Ausgabe 
30.11.1908 Erstes Blatt
 
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158, Jahrgang

Erstes Blatt

diePost Mk.2. otertel- jährt. aus|d)L Befleltg. Zeilenpreis: lokal 15i$U ausioärlS 20 Pfennig, Beranl worl lich tür den polinkchen Teil,

Montag 30. November 1908 9vezugSpret 5: monculich7bM., viertel- .4K zk /K Äv A jährlich Alk. 2.20; durch

AB ^Ibbole- u.

; 1 V-J) HS £\ hrl "?u^ bt.-l monatlich 65 Pf.; durch

Nr. 282

Ter Lietzener Anzelyer erfchcinl täglich, ander a Sonntags. - Beilagen: » viermal wochenilich jffi Lietzener^amilttnblätter;

arocimal roöd'cntl.KrtiS: 5 -'#i blatt fürbtn Kreis ßicfocn g® (Dienstag und Freitags ", zweimal monatl. Lar.hr

wirtschaftlicheSeitsragen x/ KJ rJ 'sr Xxz

l^eri,sprech - Anfcküüsje: Bl W' A Br

für die Redaktion 112, V ^*=

SS General-Amelger für Oberheffen si

Annahme von Anzetgen V f 6 * u. Land" und.Gerichts-

bis tommagTiö'ut «oi«tI»NS^u» UN- Verlag ter vrühl'lchen UnIv.Guch- unt Stcintriiuerel n. fange. Hcöattion, (Erpeöition ur.ö Druckerei: rchulstrabe 7. B^-k.

Die heutige Nummer umfaht 14 Seiten.

Japan und die vereinigten Staaten.

Noch vor einem Jahre war die Stimmung in Amerika ) Japan sehr kriegerisch. Die Japaner empfanden die amerikanischen Bestiminungen gegen die Einwanderung von Japanern in fJtoröamertfa als schwer beleidigend, und fast schien es, als sollte darüber ein Krieg zwischen Japan und den Vereinigten Staaten entbrennen. Inzwischen hat sich die Spannung zwischen beiden Völkern vollständig vor» loren, und jetzt ist cs sogar zu einem fasst freundschaftlichen Abkommen zwischen Jnpan und den Vereinigten Staaten von Nordamerika getommen. Aus Washington wird anscheinend zuverlässig gemeldet, daß ein Ab kommen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan abge­schlossen lvorden ist, lvodurch beide Staaten sich ihre jetzigen Besitz u n g e n im Pacific ga­

rantieren und sich zur Wahrung der Jnte- gritätEhinasundzurSicherunggleichcrkoin- merziellerundindustriclierV or teile füralle Nationen in China verpflichten. Auch sind Maß­nahmen für die Durchführung des Mkominens vereinbart worden.

Zu der Newhorker Meldung über Las zwischen den Ver­einigten Staaten und Japan getroffene Abkonilnen erfährt

die Petersb. Telegr.-Agentur aus zuverlässiger Quelle, dieser neue internationale Litt fei völlig analog dem im vorigen Jahre zwischen Japan, Nußland und Frankreich abge­schlossenen Ablomnien und diene zweifellos als eine neue Garantie für die Befestigung des Friedens im fernen Osten. Das Abkommen wird daher hier warm ausgenommen.

Auf der Berliner japanischen Botschaft herrscht das Gefühl der ausrichtigfteu Befriedigung darüber vor, daß durch das Abkommen nun endlich die Gerüchte von einer dauernden Spannung zwischen Japan und den Vereinigten Staaten abgetan sind. Wenn ihnen auch von Anfang an jede tatsächlich'? Unterlage fehlt, da die Beziehungen zwischen den beiden Regierungen zu keiner Zeit amtlich getrübt ge- wefen sind, so l)aben sie doch an einzelnen Stellen eine unerwünschte Nervosität hervorgcrufen, die speziell die handeltreiocnden kreise schädigte. Auf der Berliner Bot­schaft der Vereinigten Staaten erblickt man in dem Ab­schlüsse des Abkommens vor allem eine wertvolle Betäti­gung des Prinzips der offenen Tür in China, für das die Regierung in Washington von jeher mit größtem Nach­druck eingeiTeten ist. Auch gibt man sich der sicheren Er- wariung tjtn, daß Deutschland einem Schritte bereitwillig zusrimmen werde, der ohne jeden selbstsüchtigen Hirtterge- danlen nur der Sache des friedlichen Fortschritts in Ostasien zu dienen bestimmt ist.

