Nr. 77 Zweites Blatt
Erscheint tSglkch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener Lamklienblätter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Xj „Ureisb'att fflr den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Deutscher Neschstag.
Abendsitzung vom 30. März.
In der fortgesetzten dritten Beratung des Etats beschwert sich beim Etat des Neichsjusti; Verwaltung Zu b eil (Soz.) über gesundheitsschädliche Beschäftigung der Strafgefangenen in den Zuchthäusern und Gefängnissen.
. Staatssekretär N i e b c r d i n g vermach- den Beschwerden ncuWigehcn. Auch- auf die Gesundheit i>,r Strafgefangenen müsse Rücksicht genommen.werden.
Wölzl (Natl.) pflichtete Roeren bei, der im preußischen Abgeordnctenhause mit der Verurteilung des Schmutzes in Wort und Bild durchaus das Richtige getroffen' hätte. Eine gesetzliche Regelung der Pro.stitutionsfragc dürfe nicht länger hinausgeschoben werden.
Roeren (Ztr.) polemisierte gegen Müller-Meiningen. Deutschland marschiere tatsächlich leider an der Spitze der pornographischen Jndusttie. Müller von der Werra mit Müller-Meiningen in eine Parllele zu setzen, sei ihm nickst eingefallen. Wenn letzterer das behauptete, so erkenne man daran seine übergroße Bescheidenheit. Das heutige «Zitat Müller- Meiningen hätte ihn ebenfalls zu dem Verse begeistert:
Wer andre tut verklatschen.
Der setzt sich in die Patschen, Drum, lieber Dichter Müller, Sei für die Zukunft stiller!
(Schallende andauernde Heiterkeit.)
Müller-Meiningen (freis. wandte sich gegen Roeven, der nicht einen her vvrgerwachten Fälle hätte toib:.:?gcn Vnnen. Von Roeren würde er sich über Sittlichkeit und Unsitt- lichtkeit nicht belehren lassen. In dem Gedicht Roerens werde er der Denunziation geziehen. Er freue sich, daß die „Germania" ihn verklagt habe. Er Ijabc Gröber nicht bei der Presse denunziert. Er erkläre jeden, der ihn der Denunziation beschuldige, für einen Verleumder und Ehrabschneider. Er sei bereit, dies jeder Zeit außerhalb des Hauses zu widerlegen. Redner schloß:
Herr Roeren vom Rhein
Träumt nur noch vvm Schwein, nur immer vom Schwein, Das ist ja ein Gvaus,
Das hält ja der beste Magen nicht aus.
(Lebhafte Heiterkeit.)
Roeren (Ztr.) bemerkte, daß Müller-Meiningen schon wiederan sein Wiesbadener Saugedicht angeknüpft hätte. ^Stürmische Heiterkeit.)
Bei den Ausgaben für das Reichsgericht bestieg Stadthagen (Sozd.- unter lautem Halloh der Abgeordneten die Rednertribüne und kam auf den Fall Liebknecht zurück. Solche Bluturteile seien nur möglich,'weil nur politisch zuverlässige Richter berufen würden.
Staatssekretär Nieberding erklärte, daß während seiner 15 jährigen Amtsführung niemals ein Richter bei der Berufung an das Reichsgericht nach der politischen Gesinnung gefragt worden sei. Er weise die Vorwürfe Stadthagens entschieden zurück. (Lebhafter Beifall.)
Darauf wurde der Etat der Reichsjustizverwaltung bewilligt, ebenso, ohne Debatte, Reichsschatzamt, Schutzgebiete, Gesetz über den Haushalt der Schutzgebiete.
Bei dem Etat Reichsbolonialamt kam
v. Treuenfels (Kvni.) auf die Rede Eichhorns in der zweiten Lesung zurück, der ihm glatte Unwahrheit vorgeworfen hätte, weil er gesagt habe, daß die Sozialdemokratie die deutschen Truppen in Süd-Westafrika beschimpft hätte. Er verweise nur auf die zahlreichen Verurteilungen sozialdemokratischer Redakteure wegen Beschim- fung der Truppen.
Eichhor - Soz.) bleibt dabei, daß die Soldaten nicht be- lchimpst wor. seien. Die Gerichtsurteile seien feine Beweise. (Lachen recht.'. -
Der Emk des Reichskolonialamts wurde bewilligt, ebenso, ohne Teb- ?, Reichseisenbahnamt, Rechnungshof, Allgemeiner Pen- sionsfondReichsinvalidenfonds.
