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28.12.1908 Erstes Blatt
 
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Montag 28. Dezember 1908

158. Jahrgang

Erstes Blatt

GietzeimAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Bezn gSpret 5: monatlich 75Pl., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 M.; durch die Post Mk. 2.viertel- tährl aueldjL Beitellg. ßcilcnpreiS: lokal 16'SU auswärts 30 Ptenmg.

Peranl wörtlich füt den politischen Teil, füt ,Feuilleton* und

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Annahme to* Ünzelgel E/ " 6 » I u.Vanö ».OfUdnö-

bi öoLufng^'ioüh RotaNonr^niS mtö Verlag dervrMscherr Nnw^vuch- und rieindruueret R. cange. Redattion, Lxpeditton und vruckeret: rchnlstratze r. Luze,gentell^> vdL

Nr. 304

Der »tehener »nzelger r:ld)c»u tägltch, aufeet EouutagS. - Beilagen: viermal wöchentlich StehenerZamlltendlSlter; (wkiinal mörbcniLKrels» latlsürdenllreirGlehen (Dienstag undFrenacO; zweimal monntl Land» wltlschallttche-eitlkagea Feniiplech - AnlcdUisfer füi di, Redaktion 118. Verlag u. Expedition 51

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Rufolanö und der Balkan.

Die mit einer gewissen Spannung erwartete Note Ruß­lands über die Balkansrage, die unmittelbar vor den Feier­tagen den Signatarinächten des Berliner Vertrages zu­gegangen war, hat ziemlich enttäuscht und in Oesterreich be- cechtigte Mißstimmung hervorgerusen, so daß Frhr. von Lehrenthal bereits eine Antwortnote an die Minister ange- kündigt hat. In seiner Zirkularnote glaubt Rußland, das Lngebot der österreichischen Regierung nur mit gewissen Vvr- i>ehalten annehmen zu können und möchte es offenbar weder mit den großen, noch mit den kleinen Freunden verderben, deren Augen es während der ganzen Balkanfrage aus sich ge­richtet fühlt. Man hoffte gleichwohl, daß die angekündigte Rebe Iswolskys in der russischen Reichsduma einen Kom­mentar zu der Note geben unb seine Schärfen dämpfen oürde. Das scheint aber nach den etwas orakelhaften Redewendungen Iswolskys in der Duma nicht der Fall zu jein. Zur Balkansrage legte Iswolsky in seiner Rede am 26. Dezember in der Reichsduma zunächst den bereits bc- taunkn Standpunkt Rußlands bar, wobei er unter an­derem aus führte, das Urteil über die durch fremde Indiskretion veröffentlichten Gel)eimoerträge zwischen «Oesterreich-Ungarn unb Rußland gehöre der Geschichte an, aber ihre Authentizität sei unbestreitbar. Ein Protest gegen die Annexion Bosniens hätte vielleicht einen faktischen Kon- slikt mit Oesterreich-Ungarn herbeigeführt; eine Protest- rrllärung aber ohne die Absicht, sie eventuell mit Massen- zewalt zu unterstützen, wäre der größte politische Fehler. 'Der Konferenzgedanke stamme von der Türkei. Oester- :e ich-Ungarn, das eben einen Beweis seiner versöhnlichen Stimmung gegeben, und das nitihmsolidarischeDeutschlandwerdensich, nach der Ueberzeugung des Ministers, für -eine Lösung der Streitfrage in einer Meise aussprechen, die den allgemeinen Frieden fördere. Die Unabhängigkeitserklärung Bulgariens habe großen Eindruck gemacht. Bulgarien habe zwar gegen die «indringlichen Ratschläge Rußlands gehandelt, doch könne Äußland- nicht umhin, mit Bulgarien zu sympathisieren. Rußlands Ziel bestehe darin, Bulgarien, Serbien und Mon­tenegro mit der Türkei zusammenzuschließen, und durch den .gemeinsamen Gedanken an den Schutz ihrer nationalen :!mb ökonomischen Selbständigkeit zu einigen. Rußland : hoffe, Belgrad und Eetinje würden kaltblütig bleiben. Eine weitere Unterstützung Serbiens und Montenegros hänge un­mittelbar von deren weiteren Handlungsweise ab. Serbien rmb Montenegro sei der Rat erteilt worden, die Ergebnisse Ider Konferenz ruhig abzuwarten. Der Minister sprach die Hoffnung aus, seine Ausführungen würden dem Jnlande und dem Auslande ganz klar fein, und betonte zum Sck)luß, : Rußland erstrebe eine gesetzmäßige und friedliche Lösung der erwähnten Frage, wie sie der nationalen Würde des Landes «entspreche.

