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30.11.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 28»

Zweites Blatt

Montag 30. November 1908

Erlchevu tS-Nch mit Ausnahme OtS Sonntag«.

General-Anzeiger für

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158. Jahrgang

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Das Prc s.lchlerkttrglum für das E u g e n N i ch t e r - D e n k m a l bei Hagen erkannte von 26 eingegangenen (fcntnmrfcn die beiden ersten Preise den Architekten Gustav Wenner in Barmen und beh dritten Preis den Architekten Gustav Mucke in Hagen zu. Otto Ernst hat ein neues Bühmnwerk vol­lendet. -n - - ' -

Redaktion, Ervedrtton und Druckerei: Schul« slraste 7. ErvedlNon und Verlag: 51.

9teöaftion:^5@112. Tel.-AdraAnzeigerGießen.

Die ..Gictzrner.ifamtliendlStter" werden dem ^Anzeiger' viermal wöchemlich betgelegt, das Kretiblotl für 6tu Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- tragen" erscheinen monatlich zweimal.

Er t u t t g a r t e r H o f l h e a t e r machte ..,Das Blut" von Julius Bab bei ,einer Urau-myrung euren starken, tiefgehenden Eindruck. Stefan Zweigs Trauer,pielThersites", das in der vorigen Sp-.-^cit un Berliner Kgl. Schaufpielhause seine Ut> ül-i i.-t/.ui.o crivucn iyiiie, tjni Di--.er aoer zurua gezogen wurde, nunmehr gleic./,_it,g im t>igl. Schausp.ihause in Dres- ben urw un Kgl 2i*.ater in Kassel das Lid/. der Rampen. Dem Maler Friedrich Mor^ Robb ecke zu, Berlin ist der Pro le,fortitel verliehen worDen.

Metz, eine Diözese Frankreichs?

DerOsscrra^.e öi-omuiw vom 21. 'Aovemöer bringt, so lesen wie in der D.-cvang. Korr., in vier enggcdrucklcn Spaltew eine Zusammensteilung der Kirchcngerate, welche dem Papst bei Gelegenheit seines 30 ihrigen Priesterjubiläums aus der ganzen kall)viisajLN Welt 0<S Erdreichs gcja.enkt worden sind. Sie sind in dem grosten Saale der Grogcaphß'a-cii Karlen des Vatikans ausgist ttt uiio zu bestimmten Stunden Dem Publikum zugänglich. Zuerst nennt die päpstliche Zeitung die Geschenke rom.scher Adels- icmiiien; es folgen dann die Gaben aus Oesterreich, ausPolen", aus Belgien, in nicht weniger als zwRf Avsätzen. Sodann kommt Frankreich, in einem rleincn Sätzchen von nur zwanzig Zeilen; die Diözesen von Nevus, St. Etienne, de Clamey, Tou­louse, Saint-Fleur und Reims sind die einzigen, die aufgeführt werden konnten. Indessen eine Diözese Frankrcid-s wird noch durch einen besonderen Aofd-nitt ausgezeichnet; das ist die von '.Vicßu Sie hat, so berichtet das Blatt,einen tragbaren Altar fuc Misiionace und verschiedene Paramente geschenkt, darunter ein Pluvicue mit einer ChristuSstgnr, weld-e das eucharistisä-e Brot austeilt, zur Erinnerung an den Euchar.sttschen Kongreß dost Metz" im vorigen Jahre. Die Zeitung fahrt alsdann bet: Run kommt Teulsa,tand mit einer großen Zahl von heiligen Geräten". Davon nennt sie solche aus 'Straßburg, aus München, aus Culm und Passau und berichtet dann weuer:Es folgt