Vc.m Poflxtat lag ein Antrag der konservativen Parteien besetz Gewähriung der Ostmarkenzülage an die Post- und £ele= graph:nbeamten vor.
Singer (Sozd.) und Schultz (Rpt.) baten, diese wichtige vrage heute abzusetzen und sie bis morgen zu vertagen. Tas Haus beschloß mit großer Mehrheit die Absetzung.
Hus (Sozd.) bemängelte den schlechten Telephonverkehr nach Berlin und ferner die geringe Höhe des Wohnungsgeldzuschusses m den Jndustriebezirken.
Weiter sprachen Giesberts (Ztr.) und Staatssekretär !drätke mit Bezug auf die Teilung des Düsseldorfer Bezirks, ebenso Linz (8ipt.).
Staatssekretär Krütke erwiderte weiterhin dem Abgeordneten Linz, der bemängelt hatte, daß bei der Auflieferung über» seepcher Güter jeder urkundliche Nachweis fehle; ein Verlust sei tatsächlich sehr selten.
m (Wirtsch. Vgg.) bedauerte, daß die Verwaltung das oullge Ortsporto nicht wieder eingeführt habe.
Nach weiterer unwesentlicher Debatte brachte
Zubeil (Sozd.) erneut der Fall der Entlassung des Post- nnterbeamten in (Sabinen zur Sprache und behauptete, daß der Staalsselretär das Recht gebeugt habe.
Präsident Graf Stolberg erklärte diese Bemerkung für unzulässig.
Der Etat wurde bewilligt, ebenso der Etat der Neichsdruckerei, NeichsLisenbahnen, Expeditionen nach Ostasien.
Beim Hauptetat verwahrte sich
Rösicke (Kons.) gegen den Vorwurf Südekums, daß er me Angelegenheit des Brarmtweinsteuergesetzes von der Kvm- unision bis zum St. Nimmersmehrstage hinausschieben wolle.
Nach einer kurzen Bemerkung von
Arnsberg (Ztr.) wurde der übrige Hauptetat be- «nlügt.
Beim Etatsgesetz trat
sRr'??'?'erniailn (Natl.) für die Freizügigkeit der Noten der ^rrvatnotenbanken, besonders int Interesse der süddeutschen Notenbanken, ein.
ÖU hrul^e genehmigt. Schließlich wurde in der
qomtabftinwiuns der Etat int ganzen gegen die Stimmen der ^lawemotraten und Polen angenommen. (Damit ist die Etats-
D;e Affäre hrll.
Seit einigen Tagen liest man in den Zeitungen von der Affäre Hill, dem neuesten politischen Klatsch. Wir haben bisher hiervon keine Notiz genommen, weil die Sache zu un» geklärt war und die Nachrichten widersprechend lauteten; die Begleiterscheinungen aber, die sich im Verlaufe dieser An- gelegenheit entwickelten, sind doch so typisch, daß sie eine Kritik herausfordern. Welche offiziöse Aufklärung auch der Sache gegeben werden mag, das eine ist klar, daß hierbei ähnlich wie bei der Tweedmouth.Affäre, mit welcher der neueste Zwischenfall auch sonst eine gewisse Aehnlichkeit Hat, einflußreiche Persönlichkeiten hinter den Kulissen die Drähte gezogen haben, um dabei ihre Feindschaft gegen Deutschland zu betätigen. Der diplomatische Brauch bestimmt bekanntlich, daß bei der Ernennung von Botschaftern und Gesandten erst vorher bei der betr. Negierung vertraulich angefragt wird, ob der vorgeschlagene Kandidat auch genehm ist, ja man präsentiert oft mehrere Diplomaten, sodaß dann die fremde Regierung den ihr geeignet Erscheinenden sich wählen kann. Es kommt dabei natürlich auch nicht allzu selten vor, daß, wenn nur eine Persönlichkeit vorgeschlagen ist, diese als nicht genehm abgelehnt wird, ohne daß der betreffende Staat oder die vorgeschlagene Persönlichkeit irgendwie darin eine Beleidigung erblicken; handelt es sich doch hierbei meist nicht um die persönlichen Eigenschaften des Betreffenden, als vielmehr um feine politische Gesinnung, wie man beispielsweise vor einiger Zeit in Wi-m Hrn. Deleaffße und Teschanel wegen ihrer ausgesprochenen Dreibundfeindlichkeit abgelchnt hat, ohne daß sich an her Seine auch nur eine einzige verärgerte Stimme erhoben hätte. Herr Hill war von Deutschland akzeptiert worden, hinterher sollen aber Bedenken aufgetreten fein; nach dem üblichen Brauche läge jedoch darin absolut kein unfreundlicher Akt, zumal ja die offizielle Nominierung des Genannten noch in ziemlich weitem Felde stand. DurchJndiskretion dringt etivas von der Angelegenheit in die Oeffentlichkeit und sofort find liebe Freunde dabei, aus