Ein Berliner Telegramm der , Köln. Ztg." führt aus, das jetzt bekannt gewordene japanisch-ameritanische Ueber- einkommen bestätigt, daß sowohl Japan wie die Vereinigten Staaten ein einträchtiges Nebeneinanderleben vorziel) en, wovon man wohl überall mit Befriedigung Kenntnis nehmen könne. Was insbesondere Deutschland an langt, so entspricht der Grundsatz der offenen Tür durchaus dem, tvaS man in Deutschland bei den verschiedenen Gelegenheiten für

wünschenswert erklärt hat. Ferner ist es von Bedeutung, daß Japan und die Vereinigten Staaten die Jntergrität Chinas sichern wollen. Auch in diesem Entschluß begegnen sie sich durchaus mit den Absichten der deutschen Regierung, der nichts erwünschter sein kann, als wenn China, geschützt von Beunruhigungen von außen, sich dem Werke seines inneren Ausbaues, sowie der Erschließung und Vervoll­kommnung seiner großen, fast durchweg noch schlummernden Hilfsmittel widmen kann.

Neue Siudenlcnaurschreitungen in Prag.

In Prag ist c5 am San'.Sm' ;n neuen laueren Ausschreitungen des tuhechisiyen Pöbels gegen bic deutschen Studenten gekommen. Zur Feier des 60 jährigen Jubnünms ber Leie Hal le der deutscl)cn Studenten P>ags war eine Sufialyrt sur deurschcn Universität und Lue deäbsch.n Teä.nik arrangier.' werden. AuS diesem Anlaß hatten sich auf b. mGraben etwa GÜO tsäiechisch: Studenten an^csam- melt, hic die Conseur-Studenten bei der Fahrt auf der Strecke vom Pulverturnc zur BergmannSgassc mit vanba- und Pfuirufen empfingen und sich in die Fahrbahn drängten, wo sie die deutschen Studenten anspeien und insultieren wollten- Die Wache schritt energisch ein und sperrte die Vergmannsgasse ab, so bat, die deutschen Studenten unversehrt in die Aula gelangten und von da zur Technik weiterfahren fonnicn. Als die deutschen Studenien in die Bcreinsräume der Lesel-alle und die Redehalie fuhren und- ihre Wagen den Grauen passiert hatten, begann die dort ange- fammette etwa 2000 Köpfe zählende Menge derartige Ausschrei­tungen zu begehen, daß Gendarmerie hcrbeigcrusen und die Menge vvm Graben wcgggedrangt werden mußte. Mehrere Verhaftungen wurden vorgcnommcn.

Tic L". ;:)]. gegen rcichsdcutsche Studenten dauerten bis etwa P/4 Uhr mittags. Als die Wagen, in denen sich sehr viele rcichs- deutsche Studenten bcsanoen, die von oem Pöocl beworfen und in der gemeinsten We.se beschimpft und besudelt wurden, von dem Vereinshaus der Lese.- und Rcdehalle wieder zurückfuhrcu, wur­den sie auf dem Wenzelplatzc von der i'Jtcnge umringt^ Man st.cg sogar von rückwärts auf die Wagen und hieb auf die Jnjasscn oer- setbcn wuchtig darauf los. Alle möglichen Gegensb.iioc, faule Eier, ©teilte, Kartoffeln ufw. wurden gegen die deutschen Studenten geschleudert. Der Xx>t)it>eii-< i>er i^etiLicc wisscitlä)aslliä)en Ver­einigung Dr. Löwenthal erlitt eine Verletzung auf,dem Kopfe.