Zu Beginn dieser Rede erging sich der Minister in einer lSetrachtung der allgemeinen politischen Lage, die auch für uns nicht ohne Interesse ist, da Iswolsky hierbei auch das ?Verhältnis Rußlands zu Deutschland berührt. Er begann mit einer Darlegung der politischen Sage im fernen Osten mb begrüßte das amerikanisch-japanische Abkommen als .ein neues, willkommenes Glied in der Kette der inter­nationalen Verträge. Die englisch-russische Entente, fuhr .Zswolski fort, habe in den persischen Wirren bereits eine jehr ernste Prüfung überstanden. Rußland erstrebe in 'Lersien die Aufrechterhaltung freundlicher Beziehungen und sie Wahrung seiner Handelsinteressen, vornehmlich im Nor­men Persiens, speziell in Aserbeidschan, und werde alle von ihm abhängenden Maßnahmen zum Schutze dieser Han» velsinteressen ergreifen. Der Minister konstatierte, daß die 'ranzösisch-russische Allianz sich befestigt habe, was keines­wegs hindere, baß Rußland mit den anderen Mächten ireundschaftliche Beziehungen unterhalte. Der Minister er­klärt, sich ganz der Ansicht des Fürsten Bülow anzu- ichließen, daß die russische Politik keine Spitze gegen Deutschland hat, vielmehr zwischen Deutschland inb Rußland die alten freundschaftlichen Beziehungen be- ivahrt bleiben. Er könne auch die Versicherung des Fürsten Lülow bestätigen, daß zwischen Rußland unb Eng­land weder öffentliche, noch geheime gegen deutsche Interessen gerichtete Abkommen be- ltehen. Ter jüngsten Annäherung an Italien messe er großen Wert für die friedliche Lösung der schwebenden Dagessragen bei.

Die Rede Iswolskys, zu der infolge des osteuropäischen Weihnachtsfestes natürlich noch keine Kommentare der aus­ländischen Blätter vorliegen, rief im Zentrum und auf der Linken lebhaften Beifall hervor, aus der äußersten Rechten indauerndes Zischen.

tpolitifctye LngcsjcHau.

Zur Sparsamkeit bei der Mauve

nahnt der frei|uiktue ^^yardt-Kiel in der

Zeitschrift Fortschritt. Er ta^en il a., daß bei der Marine ein M großes Wohlwollen gegenüber persönlichen Verhältnissen lserrsche, das ju gunften des Einzelnen zu wenig Rücksicht aus iien Geldbeutel des Staates nehme. So würden große Torpedoboote

