeierte, auch in Frankfurt vor Jahren engagiert gewesene Heroine, gestorben,
glücklichen Hammelgewinners.
Schon am 3. Osterfeiertage werden die Vorbereitungen durch Wahl des Schützenhauptmanns und der 13 Hauptführer, der jeder eine Sektion in der Stärke von 20—25 Mann kommandiert, getroffen Diesen liegt die Pflicht ob, die Zurüstungen für das Fest, das an demjenigen Montag ftattfinbet, der dem 15. Juni zunächst liegt, zu treffen. Hierzu gehört der Ankauf von etwa einem Dutzend Gaben, wie Kleiderstoffe, Bücherranzen, Regulatoren und dergleichen, die herauszuschießen sind. Altem Gebrauche gemäß schenkt der Graf den Hammel, die Gräfin die Hammelsgabe, bestehend in dem Stoff zu einem Tamenkleide.
Am Vorabend wird der Ausschuß angetrommelt, und wahrend der Nacht bringt die Ausschußmusik, die bereits am Sonntage konzertiert hat, in den Straßen der Stadt ein Ständchen. Vom Festplatze, der außerhalb der Stadt auf der sog. „Hellenwiese" gelegen ist, bewegt sich ein Festzug, dessen Spitze eine Schar weißgekleideter geschmüctter Mädchen ziert, zum Marktplätze, wo
polizeilich aufgelöst, als der Dekan Ta sch erklärte, er halte sich des Mordes für fähig, falls er als Besitzer enteignet würde.
Der Großherzog von Baden reiste gestern um 3 Uhr 20 Min., die Großherzogin um 3 Uhr 55 Min. vorn Anhalter Bahnhof in Berlin ab.
Die Teuerungszulagen für die Reichsbeamten sind am 1. d. M. in Höhe von über 23 Millionen Mark (davon 21 für die Reichspostverwaltung) zur Auszahlung gelangt. Die mittleren Beamten erhielten 150, die unteren 100 Mk.
Oberstleutnant Quade. Die von einer Korrespondenz verbreitete Meldung, der Oberstleutnant Quade vom Oberkommando der Schutztruppen gedenke wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Staatssekretär des Reichskolonialamts Dernburg seinen Abschied einzureichen, entspricht nicht den Tatsachen. Die von der Korrespondenz erwähnten Meinungsverschiedenheiten haben in Wirklichkeit nie bestanden,
Deutsche Schiffbau * Ausstellung. Gestern mittag um 12 Uhr hat der Kaiser in den Ausstellungsräumen am Zoologischen Garten in Berlin die deutsche Schiffbau- Ausstellung persönlich eröffnet.
D i e K u r i e hat gegen elf katholische Geistliche Bayerns wegen modernistischer Anschauungen das kirchliche Disziplinarverfahren einleiten lassen.
tiom internationale» Institut für Ackerbau in Rom.
Rom, 1. Juni.
Vor vier Jahren schüttelten bie Regierungsleute der alten Belt den Köpf über einen jüdischen Privatmann aus Aord- oinerika, Lubin, der Propaganda für eine wiisenichaftliche Zenirat- onstatt für Landwirtschaft machte. Im Januar 190o hatte: er den König von Italien für seine Ideen gewonnen. Diktor GmaEl lud alle Staaten zu einem internationalen, landwirtfchastlichen Kongreß ein. Im Juni beweiben Jahres fand er statt. Und unwillig tarnen die Spezialgei aiidten aller (Staaten der 2L-.lt. Als die Idee auftauchte, das Projekt Lubins in Rom zu oev- nirklichen. lachte, höhnte, protestterte — bie ^anzoM ^erst die Hälfte des Kongreßes. Und König Viktor, der der L>fsentlichkeit und der Reklame avholde stille Mann hieb den Loröijchm Knoten dadurch in Stücke, daß er das künftige Institut aus seiner Privat-, schatulle mit 10 Millionen dotierte. Ter Kvngreh wm: gefchlagen Er mußte die Errichtung des Jnftttutsm Rom beichliege ^mg Viktor ging noch weiter. Er fchenkte aucy eine Million für den Bau des Jnstitutspalastes. Wiederum warde gezetert, als t>ie Regierung verfugte, daß der Palast in .^ltbnühmten klassischen Gartenpracht der Villa Borghese errichtet werden loltfc Künstler, Aestheten, Lanbfchaftsichwarmer schlugen Larm, Zeitungen des In- und Auslandes waren voll von Protesten gegen düs Attentat aus Roms schönsten Park. Man’