So oft sich ein deutscher Couteursruoent auf dem Graben sehen ließ, verstellte iljnt die Menge den Weg. Es bitoeion sich große riniammtungen, aus deren Mitte die dtufe: Stoppe her­unter" undLaut ilm!" ertönten. Die Polizei mußte wiederholt einschreitcn und die deutschen Studenten aus dem Pe^Ahaufen hcraushanen. Auf Weisung des auswärtigen 'AmtcS in Berlin hatte sich der S e k re r d e s P ra g er dc u t s ch c n G e nc r al- ko n s u l a t s zu Len Vertt'etcrn derFreien wissenschaftlichen Vereinigung an den Berliner Hochschulen" begeben, um sich ein­gehend danach zu cdunc-igen, was st.r Vorgänge sich gestern ereignet iMben und ob tatsächlich reichsdeutsche Studenten angegriffen wor- ieien. Nachdem dies bcjahr worden war, wurde sofort fettens

des deutschen Generalkvniulats ein ai,sfühclül)er Bericht an das Auswärtige Amt in Berlin ab gesandt.

In den Prager Vororten kam cs eoenfalls zu großen Exzessen. Wiederholt wurden deutsa'x: Passanten ongcgriffen und mlßhan- delt. Vor dem Prager Stattl^altercigebäude sammelte sich eine große Rtengc an. Die Exzedenten schlugen die Fristerjchcwen ein. Die ShinbercbunncH nal/men schließlich einen anti-dyna» stischen ClMrancr an. Tie schwarzgclocn Fahnen wurden von dem Gebäude hernntergcholt uno zerrissen und in die 'JJäilbau geworfen. Der Nlackpnütag vcr.ief verhältnismäßig ruhig, Nach Eintritt 6»cc Dunkelheit kam cs wieder ^u KUiidgcbuugcn olync besondere Zivi sch-en satte. Die Menge beschränkte sich au| Singen von Sx blieb em, Psciscn und Johlen.

Am yfleigcn Sonntage erneuerten sich die Ausscl)rcitnngen, bei denen nach a:ntiid)cr Mitteilung ein deulsä-er Eouleursttiocnl durch einen Stockhieb am Kopf verletzt und ein Polizeibeainter durch einen Steimvucf getrosfen wurve. Der Graben wurde wegen Andrang der Mensä-enmengc i.t kurzer Zeit von Militär und Polizeimannschafteu geräumt. Einzelne ixinonsbricrende Trupps wurden von der Polizei auscinanbcrgctrieben.

Au^areS.

Ein türki sch-s c r u i f u>v s Schutzbündnis. Nach einer Meldung des Daily Telegraph st.ht der Aoschluß eines türkischserbischen Schutzbündnisses bevor. Stonienegw luerx vor^ läufig formell nicht cingcjchlvisen, aber für den Fall emes öster­reichischen A"grifses 5-itse versichert. D.r österreichiiche

Konsul in . .grab empfing , Meldungen von dort üeiiicßclic Instruktionen an alle m : neu wohnenxn ösieeauch.schn Re- seroe-Ofjizierc für ben AkovilnrachungSiäll. Scro.cn rüstet weiter. Die öfterc.ichischn MiiiSr-A-rlstüttcu und die Munitionsfabriken in Ungarn arbeiten in möglttlKer Sl.lle Tag und'Nacht.

Bulgarische M i n i ste r k r i s i s. An zustuittiger Stelle wird versiert, Mimfterprnnbcnl Milamuv haue die Demission des Kabinettcs cingerciaji. Fuist Ferdinand huoe noch keine Entscheidung getrosscn. 'JJian niin.nt an, das Kabinett werde vor­läufig die Gcschüste weitcrsührcn.

Die Revolution in ep a 11 i. Bei Anga Veau erfolgte ein schwerer Zusammenstoß zwischen Revolutionären und Jttgie- rungslruppcn unter btni V.riegsininiftcr Eetcttin, wobei die Re- gierungsttuppcn unterlagen.