der Mücke einen Elephanten zu machen. Man weiß ja, daß die deutschfreundliche Politik Rosevelts gar vielen Leuten in der Union ein Dorn im 2(uge ist, und für diesen war die ganze Affäre, wie man zu sagen pflegt, ein gefundenes Fressen. Sofort sprach man von einer schweren Beleidigung der Bereinigten Staaten lind suchte alles mögliche anzustellen, um die „Volksseele" zum „Kochen" zu bringen. Und nicht vergebens, denn in Dingen, die an die nationale Ehre gehen, versteht der Pankee keinen Spaß, das hat man im Verlaufe der Differenzen mitjIa- pan zur Genüge gesehen. Zweifellos wird eine Verstimmung zwischen Deutschland und Amerika Zurückbleiben, so befriedigend auch die Lösung deZ Zwischenfalles sein mag; die Hetzer waren zu eifrig an der Arbeit, und das war wohl auch in der Hauptsache der Zweck der ganzen Uebung.
Nach der „Post" legt man an amtlichen Stellen in Berlin Wert darauf, fesizustellen, daß die „Daily Mail" von deutscher Seite keinerlei Autorisation erhalten hat, eine Erklärung in Sachen Hill zu veröffentlichen. Nach der „Norddeutsch. Allgem. Ztg." ist der deutsche Botschafter in Washington am Sonntag ermächtigt worden dein Präsidenten Roosevelt folgende Erklärung abzugeben: Die bisherigen Darstellungen des Falles Hill in der ausländischen Presse gehen von der irrigen Auffassung aus, daß man in Berlin beabsichtige, das bereits im vorigen Herbst erteilte Agrement für Hill zu widerrufen. Hieran fei niemals gedacht worden. Nachträglich waren allerdings Zweifel darüber entstanden, ob Hill auf dem Berliner Posten sich wohl fühlen werde. Diese-Zweifel sind jedoch behoben worden, so daß einer Entsendung (Hills auf den Berliner Botschafterposten durchaus nichts im Wege stehe. Er ist nach ivie vor, ebenfo wie jeder andere einwandfreie Vertreter, den Roosevelt empfohlen hätte, in Berlin willkommen. Es kann nur bestätigt werden, daß der Botschafter Tower in dieser Angelegenheit in keinem Augenblick von der Linie eines streng loyalen, korrekten Verhaltens gegenüber seiner und derjenigen der kaiserlichen Negierung abgewichen.
Abreise des Kaiferpaares von Venedig.
Einen ganz unerwarteten Besuch hat der deutsche Kaiser gestern noch kurz vor seiner Abreise von Venedig bekommen. Vormittags um 10 Uhr erschien Fürst Nicolaus von Montenegro an Bord der „Hohenzollern". Er war von Petersburg, wohin er sich am 27. März begeben hatte, direkt nach Triest gefahren und von dort nach Venedig. Der Kaiser begrüßte ihn mit großer Herzlichkeit und blieb 20 Minuten mit ihm allein. Dann stellte er den Fürsten seiner Familie vor. Der Fürst verließ die Kaiserliche Jacht um 11 Uhr. Bei der gestrigen Abreise des Kaiserpaares um 2 Uhr nachmittags war die Riva degli Schiavoni von Menschen umlagert, die jubelnd Hüte und Tücher schwenkten und unermüdlich Hochrufe ausbrachten. Die Hauser und Paläste waren in den Nationalfarben geflaggt. Die Goiidclii der Aristokratie umgaben die kaiserliche Jacht. Der Bürgermeister mit dem Gemeindeausschuß, die Gräfin Morosini und der deutsche Konsul Rechsteiner waren erschienen, um den Kaiser bei der Abfahrt zu begrüßen. Der Kaiser salutierte von dem Verdeck der jubelnden Menge zulächelnd. Die Kaiserin und die Prinzessin winkten mit Tüchern. Von den italienischen und deutschen Kriegsschiffen wurden Salittschüsse abgefeuert. Der Donner der Geschütze scheuchte die Markustaubcn auf, die in dichten Schwärmen hin und her flogen. Die deutsche Vereinigung Venedigs gab dem Kaiser noch ein Stück Wegs das Geleit auf einem beflaggten Dampfer. Zwei Schiffe der englischen Mittel- me er flotte sind unterwegs, um den Kaiser in Korfu
Dienstag 31. März 1908
i. M Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schsn UnioersitätS - Buch- und ©tembructerei, R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e=^5L Redaktion: ^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen-
du begrüßen. Dagegen erwartet man entgegen früheren Nachrichten keine österreichischen Kriegsschiffe.