Gesamtwirkung geschändet und namentlich die Jahrhundert alten Pinien auf dem Hügel links vom Tor Pauls V. geopfert werden winLn Undnun?" OlUer A.ärni
Pinien dem neuen Bau weichen, aberdie^'amttmen der ^nd- schaft sind geroahri, ja der neue Palast, der im Stil deS Seicente eia Gegenstück zum klassischen Kasiiw Borghefe bildet, tragt durch tonen ta: buld) »uS«-Milien ich-mmer -ur »er-
schönerung des Bvrgh-sisch-» b«, der emst begeisterte; jedenfalls ist er eine größere Zierde ber lid)feit als EberleinS sogenanntes „schillerndes Co^thedentmal u-d dasNochschlimm-» °Likt°-.Sug°.M°nnm-ni, d°s>-m°n Ur. ipcung der französischen Eifersuchr oerdanl . stt edesi
mhia hnrnphm Ter Ausbau der Rampen, -vreppen, uarunnen oct feiner Portalhalle ist gau; int Ginne Scrntniä gehalten. Ern Mi ba7d zielt ich über dem Erdgefcho» rmgs nm die Fa|sade »ÄMgeM Seit- unUor«; M £
Wand, unb Teelenschmnck dr romifchen Sui», m. V±-ft~Ä unb Tectenmajuiüen dem Lobe ui. Xaxu-■ b 1 , '
bie Auioaoe o.c Pracht ber Revraienta'.^'^. i'.ui^ mit dji piai- nichen Förderungen derflieuzeiiin
hat der BaumeiWv glücklich Möst^ LtM WK eletmigj
Verdienste im Sudankriege. Im Jahre 1890 zum Generalleutnant befördert, wurde er im Herost 1899, als der große Krieg mit den beiden Burenrepubliken ausbrach, zum Ober- kommandierenden aller britischen Truppen in Südafrika! ernannt. Er begab sich für seine Person auf den Kriegsschauplatz in Natal und leitete die Operationen zum Entsatz der von den Buren belagerten Stadt Ladysmith. Hierbei erlitt er am 15. Dezember 1899 bei Colenso eine schwere Niederlage. Diese und die gleichzeitigen Mißerfolge der englischen Truppen im Kaplande veranlaßten die Ausstellung einer weit größeren Armee, zu bereit Oberbefehlshaber Lord Roberts ernannt wurde. Buller behielt das Kommando in Natal; die Mfreiung von Ladysmith gelang ihm aber erst, als auf dem nunmehrigen Hauptkriegsschauplatz durch den Entsatz von Kimberley und die Kapitulation Eronjes die Entscheidung zuungunsten der Buren gefallen war. Buller nahm an dem weiteren Feldzuge noch bis zum Herbst 1900 teil und kehrte dann nach England zurück. Er§ war dann eine Zeitlang Befehlshaber eines ber in der Heimat neuorganisierten Armeekorps; persönliche Streitig-. feiten, die auf sein Verhalten im südafrikanischen stststege zuruckgingen, veranlaßten aber bald seinen Rücktritt.
Ausland.
Das italienische Parlament wird Ende dieses Monats in die Ferien gehen. Der mit der Prüfung des Gesetzentwurfes betr. die Gewährung des Stimmrechtes an die Frauen beauftragte Ausschuß befürwortete eine Lösung ber Frage in für bie Frauen günstigem Sinne.
Die Königin von Spanien sieht im Laufe dieses Monats einem freudigen Ereignis entgegen.
Abberufung des Grafen Monts? Ter „Messa- gero" bringt die anderlveitig nicht bestätigte Nachricht, daß die Abberufung des derzeingen deutschen Botscyasters in Rom, Graf Monts, bevorstehe. Der Kaiser soll nach dem genannten Blatt mit der Amtsführung des Grafen unzufrieden sein, weil er in letzter Zeit mehrere diplomatische Niederlagen erlitten habe, u. a. auch deshalb, weil er nicht j zustande zu bringen vermochte, daß Königin Helena der Begegnung in Venedig beiwohnte.