datieren. Ich kam eigens von Weimar nach Dresden (das Ton- tainesd-e Stück spielt in dieser Stadt, 1790), um Sie zu sehen." Worauf Schiller antwortet:O, Goethe, Goethe, ich danke Ihnen." In dieser Tonart wird das Gespväch zw-schen den Beiden fort» gefetzt, Gocihe ergeht sich in Bewunderung F-rankreichs:Die Vernunft hat dort die Phantome zerstreut, das menschliche Herz -st groß geworden; die Nation ist einig. Ihre Corneille, Racine, Moliöre sind groß. Montesquieu ist tief; Fenelon ist göttlich. Was haben wir Aehnliches bei uns zu nennen?" Schiller findet dann sein blondes Ideal,Charlotte de Langenfeld", wieder, und verlobt sich mit ihr. Laura geht in ein Kloster. Das stück sd-ließt, nachdem Schiller ausrult:Tas furchtbare Frank­reich hat die Vergangenheit von sich geworfen. Ich will es bei seinen Anklägern rlicken, indem ich eine Jeanne d'Arc schreibe und ich werde enden mit Wilhelm Tell!" In der Vorrede zu diesem Schauspiele heißt es:Ich brauche über Schiller nichts weiter zu sagen; sein Name ist zu bekannt und hat in Deutsch- land zu viel Lärm gemacht."

Der Ssanin lonfisziert. Der Beklag Gg.Müller in München teilt uns mit: Das kgl. Amtsgericht München I hat auf Antrag der Staatsanwallsä-ast die Beschlagnahme des biomansSsanin" von A r tz i o a s cho w i n, der bei Georg Müller in München erschienenen Ueoersetzung verfügt. Zur Begründung dieser Viastnahme weist der Bcschlust aus dem über 530 Seiten stacken Bua ' auf vier Stellen hin, die besonders denunzüch­tigen Charakter dieses Romans beweisen sollen! Diese Ver­fügung must.angesichts der Tatsache, dast in dem SlomanSsanin" nicht nur ein bedeutendes Dichtwerk, sondern auch ein Kulttiv- dokument eisten Ranges vorlicgt, sehr verblüffen. Dies wurde in all den zahlreichen Feuilletons und Besprechilngen dieses Romans ausdrücklich euer Bannt, mciftens unter besonderer Betonung, dast cs sich um ein Werk handelt, dessen erotische Stimmungen voll- stnädig chnter der dichterischen Scl)ildcrung zurücktreten.

Mkino FeniUetc»».

Die deutschen illustrierten Zeitschriften iicnb d i e Inseraten st euer. SOlan schreibt uns: Die Ver- luget deutscher illustrierter Zeitschriften waren dieser Tage ans eilen Teilen Deutfclstands zusammengekommen, um unter dem Uorsitz von Weber-Leipzig Stellung zur Jnseratensteuer zu rr.'hmen. Die illustrierte Presse, besonders die Kunstzeit- jhriften und Modeblätter stellen den Teil der Presse Ur,, der am meisten mit ausländischer Konkurrenz zu Tmpstn hat und der daher durch die Jnseratensteuer am meisten t'droht erscheint. Einerseits deswegen, weil viele ausländische Zeitschriften, besonders Kunstzeitschristen und Modcblätter in großem Riaststabe in Deutschland cingcsührt werden. Andererseits, laeil gerade der Absah ins Ausland für die illustrierte Presse eine große Rolle spielt. Ganz besonders kommt Oestcrrcich- lLngarn in Betracht, dessen Bedarf bisher fast ausschlicstlich von v'iichsdcutschen Zeitschriften befriedigt wird. Mit bc mei Ec nSrotr ter Edjäric sprachen sich gerate einzelne der süddeutschen Mit­glieder gegen die geplante Jnseratensteuer aus. Einer der Redner c.^mplisioierte aus die preustische Warenhaussteuer, die geschaffen torben sei, um, wie offen zugcstanden, eine unliebsam empfundene Vorm des Geschiftsbelriebes zu hemmen oder zu erdrosseln. Sell st doese Warenhaussteuer sei nur eine Umsatzsteuer von 2 Prozent ggwesen. Die Jnseratensteuer sei aber eine Umsadsteuer von ty/3 Zrvzent für die illustrierte Presse, wenn man annehine, dag dcurchfchnittlich die Inserate bei ihr 2/s der Gesamtcinnahmr btl- dan. Wer tatsächlich 'eine neue Steuer auf seine 3dm 1 tern ninuirt, bcis entidjeibet niemals der Gesetzgeber, sondern lediglich die wirt- h^lftliche Entwicklung. Es kann bei einer Zeimng anders liegen, Itgic bei der anderen, und es dürfte aud) int gw^n und ganzen Lo:i der illustrierten Presse anders liegen als bei. den Tageszeitungen. Ter Jnseratenstand der illustrierten Presse ist ohnehin für die iwchfte Zeit stärker gefährdet als der der Lagespresse, da die in Lctracht kommenden Inserenten, ©cfturnten, Markenartikeln, Versandtgeschäfte ufw., bereits durch bie, anocren vorgeschlagenen Steuern zu einer Einschränkung ihres Spesenctats gedrängt wer- dm. Warum wäre nun cigcntlid), so wurde gefragt, die illustrierte Lresse schlankweg mit dem Steuersatz von 10 Prozent bedacht ncoroen, lvährend die Lage^eitungen sich einer gleitenden Skala cvsreuen sollen? Dies könne doch nur den einen Grund haben, d«ch der Gesetzgeber sich mehr scheue, mit der politisd^n Presse altzubinden, als mit den Familienblättern. Diese Unterscheidung lvoiise bereits darauf hin, dast der Jnferatensteuer ein unsittliches Moment anhafte. Tie Versammlung, der zahlreiche Verleger ous allen Teilen Deutschlands beiwohittcn, bcichwst eine Denk- schrift auszuarbeicen und sie dem Reid-sschatzsekretär durch eine Deputation überreia-en zu lassen.