Fürst Bülow in Wien.
Reichskanzler Fürst Bülow wurde gestern mittag vom Kaiser Franz Josef in ^stündiger Audienz empfangen und unternahm nachmittags in Begleitung des deutschen Botschafters eine Spazierfahrt nach dem Prater. Abends soupierte der Kanzler beim bayerischen Gesandten und um 9.4O Uhr trat er mit der Nordwestbahn die Rückreise nach Berlin an. Viel bemerkt wird, daß bei dem gestrigen Diner im Ministerium des Aeußcrcn als einziger fremder Diplomat der italienische Botschafter Herzog Avarns eingeladen ivcir. In Regieruttgskreisen verlautet, daß sowohl bei der Konferenz mit Aehrcnthal als auch beim Diner die Aussprache eine völlige Uebereinstimmung in allen grundlegenden Fragen der auswärtigen Politik ergeben hat. Fürst Bülow trat bei dem gestrigen Diner auch mit dem Ministerpräsidenten Beck und Wekerle in Fühlung.
Die Beamten tinb das Publikum.
Von einem Freunde der „Voss. Ztg." wird geschrieben: Bet der Debatte int Abgeordnetenhause über die Höflichkeit der Be^ amtetr im Verkehr mit dem Publikum wurde von mehreren Rednern auf französische Gepflogenheiten hingewiesen. Ich halte mich seit langen Jahren viel in Frankreich auf und bin des öftern auft Angenehmste von der großen Liebenswürdigkeit und Dienstwillig- kett der Beamten aller Rangstufen und von den feinen, verbind" ltchen Formen des schriftlichen Verkehrs mit dem Publikum be- rührt worden. Die Beamtenschaft ist dort offenbar bestrebt, dem Volkern der Höflichkeit und Artigkeit ein Vorbild zu fein. Abet das i|t nicht nur bei den Franzofen so, ähnliches findet man aua) bei unseren englischen Vettern. Die Grobheit ist also feint Eigentümlichkeit des ganzen Germanentums. Ich bin mit engl Freunden an deutschen Unternehmungen beteiligt, da erhalten wir öfters Zuschriften von deutschen Behörden. Anfangs waren dis Ausländer entsetzt über die offenbare Geflissentlichkeit, mit welcher l.eder Ausdruck der Achtung vermieden wird und konnten nicht fassen, daß man sich bei uns einen solchen Kommandoton gefallen lasse. Jetzt amüsieren sie sich nur noch darüber, was für mich noch beschämender^ ist. In England Beginnen alle Beamten, einschließlich der Staatsminister, jeden amtlichen Brief an einen Bürger mit „Mein Herr" oder „Gnädige Frau" und fchließen ihn „Ich verbleibe, mein Herr (gnädige Frau>, Ihr gehorsamen Dtener . . ." Wir würden in Deutschland mit weniger zufrieden sein, aber etwas sollte endlich geschehen.
Berlin, 30. März. Tas Preußische H er r e n h a u ä hat heute in sechsstündiger Sitzung die Etat-Berätting fortgesetzt und eine Reihe von Etats erledigt. Morgen Weilerberätung.
— Henke mittag sand eine K o n s e r e n z d e r p r e n ß i s ch e n R e s s o r t min i fi er statt, in der die Frage des Schlusses der LaudtagSsessiou erörtert wurde. Wie verlautet, beabsichtigt die Regierung, den Landtag v or Oste rn, etwa am 9. Aprt zu schließen.
Deretsches Reich.