Die deutschen Schutzbefohlenen in Marokko. Auf Grund von Nachrichten aus Fez vom 29. Mai meldet die „Agenee Havas", die eingeborenen deutschen Schutzbefohlenen feien in feiner Weise belästigt und auch nicht gezwungen worden, höhere Steuern zu zahlen. Muley Hasid befahl seinen Vertretern in Fez, für die Sicherheit der deutschen Schutzbefohlenen Sorge zu tragen. Der Bruder Buchta ben Bagdalis wurde in Ketten nach Mekines gebracht, dann aber freigelassen und in seine Aemter wieder eingesetzt.
Präsident Falliöres wird im Laufe des Juli dem Zaren in Peteryof einen Besuch abstatten. Das Gerücht, das Zarenpaar komme im Juli nach Darmstadt, ist unbegründet.
Deutsches Resch.
Polnisches. Der „B.rl. Lokalanz/' meldet aus Posen: kine Wahlversammlung des Zentrums in Fraustadt wurde
Nr. 129 Erstes Blatt 1S8. Jahrgang Mittwoch 3. Juni 1808
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Aus L a u b a ch wird uns geschrieben:
Genau läßt sich der Anfangsdatum der schon feit Anfang deS 16. Jahrhunderts jährlich im Juni ftattfinbenden Feier des Laubacher Ausschußfeftes nicht bestimmen. Es soll die guten Beziehungen zwischen dem gräflich SolmS-Laubacher Hause und ber Stadt bezeugen. Die älteste vorhandene Gedenkmünze weist die Inschrift: „Der Borenschytzengescllschaft", mit der Jahreszahl 1540 aus. Jedenfalls fällt die Entuehuna des Fest,' Zeit und der Name „Ausschuß" n a ch der Zeit, als di Standesherrschaften einen „Landesverteidigungsausschuß" zu stellen hatten, zu dessen Einübung ein Hauptmann bei den Standesherren in Büdingen, Münzenberg, Lich, Laubach usw. herumreiste. Wer bei dem Probeexerzieren seine Sache am besten machte, dem spendete der Graf einen fetten Hammel. Als dieser „Ausschuß" ein ging, wurde die Sitte, dem besten Schützen einen Hammel zu schenken, beibehalten, und der Name übertrug sich auf ein damit verbundenes Schützenfest. 1540 stiftete Graf Friedrich Magnus ein silbernes Gedenkzeichen mit einer kleinen silbernen Büste. Aus unbekannter Ursache blieben nur der Ring und die silberne Schützenbüchse erhalten; die in ersterem enthaltene Münze ging verloren, bis 1893 Graf Friedrich sein Bildnis als silbernes Medaillon einfügen ließ. Kleine silberne Ketten stellen die Verbindung mit 6 Münzen her, die au-, dem 17. und 18. Jahrhundert stammen, aus der Zeit, in der die reichsunmittelbaren Solms- Laubacher Standesherren ihre eigenen Goldmünzen prägen ließen. Die Reversseiten zeigen Bilder Laubachs oder umliegender Jagdschlösser, z. B. des Sorgenloses, eines seit etwa 100 Jahren an der Wetterquelle gelegenen untergegangenen Schlosses. Dieser sog „Himmelsschmuck" wird während des Jahres auf der Bilrger- meisterei aufbewahrt und bildet die Hauptzierde des jeweiligen
Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten.
(Eine Verständigung Deutschland; mit England und Zrankreich.