Provinzial-Nusschuf; Der Provinz Cberbcficit.

L. Gießen, 26. Äiovember.

Elise Freundlieb Witwe zu Friedberg ist um Er- (aubniS zum Betrieb einer Sch ankio irisch ast im Hause Faucrbacher Straße 9ir. 3 eingenommen. Tiotzdcm die Stadt- ocrordneteN-Borfa.n'.nl'.ing d'c Bcdül'ii'frage verre.nte, erteilte der Krcisausjchuß des Kreises Friedberg die nachgesuchle Sion» zession. 'Auf Veranlassung der Großh. Bürgermeisterei Fried» berg legte der Vorsitzende des SireiSauäschusseS gegen diese Entscheidung Rekurs an den Provmzial-Ausschuß ein, der aber von diesem heute aus joiniellcn Gründen jucud» gewiesen wurde.

Die Sache: Faselvieh zu Oden Hausen wurde auf Antrag des Vertietcrs der Gernemde ausgesetzt, um zu einem demnächüigen Termin noch emen Aeteiliglen laden zu können. Ebenfalls ausgesetzt wurde die Verhandlung übei die Bürgermeister wähl zu 2t u l en die bach, da sich die tziotweiidigkeit der kornmissarifchen Verriehmung einer Zeugin ergab.

Aus 5ia0i LasrS.

Gießen, 30. 'Jioocmber 1908.

** Tagest a le n der. Wohltätigkeits-Konzert des B a u e r ' i ct> e n G c j a n g v e c c i n s zum Besten c er durch die Nadbodcr Slaiasirophe ui Rttllcibeu>cha't Gczogeiien. iNoutag abend 8 Uhr im Stadttheater.

Vorn zweiten Hess enprinzen. 21 ni Samstag rourbe folgendes Bulletin ausgegeben: Die Genesung I. K. H. der Frau Großherzogin, sowie die Elitivickckung des Prinzen zeigen bie erfreulichsten Fortschritte. Tr. Happel.

Hofjagb. Sim Fieilag fand, n. d.Tarmn. Zlg.", in Slmvesenhcit des Großhcrzogs von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags im Kranichsleiner Park Jagd auf Sauen statt.

* * Für Rabb ob. Sc. Kgl. Hoh. ber Groß Herzog hat zmn Besten der Verunglückten unb Hinterbliebenen au» Grube Radbob den Betrag von 500 Mark geipenbet unb die Summe an die Sammlung eines Darmstädter Blattes ad- führen lassen.

* Handels i'ammerwahl. Bei der Hanbcls- kammerivahl im Wahlbezirk £ a u ; e r b r.: wurde.i die seit­herigen Vertreter,.Herrn, nn Dürbeä und Leonhard 5)o o s mit 31 Stimmen einstimmig wiederg.wählt.

* * N e u e N e g i e r u u g s b a u m e i st e r. Ernannt wur­den die Rcgierungsbauführcr Otto Zang aus Darmstadt, Fricdr. Detter aus Worms, Gust. Ulrich aus Wörlitz, Will). Bach aus Eßlingen, Rud. H o s m a n n aus München, Adols Pfeiffer aus Darmstadt, Günther ,<i renzien aus Eisenach und Albert M.arx aus Witten zu Skegttrungsbau- meisteru.

Erledigt ist eine mit einem kctth. Lehrer zu be- setzende Lehrer stelle an der Gemeindcschule zu Aben­heim.

Eine Sitzung des Provinzial»Ausschusses findet am Nilttlvoch. 2. Dezember d. I., nachmitiags 3^ Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Rekurs des Müllers Biesenrolh m Merlau gegen eine Verfügung Großh SiteiS» amtS Alsfeld. 2. Gesuch des Will). Valentin zu Gießen um Erlaubnis zum Sch ank w ir ts chastübe trie b im Hause ,9ln der Hardt* 12. 3. Beschwerde des Gg. Kreutcr in

Rrdda gegen einen Pokizcibefeht Großh. Sircisamts Büdingen.