als Fahrzeug« »um persönlichen Gebrauch einzelner Flaggoffiziere mit großen Kosten in Dienst gehalten, obgleich dabei fast auS- chließlich repräsentative Zwecke in Frage kämen. Auch dienstliche tömmxmbierungen zur Kieler Woche ließen sich mit einer Erhöhung der Kriegsbereitschaft kaum in Verbindung bringen. Wer bic Freuden dieser Sport- unb Spielmoche gemeßen wolle, solle fidj zu diesem Zweck beurlauben lassen. Im Ansckzluß daran heißt es in dem Artikel: Wenige ahnen, was uns diese Tage kosten, nicht nur an Farbenanstrick-en, von denen jeder neue die Masse der brennbaren Stoffe im Schiss in gefährlicher Weise vergrößert, lieber heftete, vom Repräsentationsdicnst untcrbrodjenc Repara­turen und Reinigungen wirken schädlich Tas Elektrikelpersonal Darf seine Aufmerksamkeit nicht aus bte Instandhaltung der Ge- sechtsopparate konzentrieren, hat genug mit der Illumination zu tun, die, gleichfalls nur repräsentativen Zwecken dienend, der Ration Hunderitausende L'ftct. Viele Tausende werden an so einem Illuminationsabend verpufft in buntfarbigen Leuckstl'örpern. Unb ei sind reglementsmäßige, für den Krieg bestimmte Sternsignale, Die vw in verschwenderischer Weise verfeuert. Aus gutem Herzen, denn rings um die Föhtbe stehen Tausend« von Menschen und freuen sich über den herrlichen Anblick. Aber es find öffent­liche Gelder, die da verfeuert rocroeit, unb *u denen jeder Familien unter sein mühsam ab gespartes Sckierflrin beigetragen hat. Und ihre Verwendung bieiU nur dazu, um einem geringen Bruchteil der Na- tron diu Augenblicksfreude b» bereiten.

Sin UeberfaH wf den Präsidenten Faklidrer.

Am 2d. >|t ihlv.i FalliöreS,

in eigenartiger Weise auf einem Spaziergänge angegriffen worden. Als der Präsidertt an tuetcm Tage vormittags in Begleitung des Generalsekretärs blatnoiüX)u und leints Adjutanten Ouerst Lasjon iparieren ging, wurde er auf der Place de l'Ewile von einem Cafe-Kellner namens Jean Mattis angeipcodxiL Mattis er- griff plötzlich den Präsidenten beim. Hals und versuchte, ihm den Bart auszureißen, wurde aber lofort von den Herren Ramondou und Lafson fcftgeiionimen. 'JJcan fand bei ihm eine Medaille des Generals Mercier, eine Me­daille der Patrie fcancaife, die Karte eines gelben Syndikats unb eine Sammlung Äcarleu mit dem Bildnis dcS Herzogs von Orleans. Ter Ucberfall des Kellners Alatties auf den Präsidenten Fal­liöreS war so heftig, daß der Stock Failieres entzweivrarü Doch verlor der Präsident keinen Augenblick feine gewöhnliehp Ruhe und Kaltblütigkeit und setzte seinen Spariergang fort, von dem er um LOVa Uhr ins Elysee zurückkehrte. Sänttiiche Nrinistcr und l>as Präsidium der itommec begauen sich nach oem Elysäe, um den, Präsidenten Falliöres ihre Eiltrüstung über beit Ucberfall aus- zu sprechen. Die meisten Botschafter, Gcsairdten uitd Gesckstrftsträger Ipcachen ebenfalls im Elysäe vor. Ter deutsche Botschafter Fürst Radolin begab sich nach dem Ministerpräsidium, ttw er, da Ministerpräsident Ctemenccau abwesend war, dem Ka- uinetisches seine Entrüstung über den UeberfaH aus den Prä­sidenten und seine Sympathie für diesen ansdrückte. Tann sprach Fürst Rodolin nach auf dem Ministerium deS Aeußern vor. Ter Kellner Mattiös, der den Ucberfall auf den Präsidenten verübt hat, hatte schon seit mehreren Mo.taten Beziehungen »u royalisttsaicn Komitees. Seine Wirtin, die nichts von seinem politischen Be­ziehungen wußte, erklärte, Akattiös lebe in geordneten Verhält­nissen, bezahle regelmäßig feine Miete unb fudje Arbeit. Mattiös erklärte beim Verhör, er haoe den Angriff auf den Präsidenten nach vorheriger Uebetlegung auSgciährt; er bebaute die Tat nicht und habe bas Bewußtsein, eine Pflicht erfüllt zu haben.

Tschechische Gewalttätigkeiten.