Das Berliner Lefsinghaus, in dem der Dichter N651<6^ lvohnte und sein MeisterlustspielMinna von Barw hxchz" sowie die Schrift überLaokoon" oolliptdete, schwebt fett

Jahren in Gefahr, der Bauspekulation $um Opfer zu fallen und niedergerissen zu werden. Zum Schutze der getveihten Dichtcr- stötte, der einzigen, die Berlin besitzt, und der einzigen in Deutsch­land, die das Andenken Lessings bewahrt, hat "sich schon 1905 ein Komitee zusammengetan, und seinen Bemühungen ist es ge­lungen, den Aobruch des Hauses su verhindern. Um seinen dauernden Bestand zn sichern und zugleich das in seiner Alter- tümlidjlcit erhaltene Dichterhaus zu einem lebendigen Denkmal für denstärksten Mann unserer Literatur" sowie zu einer sonst nirgends vorhandenen Sehenswürdigkeit zu machen, ist die Ge- seil sch oft zur Erhaltung des Lessinghauses in Berlin als Didstergedächlnisstiitte und Museum gegründet wor­den. Mehrere Räume des Hauses sind bereits enisprcdzend ein­gerichtet und sollen demnrchst der Oefsentlichkeit übergeben werden Um aber das ganze Haus mieten und später kaufen zu können, lvendet sich die Gesellschaft an alle Lessingfiruirde mit der Bitte, durch Ettverbung der Mitgliedsämst und Stiftungen, sei cs in barem Gelbe ober Gaben für die Bibliothek und das Museum (das inr Hinblick auf Lessings Wirken für das Theater nach dieser Rick)- tung hin eine besonders reiche Ausgestaltung erfahren soll), das pietätvolle Unternehmen nach Kräften unterstützen zu wollen. Aw Meldungen und alle sonstigen Zuschriften sind an Georg Richard Kruse, Berlin-Sckwneberg, F-ritz Rculerstraste 7, zu richten.

Das lokale Ereignis. Ein rleiues Lo^ilblatt in btt Nähe von Berlin beridjtet über^folgendes widrige Ereignis: Gestern nachmittag in der dritten Stunde wurden die Bewohner in der Bahnhvsstcaste durckr Musik der hiesigen Stadikapelle aus den. Hausern gelockt. Die Fleisckermeister sZ-ranz W.lke und August Sd-midthaber führten ein erstklassiges Berliner Exemplar Rind­vieh nach dem städtisck>en>lachihvf, ein Zeid-cn unserer aus- blühenden Stadt, dast auch hier schon erstklassige Wäre verrvertet wird."