* * H e s s is a) e Su, it i g a i i . i H^s^s^e Laudes- Lehrervcreu! beabsichtig:, eine hesstfche Schulstatistik her­auszugeben. Zu diesem Zweck jinu Zurzeit Fragebogen in Umlauf gesetzt, die Angaoen enthalten über Lage und

Einivohnerzaht des Schul ortes, Bahnverbindung, Postverhültnisse, Apotheke, Arzt, BcsttMstigung der Ortscinwohncr, G:inciudcbZitz, Gcmeindeumlagen, Anzahl der Schulr'las,cn, Stt)u5lMser, L:hr:rivohnungcn, SAftunge» ür die Stt)ule, Piraiellrationvrccht, MretSentschadigung, Schulgarten, Schulgut, Heizuugsvergütung sür Schuksaal, Fortbi.dungsscl nie und Skonfu-m^nbcuunierAcht, Bcigittung für Organistcndienst und Leicheusuigen.

** Sängerkranz Gießen. Dem Gedächtnis Men­delssohns, dessen 100. Geburtstag nahe bcvorjleht, war bas gestrige stzouzert desSängerkranz" gewidmet. Das sehr hübsche und interessante Programm wies, mit einer einzigen Ausnahme, nur Mendclssohustt-c Stompositionen aus. Unter der schneidigen Leitung des Vereinsdirigenten Albert Kaste.i spielte die SCavelle unseres Jiisanterie- 'Regiments die reizvolle unb feinsinnige Hcbriden-Ouver- türe, mit der das Stänkert crofsnet wurde, sicher und exakt und wurde auch dem eigenartigen Stiuunungszauber dieses Jugeudwerres von Mendelssohn in vollem Maße gerecht. J.i der Orchcstrrbcgleiiung der übrigen Nummern des Pro­gramms erledigte die J.isanleriekavelle ihre Ausgabe im großen und ganzen vorzüglich. Auch die Chöre des Sängerlranzes waren durchweg lobenswert; einzelne waren von ganz hervorragender Schönheit, wie z. B. der ChorDu hast gerufen, wir kommen, wir kommen" aus der Loreley. Außer der Lorelch wurden noch zwei Arien aus dem Elias und dem Paulus gejungciL Den Schluß des srouzerts bi.dete M. x Me^er-Oloersl.bens begrabenem Sieb, eine Slompvsitivn für Soli, gemischten Chor und Orchester von großer Schönheit. Das Konzert war sehr gut besucht.

' Stadttheater. Von morgen ab werben die vor- bestellten Billets für daS »Schlierseer ©n ftf p ieP auS- gegeben. Die Schlierscer hatten bei dem soeben beendeten sechswöchigen Gastspiel im 9ieuen König!. Opernhaus in Berlin mit ihren neuen Stücken so außerordentlichen Er- iolg, daß für nächsten Winter wiederum ein Gastspiel vom 18. September bis 31. Oktober nach dorthin abgeschlossen worden ist. Besonders die beiden für hier gewählten 9looi» löten ,Jn der Somrnerfrisch'n* unbDer Paragraphen- schiistcr" erwiesen sich als Zugstücke. Für Dienstag, 8. Dez., iii Richard FcUiiigers neuts SchauspielDie Pfarrerin" zur Eistaufsührlmg angesetzt. Gießen ist nach dem Darm­städter Hoftdeater die erste Bühne, die das interessante Werk Dringt.