Nicht einmal während des Weihnachtssestes ist der Tschechen­haß zur Ruhe gekommen. Aus dem Prager Staatsbahnhose attackierte ein Volkshausen Couleur tragende deutsck)e Studenten. Tie Polizei mußte die Studenten vor Gewalttätigkeiten schützen. Einem Studenten wurde die Kappe vom Kopfe geschlagen. In Budweis überjielen zwei Infanteristen des dort gacnijoniercnben Prager HanS-Regimenls deutsche Passanten, weil sie deutsch sprachen. Hierbei wurde der Sohn eines Fabrikanten durch einen Bajonnetstich im Rücken schwer verletzt und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Tie angreiienden Soldaten flüchteten in die Kaserne. Ihre Namen wurden festgestellt und zur Anzeige gebracht.

Die rusfischen Terroristen zeigen wieder einmal neue Regsamkeit. Nach Meldungen aus Moskau sand dort vorgestern »wischen Revolultonären und einer Kombination von Polizei und Militär eine blutige Straßenschlacht statt, deren Mittelpunkt eine Vilta war. Tie Villa wurde von den Polizisten und Gendoimeu umzingelt, welck»e oie Fniajsen, die Terroristen waren, aufforderten, sich zu ergeben. Anstatt dieser Ausforderung nachzukommen, feuerten die Revolutionäre auf die Polizisten, von denen bei der ersten Salve mehrere auf der Stelle fielen. Es wurde Artillerie requiriert, die bte Villa bombardierte und dem Boden gleich machte. Von den Ver­teidigern der Villa blieb nicht einer am Leben. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß sich in der nächsten Zeit ähnliche Zusammen­stöße zwischen Terroristen und Militär ereignen werden.

Kreta.

Tie türkische Presse beginnt sich ernstlich mit Kreta zu be­schäftigen. Anknüpsend an die angeblichen Worte des Königs Georg, daß er hoffe, die kretensischen Deputierten bald in der gried)ijd)en Kammer zu sehen, und daß die türkische Presse Un­recht habe, da die Ottomanen nichts verlieren, sagt die ,^Jeni Gazetta", der König vergesse, daß die Ottomanen von der Sklaven- fette befreit feien unb geschworen hätten, für j.b.n ihnen heil g n Erbcnflect den letzten Blutstropfen zu opfern. Der Hurtig glaube, gegenüber dem einstigen despotischen Nadcharn zu stehen. Für einen Souverän, der jchon einmal die Kcait der türkischen Armee erprobte, sei es gefährlich, wenn er dies nicht begreife. Derlei Versuche können sehr traurige Konsequenzen haben, wenn sich die Königsworte bestätigen. Hier wird ein großes Meeting ver­anstaltet werden und verschiedene Protestkundgebungen werden erfolgen. Der ,Lkdam" greift gleichfalls den König wegen seiner Rebe an.

Venezuela.

Wie dieBoss. Zig." pai Castro alles zur Kenntnis genommen, toas bic Presse üoer die letzten Vorgänge in Vene­zuela veröfseut.icht hat. Er erklärt, daß er in die angeblich« Haltung dec gegenwärtigen Regierung Zweifel setze. Er ver- Iichert, daß er nach feiner Gesundheit e.ne votlstunb.ge Tarstellung oer toirLiüjen Sachlage brr öffentlichen fUlcinung unteroreitcn werde. Um jedoch der gegenwärtigen diegierung oei Erledigung