Schiller, ein Drama in drei Akten von I. 92. Tan- tainc, ersdnen in französisd-er Slwache 1853 in Paris. In diesem Bühnenwcrke treten keine geringeren als Schiller, Goethe, Jss> land, Frau v. Rosendorf, ihre Tochter Laura, ^-ron Stolz u. a. m. als handelnde Personen auf: Laura liebt den armen Didier. Ihre Mutter rät ihr, von ihm zu lassen, mit den Worten:Du bist verrückt mit deinen schonen >.'7inften, davon können wir nicht leben!" Sie hat ihr Kind dem Bawn S.'o^ zugcsagt. In dem Salon der Damen treten bann die r_. wen G^stesheroren auf. Schiller liest ein Gedidtt:O man bwnd idäal" (das Ideal,. Laura Rosendorf, die oraunes Haar besitzt, meint necttsch: ihr zerstreuten Poeten, der ihr blond unobrünett verwechs; Schiller, id) werbe mid) noch lange über ^>ic luftig machen!" Jetzt tritt Jfftand auf, crz..htt, dast Goeu-e gestern in der Vor­stellung desTvn Carlos' war, lebhaft apo.auoiertc, und dast neben thm ein blonoes tiiudchen säst. Im s'.miten Art kommen Goethe und Sd)i1ler zujant.nen. Goettze schreitet mit offenen Annen auf Schtller zu uno überhäuft iljn mit Lob; prophetisch rüst er aus: Ihnen, Aeprsthlchtd neue Zea

gesetzgeberische Gewalt; cs Dan n-t um ^retchsauge.egenheiben, man mit provinzialen Sachen sich befassen und den Reichsetat nur nach Beratung mit der Regierung abändern. Cs zerfallt in zwei Kammern, über deren Wahl vierte Kapitel ipridyt Des Wahlrechtes verlustig erklärt werden Leute mit schlechtem Betragvn, eigennützige uno gerjalttütigc Menschen, Bankerotteure und s-olaui, die ihre Schulden nicht be-ahlen, sowie Opiumraucher, Analphabeten und Leute zweifelhafter Abstammung. Die Stimmen-. abgaue ist geheim. Die genauere Ausarbeitung des VersassungS- enuvurfes bleibt der Zukunft überlassen. Fenier wird ein Kaiserlicher Erlast über Die Uebergangs^estimmungen bis zur Ein, sührung der Verfassung vevossentlicht, ans welchem hervorgeht, baß im Jahre 1JlU oie Mitglieder d.S konstituierenden^Par.amentS einoerufen rjetixn sollen, lull eine allgemeine Voiksz^hluns st-attsinorn sott, 1913 bas eilte Reiä/soudget versuchsiveise auf- g.st.ilt wird, 191-i bi: uidid.ic Set^ltoer.vaitung ourchzusühren ist und 1915 die Zivilliste auigciiellt wird; 1916 sollen die Wahlen zum Oberbduse und zum Unterhause ausgesd>rieben werden. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen fünf Prozent ftiler Ch.nesen lesen und scinciben können und mitlstn wal?'bered):igt sein.

V- >st satirischer Schwank mit dem ZiteL Patriot". * Im StuttgarterHoftheater das vieratt.ge Drama ~ .

Stimmunösbilö aus dem Reichstage.

Berlin, 28. November.

Schluß der Geoeraldebatte über die Finaazresorm.