** Der neueste Fall H i r s ch e t. Man schreibt uns aus Friedberg: Otto Hirschel, Friedberg, wurde am Freitag vom Vorhand der Landwirtschafttttl)en Haupt-Ge- uos,enichast für Oberheffen zu Friebbera seines Postens als Direkior enthoben, da ziveiselssrei festgestellt wurde, daß er sich neueroingS HandlungSw-eiien schuldig machte, die mit den Jncer:s,en b-r .Hauptgenossenschaft nicht ver­einbar waren. Hirschel häkle somit das ihm in der 7. Gene- ralversammlung am 22. August d. I. entgegengebrachte Vertrauensvotum in bezeichnender Weise entgolten. Es mürbe ihm in Forr.c ein iiu.Niger Wiederwäh z^m Tirekcor cricüt, ba Hirschel versicherte, seine ganze Tätigkeit ledig- iiü) in den ^.ienic ber Hauptgenosjens^azc zu steilen, wofür ihm entsprechend h.he Eiittunfte gewahrt wurden. Einem großen Teil der Ab.iimmenden war es darum zu tun, die Vorbedingung zu erfüllen, um Hirsihel vor A^bägung jeiner fünfwöchcn.liehen G. f^n^niSj:r..fe, zuer.anut wegen Unter» schlagung, uno feine Fa.tti.ie vor -oetUmmernj|en zu be» wahren. An Rch.sichtnahme h .ben es die veran.wörtlichen Organe der Hauptgeuosfeüschaft demnach nicht fehlen lassen, de wir hören, hat ber Vorstand für künftig einwandfreie Geschäfts,uhrung uefieny gejorgt.

** Gin rätselhafter Birnbaum. Im Gasthaus zum Pfau ist von morgen ab eine merkwürdige Kuriosität usges.c.lt, nämlich ein über 30.") I.hre aller Birnbaum, üci" anS dem Kreis Kirchhain stainnit unb im Innern eine vollständige Sotdotensigur enthält.

cp Klein-Linden, 29. Nov. J.n Saale zurDeut­schen Eiche" veranstaltete die Heinlatvereinigung gestern abend ihre erste Abendunterhaltung. Pfarrafsistent H a n st e in-Gieße?t hielt einen Lichtbildervortrag über Südtvestairika". I i ausführlicher, fesselnder Wei,e sührte er in Ware und Bn.d Lano und Leute, Vodenbeschafsenheit, Bewirtsel).-,tung, Viehzucht, Bergbau, die Erschließung durch Eisenbahnen, tnrz alle Gebiete und Verhältnisse die,er Ko­lonie vor Augen. Besonders hob er die Entwittlungs,ähig- leit des Landes uno die Notwendigkeit seiner Erschließung durch Eisenbahnen hervor. Iii den Pausen und zum Schlüsse des Vorcrages trug bcc GesangvereinEintracht" mehrere recht schöne Chöre vor, welche ebenso wie der Vor­trag mit lebhasiem Beifall aufgenommen wurden. Unser billiger Psarrassistent Z i m m ermann, der ab 1. De­zember als Repelent der theologischen Fakultät an der Lcmdesunioersttät nach Gieße:: übersiedelt, h»elt heute vor­mittag in dem üb erfüllten Gotleshause seine Abschieds­predigt. Mau sieht den beliebten Geifllichen nur höchst ungern von hier scheiden. Mit seiner Hierhertunst am 1. I:li d. I. wurde die neue Psttrrassistentenstelle hier erriet)tet.

<j Allendorf a. d. Lahn, 29. 9loo Ten Geburtstag des Groß Herzogs feierte gestern abcnd der Krieger- oerein im Saale des Gastwirts Joh. Luh. Der 2. Vor­sitzende Ulm brachte das Hoch auf den Landesherrn nuS. Sodann wurde beschlossen, anläßlich des 50. Geburtstages des Kaisers nn Januar eine größere Feier bei Konzert und Theater abzuhattcn.

? Harbach, 29. Nov. Am Sanberg, unweit unseres Ortes, verunglückte dec Fuhrrnvnn B. aus EtllngS- hauscn. Tie Pferde kamen allem zu Hause an. Zum Glück hatte der Sturz dem Fuhrmann nichts getan. Ec hatte nuc wenige Di nuten bewußtlos nn Naben gelegen unb konnte Dann mit einiger Hilfe selbst nach Hanse gehen, wo er sich bald vollständig erholte.