München, 30. März. Der Besuch der deutschen Fürsten in Wien zum Negiernngsjubiläum des Kaisers Franz Joses findet nunmehr, wie aus jetzt zugegebenen Verhandlungen zwischen den deutschen Höfen hcruorgeijt, bestimmt statt. ES heißt, daß 16 deutsche regierende Fürsten mit Kaiser Wilhelm an der Spitze dem greisen Btindesgenosseit Tentschlands ihre Reverenz erweisen werden. Um zeremoniellen Schwierigkeiten zu begegnen, oll der Besuch einen völlig familiären Charakter tragen, so daß damit atich jede Strapaze für Kaiser Franz Joses in Wegfall kommt.
Aus der Sastwttte-Aussteiiuiig.
Die Ausstellung, die andauernd bet Laien ujtb in Fachkreisen großes Interesse erregt, bietet so viel des Schönen und Lemertens- toerten, daß es nicht möglich ist, auf einmal alles genügend zu besichtigen. Es sei daher im nachstehenden auf eine Anzahl der Ausstellungsobjekte etngegangcn, ohne durch die Reihenfolge, die ganz ohne Absicht gewählt ist, dem Urteil des Preisgerichts vorgreisen zu wollen.
Zunächst seien die Arbeiten der auf praktisch-hauswirtschaftliche Ziele gerichteten Bestrebuugeit mehrerer gemeinnütziger Jnstüutt genannt, die die Ausstellung benutzt haben, um ihre Bestreu düngen größeren Kreisen vor Augen zu führen. Die K o ch s ch u l s der hiesigen A l i c e s ch u l e hat eine vollständige Küche eingerichtet, in der eine Anzahl nett gekleideter Kochschüler innen unter sachverständiger Anleitung täglich ein Mittagessen für Ausstcllungs- besucher bereitet. Außerdem bieten sie Frühstücksfchüsseln, belegte Brote usw., alles nett und appetitlich, sowie Eingemachtes. Die K r e i s h a u s h a l t u n g s s ch u l e des Kreises Friedberg zeigt vorwiegend sogen, praktische Schüsseln, während die des Kreises Gießen besonders täglich hccgestellte Braten, Salate, Torten, Brote, Nudeln, Eingemachtes usw. zeigt.
Eine hervorragende Ausstellung hat unser einheimisches Nahrungsmittelgewerbe zusammengebracht. Nebeneinander finöen wir die Ausstellungen von Ernst Ludwig Sack, der feine Fleisch- und Wurstwarctt in großer Auswahl und in fehr appetitlicher Ausmachung vorführt, und Friedrich Schreiner, der wohl sämtliche Produkte des Metzgereigewerbes in wahren Prachtstücken vor Augen führt, bis zunt Ochfenntaulfalat. Beide Aussteller haben in der Zubereitung und Auswahl der Ausstellungsobjekte ganz Außerordentliches geleistet und in der geschmackvollen Anordnung und Verzierung der Waren gezeigt, daß auch bei der Metzgerei die Kunst ihren Einzug gehalten hat. In ihrer Nähe hat Bäckermeister Fritz Schreiner die verschiedensten Backwaren zur Schau gestellt, wohl zwei Meter lange Brote, Brötchen, Zwieback verschiedener Art usw. Weiter finden wir eine recht umfangreiche Sammlung von Konfervert allerlei Art, lebenden und frischen Fischen, Krebsen usw., die die Firma I. M. ^chulhos mit großem Fleiß zusantmcngesügt hat.
In der Nähe ist in einem freundlich ausiehenden Häuschen eine vollständige Kühlanlage, System Litt, untcrgebracht, dte von der Firma Frankfurter Kühl- und Gefrier-Anlagen G. m. b. H. ausgestellt ist. Die interessante Anlage erregt namentlich bei den Fachleuten viel Auftncrlfamkeit, aber auch der Laie nimmt gern die Gelegenheit wahr, sich von dieser mobernen technischen Errungenschaft ein rtchtigeö Bild machen zu können. Tie Anlage ist in ständigem Betrieb, die darin aufvewahrten Waren rühren von E. L. Sack her. Sie befinden sich in der Kühlanlage in einer -Temperatur von 1—5 Grad. Durch die sinnreiche Luft- zirkulatton hängen die Waren in reiner, trockener Luft und erfordern zur Frischhaltung nur geringen Eisverbrauch.
Daneben finden wir Beerenweine, Saft, Beerenweinsekte ustv., die bie bekannte Frankfurter Firma Fromm ausgestellt hat. Es sind durchweg angenehm mundende Getränke, imd namentlich