In der uns übenuiegenb wenig wohlwollenden Nuslandspresse macht man von je die seltsame Beobachtung, daß man selbst in besser ausgebildeten Kreisen von Deutschland nur geringe Kenntnis hat, wodurch die Fabrikation von Märchen ungemein erleichtert ist, und es ist nicht einmal immer böser Wille, wenn uns die seltsamsten Dinge nachgesagt werden, vielmehr entspringt nicht selten ein derartiges Vorgehen in der Hauptsache völliger Unwissenheit; noch weniger unterrichtet ist natürlich das große Lesepublikum und darum hat jenseits des Kanals die Hetzpresse umso leichtere Arbeit, zumal auf große Teile ber Name Deutschland wie ein rotes Tuch auf ein gewisses Tier wirkt. Umsomehr ist es anzuerkennen, wenn einflußreiche Blätter sich bemühen, aufklärend zu wirken und objektiv bie Dinge in Deutschland dar- zustellen. Namentlich hat man unsere Orientpolitik verdächtigt, speziell ist es die Bagdadbahn, bie den Herren an der Themse schwer auf den Nerven zu liegen scheint, und es verging bisher im allgemeinen kaum eine Woche, wo man nicht die abenteuerlichsten Versionen über unsere Pläne in Vorderasien lesen konnte. Es macht daher einen erfreulichen Eindruck, wenn jetzt ein so angesehenes Blatt, wie der „Daily Graphie", in einem Leitartikel jür eine anglo-französische Cooper a tion mit Deutschland eintritt. Dies würde einen eventuellen Konflikt politischer Interessen unmöglich machen. Man wünsche einen solchen weder in London noch ui Paris. Die freundschaftlichen ükiiebungeu Englands zu Deutschland, die jetzt glücklicherweise herrschten, böten Gelegenheit zu einer Besprechung. Eine Cooperation bei dieser großen Unternehmung würde ein weiteres Band zwischen den beiden Völkern bilden, das die internationale Lage noch stärker befestigen würde. Diese Worte sind von umso größerer Bedeutung, als das genannte Blatt Beziehungen zum englischen Auswärtigen Amte unterhält und daher sicherlich die Meinung des Foreign osfice wiederspiegeln. An der Loyalität unb dem guten Willen des jetzigen Kabinetts gegenüber Deutschland besteht kein Zweifel, und schwerlich mürbe, man deutscherseits gegen einen derartigen Vorschlag große Einwendungen zu erheben haben, insofern das deutsche, Interesse dabei in vollem Umfange gewahrt bleibt; bisher ist schon viel deutsches Kapital investiert worden, und dieser Umstand würde stets in Rechnung gezogen luerben müssen. Mit seiner Ansicht, daß auf solche Weise Konflikten vorgebeugt würde, hat der „Daily Graphie" vollständig recht, und gerade auf kolonialem Gebiete, wozu, ja aewissermaßen auch die Bagdadfrage zu rechnen ist, lassen sich Verständigungen am leichtesten anbahnen. Selbst mit Frankreich ist solches möglich, wie dies die Grenzregulierung in Kamerun bereits gezeigt hat, durch bie unliebsamen Zusammenstöße, wie sie sich ab und zu in jener Gegend ereignet haben, künftig fast gänzlich ausgeschlossen sind. Ebenso wäre es auch zu wünlchen, daß über Marokko ein lückenloses Einvernehmen erzielt wurde. Wir haben zwar das Algecirasabkommen, aber es liegt auf der Land, daß dieses mehr oder minder für ein Provisorium gelten muß, zumal schon jetzt durch die Vorfälle von Casablanca der Vertrag, wenn auch im Einverständnisse mit Deutschland, gelinde gesagt, nicht streng innegehalten worden ist. Deutichlaud hat be- Icächtliche wirtschaftliche Interessen in Marokko und muß daraus bedacht sein, diese in vollem Umfange zu schützen, selbst auf bie Gefahr hin, daß dies den Herren Franzosen wegen ihrer eigenen Wünsche nicht ganz genehm ist. Die tranzöfifche Jiegi^ gierung selbst hat bisher durchaus Loyalität bewiesen, bedauerlich ist nur die Haltung der Presse, deren Hintermänner in ihrem eigenen persönlichem Interesse die Volksstimmung zu beeiniluflen versuchen. Die französische Regierung scheint sich aber hierdurch richt beeinflussen zu lassen, sie hat durch Herrn Lambon im Berliner Auswärtigen Amte ihre Absichten offen darlegen lauen, imb man kann daher ber Hoffiiung Raum geben, daß man auch in dieser schwierigen Frage zu einer beiden Teilen gerecht werden- ben Lösung kommen wird. ,