der verfchiedenen Fragen keine Schwierigkeiten in den Weg »u legen, wirb er sich, wie er versichert, die grüßte Zurückhaltung aufcrlegen, möglicherweise auch zurück treten, wenn die Umstände seinen Rücktritt als angebracht erscheinen lassen willen. Wie bic Doss. Ztg." ferner erfährt, wirb Castro noch minbeftcns zwei Ävcken im Sanatorium des Prof. Israel verbleiben, ba die bisherige Untersuchung nod> feine eichgültige Entscheidung er» mcglidüe. 9ladi diesen Mitteilunaen des Berliner BlattcS möchte man annehmen, daß Eastw sich über die wahre Sachlage in! Venezuela täuscht. Seine Präsidentschastsberrlid>keit scheint wirk- tich »u Ende zu sein. 9lad> einer Meldung deSNew Pvrk-Herald" aus Caracas dürfte der bisherige Vizepräsident Gomez sogar die Auslieferung Castros verlangen, falls erwiesen werd«, daß dieser der Absender des Kabeltelcgraimns ist, das die Weisung enthält, Gomez zu ermorden. Tas Telegramm sagt, man solle der Schlange den Kohs zerschmettern unb Caracas tyrannisieren. Tie Präsibenlschast von Gomez ist nad? einer Reuternlelbung mt ganzen Lande anerkannt. Tie Revolution hat ohne Mut^ vergießen geenbet, sogar General Celestino Castro, der Gruber des früheren Präsidenten unb Chef des Departements Tack)ira, l/at das Kommando über die Truppen abgegeben und alle Waffen mit Munition und Patronen auSgcliefert Dies ist als entscheidend Dafür anzusehen, daß der frühere Präsident Castro nicht nttljr ab Machtfaklar gelten kann. Die Presse ist frei, das Vich-monopol ist aufgehoben, die Grenzfrage mit Columbia geregelt, bet Schiifss- oertebr auf bem Pulia von unb nach Columbia wiederher gestellt. Die niederländische Flottendcuvonstralion ist nunmehr förny lidj beendet.

«Ein Jahrhundert deutschen Bergbaus.

In verhältnismäßig kurzer Zeit ist der alte Agrarftaat Teulschland »u einem der ersten Industriestaaten! ber Welt ge­worden; ein einziges Jahrhundert hat genügt, um diese große Umwandlung »u vollziehen. Einen ganz bedeutenden Anteil an Der schnellen wirtschaftlichen Entwicklung deS Landes hat der Kvhlkn- und Erzbergbau, sowie in den letzten Jahrzehnten bic Erschließung der Kalilagcr gehabt. Die Statistik ist ja zu lücken­haft, um alle Fragen mit ZMcksicht auf bie ersten EntwicklungS- jahre des deutschen Bergbaus beantworten zu können, in der Haupl?- fache aber glauben wir, keine wichtige Zahl schuldig zu bleiben.

Im Gebiete des Zollvereins bezw. deS deutschen Reiches stieg die Steinkohlenproduktion in bett Jahren 1860 bis 1907 von 12 347 828 auf 143 222 886 Tonnen. Ta °/l0 der gesamtem Steinkohlenförderung auf Preußen kommen, verdient dieses Land ein näheres Eingehen auf seine bergbauliche Envoicklung. Betrug die Förderung im Jahre 1820 nur 970 084, im Iahte 1830 noch l 369 313 Tonnen, so belief sich bie FörderungSziffet nach einem weiteren Jahrzehnt schon auf 2 423 009 Tonnen; 1850 wurden bei einer Zahl von 29 907 Arbeitern bereits 3 951 477 Donnen int Werte von 23 953155 Mark gefördert. In der Folge er­gaben sich diese Ziffern: 1860: 64 682 Arbeiter, 10 656 725 Tonnen, Mert 63 894 996 Mark; 1870: 107 782 Arbeiter, 23316 237 Tonnen, Wert 138115 872 Mark; 1880: 155 006 Arbeiter, 42172 944 Tonnen, Mert 210 617 066 Akark; 1890: 233 754 Arbeiter, 64 373 816 Tonnen, Wert 479 523 844 Mark; 1900: 376 364 Arbeiter, 101966 158 Tonnen, Wert 878 251 112 Mark; 1907: 501805 Arbeiter, 134 044 080 Tonnen, Wert 1 285 962 587 Mark.

Die Entwicklung des Steinkohlenbergbaus im OberbergamtS- bezirk Dortmund, dem wichtigsten preußischen Bergbaurevier, erhellt and folgender Uebetsicht:

1800:

1 546 Arbeitet

176 678

t

688 677

Mk.