In nicht übermastig langer Sitzung aing l)eute die finanzvoliti|che Generaldebatte zu Ende. Was heule noch gebracyt tmirbc, berührte nur sehr wenig den Inhalt der Steuervorlagen, und nur der Zenirums-Elsüsscr Preist unb der bayerische Bauernbündlcr Hilpert machten kurze Ausführungen gegen die Braustcucr mit den von der Regierung vorgesd)lagenen Stasfelungssätzen. Das übrige war neben einer von niemand angehörten Rede des hyper- radikalen Sozialdemokraten Emmel, der der deutschen Armee nicht einmal die ihr von Bebel zuaestandene beste Zewaffnung geben will, eine Auscinanderietzung zwiscl>cn )en Abgeordneten Erzberger und Dr. Arendt über bie Aussichten der Finanzresorm und die Möglichkeit, sie mit dem acgemvärtigen Block zustande zu bringen. Dem .hohn Erzbergers über den Block stellte der Redner dec !Keick)spartei einen grasten Optimismus entgegen. Er gab i^er festen Zuversicht Ausdruck, dast die ReichSsinanzreform izustande kommen werde, weil sie zustande kommen müsse, zzuinal man gar nicht so weit voneinander abwetche, als ,ts der bisherige Gang der Debatte erschcinerr lasse. Man ssei einig über die Notwendigkeit der Belastung der grasten Werbrauchsartikel der Massen und zum Ausgleich auch einer »mtspreck/cnden Heranziehung des Besitzes. Die Meinungs- «»erschiedenheiten bestünden nur über Form und Art, unb do ein Wille sei, werde sich auch der Weg finden lassen. !lach persönlichen Bemerkungen ging die Finanzresormvor- agt mit ihren Anlagen an die Steuer ko m Mission.

Zrauenftimmrecht.

Die Forderungen der Frauenbewegung, die sich aus Er- inwiterung der Bildungs- und Erwerbsinöglichkeilen für grauen beziehen, und die vor zwanzig J.ihren noch auf das ^ftigftc angeseindet wurden, haben fick), so lesen wir in atinem Vor trage von Hedwig W-.-idemann, prinzipiell durch- Atsetztt Anders steht es mit der Forderung des Fraucn- q!immrechts. Das Stimmrecht ist überflüssig und wertlos jür und, sagen viele Frauen, haben wir nicht ohne dasselbe ntrncr Einfluß gehabt? Diese Frauen haben Recht. Aber bie Frauen, welche die Männer durch ihre Sck)wächen und Leidcnsck)aften regierten und zu ihren Werkzeugen machten, i oaren selten gute, ethisch denkende Frauen; die ehrliche gute Frau verschmäht die Hintertüren und Schleichwege. Auf diese bie Frau verweisen, die offenen Wege zur Meinungs- üusterung ihr versperren, heißt dem Einfluß der schlechcen Frau freie Bahn machen, den Einfluß der guten Frau »ushcben.

Das Stimmrecht ist überflüssig und wer/los für uns, siat die große Menge der Frauen, das verstehen die Männer l-esfer und sie vertreten unsere Angelcgenl)eiten besser, als wir das können. Viele Männer glauben das auch^ Aber wenn der Mg. Hackenberg seinerzeit im preußischen Ab­geordnetenhaus verwundert feststellt, daß für höhere Mädchenschulen nur 350 000 Ml. veranschlagt sind gegen LI Millionen für höhere Knabenschulen, und wenn wir itthen, daß das nichts Neues ist, daß im Durchschnitt von wen für höhere Schulen ausgesetzten Summen 32/3 Proz. auf Mädchenbildung, 961/3 Proz. auf Knabenbildung kom- men, glauben Sie noch, daß die Männer die I iteresfen der Frauen mit gleicher Energie vertreten, wie die eigenen?

Die Gerechtigkeit fordert, daß alle diejenigen eine Stimme bei der Wahl der Volksvertreter und damit in der kss.egierung des Staates haben, die an seinem Aufbau und ömer Entwicklung milhelfen. Das tun die Frauen, die Dam Staate Sühne und Töchter schenken, die Steuern zahlen, beie produktive Arbeit leisten im Hause oder außer dein tzause, auf praktischem oder geistigem Gebiet so gut wie die

aa Rotationsdruck und Verlag der Brübl'sch« Universum' Buch- und 6tembrudcreL R. Lange, Gießen.

Männer und darum sind sie berechtigt, das Stimmrecht zu fordern.

Von der reichen Zahl praktischer Einwände, die gegen das Frauenstimmrecht erhoben werden, zum Teil selbst von denen, die die Dtotwendigkeit und die Berechtigung dieser Forderung einsehen, will ich nun nur die beiden erwähnen:

Die Frau ist nicht reif zu politischer Mitarbeit" unbdie Familie wird darunter leiden".

Auch der Marrn tour nicht reif, als man ihn? das Stimmrecht gab; aber da man ihn losgeonnden, ihm die Tür geöffnet hatte, da reckten sich seine Glieder, da taten sich seine Augen auf, er lernte bald gehen und verstehen und ist seitdem der Frau mit Riefen.cyriUen vorangeellt. Löst auch ihre Bande, öffnet auch ihr die Tur und seid gewiß, auch sie wird gehen und verstehen lernen. Die Familie wird leiden, zu Grunde gehen! Das glaubt nic- ntand im Ernst, daß die Familie Schaden nehmen könnte, weil die Frau alle fünf Jahre einmal oder auch ein paar­mal einen Wahlzettel in eine Urne steckt; aber um dies tun zu können, muß sie sich um Politik belämmern, Zei­tungen lesen, womöglich gar Verfamm.vngen bcjuchcu! Ich glaube, daß es sehr gut wäre, wenn die Frau von Zeit zu Zeit statt in einen Kaffee in eine palitifche Versammlung ginge.

Diejenigen, die uns den Einwand entgegenstellen, das Frauen stimm recht sei möglich in Ländern nm neuer ituitur, [ür unseregeschichtlich geworbenen" Verhältnisse sei cs Ichlechteroings unmöglich, freuen wir uns, zeigen zu können, wie es aus benexotisd)cn Ländern" uns näher kommt; wie unser altes Europa es jetzt schon in zwei Ländern hat, im dritten bald haben wirb.

Ich glaube voll Zuversicht sagen zu können, so schließt bie Vertreterin bes Fraucn'fllmnirea/ts, wenn die Eittw.cklung so vonvärts geht, wie in den letzten Jahren, werden in ab- jehbarer Z.il die Frauen politisch nuyt mehr mit Jow.en, AUnosenclnpjüngcrn und Verbrechern aus gleiche Siu,e g.- stellt iverdcn, jtc werden die bürgerlichen Ehrenrechte be­kommen, die man gemeinen Verbrechern zur Verschärfung der Strafe entzieht, ihr aber trotz Erfüllung ihrer P,lichteii vvreiithält. Sie werden wie die Mäuiier cm Vaterland belommen, das auch ihnen das gibt, für um» sie rümpfen: Gerechtigkeit.

Vorpcyende Ausführungen sind im 5^inblick aus die in den nächsten Tagen in Gießen bevorsteyende Frauenver­sammlung nicht ohne Interesse.

Der Wortlaut der chinesischen Versasiungseniwurfes.