Wett

1820:

3 556

425 8-4

2 279 140

aa

1840;

8 945

990 852

ee

6 896 830

aa

aa

1860:

29 32)

4 865 834

28 055 022

1880:

80 152

22 495 202

102 958 856

1900:

226 902

59 618 900

508 796 740

1007:

303 089

V

80 182 647

768 217 586

*

Auch der Braunkohlenbergbau hat in Preußen ritte schnelle Entwicklung genommen. Im Jahre 1840 betrug bie För­derung bei einer Zahl von 2 860 Arbeitern 521 400 Tonnen, bie einen Wert von 112? 250 Mark hatten. Nach 10 Iahten wurden ourd) 6066 Arbeiter 1 127 250 Tonnen im Wette von 3 158 205 'Mark gefördert, 1860 durch 9938 Arbeitet 3153 294 Tonnen int Werte ton 8 915 574 Mark, 1900 durch 42 350 Arbeiter 34 007 542 Tonnen im Werte ton 80 257 926 Mntk unb 1907 burch 53 989 Arbeiter 52 660597 Tonnen im Werte von 127 192 622 fDtarl

An Eisenerz würben geförbert 1840 : 316 382 Tonnen (Mert 1 965 882 Mark), 1860: 779 793 Tonnen (Wert 4 794 578 Mack), 1880: 3 679 320 Tonnen (Wert 25 131726 Mark), 1900: 4 268 068 Tonnen (Wert 37 686 380 ?Nark) unb 1907 bereits 5 077 772 Tonnen im Werte von 50'/» Millionen Mark.

Tie Förderung an Zinkerz betrug int Jahre 1840: 57 927 Tonnen im Wette von 1 802 160 Mark und stieg dann allmählich vis zum Jahr« 1907 auf 696 039 Tonnen im Werte von 42 096 054 'JJlatL Ter Dleibergbau förbertc in Preußen im Jahre 1840 nur 18 064 Tonnen (Wett 1186119 Mark), im Jahre 1907 hatte et die sbattliche Fördetungsziffer von 133528 Tonnen im Werte von 19 929 396 9)lart erreicht. Die Förderung ton itupferer» stieg von 27 408 Tonnen (Wett 636 798 Maty im Jahre 1840 auf 755 202 Tonnen (Wett 26 296 362 Mary im Jahre 1907. Ter Mineralsal-bergban Preußens lie­ferte im Jahre 1856: 2833 Tonnen zum Werte ton 28 719 Mark, im Jahre 1907 aber 4 391302 Tonnen im Werte von 48 396110 'JJlarf, während bic Förderung an Kochsalz von 93 625 Tonnen im Werte von 4 315 227 Mark auf 353 290 Tonnen im Werte von ö 012 880 Mark (1907) stieg.

Fragen wir einmal nach den Gründen dieses gewaltigen Aufschwunges. Abgesehen ton den überaus günstigen Vorbe­dingungen, bie durch die natürlichen Verhältnisse gegeben lind, kommen hierbei in erster Linie bie Fortschritte der Technik in Betracht. Die Entdeckung der Dampskraft unb ihre Aus­nutzung in bet Maschine ermöglichte ganz allgemein ben Utbetgang zum Tiesuau und die Prinera.gewiunung in großen laufen und bei starken Masserzuflüssen. Waren im Jahre 1826 erst 440 ma- ichinelle Triebkräfte mtt 21 485 Pserdectuite vorhanden, so betrug ihre Zahl im Jahre 1892 nicht weniger als 8835 mit 518052 Pferdekrchten. Im Steinkohlenbergbau des OberbcrgamlSbe-irlS Toitmund waren 1826 nur 16, 1870 bereits 746 Maschinen mit 61 7 <8 Pferdekräslen, 1906 aber 6171 AkaschmeL mit §21291 Pserdckräjten in Betrieb.