Dec erste Teil des an(.ne|.|tijen VecfanuugS^e,epcrittou.rfs be­handelt die Vorrechte des tUionardycn. Die Monarchie ist für ewige Zeiten der gegenwüriigen Dyrmstte gefidicrt. Die Hciichkeil unb Würbe des Monarchen sind unverletz.uP Der Monarc.) ueftutigt Oie Gesetze unb lyit die GesetzeSiniliattve; ohne Genehmigung dis Monardeen ist kein Gesetz gültig. Der Monarch erchmec unb schließt das Pcclamcnt und löst es auf. Nach einer Auslösung des Parlaments sind sofort Nemoah.en auszuschrcioeil. Der Mo- nard) setzt die Beamlengchälter fest unb besetzt die Beamtenstellcn. Die Beamten sind nur Gehilfen bes Dcoilarchen. Eine Ein- mifdfnng bes Parlamentes in Verwattimg-Zangetrgenhriten ist un- Kulässig. Der Kaiser ist Oöerbefchlshabtt über Heer unb Flotte. Tas Parlament hat auf militärisch» Dinge keinen Eiiiiluß. Der Monarch eiTiärt ttrieg und Frieden und vertritt das 'Jtcid) nadj außen ohne Befragung des Parlaments, Der Zkaifer erlaßt Ver­ordnungen und kann im äußersten 9Zotfalle die Z-cciheit der Be­völkerung beschränken. Ferner besitzt dec Kaiser das Begnadigungs recht uno die Oberaufsicht über die äredMpßege, wobei er an bie bestehenden Gesetze geoundcn ist. Der Kaiser beftimiitt die Höhe der Zivilliste. TaS zweite Kapitel behandelt die Rcdste der Be­völkerung. Die Freiheit des Wortes, der Presse, der Versamm­lungen unb der Vereine ist innerha.o gesetzlicher Grenzen garan­tiert. Bestrafungen sind nur gemäß den Gesetzen zulässig. Die Unantastbarkeit des Eigentums und der Wohnung darf nicht ohne Grund verletzt werden. Der dritte Teck betrifft daS Parlament. Tas Parlament hat nur beratende Macht unb keine

politLfcbc Lagestchan.

ReichshaliShaUoetat.

DieN. A. Z." i^.e iäc jungen ans dem Reichs-

haushattsetat fvrtp Die for.dauernden Ausgaben des orbentiidxn Heeresctats betragen 526591 438 Mk. ( 5335203 Mk), die einmaligen Aiisga.cn 74 842 609 Mk. ( 20 514 661 Mk.): im außerocoenllichÄi Liai werden 34 260 200 Mk. ( 5 743 100 Mk.) verlangt. Im außeroroentlichen Etat n^vden u. a. zum Ausbau der Landrsocsestchungen 26 760 200 Mk. ( 3 878 800 Mk.) gifjiberL In einer Denkschrift, betreffend bie Einfüh- r u 11 g 0 e r zweijährigen Dienstzeit bei der Kaval­lerie uno reitenden Fetoartitterle, was u. a. ausgeführt: Der vom Rcia>stage gejaß.eu Rcsoluiwn cutip^ed-cud ist Oie Hceres- uenw.'tung in mtcu.c ©iiixigungcn über die Einführung dec jiueih«i;."igvn TiensLeit bei ixt Kavallerie und der reiteuben Feld­artillerie eingetrer.n. Das Ergebnis geht dah.n, daß eine Herab" icfeung der Tirnst-eit bie Leatungsf.,:) gkeit der beiden Waffen ganz erheblich i"u? oigin, ja lhre Kricgsovauchbarkeit ernst.ich gc- lub.bcn würde. Der Eiat für das s n u-s i s ch e Militärwuttugeitt ijcil't an fortdauernden Ausgaben 48 luö 113 Mk. ( 2824 Mk.) auf. Tie einmaligen Ausgaoen betragen 8 619 911 Mk. ( 4 446 2ü2 Mk.-. Die AuS^a^en des R c i a> s i n v a l i b e n f 0 n i> § aelaufrn fich auf 35 24109/ Mk. (79/ 452 Mk.). Der HauS- iMltungyelat der Schutz gebiete schließt im Ordinär in ui in Linnai>me unb Ausgabe mit 68 <92 3uJ 'litf. ( 9 3j6 442 Mk.) ab. Davon entfallen auf Ostascika 13978637 Mk., Kamerun / 208 366 Mk., Togo 2 331 4uO Pik., Südivestafritä 2< 630 240 Mk. ( 13 924 318 Mk., Neu-Guinea 1808 8Jj Mk., M'aro-' (inen usw. 609 -±06 Mk. camua 1 u3 .uuO Mk., Kiautschoul2 352 597 'JJit ( 886 844 Mk.). Ter Rcichszuschuß für die ordernlid-ew Zwecke der Sdimtzgebiete beläuft sid- auf insgesamt 34 408084 Mk. ( 14 130 691 Mk).